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2 für die Kalkulation von Gebühren, Mieten, Pachten und Darlehen / Krediten. Die Silberwährung bestand nicht aus Münzen, sondern aus rohen Barren. Sie wurde also nicht als Geld in unserem Sinn behandelt, sodass man damit die Güter des täglichen Gebrauchs hätte bezahlen können; das Silber lagerte vielmehr in den Schatzkammern der Tempel und Paläste. Entsprechend mussten auch die Darlehen nicht etwa in Silber zurückgezahlt werden. Bauern z. B., die handwerkliche Produkte auf Kredit erhalten hatten, zahlten die in Silber kalkulierten Schulden mit Getreide aus ihrer Ernte zurück, ebenso Handwerker, die Nahrungsmittel auf Kredit erhalten hatten, mit Produkten ihrer Arbeit. Auch die entstehenden Märkte wickelten ihre Geschäfte über Kredit ab. Kaufleute, insbesondere im Fernhandel, gehörten zu den wenigen Menschen, die z.t. Silber in ihren Transaktionen verwendeten. Aber für den täglichen Bedarf lebten sie wie die anderen auf Kredit. Durch die Entwicklung der archaischen Gesellschaften wurden die Wirtschaftsformen der Stammesgesellschaften nicht zerstört, sondern die Städte und Imperien setzten sich gleichsam parasitär darauf und verlangten Tribut. Die Städte produzierten noch keine Güter für die ländlichen Gebiete, sondern entwickelten für sich selbst neue Funktionen, nämlich militärische, administrative und künstlerische. Kommerzielle Beziehungen waren in diesen archaischen

3 Gesellschaften eher marginal. Zumeist handelte es sich um Fernhandel (z. B. zwischen Ägypten und China) mit Luxusgütern. Es ist historisch nicht gesichert, seit wann Kredite mit Zinsforderungen verbunden wurden. Sie tauchten jedenfalls zuerst in den mesopotamischen Stadtkönigtümern auf. 6 Wahrscheinlich kamen Tempelbeamte im Zusammenhang mit dem Karawanenhandel auf die Idee. Dieser Handel war wichtig, weil die fruchtbaren Täler von Euphrat und Tigris Überschüsse an Getreide und anderen Nahrungsmitteln, aber auch aufgrund der Weidewirtschaft an Wolle und Leder produzierten. Auf der anderen Seite fehlten Steine, Holz, Metalle einschließlich des als Geld benutzten Silbers. Die Tempel waren die entscheidenden Wirtschafts- und Handelszentren. Durch Zins auf die Vorfinanzierung des Handels sicherten sich deren Beamte ihren Anteil am Profit der Kaufleute. Bald tauchten aber nicht nur kommerzielle Kredite, sondern auch Verbraucherkredite gegen Zins auf. Ungefähr ab 2700 v.u.z. scheint es Praxis geworden zu sein, dass örtliche Beamte oder reiche Kaufleute z. B. an Bauern zinsbeladene Kredite vergaben, wenn diese durch eine schlechte Ernte in Not geraten waren und ihr Saatgut aufessen mussten, um nicht zu verhungern.

