Konjunkturlagebericht Herbst 2014

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1 Konjunkturlagebericht Herbst 2014 Russland-Ukraine-Konflikt dämpft Konjunkturerwartungen Das konjunkturelle Klima verdient zwar noch die Note befriedigend bis gut, ist aber merklich rauer geworden. Eine abgeschwächte Nachfrage zur Jahresmitte sowie die politische Krise in Osteuropa haben die konjunkturelle Dynamik spürbar gebremst. Viele Unternehmen berichten, dass sie ihre künftige Entwicklung nicht mehr hinreichend genau vorausplanen können. Sie begründen dies auch mit der Sanktionsspirale, die wegen des Russland- Ukraine- Konflikts droht. Der Geschäftslageindex, das ist die Differenz der Antworten gut und schlecht, ist im Jahresverlauf von 47 auf jetzt 19 Punkte abgestürzt. Er befindet sich damit auf dem niedrigsten Niveau seit vier Jahren. Trotz dieser schlechteren Entwicklung wird die Konjunktur absolut betrachtet - überwiegend noch positiv bewertet. Gleiches gilt für die drei bergischen Großstädte. Diese Feststellungen ergeben sich aus der aktuellen IHK- Umfrage mit Antworten von 322 Unternehmen, die ca Mitarbeiter beschäftigen. Veränderungen gibt es im Städteranking: Derzeit liegt Wuppertal mit einem Indexwert von plus 28 deutlich vor Solingen (plus 14) und Remscheid (plus 7). Wie die drei Städte weisen auch die diversen Wirtschaftszweige eine durchaus noch komfortable Wirtschaftslage auf. Im Branchenvergleich sind jetzt die unternehmensnahen Dienstleister mit einem Indexwert von plus 25 vorn. Mit jeweils plus 17 folgen die Industrie und das Kreditgewerbe. Das Verkehrsgewerbe hat kräftig gegenüber den anderen Branchen aufgeholt (plus 13). Nur der Handel liegt mit einem Indexwert von minus eins unter der Nulllinie. Umsätze gestiegen Erträge bleiben stabil Die Umsätze der bergischen Unternehmen sind zumeist gestiegen, während die Erträge im Durchschnitt auf dem bisherigen Niveau gehalten werden konnten. Dies gilt allerdings nicht für alle drei Städte. So sind die Erträge in Solingen deutlich zurückgegangen. Die Betriebe schätzen ihre weitere wirtschaftliche Entwicklung trotz einer gewissen Verunsicherung durch die weltweiten Krisenherde vorsichtig optimistisch ein. Wachstumspläne zielen in erster Linie auf die Umsätze und Investitionen. Positive Investitionsanreize liefern das niedrige Zinsniveau, die in den Unternehmen gebildeten Rücklagen sowie die seit Mitte des Jahres mögliche staatliche Zuschussförderung für bestimmte regionalwirtschaftliche Vorhaben. Folglich erscheint der Themenkomplex Investition und Finanzierung weniger problematisch. Mehr als zwei Drittel der investierenden Unternehmen planen Rationalisierungsmaßnahmen. Die Beschäftigung wird mit Ausnahme der Ausbildungsplätze tendenziell abnehmen. Die bergischen Unternehmen setzen jetzt die Arbeitskosten als größtes Risiko für die eigene wirtschaftliche Entwicklung auf Platz eins. Die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise bleibt zwar für jedes zweite Unternehmen bedrohlich, hat aber gegenüber früheren Umfragen

2 2 etwas an Bedeutung verloren. Insgesamt ist eine Rezession im IHK-Bezirk (noch) nicht in Sicht. Wenn die Geschäftslage, wie von der Regionalwirtschaft erwartet, tatsächlich in etwa gleichbleiben sollte, gibt es objektiv wenig Anlass zur Sorge. Niedriges Zinsniveau drückt auf die Margen des Kreditgewerbes Das Konjunkturklima hat sich bei den Banken und Sparkassen im Bergischen Städtedreieck leicht abgekühlt. Zwar bezeichnet die weitaus überwiegende Mehrheit ihre aktuelle Geschäftslage als befriedigend, im Frühjahr berichtete aber noch mehr als die Hälfte von einer guten Lage. Die Kreditinstitute schätzen sowohl das Firmen- als auch das Privatkundengeschäft nicht mehr ganz so positiv ein wie bei der vorherigen Konjunkturumfrage. Das sehr niedrige Zinsniveau drückt auf die Margen und verringert die Nachfrage nach mittel- bis langfristigen Kapitalanlagen. Die Kreditvergabe an Firmenkunden ist in diesem Jahr gegenüber der