Lösungen - Makroökonomik III

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1 Lösungen - Makroökonomik III Wintersemester 2008/09 Prof. Dr. Volker Clausen Dipl.-Volksw. Stephan Hitzschke Universität Duisburg-Essen, Campus Essen Internationale Wirtschaftsbeziehungen Aufgabenblatt 1 I. Zahlungsbilanz und Wechselkurs I.1. Zahlungsbilanz und Teilbilanzen (a) Welche Transaktionen werden in einer Zahlungsbilanz abgebildet? Grundlage stellt die Zahlungsbilanzstatistik dar Definition: Die Zahlungsbilanz stellt die wertmäßige Erfassung der Güter- und Vermögenstransaktionen dar, die zwischen Inländern und Ausländern in einer bestimmten Periode vorgenommen worden sind. (d.h. periodenbezogen, nicht stichtagsbezogen) Inländer: Wirtschaftseinheiten, die ihren ständigen Wohnsitz oder Aufenthaltsort in dem betreffenden Land haben. d.h. alle natürlichen Personen mit ständigem Wohnsitz oder Aufenthaltsort im Inland keine Diplomaten, ausländische Studenten, ausländische Streitkräfte; aber Gastarbeiter (mindestens ein Jahr im Inland tätig), ausländische Unternehmen Gütertransaktionen: Import und Export von Waren und Dienstleistungen Vermögenstransaktionen: Kauf und Verkauf von Geld, Wertpapieren und Sachvermögen durch private Wirtschaftseinheiten, den Staat und die Zentralbank sowie unentgeltliche Übertragungen 1

2 (b) Aus welchen Teilbilanzen besteht eine Zahlungsbilanz? Die Zahlungsbilanz besteht aus 3 Teilbilanzen: Leistungsbilanz, Vermögensübertragungsbilanz, Kapitalbilanz i. Die Leistungsbilanz (LB) umfasst Gütertransaktionen, Dienstleistungstransaktionen, Erwerbs- und Vermögenseinkommen sowie laufende Übertragungen Saldo 2007: 184 Mrd. LB charakterisiert den privaten und staatlichen Austausch von Gütern und Dienstleistungen sowie von laufenden Übertragungen Saldo der Warenaus- und -einfuhr 2007: 206 Mrd. (traditioneller Überschuss, d.h. Ex>Im) Landwirtschaftliche Erzeugnisse (Saldo Ex-Im): -12 Mrd. Maschinen (Saldo Ex-Im): 84 Mrd. Güter der Informationstechnologie (Saldo Ex-Im): 5 Mrd. Kraftwagen und Kraftwagenteile (Saldo Ex-Im): 104 Mrd. Maschinen- und Kraftwagenexporte sind hauptverantwortlich für den Überschuss Saldo der Dienstleistungstransaktionen 2007: -16 Mrd. (traditionelles Defizit wegen des Reiseverkehrs) Reiseverkehr (Saldo Ex-Im): -34 Mrd. (darunter: Ausgaben von Privat(Saldo Ex-im): -51 Mrd. ) Versicherungsdienstleistungen (nur Wertschöpfung betrachtet (Verwaltungsleistung und Ertragskomponente), d.h. Nettoprämie zählt zu laufenden Übertragungen) (Saldo Ex-Im): 2 Mrd. Saldo der Erwerbs- und Vermögenseinkommen 2007: 42 Mrd. (tendenzieller Überschuss): Einkommen aus unselbständiger Arbeit, Kapitalerträge (keine reinen Bewertungsgewinne!) Saldo der laufenden Übertragungen 2007: -31 Mrd. (traditionelles Defizit im Industrieland) Zahlungen an die EU: 23 Mrd. 2

