Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit

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1 Virtuelle Ak A ademie Nachhaltigkeit Abschlussbericht Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit Bildung für Nachhaltige Entwicklung für Hochschulen Förderzeitraum: Projektleitung: Prof. Dr. Georg Müller-Christ, Fachgebiet Nachhaltiges Management, Universität Bremen DBU-AZ: 28740/02

2 INHALTSVERZEICHNIS 1. RAHMEN DES PROJEKTES UN-DEKADE BILDUNG FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG BNE AN HOCHSCHULEN IN DEUTSCHLAND ANSCHLUSSMÖGLICHKEITEN VON BNE AN DIE LEHRE IN HOCHSCHULEN HOCHSCHULEN, SCHLÜSSELKOMPETENZEN UND BNE LERNEN MIT DIGITALEN MEDIEN UND BNE-GESTALTUNGSKOMPETENZ NACHHALTIGKEIT AN DER UNIVERSITÄT BREMEN... 7 STRUKTUR DES PROJEKTES UND ZIELERREICHUNG PROJEKTLEITUNG UND KOORDINATION AKADEMIEVORSTAND DAS GESAMTVORHABEN IN ARBEITSPAKETEN DIE EINZELNEN TEILPROJEKTE ZIEL UND IDEE UMSETZUNG UND ERGEBNIS KRITISCHE REFLEXION KONZEPTION UND UMSETZUNG VON PRÜFUNGEN UND DEREN ANERKENNUNG IM HOCHSCHULKONTEXT ZIEL UND IDEE UMSETZUNG UND ERGEBNIS KRITISCHE REFLEXION LAUFENDER LEHR- UND BETREUUNGSBETRIEB ZIEL UND IDEE UMSETZUNG UND ERGEBNIS KRITISCHE REFLEXION ERSTELLUNG VON VIDEOBASIERTEN LEHRVERANSTALTUNGEN NETZWERKARBEIT ZIEL UND IDEE UMSETZUNG UND ERGEBNIS KRITISCHE REFLEXION ÖFFENTLICHKEITSARBEIT FÜR DAS PROJEKT MARKETING-ORCHESTER UND ZIELGRUPPEN PRESSEARBEIT DER SPAGAT ZWISCHEN REALITÄT UND VIRTUALITÄT AUSZEICHNUNGEN UND WETTBEWERBE... 37

3 5. BEGLEITUNTERSUCHUNGEN UND EVALUATIONEN EVALUATION DES DIDAKTISCHEN KONZEPTS ERHEBUNG ERGEBNISSE SCHLUSSFOLGERUNGEN UND BEDARFE FINANZIERUNGSMODELLE ERHEBUNG ERGEBNISSE SCHLUSSFOLGERUNGEN UND BEDARFE LERNZUFRIEDENHEIT UND LERNFORMAT ERHEBUNG ERGEBNISSE SCHLUSSFOLGERUNGEN UND BEDARFE NUTZERVERHALTEN UND ATTRAKTIVITÄT DES ANGEBOTS ERHEBUNG ERGEBNISSE SCHLUSSFOLGERUNGEN UND BEDARFE ABSCHLIEßENDE BETRACHTUNG DES GESAMTVORHABENS

4 1. Rahmen des Projektes 1.1 UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung Das Ziel der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) war es, dass alle Bildungseinrichtungen ihren Lernenden Gestaltungskompetenz1 für eine nachhaltige Entwicklung vermitteln. Im Jahr 2002 haben die Vereinten Nationen (UN) für die Jahre 2005 bis 2014 die Weltdekade Bildu g für a hhaltige E t i klu g ausgerufe. Die i ter atio ale I itiati e ill dazu beitragen, die Prinzipien nachhaltiger Entwicklung weltweit in den nationalen Bildungssystemen zu verankern. Auf allen Bildungsstufen sollen Kompetenzen vermittelt werden, eine nicht-nachhaltige Entwicklung zu erkennen und eine nachhaltigere Entwicklung mitgestalten zu können. Auch die Hochschulen sind aufgefordert, ihre Möglichkeiten zu prüfen, Lehrveranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit für alle Studierende anzubieten. Nachdem in der ersten Hälfte der UN-Dekade viel Energie in strategische Konzepte für BNE und in die Erstellung von Lehrmaterialien geflossen ist, stand in der zweiten Hälfte der Dekade die Implementierung und Entwicklung vom Projekt zur Struktur im Vordergrund. Im Bereich der Hochschullehre müssen dafür nicht neue Studiengänge entwickelt werden. Vielmehr kann über elearning-module2, die im General Studies oder Wahlpflichtbereich in den vorhandenen Studiengängen anerkannt werden, BNE für Studierende aller Hochschulen zugänglich gemacht werden. 1.2 BNE an Hochschulen in Deutschland Die Weltkonferenz zur Halbzeit der UN-Dekade im März 2009 in Bonn hat in ihrer Abschlusserklärung noch einmal betont, dass gerade auch Hochschulen ihrer Verantwortung gerecht werden müssen und Kompetenzen für eine nachhaltige Entwicklung in ihre Bildungsziele aufnehmen sollen. In einer gemeinsamen Erklärung haben die Hochschulrektorenkonferenz und die Deutsche UNESCO Kommission Anfang 2010 die Hochschulen noch einmal aufgefordert, sich aktiv für eine Integration des Nachhaltigkeitsthemas in Forschung und Lehre einzusetzen. Die deutschen Hochschulen haben diese Herausforderung aus vielfältigen Gründen im Laufe der Dekade nur sehr vereinzelt aufgegriffen. Gleichwohl bietet die zweistufige Studienstruktur (Bachelor und Master) eine gute strukturelle Gelegenheit, das Thema Nachhaltigkeit in die Curricula Deutsche UNESCO-Kommission e.v. (2011): UN-Deakde Bildu g für a hhaltige E t i klu g Nationaler Aktionsplan für Deutschland 2011.Berlin: Kettler, S.12 2 Mit elearning-modulen sind videobasierte Lehrveranstaltungen gemeint, die über das Internet frei zur Verfügung gestellt werden. 1 3

5 zu integrieren. Vielen Hochschulen mangelt es jedoch an personellen und fachlichen Kapazitäten, um das Thema Nachhaltigkeit auf akademischem Niveau zu vermitteln. 1.3 Anschlussmöglichkeiten von BNE an die Lehre in Hochschulen Die neuen Bachelorstudiengänge an allen Hochschulen haben das Ziel, ein berufsqualifizierender Abschluss zu sein. Mit diesem Ziel wird auch die politische Erwartung verbunden, dass in den Curricula nicht nur Fachwissen, sondern auch fachübergreifendes, berufsrelevantes Wissen wie Schlüsselqualifikationen und Allgemeinbildung vermittelt werden. Die Hochschulen haben diese Erwartung unterschiedlich aufgegriffen und unter Überschriften wie Professionalisierungsbereich oder General Studies Module zu diesen Themen zusammengefasst. Teilweise können Studierende auch Module ganz frei nach eigenen Vorlieben aus dem Fächerkanon der Hochschule wählen. Damit gibt es in vielen Studiengängen die praktische Möglichkeit, an einer fremden Institution erworbene Leistungen anzuerkennen. An dieser Stelle sind Hochschulen strukturell gut vorbereitet, BNE aufzunehmen. Mit dem Bologna-Prozess hat auch das Kompetenzkonzept3 Einzug in die Hochschulen gehalten. In allen Studiengängen muss nun angegeben werden, welche Kompetenzen mit dem belegten Modul vermittelt werden. Dieser Entwicklungsprozess ist gleichlaufend mit dem Konzept, Bildung für nachhaltige Entwicklung als Vermittlung von Gestaltungskompetenz zu definieren. Mit der weitgehend von außen nicht zu beeinflussenden Freiheit der Fachbereiche und Fakultäten, die Inhalte ihrer Studiengänge selbst zu bestimmen, ist die Integration von Nachhaltigkeitsthemen in die laufenden Curricula nur möglich, wenn Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer in den Fachbereichen aus Einsicht und Interesse hierfür Workload freigeben. Vielen Disziplinen fällt es schwer, fachwissenschaftliche Studienanteile zugunsten überfachlicher Qualifikationen freizugeben. Doch auch wenn Workload freigegeben wird, stellt sich für viele Hochschulen die Frage, wer die inhaltliche Verantwortung für BNE übernimmt. Fast überall fehlen Lehrstühle und Fachgebiete, die BNE inhaltlich betreuen können. Gerade letzteres Problem kann sehr gut mit hochschulübergreifenden elearning-angeboten wie dem der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit gelöst werden. Das Lehrangebot der Akademie hat den Vorteil, dass es zum einen die Lehrverpflichtungskapazität eines Fachbereichs nicht belastet, sondern entlastet. Fachbereiche können Studierenden das reale Lehrangebot machen, Nachhaltigkeit an der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit zu belegen. Zum anderen können qualitativ hochwertige Fachinhalte zum Thema Nachhaltigkeit dem eigenen Fächerangebot hinzugefügt werden. 3 Um transparenter zu machen, welche Kompetenzen im deutschen Bildungssystem erworben werden, wurde vom Deutschen Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (DQR) ein achtstufiges Kompetenzkonzept entwickelt. Ziel ist es, durch dieses Konzept nationale Qualifikationen europaweit besser bewerten und vergleichen zu können. (Vgl.: 4

6 1.4 Hochschulen, Schlüsselkompetenzen und BNE Der Anspruch, dass Hochschulen konkrete Berufsfertigkeiten und Kompetenzen vermitteln sollen, kollidiert an sich mit den Selbstbeschreibungen vieler Hochschulen, wissenschaftliche Analysefähigkeit lehren zu wollen. Zwar gibt es einige Hochschulen, die versuchen, den Studierenden konkrete Übungsmöglichkeiten in den Modulen für Schlüsselkompetenzen anzubieten. Gleichwohl kann dieses Angebot immer nur für wenige Studierende zur Verfügung gestellt werden, weil praktische Übungen in Rhetorik, Präsentation, Persönlichkeitsentwicklung oder Entscheidungsmethoden sehr personalintensiv sind. Zuweilen müsste das Angebot für mehrere Tausende von Studierenden zur Verfügung gestellt werden. Hochschulen sind Orte, die ihren Studierenden Reflektionsangebote auch im Bereich der Schlüsselkompetenzen machen können. Mithilfe dieser Angebote können Studierende ihre eigenen Fähigkeiten reflektieren und gegebenenfalls fehlende Fähigkeiten erlernen. Für diese Aufgabe Reflexionsangebote zu machen bieten sich auch die digitalen Medien an. Sicherlich haben Lehrende mittels ihrer Person sowie durch die Interaktion in einer Präsenzveranstaltung andere Möglichkeiten, die Studierenden zur Reflexion anzuregen als durch das Distance-Learning mit digitalen Medien. Gleichwohl können auch durch netzbasierte Lernmodule ein Großteil dieser Reflektionsmöglichkeiten den Studierenden zur Verfügung gestellt werden. Selbstorganisiertes Lernen ist zwar ein neues Schlagwort an den Hochschulen, autodidaktisches Aneignen von Lerninhalten jedoch schon ein alt bekanntes Verfahren. Selbstorganisiertes Lernen mit Hilfe von elearning-modulen öffnet den Studierenden die Tür zum lebenslangen Lernen, weil erste Erfahrungen mit den Optionen gemacht werden, Lerninhalte orts- und zeitunabhängig aufzunehmen. Von daher sind elearning-module mit Inhalten zur Bildung für nachhaltige Entwicklung durchaus ein wirkungsvolles Mittel, Gestaltungskompetenz für mehr Nachhaltigkeit zu vermitteln. Eine Konkretisierung erfährt dieser Ansatz durch das Konzept der Gestaltungskompetenz. Mit dem Erwerb dieser sind Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen verbunden, mit deren Hilfe sich Menschen in veränderten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen und ökologischen Rahmenbedingungen zurechtfinden können. Der Fokus liegt auf der Kompetenz des Individuums, diese Rahmenbedingungen eigenständig und in Kooperation mit anderen zu gestalten. 1.5 Lernen mit digitalen Medien und BNE-Gestaltungskompetenz Das Lernen mit digitalen Medien kann den Erwerb von Teilkompetenzen der BNE-Gestaltungskompetenz unterstützen. Dies betrifft insbesondere die Kompetenz zum Umgang mit unvollständigen und überkomplexen Informationen. Durch die Möglichkeiten der multimedialen Darstellung, der Beschäftigung mit Themen in multiplen Kontexten und der konsequenten Problemorientierung werden hier wichtige Fähigkeiten erprobt und verbessert. In diesem Zusammenhang werden auch zentrale Dispositionen der Kompetenz zur Antizipation angesprochen. Unterschiedliche Anforderungskontexte spielen darüber hinaus für die Kompetenz zur Bewältigung individueller Entscheidungsdilemmata eine zentrale Rolle. Die Ausrichtung auf selbstgesteuer- 5

