Weihnachten im RVCP Haus

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1 Ruanda Dezember 2013 Die Verkäufer auf dem Markt stehen eng gedrängt um Olivia und mich herum und versuchen einen Blick auf Olivias semiprofessionelle Zeichnung zu erhaschen. Einer von ihnen scheint zu verstehen und eilt zu seinem Stand. Triumphierend kommt er zurück und hält ein wahrhaftiges Folterinstrument in der Hand. Olivia und ich schauen uns an und stimmen überein das wollen wir nicht benutzen, um die Maus, die mir seit Tagen schlaflose Nächte in meinem Zimmer bereitet, loszuwerden. Schließlich entscheiden wir uns, es mit Rattengift zu probieren, was jedoch zur Folge hat, dass ich für ein paar Tage mein Zimmer verlassen muss und bei Elizabeth und Olivia mit in ihre Wohngemeinschaft des RVCP Hauses aufgenommen werde. Dort schlafen wir zu dritt in einem Zimmer, kochen auf der Terrasse, freuen uns über Besuch am Abend. Schnell kommt die Frage auf, warum ich denn nicht einfach dort bliebe.. Ich überlege gründlich hin und her, da ich die Entscheidung nicht überstürzen möchte. Ich habe schließlich gerne in meinem Zimmer im Studentenblock gewohnt, jedoch muss ich auch ehrlich eingestehen, dass es seit Layla nicht mehr da ist und die Studenten ihre Klausuren vorbereiten nicht mehr dasselbe ist. Ich lasse mich also erst von Leonard beraten und spreche dann sowohl mit dem RVCP Vorsitzenden als auch mit dem BDKJ und nachdem beide Organisationen einverstanden sind, packe ich schließlich meine Sachen und ziehe um. Wir sitzen in unserer Lieblingsbar Gratia, trinken ein kaltes Primus und spielen Karten. Ich werfe Libby einen vielsagenden Blick zu und sie lässt ihre leere Bierflasche heimlich in ihrer Tasche verschwinden. Am nächsten morgen machen Olivia, Hyacinthe und ich uns wie jeden Sonntag auf den Weg in die katholische Kathedrale die größte Kirche Ostafrikas. Auch in Deutschland bin ich in die Kirche gegangen, aber hier hat der Sonntagmorgen einen ganz neuen Stellenwert für mich erhalten. Zu Beginn bin ich mit verschiedenen Leuten in verschiedene Kirchen gegangen und es war äußerst interessant zu sehen wie Gottesdienst gefeiert wird. Meistens gehört viel Gesang und Tanz dazu. Doch dann bin ich eines Tages mit in die katholische Kirche gegangen und zum ersten Mal war ich nicht die Fremde, sondern absolut dazugehörend und anonym. Trotzdem ich die Sprache nicht verstehe, weiß ich genau was passiert und was ich machen muss. Dieses Gefühl von Geborgenheit ist ein prägendes Erlebnis auf das ich mich sonntags freue und der Chor singt auf einem Niveau für das man in Deutschland mit Sicherheit Eintritt zahlen müsste. Heute ist der Bischof zu Besuch, wodurch die Messe besonders feierlich gestaltet wird und sogar Weihrauch benutzt wird. Am Ende der dreistündigen Messe wird das Lied Fest soll mein Taufbund immer stehen auf Kinyarwanda gesungen, was mich rührt, auch wenn ich bei diesem Lied in Deutschland am liebsten die Kirche verlassen würde, wenn die ganze Gemeinde ambitioniert versucht auch die ganz hohen Töne zu bekommen. Wieder zu hause hat Libby schon die Flaschen schön zurechtgestellt. Mittlerweile sind es drei und in jeder steckt eine Kerze. Feierlich zünden wir diese an und ich bringe meinen Mitbewohnern die dritte Strophe von Wir sagen euch an den lieben Advent bei, während wir die Lebkuchen naschen, die meine Eltern mir per Post zugesendet haben. Ich treffe Hyacinthe und Pierre von RVCP im Gesundheitszentrum von Rukira. Wir gehen nochmal schnell die wichtigsten Fakten des Projektes durch, bevor die Frauen kommen. Kathrin aus Deutschland, die Leonard von ihren bisherigen Aufenthalten in Ruanda kennt, hat das Projekt aufgezogen, bei dem Gruppen von jeweils fünf Frauen einen Mikrokredit bekommen, um ein Mikrobusiness zu starten. Jeden Monat müssen die Kredite in Raten mit 10% Zinsen zurückgezahlt werden. Die Zinsen werden auf Kathrins Konto überwiesen und dort gespart und bei gegebenen Anlass bekommen die Frauen Zugriff auf die Ersparnisse. Nach acht Monaten muss die Gruppe den kompletten Kredit zurückgezahlt haben, ansonsten wird kein Kredit an die nächste Gruppe vergeben. Für ihr Projekt kooperiert Kathrin mit RVCP, da die Studenten viel mit Frauen aus den Dörfern zusammenarbeiten. Mich hat sie in das Projekt miteinbezogen, um den stetigen Kontakt

