Liebe Konfirmandengruppe, liebe Eltern, liebe Paten, liebe Verwandte, liebe Gemeinde,

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1 Liebe Konfirmandengruppe, liebe Eltern, liebe Paten, liebe Verwandte, liebe Gemeinde, Der Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an. Diesen Bibelvers aus dem Buch Samuel haben sich zwei aus eurer Gruppe als Konfirmationsspruch ausgesucht. Ich will diesen Vers zum Gegenstand meiner Predigt machen. Ihr und Sie denken jetzt vielleicht, schade, Wir haben uns aber einen anderen Spruch ausgesucht. Es wäre ein großer Fehler, wenn Ihr anderen acht Euch jetzt zurücklegt und denkt, ja wenn das so ist, dann geht uns das ja gar nichts an. Jeder Bibelspruch geht eigentlich alle an und es lohnt sich immer darüber nachzudenken. Als ich mir darüber Gedanken gemacht habe, bin ich gleich am ersten Halbsatz hängen geblieben. Der Mensch sieht, was vor Augen ist. Was vor Augen ist. Meine Frau und ich haben uns vor drei Wochen auf die Reise gemacht, weil wir etwas sehen wollten. Diesmal haben wir uns für die wunderschöne Stadt Barcelona entschieden. Als wir dort waren, lag die Stadt in tiefer Trauer, weil ihr berühmter Fußballclub Barca mit Lionel Messi just in dieser Zeit von Atlético Madrid, dem Barca-Bezwinger aus der Champions-League geworfen wurde. Leider haben wir das Spiel dort im Stadion nicht miterlebt, aber wir haben etwas anderes gesehen. Jeden Tag sind wir dort mit der U-Bahn gefahren von einer Sehenswürdigkeit zu anderen. Und das, was wir in dieser U-Bahn gesehen, beziehungsweise nicht gesehen haben, davon will ich erzählen. Es ist sehr schwer, in der U-Bahn mit einem fremden Menschen in Blickkontakt zu kommen. Das liegt daran, dass beinahe jeder etwas vor Augen hat, von dem er seinen Blick nicht wenden kann. Ihr ahnt schon, was ich meine. Jeder schaut in sein Handy.

2 Jetzt denkt ihr vielleicht, der Pfarrer hat etwas gegen Handys. Hat er nicht! Ich habe selber ein Smartphone und nutze es täglich. Wir hatten für das Vorbereitungsjahr auf die Konfirmation eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet und ich glaube, ich muss auch Euren Großeltern nicht mehr erklären was das ist. Das mit der Whatsapp-Gruppe war unglaublich praktisch, um schnell Informationen auszutauschen. Wann genau ist der Gottesdienst? Sollen wir etwas mitbringen? Ich habe mein Gesangbuch in der Kirche liegen lassen, könnt ihr es für mich aufheben? Oder denkt daran, in der nächsten Konfistunde fragen wir das Glaubensbekenntnis ab. Wie bei allem, kommt es aber auf die Dosis an. Tabletten, die beim Schlafen helfen, können tödlich wirken, wenn man zu viel davon nimmt. Wenn man etwas ständig vor Augen hat, egal, ob es sich um einen Fernseher, ein Computerspiel oder ein Handy handelt, dann ist das nicht gut, sondern im Gegenteil schlecht für die Augen und es ist noch schlechter für unsere Seele, oder, wie der Bibelspruch sagt, das ist schlecht für unser Herz. Der Mensch sieht, was vor Augen ist, aber Gott sieht das Herz an. Wen oder was sehen wir da in unserem Handy? Wen oder was sehen wir auf Facebook oder auf Whatsapp? Richtig, wir sehen unsere Freundinnen und Freunde. Und das sind viele, man sind das viele! Ich habe auf Facebook 352 Freunde und ich muss gestehen, dass ich nicht bei jedem und jeder so genau weiß, wer das eigentlich ist. Und das ist gar nichts, meine Nachbarin hat 2989 Freunde. Jedenfalls hatte sie so viel am Freitag, jetzt sind es wahrscheinlich mehr. Der Mensch sieht was vor Augen ist. Wie kann man über tausend Freunde haben und von denen mehr kennen als ihr Gesicht, das was vor Augen ist?

