Grundlagen der Erlebnispädagogik. Seminar: Freizeitpädagogik Thomas Stops Katharina Maier

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1 Grundlagen der Erlebnispädagogik Seminar: Freizeitpädagogik Thomas Stops Katharina Maier

2 Gebt den Kinder Gelegenheit, sich selbst zu entdecken Lasst sie Triumph und Niederlage erleben Weist ihnen verantwortlich Aufgaben zu, bei denen zu versagen, den kleinen Staat gefährden heißt...übt die Phantasie.

3 1. Begriffsbestimmung - Viele verschiedene Definitionsansätze - Allgemeiner Ansatz - Erlebnispädagogik als spezifische Ausformung des Konzeptes eines offenen, natürlichen und sozialen Erfahrungslernens (Fischer & Ziegenspeck, 2008, S.26)

4 1.1. Definitionsansatz nach Ziegenspeck - Erlebnispädagogik als alternative Ergänzung traditioneller Bildungsmethoden -bestehend aus primär natursportlichen Unternehmungen -Indoor-Pädagogik vs. Outdoor-Pädagogik -Lernen in der natürlichen Umwelt; ökologischer Bildungsanspruch

5 1.2. Definitionsansatz nach Fischer -Erlebnispädagogik als zielgerichtete und ganzheitliche Planung, Vorbereitung, Durchführung und Auswertung erlebnispädagogischer Prozessgestaltung -Ziel: Selbst- und Umweltveränderungen durch emotionale Erlebnisse, soziale Herausforderungen und praktische Erfahrungen

6 1.3. Praktische Empfehlung auf Basis der Definitionen (nach Funke) -Erlebnispädagogik muss: - Erlebnis und Erfahrung in der Natur beinhalten. - Mitveranwortung jedes Teilnehmers für das Erreichen der Ziele einfordern. - fachliches Wissen zum Erreichen der Ziele vermitteln - soziale Beziehungen schaffen. - Jugendliche im Prozess des Erwachsenwerdens unterstützen. - neben Pädagogen auch fachliches Personal hinzuziehen, um sich sachlich zu vermitteln. - kontrolliertes Risiko beinhalten. - erzieherisch gemeint sein.

7 2. Ursprung und Herkunft - Als Begründer eines ersten Konzepts gilt Kurt Hahn mit seiner Erlebnistherapie, die bis heute als Basis erlebnispädagogischer Ansätze gilt - Die Therapie entwickelte Hahn nach dem Gedankengut von z.b.: - Plato - Goethe - Rousseau - Lietz - Dewey - Die Begrifflichkeit Erlebnispädagogik wurde von Waltraut Neubert erarbeitet - Während NS-Zeiten Missbrauch (z.b.: HJ) - Wiederaufgriff Mitte der 60er Jahre - Ab Beginn der 80er Jahre Modernisierung und Professionalisierung führen zum Begriff der modernen Erlebnispädagogik

8 3. Zielgruppen/Anwendungsgebiete Zielgruppen: - Generell jede Altersgruppe ab dem Kindesalter - Maßnahme der Jugendhilfe - Training von Schlüsselqualifikationen (Auszubildende, Manager) Anwendungsgebiete: - Integrationshilfe (Behinderte; sozial Benachteiligte, Migranten) -Therapie - Rehabilitation - Resozialisation

9 4. Ziele - Kinder/Jugendliche: - Persönlichkeit bilden - Soziale Kompetenz verbessern - Fähigkeit vermitteln, zu helfen bzw. sich helfen zu lassen - Natur- und Umweltbewusstsein entwickeln - Wertevermittlung - Konfliktlösungsstrategien entwickeln - persönliche Grenzen erfahren und erweitern - Körperbewusstsein vermitteln - Eigenverantwortung und - initiative zeigen Motivation vermitteln

10 - Firmenbereich/Professional: - Teambuilding - Kommunikation verbessern - Kooperation und Vertrauen stärken - Integration aller Gruppenmitglieder - Gemeinsame Zielsetzung - Qualität des Konfliktmanagements verbessern - Selbstwertgefühl der Teilnehmer fördern

11 Diese Ziele können jedoch nur erreicht werden, wenn jede teilnehmende Person auch selbst für sie eintritt.

12 5. Methodiken Nach Reiners (2004, S. 14) geht es vor allem darum, für Lernende und Lehrende Gelegenheiten zu schaffen, in denen die eigenen Werte erfahrbar und überprüfbar werden.

