Eine Benchmark-Studie zum Reifegrad der Enterprise Application Integration

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1 IBM Business Consulting Services EAI in der Schweiz Eine Benchmark-Studie zum Reifegrad der Enterprise Application Integration Der Trend zur Enterprise Application Integration (EAI) ist in den Wirtschaftszweigen der Schweiz sehr unterschiedlich ausgeprägt. Im Handel ist EAI bereits umfassend umgesetzt. Am dringlichsten stufen die Banken ihren EAI-Bedarf ein, während die Industrie eine Position nahe am Durchschnitt der Gesamtwirtschaft einnimmt. Dies ist das Fazit einer kürzlich erhobenen Benchmark-Untersuchung von IBM Business Consulting Services. Die Studie informiert über den EAI-Entwicklungsstand der einzelnen Branchen und zeigt die Bereiche mit Verbesserungspotenzial auf.

2 EAI in der Schweiz eine Benchmark-Studie von IBM Business Consulting Services Ein Überblick In Zeiten von Firmenfusionen, von sich in atemberaubendem Tempo verändernden Technologien und Geschäftsusanzen wird es immer wichtiger, flexibel und anpassungsfähig zu sein. Dies betrifft die Menschen selbst, aber auch die Arbeitsprozesse und natürlich die IT-Systeme sowie die Applikationen, durch die sie unterstützt werden. Unter diesem Aspekt verfolgt Enterprise Application Integration (EAI) zwei Zielsetzungen. Erstens die technologische Verschmelzung der heterogen gewachsenen Informatiklandschaft zu einem sinnvollen Ganzen. Zweitens und dies ist die weitaus grössere Herausforderung die Zusammenführung von Geschäftsprozessen und Technologie. Dies bezieht sich nicht nur auf die Prozesse innerhalb eines Unternehmens, sondern auch auf die Beziehungen des Unternehmens zu seinen Lieferanten und ebenso zu den Kunden (siehe Abbildung 1). Erst EAI ermöglicht es einem Unternehmen sämtliche Geschäftsprozesse end-to-end zu integrieren, um so dynamisch auf Kundenanforderungen, Marktchancen und externe Bedrohungen reagieren zu können. Heute ist der ideale Zeitpunkt, um diese Herausforderungen anzugehen. Denn im Gegensatz zur Vergangenheit unterstützen neue offene Standards und Tools die vollständige Integration. Das war nicht immer so: In den meisten Unternehmen ist die Applikationslandschaft stark heterogen gewachsen. Die Anwendungen wurden zudem auf unterschiedlichen Plattformen und Standards implementiert. Unsere EAI-Benchmark-Studie unterscheidet einerseits zwischen Prozessintegration und technologischer Integration sowie anderseits der Umsetzung von Geschäftsprozessen mit der Technologie der Informationsverarbeitung. Ferner wurde untersucht, wie weit Klarheit über die EAI-Organisation und das Vorgehen besteht und ob eine entsprechende Unternehmensarchitektur vorhanden sei. Im Fazit des Branchenvergleichs wird deutlich, dass in der Schweiz vor allem der Handel die Bedeutung von EAI erkannt und umgesetzt hat. Bei den Banken ist das EAI-Verständnis zwar weit fortgeschritten, es ist auf organisatorischer Ebene sehr hoch, bei der Integration der Geschäftsprozesse und ebenso bei der Konzeption der Unternehmensarchitektur jedoch deutlich am tiefsten. Am allgemein geringsten ist das Bedürfnis für EAI in der Industrie, denn in diesem Wirtschaftsbereich ist der Standardisierungsgrad durch weit verbreitete Enterprise Resource Planning (ERP) Systeme und infolge eingeführter Produktionssysteme bereits sehr hoch. Kernaussage: Die geschäftsstrategische Bedeutung von EAI wird allgemein anerkannt, jedoch sind die Branchen in der Umsetzung unterschiedlich weit fortgeschritten. Buy and Enterprise Sell and Supply Resources Support Enterprise Application Integration Abbildung1: Enterprise Application Integration (EAI) bezieht sich sowohl auf die in einem Unternehmen vorhandenen Ressourcen (Enterprise Resources) zur Abwicklung der Geschäftstätigkeit als auch die Prozesse der Lieferantenbeziehungen (Buy and Supply) des Unternehmens sowie jene der Beziehungen zu den Kunden (Sell and Support).