4 Dafür mussten sie alles, was sie hatten, sogar die eigene Familie, verpfänden für den Fall, dass sie den Kredit nicht zurückzahlen konnten. Viele Bauern verloren so ihre Felder, bevor ihre eigenen Knechte, ihre Kinder, ihre Frauen und schließlich sie selbst in die Schuldsklaverei bei den Gläubigern gehen mussten. Die Folge war, dass nach Dürreperioden eine große Anzahl von Bauern in diese Situation kam. Viele von ihnen flohen, gründeten Banden, Ländereien lagen brach, und die Gesellschaft war nicht nur gespalten, sondern am Rand des sozialen Zusammenbruchs. In dieser Situation reagierten die Könige mit generellen Schuldenerlassen für die Konsumkredite (nicht für die kommerziellen). Das ist insbesondere für die Situation der Thronbesteigung neuer Könige belegt, die sich auf diese Weise die Gefolgschaft der Einwohner des Landes sichern wollten. Die Schuldsklaven durften wieder auf ihre Ländereien und zu ihren Familien zurückkehren. Bei den Sumerern hieß dies amargi,»erklärung der Freiheit«. Es ist der früheste Beleg für das Wort Freiheit in irgendeiner der uns bekannten Sprachen. Wörtlich übersetzt bedeutet es»rückkehr zur Mutter«. In der Forschung wird die Meinung vertreten, dass die Könige solche Schuldenerlasse aufgrund ihres Gottmenschentums beschließen konnten. Sie schufen die Gesellschaft neu. Die Tora, das Gesetzbuch des antiken Israel, hat später diese willkürlichen Handlungen

5 der Könige in einen periodischen Rechtsanspruch umgewandelt (Sabbat- und Jobeljahr). Das Eindringen von Geld und Privateigentum in das tägliche Leben Eine grundlegende Veränderung in der Art des Wirtschaftens und der sozialen Koordination der Arbeitsteilung geschah mit dem Eindringen von Geld und privatem Eigentum in das tägliche Leben. Jetzt wurde auf den Märkten beim Tauschhandel Geld eingesetzt. Diese neue Wirtschaftsform breitete sich ab dem 8. Jahrhundert v.u.z. im Raum zwischen Mittelmeer und China rasant aus. Wie kam es dazu? Geld in staatlichen Zusammenhängen (nicht in regionalen menschlichen Wirtschaftsbeziehungen) war, wie gesagt, ursprünglich eine Berechnungseinheit auf der Basis von»thesauriertem«also als Schatz gehaltenem Edelmetall (Gold, Silber und Bronze). Diese Metalle wurden auch im Fernhandel benutzt, nicht aber von den einfachen Leuten in ihren täglichen Zusammenhängen. Dies änderte sich seit dem 8. Jahrhundert v.u.z. Wieso? Diese Periode erlebte eine nie dagewesene Steigerung militärischer Gewalt. Es handelte sich aber nicht mehr um aristokratische Helden, die den Krieg bestritten, sondern um trainierte Soldaten und Söldner. Am bekanntesten sind die

6 griechischen Hopliten und ihre Phalanxtechnik in Griechenland. Dieser neue Typ von Soldaten musste entlohnt werden. Der wichtigste Lohn war die Beute. Dazu gehörten Edelmetalle, die auch leicht transportabel waren. Sie zirkulierten wohl zunächst einfach in kleinen Stücken. Um 600 v.u.z. kamen dann Staaten fast gleichzeitig in Lydien, Indien und China darauf, Edelmetalle als Münzen zu prägen. Eine Theorie über die Entstehung des Münzgeldes in Lydien sagt ausdrücklich, dass dieses zur Bezahlung von Söldnern erfunden wurde. Durch solche neuen praktikablen Währungen wurden auch die lokalen Märkte vereinheitlicht, sodass zunehmend Geld auch von der gesamten Bevölkerung für alltägliche Transaktionen in den nun sich ausbreitenden Märkten benutzt wurde. Das heißt: Sowohl durch den Staat vereinheitlichte Märkte als auch Bargeld sind Kinder des Krieges. Nimmt man dazu die Veränderung der Sklaverei hin zu einer Verwandlung der Schuldsklaven in eine käufliche Ware, so versteht man die Formel: Militär-Münzgeld-Sklaverei- Komplex. 7 Diese Entwicklung lässt sich sowohl im Mittelmeerraum (Griechenland und später Rom) wie in Indien und China beobachten. Für Griechenland ist sie besonders gut belegt. 8 Hier ist die erste große Schuldenkrise bereits vor der Einführung des Münzgeldes zu beobachten. 594 v.u.z. schafft Solon in

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