Sicherheit und Wohlbefinden in der Grundschule keine Frage des Standortes. Unfallkasse Berlin

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1 Sicherheit und Wohlbefinden in der Grundschule keine Frage des Standortes Unfallkasse Berlin

2 Das Projekt SiWoGS Sicherheit und Wohlbefinden in Grundschulen wurde in den Jahren bis 4 durchgeführt. Beteiligte waren: W. Preibusch, Landesinstitut für Schule und Medien in Berlin in Zusammenarbeit mit B. Bachmann B. Fliß, Senatsverwaltung für Bildung Jugend und Sport in Berlin H. Geitner, Unfallkasse Berlin Impressum Herausgeber: Unfallkasse Berlin (6) Verantwortlich: Wolfgang Atzler Autorin: Carla Rodewald Die zusammenfassende Darstellung der Untersuchungsergebnisse in dieser Broschüre hat den zweiteiligen Bericht von PREIBUSCH, W.; BACHMANN, B.; und GEITNER, H. als Grundlage.

3 Unfallkasse Berlin Vorbemerkungen In Grundschulen kommt es vor allem in den Schulpausen immer wieder zu Unfällen. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Neben objektiv vorhandenen Unfallquellen (z.b. Stolperstellen, Absturzgefahren, Verletzungsgefahren an Klettergerüsten o.a.) spielt auch das soziale Klima an der Schule eine wichtige Rolle. Jeder Schüler und jede Schülerin ist in Deutschland während des Schulbesuches gegen Körperschäden versichert. Dafür sorgt die gesetzliche Unfallversicherung. In Berlin ist das die Unfallkasse Berlin. Nach Eintritt einer Verletzung übernimmt sie die Kosten für die Heilbehandlung und weitere Leistungen. Ein anderer wesentlicher Schwerpunkt der Arbeit der Unfallkasse besteht darin, mit allen geeigneten Mitteln dafür zu sorgen, dass Unfälle reduziert werden bzw. gar nicht erst passieren. Vor diesem Hintergrund wurde das Projekt Sicherheit und Wohlbefinden an Grundschulen (SiWoGS) durchgeführt. Beteiligte waren die Berliner Senatsverwaltung für Bildung Jugend und Sport, das Landesinstitut für Schule und Medien und die Unfallkasse Berlin. Betrachtet wurden Zusammenhänge zwischen Aktivitäten und Projekten, die in den Schulen zusätzlich zum Unterrichtsbetrieb durchgeführt wurden, der sozialen Struktur des Einzugsgebietes und dem Unfallgeschehen. Dazu wurden umfangreiche Datenerhebungen an Berliner Grundschulen durchgeführt. Die statistische Auswertung erfolgte durch das Landesinstitut für Schule und Medien in Berlin (LISUM). Die vorliegende Broschüre enthält eine Beschreibung des Untersuchungsdesigns und eine Zusammenfassung der vor allem für die schulische Praxis interessanten Ergebnisse und Schlussfolgerungen. Weitere Ergebnisse des Datenmaterials, Tabellenübersichten und Erläuterungen sind in den vom LISUM angefertigten Berichten detailliert nachlesbar und können bei Bedarf und Interesse in der Unfallkasse Berlin eingesehen bzw. im Einzelfall auch bestellt werden.

4 Inhalt. Ziel des Projektes SiWoGS 5. Welche Daten wurden erhoben und einbezogen? 5.. Befragung von Schulleitungen und Lehrkräften 5.. Ermittlung der Unfallquote 7.. Zuordnung des Sozialstrukturindex 7.4. Schülerbefragung und Schulhofbesichtigung 7.5. Auswertung von Schulverzeichnissen 8. Erhebungsumfang 8 4. Ergebnisse und Zusammenhänge Unfallquote und Sozialstruktur Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler 4.. Sozialstruktur und Wohlbefinden Wohlbefinden und Unfallquote Schulhofveränderungen, Wohlbefinden und Unfallquote 8 5. Günstige Unfallquoten trotz ungünstiger Sozialstruktur Was machen diese Schulen? 5.. Suche nach besonderen Merkmalen Methodik 5.. Schulen mit Problemlösekompetenz 6. Erfolgsfaktoren für Schul(hof)konzepte 6 Anlage : Die Initiative Grün macht Schule in Berlin 8 Anlage : Ergebnisübersicht der Clusteranalyse 9 4