gleichen Vorjahreszeit tendenziell gestiegen. Dies gilt einerseits für die kurz- bis mittelfristigen Geschäftskredite, andererseits auch für die längerfristigen Darlehen zur Finanzierung von Investitionen. Die Banken stellen allerdings zunehmend fest, dass Unternehmen ihre Investitionen aus Eigenkapital finanzieren und nicht auf Darlehen angewiesen sind. Das niedrige Zinsniveau regt die Nachfrage nach Konsumentenkrediten an, aber auch Darlehen zur Baufinanzierung und zur energetischen Sanierung bleiben gefragt. Die Banken und Sparkassen erwarten für die kommenden 12 Monate nahezu einmütig eine unveränderte Geschäftslage. Kein Kreditinstitut, das sich an der Umfrage beteiligt hat, erwartet steigende Zinsen. Auch bei der Investitionsneigung der Banken und Sparkassen ist keine Veränderung festzustellen. Die Branche rechnet aber damit, dass vor allem die Kreditvergabe an Privatkunden zulegen wird. Im Kreditgewerbe wird sich der moderate Beschäftigungsabbau im kommenden Jahr fortsetzen. Dies wird jedoch erfreulicherweise nicht zu Lasten der Ausbildungsplätze gehen. Industrie investiert zögerlicher in Kapazitätserweiterungen Der industrielle Lageindex ist seit dem Jahresbeginn von 50 auf derzeit 17 erheblich gesunken. Während die Wuppertaler und Solinger Industrie ihre Lage besser mit plus 31 und plus 20 bewerten, erreicht Remscheid nur einen Wert von plus drei. Gleichwohl geht es der regionalen Industrie insgesamt noch überwiegend gut. Nur jeder zehnte Betrieb ist mit seiner aktuellen Geschäftslage unzufrieden. Die Ertragslage der regionalen Industrie ist insgesamt stabil. Sowohl die inländischen als auch die Auslandsumsätze konnten überwiegend noch gesteigert werden. Die offizielle Industriestatistik bestätigt diese Unternehmensangaben für Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigte. Danach sind die Industrieumsätze in den ersten sieben Monaten des Jahres um fünf Prozent, die Exporte sogar um acht Prozent gestiegen. Im Land hingegen stagnieren die Umsätze. Besonders gut läuft es 2014 in Wuppertal mit zweistelligen Wachstumsraten für die Gesamt- und die Exportumsätze; Remscheid stagniert analog zur Landesentwicklung. Die Umsätze stiegen in Solingen um drei Prozent und damit stärker als in Remscheid, aber auch deutlich geringer als in Wuppertal. Erfreulich entwickelten sich die Chemieindustrie (plus 17 Prozent), der Maschinenbau (plus 12 Prozent) und die Kunststoffindustrie (plus zehn Prozent). Jedes zweite Unternehmen rechnet mit einer gleich-

3 3 bleibenden Geschäftslage, 27 Prozent mit einer Verbesserung und 20 Prozent mit einer Verschlechterung. Die Umsatz- und Ertragserwartungen bleiben überwiegend positiv. Die voraussichtlich weiter steigenden Investitionen, bei denen die Wuppertaler Unternehmen seit einem Jahr besonders aktiv sind, zielen primär auf Ersatzbedarf und Rationalisierung. Nur bei jedem vierten Betrieb geht es aktuell um Kapazitätserweiterung, nachdem im Frühjahr noch jedes zweite Unternehmen dies als Hauptmotiv für seine Investitionen angegeben hatte. Auch die Personalpläne sind weniger auf Expansion ausgerichtet. Viele Unternehmen befürchten, dass die Konflikte und Krisen in Osteuropa und im Nahen Osten das industrielle Geschäftsklima zunehmend negativ beinflussen können. Es ist ihnen unklar, ob und wie sich die Sanktionsspirale weiterdrehen wird. Das erzeugt eine gewisse Unsicherheit und ein abwartendes Verhalten. Verschlechterte Lage im Einzelhandel Die Geschäftslage hat sich im Einzelhandel stark verschlechtert. Schätzten im Frühjahr 2014 nur sehr wenige ihre Geschäftslage als schlecht ein, sind es jetzt mehr als die Hälfte. Auffallend ist, dass dies nur für Wuppertal und Solingen gilt, nicht jedoch für Remscheid. In Remscheid hat der Index lediglich leicht nachgegeben. Entsprechend pessimistisch sind die Händler im Hinblick auf die kommenden sechs Monate, mit Ausnahme der Remscheider Einzelhändler. Im Großhandel hat der Geschäftsklimaindex nach dem starken Anstieg im Frühjahr