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1 GRÖSSERE RÄUME GRÖSSERE CHANCEN? Kirchliche Eine-Welt-Arbeit in fusionierenden Gemeinden Hrsg.: Arbeitsgemeinschaft Eine-Welt-Gruppen im Bistum Münster und in der Evangelischen Kirche von Westfalen

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3 GRÖSSERE RÄUME GRÖSSERE CHANCEN? Kirchliche Eine-Welt-Arbeit in fusionierenden Gemeinden Hrsg.: Arbeitsgemeinschaft Eine-Welt-Gruppen im Bistum Münster und in der Evangelischen Kirche von Westfalen

4 Inhalt Einleitung Seite Eine-Welt-Arbeit in fusionierenden Gemeinden 5 Keine Zwangsjacke für Lebendiges Eine-Welt-Arbeit darf in emsigen Strukturdebatten nicht untergehen 7 Nicht mehr taufrisch aber verblüffend aktuell Das kirchliche Sozialwort von Kräfte bündeln, eigenes Gesicht bewahren Alle Gruppen und Orden an einen Tisch gebracht 11 Sorgen ernst nehmen, den Mehrwert bedenken Chancen der Zusammenarbeit nutzen 13 Mit Mut und innerer Überzeugung Erfahrungen aus der Beratung von Gemeindeprozessen 15 Auf Gleichgesinnte setzen Brasilienkreis in Roxel nutzt Synergie-Effekte 17 Pastoralplan für das Bistum Münster: Vor Ort vernetzt mit der Weltkirche Damit heutige und kommende Generationen weltweit leben können 19 Ökumenischer Einsatz auf zwei Quadratmetern Eine-Welt-Gruppe in Burgsteinfurt hat sogar in einem Lädchen Erfolg 23 Grundhaltung: Offenheit und Wertschätzung Erfahrungen aus evangelischen Gemeinden in Dortmund und Lünen 25 Größere Einheiten bieten auch größere Chancen Mit Vertrauen und Toleranz Zukunftswege suchen 27 Ein erstes Fazit 29 Service Checkliste: Elemente des weltkirchlichen Profils von Pfarreien 32 Adressen 34 Links 37 Downloads 38

5 Einleitung Eine-Welt-Arbeit in fusionierenden Gemeinden Wohl niemals zuvor in der jüngeren Geschichte der beiden großen deutschen Kirchen hat es solch grundlegende Änderungen der örtlichen Strukturen und pastoralen Notwendigkeiten gegeben, wie das derzeit der Fall ist. Wir leben in einer weit reichenden Umbruchsituation. Nehmen wir als Beispiel das Bistum Münster. Der dreifache Mangel: Priester, Kirchensteuermittel und aktive Mitglieder ließ den Verantwortlichen sinnvoll erscheinen, in einem über Jahre dauernden Verfahren aus einst knapp 700 Pfarreien weniger als 200 zu bilden. Das verbindende Zwischenergebnis vieler Einzelprozesse ist eine nur schwer überschaubare Ungleichzeitigkeit. Denn so unterschiedlich wie der jeweilige Status der Zusammenlegung ist nicht nur das angestrebte Ergebnis, sondern vor allem auch die Resonanz bei den betroffenen Pfarreimitgliedern: Grundhaltungen wie Hoffnung oder Enttäuschung werden begleitet von Gefühlen wie Vorfreude, Ärger und Zorn. Auch in der Evangelischen Kirche von Westfalen spielt im Blick auf strukturelle Entwicklungen das Thema der Gemeindefusionen seit vielen Jahren eine wichtige Rolle: Insbesondere aufgrund zurückgehender Finanzen und Mitgliederzahlen haben die Leitungen (Presbyterien) zahlreicher Gemeinden entschieden, Gemeindefusionen einzugehen. Hatte die Evangelische Kirche von Westfalen 1991 noch 3 Millionen Mitglieder in 652 Gemeinden, waren es ,5 Millionen Gemeindeglieder in 518 Gemeinden. Man kann also feststellen, dass sich die Kirchen in einer nie dagewesenen Umbruchsituation befinden. Das scheint auch für die Eine-Welt-Arbeit zu gelten, und zwar in den beiden Kirchen, die hier in den Blick genommen werden: die Evangelische Kirche von Westfalen und das Bistum Münster. Egal ob es programmatisch um den Dreiklang Mission Ökumene Kirchliche Weltverantwortung geht, wie das vor allem bei den Protestanten der Fall ist, oder ob die Trias Mission Entwicklung Frieden das katholische Engagement beschreibt, in allen Fällen eröffnen die neuen Strukturen neue Spielräume. Darum gibt es diese Arbeitshilfe. Zum einen zeigt sie anhand von Erfahrungsberichten, Checklisten oder Grundsatzartikeln, wie die Eine-Welt-Arbeit durch die Prozesse der Neustrukturierung und pastoralen Neubewertung neuen Schwung bekommen kann. Beispiele werden aufgeführt, Denkanstöße vermittelt, Anregungen gegeben. Zum anderen wird deutlich, warum die weltkirchliche und ökumenische Dimension für die Identität der beiden Kirchen unverzichtbar ist. Dass die Broschüre nun vorgelegt werden kann, ist vor allem Heike Hänscheid zu verdanken; die Journalistin und ehrenamtlich in einer Pfarrei Engagierte hat den allergrößten Teil der Artikel verfasst. Zu danken ist auch allen andern, die bereit gewesen sind, ihre Perspektiven und Erfahrungen einzubringen.