5 Unfallkasse Berlin. Die Zielstellung des Projektes SiWoGS Im Jahr passierten 4 Prozent aller gemeldeten Unfälle aus Grundschulen in den Pausen. Im Projekt SiWoGS sollte u. a. ermittelt werden, ob und unter welchen Voraussetzungen die Planung und Durchführung von Projekten, wie z.b. eine Schulhofumgestaltung nach dem Konzept von Grün macht Schule (vgl. Anlage ), die Unfallhäufigkeit an Grundschulen günstig beeinflussen kann und welche weiteren Faktoren dabei eine Rolle spielen. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf der Veränderung des Schulhofes selbst und auf sozialen Prozessen, die dadurch in Gang gekommen sind. Haben diese einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler und die soziale Atmosphäre in der Schule? Reduziert sich das Unfallgeschehen? Besondere Berücksichtigung fand darüber hinaus auch die Sozialstruktur des jeweiligen Einzugsgebietes der Schule.. Welche Daten wurden erhoben und einbezogen?. Befragung von Schulleitungen und Lehrkräften Im Jahr erhielten alle Berliner Grundschulen einen Fragebogen zum Thema Schulhofsituation. Dieser umfasste 4 Fragen und hatte im Wesentlichen zwei Teile. Im ersten Teil ging es ausschließlich um den Schulhof. Im zweiten Teil wurden Merkmale, Aktivitäten und Daten erfragt, mit denen der Faktor Sozialklima beschrieben werden sollte. Erfasst wurde unter anderem, ob es in der Schule unter Beteiligung von Eltern, Schülerinnen und Schülern Projekte gab, die zusätzlich zum Unterricht und zu Lehrplänen laufen (partizipative Projekte; siehe Kasten). Beantwortet wurde der Fragebogen von Schulleitungen, Konrektorinnen bzw. Konrektoren oder beauftragten Lehrkräften. Merkmale/Kriterien für partizipative Projekte (Die Mehrheit dieser Merkmale/Kriterien sollte erfüllt sein): Das Projekt gehört nicht zum Pflichtkatalog der Schule. Initiatoren sind Eltern, Schülerinnen, Schüler oder Lehrkräfte. Es sind Personen oder Firmen beteiligt, die nicht zur Schule gehören. Das Projekt ist für jedes Schulmitglied offen. Das Projekt umfasst Initiierung, Planung, Diskussion, Konzeptionierung, Ausführung und Bewahrung des Vorhabens. Das Projekt dient nicht ausschließlich der individuellen Qualifizierung, wie z.b. Sprachkurse, Fertigkeitenausbildung usw. Es erfolgen keine Bewertungen innerhalb der Projektarbeit (Rangbildung, Benotung). Das Projekt ist in der Regel eine gemeinnützige, solidarische und ökonomische Einheit, die über eine schulassoziierte Instanz betrieben und kontrolliert wird (z. B. Schulförderverein). B. Schulförderverein). 5

6 Aus dem Inhalt des Fragebogens (gekürzt): - Würden Sie die Situation auf Ihrem Schulhof so bewerten, dass sie im wesentlichen als befriedigend anzusehen ist, oder haben Sie und andere schon oft gefunden, dass der Schulhof nicht so bleiben sollte wie bisher? - Wird der Schulhof während der Unterrichtszeit nur von den eigenen Schülerinnen und Schülern benutzt oder benutzen ihn auch Schüler/Kinder anderer Einrichtungen? - Wurden in den letzten Jahren Schulhofveränderungen durchgeführt? - Wenn ja, o welche Veränderungen erfolgten? (Vergrößerung/ Verkleinerung des Schulhofes, Entsiegelung der Fläche, Geländemodulation, Schaffung von Spielmöglichkeiten mit Sand, Ton, Lehm, Wasser, Feuer, Baumaterialien) o was wurde errichtet? (z.b. Tischtennisplatten, Klettergerüste, Sportgeräte, -Meter-Bahn, Ballspieltore, Sprunggrube, Wippe, Rutsche, Bänke) o was wurde neu angepflanzt? (Sträucher, Bäume, begehbarer/ nicht begehbarer) Rasen o von wem ging die Initiative der Veränderungen aus? (Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte, Schulleitung...) o wer war an der Planung g und Ausführung g der Schulhofumgestaltung g g beteiligt? g (z. B. Schulleitung, Lehrkräfte, Schüler, Eltern, Schulamt, Naturschutz- und Grünflächenamt, AG Grün macht Schule, Projekt Erlebnisräume u.a. u.a. )) o welche Arbeiten wurden im Rahmen der Umgestaltungsmaßnahmen von Schülern durchgeführt? - Gibt es an der Schule... o eine Cafeteria, die nicht von einer gewerblichen Firma betrieben wird? o einen Schülerclub, und womit befasst er sich? o eine Werkstatt (nicht Werkräume) in denen Schüler tätig sein können? (welchen Welchen Arbeiten und Vorhaben dient diese Werkstatt?) o einen Förderverein, und wer kann Mitglied sein? - Ist die Schule in außerschulischen Engagements dauerhaft tätig (z.b. Patenschaften für Heime, Dritte-Welt-Laden u.ä.)? - Werden Patenschaften mit ausländischen Schulen, die über den Korrespondenzaustausch hinausgehen, gepflegt? - Nimmt die Schule an Wettbewerben teil? - Hat die Schule ein inhaltliches Schulprofil? - Nimmt die Schule an Programmen mit pädagogischen Zielsetzungen teil, wie z.b. Gesunde Schule, Gewaltfreie Schulkultur u.ä.? 6