etwas nachgegeben. Gut drei Viertel der Großhändler, die geantwortet haben, beurteilen jetzt ihre Lage als befriedigend. Der Blick auf die weiteren Aussichten ist allerdings eingetrübt: rund ein Drittel erwartet schlechtere Geschäfte und Umsätze. Die Reisebüros, das Gastgewerbe und die unternehmensnahen Dienstleister beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage insgesamt deutlich zurückhaltender im Vergleich zu den sehr positiven Einschätzungen im Frühjahr. Ein Absacken des Indexwertes bedeutet dies jedoch keineswegs. Er liegt immer noch deutlich im positiven Bereich. Während die Umsätze dieses Wirtschaftszweigs 2014 gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind, geraten die Gewinne unter Druck. Zahlreiche Unternehmen benennen die steigenden Arbeitskosten als einen Risikofaktor für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Offensichtlich kehren bei einigen die optimistischen Erwartungen zurück. Jeder Sechste erwartet einen besseren Geschäftsverlauf. Die Unternehmen rechnen zwar tendenziell mit steigenden Umsätzen, gehen aber mehrheitlich davon aus, dass ihre Erträge stagnieren werden. Die Dienstleister möchten in den kommenden Monaten zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Allerdings hat jeder dritte unternehmensnahe Dienstleister Probleme, offene Stellen zu besetzen. Insbesondere hochqualifizierte Mitarbeiter werden vergeblich gesucht. Die betroffenen Unternehmen wollen dem Fachkräftemangel mit Weiterbildungsmaßnahmen, aber auch mit besseren Angeboten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie begegnen. Licht und Schatten im bergischen Verkehrsgewerbe Die allgemeine Geschäftslage im bergischen Verkehrsgewerbe hat sich im Vergleich zum Frühjahr verbessert. So bezeichnet ein Drittel der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut. 47 Prozent bewerten ihre Geschäftslage als befriedigend. Ein Fünftel der Befragten spricht

4 4 von einer schlechten wirtschaftlichen Lage ihres Unternehmens. Die Umsatz- und Ertragsentwicklung zeigt eine Zweiteilung der wirtschaftlichen Situation im Verkehrsgewerbe auf. 40 Prozent der Verkehrsunternehmen - insbesondere Speditionen und Busunternehmen - berichten von gestiegenen Umsätzen und Erträgen. Allerdings verzeichnen auch knapp 40 Prozent der Betriebe Umsatzrückgänge, und 36 Prozent der Unternehmen mussten Ertragseinbußen hinnehmen. Vor allem die reinen Gütertransportunternehmen waren davon betroffen. Die gesamte Branche steht nach wie vor unter hohem Kostendruck. Das deutsche Gütertransportgewerbe verliert zunehmend Marktanteile an ausländische Konkurrenten. Der Druck durch osteuropäische Flotten auf das heimische Gewerbe ist immens. Als Fazit bleibt festzuhalten, dass der Nachfragemarkt für Gütertransportleistungen zwar wächst, aber das deutsche Gewerbe schrumpft. Letztlich bleibt nur der Ausweg in das anspruchsvolle Nischengeschäft. Auch die heimischen Unternehmen im Personenbeförderungsverkehr können nur über Qualität und Service punkten, um wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen wie die bevorstehende Einführung des Mindestlohnes zu kompensieren. Das Verkehrsgewerbe blickt verhalten optimistisch in die Zukunft. Ein Fünftel der Verkehrsunternehmen erwartet eine bessere Geschäftslage. Das ist ein leicht verbesserter Wert im Vergleich zur letzten Konjunkturumfrage. Fast ein Drittel der Befragten prognostiziert steigende Umsätze. Bei den zu erwartenden Erträgen gehen die Betriebe zu etwa gleichen Anteilen von steigenden, gleichbleibenden oder sinkenden Werten aus. Bei der längerfristigen Besetzung offener Stellen sehen 62 Prozent der Verkehrsunternehmen keine Probleme auf sich zukommen. Auf einen möglichen Fachkräftemangel wollen 64 Prozent der Unternehmen in der Verkehrsbranche mit der Bereitstellung von zusätzlichen Ausbildungsstellen reagieren. Wuppertal,

