Fakten und Neuigkeiten zur Multiplen Sklerose Was ist Stand der Dinge?

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1 300 bis 500 Milliarden Nervenzellen Fakten und Neuigkeiten zur Multiplen Sklerose Was ist Stand der Dinge? Zellkörper Axon Synapse Vitamin D und MS Vitamin D scheint eine Rolle beim Gleichgewicht zwischen schützenden und schädigenden Mechanismen zu spielen. In Ländern mit viel UV-Licht liegt eine niedrigere MS-Häufigkeit vor und umgekehrt (Ausnahme Norwegen, da dort viel Vitamin D über den Verzehr von Fisch aufgenommen wird) Niedrige Vitamin D-Spiegel und Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus als Risikofaktoren für eine MS? (Vorsicht: größere Studie zum Beweis notwendig) Macht eine Vitamin D-Substitution während der Erkrankung Sinn? Sollte man zur Vorbeugung einer MS Vitamin D einnehmen? 1

2 Pathophysiologie Gibt es einen Laborwert, der bei MS-Patienten häufiger vorkommt und mit dem man die Diagnose erleichtern kann?? Schädliche weiße Blutkörperchen Entzündungsreaktion Störung der Blut-Hirn-Schranke Freßzellen Warum? weiß man noch nicht! M M Gearbeitet wird an einem Kaliumkanal auf der Zelloberfläche, der gehäuft bei MS-Patienten vorkommt und nicht bei anderen Autoimmunerkrankungen Nervenzelle Verlaufsformen Normales Axon Myelinscheide schubförmig ohne / mit bleibender Behinderung Demyelinisierung anfangs schubförmig, dann sekundär chronisch progredient Degeneriertes Axon primär progredient ohne Schübe nach Waxman et al, New Engl. J. Med., 1998 primär progredient mit Schüben 2

3 Entzündung Freiheit von Krankheitsaktivität Regeneration Schäden t Umgang mit Betroffenen Ausführliches Aufklärungsgespräch mit den Betroffenen, da der Informationsbedarf sehr hoch ist. Informationsbroschüren über alle möglichen Themen bei der MS sind vorhanden (z.b. MS und Sport, MS und Beruf usw). Wie wird die Multiple Sklerose dauerhaft behandelt? Klinisch sichtbar MS-Selbsthilfegruppen Ausführliche Beratung über die therapeutischen Möglichkeiten und Besprechung der individuellen Wünsche des Patienten, was die Therapie angeht. Unbemerkt Besprechung des Themas MS und Schwangerschaft 3

4 Basistherapie: Spritzentherapie (Interferone und Copaxone) Wirkmechanismus: Günstige Beeinflussung des Immunsystems Hauptziele: Vorbeugung weiterer Krankheitsschübe Verlangsamung der Krankheitsprogression Avonex alle 4 Wochen Durch eine neue Zubereitunsformel hat Interferon b1a eine längere Halbwertzeit und braucht deswegen nur noch alle 4 Wochen intamuskulär verabreicht werden Vorteile: Man muß noch weniger an das Spritzen denken Vorteile für Menschen mit Spritzenphobie Stabilisierung der funktionellen Einschränkung auf möglichst niedriger Beeinträchtigungsstufe Natalizumab Was kann man tun bei Versagen der Basistherapie Künstlich hergestellter Antikörper gegen eine Struktur auf der Blut-Hirn- Schranke Verhinderung der Wanderung der weißen Blutkörperchen vom Blut in das Gehirngewebe monatliche 300 mg-infusionen (1 Flasche kostet 2500 Euro) 1 h Nachbeobachtung wegen der Gefahr einer allergischen Reaktion 4

5 Warum gibt man dann nicht jedem Patienten direkt Tysabri, wenn das Medikament doch so effektiv ist? Neue Entwicklungen bei Tysabri erhöhtes Risiko einer speziellen Virusinfektion des Gehirns (PML, Progressive multifokale Leukencephalopathie) Die Aussicht auf Heilung einer PML hängt von der Zeit bis zur Diagnosestellung ab Die Symptomatik kann einer erneuten Schubsymptomatik gleichen Weltweit bisher über 370 Fälle von PML bei jedoch Behandlungsfällen. Kann Tysabri auch nur alle 8 Wochen gegeben werden? Wie kann man das individuelle Risiko einer PML näher einschätzen Bestimmung eines Proteins auf der Oberfläche von weißen Blutkörperchen (Universitätsklinik Münster, L-Selektin) Das Risiko steigt mit der Behandlungsdauer, einer Vortherapie mit immunsupprimierenden Substanzen sowie dem Antikörperstatus gegen das JC-Virus Fingolimod (Gilenya ) (Täglich eine Tablette) Erstes zugelassenes orales Therapeutikum der MS (seit 2011 in der EU) Hemmung des Übertrittes der Lymphozyten aus den Lymphknoten in die Blutgefäße Nebenwirkungen: Infektionen mit dem Windpockenvirus Schwellung eines Teils der Netzhaut (0,2%) Vorübergehende Abnahme der Herzfrequenz (um 10%) kurz nach Gabe des Medikamentes zum 1. mal Hauttumore (10 Fälle bei 2615 behandelten Patienten) 5