7 tes Lernen und die Möglichkeiten des elearnings zur Adaption bieten zudem besondere Möglichkeiten, den Erwerb der Kompetenz zum eigenständigen Handeln zu verbessern. Selbst die Kompetenz zur Reflexion auf Leitbilder lässt sich bei entsprechender didaktischer Ausrichtung durch elearning vermitteln. Es lassen sich zudem einige allgemeine Aspekte des computergestützten Erwerbs von Gestaltungskompetenz herausstellen, die den potentiellen Mehrwert einer solchen Herangehensweise unterstützen.4 Der Erwerb von Gestaltungskompetenz wird im elearning durch die Bereitstellung komplexer Problemstellungen in wechselnden Anforderungskontexten gefördert. Kompetenzerwerb findet dabei durch unterschiedliche Strategien der Bewältigung (im Sinne einer aktiven und gestaltenden Problemlösung) statt. Ein wesentliches Merkmal des Kompetenzansatzes ist es, dass Kompetenzen sich nur situationsspezifisch nachweisen lassen, jedoch situationsunabhängig vorliegen sollen und sich in unterschiedlichen Kontexten realisieren lassen müssen. Für den Erwerb von Kompetenzen sind daher multiple Perspektiven und Anwendungskontexte vonnöten. Durch das Lernen mit digitalen Medien wird der Erwerb von Gestaltungskompetenz unterstützt, da ein erweiterter Ha dlu gsrau als zusätzli he Er stsituatio ei geführt ird, i der die Lernenden Kompetenzen neu erlangen und vorhandene Kompetenzen realisieren müssen. Kompetenzen liegen nicht als Kontinuum vor, sondern lassen sich als eine im Laufe des Lebens wachsende Ressource verstehen und idealtypisch auf einer Skala mit unterschiedlichen Stufen darstellen. Um den stufenweisen Aufbau von Kompetenzen zu ermöglichen und die situationsunabhängige Realisierung der jeweiligen Kompetenz zu fördern, sind daher unterschiedliche Kontexte mit variierenden Anforderungen von Bedeutung. Beim Lernen mit digitalen Medien werden solche zusätzlichen Anforderungskontexte eingeführt und der stufenweise Kompetenzerwerb unterstützt. Dabei werden unterschiedliche Kompetenzen angesprochen und aufeinander aufbauend wachsende Anforderungen an die Kompetenz der Studiere de gestellt, as zu ei e akti e Be ältige der eue A forderu gsko te te führt. Grundvoraussetzung jedes Kompetenzerwerbs ist die Fähigkeit zur Reflektion.5 Der Erwerb von Kompetenzen erfolgt dabei in Abhängigkeit von der Fähigkeit zur Reflektion als Aufbau mentaler Modelle. Durch die Möglichkeit, individuelle mentale Modelle zu explizieren und zur Diskussion zu stellen, kann eine sinnvoll eingerichtete Lernplattform insbesondere der kollaborativen Reflektion dienen und damit den Erwerb von Kompetenzen zusätzlich unterstützen. 4 Vgl.: M. Barth (2009): Assessment of Key Competencies A Conceptual Framework, in: M. Adomssent, A. Beringer u. M.Barth (Hrsg.): World in Transition: Sustainability Perspectives for Higher Education, VAS 5 Vgl.: D. Rychen (2003): Key competencies for a successful life and well-functioning society, Cambridge, Mass 6

8 1.6 Nachhaltigkeit an der Universität Bremen Auch die Universität Bremen setzt sich für die stärkere Integration des Themas Nachhaltigkeit in die Forschung und in die Hochschullehre ein. Sie hat 2010 ihren zweiten Nachhaltigkeitsbericht herausgegeben. Darin stellt sie ihren Weg als mittelgroße Universität mit ca Studierenden in 12 Fachbereichen zu einer nachhaltigen Universität dar. Das Rektorat (damals Rektor Prof. Dr. Wilfried Müller als Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und Konrektor Prof. Dr. Georg Müller-Christ als Sprecher der AG Hochschule und Nachhaltigkeit des Runden Tisches der UN-Dekade für BNE) haben aktiv daran mitgewirkt, dass die HRK und die Deutsche UNESCO-Kommission eine gemeinsame Erklärung zum Thema Hochschulen und Nachhaltigkeit beschließen. Die Universität Bremen erklärt in ihren Nachhaltigkeits- und Umweltleitlinien, dass sie gemäß der UN-Dekade für BNE das Lehrangebot für nachhaltigkeitsbezogene Lehrveranstaltungen für Studierende aller Studiengänge ausbauen möchte. Um ihre ca Studierenden eines jeden Studienjahres ein Lehrangebot machen zu können, setzt die Universität auf elearning-gestützte Lernangebote. Aufgrund der Dringlichkeit Bildung für nachhaltige Entwicklung in die Hochschulen zu integrieren, die Erfahrungen im elearning-bereich sowie der Beitrag, den computergestütztes Lernen und die Vermittlung verschiedener BNE-Kompetenzen mit Hilfe digitaler Medien leisten kann, entstand 2011 das Projekt Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit. 7

9 2. Struktur des Projektes und Zielerreichung 2.1 Projektleitung und koordination Die Projektleitung für die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit lag beim Antragsteller Prof. Dr. Georg Müller-Christ der Universität Bremen. Der Projektleiter vertritt das Fachgebiet Nachhaltiges Management an der Universität Bremen und konnte im Projektzeitraum seine inhaltliche Expertise in eine videobasierte Lehrveranstaltung sowie vielfältige und wertvolle Kontakte in das Gelingen des Projektes einbringen. Als Sprecher der AG Hochschule und Nachhaltigkeit hat er weitere Impulse gesetzt, das Netzwerk gestärkt sowie als Teilnehmer und Referent auf Konferenzen das Projekt nach außen vertreten. Die Projektkoordination umfasste die Umsetzung und Steuerung der einzelnen Arbeitspakete, die Weiterentwicklung der operativen Tätigkeitsbereiche (z.b. die Organisation des laufenden Lehr- und Prüfungsbetriebs für die Akademie) sowie die strategische Ausrichtung der Akademie. Hierbei waren vor allem ein Zusammenspiel von Wissen zu aktuellen Nachhaltigkeitsdiskursen, Multimediakompetenz, Netzwerktätigkeiten und ein gezieltes Projektmanagement erforderlich. Die enge Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen ProjektmitarbeiterInnen aus den Bereichen Multimedia, Gestaltung, Administration und wissenschaftlicher Begleitung sowie den zahlreichen externen Lehrenden aus unterschiedlichen Hochschulen und weiteren AkteurInnen im Nachhaltigkeitskontext führte zu einem abwechslungsreichen und sehr interessanten Aufgabenbereich. 2.2 Akademievorstand Der Akademievorstand, bestehend aus Prof. Dr. Gerd Michelsen (Leuphana Universität Lüneburg), Prof. Dr. Uwe Schneidewind (Wuppertal Institut) und Prof. Dr. Georg Müller-Christ (Universität Bremen), diskutiert die strategische Ausrichtung der Akademie und legt das Veranstaltungsprogramm fest. In Zusammenarbeit mit ExpertInnen organisiert er die Evaluierung der Lehrveranstaltungen und der Akademie, um so eine ständige Weiterentwicklung der Qualität zu sichern. Im Projektzeitraum fanden regelmäßig Vorstandssitzungen statt. Des Weiteren erfolgte ein intensiver Austausch per , so dass der Vorstand über die operativen und strategischen Belange der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit stets sehr gut informiert war. 8

10 Abbildung 1: Vorstand der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit Das Gelingen des Projektes geht auch auf die erfolgreiche Zusammenarbeit des Akademievorstands und die vielfältigen Unterstützungsangebote im Projektzeitraum zurück. 2.3 Das Gesamtvorhaben in Arbeitspaketen Im Projektantrag wurden 9 Arbeitspakete formuliert. Diese werden kurz dargestellt und die Zielerreichung aufgezeigt. AP1: Projektleitung und koordination Die Projektleitung wurde von der Universität Bremen, dem Fachgebiet Nachhaltiges Management von Prof. Dr. Georg Müller-Christ übernommen und umfasste die folgenden Aufgabenbereiche: Zielerreichung Aufgabenbereiche AP1: Projektleitung und koordination = erreicht ++ = überwiegend + = teilweise 0 = nicht erreicht 1. Entwicklung der Organisationsstruktur der Akademie 2. Entwicklung eines Geschäftsmodells mit den Kooperationspartnern 0 3. Akquise der ReferentInnen ++ 9

11 4. Aufbau eines Kooperationsnetzwerkes (zur Weiterführung der Akademie) 5. Entwicklung eines Qualitätsmanagements für die Inhalte und Abläufe der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit ++ Zielerreichung AP1 1: Entwicklung der Organisationsstruktur der Akademie In der Projektlaufzeit konnte die Organisationsstruktur für die drei Kernbereiche der Akademie entwickelt werden: (1) Erstellung von videobasierten Lehrveranstaltung, (2) Laufender Lehrbetrieb und Betreuung der Studierenden, (3) Laufender Prüfungsbetrieb. Dazu ausführlicher in Kapitel 3. Zielerreichung AP1 2: Entwicklung eines Geschäftsmodells mit den Kooperationspartnern Aus der gegenwärtigen Diskussion um Geschäftsmodelle für MOOCs6 wird deutlich, dass es derzeit kein erfolgreiches Geschäftsmodell gibt. Die großen amerikanischen Anbieter von MOOCPlattformen haben Risikokapital in zweistelliger Millionenhöhe eingeworben, um ihre Angebotspalette zu entwickeln und ihre Zielgruppe zu erreichen. Im Projektzeitraum wurde sorgfältig das deutsche pri at irts haftli he Refere z orha e i ersit eo a htet. I ersit bietet Online-Lehrveranstaltungen als MOOCs an und nimmt dabei keine inhaltliche Selektion vor. D.h. es werden diverse Themen angeboten. Die Anerkennung externer Leistungen ist für Hochschulen dann möglich, wenn die anbietende Institution den Logiken der Hochschulstrukturen folgt. Iversity bietet Lernvideos auf Hochschulniveau an und hat im Verlauf die Anerkennung des Workloads für die eigenen Kurse ebenfalls aufgegriffen. Die Lernvideos selbst sind kostenfrei. Wenn Prüfungen und damit zu erwerbende Creditpoints angeboten werden, sind diese jedoch kostenpflichtig. Bezahlbare Prüfungen sind jedoch in Deutschland konträr zum gängigen Modell, der derzeitigen Hochschullehre und erfahren daher auf unterschiedlichen Ebenen keine Akzeptanz. Im Projektverlauf wurden mehrfach kostenpflichtige Prüfungen als Ansatz für ein mögliches Geschäftsmodell für das Lehrangebot der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit thematisiert. Dies stellte sich jedoch nicht als tragfähige Lösung dar. Ziel der Akademie war es immer einen breiten, kostenlosen Zugang zu hochwertigen Lerninhalten zur Nachhaltigkeitsthematik anzubieten und 6 Massive Open Online Courses (MOOCs): Online-Lehrveranstaltungen, die einer großen Anzahl von Teilnehmenden meist kostenlos zur Verfügung gestellt werden. 10