5 1 Konjunkturbericht Frühjahr 2014 Bergische Unternehmen planen mit weiter wachsenden Umsätzen Die regionale Wirtschaft zeigt sich im Frühjahr 2014 weiterhin ausgesprochen zufrieden mit der konjunkturellen Entwicklung. Der Geschäftslageindex, das ist die Differenz der Antworten gut und schlecht, hat sich im letzten Quartal zwar von 47 Punkte auf 34 Punkte verringert, er liegt aber noch deutlich höher als vor einem Jahr. Nach der aktuellen IHK- Umfrage, in die Antworten von 360 Unternehmen mit rund Beschäftigten eingeflossen sind, liegt bei den gewichteten Antworten Remscheid (plus 41) vor Wuppertal (plus 36) und Solingen (plus 20). Es fällt auf, dass die nicht gewichteten Konjunktureinschätzungen in Wuppertal und insbesondere in Remscheid wesentlich schlechter ausfallen. Folglich geht es den kleineren Betrieben in diesen beiden Städten weniger gut als den größeren Unternehmen. Im Vergleich der Wirtschaftszweige melden die unternehmensnahen Dienstleister einschließlich Reisebüros und Gastgewerbe mit einem deutlich auf plus 58 gestiegenen Index die beste Lageeinschätzung, gefolgt von den anderen Wirtschaftszweigen, deren konjunkturelle Gesamtlagen sich etwas verschlechtert haben. So liegen die aktuellen Indexwerte im Kreditgewerbe bei plus 54, in der Industrie bei plus 38, im Handel bei plus zehn und im Verkehr bei null. Die regionalen Unternehmen sind mit ihrer Umsatz- und Gewinnentwicklung im bisherigen Verlauf des Jahres zumeist zufrieden. Ihre Erwartungen richten sich insbesondere auf eine weiterhin günstige Umsatzentwicklung. Die Erträge werden den Angaben zufolge hingegen im Durchschnitt nur noch geringfügig wachsen, weil vielfältige Kostenrisiken drohen. Dies betrifft insbesondere Energie und Rohstoffe, aber auch den Personalaufwand. Zwischen den Produktionsfaktoren Kapital und Arbeit könnten gewisse Substitutionsprozesse in Gang kommen. Denn einerseits wollen die Unternehmen verstärkt Investitionen in Angriff nehmen, andererseits planen sie mit weniger Personal und Ausbildungsplätzen. Nur noch 19 Prozent haben einen Mangel an Arbeitskräften. Zum Jahresbeginn waren es noch 30 Prozent und vor einem Jahr sogar 32 Prozent. Spiegelbildlich ist ein drohender Fachkräftemangel als größter Risikofaktor auf nunmehr 15 Prozent gesunken. Deutlich darunter liegt nur noch das Finanzierungsrisiko mit vier Prozent. Hingegen bereiten Risiken, wie die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise (75 Prozent), die Arbeitskosten (53 Prozent) und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (52 Prozent) vielen regionalen Unternehmen erheb-

6 2 lich mehr Kopfschmerzen. Insgesamt sind ihre Erwartungen für die nächsten Monate überwiegend noch optimistisch, wenngleich sich der zukunftsbezogene Indexwert im bisherigen Jahresverlauf von plus 21 auf plus zehn verringert hat. Industrie will mehr investieren und Kapazitäten ausweiten Den regionalen Industrieunternehmen geht es überwiegend gut. Nur 12 Prozent der Betriebe sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage unzufrieden. Der Lageindex bleibt mit 38 Punkten hoch; er lag aber vor einem Vierteljahr mit plus 50 noch besser. Zwei von drei Unternehmen konnten ihre Umsätze steigern, und zwar sowohl im Inland wie im Export. Dies bestätigen auch die vorliegenden Daten der offiziellen Industriestatistik, wonach die Umsätze im ersten Quartal 2014 um acht Prozent, beim Export sogar um neun Prozent über den Vorjahreswerten liegen. Während die Remscheider Industrieumsätze im bisherigen Jahresverlauf stagnieren, erreichen Wuppertal und Solingen mit plus 13 und plus elf Prozent zweistellige Wachstumsraten. Durchschnittlich sind die bergischen Industriebetriebe deshalb besser als zum Jahresanfang ausgelastet. Nur 15 Prozent produzieren unterhalb ihrer Normalauslastung. Auch die Erträge haben sich überwiegend positiv entwickelt. Die regionale Industrie bleibt tendenziell optimistisch. Dies gilt insbesondere für die Umsatz-, aber auch für die Ertragserwartungen. 