13 Erfolgskriterien: - ganzheitliches Erleben ermöglichen - Problemstellung muss Strategie, Flexibilität, Konfliktfähigkeit erfordern - Prozess der Problemlösung muss im Vordergrund stehen - Problemstellung muss Transfer in den Alltag ermöglichen - Problemstellung muss auf die Gruppe angepasst sein - Problemstellung muss herausfordernd, aber nicht unlösbar sein - Teilnehmer müssen sich eigene Ziele stecken - Reflexion muss fester Bestandteil sein

14 6. Reflexion Inhalt: Austausch, Klärung, Wertung Kritik äußern Erfahrungen teilen Gefühle beschreiben Erfahrungen und Gefühle bewusst machen Ergebnissicherung Methoden: Gestalterisch, meditativ, schriftlich, mündlich

15 7. Transfer Schaffung einer alltagsähnlichen Problemsituation Problem als Metapher Übertragung der Erlebnisse auf den Alltag (z.b. nach Erkletterung einer großen, schwierigen Felswand: Wenn ich in meinem Leben jemals vor einem großen Problem stehen werde, werde ich mich an die Felswand zurückerinnern. (Reiners, 2004, S. 19) Problemlösung im Alltag soll vorangetrieben werden Transferprüfung mehrere Wochen nach dem Training

16 8. Qualifikationsprofil eines Gruppenleiters - Verbalisierungskompetenz - Persönlich-soziale Kompetenz - Methodenkompetenz - Leistungskompetenz - Pädagogische und natursportliche Kompetenz - Hard-/Soft-/Meta-Skills

17 9. Vergleich Erlebnispädagogik - Leistungssport (am Beispiel Kanusport) Leistungssport (Kanuslalom) Voraussetzungen: Erlebnispädagogik (Kanufahrt) Voraussetzungen: Kraft Geschicklichkeit Motivation Technische Anlagen Gruppe Gemeinsame Zielsetzung Lernmotivation Keine sportspezifischen Anlagen

18 Materielle Voraussetzungen (Leistungssport): Materielle Voraussetzungen (Erlebnispädagogik): Konkurrenzfähiges Bootsmaterial Genormte Wettkampf-Parcours Hochwertige Schutzausrüstung Normale Kanus für gewöhnlich ausreichend Eventuell Materialien aus denen selbst ein Kanu/Floß gebaut werden kann Je nach Gruppe kann jegliches Gewässer befahren werden Schwimmweste ist Pflicht

19 Trainerqualifikation (Leistungssport): Gruppenleiterqualifikation (Erlebnispädagogik): Fundiertes Fachwissen Wissen über aktuelle sportwissenschaftliche Erkenntnisse Methodenkompetenz Professionelle Einstellung Trainingshärte vermitteln Leistung fordern Pädagogische und natursportliche Kompetenz Methodenkompetenz Persönlich-soziale Kompetenz Geduld Motivation Zurücknahme Emotionen fordern und fördern

20 Trainingsmethodik (Leistungssport): Durchführungsmethodik (Erlebnispädagogik): Nach sportwissenschaftlichen Erkenntnissen aufgebaut Individuell auf Sportler ausgerichtet Primäres Ziel: Leistungssteigerung Muskelaufbau Koordinationstraining Auf die jeweilige Gruppe zugeschnitten Primäres Ziel: Gemeinsames Erlebnis und Erreichen der vorher gesetzten Ziele Problemlösung im Vordergrund Möglichkeit des Transfers durch Alltagsnahe Problemstellung Reflexion über das Erlebte

21 Zielsetzung (Leistungssport): Zielsetzung (Erlebnispädagogik): Schnelligkeit Saubere Technik Fehlerfreie Bewältigung des Parcours Wettkampf gewinnen Gemeinsam etwas erleben Besprochene Ziele erreichen (z.b.: Kooperation und Vertrauen stärken, Integration aller Gruppenmitglieder, Persönlichkeit bilden, Eigenverantwortung zeigen) Transfer des gelernten in den Alltag

22 10. Erlebnispädagogik vs. Vereinssport - Verbesserung der persönlichen Leistung - Erfolg im Wettkampf - Leistungsgedanke - Technik- und Taktikfokus - Vertiefung einer Sportart - Hierarchische Organisation - Erfahren des eigenen Körpers, bewusste Wahrnehmung der Eigenen Leistungsfähigkeit - Neue Erfahrungen sammeln - Persönlichkeitsentwicklung im Vordergrund - Technik und Taktik als Zweck - Verschiedene Bewegungsarten ausprobieren - Miteinander die Aufgaben bewältigen

23 Literatur: - Reiners, A. (2004). Praktische Erlebnispädagogik Neue Sammlung motivierender Interaktionsspiele. Augsburg: ZIEL. - Ziegenspeck, W. & Fischer, T. (2008). Erlebnispädagogik Grundlagen des Erfahrungslernens. Bad Heilbrunn: Klinkhardt. - Funke, J.: Gutachterliche Stellungnahme zum Begriff Outward Bound aus erziehnungswissenschaftlicher Sicht. In Ziegenspeck, J. (Hrsg.): Outward Bound Geschütztes Warenzeichen oder offener pädagogischer Begriff? In: Schriften Studien Dokumente zur Erlebnispädagogik. Band1, Lüneburg 1986, S Renner, H.-J. (2003). Das Outdoorseminar in der betrieblichen Praxis. Hamburg: Windmühle

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