6 Ersteinstellung auf Fingolimod Symptomatische Therapie: Neuigkeiten?? im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthaltes 12-Kanal-EKG vor der Erstgabe, Kontinuierliche 6-stündige EKG-Überwachung, stündliche Messungen von Blutdruck und Herzfrequenz) Testung auf Impfstatus bezüglich des Windpockevirus Ggf. Impfung vor Therapiestart. Fampridin (Fampyra ): Aminopyridin, reversibler Kaliumkanal-Blocker Indikation: Verbesserung der Gehfähigkeit bei EDSS von mg 2 mal täglich als Tablette Erstversorgung begrenzt auf 2 Wochen, danach Beurteilung der Gehgeschwindigkeit mittels 25 Fuß-Gehtest. Sativex (Extrakt aus Cannabis sativa) Indikation: Mittelschwere bis schwere therapieresistente Spastik Langsame Steigerung der Sprühstöße pro Tag max.12 Sprühstöße täglich Welche Therapien befinden sich noch in der Pipeline? Aubagio Tablettenform, zugelassen = oral = parenteral Antiproliferierende Substanzen Pixantrone Interferone Vakzine, Sensibilisierung Interferon omega Peg IFNβ (BIIB017) Azathioprin Betaferon/ Extavia Avonex Teriflunomide Tovaxin Fc- IFβ Interferon Tau spezifische mak/fc-ak Rebif Novantrone ATX-MS-1467 Rituximab PI2301 Ocrelizumab Copaxone Phase I Phase II Phase III Markt Alemtuzumab Ofatumumab Fingolimod Tysabri Sativex AJM-300 ATL-1102 Firategrast BG12 Fampridine SR Nerispirdine LY Lymphozyten Transport Riluzole Zenapax TBC4746 R1295 MLN-0002 Laquinimod (T-0047) MM-093 Gezielte Immunregulation Symptomatische Tx Nur noch 1 oder 2 mal im Monat Nerventra Tablette, 2014 Tecfidera (Fumarsäure) Tablette, noch nicht zugelassen Lemtrada Antikörper Zugelassen Ideale Eigenschaften einer neuen MS-Therapie Bessere Wirksamkeit Schubrate u. Behinderungprogression Reparatur eingetretener Schäden Wirksamkeit bei allen MS-Krankheitsverläufen Erhöhte Sicherheit und Verträglichkeit auch langfristig sicher minimale Beeinträchtigung im Alltag Bequemere Anwendbarkeit z.b. Einnahme als Tabletten einfache Lagerung 6

7 Was ist schon zugelassen von den neuen Medikamenten? Teriflunomide (Aubagio )(Dosierung 14 mg 1 x täglich oral) Eine neue Tablette bei MS für die schubförmige Verlaufsform In etwas anderer Form bereits zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis zugelassen Vorteile:» eine orale Applikation bei gleicher Wirksamkeit wie die Interferonpräparate Nachteile:» Eine Schwangerschaft muß unbedingt verhindert werden» Nebenwirkungen wie schwere Blutbildveränderungen, gehäufte Infektionserkrankungen wie Grippe, Harnwegsinfektionen» Übelkeit und Erbrechen» Haarausfall, der besonders zu Beginn auftritt und nach einiger Zeit wieder besser wird (bei 15% der Patienten in der Studie) Alemtuzumab, ein neuer Antikörper bei MS War bereits für die Behandlung von Leukämie unter dem Namen MABCAMPATH zugelassen, wurde vom Markt genommen, um ihn für die MS zu vermarkten und damit gleich um ein tausendfaches zu verteuern Behandlung über 5 Tage intravenös, danach 1 Jahr Pause, im 2. Jahr dann über 3 Tage, dann wieder ein Jahr Pause (Kosten: Euro) Massive Nebenwirkungen möglich: Infektionen, Schilddrüsenerkrankungen, Blutbilderkrankungen, allergischer Schock usw. Indikation: Schubförmige MS, Einzelfällen mit sehr schwerem Verlauf vorbehalten Was wird noch zugelassen von den neuen Medikamenten? Dimethylfumarat: Tecfidera Ein Medikament, was bereits in ähnlicher Form für die Schuppenflechte im Einsatz ist Prinzipiell kann jede Apotheke dieses Medikament zusammenmischen Durch Zulassung für die MS wurde das Medikament extrem verteuert Vorteile: Körpereigene Substanz mit wahrscheinlich wenig Langzeitnebenwirkungen Langzeiterfahrung vorliegend bei der Schuppenflechte Ggf. auch in der Schwangerschaft einsetzbar Nachteile: Magen-Darm-Beschwerden zu Beginn der Behandlung Rötung des Gesichtes nach der Tabletteneinnahme Zulassung in der EU noch nicht sicher Laquinimod (Zulassung für 2014 beantragt) Dosierung 0,6 mg 1 x pro Tag oral Günstiges Nebenwirkungsprofil Häufigste Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, leichte Leberwerterhöhung 7

8 Zusammenfassung Wichtig!!!! Bereits zugelassen: Teriflunomide als Tablette Alemtuzumab als Infusion Noch nicht zugelassen: Dimethylfumarat als Tablette Laquinimod als Tablette Die neuen oralen Therapieformen haben eine vergleichbare Wirksamkeit wie die bereits etablierten Therapieformen (Interferone, Copaxone) Wenn eine Spritzentherapie gut vertragen wird, besteht keinerlei Notwendigkeit auf eine orale Therapieform zu wechseln. Interessant sind die oralen Medikamente insbesondere für Menschen mit Spritzenphobie sowie bei schweren Nebenwirkungen unter den Injektionen Es ist vielleicht möglich, mehr Menschen für eine frühe MS-Therapie zu motivieren, wenn diese nur eine Tablette nehmen müssen. Es wird an weiteren intravenösen Medikamenten geforscht (Antikörper) Dann haben sie es geschafft Vielen Dank für die Aufmerksamkeit 8

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