12 den Studierenden mit einem effizienten, digitalen und akzeptierten Prüfungsprozess die Anerkennung des Workloads für ihr Studium zu ermöglichen. Dies wurde sowohl von den Studierenden als auch von den AnsprechpartnerInnen an den Hochschulen vor Ort in einer durchgeführten Umfrage zur Akzeptanz von Finanzierungsquellen für BNE-Lernangebote als tragende Entscheidung bewertet, das Angebot zu nutzen (siehe Kapitel 5.2). Die Entwicklungen im Bereich Digitalisierung von (Hochschul-)Lehre und Online-Lernformaten sind immer noch sehr dynamisch. Es ist zu erwarten, dass in den nächsten Jahren im Hochschulbildungsbereich Kooperationen entstehen, die an den Hochschulbereich angepasste Geschäftsmodelle für anrechenbare, digitale Lehrangebote für Studierende entwickeln. Für die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit bleibt die Entwicklung eines Geschäftsmodells als weiterer Entwicklungsfokus bestehen. Dies muss jedoch mit dem politisch gewollten Bildungsauftrag, BNE in die Hochschullehre zu integrieren, vereinbar sein. Zielerreichung AP1 3: Akquise der ReferentInnen Die Akquise der ReferentInnen verlief überwiegend erfolgreich. Nicht immer gestaltete sie sich komplikationslos, denn die Vorbereitung der Wissensinhalte für das Videoformat sowie der Dreh im Filmstudio an der Universität Bremen erforderten viel Zeit. Hinzu kamen finanzielle Restriktionen. Die begrenzten Möglichkeiten für Honorare führten dazu, dass angefragte ExpertInnen den Aufwand für die Erstellung einer videobasierten Lehrveranstaltung nicht auf sich nehmen wollten. Zielerreichung AP1 4: Aufbau eines Kooperationsnetzwerkes zur Weiterführung der Akademie Im Projektzeitraum konnten zahlreiche KooperationspartnerInnen auf unterschiedlichen Ebenen (Hochschullehrende, NachhaltigkeitsreferentInnen an Hochschulen, MedienpartnerInnen etc.) gewonnen werden. Die Netzwerktätigkeiten wurden in die Kernprozesse der Akademie integriert und werden in Abschnitt 3.4. Netzwerktätigkeit ausführlicher beschrieben. Zielerreichung AP1 5: Entwicklung eines Qualitätsmanagements Für die eide Ker prozesse Erstellu g o Lehr era staltu ge u d Prüfu gsprozesse wurde ein Qualitätsmanagement entwickelt und implementiert. Da beide Prozesse sehr hohe Qualitätsanforderungen stellen, wurden bereits bei der Entwicklung der Kernprozesse auf die Qualitätssicherung geachtet. 11

13 AP2: Administration Die Administration unterstützt die Projektleitung und- koordination in folgenden Bereichen: Zielerreichung Aufgabenbereiche AP2: Administration = erreicht ++ = überwiegend + = teilweise 0 = nicht erreicht 1. Übernahme von Verwaltungsarbeiten für die Akademie 2. Raum-, Ressourcen und Terminplanung für die Aufnahmen 3. Vorbereitung der Aufnahmen und Betreuung der ReferentInnen 4. Organisation und Vorbereitung von Workshops Das AP2 wurde in enger Zusammenarbeit mit der Projektleitung und koordination in allen Aufgabenbereichen erfolgreich abgeschlossen. AP3: Modulentwicklung: Kernprogramm In diesem Arbeitspaket wurden die Modulstruktur und inhalte für das Kernprogramm entwickelt und umgesetzt. Zielerreichung Aufgabenbereiche AP3: Modulentwicklung Kernprogramm = erreicht ++ = überwiegend + = teilweise 0 = nicht erreicht 1. Klimaanpassung und Klimawandel (Ringvorlesung mit Hochschullehrenden verschiedener Universitäten) 2. Nachhaltigkeit und Unternehmensführung (Prof. Dr. Georg Müller-Christ, Universität Bremen) 3. Nachhaltige Entwicklung (Prof. Dr. Michael von Hauff, TU Kaiserslautern) 4. Transition Management (Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Wuppertal Institut) 12

14 5. Nachhaltigkeit und BWL (Lehrende der Kommission Nachhaltigkeitsmanagement im Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft) 6. Insgesamt konnten im Projektzeitraum 14 Lehrveranstaltungen für das Kernprogramm konzipiert und umgesetzt werden. Drei davon in englischer Sprache. Zum Ablauf und zur Zielerreichung siehe ausführlicher Abschnitt 3.1 Erstellung von videobasierten Lehrveranstaltungen. AP4: Modulentwicklung: Lehrerbildung In diesem Arbeitspaket sollten die Modulstruktur und inhalte für die Lehrerbildung entwickelt und umgesetzt werden. Aufgabenbereiche AP4: Modulentwicklung: Lehrerbildung Zielerreichung = erreicht ++ = überwiegend + = teilweise 0 = nicht erreicht 1. Modulvorschlag 1: BNE in Schulfächern + 2. Modulvorschlag 2: BNE im Gymnasium (Sekundarstufe II) + 3. Modulvorschlag 3: BNE in der Sekundarstufe I 0 4. Modulvorschlag 4: BNE in der Primarstufe 0 Anders als in der Antragsphase vorbereitet, konnte die Umsetzung von BNE-Lernvideos für die Lehrbildung nicht zielführend verfolgt werden. Ledigli h it der Lehr era staltu g Literatur, Filme, egames und Nachhaltigkeit Fiktive Erfahrungsräume zur Kompetenzvermittlung von BNE o Frau Dr. Elisa eth Holler eger U i ersität Siege konnten Impulse für die Unterrichtsgestaltung aufgezeigt werden. Diese Lehrveranstaltung richtet sich vor allem an LehrerInnen des Unterrichtsfachs Deutsch und überwiegend an Gymnasien / Sekundarstufe II. Der Bereich LehrerInnen(aus)bildung wird noch stärker als die Hochschulbildung durch das förderale System bestimmt und ist an den von der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit verfolgten, eher zentralen Ansatz von BNE-Bildungsangeboten, bisher nur punktuell anschlussfähig. Erst zum Ende der UN-Dekade wurde das deutschsprachige Netzwerk LeNa (LehrerInnenbildung für nachhaltige Entwicklung) gegründet, das als Ansprechpartner für die strukturelle Verankerung von BNE in der LehrerInnenbildung dienen kann. 13

15 AP5: Wissenschaftliche Begleitung und Betreuung In diesem Arbeitspaket erfolgte die wissenschaftliche Begleitung und Betreuung sowohl für die Modulentwicklung als auch für das Qualitätsmanagement. Zielerreichung Aufgabenbereiche AP5: Wissenschaftliche Begleitung und Betreuung = erreicht ++ = überwiegend + = teilweise 0 = nicht erreicht 1. Entwicklung des Qualitätsmanagements für die Inhalte und Abläufe der Virtuellen Akademie in Zusammenarbeit mit der Projektleitung 2. Didaktische und mediendidaktische Beratung der ReferentInnen 3. Inhaltliche und wissenschaftliche Konzeption der Module 4. Akquise der ReferentInnen Wissenschaftliche Moderation in den Modulen Das AP5 wurde erfolgreich abgeschlossen. Lediglich bei der Akquise von ReferentInnen kam es zu Einschränkungen (siehe dazu die Erläuterungen in AP1 3). AP6: Softwareentwicklung In diesem Arbeitspaket wurden die softwaretechnischen Entwicklungsarbeiten durchgeführt, welche jeweils die Phasen für Anforderungsanalyse, Spezifikation, Implementierung, Test und Integration berücksichtigen und folgende Aufgabenbereiche behandelten: Zielerreichung Aufgabenbereiche AP6: Softwareentwicklung = erreicht ++ = überwiegend + = teilweise 0 = nicht erreicht 1. Entwicklung des Internetportals 2. Entwicklung der medialen Endprodukte 3. Entwicklung von Schnittstellen für die Integration Die Aufgabenbereiche des AP6 konnten alle erfolgreich abgeschlossen werden. 14

16 AP7: Medienproduktion Im Rahmen dieses Arbeitspaketes wurden die videogestützten Lerneinheiten produziert. Dazu gehören folgende Aufgabenbereiche: Zielerreichung Aufgabenbereiche AP7: Medienproduktion = erreicht ++ = überwiegend + = teilweise 0 = nicht erreicht 1. Einweisung der ReferentInnen in die Aufnahmeabläufe 2. Durchführung der Aufnahmen vor Ort 3. Sichtung und Schnitt des Filmmaterials 4. Aufbereitung der Filmmaterials für das Internet Die Aufgabenbereiche des AP7 Medienproduktion wurden ohne Komplikationen zielführend im Projektzeitraum abgeschlossen. Zur Erstellung der videobasierten Lehrveranstaltungen siehe ausführlicher Abschnitt 3.1. AP8: Mediengestaltung Im Rahmen dieses Arbeitspaketes wurden gestalterische Arbeiten für die folgenden Produkte durchgeführt: Zielerreichung Aufgabenbereiche AP8: Mediengestaltung = erreicht ++ = überwiegend + = teilweise 0 = nicht erreicht 1. Internetportal 2. Folien 3. Skripte 4. Werbe- und Informationsmaterial 15

17 Grundlage für die Aufgabenbereiche des AP8 Mediengestaltung war die Entwicklung eines Corporate Designs für die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit. Dieses durchzog konsequent alle gestalteten Elemente der Akademie und erhöhte damit den Wiedererkennungswert sowohl bei Printmedien als auch bei allen digitalen Endprodukten. Die Produkte der Mediengestaltung übten großen Einfluss auf die Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt aus (siehe dazu auch Kapitel 4). AP9: Evaluation Die Evaluation berücksichtigte die Medientechnik und die Besonderheiten des Veranstaltungsformats. Folgende Phasen wurden durchlaufen: Zielerreichung Aufgabenbereiche AP9: Evaluation = erreicht ++ = überwiegend + = teilweise 0 = nicht erreicht 1. Erstellung eines Evaluationskonzepts 2. Durchführung und Auswertung der Evaluationen 3. Erstellung eines Evaluationsberichts Es zeigte sich im Projektverlauf, dass der Evaluationsbedarf umfangreicher war als im Antrag angenommen. Zu den Evaluationen und Begleituntersuchungen siehe ausführlicher Kapitel 5. 16