3 Wie die Benchmark-Studie entstand Die Auswahl der Teilnehmerfirmen am Benchmark erfolgte anhand der IBM-Kundendatenbank. Dabei wurde berücksichtigt, dass EAI-Lösungen eine kritische Firmengrösse voraussetzen, und es wurden deshalb vor allem Mittel- und Grossunternehmen zur Teilnahme aufgefordert. Insgesamt partizipierten 568 Unternehmen an der Benchmark-Studie. Die prozentuale Verteilung ist aus Abbildung 2 ersichtlich. Die EAI-Benchmark-Studie wird auf Nachfragebasis weitergeführt. Für Unternehmen, die an ihren eigenen Benchmark- Resultaten interessiert sind, steht der Fragebogen im Internet unter zur Verfügung. Der ausgefüllte Fragebogen wird automatisch ausgewertet, und die Resultate werden kostenlos in einem persönlichen Gespräch abgegeben. Die Resultate der Benchmark-Studie ergaben sich aus der Auswertung von Fragebogen, die an Chief Information Officers (CIO) und Chief Operation Officers (COO) versandt wurden. Zur Erstellung der Fragebogen und zu deren Auswertung wurde eine Analysemethodik entwickelt,aus der sich die Benchmark zusammensetzt. Dies führte zu den folgenden 7 Hauptanalysen, die für jedes teilnehmende Unternehmen erstellt und mit den Mitbewerbern verglichen wurden: Bewusstsein, Reifegrad, Veränderungsanforderungen und wille, Implementierungsgrad, Architektur, strategischer Fokus und Kosten-/Benefit-Reflexion. IT & Consulting 6% Andere 16% Banken 20% Versicherung 3% Industrie 33% Handel 11% Dienstleistungen 11% Abbildung 2: Prozentuale Verteilung der Benchmark-Teilnehmerfirmen auf die einzelnen Branchen.