70 Prozent rechnen damit, dass ihre Geschäftslage gleich (gut) bleiben wird, und 21 Prozent sehen sogar noch eine weitere Lageverbesserung voraus. Das Investitionsklima bewerten viele Akteure jetzt erheblich günstiger als vor einem Jahr. Deshalb wollen nur sechs Prozent der Betriebe ihre Investitionen senken, aber 43 Prozent sie ausweiten. Hierbei geht es in zwei von drei Fällen um Ersatzbedarf oder Rationalisierung (60 Prozent). Immerhin jedes zweite Unternehmen benennt als hauptsächliche Investitionsmotive Produktinnovationen und Kapazitätserweiterung, was regionalwirtschaftlich besonders erfreulich erscheint. In Wuppertal sollen Investitionen sogar primär aus Kapazitätsgründen erfolgen. Allerdings wird der Arbeitsmarkt weniger profitieren als es normalerweise zu erwarten wäre. 26 Prozent der Betriebe werden über weniger Personal verfügen, nur 15 Prozent planen einen Personalzuwachs. In vergleichbarem Ausmaß wird auch ein Rückgang der Ausbildungsplätze erwartet. Warum das so ist, lässt sich aus der Umfrage nicht eindeutig beantworten. Diese Entwicklung dürfte nur teilweise auf eine demografisch bedingte Angebotsverknappung zurückzuführen sein. Auch die neue Frühverrentungspolitik kann sich jetzt noch nicht auswirken. Hingegen besteht die Vermutung, dass der bestehende Fachkräftemangel überschätzt wird. Vor einem Jahr meldete noch eins von drei Industrieunternehmen einen Mangel an Arbeitskräften, aktuell sind es noch 15 Prozent. Nur 12 Prozent halten den Fachkräftemangel für eines ihrer größten Geschäftsrisiken, aber drei von vier verweisen auf die Rohstoffpreise

7 3 und die ineffiziente und kostenträchtige Energiewende. Jeweils 58 Prozent, und damit deutlich mehr als in den letzten beiden Umfragen, zählen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und die Arbeitskostenentwicklung zu ihren größten Risiken, auf die sie aber in eingeschränktem Umfang reagieren können, beispielsweise durch Rationalisierungsinvestitionen. Lebhafte Kreditnachfrage im Bergischen Städtedreieck Die Banken und Sparkassen berichten mehrheitlich, dass ihre Geschäftslage gut sei, auch wenn die Stimmung etwas verhaltener ist als noch zum Jahresanfang. Dank der guten konjunkturellen Lage sind die Kreditinstitute mit dem Firmenkundengeschäft sehr zufrieden. Die Kreditnachfrage der Unternehmen ist gestiegen: Wegen des niedrigen Zinsniveaus interessieren sie sich in stärkerem Maße für längerfristige Darlehen zur Umschuldung. Dagegen haben kurz- bis mittelfristige Kredite tendenziell an Bedeutung verloren. Auch das Privatkundengeschäft läuft gut. Die Sparer haben ihre Einlagen im Vergleich zum Vorjahr erhöht. Gleichzeitig ist aber auch die Nachfrage nach Konsumentenkrediten und Darlehen zur Baufinanzierung gestiegen. Die Kreditinstitute erwarten, dass ihre Geschäftslage in den kommenden 12 Monaten unverändert bleibt. Sie gehen davon aus, dass sie insgesamt mehr Kredite vergeben werden. Dies gilt insbesondere für das Privatkundengeschäft. Im Kreditgewerbe setzt sich der moderate Abbau von Arbeitsplätzen fort. Die Branche wird dieses Jahr aller Voraussicht nach weniger Ausbildungsplätze anbieten. Zugleich ist aber die Investitionsneigung der Banken und Sparkassen gestiegen. Sie gehen mit deutlicher Mehrheit davon aus, dass das Zinsniveau auf niedrigem Niveau verharren wird. Dienstleister in Hochstimmung Der Einzelhandel bewertet seine aktuelle Geschäftslage seit Jahresbeginn als unverändert zufriedenstellend. Auch wenn die Umsätze in den nächsten Monaten voraussichtlich steigen werden, rechnen viele Betriebe mit Gewinneinbußen. Besser als dem Einzelhandel geht es den Großhändlern, die ihre wirtschaftliche Situation günstiger als Anfang 2014 einschätzen. Für den weiteren Verlauf des Jahres bleiben sie überwiegend optimistisch und rechnen mit weiteren Zuwächsen. Die unternehmensnahen Dienstleister befinden sich aktuell in der Hochkonjunktur. Zwei Drittel bezeichnen ihre Lage als gut. Nur wenige Unternehmer zeigen sich unzufrieden. Drei Viertel gehen davon aus, dass ihre Umsätze in den kommenden 12

