GUTE ARBEIT, GUTES LEBEN

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1 GUTE ARBEIT, GUTES LEBEN

2 Deutschland leistet gute Arbeit Arbeit macht einen bedeutenden Teil der Lebenszeit aus. Deshalb ist es so wichtig, dass die Arbeitsqualität hoch ist. Das ist einer der Grundpfeiler des Deutschland-Prinzips: Gute Arbeit und ein guter Wirtschaftsstandort schaffen wirtschaftlichen Erfolg und soziale Gerechtigkeit. Wir zeigen, wie sich die Qualität der Arbeit entwickelt hat, wo Deutschland im internationalen Vergleich steht und was getan werden muss, damit gute Arbeit auch in Zukunft den Erfolg des Deutschland- Prinzips sichert und weiterentwickelt. Wir betrachten die Arbeitswelt aus zwei Dimensionen: Wird Arbeit im Sinne von Arbeiten, um zu leben verstanden, kommt es auf die äußeren Arbeitsbedingungen an. Ist der Verdienst fair, entspricht die Arbeitszeit meinen Erwartungen? Um eher ideelle Kriterien geht es dagegen, wenn Arbeit aus der Perspektive Leben, um zu arbeiten gesehen wird: Ist sie sinnvoll, passt sie zu den eigenen Vorstellungen und Werten? Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich in beiden Dimensionen in den vergangenen Jahrzehnten erfreulich entwickelt. Wir haben mehr Freizeit und Urlaub denn je, und die Kaufkraft pro Arbeitsstunde ist stetig gestiegen. Das trägt zu einer hohen Lebenszufriedenheit bei. Das und mehr zeigen die Daten aus wissenschaftlichen Erhebungen. Auf den folgenden Seiten stellen wir eine Auswahl der Fakten vor.

3 ARBEITEN, UM ZU LEBEN LEBEN, UM ZU ARBEITEN 1. MEHR KAUFKRAFT 4. ZUFRIEDEN DURCH ARBEIT 2. MEHR FREIZEIT 5. TEILHABE VON FRAUEN STEIGT 3. MEHR GESUNDHEIT 6. LEBEN UND BERUF IM EINKLANG

4 Arbeit ermöglicht ein eigenverantwortliches Leben. Die Bedingungen dafür sind heute deutlich besser als vor wenigen Jahrzehnten. ARBEITEN UM ZU LEBEN

5 Reale Nettolöhne und -gehälter je Arbeitsstunde in Euro, in Preisen von Deutschland 14,38 15,73 1. Mehr Kaufkraft ,87 Westdeutschland Ostdeutschland 10,02 12,54 15,24 16,25 Die Kaufkraft je geleisteter Arbeitsstunde hat sich seit 1950 fast versechsfacht. Selbst nach der deutschen Wiedervereinigung ist die Kaufkraft der Stundenverdienste weiter gestiegen: in den ostdeutschen Ländern um 25 Prozent, in Westdeutschland immerhin um mehr als 6 Prozent. Quellen: Statistisches Bundesamt, Arbeitskreis VGR der Länder, Institut der deutschen Wirtschaft Köln Die deutschen Unternehmen werden immer produktiver. Für die Arbeitnehmer bedeutet das stetig steigende Reallöhne, sodass sie sich immer mehr von ihrer Arbeit leisten können. Das Wohlstandsplus könnte größer ausfallen, würde die Kaufkraft nicht durch Steuern und kalte Progression eingeengt. Dabei hätte die Kaufkraft ohne staatlich beeinflusste Preise (z. B. für Strom) höher ausfallen können, denn sie steigen wesentlich schneller als marktbestimmte Preise. Ohne sie würde der Kaufkraftzuwachs seit 1991 auch in Westdeutschland bei weit mehr als 10 Prozent liegen. Der Staat wäre an anderer Stelle gefragt gewesen: Die kalte Progression und stetig steigende Steuern engen den Spielraum der Bürger unnötig ein.

6 Durchschnittliche Anzahl der Urlaubstage pro Jahr Arbeitszeit der Arbeitnehmer in Stunden pro Jahr 30,7 31, ,0 21, Mehr Freizeit Mit der Kaufkraft ist in den vergangenen Jahrzehnten auch die Freizeit gestiegen. Noch Ende der 50er-Jahre lag die tarifliche Wochenarbeitszeit bei mehr als 47 Stunden. Mitte der 70er-Jahre war die 40-Stunden-Woche bereits die Regel. Und der Urlaubsanspruch hat sich von 12 Tagen im Jahr 1950 bis heute mehr als verdoppelt. Quellen: IAB, Statistisches Bundesamt, Institut der deutschen Wirtschaft Köln Arbeitnehmer haben heute viel mehr Freizeit als vor 65 Jahren und das bei steigendem Lohn. Das ist Ergebnis von Verhandlungen zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern, also dem Ausgleich von Angebot und Nachfrage. Mehr Freizeit muss aber erst über gestiegene Produktivität erwirtschaftet werden. Doch mehr Freizeit muss man sich auch leisten können: Bis 1995 wurde in einigen Branchen die Ar beitswoche auf 35 Stunden verkürzt. Die Arbeitslosigkeit stieg danach noch weiter an. Denn die Regelung verringerte die Rentabilität der Unternehmen und damit den Spielraum für Lohnerhöhungen. Arbeitnehmer, die mehr als 35 Stunden pro Woche arbeiten wollten, suchten zudem nach Zusatzverdiensten auch in der Schattenwirtschaft. Das setzte den regulären Arbeitsmarkt weiter unter Druck.