3 Gott sieht das Herz an. Ich gebe zwar zu, dass auch ein neues Handy oder Iphone eine Herzensangelegenheit sein kann. Das ist aber nicht gemeint, wenn die Bibel von einer Herzenssache spricht. Elia hat es vorhin aus der Bibel vorgelesen: Dies ist das höchste Gebot: Höre Israel: Du sollst Deinen Gott lieben von ganzem Herzen... Dieser Vers ist das Schema Israel, das Glaubensbekenntnis der Juden bis auf den heutigen Tag. Dieses Bekenntnis wir bei den Juden so häufig gesprochen, wie bei uns das Vater unser. Du sollst Gott und deine Mitmenschen lieben von ganzem Herzen! Ihr werdet vielleicht sagen, es kann mir doch keiner vorschreiben wen ich lieben soll, und wie ich den lieben soll. Liebe ist doch ein Gefühl, das hat man, oder man hat es nicht. Du sollst lieben, das geht gar nicht. Das muss man wollen. Man verliebt sich oder eben nicht, wo die Liebe halt hinfällt. Das ist ein großer Irrtum. Die Liebe ist viel mehr als nur ein Gefühl, sie ist eine Herzenssache. Eine Herzenssache muss man wollen, das ist eine Entscheidung. In der letzten Woche haben sich die neuen Konfirmanden angemeldet. Ein Mädchen kam nicht zur Anmeldung. Ich habe bei ihrem Vater angerufen und gefragt warum. Der Vater sagte am Telefon: Sie will nicht, man kann sie nicht zwingen. Ihr habt Euch entschieden am Konfirmandenunterricht teilzunehmen und ihr hat Euch entschlossen zur Konfirmation zu gehen. Es geht um euer Ja zum Christlichen Glauben und zum Leben in der christlichen Gemeinschaft. Und es geht darum, diesen Glauben zu einer Herzensangelegenheit zu machen. Wie das geht, konnte man am Mittwoch in der Frankfurter Rundschau in der Titelgeschichte lesen. Es ging um die spannende Frage, was denkt unsere Jugend, was ist ihr wichtig, worauf kommt es ihr an, was sind die Herzensangelegenheiten der heute fünfzehn bis zwanzig Jährigen?

4 Sören, 15 Jahre alt sagt Folgendes: "In den Sozialen Netzwerken sagt man sich nur, wie man heißt und was man gerade macht, nicht, wie es einem geht. Ich war gerade als Teamer in einer Konfirmandenfreizeit, wo wir viel geredet haben über Sport, aktuelle Themen und wie man Konflikte in der Familie löst. In meinem Alltag spielt der Glaube nicht so eine große Rolle, aber ich habe gewisses Vertrauen in Gott und es gibt tatsächlich einen Bibelspruch, der mir im Kopf hängen geblieben ist. Und jetzt ratet mal, welcher Bibelspruch das ist? Genau es ist der Spruch: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts Mangeln, er weidet mich auf einer Grünen Aue und führet mich zu frischem Wasser. Das ist genau der Spruch, zu dem Ihr diese wunderschöne Weltkugel gestaltet habt, die hier auf dem Altar steht. Was liegt den jungen Menschen heute auf dem Herzen und was brennt ihnen auf der Seele, so fragt die Frankfurter Rundschau und schreibt: "Man stellte eine gewachsene Sehnsucht fest, nach Aufgehoben- und Akzeptiert sein, Geborgenheit, Halt und Orientierung. Hierzu zählt auch der Wunsch nach Familie und materieller Sicherheit." Liebe Eltern, wie war das denn, als sie 15 Jahre alt waren, was lag Ihnen denn damals vor dreißig vierzig Jahren auf dem Herzen? Ich erinnere mich noch gut an meine Jugend. Wir wollten keine Sicherheit, wir wollten Freiheit. Es ging nicht darum Geborgenheit zu finden in einer Familie sondern es ging darum auszubrechen aus der Familie. Schluss zu machen mit den überkommenen Moralvorstellungen unserer Eltern. Warum ist das heute so anders, warum wollen die Jugendlichen heute nicht mehr die Welt verändern, sondern stattdessen Akzeptiert sein, Geborgenheit, Halt, Orientierung eine intakte Familie und materielle Sicherheit. Ich glaube, das liegt ganz einfach daran, dass es genau diese Dinge sind, die den Jugendlichen heute vielfach fehlen.

5 Als wir, die Eltern, erwachsen wurden, ging es mit der Wirtschaft immer noch aufwärts. Es gab materielle Sicherheit, und die meisten Jugendlichen lebten in einer Familie, die ihnen Halt, Orientierung und Geborgenheit bieten konnte. Als wir erwachsen wurden, mussten wir für viele Freiheiten kämpfen. Heute ist das ganz anders. Mittlerweile ist nahezu alles erlaubt, außer Gewaltanwendung. Was fehlt, ist die Orientierung. Wir haben hier im letzten Jahr den Versuch gemacht uns zu orientieren. Wir haben uns die Frage in der Konfirmandengruppe gestellt, in welcher Beziehung unser Leben zu Gott steht. Wann wir uns ihm nahe fühlten und wann wir ihn schmerzlich vermisst haben. Wir haben unsere Herzensangelegenheiten zum Thema gemacht. Es kommt aber nicht alleine darauf an, ob wir etwas richtig oder falsch machen, ob wir nur mit den Augen sehen oder mit dem Herzen. Es gibt eine Sache, die ist noch unendlich viel wichtiger: Wir sind eine Herzensangelegenheit Gottes. Er sieht uns nicht mit den Augen an und fragt nach der Anzahl unserer Freunde und der Menge unserer Posts in den sozialen Netzwerken. Er sieht uns mit den liebenden Augen eines verständnisvollen Vaters, eines guten Hirten an. Wenn ihr das aus euer Konfirmandenzeit mitnehmt, dass ihr eine Herzensangelegenheit Gottes seid, jede und jeder von Euch und wenn ihr fest daran glaubt, dann kann euch das durch euer ganzes Leben tragen. Amen

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