Cloud Computing für Logistik Die Logistics Mall als neue Generation der logistischen IT- Unterstützung?

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1 Cloud Computing für Logistik Die Logistics Mall als neue Generation der logistischen IT- Unterstützung? Foto Name: Frank Felten Funktion/ Bereich: VP Product Management Logistics Organisation: PTV AG Liebe Leserinnen und liebe Leser, Mit dem Ansatz des Cloud Computing entwickeln die Fraunhofer- Institute für Materialfluss und Logistik IML und für Software- und Systemtechnik ISST eine neue Generation der logistischen IT- Unterstützung. Durch die enge Zusammenarbeit und die kombinierte Nutzung von Logistik- und IT-Know-how soll nun eine serviceorientierte Plattform entstehen: die Logistics Mall. Die Logistics Mall ist ein virtueller Marktplatz, auf dem vernetzte Dienstleistungen und Softwaresysteme zur Verfügung gestellt werden. Dabei soll es möglich sein, Funktionen unterschiedlicher Anbieter zu einem individuellen Gesamtpaket zusammenzustellen. Das Angebot basiert auf dem Software-as-a-Service-Prinzip und zeichnet sich durch eine nutzungsabhängige Abrechnung aus. Innerhalb von drei Jahren (2012) soll die Logistics Mall Marktreife erlangen und von den Industriepartnern betrieben werden. Die Logistics Mall ist im Grunde ein virtuelles Einkaufszentrum, in dem Software-Anbieter und -Anwender sowie Logistik-Dienstleister zusammenkommen. Die Mall optimiert das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei der Implementierung neuer Software. Statt wie bisher das Lager durch eine aufwendige Umstrukturierung der Logistikprozesse zu optimieren, wird die logistics.de Seite 1

2 Software individuell und anbieterunabhängig zusammengestellt und»aus der Steckdose«bezogen. In der Logistics Mall bieten Softwarehersteller nicht komplette Module, sondern einzelne Bausteine, die zum Teil nur wenige Funktionen umfassen, an. Der Anwender kann gezielt die Funktionen»mieten«, die er zur Unterstützung seiner Prozesse benötigt. Der Erwerb von Softwarelizenzen ist damit nicht mehr notwendig. Ein Großteil der Anschaffungs- und Instandhaltungskosten für Hardware und Speicherkapazitäten fällt weg. Die Server werden durch internetfähige Computer ersetzt. Die Wartung wird vom Anbieter des virtuellen Servers übernommen. Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Ihr Oliver Wolf und das Team von logistics.de! logistics.de Seite 2

3 Frage 1: Akzeptanz des Cloud Computings Serviceorientierte Architekturen, Software as a Service, Application Service Providing: Seit mehreren Jahren diskutiert der Markt alternative Konzepte, um neue Kundengruppen erschließen und alternative Vertriebsformen (abseits eher monolithischer Softwarepakete) anbieten zu können. Mit Cloud Computing als einem der Megatrends der heutigen Zeit scheint der Paradigmenwechsel im privaten wie im geschäftlichen Umfeld langsam Gestalt anzunehmen Können Sie sich vorstellen eine Software oder Dienstleistung in Anspruch zu nehmen, die nicht bei Ihnen zu Hause betrieben wird? Welche Vor- und Nachteile sehen Sie? Ich kann es mir nicht nur vorstellen ich tue es aktiv. Privat und auch im Unternehmen. Privat nutze ich insbesondere Storagedienste wie Dropbox über die ich auf meine Daten ganz einfach mittels verschiedenster Endgeräte und von überall aus zugreifen kann. Im Unternehmen nutzen wir Cloud-Services insbesondere dort, wo Aufgaben räumlich verteilt, oder auch teilweise in unseren Beteiligungen im Ausland angesiedelt sind im mehrsprachigen Support zum Beispiel. Und wir gehen dazu über, für Software as a Service Angebote, die wir unseren Kunden anbieten, Infrastructure as a Service Dienstleistungen einzukaufen. So skalieren alle technischen und kommerziellen Teile der Kette automatisch mit dem Produkterfolg. logistics.de Seite 3

4 Frage 2: Absatzmarkt Als Anbieter von Softwarelösungen und Dienstleistungen auf der Logistics Mall ist es entscheidend, sich mit der Thematik des Absatzmarktes auf der entsprechenden Plattform vertraut zu machen. In diesem Sinne ist die Frage ausschlaggebend, wie man auf der Logistics Mall Geld verdienen kann. Welche Abrechnungsmodelle und optionen könnten Sie sich im Rahmen der Logistics Mall vorstellen und welches von Ihnen dargestellte Modell bietet Ihnen dabei den größten Nutzen bzw. die besten Absatzchancen? Zunächst muss man sich immer vergegenwärtigen, dass das Essen dem Gast schmecken muss und nicht dem Koch. Dafür ist aus meiner Sicht ausschlaggebend, dass Kosten für unsere Kunden analog zum eigenen Nutzen steigen oder sinken müssen. Wir bieten Cloud-Services deshalb nicht auf Basis von Megahertz, Gigybyte oder CPU-Zeit an, sondern eher pro Dispositionent, pro optimierter Tour oder optimiertem Fahrzeug o.ä. an. Mit diesen Größen können unsere Kunden wesentlich besser ihren eigenen ROI rechnen. logistics.de Seite 4