2 zwischen Ruanda und Deutschland aufrechtzuerhalten, damit sie auch immer auf dem neusten Stand ist. Die Frauen treffen im Gesundheitszentrum ein und Pierre geht noch einmal den aufgestellten Businessplan mit ihnen durch. Zwei Gruppen werden heute den ersten Kredit erhalten. Eine Gruppe plant Hasen aufzuziehen und an Hotels zu verkaufen, die andere möchte Bananen anpflanzen und diese sowohl auf dem Markt verkaufen, als auch traditionelles Bananenbier herstellen. Nachdem der bürokratische Teil abgeschlossen ist erhalten die Gruppen jeweils RWF. Motiviert und zuversichtlich machen sie sich auf den Weg nach hause und ich habe die Hoffnung, dass sie mit ihrem Business erfolgreich sein werden und einen besseren Standard für ihre Familien schaffen können. Vor dem Gesundheitszentrum treffen wir auf eine Frau, mit der RVCP auch zusammengearbeitet hat. Sie beklagt sich, warum sie kein Geld bekomme und trotzdem ihr die Studenten versuchen zu erklären, dass man nicht mit allen gleichzeitig starten könne, fühlt sie sich ungerecht behandelt, da ihre Familie schließlich auch Hunger leide. Die Kinder und Jugendlichen von LLCCM treffen im feierlich dekorierten Gemeinschaftsraum des Heimes ein, um zusammen Weihnachten zu feiern. Olivia und Elizabeth sind ebenfalls zu der Zeremonie eingeladen. Es wird gesungen und getanzt, aus der Bibel vorgelesen und wir erzählen von Weihnachtstraditionen aus Europa. Da beschenken eine davon ist, haben wir den Kindern Amandazi, ein ruandisches Gebäck, mitgebracht und jeder bekommt zwei Kohlköpfe, die auf den Feldern von LLCCM gewachsen sind. Außerdem hat Mama Denise wie immer das beste Mittagessen in Ruanda vorbereitet. Zum Abschluss bringen wir allen das Lied Stille Nacht in Kinyarwanda, Englisch und Deutsch bei. Und dann zum Abschluss ist da dieser unbeschreibliche Moment, als ungefähr 70 ruandische Kinder das bekannteste deutsche Weihnachtslied in Originalsprache singen.

3 Weihnachten im RVCP Haus Sonntagabend mit meinen Mitbewohnerinnen (von links: Libby, Olivia, Lora)

4 Familienbesuche mit Übersetzer David Frauengruppen für die Mikrokredite

5 Hochzeitszeremonie mit traditioneller Kleidung

6 Kohl für das Mittagessen Weihnachtsessen

7 Rya joro / Silent night / Stille Nacht

8 Noheli Nziza!

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