18 3. Die einzelnen Teilprojekte 3.1 Erstellung von videobasierten Lehrveranstaltungen Ein wesentlicher Baustein des Projektes war die Produktion, Veröffentlichung und Bereitstellung von videobasierten Lehrveranstaltung zum Thema Nachhaltigkeit. Innerhalb der Projektlaufzeit wurden 14 Lehrveranstaltungen (mit über 450 Lernvideos) erstellt und von den KooperationspartnerInnen genutzt Ziel und Idee Ziel im Projektzeitraum war es, ein e-learning Angebot zum Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung zu schaffen und damit Hochschulen deutschlandweit zu ermöglichen, ihren Studierenden ein Lernangebot zu BNE anzubieten oder qualitativ hochwertige Fachinhalte zum Thema Nachhaltigkeit dem eigenen Fächerangebot hinzuzufügen. Darüber hinaus sollten videobasierte Module speziell für die lehrerbildenden Studiengänge produziert werden, so dass sie bundeslandübergreifend in Studiengänge der Lehrerbildung integriert werden können. Die Module der Virtuellen Akademie sollten mit 3 Creditpoints Workload konzipiert werden, so dass Studierende im Schnitt 1-3 Module anrechenbar belegen können. Ziel war es, die Module so zu gestalten, dass sie auch mit leicht verändertem Workload belegt werden können. Zu Beginn des Projektes lag der Fokus auf der Erstellung von disziplin- und problemübergreifenden Lehrveranstaltungen, die in die Thematik einführen das allgemeinbildende Kernprogramm (AP3): Nachhaltige Entwicklung Nachhaltiges Management Klimaschutz und Klimaanpassung Nachhaltiger Konsum Ressourceneffizienz als Nachhaltigkeitsstrategie Sustainable Urban Transitions Das Angebot sollte dann im Laufe der Projektzeit inhaltlich ausgebaut werden. Zur Qualitätssicherung wurde in didaktischer Hinsicht das Ziel gesteckt, die didaktischen Schlüsselprinzipien von BNE zu berücksichtigen, sich konsequent auf die Kompetenzentwicklung der Studierenden zu orientieren und relevante Wissensbestände der in der Lehrveranstaltung behandelten Thematik adäquat aufzubereiten. Zusätzlich zur permanenten Qualitätskontrolle, soll die Qualität und Aktualität der jeweiligen Veranstaltungen alle drei Jahre überprüft werden. 17

19 3.1.2 Umsetzung und Ergebnis Bis zum Ende der Projektlaufzeit wurden 14 Lehrveranstaltungen zu verschiedenen Themen der Nachhaltigkeit erstellt. Dabei wurde von Beginn an didaktische und mediendidaktische Anforderungen berücksichtigt und darauf basierend das Konzept zum Aufbau von Online-Lehrveranstaltungen entwickelt und angewendet. Im Projektverlauf wurden außerdem der Entstehungsprozess für die Online-Lehrveranstaltungen professionalisiert und in ein Qualitätsmanagement eingebunden. Anpassung der Lernvideos an die Konzentrationsfähigkeit Jede Lehrveranstaltung mit einem Workload von 3 Creditpoints besteht aus thematischen Lerneinheiten. Jede Lerneinheit hat einen Gesamtumfang von 90 Minuten, der wiederum in 3 Episoden à 30 Minuten geteilt wurde. Lerntheoretisch ist aufgezeigt worden, dass die Konzentration nach etwa 30 Minuten stark nachlässt. Dies kann durch die in sich abgeschlossenen Episoden berücksichtigt werden. Den Lernenden wird sowohl sprachlich als auch in der medialen Aufbereitung die Struktur verdeutlicht und eine intuitive Orientierung ermöglicht. Studierende finden außerdem in dieser Struktur die für sie gewohnte Struktur einer Präsenzvorlesung an ihrer Hochschule wieder, die in der Regel auch aus wöchentlichen Vorträgen à 90 Minuten be- steht und diese Wochen lang angeboten wird. Abbildung 2: Aufbau der videobasierten Lehrveranstaltungen Didaktische Schlüsselprinzipien Auch für die didaktische Zielsetzung wurde ein Konzept für alle einzelnen Lernvideos erstellt. Dazu zählt zum einen, dass die Lernvideos jederzeit im Internet abrufbar zur Verfügung stehen und dadurch das Studieren zu jeder Zeit an jedem Ort möglich ist. Des Weiteren werden den Studierenden über die Lernplattform Lernbegleitmaterialien und die Foliensätze als PDFs zum Download bereitgestellt, so dass ein paralleles Arbeiten und Mitschreiben auf den Folien möglich ist. Um die Studierenden in ihrem Selbststudium zu begleiten, ist ein weiterer wichtiger didaktischer Aspekt die Aufbereitung der Lernvideos durch Lernziele. Für jede Vortragsepisode werden gleich 18

20 zu Beginn die Lernziele erläutert. Diese umschreiben kompetenzorientiert, welche Anforderungen an die Lernenden in den nächsten 30 Minuten gestellt werden und ermöglichen eine Fokussierung darauf. Für die Erstellung von Lernvideos im BNE-Kontext erfolgt das Formulieren der Lernziele in Anlehnung an die BNE-Gestaltungskompetenzen sowie das Aufgreifen des Kompetenzverständnisses des Deutschen Qualifikationsrahmens. Ein weiteres Element sind Aufgaben für das Selbststudium, die am Ende jeder Vortragsepisode formuliert werden. Diese sollen eine weitere Orientierung für das selbstbestimmte Lernen geben. Sie können als Recherche- und Analyseaufgaben formuliert werden, die es den Studierenden ermöglichen sollen, die im Lernvideo vermittelten Inhalte in der Literatur oder durch andere Quellen nachzuvollziehen, eigene Argumentationsstränge zu entwickeln und je nach Lernziel das Thema zu vertiefen. Abbildung 3: Beispielfolie für Lernziele und Aufgaben für das Selbststudium Neben den mit Folien begleiteten beiden Vortragsepisoden gibt es in jeder Lerneinheit ein Interview mit den Lehrenden, in dem Verständnisfragen, Beispiele oder auch Zusammenhänge noch einmal veranschaulicht werden. Das Gespräch hat eine didaktisch andere Qualität, da es aus der Situation entsteht, die Inhalte der Vortragsepisoden aufgreift und Raum für Nachfragen und Erläuterungen lässt. So erhalten die Lehrenden und die zuschauenden Studierenden die Chance, sich den zuvor strukturiert vermittelten Inhalte von einer anderen Seite zu nähern und zu vertiefen. Produktionsprozess der Online-Lehrveranstaltungen Zur professionellen Produktion und für die Qualitätssicherung während der Produktion sowie im laufenden Betrieb wurde ein Ablaufplan erstellt, der die folgenden Kriterien umfasst: (1) Auswahl der Inhalte und der Lehrenden: Bei der Themen- sowie Lehrendenauswahl jeder Lehrveranstaltung wurde darauf geachtet, dass das ausgewählte Thema eine hohe Relevanz besitzt (z.b. aktueller wissenschaftlicher Diskurs, geringes Angebot in der bisherigen 19

21 Lehre, hohe Nachfrage seitens der Studierenden oder Hochschulen) und die zu vermittelnden Lerninhalte auf Hochschulniveau vermittelt werden. Dies gelingt zum einen durch die Akquise von Hochschullehrenden und zum anderen durch die Überprüfung der Lerninhalte auf wissenschaftliche Akzeptanz. Unabdingbar für die Produktion von Online-Lehrveranstaltungen ist die gezielte Vorbereitung und Begleitung der Lehrenden vor und während der Produktion. Die zu vermittelnden Lerninhalte müssen an das zuvor erläuterte didaktische Konzept angepasst werden und die Lehrenden müssen auf die Besonderheiten einer Aufnahme im Studio vorbereitet werden (siehe auch Kapitel 5.1). (2) Produktion der Lehrveranstaltung: Um hochwertige Lernvideos anzubieten wurden die Lehrveranstaltungen mit dem Greenscreen-Verfahren in einem Studio erstellt und das entstandene Datenmaterial doppelt gesichert (analog und digital). Während der Aufnahmen werden die Lehrenden nicht nur vom technischen Team, sondern auch von einem Projektmitglied der Akademie begleitet. Dies dient zum einen der Prüfung der Inhalte und der Qualität der Aufnahmen nach dem 4-Augen-Prinzip sowie der Unterstützung des Lehrendens während der Aufnahmen. (3) Postproduktion: Die Postproduktion beinhaltet die erneute Datensicherung auf den Servern sowie die Aufbereitung der Rohmaterialien (Schnitt, Zusammenführung der Vortragsfolien und des Videomaterials etc.). Gleichzeitig findet erneut ein Qualitätscheck seitens der Akademie statt, in dem zum Beispiel Fehler auf den Vortragsfolien korrigiert werden oder diese an das Corporate Design der Virtuellen Akademie angepasst werden. Parallel dazu wird in Zusammenarbeit mit den Lehrenden der Fragenkatalog für die elektronische Prüfung erstellt und dieser in der Prüfungssoftware umgesetzt. (4) Aufnahme der Lehrveranstaltung in das Vorlesungsprogramm: Der Abschluss jeder Produktion stellt die Veröffentlichung der Online-Lehrveranstaltung dar. Die Lernvideos sind direkt über das Webportal der Akademie sowie über den Youtube-Kanal abrufbar. Dabei wird die Distributionsinfrastruktur von Youtube genutzt, um die Lernvideos kompatibel für alle Endgeräte und mit einer geringen Ausfallfrequenz bereitzustellen. Gleichzeitig wird die Veröffentlichung der neuen Veranstaltung über die Informationskanäle der Virtuellen Akademie verbreitet z.b. Pressemittelungen, Rundmails, Benachrichtigung der KooperationspartnerInnen und Ankündigung über die Lernplattform sowie Homepage). (5) Neben den Qualitätskontrollen während der Produktion findet eine regelmäßige Überprüfung der Lerninhalte der bestehenden Veranstaltungen statt. Zusätzlich werden Veranstaltungen, die schon drei Jahre im Veranstaltungsprogramm laufen, einem Qualitätscheck bezüglich der Aktualität der Inhalte sowie der technischer Qualität unterzogen und bei Bedarf überarbeitet. 20

22 Abbildung 4: Entstehungsprozess der Lehrveranstaltungen (6) Veröffentlichung der Online-Lehrveranstaltungen: Die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit hat innerhalb des Berichtzeitraums 14 Online-Lehrveranstaltungen produziert und veröffentlicht. Es entstanden 12 Veranstaltungen konzipiert für einen Workload von drei Creditpoints und zwei Veranstaltungen mit einem Workload von einem Creditpoint. Diese sind besonders dazu geeignet, Lehrprogramme von Partnerhochschulen mit leicht verändertem Workload zu ergänzen. Zum bestehenden Programm gehören auch die drei englischsprachige Lehrveranstaltungen: World in Transition, Sustainability Management und Civic Ecology. 21

23 Abbildung 5: Übersicht des Lehrangebots der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit (Youtube-Kanal) Kritische Reflexion Innerhalb des Berichtzeitraums konnte die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit ein thematisch breit aufgestelltes und qualitativ hochwertiges Lehrprogramm aufbauen und den KooperationspartnerInnen zur Verfügung stellen. Es zeigte sich, dass Hochschulen und Studierende einen hohen Bedarf an gut zu integrierenden und flexiblen BNE-Bildungsangeboten haben. Die Nachfrage nach dem Angebot der Akademie war größer als zum Antragszeitpunkt angenommen. Ebenso waren viele Hochschullehrende daran interessiert, ihre eigenen Lehrinhalte über das Lernformat der Akademie anzubieten. Die Konzeption der Lehrveranstaltungen mit einem Arbeitsumfang von drei Creditpoints erwies sich als strategisch richtig. Die meisten Partnerhochschulen konnten diese problemlos in ihre Curricula integrieren. Für Hochschulen mit einem anderen Workload-Format konnte durch Kombination mehrerer Lehrveranstaltungen ein für sie nutzbares Angebot geschaffen werden. Die freie Verfügbarkeit der Lernvideos im Internet führte außerdem zu regem Interesse von Weiterbildungsinteressierten (Privatpersonen, aber auch Unternehmen und Weiterbildungsorganisationen). Durch das Angebot von englischsprachigen Lehrveranstaltungen konnten Hochschulen und die Akademie das Angebot auch für Gaststudierende und englischsprachige Studiengänge öffnen. Aus dem englischsprachigen Angebot resultierte außerdem eine stetige Nachfrage von internationalen Studierenden und Hochschulen. 22