3 Heimatüberweisungen von Gastarbeitern: 3 Mrd. Zuwendungen an Entwicklungsländer: 0,6 Mrd. ii. Die Vermögensübertragungsbilanz erfasst einmalige Schuldenerlasse, Schenkungen, Erbschaften, Investitionszuschüsse, d.h. Vermögensübertragungen die hinsichtlich ihres Charakters einmalig sind Saldo 2007: -0,22 Mrd. iii. In der Kapitalbilanz werden internationale Veränderungen aller Vermögenspositionen, Produktionsanlagen und Immobilien einschließlich der Veränderung der Auslandsposition der Zentralbank erfasst (Devisenbilanz seit 2005 obsolet), d.h. Kauf und Verkauf von Vermögenswerten. Saldo 2007: -221 Mrd. Kapitalimporte: Transaktion führt zu Zunahme der Verbindlichkeiten/Abnahme der Forderungen Kapitalexporte: Transaktion führt zu Zunahme der Forderungen/Abnahme der Verbindlichkeiten Nettokapitalexport: Kapitalexporte>Kapitalimporte Formen der Kapitalbewegung: Kapitalbewegung Beispiel Saldo 2007 Direktinvestitionen Beteiligungskapital -86 Mrd. reinvestierte Gewinne Kredite an verbundene Unternehmen Wertpapieranlagen Aktien +135 Mrd. festverzinsliche Wertpapiere Geldmarktpapiere Finanzderivate Optionen -71 Mrd. Terminkontrakte Swaps übriger Kapitalverkehr Bankkreditvergabe -212 Mrd. Veränderung der + 0,4 Mrd. ZB-Währungsreserven Quelle: Deutsche Bundesbank: Zahlungsbilanzstatistik September 2008, Statistisches Beiheft zum Monatsbericht 3, Frankfurt/Main,

4 Zusammensetzung der Währungsreserven: Positionen Gold Devisen, Sorten Reservepositionen im IMF Forderungen an EWI Kredite und sonstige Forderungen ans Ausland Auslandsverbindlichkeiten Nettoauslandsposition die Nettoauslandsposition ist eine Bestandsgröße ihre Änderung ist die gewünschte Stromgröße (c) Nach welchen Prinzipien wird die Zahlungsbilanz aufgestellt? Die Erfassung der grenzüberschreitenden Transaktionen i.r.d. Zahlungsbilanz folgt mehreren Verbuchungsprinzipien: Transaktionsprinzip: es werden nur transaktionsbedingte Veränderungen erfasst und keine Bewertungsänderungen (z.b. Bestandsänderung an Devisenreserven bei Wechselkursänderungen) berücksichtigt Prinzip der doppelten Buchführung: jede mit einem Zahlungsvorgang verbundene Buchung auf der einen Seite hat eine Gegenbuchung auf der anderen Seite der Bilanz zur Folge Transaktionen, die zu Zahlungseingängen führen, stehen auf der Aktivseite der Bilanz und solche, die zu Zahlungsausgängen führen, auf der Passivseite. Konkret: Güterexport führt zu Zahlungseingang, d.h. Aktivseite Direktinvestition im Ausland (=Kapitalexport) führt zu Zahlungsausgang, d.h. Passivseite dabei muss ein tatsächlicher Zahlungsvorgang nicht unbedingt stattgefunden haben und die eigentliche Zahlung kann erst später erfolgen Zahlungsbilanzbuchungen können auch negativ sein. Z.B. wird die Abnahme von Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland negativ verbucht. Die Gegenbuchung erfolgt auf der gleichen Bilanzseite. 4