7 Unfallkasse Berlin - Gibt es an der Schule o einen Hausaufgaben-Zirkel und wer betreut die Schüler dabei (Eltern, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, ABM-Kräfte u.a.)? o Freizeiträume, die von Schülerinnen, Schülern und Eltern für verschiedene eigenverantwortliche Aktivitäten genutzt werden können? - Werden an der Schule Schulfeste gefeiert? Sind diese auch für Schulfremde geöffnet? - Gab es an der Schule Schulrenovierungen/Umbauten/größere Reparaturen, die in eigener Regie diskutiert, geplant und realisiert wurden? - Wann wurde die Schule gebaut? - Gibt es an der Schule partizipative Projekte? Abb. : Fragebogen für die Schulleitung bzw. Lehrkräfte.. Ermittlung der Unfallquote Für jede beteiligte Schule wurden Unfallquoten errechnet. Grundlage dafür waren die gemeldeten Unfälle der letzten Schuljahre. Um eine Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen Schulen die ja unterschiedliche Schülerzahlen haben zu gewährleisten, wurde pro Schule die so genannte Tausendschülerquote (TSQ) ermittelt. Dieser Wert zeigt an, wie viele Unfälle es bezogen auf Schülerinnen und Schüler im Betrachtungszeitraum (hier: Schuljahr) gab... Zuordnung des Sozialstrukturindex (SSI) Menschen, die in einer bestimmten Region leben, bestimmen die Sozialstruktur dieser Region. Der Sozialstrukturindex (SSI) ist eine geeignete Zusammenfassung von mehreren, soziale Belastungen anzeigenden Variablen zu einem Wert. Dieser beschreibt die räumliche Verteilung sozialer Unterschiede in einem Gebiet. In Berlin wird von der Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz in Zusammenarbeit mit der TU regelmäßig ein Sozialstrukturatlas herausgegeben. Schlüsselindikatoren für den Sozialstrukturindex sind z. B. Arbeitslosigkeit, Sozialhilfebezug, Lebenserwartung, vorzeitige Sterblichkeit, Bildungs- und Ausbildungsstruktur, Einkommenslage und demographische Indikatoren. Für eine kleinräumige Analyse steht in Berlin das regionale Bezugssystem mit den entsprechenden Gliederungsebenen zur Verfügung. Danach ließ sich Berlin zum Zeitpunkt der Untersuchungen u.a. in Bezirke, Alt-Bezirke, 95 statistische Gebiete und 8 Verkehrszellen gliedern. Den meisten Schulen konnte auf dieser Grundlage der Sozialstrukturindex der Verkehrszelle des entsprechenden Einzugsgebietes zugeordnet werden. Schulen, die nicht in der Verkehrszelle ihres Einzugsgebietes liegen, wurden gesondert berücksichtigt. Zu diesen Grundschulen gehören vor allem die staatlichen Europaschulen, Privatschulen und in gewissem Umfang auch Schulen mit einem spezifischen Profil (z.b. musikbetonte Grundschulen). Hier versuchte man zusammen mit den Schulleitungen abzuschätzen, ob und inwieweit die Sozialstruktur der Schülerschaft der des Standorts entspricht, sie über- oder unterschreitet. Eine Schätzung der Schülerschaft-Sozialstruktur war nur in einigen wenigen Fällen nicht möglich..4 Schülerbefragung und Schulhofbesichtigung Die Ergebnisse der Befragungen von Schulleitungen und Lehrkräften ließen insgesamt noch keine eindeutigen Schlussfolgerungen zum Ein- 7

8 Gehst Du gern zur Schule? Bist Du in den großen Pausen gern auf Eurem Schulhof? Würdest Du lieber in eine andere Grundschule gehen? 4 Gibt es Mitschüler in der Klasse oder in der Schule, vor denen Du Angst hast? 5 Bist Du nach den Ferien froh, wenn die Schule wieder anfängt? 6 Ist Dir in der Schule schon einmal etwas gestohlen worden? 7 Hast Du vielleicht schon manchmal die Schule geschwänzt? 8 Freust Du Dich am Montag auf die Schule? 9 Wie ist es bei Dir überwiegend: Loben Dich die Lehrer eher für Deine Leistungen und Dein Benehmen o d e r finden sie Deine Leistungen und Dein Benehmen eher schlecht und schimpfen? Wenn Geld gesammelt würde, um die Schule zu verschönern, wie viel würdest Du spenden? Abb. : Inhalt des Schülerfragebogens fluss von Schulprojekten auf das Unfallgeschen zu. Aus diesem Grund erfolgten im Jahr zusätzliche Erhebungen. Jetzt sollten auch die Schülerinnen und Schüler zu Wort kommen und ihre Sicht zur Schulsituation erfasst und ausgewertet werden. Zu diesem Zweck wurde ein Fragebogen entwickelt, der mit zehn Fragen das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler und das Bindungsgefühl zur Schule messen sollte. Der Inhalt des Fragebogens ist in Abbildung dargestellt. Somit konnte erfasst werden, wie die Schülerinnen und Schüler ihr Aufenthaltsmilieu erleben, in dem sie viele Stunden des Tages verbringen. Zusätzlich erfolgte eine Schulhofbesichtigung, um den momentanen Zustand des Schulhofs einzuschätzen. Das war sehr wichtig, da Umgestaltungsprojekte teilweise sehr lange zurück lagen und auch nicht umgestaltete Schulhöfe durchaus attraktiv und wohlbefindensfördernd sein können. Die Besichtigung der Schulhöfe fand stets am selben Tag wie die Befragung der Schülerinnen und Schüler statt. Sie wurde während einer großen Pause durchgeführt, in der Regel in Begleitung einer Lehrkraft, eines Schulleitungsmitglieds oder des Hausmeisters. So konnten direkt Fragen gestellt und Unklarheiten beseitigt werden..5 Auswertung von Schulverzeichnissen Zur Ergänzung der erhobenen Daten wurden aktuelle Schulverzeichnisse ausgewertet. Dort konnten beispielsweise Angaben zum Vorhandensein von Fördervereinen, Arbeitsgemeinschaften, speziellen Projekten, Patenschaften usw. entnommen werden (vgl. Abschnitt 5., Abb. 8).. Erhebungsumfang Der Fragebogen für die Schulleitung und Lehrkräfte (vgl. Abschnitt.) wurde im Jahr an alle Berliner Grundschulen - sowohl öffentliche als auch private - verschickt. Der Rücklauf von 9 Prozent (45 Grundschulen) war sehr zufriedenstellend und bildete die Grundlage für die weiteren Untersuchungen. 8