8 4 Monaten stagnieren werden. Ähnlich gut stehen die Reisebüros da. Sie erwarten, dass sich der Aufwärtstrend fortsetzt. Das gilt sowohl für die Umsätze als auch die Gewinne. Das Gastgewerbe bewertet seine momentane Situation besser als in der vorherigen Umfrage. Die Gastwirte rechnen damit, dass sie das höhere Niveau in den nächsten Monaten halten und ihre Betriebsergebnisse sogar steigern können. Mittelprächtige Lage im Verkehrsgewerbe Die wirtschaftliche Lage im bergischen Verkehrsgewerbe ist durchaus zufriedenstellend, aber im Vergleich zur letzten Umfrage etwas weniger gut. Immerhin bezeichnen noch drei Viertel der Unternehmen ihre Geschäftslage als befriedigend oder gut. Die Umsätze sind jeweils bei einem Drittel gestiegen, gleich geblieben oder gesunken. In etwa gilt das auch für die Ertragssituation der Unternehmen, die sich seit dem Jahresanfang nur geringfügig verschlechtert hat. Die gesamte Branche hat nach wie vor mit hohen Kosten zu kämpfen. Darüber kann auch die stabile wirtschaftliche Entwicklung nicht hinwegtäuschen. 71 Prozent der Unternehmen sehen speziell bei den Energie- und Rohstoffpreisen und 60 Prozent bei den Arbeitskosten Risiken für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Ihren Zugang zu Finanzierungsmittel bewerten 62 Prozent der Verkehrsunternehmen als gut oder befriedigend. Gut 60 Prozent nutzen Leasing als Finanzierungsform. Der Blick in die Zukunft ist nicht mehr so optimistisch wie bei der letzten Umfrage. 57 Prozent der Verkehrsunternehmen erwarten eine unveränderte Situation, ein Viertel rechnet jetzt mit einer ungünstigeren Geschäftsentwicklung. Einbußen bei den Umsätzen und Erträgen prognostizieren ein Viertel beziehungsweise 30 Prozent. Wuppertal,

9 Konjunkturbericht Jahresbeginn 2014 Bergische Unternehmen wollen mehr investieren Die regionale Wirtschaft zeigt sich zum Jahresanfang 2014 insgesamt in einer sehr guten Verfassung. Der Geschäftslageindex, das ist die Differenz der Antworten gut und schlecht, hat sich im letzten Quartal auf 47 Punkte verdoppelt und damit wieder das Niveau des Jahres 2011 erreicht. Danach kam es vom Frühjahr 2012 bis zum Herbst 2013 zu einer Abschwächung der Konjunktur. Aktuell scheint sie wieder neuen Schwung zu nehmen. Hierauf deutet die aktuelle IHK- Umfrage hin, in die Antworten von 374 Unternehmen mit Beschäftigten eingeflossen sind. Im Städteranking liegt jetzt Wuppertal mit einem stark gestiegenen Indexwert von plus 52 vorn, gefolgt von Solingen (plus 44) und Remscheid (plus 39). Im Vergleich der Wirtschaftszweige meldet die Kreditwirtschaft mit einem Index von plus 72 die beste Lageeinschätzung, gefolgt von der Industrie (plus 50), den sonstigen Dienstleistungen (plus 22), dem Handel (plus 11) und Verkehr (plus 9). Mit der guten Wirtschaftslage hellen sich auch die Erwartungen auf. Bei den Investitionen scheint der Knoten endlich zu platzen. Sie werden voraussichtlich auf breiter Front steigen. Das Vertrauen der Unternehmen in die Zukunft steigt wieder. Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen werden nicht mehr so risikoreich wie im vergangenen Jahr beurteilt, auch wenn viele Unternehmen die renten- und arbeitsmarktpolitischen Pläne der neuen Bundesregierung bedenklich finden. Aber dafür gerät die Euro- und Staatsschuldenkrise derzeit etwas in den Hintergrund oder wird von vielen Marktteilnehmern verdrängt. Vielleicht wird die Politik der Europäischen Zentralbank inzwischen etwas positiver gesehen? Expansive Impulse kommen verstärkt aus dem Auslandsgeschäft. Die regionale Industrie rechnet wieder mit besseren Geschäften in den klassischen Industrieländern, wie den USA, nachdem ihre Aufträge zuletzt immer öfter aus den sogenannten Schwellenländern stammten. Die zuletzt gute Ertragsentwicklung sowie die Niedrigzinspolitik der EZB erleichtern die Finanzierung von Investitionen. Hinzu kommt, dass sich viele Kreditinstitute wieder stärker dem klassischen Firmenkundengeschäft zuwenden. Vom bestehenden Nachholbedarf bei den inländischen Investitionen, der sich in 2014 aufzulösen scheint, dürfte besonders der Maschinen- und Anlagebau profitieren. Anders als die Investitionen werden die Personalpläne nicht mehr nach oben angepasst, obwohl es drei von zehn Unternehmen an Arbeitskräf-