6 Und schließlich gilt bei dieser Gelegenheit der Dank Ihnen, den Eine-Welt-Aktiven vor Ort, die sich seit Jahren oder gar seit Jahrzehnten für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung stark machen manchmal bei freundlichem Desinteresse, auch gegen allerlei Widerstände. Vielleicht schafft diese Arbeitshilfe, was sie soll: Ihnen den Rücken zu stärken und Ihr Engagement ins Zentrum der neuen Möglichkeiten zu rücken! Ulrich Jost-Blome Bernd Schütze Werner Siemens Foto rechts: Heike Hänscheid, Journalistin, Münster

7 Keine Zwangsjacke für Lebendiges Eine-Welt-Arbeit darf in emsigen Strukturdebatten nicht untergehen Es ist meist kein großer Knall, es ist eher ein schleichender Prozess: Fehlende Kommunikation, Missverständnisse und das Empfinden mangelnder Wertschätzung summieren sich, und in der Fusion einer oder mehrerer Gemeinden bleibt eine der Eine-Welt- Gruppen auf der Strecke. Noch lassen sich solche Fälle an den Fingern abzählen, aber sie sollten Warnsignale sein. Ein Beispiel gibt es aus dem Bistum Münster, wo die Verletzungen so tief gründen, dass niemand für ein Gespräch die erst oberflächlichen Vernarbungen aufreißen möchte. Enttäuschung, ja Resignation und letztlich Abschied statt neuer Chancen und Koexistenz. Eine Folge von Gemeinde-Zusammenführungen, die sich niemand wünscht! Natürlich sind die Eine-Welt- Gruppen in den meisten Fällen nicht gerade die, die am lautesten rufen und ihren Platz in einer neuen Gemeinde verteidigen. Werden im Zuge der Fusionen Kirchen und Pfarrheime oder Gemeindehäuser geschlossen und verringert sich die Zahl der Gottesdienste, so gehen damit oft die langjährigen Treffpunkte, Verkaufsstellen und zeiten verloren. Wer sich da nicht rechtzeitig zu Wort meldet, kann rasch übersehen werden. Angst vor Veränderungen, Sorge um die eigenen Projekte und den möglichen Rückgang der Spenden- und Unterstützungsbereitschaft sind sicher Realitäten, mit denen sich die Gruppen, aber vor allem die Verantwortlichen in den Fusions-Steuerungsgruppen oder neu gebildeten Ausschüssen befassen müssen. Wobei diese Sorgen häufig auch andere Verbände und Gruppierungen formulieren Unkenntnis der anderen Milieus mit bisher unbekannten Menschen, Unsicherheit über zukünftige Abläufe, über Reduzierungen oder Konzentrationen gehören zu den häufig erlebbaren Hemmnissen. Diese oft harten Nüsse müssen geknackt werden, damit eben nichts bisher Blühendes erstickt, nichts Gewachsenes durchtrennt oder Lebendigem eine Zwangsjacke übergestülpt wird. Ziel sollte immer sein, ins Gespräch miteinander zu kommen und dann auch zu bleiben! Es geht nicht um Konkurrenz, sondern um den bereichernden Gedanken der weltkirchlichen und ökumenischen Dimension für die neuen Gemeinden. Wer sollte ihn besser, authentischer und mit mehr Erfahrung einbringen können als jene, die sich seit Jahren für Partnerschaften, für fairen Handel, für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung einsetzen? Dieses Wissen mit seinen unterschiedlichsten Aspekten sollte für die ganze neue Gemeinde fruchtbar gemacht werden eine Chance, die man nicht leichtfertig vergeben darf, weil man unentwegt mit Planungen, Entwürfen und Strukturen befasst

8 ist. Nichts überstürzen!, sagen fusionierte Gemeinden, die mit Augenmaß, Geduld und Wertschätzung einen Baustein nach dem anderen ins neue Gemeindebild einfügen. Denn ohne die Eine-Welt- Gruppen würde am Ende bei diesem Bild ein Spiegel fehlen, in dem sich die Ortskirche mit ihren manchmal so monumental erscheinenden Problemen wieder im Welt umspannenden Netzwerk des Glaubens eingebunden sieht das relativiert Neid und Sorgen, Konkurrenzdenken und Resignation. Aber es macht Arbeit! Heike Hänscheid