24 Das Kernprogramm der Akademie konnte fast vollständig wie geplant umgesetzt werden. Ledigli h die Lehr era staltu ge Na hhaltiger Ko su u d Ressourceneffizienz als Nachhaltigkeitsstrategie wurden nicht realisiert. Dies basierte an zeitlichen und z.t. finanziellen Engpässen sowie anderen Prioritäten der angesprochenen Hochschullehrenden. Das didaktische Konzept sowie das Qualitätsmanagement stellten sich als sinnvoll und geeignet heraus und erfuhren eine hohe Akzeptanz bei Studierenden und Hochschulen (siehe auch Kapitel 5.3). Die Auswahl der relevanten Themen für die Erstellung der Online-Lehrveranstaltungen durch den Vorstand der Akademie berücksichtigte die wissenschaftliche Aktualität und Relevanz. Nicht umgesetzt werden konnte das im Antrag aufgeführte BNE-Angebot für Lehramtsstudiengänge. Durch die Verantwortung der einzelnen Bundesländer und der damit verbundenen Heterogenität in der LehrerInnenbildung war es im Berichtzeitraum nicht möglich, ein Konzept zu erstellen. 3.2 Konzeption und Umsetzung von Prüfungen und deren Anerkennung im Hochschulkontext Ziel und Idee Studieren bedeutet heute, Creditpoints zu sammeln. Studierende, die das Lehrangebot der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit nutzen, erhalten die Möglichkeit, eine elektronische Prüfung direkt an ihrer oder einer nahe gelegenen Hochschule abzulegen. Die elektronischen Klausuren (kurz eklausur) werden dort an einem Computer unter Prüfungsbedingungen durchgeführt. Die Anerkennung der Prüfungsleistung wird im Vorfeld mit den Verantwortlichen an den Partnerhochschulen geklärt, so dass keine Einzelfallprüfung für die Studierenden erforderlich ist. An der Universität Bremen werden computergestützte Prüfungen bereits seit 2004 angeboten. Die Nachfrage dieser Prüfungsform steigt seitdem an der Universität Bremen stetig und wird von allen 12 Fachbereichen genutzt (siehe Trotz geschlossener Fragestellungen kann ein angemessener Schwierigkeitsgrad und das Prüfen unterschiedlicher Kompetenzstufen (siehe gewährleistet werden. Rückfragen von Studierenden zu den Prüfungen finden nur in geringem Maße statt. Unsicherheiten können durch die Bereitstellung einer Probeklausur sowie gezielte Informationen im Vorhinein verringert werden. Hinzu kommt, dass der Großteil der Studierenden die Arbeit am PC und die intuitive Bedienung der Prüfungssoftware, durch den allgemeinen Stand der Medienkompetenz ohne Probleme bewältigen. 23

25 3.2.2 Umsetzung und Ergebnis Mit dem elektronischen Assessment kann eine Anerkennung der Studienleistungen an jeder Hochschule direkt vor Ort erfolgen und damit eine Anrechnung der Creditpoints für die Studierenden ermöglicht werden. Als Voraussetzung für die elektronischen Klausuren der Virtuellen Akademie an einer Partnerhochschule wird eine Ansprechpartnerin bzw. ein Ansprechpartner an der Hochschule (sogenannte Akademiekoordinatorin bzw. Akademiekoordinator) benötigt. Mithilfe der AkademiekoordinatorInnen werden die Lehrveranstaltungen der Akademie in das jeweilige Curriculum integriert, die Abstimmungsprozesse für die Prüfungen gestaltet und damit die Anrechnung an der Hochschule gewährleistet. Abbildung 6: Prüfungskonzept Entstehung der elektronischen Klausuren Die Entstehung der eklausuren erfolgt nach dem Produktionsprozess der Lernvideos. Die Lehrenden erstellen einen umfangreichen Aufgabenkatalog, der in die Prüfungssoftware von LPLUS (www.lplus.de) eingegeben wird. Jede einzelne elektronische Prüfung besteht dann aus einer zufälligen Auswahl an gleichwertigen Aufgaben. Die Einstellungen der Prüfungssoftware gewährleistet, dass die Zusammenstellung der Fragen, den gesamten Wissenskanon einer Lehrveranstaltung abprüft. Als Vorbereitung können sich die Studierenden mit einer Demoprüfung, die jederzeit zugänglich ist, ausreichend mit dem Prüfungsformat und den Fragetypen vertraut 24

26 machen. Die bedarfsorientierte Betreuung durch die Akademie gewährleistet während des individuellen Lernprozesses die Klärung aller inhaltlichen und organisatorischen Fragen. Zu Semesterbeginn Zu Beginn jedes Semesters erfolgt mit den AkademiekoordinatorInnen vor Ort die Abstimmung der Prüfungstermine. Je nach Anzahl der teilnehmenden Studierenden einer Hochschule werden pro Semester 2-3 Prüfungstermine angeboten. Es wird bewusst versucht, ein antizyklisches Prüfen zu ermöglichen, damit Studierende die Hauptbelastungsphasen zum Ende des Semesters entzerren können. Da das hochschulübergreifende Prüfungskonzept als ein Netzwerk funktioniert, können Studierende auf Nachfrage auch einen Termin an einer anderen Hochschule wahrnehmen und dadurch Prüfungsengpässe vermeiden. Durch diese Wahlmöglichkeit ergibt sich für die Studierenden eine höhere Flexibilität und Gestaltungsspielraum beim selbstbestimmten Lernen. Bis eine Woche vor der jeweiligen Prüfung Die verbindliche Prüfungsanmeldung für die Studierenden erfolgt bis eine Woche vor dem jeweiligen Prüfungstermin. Zu berücksichtigen sind die spezifischen Anmeldevorgaben an den jeweiligen Hochschulen, so dass in Ausnahmefällen eine Doppelanmeldung vorliegen muss. Über die Lernplattform wählen die Studierenden ihren Prüfungstermin aus und melden sich für die Prüfung mit den relevanten Daten an. An alle angemeldeten Studierenden verschickt das Betreuungsteam nach Anmeldeschluss eine , in der die Informationen zum Ablauf der Prüfung, die Login-Daten und Prüfungszeit und ort mitgeteilt werden. Am Tag vor der Prüfung In der direkten Vorbereitung zur Prüfung an der Hochschule werden die Computer vor Ort eingerichtet. Beim allerersten Prüfungstermin an der jeweiligen Hochschule erfolgt eine Einweisung durch das Betreuungsteam der Akademie mit den Administratoren und Prüfungsaufsichten vor Ort, so dass die technischen Voraussetzungen gegeben und umgesetzt werden. Die Einweisung der Prüfungsaufsicht erfolgt immer vor den Prüfungen, da Anmeldelisten und spezifische Informationen vorher abgesprochen und weitergeleitet werden. Die Prüfungen werden zentral in Bremen von dem Betreuungsteam der Virtuellen Akademie individuell für die Hochschulen mit Hilfe der Prüfungssoftware eingerichtet und freigeschaltet. Am Tag der Prüfung Beim Prüfungstermin loggen sich die Studierenden an ihrer Hochschule vor Ort im Computerraum unter Aufsicht auf der Prüfungsplattform der Akademie ein. Die Prüfungsaufsicht überprüft die Personalien und stellt sicher, dass kein Täuschungsversuch erfolgt. Während der Prüfung wird in Bremen durch das Betreuungsteam der Virtuellen Akademie die Prüfung technisch betreut und steht bei Problemen und Fragen per Telefon und zur Verfügung. Nach Beenden der Prüfung erhalten die Studierenden sofort ihr Ergebnis in Prozent und wissen, ob sie bestanden haben. 25

27 Nach der Prüfung Im Anschluss an die Prüfungen bündelt das Betreuungsteam der Akademie die Ergebnisse und übermittelt diese an die jeweilige Hochschule (bei Bedarf mit Note und Zertifikat), wo sie für die Studierenden angerechnet werden. Die Prüfungen werden abschließend bei der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit archiviert. Übertragbarkeit der Abläufe Der vorliegende Prüfungsablauf lässt sich äquivalent an jeder Hochschule durchführen. Technische Voraussetzungen sind hierfür lediglich die Bereitstellung eines Computerraums, in denen die Prüfung stattfinden kann mit einer stabilen Internetverbindung. Aktuelle Laptops bzw. Computer an den Hochschulen erfüllen erfahrungsgemäß die technischen Anforderungen, die für eine sichere und reibungslose elektronische Prüfung nötig sind Kritische Reflexion Die Entscheidung, BNE-Grundlagen für viele Studierende anzubieten und sowohl für die Hochschulen als auch die Studierenden selbst ein möglichst hochwertiges aber auch flexibles Lernund Prüfungsangebot zu ermöglichen, führte zur Entwicklung elektronischer Prüfungen für die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit. Damit einher ging die intensive Beschäftigung mit prüfungsdidaktischen Fragen. Dank der engen und langjährigen Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Multimedia in der Lehre (ZMML) der Universität sowie der vielfältigen Unterstützung durch das eassessment-team des ZMMLs konnte das elektronische Prüfungskonzept der Akademie entwickelt und getestet werden. Der Prüfungsprozess bietet dennoch Ansätze zur Optimierung, die zum einen auf der technologischen Ebene und zum anderen auf der organisatorischen Ebene liegen. Ein wesentlicher Punkt ist die Effizienz bei der Prüfungsdurchführung. Die Prüfungssoftware ist auf das Prüfen großer Kohorten ausgelegt. Dies zeigt sich vor allem im Einrichten der einzelnen Prüfungstermine und in der Teilnehmerverwaltung. Es ist z.b. der gleiche Arbeitsaufwand, die Prüfung für 1 Person und 1 Lehrveranstaltung einzurichten wie für 250 teilnehmende Studierende. Derzeit erreichen wir an unseren Partnerhochschulen bisher eher kleine Gruppen pro Prüfungstermin (durchschnittlich Studierende bei mehreren Lehrveranstaltungen). Hier könnte durch eine stärkere Akquise an den Partnerhochschulen eine Effizienzsteigerung erfolgen. Bei einer höheren Auslastung der PC-Räume an den Hochschulen und mehreren Prüfungsdurchgängen hintereinander kann der personelle Aufwand für die Einrichtung des Prüfungstermins reduziert werden. Da möglichst viele Studierende sich mit BNE befassen sollen, ist die Erhöhung der Studierendenanzahl an den Partnerhochschulen sowohl aus Nachhaltigkeits- als auch aus arbeitsorganisatorischer Sicht sinnvoll. Eine besondere Rolle im Prüfungsprozess nehmen die AkademiekoordinatorInnen an den jeweiligen Partnerhochschulen ein. Sie stellen das Bindeglied zwischen der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit und den Studierenden ( EndabnehmerInnen ) an den jeweiligen Hochschulen dar. Hier könnte für die Zukunft an einem Konzept gearbeitet werden, wie die Akademiekoordinato- 26