9 Unfallkasse Berlin Schülerbefragung und Schulhofbesichtigung (Abschnitt.4) waren aus Gründen der Auswertbarkeit der Daten (vollständige Datensätze) nur an den Schulen sinnvoll, die sich bereits an der Befragung beteiligt haben. Die Tabelle gibt wieder, in welchem Umfang die 45 Grundschulen noch einmal erreicht werden konnten. Der Fragebogen wurde zwischen Mai und November bei knapp 8. Berliner Grundschülern in 55 Schulen eingesetzt. Gewählt wurde die Klassenstufe, die vor den großen Ferien die fünfte und nach den großen Ferien die sechste Klasse besuchte. Tabelle : Erhebungsumfang Untersuchungsstichprobe aus 45 es verblieben seitdem geschlossene oder aus objektiven Gründen nicht einbeziehbare Schulen 6 89 Schulen, deren Bereitschaft zur Kooperation mit dem Projekt aus verschiedenen Gründen nicht vorhanden war 9 6 Schulen, in denen die Erprobung des Schülerfragebogens erfolgte. In diesen Schulen wurde die Befragung der Schülerinnen und Schüler nicht wiederholt; es wurde lediglich die systematische Besichtigung der Schulhöfe durchgeführt Ergebnisse und Zusammenhänge Warum unterschiedliche Auswertungen zwischen Ost und West? Bei den Auswertungen wurde schon sehr zeitig festgestellt, dass es große Unterschiede zwischen den Ergebnissen der Erhebungen im Ostteil und im Westteil der Stadt gab. Als Ursache dafür kommen zum Beispiel die unterschiedlichen Anwesenheitszeiten der Schülerinnen und Schüler in der Schule in Betracht. Im Ostteil der Stadt gab es zum Zeitpunkt der Erhebung vermehrt Nachmittagsbetreuung und im Westteil Vorklassen, was die Unfallquoten wesentlich beeinflusst hat. Eine Vermischung der Ergebnisse der Stadtteilhälften hätte keine oder teilweise sogar irreführende Ergebnisse gebracht. Aus Gründen der sachlichen Differenziertheit erfolgten deshalb viele Ergebnisdarstellungen nach Ost und West getrennt. 4.. Unfallquote und Sozialstruktur Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Unfallquote einer Schule und der Sozialstruktur des Einzugsbereiches? Die Vermutung liegt nahe, dass zwischen der mittleren Unfallquote eines Bezirkes und deren Sozialstruktur ein Zusammenhang besteht. Eine systematische Berechnung ergab in der Tat einen statistisch relevanten Zusammenhang. Das heißt, je besser die mittlere Sozialstruktur eines Bezirkes, desto geringer die mittlere Unfallquote in den Grundschulen dieses Bezirkes. Dieses Ergebnis konnte insbesondere für die westlichen Bezirke statistisch abgesichert werden. Bezirkliche Ebene: westliche Bezirke: r s =,697; t =,74; p<.; eins. Hyp.; östliche Bezirke: r s =,9; t =,46; nicht signifikant 9

10 Um genauere Aussagen zu treffen, wurde in einem nächsten Schritt die Unfallquote der Schule (TSQ) dem Sozialstrukturindex (SSI) der entsprechenden Verkehrszelle gegenübergestellt. Somit war eine maximale Annäherung an die Einschulungsbereiche der Grundschulen erreicht. Entgegen den Erwartungen war der Zusammenhang hier wesentlich geringer. Um eine Momentaufnahme, insbesondere bezogen auf die markante Differenz zwischen den beiden Stadtteilhälften auszuschließen, wurden zusätzlich die letzten fünf Schuljahre betrachtet. Die Ergebnisse unterscheiden sich kaum voneinander. Die Abbildung zeigt den Zusammenhang zwischen dem Sozialstrukturindex (SSI) und der Unfallquote (TSQ) für das Schuljahr / als graphische Darstellung Tausendmannquote Tausendschülerquote / / Stadtteil Ost-Berlin West-Berlin 4 5 Sozialstrukturindex (SSI) Abb. : Verteilung der Berliner Grundschulen in Abhängigkeit von Unfallquote und Sozialstrukturindex Der SOZIALSTRUKTURATLAS gibt die Indizes als Werte mit einer Vorkommastelle zwischen -,... und +,... sowie vier Nachkommastellen an. Aus mehreren praktischen Gründen wurden alle Indizes wie folgt transformiert: (SSI + *., so dass jetzt alle Indizes zwischen und 5. variieren.