9 Nicht mehr taufrisch aber verblüffend aktuell Das kirchliche Sozialwort von 1997 zum Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung 1997 veröffentlichten die Leitungen der katholischen und der evangelischen Kirche einen damals viel beachteten, aber im Folgenden totgeschwiegenen Text unter dem Titel Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit allgemein bekannt als Sozialwort der Kirchen. Wir bringen das Sozialwort hier in Erinnerung, weil es sich dabei um die die letzte gemeinsame größere Publikation mit Aussagen zum weltkirchlichen Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung handelt. Wenn auch der Fokus des Papiers auf die nationale Situation gerichtet ist, so finden sich doch auch Formulierungen für das Streben nach globaler Solidarität und Gerechtigkeit, die kaum an Bedeutung eingebüßt haben. Für den Herbst 2013 ist übrigens ein neues gemeinsames Wirtschafts- und Sozialwort angekündigt worden, das an das erste gemeinsam formulierte Papier von 1997 anknüpfen soll. Alles Handeln und Entscheiden in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft muss an der Frage gemessen werden, inwiefern es die Armen betrifft, ihnen nützt und sie zu eigenverantwortlichem Handeln befähigt. (107) Es genügt nicht, wenn die Kirchen die wirtschaftlichen und sozialen Strukturen und die Verhaltensweisen der darin tätigen Menschen thematisieren. Sie müssen auch ihr eigenes Handeln in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht bedenken. Das kirchliche Engagement für Änderungen in der Gesellschaft wirkt um so überzeugender, wenn es innerkirchlich seine Entsprechung findet. (243) Als Glaubensgemeinschaften verkündigen die Kirchen die biblische Botschaft von Gottes Zuwendung zu allen Menschen und Gottes Treue zu seiner Schöpfung. Als gottesdienstliche Gemeinschaften feiern sie Gottes gnädiges Erbarmen, das den Menschen immer wieder einen neuen Anfang schenkt. Als diakonische Gemeinschaften bemühen sie sich unmittelbar um Notleidende und Benachteiligte und setzen sich für die Verwirklichung einer solidarischen und gerechten Gesellschaft ein. Die Kirchen leben und wirken mitten in der Gesellschaft und nehmen deshalb an ihren Umbrü- 1 Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland und Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.): Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit. Wort des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland 1997 ( Sozialwort der Kirchen )

10 chen und Entwicklungen teil. Sie werden dabei von ihrer Berufung zur Solidarität mit den Armen geleitet und folgen der Bewegung Gottes, der sich vorrangig den Armen, Schwachen und Benachteiligten zugewandt hat, damit alle Leben in Fülle haben (Joh 10,10). (248) Die Kirchen stehen in der biblischen und christlichen Tradition von Recht und Erbarmen. Gott fordert die Menschen nachdrücklich dazu auf, aus Erbarmen zu handeln und sich für Recht und Gerechtigkeit einzusetzen. Deshalb bemühen sich Christen um Arme, aber auch um gerechtere Strukturen in der Gesellschaft, die geeignet sind, Armut zu verhindern. (249) Der Horizont des Dienstes an Menschen in Not hat sich in den letzten Jahrhunderten fortschreitend erweitert. Nächstenliebe ist auch Fernstenliebe geworden. Das hat in kirchlichen Hilfswerken weltweiter Solidarität und entwicklungspolitischen Aktivitäten seinen Niederschlag gefunden. Die Kirche ist ihrem Wesen nach weltweit, grenzüberschreitend. Sie verfügt über besondere Möglichkeiten, den Blick der Menschen für die Eine Welt zu öffnen und das Bewusstsein der Verantwortung über das eigene Land und Volk hinaus zu schärfen. Die ökumenische Zusammenarbeit mit Kirchen aus der ganzen Welt und die intensiven Partnerschaften mit Gemeinden und Ortskirchen erweitern den Gesichtskreis über den eigenen Kulturraum hinaus. Solche Kontakte erinnern zugleich an die Not des Südens und die wechselseitigen weltwirtschaftlichen Abhängigkeiten. Die Beteiligung der Kirchen am konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung bedeutet eine umfassende Orientierung kirchlichen Handelns an den drängenden Aufgaben gesellschaftlicher Veränderung. In ökumenischer Zusammenarbeit stellen sich die Christen den großen Überlebensfragen der Menschheit. Das Engagement für die Länder des Südens führt zu neuen Anstößen auch im eigenen Bereich. (251) Der Einsatz für den Umweltschutz im kirchlichen Raum hilft mit, das gesellschaftliche Bewusstsein für die Notwendigkeit eines nachhaltigen Wirtschaftens zu stärken. Das Engagement vieler Christen für die Erhaltung der natürlichen Grundlagen des Lebens hat aber nicht allein in der Gründung gesonderter kirchlicher Umweltinitiativen, sondern vor allem auch in der Mitarbeit in den allgemeinen Umweltverbänden seinen Ausdruck gefunden. (252) Foto rechts: Hermann Kühn (l.) und Pastoralreferent Bernhard Roer strukturieren die Zukunft der Eine-Welt-Arbeit in der neuen Pfarrei St. Clemens in Münster Hiltrup und Amelsbüren. 10