7 Meldepflichtige Arbeitsunfälle je 1 Mio. Arbeitsstunden Anzahl tödlicher Berufsunfälle pro Jahr Quelle: BAuA 54,2 33,3 15, Mehr Gesundheit Die große Mehrheit, nämlich rund 81 Prozent der Deutschen, sieht ihre Gesundheit oder Sicherheit nicht durch die Arbeit gefährdet. Tatsächlich ist das Unfallrisiko deutlich gesunken: 1969 war die Wahrscheinlichkeit eines Arbeitsunfalls fast vier Mal so hoch wie heute. Allein die Investitionen in Präventionsmaßnahmen haben sich über die arbeitgeberfinanzierte Unfallversicherung in den vergangenen 20 Jahren auf mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr verdoppelt. Unsere Gesundheit hat sich auch dank besserer Arbeitsbedingungen positiv entwickelt. Angesichts des demografischen Wandels und der steigenden Lebenserwartung ist eine Erhöhung des Renteneintrittsalters nur konsequent. Reformen wie die Rente mit 63 sind dagegen ein Rückschritt. Das scheint sich auch mit Blick auf die Krankschreibungen zu lohnen: Nur knapp 4 Prozent der Beschäftigten sind heute im Jahresdurchschnitt krankgeschrieben lag diese Zahl noch bei fast 6 Prozent. Außerdem geht nur noch jeder Fünfte wegen mangelnder Arbeitsfähigkeit in Rente galt das für zwei von drei Neurentnern.

8 Arbeit ist ein wesentlicher Teil des Lebens. Umso positiver ist es, dass sie den Werten und Zielen der Arbeitnehmer meistens entspricht. LEBEN UM ZU ARBEITEN

9 Lebenszufriedenheit auf einer Skala von 0 (vollkommen unzufrieden) bis 10 (vollkommen zufrieden) Arbeitslos gemeldete Personen Erwerbstätige ,7 5,5 5,9 5,9 7,0 6,9 7,2 7, Quellen: IAB, Statistisches Bundesamt, Institut der deutschen Wirtschaft Köln Teilhabe am Arbeitsmarkt zu ermöglichen, ist nicht nur eine finanzielle Frage. Durch einen Arbeitsplatz steigt die Zufriedenheit der Menschen und damit die Stabilität der Gesellschaft. Arbeitsmarktregulierungen wie der Mindestlohn schaffen unnötige Einstiegshürden und gefährden diese Stabilität. 4. Zufrieden durch Arbeit Arbeit ist weit mehr als eine Einkommensquelle. Erwerbstätige haben beispielsweise eine wesentlich höhere Lebenszufriedenheit als Arbeitslose. Arbeit selbst hat sogar einen größeren Einfluss auf die Zufriedenheit als das Einkommen, wie die Ergebnisse des Sozio-oekonomischen Panels zeigen: Sogar Erwerbstätige mit unterdurchschnittlichem Einkommen geben dort häufiger an, zufrieden mit ihrem Leben zu sein, als Arbeitslose, die über ein im Vergleich höheres Einkommen verfügen. In der öffentlichen Diskussion wird gerne behauptet, dass immer mehr Menschen in Deutschland trotz Arbeit von Armut bedroht sind. Tatsächlich verdienen aber nur 8 Prozent der Erwerbstätigen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens.

10 Anteil der Frauen an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, in Prozent 43,5 45,4 46,2 5. Teilhabe von Frauen steigt 39, Quelle: Statistisches Bundesamt Den Wunsch nach einer zufriedenstellenden und anspruchsvollen Arbeit haben beide Geschlechter. Die Teilhabechancen für Frauen haben sich in den letzten Jahrzehnten stetig verbessert: Sind die Anteile an Studienanfängern und -absolventen zwischen den Geschlechtern mittlerweile ausgeglichen, lag der Frauenanteil 1970 noch bei jeweils 38 Prozent. Auch der weibliche Anteil an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten beträgt inzwischen 46 Prozent. Die deutsche Wirtschaft braucht dringend Fachkräfte und tut deshalb immer mehr, um vor allem Frauen die Berufstätigkeit zu ermöglichen. Zwar steigt die Anzahl der Betreuungsangebote stetig an, dennoch sind nach wie vor besonders Alleinerziehende auf einen weiteren Ausbau angewiesen. Erleichtert wird eine höhere Erwerbsbeteiligung der Frauen durch familienfreundliche Maßnahmen der Unternehmen. So bieten 96 Prozent der Unternehmen flexible Arbeitszeiten, und 63 Prozent der Firmen geben an, dass die Mitarbeiter große oder eher große Mitgestaltungsmöglichkeiten haben.

