Umfassende Untersuchung zur wirtschaftlichen Situation von IV-Rentnern

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1 Eidgenössisches Departement des Innern EDI Bundesamt für Sozialversicherungen BSV Medienmitteilung 3. April 2012 Umfassende Untersuchung zur wirtschaftlichen Situation von IV-Rentnern IV-Rentner leben häufiger mit knappen finanziellen Mitteln als die Gesamtbevölkerung, sind aber weitgehend vor Armut geschützt. Viele Haushalte mit geringen Einkommen und mit Kindern stehen nach einer Rentenzusprache besser da als vorher. Das zeigt eine umfassende Studie zur wirtschaftlichen Situation der IV-Rentner im Auftrag des Bundesamts für Sozialversicherungen BSV, die heute veröffentlicht wurde. Die Studie, die unter der Leitung von Professor Philippe Wanner an der Universität Genf durchgeführt wurde, basiert auf Steuerdaten von IV-Rentner-/innen aus neun Kantonen (AG, BL, BS, NE NW, SG, TI, VS und ZH) und den entsprechenden Daten der Invalidenversicherung. Auf dieser Grundlage konnte einerseits die wirtschaftliche Situation der Haushalte mit IV-Rentner-/innen im Jahr 2006 mit den anderen Haushalten verglichen werden. Andererseits konnte bestimmt werden, wie sich die Rentenzusprache auf das Einkommen auswirkt (Vorher-Nachher-Vergleich). Kantonale Bedarfsleistungen wie die Sozialhilfe, die nicht als Einkommen deklariert werden, sind in den verfügbaren Daten allerdings nicht ersichtlich, so dass die wirtschaftliche Situation von Haushalten mit tiefen Einkommen tendenziell eher besser sein dürfte als sie in der Studie dargestellt wird. IV-Rentnerhaushalte leben häufiger mit knappen finanziellen Mitteln Insgesamt stehen Haushalte mit IV-Renten wirtschaftlich schlechter da als Haushalte ohne IV-Renten. Während fast jeder sechste Haushalt mit IV-Renten nur über sehr geringe finanzielle Mittel verfügt, ist es bei der Vergleichsgruppe nur jeder zehnte Haushalt (15,4% vs. 10,5%). Von sehr geringen Mitteln spricht man, wenn das Einkommen eines Haushalts weniger als die Hälfte des Medianeinkommens aller Haushalte beträgt, was für das Jahr 2006 einen Wert von rund 29'000 Franken für eine alleinstehende Person, respektive für ein Paar mit zwei Kindern ergibt. Besonders häufig in schwierigen Verhältnissen befinden sich alleinerziehende Männer und Frauen. Paarhaushalte stehen demgegenüber deutlich besser da (Vergleiche Grafik 1 im Anhang). Wie aus anderen Studien bekannt ist, hängt die Wahrscheinlichkeit, invalid zu werden, stark mit Ausbildung, Herkunft, Beruf und Wirtschaftsbranche zusammen. Da IV-Renter-/innen durchschnittlich schlechter ausgebildet sind und eher in Branchen und Berufen mit