28 rinnen mehr Unterstützung erfahren können, um mehr Studierende an ihrer Hochschule zu erreichen. Da sich die Hochschulen durch eine hohe Heterogenität auszeichnen, könnte hier ein Cluster-Konzept Anregungen für Support-Ansätze bieten. Dann könnte je nach Hochschulstruktur, -ausrichtung und Verankerungspunkt des Lehrprogramms ein Maßnahmenpaket zur Unterstützung geschnürt werden. Für den Ausbau des Prüfungswesens ist für die interne Organisation ein Managementtool zur Prozessabwicklung sinnvoll. Dies kann die einzelnen Arbeitsschritte monitoren und für das Team der Akademie transparent darstellen. Ein kollaboratives Bearbeiten der einzelnen Schritte im Prüfungsprozess könnte dann gesichert, transparent und mit einer Steigerung an Prüfungen ermöglicht werden. Ziel sollte es sein, mindestens eine Hochschule pro Bundesland als Partnerhochschule mit regelmäßigen Prüfungen zu gewinnen. Kritisch muss die momentane Größenzahl der PrüfungsteilnehmerInnen im Hinblick auf die Eignung der Prüfungssoftware reflektiert werden. Wie oben beschrieben ist der Erstellungsaufwand der Fragenkataloge, die Qualitätssicherung und Einrichtung der Prüfungen geeignet für viele Studierende. Bei kleineren Kohorten gilt es einen alternativen Prüfungsprozess (z.b. mit Papierklausuren) zu testen und zu evaluieren. Ein zusätzlicher Punkt für die Weiterentwicklung im Prüfungskontext ist die Qualitätsverbesserung der Klausurfragen. Seit kurzem ist durch die Entwicklung der Software eine statistische Auswertung des Fragenkatalogs im Hinblick auf die Trennschärfe möglich. Diese gibt ein sehr genaues Bild, wie gut die jeweilige Klausurfrage im Katalogkontext ist Laufender Lehr- und Betreuungsbetrieb Ziel und Idee Mit der Erstellung und Veröffentlichung der videobasieren Lehrveranstaltungen über das Portal der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit begann der Lehrbetrieb und die kontinuierliche Betreuung der Studierenden. Anders als bei der gängigen Präsenzlehre an den Hochschulen vor Ort musste für das Lehrangebot der Akademie ein an das Lernformat angepasstes Betreuungskonzept e t i kelt erde. Hier ei galt es die Vorzüge des Ler e s it Videos Ler e a u d 7 In der Fragenstatistik werden die einzelnen Fragen mit einer Trennschärfe gekennzeichnet. Diese sagt aus, wie gut oder schlecht eine Frage im Gesamtkontext ist. Fragen mit einer positiven Trennschärfe zwischen 0,2 und 0,8 sind gute Fragen. Trennschärfen mit 0 oder im negativen Bereich zeigen, dass die Fragen mit dem Gesamttest wenig zu tun haben bzw. nicht verstanden wurden. Diese sollten überarbeitet werden. Fragen nahe der Trennschärfe 1 sind einfache Fragen im Gesamtkontext, die nahezu immer richtig beantwortet werden. 27

29 o du illst! zu berücksichtigen und die für manche Studierenden damit einhergehenden Schwierigkeiten der fehlenden Präsenz auszugleichen Umsetzung und Ergebnis Der selbstbestimmte Lernprozess der Studierenden wird beim Lernangebot der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit maßgeblich durch die Nutzung digitaler Systeme unterstützt. Dennoch oder gerade deshalb kommt einer verbindlichen Betreuung eine hohe Bedeutung zu. Die bedarfsorientierte Betreuung ging aus den Anregungen der Evaluation mit dem Medienexperten Prof. Dr. Michael Kerres hervor (siehe dazu auch Kapitel 5.1). Dabei wird die Lernplattform gezielt zum Austausch von Informationen und Lernmaterialien genutzt. Auch werden die Studierenden vielfach angeregt, sich bei Fragen telefonisch oder per an das Betreuungsteam der Akademie zu wenden. Über die Lernplattform tragen sich die Studierenden nach der Registrierung in die jeweiligen Lehrveranstaltungen ein, die sie besuchen wollen. Dort nutzen Sie die folgenden Lernmaterialien: 5-Punkte-Arbeitsplan Zur Erläuterung wie man mit den Lernvideos erfolgreich lernt Die Prüfungscheckliste um sich gezielt auf die Prüfungen vorzubereiten Die Folien zu den Vortragsepisoden Wir sprechen die klare Empfehlung aus, gezielt mit den Folien die Lernvideos durchzuarbeiten) Das Lernbegleitheft Zum Monitoren des eigenen Lernprozesses Den Selbstlerntest Zur Überprüfung des eigenen Lernfortschritts in Form von kleinen Quizzen Des Weiteren werden alle relevanten Informationen zum Prüfungsprozess über die Lernplattform ausgetauscht. Dazu zählen: Übersicht zu den Prüfungsterminen und standorten Anmeldemöglichkeiten zu den Prüfungen Link für die Demoprüfung zum Vertrautwerden mit der Prüfungssoftware und den Fragetypen Es gibt neben einigen wenigen inhaltlichen Fragen, die per oder im Forum einer jeden Veranstaltung angesprochen werden können, einen hohen Abstimmungsbedarf von Seiten der Studierenden in organisatorischen Fragen. Diese werden überwiegend per an das Betreuungsteam der Akademie gestellt. Damit eine schnelle und dokumentierte Beantwortung der Anfragen erfolgen kann, wurde ein Ticketsystem eingerichtet. Über diese adresse können alle Personen aus dem Betreuungsteam auf die Anfragen antworten. So kann eine schnelle Rückmeldung für die Studierende gewährleistet werden. Was zu einer hohen Zufriedenheit und Verbindlichkeit beiträgt. Zur Klärung wiederkehrender Fragen wird regelmäßig zu Beginn des Semesters eine Webkonferenz durchgeführt 28

30 3.3.3 Kritische Reflexion Derzeit verwendet die Akademie für die Lernplattform eine Stud.IP-Version, die in ihrer Gestaltung und Ausrichtung funktioniert, jedoch zunehmend an ihre Grenzen stößt und für den Ausbau der Virtuellen Akademie noch erweitert werden muss. Für die Lernplattform bestehen Weiterentwicklungsbedarfe bei technologischen, didaktischen und gestalterischen Aspekten, um den Lernprozess zeitgemäß weiter betreuen zu können. 3.4 Netzwerkarbeit Ziel und Idee Ziel des Projektes war es auch, innerhalb der Projektlaufzeit ein aktives Netzwerk aufzubauen, um einerseits die Verbreitung und Nutzung des Online-Angebots der Akademie zu unterstützen und anderseits Kompetenzen im Bereich Hochschulbildung und BNE zu bündeln. Hierfür war die Entwicklung eines Kooperations- und Prüfungsnetzwerk mit Hochschulen erforderlich und die aktive Zusammenarbeit mit Lehrenden und BNE-Aktiven Umsetzung und Ergebnis Die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit hat heute ein großes Kooperationspartner- und Prüfungsnetzwerk aufgebaut, das es Studierenden deutschlandweit ermöglicht, an verschiedenen Standorten Prüfungen zu Lehrveranstaltungen der Akademie abzulegen. Sie arbeitet außerdem eng mit der AG Hochschule und Nachhaltigkeit der UN-Dekade zusammen, nahm an verschiedenen Netzwerkmöglichkeiten, wie Tagungen, Konferenzen und Messen, teil und steht im Austausch mit Studierendennetzwerken. Die Netzwerktätigkeiten nahmen im operativen Tagesgeschäft der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle ein und wurden auch als einer der drei Kernprozesse festgelegt (siehe folgende Abbildung). 29

31 Abbildung 7: Netzwerktätigkeiten der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit Hochschul- und Prüfungsnetzwerk Der Ausbau des Hochschul- und Prüfungsnetzwerks fand auf unterschiedlichen Wegen statt. Gerade zu Beginn des Projekts wurde für die Etablierung der Akademie auf Kontakte der Projektpartner zurückgegriffen. Des Weiteren wurden für die Ansprache der Zielgruppen (Hochschulen, Studierende und Lehrende) verschiedene Marketingmaßnahmen ergriffen (siehe Kapitel 4 zur Öffentlichkeitsarbeit des Projekts). Durch die schnell wachsende Bekanntheit und die freie Verfügbarkeit des Angebots erhielt die Akademie auch diverse Anfragen von Hochschulen und Studierenden, aus denen die Integration in weitere Hochschulen resultierte. Bis zum Ende des Berichtzeitraumes nutzen 35 Hochschulen das Angebot der Akademie (dabei auch internationale Hochschulen) und 15 nutzen dabei auch das Prüfungsangebot. Weitere Netzwerkaktivitäten Zur strategischen Netzwerkplanung und zum Netzwerkausbau der Akademie bedarf es der stetigen Relevanzprüfung von Fachtagungen- und -konferenzen, die Teilnahme sowie die Beteiligung durch Beiträge an diesen. Der Schwerpunkt der Nerzwerkaktivitäten liegt dabei immer auf Hochschulbildung und Nachhaltigkeit, die insbesondere in der Kooperation und Zusammenarbeit mit der AG Hochschule und Nachhaltigkeit der UN-Dekade zum Ausdruck kam. Innerhalb der Projektlaufzeit nahm die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit an zahlreichen Veranstaltungen 30

32 zum Thema BNE und elearning als Teilnehmer oder als Vortragende teil und veranstaltete Zusammen mit der AG Hochschule und Nachhaltigkeit eine eigene Tagung. Diese Netzwerkarbeit diente der Bekanntheit des Angebots der Akademie, aber auch dazu, aktuelle Thematiken für das eigene Projekt aufzugreifen und in das Lehrprogramm oder die technische Umsetzung zu integrieren Kritische Reflexion Der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit ist es gelungen, ein weit gefächertes und großes Prüfungs- und Kooperationsnetzwerk mit Hochschulen aufzubauen. Dabei stellte sich heraus, dass die Kontaktaufnahme auf unterschiedlichsten Wegen (Studierende, Hochschullehre, Nachhaltigkeitsbeauftragte und Hochschulleitungen)und die Integration des Angebots der Akademie in die jeweilige Hochschule sehr individuell betreut werden muss. Ebenso stellte sich für die weiteren Netzwerkaktivitäten heraus, dass ein persönlicher Austausch auf verschiedenen Veranstaltungen und mit verschiedenen Interessensgruppen (Hochschullehrende, elearning-fachkräften, Studierenden-Netzwerke) und deren gezielte Ansprache wichtig ist, um Bedarfe und Verbesserungspotentiale des Lehrangebots der Akademie zu erkennen und um das Hochschulnetzwerk auszubauen. Daraus resultierte ein erhöhter Bedarf an Reise- und Sachmitteln. Trotz des Aufbaus eines großen Hochschul- und Prüfungsnetzwerkes konnte die Akademie nicht alle Anfragen von Interessenten aufgreifen. So gab es z.b. mehrere Interessierte, die das Angebot nicht nutzen konnten, weil keine Partnerhochschule in der Nähe lag. Mit dem Ziel mindestens eine Partnerhochschule je Bundesland zu gewinnen, könnte das Prüfungsangebot für die Zukunft verbessert werden. 31

33 4. Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt Um Bildung für nachhaltige Entwicklung stärker an den Hochschulen zu verankern und auf das Angebot der Akademie aufmerksam zu machen, war es erforderlich, neben einem attraktiven Lernangebot auch die unterschiedlichen Zielgruppen zu informieren und diese für das Lehrprogramm der Akademie zu gewinnen. Zu Projektbeginn stellte sich schnell heraus, dass allein die Bekanntgabe des neuen Projekts an bereits bestehende Kontakte nicht ausreicht, um das Projekt und die Nutzungsmöglichkeiten des Angebots der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit möglichst vielen Hochschulen und Studierenden anzubieten. Hierfür war eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit notwendig. 4.1 Marketing-Orchester und Zielgruppen Um diese Öffentlichkeitsarbeit strukturiert anzugehen und zielgruppengerecht zu gestalten, entwickelte die Akademie ein Marketing-Orchester. Dieses bietet zum einen eine Übersicht über bereits vorhandene Tätigkeiten und die Nutzung verschiedener Marketingkanäle (Printmedien, Social Media) und zeigt andererseits, in welchen Marketingbereichen noch Handlungsbedarf besteht. Mithilfe des Marketing-Orchesters ist es möglich, unterschiedliche Instrumente gezielt aufzubauen und zu nutzen. Die Darstellung dieser Zusammenstellung von Kommunikationsinstrumenten bietet die Möglichkeit, schnell und fundiert zu unterscheiden, welche Kommunikationsinstrumente welchem Medientypen zugeordnet sind (Owned, Earned oder Paid Media8), ob alle zur Verfügung stehenden Kanäle genutzt werden. Innerhalb der Projektlaufzeit war es daher möglich, alle Medienbereiche einzusetzen (Paid Media nur im kostenlosen Rahmen) und diese je nach Zielgruppe (Hochschulen, Lehrende, Studierende, PartnerInnen und FörderInnen) zu nutzen. 8 Im Marketing-Orchester wird zwischen verschiedenen Medienarten unterschieden: Owned Media, Earned Media und Paid Media. Wie die Namen schon verraten, handelt es sich bei der Owned Media um den Teil der Social Media Kommunikation, der selbst gelenkt werden kann. Ist der Bekanntheitsgrad groß genug, wird die Kommunikation über Earned Media erreicht: Es kommunizieren andere über einen. Mittels der Paid Media kann die Präsenz über Bannerwerbung und andere kostenpflichtige Werbung noch erhöht werden. (Vgl.: 32