11 Kräfte bündeln, eigenes Gesicht bewahren Alle Gruppen und Orden an einen Tisch gebracht Gerade die Vielfalt soll Ansporn sein, das Gute zu bewahren, das Machbare zu erkennen und vor allem das Geleistete gegenseitig wertzuschätzen: Die unterschiedlichen Eine-Welt-Aktivitäten in der fusionierten Gemeinde St. Clemens in Münsters Ortsteilen Hiltrup und Amelsbüren wollen sich in Ruhe kennenlernen und austauschen. Wir planen ohne Druck ein Koordinations-Gremium, das sich dieser Herausforderungen annimmt, berichten Hermann Kühn und Pastoralreferent Bernhard Roer vom Blick nach vorn. Im Prozess der Fusion von drei Gemeinden war die Eine-Welt- Arbeit eher ein Randbereich. Die Gruppen wussten zwar von der Existenz der jeweils anderen, doch die Organisationsstrukturen und Vorgeschichten waren sehr unterschiedlich. Am Tag der Fusion im Sommer 2012 bot es sich dann einfach an, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen und die Gruppen an einen Tisch einzuladen, so Hermann Kühn, der seit Jahrzehnten mit dem Partnerschaftsprojekt San Pablo in Peru vertraut ist. Entstanden ist diese Beziehung in St. Clemens über die Hiltruper Missionare (MSC), die seit fast 30 Jahren in Südamerika arbeiten. Die Hiltruper haben in diesen Jahren regelmäßig Projekte wie ein Gemeindehaus, medizinische Versorgung und eine Suppenküche unterstützt allerdings fehlt den Ehrenamtlichen in Hiltrup ein wenig der direkte, lebendige Bezug zur Bevölkerung vor Ort. Der Sachausschuss Mission, Entwicklung, Frieden des früheren Pfarrgemeinderates von St. Clemens ist die zuständige Projektgruppe wobei man sich dort zunehmend Gedanken macht um die Zukunft des Kreises, denn gemeindliche Partnerschaftsarbeit ist heute wohl nicht mehr die Form, in der sich junge Menschen wiederfinden, ist Kühn überzeugt. Ein Knüller anlässlich der Fusionsfeiern sei der musikalische Auftritt einer Jugendgruppe aus Ghana gewesen die waren gerade im Austausch in unserer einstigen Gemeinde St. Marien in Hiltrup-Ost zu Gast, freut sich Bernhard Roer immer noch über das lebendige Stück Kultur, das den Tag bereicherte und die Eine-Welt-Arbeit mitreißend vorstellte besser als es womöglich Worte gekonnt hätten. Der Ghana-Kreis begann sein Engagement für Afrika vor fast einem Vierteljahrhundert auch hier spielten die Hiltruper Missionare als Bindeglied die entscheidende Rolle. Hinzu kamen damals Friedensbewegung und Befreiungs-Theologie als etwas Spannendes, Anziehendes. Heute muss man sich anstrengen, dass bei all den Diskussionen um Europas Zukunft die so genannte Dritte Welt nicht durchs Interessens- und Engagements-Raster fällt, sehen beide eine wichtige Aufgabe in der Bewusstseinsbildung. Christliche Verantwortung sei dies. Beim ersten Treffen waren mehr als 15 Vertreterinnen und Ver- 11

12 treter aller Gruppierungen aus dem neuen, größeren Gemeindegebiet dabei: beispielsweise Eine-Welt-Gruppen, Ordensgemeinschaften und Eine-Welt-Laden eine echte Überraschung für die Einladenden. Der Austausch war offen, und die Fragen nach dem, was gut läuft und dem, worin man die Sorgen und Herausforderungen der Zukunft sieht, brachte erstaunliche Gemeinsamkeiten zutage. Die geplante Gründung des eingangs genannten Koordinationsgremiums möglicherweise als Ausschuss des neuen Pfarreirates wurde als gutes Startsignal gewertet. Erste Ideen für Aktionen wie einen Eine-Welt-Tag, Bildungsabende zu Themen wie Entschuldung oder Klimawandel und der Blick auf ökumenische Potenziale lagen rasch auf dem Runden Tisch. Eines allerdings wollen die Engagierten keinesfalls: in hektischen Aktivismus verfallen und möglicherweise damit das Klima des Vertrauens gleich wieder zerstören. Was lebt, soll lebendig bleiben!, haben alle Beteiligten geäußert. Der Ghana-Kreis und der Sachausschuss Mission, Entwicklung, Frieden, der Eine-Welt-Laden Solidario, das MSC-Welthaus der Herz-Jesu-Schwestern, die Amelsbürener Kamerun-Gruppe und eine private Initiative mit Kontakten in den Senegal werden sich in Zukunft gemeinsam auf den Weg machen, den Gedanken der Einen Welt mit gebündelten Kräften und dennoch je eigener Ausprägung lebendig zu halten. Partnerschaften und das Wissen umeinander sind die besten Möglichkeiten, wie sich Menschen von den Unterschieden zwischen der so genannten Ersten und der Dritten Welt betreffen lassen, sagen Roer und Kühn übereinstimmend. Diese Chance wollen sie auch in der einen Gemeinde nach Kräften nutzen. Heike Hänscheid Foto rechts: Pastoralreferent Sebastian Reimann der kürzlich neu entstandenen Gemeinde St. Nikolaus in Münsters Südosten. 12