11 Unfallkasse Berlin Während sich die Schulen im Westteil der Stadt um eine von links nach rechts fallende Gerade (Regressionsgerade) ziemlich gleichmäßig streuend verteilen, zeigen die Schulen im Ostteil der Stadt eine Art tannenbaumförmige Verteilung. Die Unfallquoten erreichten dort / sehr hohe Werte, obwohl die Sozialstruktur wesentlich günstiger war als zum Beispiel in Kreuzberg, Wedding oder Teilen von Neukölln. Zur besseren Veranschaulichung reduziert sich in der Abbildung 4 der Punkteschwarm der Abbildung auf Mittelwertverläufe für die Stadthälften. Die SSI-Skala wurde hier in zehn gleiche Abschnitte (A bis K) eingeteilt. Die genaue Betrachtung der Abbildung weist erstmals auf schulindividuelle Unterschiede hin. Es wird deutlich, dass Schulen mit ungünstigen 5 5 TSQ 5 5 west ost Regressionsgerade (west) A B C D E F G H I K SSI Abb. 4: Unfallquote und Sozialstruktur (Schuljahr /), abschnittsweise mittlere TSQ TMQ (empirisch) und Regressionsgerade von SSI auf TSQ (nur westliche Bezirke) Die sehr hohen Steubreiten Streubreiten des TMQ TSQ im Ostteil der Stadt lassen keine gültige Regression zu.

12 Sozialstrukturen des Einzugsgebietes nicht automatisch die Schulen mit den höchsten Unfallquoten sind. Umgekehrt gibt es auch Schulen in sozial starken Gebieten, die hohe Unfallquoten aufweisen. Das bedeutet, eine ungünstige Sozialstruktur kann von einigen Schulen erfolgreich kompensiert werden und günstige Sozialstrukturen sind kein Garant für geringe Unfallquoten. 4. Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler Mit einem eigens für die Untersuchung entwickelten und gründlich erprobten Fragebogen (vgl. Abschnitt.4.) wurde ein Maß für das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler und die Bindung an die Schule ermittelt. Ziel war es, eine Variable zu erhalten, die unabhängig von der Sozialstruktur des Einzugsgebietes und möglicherweise auch von der Schulhofbeschaffenheit ist. Bei der Erarbeitung des Fragebogens war es unvermeidlich, Datenschutzbelange zu berücksichtigen. Das hatte zur Folge, dass für das Untersuchungsziel interessante Fragen, wie z.b.: Welche Note würdest Du Deiner Schule geben?; Was stört Dich an Deinen Lehrerinnen/Lehrern? / Ist Dein Lehrer/ Deine Lehrerin gerecht?; Sind Eure Toiletten immer sauber und mit Papier und Handtüchern ausgestattet? nicht gestellt werden durften. Es waren praktisch nur Fragen möglich, die eine subjektive Erlebnisresonanz auf die vertraute Schule betrafen. (vgl. Abschnitt.4, Abb. ). Die Tabelle zeigt den Anteil der Antworten, die Wohlbefinden anzeigen, die so genannten Scoringquoten für den Ostteil und den Westteil der Stadt. Sehr erfreulich ist, dass insgesamt ein hohes Wohlbefinden von Schülerinnen und Schülern an Berliner Grundschulen angegeben wird. In den westlichen Bezirken scoren die Fragen vier, fünf und acht deutlich höher, und in den östlichen Bezirken die Fragen zwei und sechs. Per saldo würde das heißen, dass in den westlichen Bezirken nach den Ferien und Wochenenden die Freude größer ist, die Schule wiederzusehen, als in den östlichen Bezirken. Angst vor Mitschülerinnen bzw. Mitschülern ist möglicherweise im Westeil der Stadt weniger verbreitet als im östlichen Teil. Der Schulhof erscheint den Schülern im Ostteil etwas attraktiver und wahrscheinlich wird weniger gestohlen. Auf der Grundlage von 8. Fünft-(Sechst-) Klässlern wurden Schülerindividualscores (SIW) und schulweise Mittelwerte zum Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler in der Schule und zur Bindung an ihre Schule (MWS) gebildet. Die Ergebnisse sind in den Tabellen und 4 dargestellt.

13 Unfallkasse Berlin Tabelle : Ergebnisse der Schülerbefragung 4 Antwort, die Wohlbefinden anzeigt %-Zahl der scorenden (Wohlbefinden anzeigenden) Antworten West Ost Gehst Du gern zur Schule? ja; überwiegend 8,4 79, ja Bist Du in den großen Pausen gern auf eher ja 86,8 9,5 Eurem Schulhof? Würdest Du lieber in eine andere nein 89,8 9,7 Grundschule gehen? 4 Gibt es Mitschüler in der Klasse oder in nein 84, 78,7 der Schule, vor denen Du Angst hat? 5 Bist Du nach den Ferien froh, wenn die ja 5,5 46, Schule wieder anfängt? 6 Ist Dir in der Schule schon einmal etwas nein 56,4 65, gestohlen worden? 7 Hast Du vielleicht schon manchmal die nein 94,4 94, Schule geschwänzt? 8 Freust Du Dich am Montag auf die ja 47, 4,7 Schule? 9 Wie ist es bei Dir überwiegend: Loben mehr gelobt 8,5 78,5 Dich die Lehrer eher für Deine Leistungen und Dein Benehmen oder finden sie Deine Leistungen und Dein Benehmen eher schlecht und schimpfen? Wenn Geld gesammelt würde, um die Schule zu verschönern, wie viel würdest Du spenden? Euro und mehr 8,7 8,