2 unterdurchschnittlichen Löhnen tätig sind, liegt der Median ihrer Einkommen deshalb bereits vor Eintritt der Invalidität tiefer als jener der erwerbsfähigen Bevölkerung (Vergleiche Grafik 2 im Anhang). Das bleibt auch nach Eintritt der Invalidität so, weil die IV nicht diese krankheitsfremden Merkmale ausgleicht, sondern in erster Linie das Einkommen sichert, das schon vor der gesundheitlichen Beeinträchtigung häufig tief war. IV-Renten verbessern prekäre Situationen Im Vorher-Nachher-Vergleich zeigt sich jedoch, dass die Rentenzusprache viele Haushalte aus einer schwierigen wirtschaftlichen Situation befreit, dass sich das Einkommen insbesondere von Haushalten mit geringen Einkommen und mit Kindern zum Teil deutlich erhöht (Vergleiche Grafik 3 und 4 im Anhang). Besonders deutlich zeigen sich diese Zusammenhänge bei der Situation von alleinerziehenden Frauen: Bei diesen ist der Anteil mit einer schwierigen Einkommenssituation vor der Rentenzusprache besonders hoch (41,6%). Durch die IV wird dieser Anteil halbiert (20,8%), womit er sogar deutlich tiefer zu liegen kommt als derjenige der alleinerziehenden Frauen ohne IV-Rente (29,7%) (Vergleiche Grafik 5 im Anhang). Bei einem Teil dieser Haushalte dürfte es allerdings so sein, dass die IV-Renten die Zahlungen anderer Leistungserbringer ersetzen. Die vorliegende Studie kann dazu keine schlüssigen Angaben machen, weil manche Leistungen, beispielsweise die Sozialhilfe, nicht besteuert werden und darum in den verwendeten Daten nicht ersichtlich sind. Integration in die Arbeitswelt verbessert die Situation der Rentnerhaushalte Die Studie zur wirtschaftlichen Situation der IV-Rentner zeigt, welch grosse Bedeutung die Erwerbseinkommen für die finanzielle Situation der Rentner-Haushalte haben. So erzielen beispielsweise rund 40% der alleinstehenden IV-Rentner ein Einkommen, bei den Paaren mit einem IV-Rentner sind es gar über 70% der Haushalte, die über ein Erwerbseinkommen verfügen. Auch geht aus der Studie hervor, dass das Gesamteinkommen von Rentner- Haushalten mit Erwerbseinkommen im Median systematisch höher ist als dasjenige der Rentner-Haushalte ohne Erwerbseinkommen. Vor diesem Hintergrund ist es richtig, die Bemühungen um die berufliche Eingliederung, die mit der 5. IV-Revision und mit dem ersten Teil der 6. IV-Revision bereits erheblich verstärkt wurden, weiter auszubauen. Dazu soll auch der zweite Teil der 6. IV-Revision beitragen. Das Augenmerk dieser Revisionen gilt insbesondere auch der Gruppe der psychisch kranken Personen, die gemäss der vorliegenden Studie auf dem Arbeitsmarkt einen besonders schweren Stand haben. Bundesamt für Sozialversicherungen Kommunikation Auskunft: Kommunikation Anhang: Grafische Darstellungen Der Bericht, erstellt im Rahmen des mehrjährigen Forschungsprogramms zu Invalidität und Behinderung (FoP-IV), steht auf der Website des BSV zur Verfügung (nur französisch, mit Vorwort und Zusammenfassung auf d/i/e): La situation économique des rentiers AI (Die wirtschaftliche Situation von IV-Rentnern) 2/2

3 Untersuchung zur wirtschaftlichen Situation von IV-Rentnern Anhang: Grafische Darstellungen Grafik 1: Anteil der Haushalte mit sehr geringen finanziellen Mitteln Kernaussagen Grafik 1 15,4% der IV-Rentnerhaushalte verfügen nur über sehr geringe finanzielle Mittel. Bei der Kontrollgruppe ohne IV-Rente sind es nur 10,5%. Haushalte mit Kindern leben häufiger in schwierigen finanziellen Verhältnissen als Haushalte ohne Kinder. Paarhaushalte stehen demgegenüber besser da. Haushalte mit IV-Rentnern müssen häufiger mit sehr geringen finanziellen Mitteln auskommen. Alleinerziehende Frauen mit IV-Rente stehen jedoch besser da als alleinerziehende Frauen ohne IV-Rente. Lesehilfe zu den nachfolgenden Grafiken Die sogenannten «Box-Plots» geben in klassischer Darstellungsform einen Eindruck über die Spannweiten und die Verteilung der Einkommen. Sie enthalten die folgenden Informationen (erklärt am Beispiel Alleinstehender mit IV-Rente im 2003, Grafik 2): Der waagrechte Strich im grauen Kasten zeigt das Medianeinkommen (nicht den Durchschnitt). D.h. die Hälfte der IV-Rentner hatte im Jahr 2003 ein Einkommen unter ca Franken, die andere Hälfte hatte ein Einkommen über ca Franken. Der graue Kasten bildet die mittleren Quartile ab. D.h. Die Hälfte der IV-Rentner hatte im Jahr 2003 ein Einkommen zwischen und Franken. Ein Viertel der IV-Rentner hatte im Jahr 2003 ein Einkommen unter ca Franken und ein Viertel ein Einkommen von etwa Franken oder mehr. Der senkrechte Strich repräsentiert die Spannweite zwischen dem untersten und dem obersten Dezil. D.h. 80% der Werte liegen innerhalb dieser Spanne. Ein Zehntel der IV-Rentner hatte im Jahr 2003 ein Einkommen unter ca Franken, ein Zehntel hatte ein Einkommen von etwa Franken oder mehr.