13 Sorgen ernst nehmen, den Mehrwert bedenken Chancen der Zusammenarbeit nutzen Für Sebastian Reimann, Pastoralreferent in der kürzlich neu entstandenen Gemeinde St. Nikolaus in Münsters Südosten, ist das Thema Eine-Welt-Arbeit eine Herzensangelegenheit. Dabei kennt er durchaus die Fallstricke, die bei einer Gemeindezusammenführung gerade diesem sensiblen Bereich drohen. Zuerst muss man voneinander wissen, ist deshalb für ihn der wichtigste Punkt für eine zukunftsfähige Zusammenarbeit im Rahmen einer fusionierten Pfarrei. In seiner Ausbildungsgemeinde im Münsterland, die aus zwei Pfarreien entstanden war, lag die weltkirchliche Arbeit in den Händen von drei Gruppen. Die holte der junge Mann, der während seines Studiums ein Praktikum in Brasilien absolviert hatte, zunächst zu Kennenlernen und Austausch an einen Tisch, ehe der Pfarrgemeinderat einen Sachausschuss Eine Welt gründete, um die Arbeit der bestehenden Gruppen zu unterstützen. Das haben wir dann zum Beispiel mit einem professionell und liebevoll gestalteten Flyer getan, der die Arbeit der drei Gruppen und ihre unterschiedliche Ausrichtung vorstellte, so Reimann, dem für seine jetzige Gemeinde Ähnliches vorschwebt. Selbst, wenn die einzelnen Gruppen - in Münsters Südosten sind es im weitesten Sinn neun Eine-Welt-Kreise in den vier Gemeindeteilen - weiterhin ihre Eigenständigkeit betonen und die eigenen Strukturen bewahren wollen, gibt es viele Möglichkeiten der Frucht bringenden Zusammenarbeit, so Reimann: eine Einkaufsgemeinschaft für den Fairen Handel, ein gemeinsamer Internet-Auftritt mit Verlinkungen und einer Weltkarte zu den einzelnen Projekten, ein gemeinschaftlicher Flyer zur Vorstellung der Aufgaben, Projekte und Partnerschaften, eines Tages möglicherweise ein gemeinsames Spendenkonto. Vieles ist noch Zukunftsmusik, weiß Reimann, aber der Anfang ist gemacht: Auch in St. Nikolaus hat ein Runder Tisch getagt, haben sich die Engagierten aus den Gemeinteilen bekannt gemacht und ihre jeweilige Geschichte erzählt. Als eine Art Initialzündung sieht der Pastoralreferent den Anschub, den er als Ansprechpartner für das Thema Weltkirche am Anfang des gemeinsamen Weges geben möchte. Denn er kennt eben auch die Schwierigkeiten, die beim Zusammentreffen unterschiedlicher Arbeitsmodelle entstehen können. Da gibt es schon die Sorge um Konkurrenz, so hat er es in der Ausbildungsgemeinde erlebt: Werden die Spendengelder für unser Projekt weniger? Wo bleiben unsere Versammlungs- und Verkaufsorte, wenn Gemeindeflächen abgebaut werden? Wie können wir unsere jeweiligen (Partnerschafts-) Projekte weiter am Leben erhalten? Solche Fragen 13

14 spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle und müssen sowohl von den Gremien der neuen Gemeinde als auch vom Seelsorgeteam ernst genommen werden. Sebastian Reimann ist aber zuversichtlich, dass mit dem guten Willen aller Beteiligten und gegenseitiger Toleranz die Eine-Welt-Arbeit künftig eine große Chance für eine weltkirchliche Ausrichtung der ganzen Gemeinde bekommen kann. Mit schwebt zum Beispiel ein Eine-Welt-Tag als Friedens- oder Schöpfungstag für St. Nikolaus vor, so blickt er in die Zukunft, in der er gerne auch mit den Verantwortlichen neue Wege beschreiten will: Durch die Einbringung neuer Themenfelder wie Klimabilanzen, Klimagerechtigkeit oder Altkleider-Problematik, könne man auch jüngere Menschen ansprechen und auf neue Vernetzungen bauen. Eine best-practice-liste zu unseren Themen Eine-Welt-, Umweltund Friedensarbeit wäre sicher auf Dauer auch für das ganze Bistum spannend, wünscht er, dass diese Themen nicht im Alltag der Strukturen-Diskussionen verloren gehen. Wertschätzung des Bestehenden und bisher Geleisteten, Erstnehmen der Sorgen und Ängste vor Veränderungen, vor allem das Mut-Machen, dass es nicht um eine Vereinheitlichung geht, sondern um einen Mehrwert für Menschen und Gemeinde, das ist für Sebastian Reimann die Basis, von der aus neue Wege gelingen können. Heike Hänscheid Foto rechts: Andreas Fritsch, Leiter der Fachstelle Gemeindeberatung im Bischöflichen Generalvikariat Münster 14