5 Frage 3: Datensicherheit Gegenwärtig ist die Methode des Cloud Computings als neuer Vertriebsweg im Bereich der IT und Logistik nicht mehr wegzudenken. Die Beschäftigung mit diesem Thema führt geradewegs zu Aspekten, wie bspw. Datensicherheit, die unmittelbar mit der Methode des Cloud Computings verknüpft sind. Daher ist es uns wichtig zu erfahren, wie wichtig Ihnen der Aspekt der Datensicherheit ist. Wie sehen Sie den Aspekt der Datensicherheit im Kontext der Logistics Mall und welche möglichen Vorteile bietet Ihnen die Anwendung des Cloud Computings in diesem Rahmen? Datenschutz und Datensicherheit ist ein zentrales Thema, wenn es um die Akzeptanz von Cloud Services geht. Zwar stellen wir rein technisch fest, dass die betrieblichen und IT-technischen Angebote der großen Infrastrukturanbieter extrem hohe Sicherheitsstandards bieten wahrscheinlich höher als viele kleine und mittlere Unternehmen das in der eigenen IT-Landschaft realisieren können trotzdem schaffen die Datenskandale der Sony s, Deutsche Bahn s etc. hier natürlich kein Vertrauen. Bei unseren Kunden versuchen wir dadurch Vertrauen zu schaffen, dass wir mit höchster Transparenz ans Werk gehen. logistics.de Seite 5

6 Frage 4: Migration von Daten Ein Unternehmen, welches als Anwender auf der Logistics Mall tätig wird und Produkte oder Dienstleistungen in Anspruch nimmt, muss sich über kurz oder lang mit der Frage auseinandersetzen, wie seine Stammdaten auch in der Mall zugänglich gemacht werden. Somit stellt sich die Frage: Wie migriere ich meine Daten überhaupt in die Cloud? Wie stellen Sie sich einen solchen Realisierungsprozess vor und wie viel Aufwand ist aus Ihrer Sicht mit einer Migration Ihrer Daten verbunden? Diese Frage last sich ohne Blick auf den konkreten Anwendungsfall nicht eindeutig beantworten. Es gibt bei uns im Haus und auch in unserem Produktportfolio bestimmte Anwendungen, die in der Cloud laufen, deren Daten aber weiterhin lokal liegen können für andere tut man sicher gut daran, die Daten nahe bei der Anwendung zu haben. Die technischen Lösungen sind hier meist nicht das Problem, man muss sie nur konform mit den datenschutzrechtlichen Bestimmungen gestalten und natürlich datensicherheitstechnisch optimal schützen. Einmal mehr ist die wichtigere Frage, ob durch transparente Lösungen Vertrauen beim Kunden entstehen kann und auch die Kontrolle über Daten weiterhin in den Händen der Kunden liegt. logistics.de Seite 6

7 Frage 5: Auslagerung von Teilen bestehender IT in die Cloud Insbesondere für die Anwender der Logistics Mall stellt sich die Frage, wie die im Unternehmen bereits vorhandene und die auf der Logistics Mall erworbene IT miteinander verknüpft werden müssen. Wie sieht die Vorgehensweise aus, d.h. gibt es für Sie bestimmte Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, um Ihre bereits vorhandene Software mit neuer Software aus der Logistics Mall zu verbinden? Welche Szenarien sind denkbar? Hier würde ich der Logistics Mall empfehlen, keine proprietären Standards zu definieren, sondern sich auf bestehende Technologien zu stützen. Auch bevor Cloud zum Buzz-Word wurde, haben wir schon über Service Orientierte Architekturen geredet, Dienste über SOAP-XML miteinander gekoppelt oder EDI-basierten Datenaustausch gepflegt. Auch ein Level höher bei den Frontendtechnologien gibt es gut eingeführte Standards über die sich Anwendungen koppeln lassen. Proprietäre Verfahren wären einer breiteren Akzeptanz der Dienste sicher hinderlich. logistics.de Seite 7

8 Frage 6: Realisierung von Schnittstellen Ein wichtiger Prozess in der Cloud ist die Realisierung von Schnittstellen zu 3rd Party Software. Dies dient dem Ziel, Services unterschiedlicher Hersteller zu kundenindividuellen Geschäftsprozessen zu verknüpfen (orchestrieren). In welchen Bereichen liegt aus markttechnischer Sicht das Hauptpotential solcher Schnittstellen und in welchen Bereichen scheint es demnach für die Logistics Mall sinnvoll, orchestrierbare Dienste anzubieten? Wie sieht die Vorgehensweise bzw. die Identifikation einer solchen Realisierung von Schnittstellen aus und welche Szenarien sind vorstellbar? Ich meine, hier darf man nicht nur die technischen Möglichkeiten sehen sondern muss auch die Marktgegebenheiten betrachten. So gerne wir vielleicht ein paar Oracle Features in unser SAP-ERP einbauen würden, bin ich mir nicht sicher, ob SAP und Oracle wirklich das Ziel größtmöglicher Orchestrierbarkeit zwischen ihren Lösungen verfolgen. Wir selbst sind da eine Nummer kleiner und haben eine Reihe von geografischen und logistischen Optimierungsfunktionalitäten verfügbar, die selektiv und modular in unterschiedlichste Anwendungsfälle eingebaut werden können. Das Angebot reicht von der Geocodierung von Adressen über Kartenanzeige für Tracking und Tracing, Nächstensuche, Routenberechnung unter Berücksichtigung aller logistischen Parameter Reihenfolgeoptimierung bis zur vollständigen Optimierung von Aufträgen zu Touren. Vielen Dank für das Interview! logistics.de Seite 8

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