5 A P Zahlungseingang Zahlungsausgang - Güterexport - Güterimport - Kapitalimport - Kapitalexport Übersicht der Positionen und Salden der Zahlungsbilanz: AKTIVA PASSIVA SALDO Güterverkehr Güterexport Güterimport Saldo der Güterbilanz Dienstleistungsverkehr Dienstleistungsexport Dienstleistungsimport Saldo der Dienstleistungsbilanz Außenbeitrag zum Inlandsprodukt Erwerbs- und Vermögenseinkommen Einnahmen Ausgaben Saldo der Erwerbs- und Vermögenseinkommen Laufende Übertragungen Vom Ausland erhaltene laufende Übertragungen Vermögensübertragungen Vom Ausland erhaltene Vermögensübertragungen Kapitalverkehr Veränderungen der Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland Zentralbanktransaktionen Goldexport und Veränderung der Auslandsverbindlichkeiten der Zentralbank An das Ausland geleistete laufende Übertragungen An das Ausland geleistete Vermögensübertragungen Veränderungen der Forderungen gegenüber dem Ausland Goldimport und Veränderung der Auslandsforderungen der Zentralbank Außenbeitrag zum Nationaleinkommen Saldo der laufenden Übertragungen Saldo der Leistungsbilanz Saldo der Vermögensübertragungen Nettokapitalexporte Saldo der ehemaligen Devisenbilanz Saldo der Kapitalbilanz Saldo der statistisch nicht aufgliederbaren Transaktionen Inwiefern unterschiedet sie sich von der unternehmerischen Bilanz? Die unternehmerische Bilanz dokumentiert Bestandsgrößen und ist somit zeitpunktbezogen. 5

6 Die Zahlungsbilanz misst Stromgrößen und ist somit perioden- und zeitraumbezogen. In betriebswirtschaftlicher Terminologie würde sie als Bewegungsbilanz bezeichnet werden. I.2. Zahlungsbilanzausgleich und Saldenbildung (a) Wann ist eine Zahlungsbilanz ausgeglichen? Aus buchungstechnischen Gründen (Buchung auf der Aktivseite führt zu einer Gegenbuchung auf der Passivseite bzw. zu einer konsolidierung auf der selben Seite) ist die Zahlungsbilanz immer ausgeglichen. Das heißt, die Salden der Teilbilanzen müssen sich zu Null addieren. (b) Wie lässt sich die Position der statistisch nicht aufgliederbaren Transaktionen erklären? Begründung liegt in den Schwierigkeiten der Evaluierung: nicht periodengerecht erfassbare Positionen, beispielsweise durch mangelnde Kenntnis über Zahlungsvereinbarungen im Außenhandelsgeschäft oder getrennte Erfassung der Teilbilanzen statistische Ermittlungsfehler Angaben basieren teilweise auf Schätzungen, z.b. Höhe des Transfers der Gastarbeiter oder Kapitalerträge aus dem Ausland Deshalb als Restposten in der Zahlungsbilanz unter statistisch nicht aufgliederbare Transaktionen ausgewiesen. Dabei reflektiert ein positiver Saldo Zahlungseingänge, deren entsprechende Leistungs-oder Kapitaltransaktionen nicht erfasst wurden (Güterexport nicht erfasst). Ein negativer Saldo beschreibt Zahlungsausgänge, deren zugehörige Leistungsoder Kapitaltransaktionen nicht erfasst wurden (Güterimport nicht erfasst). (c) Wann spricht man von einem Ungleichgewicht in der Zahlungsbilanz? Wegen der doppelten Buchführung ist buchhalterisches Ungleichgewicht nicht möglich. Ein Zahlungsbilanzungleichgewicht bedeutet demnach, dass die Teilbilanzen der Zahlungsbilanz im Ungleichgewicht sind. 6