4 Grafik 2: Vorher-Nachher-Vergleich bei Alleinstehenden und Paaren Die Grafik 2 stellt die Situation von Haushalten dar, denen in den Jahren 2004 oder 2005 IV-Renten zugesprochen wurden und vergleicht sie mit der Situation von Haushalten ohne IV-Renten. Zu diesem Zweck werden die Einkommen der Jahre 2003 (vor Rentenzusprache) und 2006 (nach Rentenzusprache) dargestellt. Kernaussagen Grafik 2 Die Einkommen nach Rentenzusprache entsprechen insgesamt weitgehend den Einkommen vor Rentenzusprache. Bei den Frauen ist ein Einkommensanstieg zu verzeichnen. IV-Rentnerhaushalte verfügen bereits vor Rentenzusprache über im Schnitt geringere Einkommen als Nicht-Rentner, was sich mit der Rentenzusprache nicht verändert. Grafik 3: Vorher-Nachher-Vergleich mit oder ohne Kinder 2/4

5 Die Grafik 3 zeigt die Einkommen von Haushalten, denen in den Jahren 2004 oder 2005 eine IV- Rente zugesprochen wurde, und vergleicht die Situation von Haushalten mit und ohne Kinder. Dazu werden die Einkommen der Haushalte im Jahr 2003 (vor Rentenzusprache) mit den Einkommen im Jahr 2006 (nach Rentenzusprache) verglichen. Kernaussage Grafik 3: Das Einkommen von Haushalten steigt infolge der Rentenzusprache, wenn Kinder im Haushalt leben. Das Einkommen von Haushalten ohne Kinder verändert sich demgegenüber nicht. Grafik 4: Vorher-Nachher-Vergleich nach Einkommensklassen, alleinstehende Frauen Die Grafik 4 stellt die Situation alleinstehender Frauen dar, denen in den Jahren 2004 oder 2005 eine IV-Rente zugesprochen wurde. Dazu werden ihre Einkommen im Jahr 2003 (vor Rentenzusprache) mit den Einkommen im Jahr 2006 (nach Rentenzusprache) verglichen. Kernaussagen Grafik 4: Die Einkommen von alleinstehenden Frauen mit geringen Einkommen steigen nach der IV- Rentenzusprache erheblich an. 3/4

6 Grafik 5: Anteile mit sehr geringen finanziellen Mittel vor und nach Rentenzusprache Die Grafik 5 stellt die Anteile der Haushalte mit sehr geringen finanziellen Mitteln dar. Unterschieden wird zwischen Haushalten, denen in den Jahren 2004 oder 2005 IV-Renten zugesprochen wurden (2003 also ohne IV-Rente, 2006 mit IV-Rente) und Haushalten ohne IV-Renten (Kontrollgruppe, 2003 und 2006 ohne IV-Rente). Kernaussagen Grafik 5: IV-Rentnerhaushalte verfügen bereits vor Rentenzusprache über im Schnitt höhere Anteile an Haushalten mit sehr geringen finanziellen Mitteln als Nicht-Rentner. Durch die Rentenzusprache reduziert sich der Anteil an Haushalten in solch schwierigen Verhältnissen um insgesamt 2 Prozentpunkte. Im gleichen Zeitraum hat sich der Anteil bei den Nicht-Rentnern erhöht. Bei alleinerziehenden Frauen ist der Anteil mit einer schwierigen Einkommenssituation vor der Rentenzusprache besonders hoch (41,6%). Durch die IV wird dieser Anteil halbiert (20,8%), womit er sogar deutlich tiefer zu liegen kommt als derjenige der alleinerziehenden Frauen ohne IV-Rente (29,7%). 4/4

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