14 Tabelle : Stadthälftenvergleich Wohlbefinden (Schülerindividualscores SIW, Mittelwert der Schüler insgesamt) Stadthälfte Anzahl verwertbarer Schülerantworten (N) Mittlerer Score (Wohlbefinden) Standardabweichung - kein Wohlbefinden - hohes Wohlbefinden West.44 7,56,8 Ost 5.8 7,47,8 Tabelle 4: Stadthälftenvergleich Wohlbefinden (schulweise Mittelwerte MWS) Stadthälfte Anzahl der Schulen, Mittlerer Score (MWS) Standardabweichung die einbezogen werden konnten (N) - kein Wohlbefinden - höchstes Wohlbefinden West 9 7,58,5 Ost 7,54,6 4. Sozialstruktur und Wohlbefinden Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Sozialstruktur des Einzugsgebietes einer Schule und dem Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler? Die Abbildung 5 zeigt den Zusammenhang zwischen Sozialstruktur (SSI) und mittlerem Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler (MWS). Die Grafik zeigt, dass es hier keinen eindeutigen Zusammenhang gibt. Das heißt: Schülerinnen und Schüler einer Schule in einem sozialstrukturell ungünstigen Umfeld tendieren nicht automatisch dazu, sich in ihrer Schule weniger wohl zu fühlen als Schülerinnen und Schüler einer Schule in günstigem Umfeld! Gleichgültig, wie die Sozialstruktur im Umfeld einer Schule ist, so kann das Wohlbefinden gute oder weniger gute Werte annehmen. 4

15 Unfallkasse Berlin 5 4 Sozialstrukturindex (SSI) Stadtteil Ost-Berlin West-Berlin 5,5 6, 6,5 7, 7,5 8, 8,5 9, 9,5 mittleres Wohlbefinden d. Schüler (MWS) Abb.5: Zusammenhang Sozialstrukturindex und mittleres Wohlbefinden 5

16 Die Schlussfolgerung hieraus ist von großer Bedeutung: Der Sozialstrukturindex (SSI) des Einzugsgebietes einer Schule ist sozusagen schicksalhaft und unbeeinflussbar. Unabhängig vom SSI aber sicherlich abhängig von schulinternen Gegebenheiten, die es im Einzelnen noch zu ermitteln gilt, kann ein Schulmilieu entstehen, das als weniger erfreulich, durchschnittlich angenehm oder sehr angenehm empfunden wird. Schulen mit hohen Werten für das Wohlbefinden können dies als Frucht ihrer Bemühungen betrachten, gerade auch dann, wenn der SSI ungünstig ist. Unter diesem Gesichtspunkt sind die Ergebnisse für Kreuzberg (alte Bezirkseinteilung) besonders bemerkenswert. In diesem, bezüglich des Sozialstrukturindex sehr belasteten Bezirk, wurden an 6 von Schulen besonders hohe MWS-Werte (>8.) gefunden. Das macht deutlich, dass Schulen Chancen und Möglichkeiten haben, äußeren und unbeeinflussbaren Gegebenheiten wirkungsvoll entgegenzusteuern. 4.4 Wohlbefinden und Unfallquote Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler einer Schule und der Unfallquote? Die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen Wohlbefinden und Unfallquote gibt, war im Rahmen des Projektes besonders interessant. Die Abbildung 6 zeigt zunächst das Unfallgeschehen an Berliner Schulen vom Schuljahr 995/996 bis /, gesondert nach östlichen und westlichen Bezirken. Der Zusammenhang zwischen Unfallquote und Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler wurde für drei Jahre untersucht. Einbezogen wurden folgende Schuljahre: Schuljahr / (das Jahr der Befragung der Schulleitungen) Schuljahr /und das Schuljahr / (das Schuljahr der Nacherhebung in den sechsten Klassen). 5 TSQ 5 5 Bln.-w. Bln.-o. 995/96 996/97 997/98 998/99 999/ / / / Abb.6: Entwicklung der Unfallquoten in Berlin West und Ost 6