15 Mit Mut und innerer Überzeugung Erfahrungen aus der Beratung von Gemeindeprozessen Andreas Fritsch und sein Team aus der Fachstelle Gemeindeberatung des Bischöflichen Generalvikariates Münster begleiten viele Fusionen in der Phase des Aufeinander-Zugehens. Hat inmitten von Strukturfragen das Thema Eine Welt überhaupt Raum bei den Pfarreien, ihren Gremien und Seelsorgeteams? Frage: Spielt das Thema Eine Welt eine Rolle in den Gemeindeberatungs-Prozessen, die Sie begleiten? Wenn ja: Wer bringt es ins Spiel? Andreas Fritsch: Das Thema Eine Welt findet in den Gemeindeberatungsprozessen, bei denen es um die Zusammenführung von Kirchengemeinden geht, nahezu keine Beachtung. Dies hat meiner Einschätzung nach aber nichts mit dem Thema an sich zu tun, sondern ist ein Indiz dafür, dass sowohl Haupt- als auch Ehrenamtliche sehr stark auf das unmittelbare pastorale Handeln vor Ort konzentriert sind und die Gestaltung der Kirche vor Ort vorrangig ist. Hierbei haben Fragen nach der zukünftigen Gottesdienstordnung, der Präsenz der Seelsorgerinnen und Seelsorger, der Pfarrbüros u. Ä. Vorrang. Anders verhält es sich bei Prozessen, in denen es um die zukünftige Gestaltung der Seelsorge und Fragen der Pastoralkonzeptentwicklung geht. Hier kommen weltkirchliche Aspekte stärker in den Blick, da sich die Beteiligten wieder mehr auf den kirchlichen Auftrag und die Orientierung an den Grundfunktionen der Kirche orientieren. Dies wird z.b. bei der Entwicklung von Gemeindeleitbildern deutlich. Dort wird das Thema entweder von Hauptberuflichen oder Ehrenamtlichen, die sich in diesem Bereich engagieren, eingebracht. Frage: Ist der Eindruck richtig, dass es immer an einigen wenigen Engagierten hängt, die sich für ihre Sache stark machen? Wie viel Mut braucht man dazu, innerhalb der vielen offenen Fragen, Organisations- und Logistik-Probleme auch Themen jenseits der Kirchtürme im frühen Stadium anzusprechen? Andreas Fritsch: Es braucht in der Tat eine große innere Überzeugung und eine Portion Mut, um weltkirchliche Themen in Zeiten von Strukturveränderungen immer wieder neu anzuspre- 15

16 chen und für deren Wichtigkeit zu werben. Da es in einer zunehmend säkularen Welt dringender wird, sich des eigenen Selbstverständnisses, der eigenen Ziele und Werte neu zu vergewissern und diese offensiv und in demütigem Selbstbewusstsein nach Innen und Außen zu kommunizieren, wird es womöglich auf Dauer sogar leichter werden, weltkirchliche Themen und die sich hieraus ergebende Verantwortung der Christen (neu) in den Blick zu nehmen und dies als ein Wesensmerkmal (ein Markenkennzeichen) einer katholischen Pfarrei zu kommunizieren. Frage: Wo sehen Sie das Thema Eine Welt am besten verankert? Bleibt es besser vor Ort im jeweiligen Gemeindeteil oder kann eine neu gebildete Pfarrei auch als Ganze neuen Schwung bedeuten? Andreas Fritsch: Die Pflege weltkirchlicher Partnerschaften oder der Verkauf fair gehandelter Produkte sollten sinnvollerweise im angestammten Gemeindegebiet bleiben. Aber die neue Pfarrei kann dadurch in der Tat einen neuen Schwung erhalten. Fair gehandelte Produkte können nun beispielsweise auch dort angeboten werden, wo das vorher nicht üblich war. Oder: Menschen, die bislang gar nichts von der Tansania-Partnerschaft wussten, können sich nun eingeladen fühlen, dort mitzuwirken. Auf jeden Fall sollte eine Zusammenfassung und Steuerung auf der Ebene der Pfarrei erfolgen. Die Entscheidung über den Stellenwert und die generelle Bearbeitung des Themenbereichs Eine Welt wäre idealerweise im Rahmen eines örtlichen Pastoralplanungsprozesses zu klären. Das Interview führte Heike Hänscheid Foto rechts: Die Frauen und Männer des Brasilienkreises aus der Gemeinde St. Pantaleon in Münster-Roxel. 16