4 Die Resultate der EAI-Benchmark-Studie im Branchenvergleich Die Studie liefert erstmals Aussagen über den gegenwärtigen Zustand der EAI in den schweizerischen Unternehmen. Dabei fällt vor allem auf, wie uneinheitlich die einzelnen Aspekte von EAI in den verschiedenen Zweigen der Wirtschaft zum Ausdruck kommen. EAI-Reifegrad Zur Ermittlung des EAI-Reifegrades in den einzelnen Unternehmen wurden 6 Aspekte untersucht und ausgewertet. Im Einzelnen ging es um folgende Punkte: EAI-Bewusstsein: Dieser Parameter erfasst die Bedeutung, welche die Geschäftsleitung der EAI im Allgemeinen zumisst und in welchem Masse die EAI-Strategie des Unternehmens in diesem Führungsgremium verankert ist. Veränderungsanforderungen: Diese Messgrösse gibt an, in welchem Ausmass ein Unternehmen zur Sicherung des Geschäftserfolges auf Umstrukturierung und Optimierung angewiesen ist. Initialisierung: Dieser Aspekt bezieht sich auf die organisatorischen Massnahmen, die zur EAI getroffen wurden und den Grad ihrer praktischen Umsetzung. Strategie: Damit wird bewertet, wie weit eine EAI-Strategie als Teil der übergeordneten Unternehmensstrategie definiert worden ist. Architektur: Dieser Gradmesser gibt an, in welchem Mass die EAI-Architektur des Unternehmens quantitativen und qualitativen Anforderungen genügt. Planung/Umsetzung: Mit diesem Parameter wird der Fortschritt in Bezug auf Planung und deren Umsetzung im Unternehmen erfasst. Die Resultate der einzelnen Branchen zeigen deutliche Unterschiede in der Ausbildung ihrer EAI-Fähigkeiten. In der Industrie ist der Bereich Produktion gut integriert, jedoch fehlt vielfach die Verbindung zum Finanzsystem. Viele Industriebetriebe setzen die unter sich integrierten Module eines Enterprise Resource Planning (ERP) Systems ein und haben auch die Lieferantenanbindung realisiert. Auch der Handel nutzt die Vorteile eines integrierten Systems und hat Logistikmodule implementiert. Allerdings ist diese Branche nur teilweise auf dem neuesten Stand der Technologie und kann daher das Potenzial der neuesten Standards nur punktuell nutzen. Der Einbezug der Kunden durch E-Shopping ist erst vereinzelt realisiert. Die verbreitete EAI-Anwendung im Bereich der Banken und Versicherungen wird durch die Existenz vieler Eigenentwicklungen im Anwendungsbereich erschwert, und überdies sind noch kaum Standardapplikationen erhältlich. Die Branche ist durch eine erhebliche Zahl von Übernahmen und Fusionen gekennzeichnet, und demzufolge behindern häufig inkompatible IT-Infrastrukturen reibungslose, effiziente Geschäftsabläufe. Die Anwendungen unterstützen in der Regel die einzelnen Prozesse, doch ist die Gesamtintegration der Systeme noch nicht realisiert. Heute wird im Finanzsektor der Kostendruck deutlich spürbar. Die föderative Struktur der öffentlichen Hand hat dazu geführt, dass im Sektor der Behörden und der Verwaltungen EAI erst sehr vereinzelt angepackt wurde. Im Vergleich zum benachbarten Ausland befindet sich die Schweiz auf allen Ebenen Bund, Kantone und Gemeinden im Hintertreffen. EAI-Bewusstsein Planung/Umsetzung Veränderungsanforderungen Architektur Initialisierung Strategie Banken Versicherungen Handel Industrie Dienstleistungen IT & Consulting Andere Alle Abbildung 3: Das Gesamtbild des EAI-Reifegrades in den unterschiedlichen Wirtschaftszweigen ist uneinheitlich. Diese Unterschiede sind nur zum Teil durch deren spezifische Verhältnisse zu erklären.

5 Strategische Bedeutung von EAI Auch bei der Bewertung der strategischen Bedeutung der EAI ist das Bild der Branchen uneinheitlich. Die höchste strategische Bedeutung misst ihr der Finanzsektor Banken und Versicherungen zu, da die Zusammenführung der heterogen gewachsenen IT-Landschaft aufgrund von Übernahmen und fehlender Standardlösungen hohe Priorität hat. Im Handel wird Enterprise Application Integration leicht überdurchschnittliche Bedeutung zugestanden, zweifellos eine Folge des Einbezugs der Lieferantenbeziehungen und des verbreiteten ERP- Einsatzes. In der Industrie wird EAI verhältnismässig geringe Bedeutung zugemessen. Dies dürfte auf die in diesem Bereich verbreiteten homogenen Systemlandschaften in der Produktion zurückzuführen sein. Banken Versicherungen Handel Industrie Dienstleistungen IT & Consulting Andere Strategische Bedeutung Durchschnitt Abbildung 4: Bei Banken und Versicherungen wird der EAI wesentlich höhere strategische Bedeutung zugemessen als in den Bereichen des Handels und der Industrie, in denen EAI schon verbreitet umgesetzt ist.