10 2 ten mangelt. Entweder sind die benötigten Fachkräfte am Arbeitsmarkt nicht verfügbar oder die wieder steigenden Arbeitskosten hemmen die Einstellungsbereitschaft. Jedenfalls halten die Unternehmen mit Blick auf ihre weitere Entwicklung die Arbeitskosten neben den Energie- und Rohstoffpreisen für den größten Risikofaktor. Wohl deshalb wird Rationalisierung zum wichtigsten Investitionsmotiv. Exporte treiben Industriekonjunktur Die regionalen Industrieunternehmen sind zuversichtlich, dass sie in diesem Jahr noch bessere Geschäfte abschließen werden als im letzten Jahr. Derzeit berichten 55 Prozent über eine gute, 40 Prozent über eine befriedigende und nur fünf Prozent über eine schlechte Wirtschaftslage. Der Lageindex liegt jetzt bei plus 50 und hat sich damit seit der letzten Umfrage mehr als verdoppelt. Während die Umsätze im IHK-Bezirk auf dem bisher erreichten hohen Niveau stagnierten, hat sich die Ertragslage vieler Unternehmen verbessert. Die Produktionskapazitäten sind höher als normal ausgelastet. Ein Viertel der Betriebe fertigt derzeit sogar unter voller Auslastung ihrer Kapazitäten. Die Branchen Elektrotechnik, Fahrzeugbau, Chemie, Kunststoff und Nahrungsmittel konnten ihre Umsätze im vergangenen Jahr zwischen fünf und zehn Prozent steigern. Hingegen sanken die Umsätze im Maschinenbau um zehn Prozent. Kein einheitliches Bild zeigen die drei bergischen Großstädte, da ihre jeweiligen Branchenstrukturen voneinander abweichen: So setzten die Betriebe in Remscheid drei Prozent und in Wuppertal ein Prozent weniger um, während sich die Solinger Industrie über ein Umsatzplus von sechs Prozent freuen konnte. Für 2014 stehen die Zeichen eindeutig auf Expansion. So erwartet fast jedes zweite Industrieunternehmen steigende Auslandsumsätze. Nur 14 Prozent rechnen mit Rückgängen. Die Mehrheit prognostiziert, dass sich ihre Geschäftslage verbessern wird. Der zunehmende Optimismus steigert auch die Investitionsneigung der Industrieunternehmen, die ihre inländischen Investitionen kräftig ausweiten möchten. Ersatzbedarf und Rationalisierung sind die wichtigsten Investitionstreiber, aber immer mehr Betriebe investieren auch zur Fertigung neuer Produkte oder erweitern ihre Kapazitäten. Die Umsetzung der Investitionspläne wird durch günstige Rahmenbedingungen erleichtert, da gute Absatzchancen, eine gute Ertrags- und Liquiditätslage sowie niedrige Finanzierungskosten zusammenkommen. Die Industrie sieht viele Risikofaktoren weniger bedrohlich als vor der Bundestagswahl im Herbst 2013, zumal die neue Bundesregierung einen Verzicht auf Steuererhöhungen vereinbart hat. Aber drei von vier Betrieben benennen weiter die Energie- und Rohstoffpreise als größtes Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Die Investitionsbudgets werden nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland aufgestockt. Im Jahresvergleich fällt

11 3 auf, dass insbesondere die neuen, aber auch die alten EU-Länder wieder an Attraktivität gewinnen und der China- Boom anhält. Zu den Verlierern zählen Russland, die Ukraine, die Türkei und die südosteuropäischen Staaten, soweit sie nicht zur EU gehören. Anders als vor einem Jahr geht es den bergischen Industrieunternehmen bei ihren Auslandsinvestitionen weniger um eine kostengünstige Produktion als um Markterschließung sowie Vertrieb und Kundendienst. Kreditgewerbe: Spitzenreiter im Branchenranking In der aktuellen Konjunkturumfrage schneidet das bergische Kreditgewerbe im Ranking der Wirtschaftszweige am besten ab. Eine deutliche Mehrheit der Banken und Sparkassen bezeichnet ihre aktuelle Geschäftslage als gut. Kein einziges Kreditinstitut vermeldet eine unbefriedigende Wirtschaftslage. Somit hat sich die Stimmung in der Branche gegenüber dem