17 Auf Gleichgesinnte setzen Brasilienkreis in Roxel nutzt Synergie-Effekte Die Fühler haben sie schon ausgestreckt, die Frauen und Männer des Brasilienkreises aus der Gemeinde St. Pantaleon in Münster- Roxel. Einige Wochen vor dem geplanten Fusions-Termin mit der Albachtener St. Ludgerus-Gemeinde hatten sich die Eine-Welt- Interessierten getroffen, um voneinander zu erfahren. Langsam wollen sie die Zusammenarbeit angehen lassen, aber: Wir sahen durchaus Chancen, künftig auch Gemeinsames zu planen, sagt Raymund Streitenberger als Sprecher der Roxeler. Jeder hat seine Projekte beim Brasilienkreis werden seit vielen Jahren gleich zwei unterstützt. Entstanden sind zum einen der Verein Passo Fundo und zum anderen die Schüler-Unterrichtshilfe wie so häufig durch persönliche Begegnungen. Cornelia Wittkowski hat mit ihrer Familie die Studienförderung Passo Fundo e.v. als gemeinnützigen Verein gegründet. Er vergibt an finanziell bedürftige, begabte Brasilianerinnen und Brasilianer Stipendien für ein Hochschulstudium. Ebenfalls um Ausbildung junger Menschen im südamerikanischen Land geht es bei der von Pfarrer Schwartz gegründeten Unterrichtshilfe. Solche gewachsenen Projekt sollte man nicht einer Fusion opfern, sind sich die Mitglieder des Kreises einig, die sich regelmäßig monatlich treffen und Ideen entwickeln, wie man den Gedanken der Einen Welt für alle in der Gemeinde lebendig erhalten oder auch erst wecken kann. Bei großen Festen oder Aktionen wäre es erfreulich, wenn man mit den Gruppen in den anderen Gemeindeteilen künftig ist an eine Zusammenführung mit zwei weiteren Pfarreien gedacht die Kräfte bündeln könnte, sieht etwa Lore Heinecke, evangelisches Mitglied des Kreises, darüber hinaus auch Potenzial, weiter ökumenisch zu arbeiten. Schwierigkeiten anlässlich der Fusion befürchten die Engagierten vor allem durch Logistik-Fragen: Wir sind gewachsene Ortsteile, wie eigenständige Dörfer, spüren sie den Hauptunterschied zu Gemeindezusammenführungen in der Innenstadt schon sehr. Es gibt ja nicht einmal eine direkte Buslinie! So sehen sie eine sehr enge fusionierte Arbeit der einzelnen Eine-Welt-Kreise eher als unwahrscheinlich an. Allerdings: Vernetzung, Austausch, Unterstützung sind die Vokabeln, mit denen wir uns auf den Weg aufeinander zu machen, will auch Ursula Streitenberger mögliche Vorteile der Zusammenarbeit suchen. Denn Einzelkämpfer wenn auch von der Sympathie und der Spendenbereitschaft der Gemeinde mit getragen seien sie schon alle. Ein wenig exotisch komme man sich manchmal vor, lacht Thomas Dirksen, den vor allem die Theologie der Befreiung aus Südamerika fasziniert und begeistert. Ähnlich wie übrigens auch Theo Damm, der zwei Mal in 17

18 Brasilien war und aus der Begegnung mit der jungen Kirche dort seine Motivation zur Mitarbeit bezieht. Ideen haben die Frauen und Männer reichlich, lassen sich auch von den Aktionen der großen Hilfswerke inspirieren und unterstützen. Zunehmend von Interesse und damit auch für jüngere Menschen offenbar interessanter sind Themen rund um die Bewahrung der Schöpfung. Der Kreis hat etwa in der Fastenzeit eine gut besuchte, spannende Vortragsreihe zum Thema Wasser auf die Beine gestellt von der Bedeutung des Elements in den Religionen bis hin zu möglichen künftigen Kriegen um diesen unersetzlichen Rohstoff. bleiben kann als Teil der gesamten Seelsorge, daran haben die Roxeler so ihre leisen Zweifel. Eigenständigkeit und bewährte Projekte wahren, aber Synergie- Effekte nutzen, wo immer sie sich zum Wohle der gemeinsamen Sache anbieten das wird der Weg sein, den diese Gruppe beim Zusammenwachsen ihrer künftigen Gemeinde gehen möchte. Vieles hängt von den beteiligten Menschen ab, sind sie ganz sicher. Und sie wissen, dass sie auf Gleichgesinnte in Albachten bauen können. Heike Hänscheid Wie für Marianne Janning ist für alle Mitglieder der persönliche Glaube mit der Verpflichtung verbunden, über den Orts-Kirchturm hinauszuschauen und sich als Teil der Weltkirche für die gerechte Entwicklung auf einer menschenwürdigen Erde einzusetzen. Verstärkt wollen sie alle deshalb auch den Themen rund um Gerechtigkeit, Entwicklung und Frieden in ihrer Arbeit Raum geben. Da steckt auch viel Potenzial für gebündelte Kräfte nach einer Fusion drin! Dass das Ehrenamt dabei besonderer Unterstützung und nicht zuletzt Motivation durch Anerkennung bedarf, darüber herrscht Einigkeit beim Team. Die hauptamtlichen Seelsorger sollten solche Nischen wie die Eine-Welt-Arbeit nicht aus den Augen verlieren, wünschen sich die Brasilienkreis-Mitglieder. Daher fordern sie, dass in der Priesterausbildung dem Thema Eine-Welt wieder mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte, damit Priester die Vor-Ort-Teams der Laien vertrauensvoll begleiten können, also beispielsweise Anregungen und Feedback geben können. Ob dafür in den großen neuen Gemeinde-Verbünden allerdings noch Raum Foto rechts: P. Manfred Kollig SS.CC 18

