Die Laborreform 2014 gefährdet die endokrinologische Patientenversorgung in Deutschland

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1 Positionspapier Die Laborreform 2014 gefährdet die endokrinologische Patientenversorgung in Deutschland Durch die aktuellen Laborreformen werden endokrinologische Laborleistungen, sofern sie überhaupt erbracht werden dürfen, zunehmend schlechter vergütet. Die Abwertung der Leistungen wird der Bedeutung der endokrinologischen Versorgung und zunehmenden Anforderungen nicht gerecht. Zudem bedroht sie die Existenz der Fachärzte für Endokrinologie und Diabetologie. Noch unverständlicher erscheinen die Kürzungen vor dem Hintergrund eines kontinuierlich sinkenden Anteils der Laborkosten an den Gesamtausgaben der. Durch die aktuellen Reformen werden endokrinologische Laborleistungen schlechter vergütet. Die Laborreform 2014 sieht zudem vor, dass Fachärzte nur noch diejenigen Leistungen des Speziallabors erbringen dürfen, die zum Kern ihres Fachgebietes zählen. Die Kürzungen betreffen damit vor allem Nicht-Laborärzte wie zum Beispiel Endokrinologen, nicht jedoch die großen Laborfabriken. Die Beschneidung des endokrinologischen Labors setzt eine bedenkliche Entwicklung fort. Bereits seit Mitte der 1990er Jahre haben die Kostenträger Leistungen des endokrinologischen Speziallabors kontinuierlich gekürzt und Restriktionen eingeführt. Bei einzelnen Parametern ist es zu Kürzungen der Kostenerstattung zwischen 60 und 80 % gekommen (Abbildung 1). Abb. 1. Vergütung von endokrinologischen Laborleistungen seit 1995; T4, L-Thyroxin; ACTH, Kortikotropin; hgh, humanes Wachstumshormon

2 Dabei ist der Anteil des endokrinologischen Speziallabors am Gesamtlaborhonorar der niedrig (z. B. 2,15 % im Bereich der KV Hessen, Quartal I/2013). Die meisten Leistungen werden von Laborärzten erbracht (72 %) (Abbildung 2) (1). Endokrinologen verantworten mit rund 16 % (KV Hessen, Quartal I/2013) einen sehr geringen Anteil der Eigenlaborleistungen (Abbildung 3). Abb. 2. Honoraranteil am Speziallabor im Jahr 2011 nach Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (2). Abb. 3. Angeforderter Leistungsbedarf für das Speziallabor im Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen im ersten Quartal Daraus resultiert, dass die Beschneidung des endokrinologischen Labors seiner Bedeutung für die endokrinologische Patientenversorgung nicht gerecht wird. Damit wird diesen Speziallabors die wirtschaftliche Grundlage entzogen