34 Abbildung 8: Das Marketing-Orchester der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit Da das Informationsbedürfnis der drei Zielgruppen Hochschulen und Lehrende, Studierende und PartnerInnen bzw. FördererInnen im Hinblick auf die Mediennutzung und im Hinblick auf die Bedürfnisse (Studierende brauchen Creditpoints, Hochschullehrende wollen BNE in ihre Lehre integrieren etc.) sehr heterogen ist, wurde dies versucht zu berücksichtigen. 1. Zielgruppe: Hochschulen und Lehrende Interesse? An vielen Hochschulen sind die Lehrkapazitäten für BNE sehr knapp und eine Integration externer Lehrangebote, die den Hochschulanforderungen entsprechen, bieten eine gute Lösung für die Hochschulleitung auf struktureller Ebene und für die Lehrenden im alltäglichen Lehrgeschehen. Informationskanäle: Um die Hochschulleitungen ansprechen zu können und diese über das Angebot der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit zu informieren, wurde eine 24-seitige Broschüre erstellt. Sie erläutert insbesondere die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten des Lehrangebots: Es können alle oder ausgewählte Lehrveranstaltungen sowie die dazugehörigen Prüfungen ins Curriculum integriert werden. (Dabei ist die Integration sowohl für den fachübergreifenden Bereich aller Studiengänge als auch für ausgesuchte Studiengänge als Fachveranstaltung möglich). 33

35 Die Nutzung einzelner Episoden oder Ausschnitte zur Anreicherung der bestehenden Präsenzlehre. (Auch die Nutzu g der Ler ideos als Vertretu gsstu de i Rah e ei er estehenden Lehrveranstaltung zählt dazu.) Des Weiteren ist es möglich, Blended-Learning Module zu entwickeln, in denen die Lernvideos der Akademie mit eigener Präsenzlehre zu einer neuen Lehrveranstaltung kombiniert werden. Je nach Hochschulstruktur und ausrichtung kann eine Nutzung des Lehrangebotes angepasst werden. Um auch den Social Media Bereich abzudecken, besitzt die Akademie neben einem Facebookprofil (siehe Zielgruppe Studierende) auch einen Account für die berufliche Netzwerkplattform Xing (https://www.xing.com/companies/virtuelleakademienachhaltigkeit). Dieser dient zum einen der Vernetzung von Kontakten und zum anderen zur Information über Neuigkeiten der Akademie. 2. Zielgruppe: Studierende Interesse? Für Studierende sind die Anreize zur Nutzung des Lehrangebots der Virtuellen Akademie sehr unterschiedlich. Als die drei Hauptinteressen lassen sich: Interesse am Thema Nachhaltigkeit, flexible Lehrangebote, um den eigenen Lernprozess und Studienverlauf individueller zu gestalten, Spaß am Lernen mit digitalen Medien aufzeigen. Wichtig bei allen Intentionen ist die Anrechnung des Workloads mit Creditpoints9 für das jeweilige Studium ob als anerkannte Fachveranstaltung oder als Creditpoints für den fachübergreifenden Bereich. Informationskanäle: Der wichtigste Anlaufpunkt für Studierenden bei der Auswahl ihrer Lehrveranstaltungen ist das Vorlesungsverzeichnis ihrer Hochschule. Aus diesem Grund liegt ein Fokus darauf, das Angebot der Akademie in die Vorlesungsverzeichnisse zu integrieren und informativ darzustellen. Des Weiteren sind Studierende durch die Nutzung von Smartphones, TabletPC oder Notebooks im Social Media Bereich gut zu erreichen. Die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit nutzt daher in diesem Bereich verschiedene Kanäle, um potentielle Teilnehmende für ihre Lehrveranstaltungen zu erreichen und zu informieren. Dies geschieht über die eigene Homepage, hier erde rele a te Neuigkeite i ei e Ne s-feld eka t gege e. )usätzli h 9 Mit Workload ist der Arbeitsaufwand gemeint, der für das Belegen der Veranstaltung sowie das Nachbereiten des Lernmaterials notwendig ist. Gemessen anhand der Höhe des Arbeitsaufwands werden dann Creditpoints für das Studium vergeben. Es gilt dabei dir Faustregel: Ein Creditpoint = 30 Stunden Arbeit. 34

36 dient das Facebookprofil der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit dazu, zu informieren, aber au h dur h ö he tli he Posts zu The a Na hhaltigkeit, die Freu de zu i de. Trotz der guten Präsenz im Internet kann auch bei Studierenden und interessierten Teilnehmenden nicht auf Printmedien verzichtet werden. Speziell für diese Zielgruppe wurden aus diesen Gründen Postkarten gestaltet, die schnell und präzise Aufmerksamkeit erregen und erste Informationen liefern. Die Postkarten sowie ein im Corporate Design entwickeltes Poster und ein Flyer wurden auf Tagungen und Veranstaltungen genutzt. Insbesondere wurden sie aber dafür eingesetzt, um an den Partnerhochschulen auf die Kooperation aufmerksam zu machen. Für diesen Zweck wurden außerdem Folien für Informationsveranstaltungen an den jeweiligen Hochschulen in deutscher und englischer Sprache erstellt, die den Hochschulkoordinatorinnen bzw. koordinatoren zur Verfügung gestellt werden. 3. Zielgruppe: PartnerInnen und FörderInnen Interesse? Um das Lehrprogramm der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit weiterhin kostenfrei für Hochschulen und Studierende bereitzustellen, baut die Akademie gezielt Partnerschaften mit Unternehmen, Stiftungen und wissenschaftlichen Institutionen auf. Die Interessen potentieller Partnerinnen und Partner sowie Förderinnen und Förderer sind sehr heterogen. Anknüpfungspunkte für eine Partnerschaft können sein: das gemeinsame Interesse am Thema Nachhaltigkeit, der Fokus auf Hochschulbildung, Interesse am digitalen Lernangebot der Akademie, d.h. Lernen mit Videos, Interesse an der Hauptzielgruppe des Lehrangebots der Akademie, d.h. die Studierenden als Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von morgen. Informationskanäle: Um über Möglichkeiten von Partnerschaften mit der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit zu informieren, wurden zwei Partnerschaftsprogramme entwickelt, die in einer jeweils 8-seitigen Broschüre vorgestellt werden. Hierbei wurde eine Differenzierung zwischen Stiftungen und Unternehmen vorgenommen, da hier vor allem Potentiale für Partnerschaften gesehen werden und die Erfolgs- sowie Argumentationslogiken beider Zielgruppen unterschiedlich sind. Auch hier wurde für den Wiedererkennungswert auf das Corporate Design geachtet. Des Weiteren dient die Teilnahme an Fachtagungen und Konferenzen sowie die regelmäßige Präsenz in den Onlinemedien sowie Presseartikeln der Kontaktaufnahme zu weiteren potentiellen FördererInnen für die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit. 35

37 4.2 Pressearbeit U i s eso dere de Berei h der ear ed Media des Marketi gor hesters der Akade ie a zudecken, wurde zu allen wichtigen Ereignissen wie Auszeichnungen, neue Partnerschaften oder neue Lehrveranstaltungen Presseartikel herausgebracht und diese über das eigene Netzwerk, die Homepage sowie die Pressestelle der Universität Bremen veröffentlicht. Presseartikel zu Auszeichnungen oder neuen Fördergeldern wurden außerdem über den Informationsdienst Wissenschaft (idw) verbreitet und erfuhren dadurch eine hohe Aufmerksamkeit. Vielfach wurden von bestehenden PartnerInnen., aktiven BloggerInnen und Institutionen aus dem Netzwerk relevante Neuigkeiten über die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit aufgegriffen und veröffentlicht. Durch Internetrecherchen stellte sich ebenfalls heraus, dass eine Vielzahl von Beiträgen zur Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit verfasst wurden. So sind momentan ca Einträge über die Google-Suche zu finden. 4.3 Der Spagat zwischen Realität und Virtualität Auch wenn das Hauptangebot der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit rein virtuell besteht, wurde ersichtlich, dass zur Bindung der Zielgruppen und zum Ausbau dieser nicht nur der virtuelle Weg genutzt werden kann. Die Teilnahme an Vorträgen, Tagungen und Seminaren ist ein weiterer wichtiger Kommunikationskanal, um die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit interessierten Fachleuten und Hochschulverantwortlichen vorzustellen. Die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit war auf verschiedenen Veranstaltungen mit Posterpräsentationen oder eigenen Fachvorträgen vertreten. Um die eigene Sichtbarkeit noch mehr zu fördern, veranstaltete die Akademie 2013 zusammen mit der Arbeitsgruppe Hochschule und Nachhaltigkeit der UN-Dekade eine eigene Tagung in Bremen. Da die Studierenden für das Lehrangebot der Akademie keine direkten Lehrenden vor Ort haben, ist es für sie besonders wichtig, eine klare Kommunikation und eine hohe Erreichbarkeit seitens des Teams der Akademie zu erfahren. Dies ist zum einen über die Kommunikation über die Lernplattform möglich, zum anderen wurde eine adresse an die ein Ticket-System angeschlossen ist, so dass Anfragen schnellstmöglich von jeder Person des Teams der Akademie beantwortet werden kann. Im Projektverlauf stellte sich außerdem heraus, dass es nicht nur für die Vernetzung mit Hochschullehrenden, Hochschulen und PartnerInnenn wichtig ist, regelmäßig auf Konferenzen und Tagungen präsent zu sein, sondern auch für die Gruppe der Studierenden. Um diese noch neugieriger auf das Thema Nachhaltigkeit zu machen, wurden für diesen Anlass weitere Werbemittel in Form eines Kugelschreibers aus recyceltem Papier und kleine Blumensamentüten entwickelt. 36

38 4.4 Auszeichnungen und Wettbewerbe Die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit hat für ihre Bemühungen, das Thema Nachhaltigkeit in der Hochschullehre zu verankern und zu verbreiten, in der Projektlaufzeit mehrere Auszeichnungen erhalten. Sie wurde von der UNESCO-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung zuerst als Projekt (2012) und später als Maßnahme (2013) ausgezeichnet und gilt somit als eine der Leuchttürme, die den politisch-strategischen Anspruch haben, die Bildungslandschaft auch über die UNESCO-Dekade hinaus dauerhaft zu prägen erhielt die Akademie durch den Rat für Nachhaltige Entwicklung die Auszeichnung als Werkstatt N Projekt und wurde damit als wichtiges Vorbild für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt, der nachhaltigen Gestaltung des sozialen Zusammenlebens und des Wirtschaftens herausgestellt nominierte der ZEIT WISSEN-Preis Mut zur Nachhaltigkeit die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit mit zwei weiteren Wettbewerbern in der Kategorie Wissen. Auch hier wurde das Engagement Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Hochschullandschaft zu verbreiten und verankern gewürdigt. 37