6 Initialisierung und Implementierung von EAI Aus dem Datenmaterial der Studie konnten Aussagen über den Grad der EAI-Initialisierung und -Implementierung gewonnen werden. Sie sind in Abbildung 5 zusammengefasst für die einzelnen Branchen dargestellt. Die mit einem Stichwort erwähnten Parameter bedeuten: Organisation: Bewertung der getroffenen organisatorischen Massnahmen zur Umsetzung der EAI-Strategie. Vorgehen: Grad der Definition des unternehmensweiten Vorgehens und des Einbezugs von Standards. Prozessintegration: Ausmass der Integration von Geschäftsprozessen, beispielsweise in der Form durchgehender Prozesse mit hoher Effizienz. Technologische Integration: Integrationsgrad der technischen Komponenten, beispielsweise des Datenaustausches zwischen den Anwendungen ohne Medienbrüche. Prozess-Technologie-Integration: Grad der Integration von Geschäftsprozessen und der IT-Infrastruktur, zum Beispiel die IT-Unterstützung von Geschäftsprozessen, Echtzeitverarbeitung und Möglichkeit zur flexiblen Anpassung an veränderte Bedingungen. Architektur: Bewertung der vorliegenden EAI-Gesamtarchitektur. Die Grafik zeigt auf, dass der Fokus vermehrt auf die Prozessintegration, das Zusammenspiel der Prozesse mit den Applikationen sowie der Unternehmensarchitektur gelegt werden sollte. Organisation Vorgehen Prozessintegration Technologische Integration Prozess-Technologie-Integration Architektur Banken Handel Industrie Alle Abbildung 5: Es fällt auf, wie hoch der Wert der Organisation bei den Banken resultiert und wie tief die Prozessintegration in diesem Bereich noch ist. Der hohe Integrationsstand im Handel wird in der Abbildung bestätigt.

7 Nutzen des EAI-Einsatzes Der Handel zieht schon heute den grössten Nutzen aus dem EAI-Einsatz, weil die Struktur der Geschäftsprozesse in dieser Branche sehr stark von der Integration der einzelnen Prozessschritte und ihrer Abbildung in IT-Systemen profitieren kann. Eine Konsequenz dieser Entwicklung ist die Erkenntnis, dass Handelsunternehmen durch zusätzliche Investitionen in EAI kaum mehr wesentliche Verbesserungen ihrer Betriebsabläufe erzielen können. Etwas mehr Verbesserungspotenzial ist in der Industrie vorhanden, in der viele Betriebe von der Standardisierung der verbreiteten ERP-Systeme profitieren. Ganz anders präsentiert sich der potenzielle EAI-Nutzen für Finanzdienstleister wie Banken und Versicherungen. Banken können mit Enterprise Application Integration annähernd zur Stellung des Handels aufsteigen, und dies verspricht eine Reduktion der internen Kosten. Obwohl Versicherungen bereits heute hohen Gewinn aus ihren EAI-Investitionen ziehen, besteht noch ein beträchtliches Potenzial zur weiteren Verbesserung. Verbesserungsmöglichkeiten in ähnlichem Ausmass versprechen zusätzlich EAI-Investitionen im Bereich der Dienstleistungsunternehmen. EAI wird weiterhin auf der strategischen Agenda bleiben und ist eine unabdingbare Voraussetzung für Unternehmen, die sämtliche Geschäftsprozesse end-to-end integriert haben wollen, um dynamisch auf Kundenanforderungen, Marktchancen und externe Bedrohungen reagieren zu können. Kernaussage: Durch eine stärkere Fokussierung auf EAI können vor allem Banken, Versicherungen und Dienstleistungsbetriebe ihren Return-on-Investment (ROI) bei der Einbindung neuer Applikationen wesentlich verbessern. Banken Versicherungen Handel Industrie Dienstleistungen IT & Consulting Andere ROI heute ROI-Trend Ø ROI heute Ø ROI-Trend Abbildung 6: Der untere Teil der Säulen in diesem Diagramm zeigt den heute mit EAI erzielten Nutzen bei den einzelnen Branchen. Der obere Teil der Säulen entspricht der möglichen ROI-Steigerung durch Verbesserung der EAI.

8 2003 IBM Corporation IBM Schweiz Bändliweg 21, Postfach 8010 Zürich Telefon Fax ibm.com/ch Die IBM Homepage finden Sie im Internet unter: ibm.com ibm.com/ch/services IBM und das IBM Logo sind eingetragene Marken der International Business Machines Corporation. Marken anderer Unternehmen/Hersteller werden anerkannt. Vertragsbedingungen und Preise erhalten Sie bei den IBM Geschäftsstellen. Die Informationen geben den derzeitigen Stand wieder. Gegenstand und Umfang der Leistungen bestimmen sich ausschliesslich nach den jeweiligen Verträgen.

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