7 I.3. Buchungen (a) Bei Gütertransaktionen gibt es unterschiedliche Bewertungen: fob und cif. Erläutern Sie diese kurz! fob: Der free on board-wert schließt die Transport- und Versicherungskosten bis zur Grenze des (exportierenden) Lieferlandes ein (Grenzübergang). cif : Der cost, insurance, freight-wert schließt die Transport- und Versicherungskosten bis zur Grenze des (importierenden) Empfängerlandes ein (Eigentumsübergang). In Deutschland werden Güterexporte vom Statistischen Bundesamt (Außenhandelsstatistik) in fob-werten und von der Bundesbank (Zahlungsbilanzstatistik) in cif - und fob-werten aktiviert. Die Aufwendungen für Transport- und Versicherungskosten werden dementsprechend vom Statistischen Bundesamt in der Dienstleistungsbilanz erfasst (fob), wohingegen die Bundesbank den Exportwert inklusive der Transportund Versicherungskosten in der Handelsbilanz aufnimmt (cif). (b) In welchen Teilbilanzen werden folgende Vorgänge aktiviert bzw. passiviert? Grundsätzlich ist folgende Herangehensweise zu beachten: Welche Bilanzen werden angesprochen? Welche Kontenbewegungen finden statt? (Zahlungseingang oder Zahlungsausgang) i. Ein deutscher Exporteur liefert Waren im Wert von 2 Mio. Euro mit dreimonatigem Zahlungsziel in die USA. Waren Güterbilanz A: + Exporte 2 Mio. Zahlungsziel Kapitalbilanz P: + Forderungen 2 Mio. 7

8 ii. Ein deutsches Touristikunternehmen beauftragt seine Hausbank, zu Lasten deren Dollarkontos eine Rechnung von 8 Mio. Euro bei spanischen Hotels zu begleichen. Konto Kapitalbilanz A: + Verbindlichkeiten 8 Mio. spanische Hotels Dienstleistungsbilanz P: + Reiseverkehr 8 Mio. iii. Die Bundesbank erwirbt von deutschen Banken Devisen im Wert von 5 Mio. Euro. Devisen Kapitalbilanz P: + Forderungen 5 Mio. erwerben Kapitalbilanz P: - Forderungen 5 Mio. iv. Waren im Wert von 3 Mio. Euro werden importiert. Die ausländischen Zahlungsmittel beschafft der Importeur bei der Zentralbank. Waren Güterbilanz P: + Importe 3 Mio. ausländische Zahlungsmittel Kapitalbilanz P: - Forderungen 3 Mio. v. Ein deutsches Unternehmen erwirbt von einem Ausländer eine 30%ige Beteiligung an einem amerikanischen Unternehmen in Höhe von 6 Mio. Euro. erwerben Kapitalbilanz A: + Verbindlichkeiten 6 Mio. Beteiligungskapital/Direktinvestitionen Kapitalbilanz P: + Forderungen 6 Mio. vi. Der Bund entrichtet Finanzbeiträge an die Europäische Gemeinschaft in Höhe von 10 Mrd. Euro, indem er sein Zentralbankkonto durch die Bundesbank belasten lässt und den Betrag aus ihrem Devisenbestand überweist. Finanzbeiträge laufende Übertragungen P: + Übertragungen 10 Mrd. Zentralbankkonto Kapitalbilanz P: - Forderungen 10 Mrd. vii. Ein indischer Gastarbeiter überweist einen Geldbetrag indischer Rupie an seine Familie in Bombay. Gastarbeiter (Inländer) lfd. Übertragungen P: + Übertragungen überweisen Kapitalbilanz P: - Forderungen viii. Mannesmann wird von Vodafone übernommen. wesentliche Beteiligung (49,5%, notwendig sind 10%)/Direktinvestition Kapitalbilanz A: + Verbindlichkeiten 8

9 Aktienaufkauf Kapitalbilanz A: - Verbindlichkeiten Teilbilanz A P Saldo LEISTUNGSBILANZ Güterbilanz + Exporte 2 Mio (i) + Importe 3 Mio (iv) DLbilanz + Reiseverkehr 8 Mio (ii) EVbilanz lfd. Übertragungen + Übertragung 10 Mio (vi) + Übertragung (vii) - 19 Mio KAPITALBILANZ Nettokapitalexporte + Vb 8 Mio (ii) + Ford 2 Mio (i) + 6 Vb Mio (v) - Ford 5 Mio (iii) + Vb (viii) + Ford 6 Mio (v) - Vb (viii) - Ford (vii) Währungsreserven + Ford 5 Mio (iii) - Ford 3 Mio (iv) - Ford 10 Mio (vi) + 19 Mio 9

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