39 5. Begleituntersuchungen und Evaluationen 5.1 Evaluation des didaktischen Konzepts Das Lernformat der videobasierten Lehrveranstaltungen setzt auf reines Distance Learning und stellt an Studierende andere Anforderungen beim Lernen und an Lehrende eine Anpassung der Lehre an das Medium Lernvideo. Beides wurde im Projektverlauf evaluiert Erhebung (1) Im Februar 2012 wurde Prof. Dr. Michael Kerres, Professor für Mediendidaktik und Wissensmanagement an der Universität Duisburg-Essen, eingeladen, das didaktische Konzept der videobasierten Lehrveranstaltungen im Hinblick auf die Studierfreundlichkeit zu evaluieren. (2) Lernvideos im Studio vor einer Kamera aufzunehmen, ist für viele Lehrende noch ungewohnt. Anders als bei Seminaren oder Vorlesungen bringen der Dreh einer Veranstaltung einige neue und vielleicht auch vorher gar nicht bedachte Herausforderungen mit sich: Wie stelle ich mich zu meinen Folien, wie bewege ich mich vor der Kamera oder welche Kleidung ist vorteilhaft? Mit Hilfe der Psycholinguistin und Kommunikationstrainerin Barbara Greese wurden Coachingvideos erstellt, die den Lehrenden bei der Vorbereitung auf die Arbeit im Studio helfen sollen Ergebnisse Zu (1): Als Experte für Mediendidaktik kam Prof. Kerres nach der Analyse des Lehrangebots zum Ergebnis, dass das entwickelte Konzept sehr gelungen scheint, um ein breites Publikum an Studierenden zu übergreifenden Studienthemen anzusprechen. Die Lernvideos haben einen logischen und didaktisch sinnvollen Aufbau. Sie sind technisch sehr gut umgesetzt und wirken in ihrer Struktur und Länge professionell. Er verweist auf die hohe technische Qualität des Drehens im Studio und den damit einhergehenden möglichen Nachteil einer fehlende Spontanität. Prof. Kerres entwickelte in einem Workshop mit dem Team der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit Maßnahmen, um den Lernprozess für die Studierenden noch zu unterstützen. Er veranschaulichte, dass begabte und leistungsfähige Studierende mit dem vorliegenden Lernformat zurecht kämen, verwies aber darauf hin, dass zunehmend zu beobachten sei, dass Studierende nicht über ausreichend Selbstlernfähigkeiten verfügten, um sich die Inhalte der Lernvideos anzueignen. Hier konnten praktikable und wirksame Maßnahmen abgeleitet werden, um den Lernprozess zu unterstützen. 38

40 Abgeleitete Maßnahmen aus der Evaluation mit Prof. Kerres: 1. Klare Ler e pfehlu g ausspre he : Mit ei e 5-Punkte-Ar eitspla wird den Studierenden auf der Lernplattform und per aufgezeigt, wie man erfolgreich mit den Lernvideos lernt. 2. Entwicklung eines Lernbegleitheft: Um den eigenen Lernprozess besser zu strukturieren und zu monitoren, wurde für jede Lehrveranstaltung ein Lernbegleitheft entwickelt. Dieses können sich die Studierenden kostenlos über die Lernplattform herunterladen und darin digital oder in ausgedruckter Form den Verlauf des eigenen Lernprozesses beobachten. Jede der Lehrveranstaltungen hat zwischen Lernvideos, die es konzentriert unter Verwendung der Folien durchzuarbeiten gilt. Um offene Fragen oder Nacharbeitungsbedarf nicht aus den Augen zu verlieren und sich den Lernumfang zu veranschaulichen, kann das Lernbegleitheft helfen. 3. Mit dem Selbstlerntest den eigenen Lernfortschritt überprüfen: Quizze erfreuen sich im MOOCs-Kontext einer großen Beliebtheit. Beim Lernangebot der Akademie haben die Sel stler tests e iger ei e Ga e-charakter. Sie ilde iel ehr ei e digitale Vorbereitung auf die elektronische Prüfungsform, die eklausur und dienen der Überprüfung des eigenen Lernfortschritts durch ein digitales Medium. 4. Checkliste zur Prüfungsvorbereitung: Die Checkliste dient einer systematischen Vorbereitung auf die elektronische Prüfung und berücksichtigt sowohl die inhaltliche Vorbereitung als auch das Vertrautmachen mit der Prüfungssoftware und den Fragetypen durch die Nutzung einer Demoprüfung. Es wird auch explizit dazu angeregt, sich bei Fragen an das Betreuungsteam der Akademie zu wenden. Zu (2): Basierend auf den Erfahrungen von Frau Greese im Coaching von Hochschullehrenden10 und den Rückmeldungen von Lehrenden aus Drehsituationen konnte ein Vorbereitungskonzept für das Erstellung von Lernvideos für Lehrende entwickelt werden. In sechs kleinen Clips wird der Lehrende auf verschiedene Anforderungen vorbereitet. 10 Referenzen sind einzusehen unter: 39

41 Abbildung 9: Einführungsvideo für das Coaching Das Einführungsvideo ist frei zugänglich über die Webseite der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit, der Link zu den weiterführenden Videos wird den Lehrenden per Mail zugesandt. Die Schwerpunkte der Clips befassen sich mit den folgenden Themen: 1. Kamera Wie wirke ich vor der Kamera? Wie stehe 2. Kontakt Wie baue ich mit dem Medium Video Kontakt zu meinem Publikum auf? 3. Folien Wie beziehe ich die Folien in der besonderen Studiosituation aktiv in den Vortrag ein? 4. Lampenfieber Wie gehe ich mit Lampenfieber vor der Kamera um? 5. Kleidung Welche Kleidung ist vorteilhaft für die Videoaufnahmen? 6. Sprechen Wie bereite ich mich sprachlich auf den Dreh vor? Die Coachingvideos bauen im Vorfeld Ängste ab, da die Lehrenden sich ein erstes Bild von der Situation im Studio machen können. Frau Greese gibt praktische Anregungen und demonstriert diese im selbigen Format, was eine hohe Überzeugungskraft mit sich bringt. 40

42 5.1.3 Schlussfolgerungen und Bedarfe Die externen Evaluationen zum Lernformat und zur Vorbereitung der Lehrenden haben wertvolle Impulse und konkrete Anregungen zur Verbesserung des Lehrangebots der Akademie gegeben. Diese konnten aufgegriffen, umgesetzt und in den operativen Ablauf der Akademie integriert werden. Zudem wurde das Team der Akademie für die Belange der Studierenden und der Lehrenden grundsätzlich sensibilisiert, was die weitere Arbeit mit beiden Zielgruppen unterstützt. 5.2 Finanzierungsmodelle Für die weiterführende Finanzierung des Projektes sowie die verschiedenen Ausgestaltungsmöglichkeiten wurden innerhalb der Projektlaufzeit mehre Evaluationen durchgeführt wurde mittels einer Benchmark Studie zum Sponsoring im Bereich Nachhaltige Entwicklung und einer systemischen Organisationsberatung eine erste Bestandsaufnahme zu möglichen Finanzierungsformen der Akademie durchgeführt. In diesem Jahr fanden ebenfalls mehrere Workshops mit der Fundraising und Kommunikationsagentur probono Berlin statt. Hintergrund dieser Workshops war die Frage nach der Akzeptanz verschiedener Finanzierungspartner sowie die Kommunikationsstrategie für jeden dieser Partner Erhebung Für die Benchmark Studie wurden mittels Internetrecherche ähnliche Einrichtungen und Projekte wie die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit betrachtet und dabei insbesondere ein Fokus auf deren Finanzierungsmodell und nach Möglichkeit die öffentliche Wahrnehmung dieser Finanzierung gelegt. Analysiert wurden dabei schlussendlich acht verschiedene Projekte. Ziel der ebenfalls durchgeführten systemischen Organisationsberatung war es, das System Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit zu visualisieren und verschiedene Versionen einer finanziellen Weiterführung des Projekts aufzustellen. Als potenzielle Geldgeber wurden dabei die Politik, Unternehmen und Stiftungen, aber auch Hochschulen und die Heimatuniversität Bremen betrachtet. Innerhalb der mit der probono Berlin GmbH durchgeführten Workshops wurden verschiedene Kommunikationsstrategien für die verschiedenen potenziellen Finanzierer wie Unternehmen und Stiftungen diskutiert und erstellt. Parallel wurde eine Umfrage mit Studierenden der Virtueleln Akademie Nachhaltigkeit sowie den AkademiekoordinatorInnen zur Akzeptanz von privatwirtschaftlichem Sponsoring der Akademie erhoben. 41

43 5.2.2 Ergebnisse Die Benchmark Studie ergab, dass etwas mehr als die Hälfte der betrachteten Projekte und Institutionen privatwirtschaftlich finanziert wird, wobei in diesen Fällen die Sponsoren einen engen inhaltlichen Bezug zum finanzierten Projekt aufweisen. Dies gilt auch, wenn es mehr als nur einen finanziellen Unterstützer gibt. Die Recherche kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass bei privatwirtschaftlichem Sponsoring insbesondere die Transparenz der Kooperation wichtig ist, da sonst schnell Korruptionsverdachte oder Greenwashing-Vorwürfe auftreten. Es wird dabei ebenso der Eindruck erweckt, dass zweckgebundene Mittel, wie die Finanzierung eines Gebäudes oder Technik, eher legitimiert wird. Im Allgemeinen wird die Nennung des Sponsors eher zurückhaltend getätigt. So finden sich zwar der Name und das Logo oft auf dem Internetauftritt wieder, eine dauerhafte Präsenz zum Beispiel durch die Nennung in Werbematerial oder Präsentationen findet seltener statt. Die systemische Organisationsberatung zeigte zum einen auf, dass die politische Rahmung des Projektes wichtig ist für die Finanzierung sowie für die Wahrnehmung der Akademie. Eine Finanzierung durch Unternehmen wurde innerhalb der Aufstellung als momentan ungeeignet wahrgenommen und eher als zukünftige Möglichkeit gesehen. Es wird als schwierig angesehen, dass ein Unternehmen für die Finanzierung auch Wertschätzung erfahren will und sich deshalb bei der Unterstützung zurückhält. Auch die Finanzierung durch Hochschulen stellt sich als schwierig dar, sie sehen sich nicht in der Verantwortung für das zusätzliche Lehrangebot zu bezahlen. Der Unterstützung durch Stiftungen wird hingegen in der Wahrnehmung eine wichtige Rolle zugeteilt, die auch noch wächst, wenn die politische Verankerung und Unterstützung hinzukommt. Aus der Umfrage zu privatwirtschaftlichem Sponsoring und der Markenwahrnehmung der Akademie unter Studierenden und Akademiekoordinatoren zeigte sich ganz deutlich, dass es viele Vorbehalte gegenüber unternehmerischer Finanzierung gibt. Insbesondere wenn es um ein politisch diskutiertes und für Unternehmen oft auch unangenehmes Thema wie Nachhaltigkeit geht. Auch hier ist die Befürchtung eines Greenwashings oder das Diktieren von Lehrinhalten als Gefahr aufgeführt. Diese Einstellung wird bei den Befragten abgemildert, wenn in einem frei zugänglichen Sponsoringvertrag die Unabhängigkeit im Inhalt und der Verbot von Werbung geregelt ist. Zu einem großen Teil wird dann von Studierenden sowie Akademiekoordinatoren das Sponsoring ohne inhaltliche Bezüge (also zum Beispiel Sachmittel) als legitim angesehen. Diese Ansicht ändert sich allerdings, wenn es um die Finanzierung mit inhaltlichen Bezügen (zum Beispiel eine Lehrveranstaltung zum Thema Energie finanziert durch ein Energieunternehmen) trotz Unabhängigkeitserklärung geht. Die Akzeptanz des Sponsorings schrumpft. 42

44 Abbildung 10: Akzeptanz von Sponsoring ohne inhaltlichen Einfluss Wie auch schon in der Benchmarkstudie wird ebenfalls in der Befragung ersichtlich, dass privatwirtschaftliche Finanzierung zurückhaltend kommuniziert werden sollte. Werbung an der Hochschule, Nennung des Sponsors bei Veranstaltungen und Nennung der Finanzierung des Projekts seitens des Sponsors wird eher negativ gesehen. Bei der Frage Würde Sie ei Bildu gsa gebot im Bereich Nachhaltigkeit nutzen, das von privaten Unternehmen gesponsert ist? Fiele die A t orte ie i der folge de A ildu g aus. Abbildung 11: Teilnahme an gesponserten Bildungsangeboten 43

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