17 Unfallkasse Berlin Die Betrachtung von mehreren Jahren hatte vor allem zwei Gründe. Auf diese Weise ließen sich einerseits Zufallsergebnisse herausfiltern, zum anderen und dies ist der Hauptgrund muss davon ausgegangen werden, dass bei jeder sich über längere Zeit hinziehenden Untersuchung Veränderungen stattfinden, die durch diese selbst ausgelöst werden (experimenter effects). Die Tabelle 5 zeigt den Zusammenhang zwischen Unfallquote (TSQ) und mittlerem Wohlbefinden (MWS) der Schülerinnen und Schüler über die drei Schuljahre. Tabelle 5: Zusammenhang zwischen Unfallquote (TSQ) und Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler (MWS) über drei Schuljahre Schuljahr Korrelationskoeffizienten nach Stadtteilen westliche Bezirke östliche Bezirke /. kein signifikanter Zusammenhang. kein signifikanter Zusammenhang /.9 kein signifikanter Zusammenhang -.8 *) signifikanter Zusammenhang (d.h. mehr Wohlbefinden, weniger Unfälle) /.4 kein signifikanter Zusammenhang -. *) signifikanter Zusammenhang (d.h. mehr Wohlbefinden, weniger Unfälle).*) Die Korrelation ist signifikant, p< 5%, bei zweiseitiger Hypothese Während für die westlichen Bezirke nicht signifikante Korrelationen zwischen TSQ und MWS anfallen, nimmt dieser Zusammenhang für die östlichen Bezirke deutlich und signifikant zu (für / wird fast ein -%-Signifikanzniveau erreicht, p =,7 %.). Für die östlichen Bezirke heißt das: Je größer das Wohlbefinden, desto geringer fällt die Unfallquote aus. Wie kommt es zu diesen Entwicklungen? Ein Blick auf die Unfallquoten in den beiden Stadthälften (Abbildung 6) verdeutlicht noch einmal, dass die Anzahl der Unfälle in den östlichen Bezirken insgesamt auf einem höheren Niveau liegt (mehr gemeldete Unfälle), aber insbesondere in den Untersuchungsjahren markanter gesunken ist als in den westlichen Bezirken. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass insbesondere in den östlichen Bezirken ein Wandel eingetreten ist, der in einem facettenreichen Sichverbessern der Situation an einzelnen konkreten Schulen besteht. Beispiele dafür sind die Verbesserung des Bauzustands der Schulen; der Beseitigung bekannter Unfallrisiken (glatte Böden, unsichere Treppen, lose Bodenplatten etc.); die Verbesserung des Schulhofzustandes, nicht nur wo die Initiative Grün macht Schule ins Spiel kommt; Veränderungen im pädagogischen Konzept. 7

18 Für Schulhofentwicklungen bestand an den östlichen Grundschulen mehr Spielraum als in den westlichen Grundschulen. Diese positiven Entwicklungen müssen sich im Erleben der Schülerinnen und Schüler niederschlagen, denn sonst blieben das Erleben von Wohlbefinden und objektiv unfallmindernde Verbesserungen ebenso unkorreliert wie an den Schulen der westlichen Bezirke. Verbesserungen, auch und gerade unfallrelevante, erreichen also durchaus das Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler als Erleben von Wohlbefinden und Bindung an ihre Schule. 4.5 Schulhofveränderungen, Wohlbefinden und Unfallquote Gibt es einen Zusammenhang zwischen Schulhofveränderungen, Wohlbefinden und Unfallquote? Im Rahmen der Auswertungen wurde u.a. der Frage nachgegangen, inwieweit eine Schulhofveränderung das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler beeinflussen kann. Dazu wurden die Schulhofveränderungen detailliert betrachtet, denn sie sind, soweit sie seit 985 (Westbezirke) bzw. 99 (Ostbezirke) stattgefunden haben, auf höchst unterschiedliche Weisen abgelaufen. Die Variation der Unfallquoten bei bzw. ohne Schulhofveränderungen wurde im Projekt durch eine große Zahl von Sortierungen der Schulen überprüft. Sortierungen waren z.b.: (a) Schulhof wurde ab Stichjahr verändert. Eltern und Schüler waren sowohl bei der Planung als auch bei der baulichen Ausführung beteiligt. (Schülerinnen und Schüler haben dabei mehr als zwei Arbeiten erledigt) (b) Schulhof wurde ab Stichjahr verändert. Eltern und Schüler waren nicht bzw. teilweise beteiligt (d) Partizipative Projekte waren vorhanden, Schulhofsituation wurde nicht berücksichtigt (e) Schulen unterhielten eine Cafeteria, Werkstatt, Hausaufgaben-Zirkel und Freizeiträume. Schulhofsituation wurde nicht berücksichtigt (f) Schulhof wurde in irgendeiner Weise verändert (f) Schulhof wurde nicht verändert (g) Schulhofveränderung erfolgte unter Beteiligung von Grün macht Schule oder ähnlichen Partnern (g) Schulhofveränderung erfolgte ohne Beteiligung von Grün macht Schule oder ähnlichen Partnern Die Tabelle 6 zeigt das mittlere durchschnittliche Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler bezogen auf die jeweilige Sortierung für den Ostteil und den Westteil der Stadt mit der entsprechenden Standardabweichung und der Anzahl der Schulen, die dieser Sortierung zugeordnet werden können. Mehrfachzuordnungen waren dabei möglich. In der Abbildung 7 sind die Ergebnisse grafisch dargestellt. Sie zeigt, dass alle Kurven ähnlich verlaufen, außer die Kurve e, die sich gegen den Berliner Trend der TSQ bewegt. Wie allerdings aus der Tabelle 6 ersichtlich ist, liegt dem Verlauf (e) eine sehr geringe empirische Basis zugrunde. Dennoch geht es hier nicht nur um einen aus der Luft gegriffenen Denk- und eventuellen Handlungsansatz. Diese drei Schulen haben sich für Projekte und Fürsorgemaßnahmen entschieden, sie realisiert und damit handelnd auf wahrgenommene Probleme ihrer Schülerinnen und Schüler reagiert. Dieses Ergebnis ist ein Hinweis darauf, dass nicht die eine Maßnahme oder das Projekt eine Schule verbessert, sondern die permanente sensible Problemregistrierung und deren zielgerichtete Lösung. Zu beachten ist dabei unbedingt, dass die Schulen unterschiedliche Probleme haben. Das kann fallweise sicherlich der Schulhof, besser noch: das Pausengeschehen sein. Die Schulhof-Frage ist also eine Facette im Spektrum denkbarer Verbesserungen, die auch unfallmindernd wirken können. 8