Herbst 2013 verbessert, als die meisten Institute lediglich von einem befriedigenden Geschäftsverlauf berichteten. Der Aufwärtstrend ist sowohl im Firmenkunden- als auch im Privatkundengeschäft festzustellen. Die Unternehmen und Privatkunden haben im vergangenen Jahr mehr Kredite als im Jahr 2012 nachgefragt. Es wurden beispielsweise mehr Darlehen für Baufinanzierungen und zur energetischen Sanierung von Gebäuden vergeben. Die Kreditinstitute blicken optimistisch in die Zukunft: Sie erwarten für die kommenden zwölf Monate eine gleichbleibende oder sogar bessere Geschäftslage. Dementsprechend rechnen sie damit, dass sie im Jahr 2014 mehr Kredite vergeben werden als im Vorjahr. Nur wenige Firmenkunden sehen daher die Unternehmensfinanzierung als einen nennenswerten Risikofaktor. Zugleich wird aber das Kreditgewerbe seinen moderaten Stellenabbau fortsetzen und voraussichtlich auch weniger Ausbildungsplätze anbieten. Auch die Investitionsneigung ist leicht rückläufig. Die Branche erwartet nahezu einmütig, dass die Zinsen im laufenden Jahr auf niedrigem Niveau verharren werden. Negativtrend beim Einzelhandel gestoppt. Großhandel startet durch. Die Einzelhändler sind mit ihrer Geschäftslage zufrieden. Die Zukunft wird noch etwas zuversichtlicher eingeschätzt. Davon zu sprechen, dass die private Kauflaune das Geschäft trägt, wäre aber wohl eine zu positive Interpretation. Für den optimistischen Blick nach vorne spricht hingegen, dass immer mehr Betriebe über einen Mangel an Arbeitskräften berichten. Der Großhandel startet deutlich durch: Die Geschäftslage hat sich verbessert. Für dieses Jahr wird eine weitere kräftige Belebung erwartet. Diese wirkt sich sowohl auf die Umsätze als auch die Erträge aus. Die positive Geschäftsentwicklung der Dienstleister hat sich zuletzt etwas verlangsamt. Für 2014 ist die Branche aber besonders optimistisch: Umsätze, Gewin-

12 4 ne, Arbeitsplätze und Investitionen werden ganz überwiegend zunehmen. Die Reisebüros vermelden wie in den letzten Umfragen eine eher gute Geschäftslage und sind mit ihrer Umsatz- und Ertragsentwicklung sehr zufrieden. Sie meinen, dass die günstige Branchenentwicklung auch in diesem Jahr anhalten wird. Das Gastgewerbe hat sich auf mittlerem Niveau stabilisiert. Anders als die Hotelübernachtungen sind die Besucherzahlen gestiegen. Leider sehen die Gastwirte und Restaurantbesitzer darin keine Trendumkehr. Die Erwartungen an den weiteren Geschäftsverlauf sind daher eindeutig pessimistisch. Verkehrsgewerbe profitiert von stabiler Wirtschaftslage Die optimistische Grundstimmung im bergischen Verkehrsgewerbe setzt sich in Folge der stabilen wirtschaftlichen Lage auch zum Jahresbeginn 2014 fort. So bezeichnen mittlerweile gut ein Viertel der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut. 54 Prozent bewerten ihre Geschäftslage als befriedigend. 31 Prozent der Verkehrsunternehmen berichten von gestiegenen Umsätzen. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als bei der letzten Konjunkturumfrage. Insgesamt knapp 70 Prozent der Unternehmen verbuchen Ertragszuwächse beziehungsweise gleichbleibende Erträge. Die gesamte Branche hat nach wie vor mit hohen Kosten zu kämpfen. Darüber kann auch die stabile wirtschaftliche Entwicklung nicht hinwegtäuschen. 80 Prozent der Unternehmen sehen speziell bei den Arbeitskosten und 59 Prozent bei den Energie- und Rohstoffpreisen die größten Risiken für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Es folgen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (55 Prozent) und der Fachkräftemangel (39 Prozent). Das Verkehrsgewerbe blickt weiterhin relativ optimistisch in die Zukunft. 30 Prozent der Unternehmen erwarten eine bessere Geschäftslage. Das sind 13 Prozentpunkte mehr als bei der letzten Befragung im Herbst Prozent der antwortenden Betriebe gehen von steigenden Umsätzen aus, und knapp 30 Prozent erwarten Ertragszuwächse. Wuppertal, 30. Januar 2014

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