11 Anteil der Arbeitnehmer, die denken, dass sie ihren derzeitigen Beruf mit 60 Jahren noch ausüben können, in den fünf Ländern mit der höchsten Zustimmung sowie im Durchschnitt der EU Niederlande 75,4 2. Deutschland 72,0 3. Irland 68,5 4. Norwegen 68,0 5. Dänemark 67,6 EU 27 58,7 Quelle: European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions Gute Arbeit hat großen Einfluss auf unsere Lebensqualität. Die Bedingungen dafür stimmen in den deutschen Unternehmen offenbar. Für die Arbeitgeber hat dies einen hohen Wert: Angesichts der alternden Bevölkerung haben sie ein großes Interesse daran, Fachkräfte und ihr Wissen zu halten. 6. Leben und Beruf im Einklang Eine gute Vereinbarkeit ist auch in Bezug auf die persönlichen Vorstellungen von guter Arbeit wichtig. Immerhin macht die Erwerbstätigkeit einen großen Teil des Lebens aus. Um diese Vereinbarkeit ist es in Deutschland offenbar gut bestellt: Etwa drei von vier Arbeitnehmern können sich vorstellen, auch mit 60 Jahren noch in ihrem jetzigen Job zu arbeiten. EU-weit meinen das dagegen nur knapp 60 Prozent. 85 Prozent der deutschen Arbeitnehmer finden zudem, dass sie gute Arbeit leisten, ihren Aufgaben also gewachsen sind. Ebenso viele halten ihre Arbeit für sinnvoll. Und: Mehr als 80 Prozent beurteilen das Verhältnis von Beruf und Privatleben als ausgeglichen. Für zwei Drittel der Beschäftigten sind die Grenzen sogar fließend: Sie geben an, auf der Arbeit sehr gute Freunde zu haben.

12 Deutschland-Prinzip für morgen sichern Die weit überwiegende Mehrheit der Deutschen ist mit ihrer Arbeit zufrieden: Sowohl die Arbeitsbedingungen als auch die Arbeitsinhalte entsprechen größtenteils den Wünschen der Arbeitnehmer. Angesichts einer alternden Bevölkerung und der hohen Anforderungen an die Produktqualität und Innovationsfähigkeit der Unternehmen ist es wichtig, dass die Qualität der Arbeit sich auch künftig so positiv entwickelt. Nur so können Unternehmen gut ausgebildete Mitarbeiter gewinnen und halten. Um neue Fachkräftepotenziale erschließen zu können, ist die Wirtschaft auf die richtigen politischen Rahmenbedingungen angewiesen: Frauen, Älteren und Personen mit Migrationshintergrund muss der Zugang zum Arbeitsmarkt und der Verbleib noch stärker erleichtert werden. Gezielte Bildungspolitik und ein Ausbau der Kleinkindbetreuung sind Beispiele für die richtigen Ansatzpunkte. Das Deutschland-Prinzip bedeutet: gute Arbeit und guter Standort. Mit dem Mindestlohn und der abschlagsfreien Rente mit 63 hat die Bundesregierung allerdings zuletzt eine Politik gemacht, die Wachstum bremst und die Erfolge am Arbeitsmarkt aufs Spiel setzt.

13 Quellen Schröder, Christoph: Wohlstandsbilanz Deutschland Arbeitswelt, Institut der deutschen Wirtschaft Köln, März 2015 Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2012 Unfallverhütungsbericht Arbeit, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), 2014 Enste, Dominik, Mara Ewers: Lebenszufriedenheit in Deutschland: Entwicklung und Einflussfaktoren, in: IW-Trends, Jg. 41, Nr. 2, 2014 European Working Conditions Surveys, EWCS 2010 Data Tables, Eurofound European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions, 2013 Daten zur aktuellen Konjunktur- und Arbeitsmarktentwicklung Durchschnittliche Arbeitszeit und ihre Komponenten, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 2014 Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2013, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)

14 Weitere Hefte können Sie kostenfrei unter bestellen. Impressum Herausgeber: Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft GmbH, Georgenstraße 22, Berlin Geschäftsführer: Hubertus Pellengahr Kontakt: Konzept, Gestaltung und Redaktion: Institut der deutschen Wirtschaft Köln Medien GmbH Stand: Mai 2015 Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) ist ein überparteiliches Bündnis aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Sie wirbt für die Grundsätze der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland und gibt Anstöße für eine moderne marktwirtschaftliche Politik. Die INSM wird von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektro- Industrie finanziert. Sie steht für Freiheit und Verantwortung, Eigentum und Wettbewerb, Haftung und sozialen Ausgleich als Grundvoraussetzungen für mehr Wohlstand und Teilhabechancen.

15 DEUTSCHLAND-PRINZIP.DE

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