19 Unfallkasse Berlin Tabelle 6: Mittlere MWS entsprechend der Sortierungen a) bis g) Sortierung Mittelwerte/Standardabweichungen und N westliche Bezirke östliche Bezirke MWS Standardabweichung Anzahl der Schulen MWS Standardabweichung Anzahl der Schulen a 7,6,6 8 7,58,67 8 b 7,54,5 4 7,5,6 64 c 7,56,5 8 7,5,45 4 d 7,5,45 9 7,45,5 8 e *) 8,7, 8,4, f 7,66, ,6,55 8 f 7,5, ,5,6 g 7,56,5 79 7,5,6 67 g 7,59,54 5 7,57,59 64 *) Die geringe Anzahl N beruht auf der Vorgabe, dass alle Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein sollten. 6 4 TSQ g(ost) d(ost) a/b-rest(ost)* g(ost) f(ost) a b e d(west) f(west) g(west) a/b-rest(west)* g(west) 995/96 996/97 997/98 998/99 999/ / Schuljahre *Die Sortierung a/b Rest umfasst Schulhofveränderungen ohne Partizipation west N = 8 Abb. 7: Graphische Darstellung der Unfallenwicklung entsprechend der Sortierungen ost N = 4 Abb. 7: Graphische Darstellung der Unfallenwicklung entsprechend der Sortierungen 9

20 5. Günstige Unfallquoten trotz ungünstiger Sozialstruktur Was machen diese Schulen? Die Auswertungen zeigen, dass es Schulen gibt, denen es im ungünstigen Umfeld gelingt, dem vermeintlichen Schicksal erfolgreich entgegenzuwirken. Die Schülerinnen und Schüler fühlen sich wohl und die Unfallzahlen sinken. Wie machen es diese Schulen? Was ist deren Geheimnis? 5. Suche nach besonderen Merkmalen Methodik Gibt es bestimmte Merkmale, bzw. Aktivitäten, die einen nachweislichen Einfluss auf das Unfallgeschehen in einer Schule haben? Um dieser Frage nachzugehen, wurden Korrelationen zwischen den in der Abbildung 8 dargestellten Merkmalen/ Aktivitäten und der entsprechenden Unfallquote der Schule durchgeführt. Um Zufallsschwankungen zu sondieren, erfolgte diese Prozedur für zwei Schuljahre (999/ und /). Das Ergebnis ist sehr ernüchternd, denn nicht ein einziges Merkmal hebt sich durch einen nennenswerten Zusammenhang hervor. Wir verzichten deshalb auch auf die Wiedergabe der sehr umfangreichen Tabelle dieser Ergebnisse. Schulhof vergrößert Schulhof verkleinert Entsiegelung 4 Geländemodulation 5 Spiel mit Wasser 6 Spiel mit Sand 7 Spiel mit Baumaterial 8 Tischtennis 9 Klettermöglichkeiten Brücken Seilbahn Wippen Rutschen 4 Labyrinth 5 Bänke 6 Schaukeln 7 Hüpfgeräte 8 Drehgeräte 9 Skulpturen Kunst-/Kreativmöglichkeiten ästhetische Natur nützliche Natur Tiere 4 Versammlung im Freien 5 Ruhe im Freien 6 Höhlen 7 Aggressionsabfuhr 8 Sträucher 9 Bäume begehbarer Rasen nicht begehbarer Rasen Balanciermöglichkeiten Laufbahn 4 Tore 5 Sprunggrube 6 Basketballkörbe 7 standard. Ballspielfläche 8 SchA: Planung 9 SchA: Bauvorbereitung 4 SchA: Transport 4 SchA: Steinbau 4 SchA: Holzbearbeitung 4 SchA: Anstrich 44 SchA: Kunst mit Steinen 45 SchA: Kunst mit Holz, Farbe 46 SchA: Wasserbau 47 SchA: Pflanzen allgemein 48 SchA: Pflanzen ästhetisch 49 SchA: Pflanzenpflege 5 SchA: Milieus, Räume 5 Spielmittelausleihe 5 SH: Alleinbenutzer 5 SH: mit G und Kita 54 SH: mit älteren Schülern 55 SH: mit Schulfremden 56 Cafeteria 57 Cafeteria, Eltern/Schüler 58 VHG 59 Schülerclub 6 Werkstatt 6 außerschulische Engagements 6 Förderverein 6 Patenschaften 64 WB: unspezifiziert 65 WB: Kollektivsport 66 WB: Individualsport 67 WB: Kunst 68 WB: Gesundheit 69 WB: kongnitive Rivalisation 7 Gewaltprävention 7 Gesundheitserziehung 7 Schule nach päd. Autor 7 Schule mit relig. Prägung 74 JÜL 75 HA-Zirkel 76 Freizeiträume 77 Schulfeste 78 Renovierung der Schule 79 Weitere partizipative Projekte Kürzelübersicht SchA SH VHG JÜL WB HA Schülerarbeiten bei Schulhofumgestaltung Schulhof Verlässliche Halbtagsgrundschule Jahrgangsübergreifendes Lernen Wettbewerbe (Teilnahme an solchen) Hausaufgaben Abb. 8: Erhobene Merkmale einer Schule

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