3 Kürzungen endokrinologischer Laborleistungen bedrohen die Existenz des Endokrinologen und gefährden die Patientenversorgung Die Patienten des Endokrinologen bedürfen einer zeitaufwändigen Beratung und hochwertigen, individuellen Labordiagnostik. Viele endokrinologische Praxen betreiben daher ein eigenes Hormonlabor; Indikationsstellung, Methodik, Durchführung und Einordnung der Laboruntersuchungen von Hormon-, Diabetes- und stoffwechselspezifischen Parametern sind fest in der Musterweiterbildungsordnung des Schwerpunktes verankert (3). Bereits heute ist die endokrinologische Versorgung in Deutschland auch im europäischen Vergleich jedoch nicht ausreichend. Etwa 180 Endokrinologen haben sich niedergelassen. Allerdings können davon nur noch ca. 50 ein eigenes Speziallabor wirtschaftlich betreiben. Damit ist ein Endokrinologe Ansprechpartner für knapp Einwohner. Nachwuchsmangel verschärft den Engpass an qualifizierter endokrinologischer Versorgung. Angesichts der schlechten wirtschaftlichen Bedingungen sind immer weniger Ärztinnen und Ärzte zur Weiterbildung im Schwerpunkt Endokrinologie bereit. Diese Entwicklung geht mit einem Abbau endokrinologischer Lehrstühle und einer erheblichen Benachteiligung der universitären Endokrinologie einher (4). Gleichzeitig nehmen die Anforderungen an die Endokrinologie zu. Die Anzahl an Patienten steigt, die von endokrinologischer Expertise profitieren können. Vier von fünf der von Endokrinologen betreuten Patienten leiden an einer Volkskrankheit wie Diabetes mellitus, Adipositas, einer Schilddrüsenerkrankung oder Osteoporose. Die Prävalenz des Diabetes hat weltweit epidemische Ausmaße angenommen. Allein in Deutschland leiden rund 5 Millionen Menschen an Diabetes. Jährlich erkranken knapp ältere Menschen neu an Typ-2-Diabetes (5, 6), also täglich fast Menschen. Die Fachärzte für Endokrinologie und Diabetologie sind durch die aktuellen Laborreformen und die immer schlechtere Vergütung ihrer Leistungen in ihrer Existenz bedroht. Setzt sich der Nachwuchsmangel und das Praxissterben fort, kann die Endokrinologie ihren Auftrag einer qualifizierten Labordiagnostik und Krankenversorgung für alle Patienten nicht erfüllen. Nicht zuletzt als obligatorischer Bestandteil der Ausbildung gilt es, das Speziallabor für den Schwerpunkt Endokrinologie/Diabetologie allein schon zur Sicherung des fachärztlich-endokrinologischen Nachwuchses zu erhalten. Die Labordiagnostik ist kein Kostentreiber Die Labordiagnostik trägt wesentlich zur Diagnosefindung bei, mehr als andere Untersuchungsverfahren. Doch trotz ihres Nutzens für den Patienten verursacht die Labordiagnostik verhältnismäßig geringe Kosten: Mit 2,85% (2009) verursacht das Labor nur einen Bruchteil der Gesamtausgaben der (Abbildung 4) (7)

4 Abb. 4. Anteil der Laborausgaben an den Gesamtausgaben der (GKV) und Anteil der Labordiagnostik an der Diagnosefindung (7). Die Labordiagnostik treibt die Kosten in der nicht an. Der Anteil für Laborleistungen an den Gesamtausgaben hat sich seit 1997 sogar rückläufig entwickelt und ist bis 2011 von 3,26 auf 2,94 % gesunken (Abbildung 5) (7). Während die Gesamtausgaben der im Zeitraum zwischen 1997 und 2011 um 46 % zunahmen, stiegen die Ausgaben für Laborleistungen lediglich um 30 % an (Abbildung 6). Abb. 5. Ausgabenanteil Labor der (7)

5 Abb. 6. Ausgabendynamik mit Vergleich der Gesamt- gegenüber den Laborausgaben in der (GKV) (7). Schlussfolgerung Die aktuellen Laborreformen scheinen die Tatsache zu ignorieren, dass die endokrinologische Labordiagnostik in der Hand eines Experten für eine gute und kosteneffiziente Versorgung der Patienten unabdingbar ist. Die Reformen werden damit der Bedeutung der endokrinologischen Versorgung vor dem Hintergrund steigender Patientenzahlen zunehmender Anforderungen nicht gerecht. Damit ist die qualifizierte endokrinologische Versorgung der betroffenen Patienten gefährdet. Es wird keine wissenschaftlichen Innovationen und Weiterentwicklungen von diagnostischen und therapeutischen Methoden mehr geben. Endokrinologische Ambulanzen und Praxen in der heutigen Form stehen vor dem Aus! Quellen 1. Kassenärztliche Bundesvereinigung. Daten von Auch D. Änderungen in der Honorarverteilung. Was bleibt für das Labor? VDGH-Diagnostica- Forum 2013 "Aktuelle Herausforderungen und Trends im Labormarkt", 31 Januar 2013 in Berlin. 3. Bundesärztekammer (Arbeitsgemeinschaft der deutschen Ärztekammern). (Muster- )Weiterbildungsordnung in der Fassung vom Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e. V. Die universitäre Endokrinologie ist in Gefahr. Stellungnahme der Hochschulprofessoren in der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Stellungnahme der DGE International Diabetes Federation. Diabetes Atlas Rathmann W, Strassburger K, Heier M, et al. Incidence of type 2 diabetes in the elderly German population and the effect of clinical and lifestyle risk factors: KORA SF/F4 cohort study. Diabet Med 2009; 26: Verband der Diagnostica-Industrie e. V. Auf einen Blick: Zahlen & Fakten zur Diagnostika- und Life Science Research-Industrie

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