19 Pastoralplan für das Bistum Münster: Vor Ort vernetzt mit der Weltkirche Damit heutige und kommende Generationen weltweit leben können Zahlreiche Gruppen, Initiativen und Gemeinden im Bistum Münster engagieren sich in der Eine-Welt-Arbeit und im Geiste weltkirchlicher Verbundenheit, damit heutige und zukünftige Generationen weltweit besser leben können. Dies entspricht einem der Anliegen des neuen Pastoralplans für das Bistum Münster, der vom Diözesanrat verabschiedet und von unserem Bischof Dr. Felix Genn am 1. März 2013 in Kraft gesetzt wurde. In der Einleitung zum Teil C. dieses Plans heißt es: Überzeugend sind Christinnen und Christen, die in guten und schweren Zeiten das leben, woran sie glauben; die den Armen und Leidenden als ihren Brüdern und Schwestern beistehen, ohne auf Dank und Anerkennung zu spekulieren; die ihre Kinder in die Schönheit des Glaubens einführen; die einen Sinn haben für das verborgene Wirken Gottes in der Welt von heute; die mit Andersgläubigen und gesellschaftlichen Gruppen zusammenarbeiten, um das Wohl der Menschen zu fördern; die sich engagieren, wo es um die Würde und die Grundrechte des Menschen vor Ort, um Versöhnung, Frieden und Gerechtigkeit und die Lebensmöglichkeiten kommender Generationen geht. Daraus folgt unter anderem, dass Christinnen und Christen vor Ort sehen und anerkennen, dass Gott weltweit gegenwärtig ist und sein Geist auch in den Menschen anderer Kulturen wirkt. Er offenbart sich in dem Lebensglück und in der Lebenszufriedenheit, in den Problemlösungen und in der Übernahme von Verantwortung, in dem Glaubenszeugnis durch Glaubensfeier und Glaubensdienst der Menschen auf allen Kontinenten. Dabei zeigt Gott in der Vielfalt seine Größe uns das Wirken seiner Gnade. Der Pastoralplan unterstützt weltkirchliche Gruppen darin, vor allem Tun zunächst einmal das Wirken des Geistes Gottes zu entdecken, sei es in Ghana oder in Mexiko, in Indien oder wo auch immer in der Welt. Antworten auf die drängenden Fragen der Menschheit können deshalb nicht nur in Europa gefunden werden, sondern auch auf allen anderen Kontinenten. Dieses Bewusstsein zu pflegen und zu fördern ist wichtig, damit aus Patenschaften Partnerschaften werden, Begegnung auf Augenhöhe möglich ist und die bestehenden Asymmetrien zwischen Gebern und Nehmern oder zwischen Gewinnern und Verlierern überwunden werden. Wie es weltweit nach Antworten zu suchen gilt, so übernehmen Christinnen und Christen auch weltweit Verantwortung. Der Pastoralplan bekennt sich dazu, dass unser Bistum auf allen Ebenen immer mehr 1 Bischöfliches Generalvikariat (Hg.): Pastoralplan für das Bistum Münster. Münster S

20 das Gesicht einer dienenden Kirche bekommen muss. So heißt es: Das Bistum Münster wirkt mit, Angriffe auf die Menschenwürde abzuwehren, und wendet sich gegen jede Form von Ausgrenzung. Es fördert die Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben und tritt für ein Mehr an Gerechtigkeit ein. Die Option für die Armen ist ein wesentliches Kriterium für die Entscheidung über kirchliche Prioritäten, zum Beispiel auch bei der Aufstellung und Realisierung des Haushaltsplans. Das bedeutet, dass sich die Bistumsleitung ebenso wie Pfarreien, Gruppen und Initiativen in unserem Bistum verpflichten, nicht nur zu fragen, was wir uns leisten können, sondern auch, was wir uns leisten dürfen. Die Frage ist nicht nur, was wir für unser Geld bekommen können, sondern auch, was dies für andere Menschen, für deren Arbeitsplatz, Löhne und allgemein für die Verteilung der Güter in dieser Welt bedeutet. Auf allen Ebenen unseres Bistums müssen wir uns fragen, ob wir unsere Mittel in Prestigeobjekte stecken oder ob wir mit unseren Mitteln das Leben aller Menschen und nicht nur der Menschen in elitären Kreisen fördern. Das Bistum erhebt in Öffentlichkeit und Politik seine Stimme für die Armen. Es hat weltwirtschaftliche Zusammenhänge im Blick und nutzt seine Chancen, auch durch Hinweise auf global verursachte Ungerechtigkeit und Armut Anwalt der Armen zu sein. Wo wir den Horizont eröffnen für die Zusammenhänge zwischen Auslandsverschuldung und Armut der Bevölkerung oder zwischen maßlosem Umgang mit Lebensmitteln und dem Hunger auf der Welt, verwirklichen wir diese Option des Pastoralplans. Der Hauptgeschäftsführer des Katholischen Hilfswerkes Misereor, Monsignore Pirmin Spiegel, hat an den Hintergrund des Leitthemas für die Fastenaktion 2013 Wir haben den Hunger satt erinnert. Er unterstrich die These, dass Hunger auch durch Methoden der industriellen Landwirtschaft und durch renditeträchtige Spekulationen mit Nahrungsmitteln entstehe. Wo wir hingegen unser Geld nicht nur unter dem Aspekt der möglichst hohen Rendite anlegen und Lebensmittel ausschließlich nach dem Kriterium möglichst niedriger Preise einkaufen, sondern eine Kriterienvielfalt beachten, tragen wir zu einem fairen Umgang mit den materiellen Ressourcen in der Welt bei. Der Pastoralplan für das Bistum Münster hat den Pfarreien eine Aufgabe mit auf den Weg gegeben, an der die zahlreichen weltkirchlichen Gruppen in unserem Bistum bereits engagiert arbeiten. Dabei erinnert der Plan im Sinne des Briefes des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom (Kapitel 12) an die direkte Verbindung zwischen Gottesdienst und Liebesdienst: Christinnen und Christen können nicht das Brot am Tisch des Herrn teilen, ohne auch das tägliche Brot zu teilen. Daher ist es eine bleibend aktuelle Aufgabe zu erspüren: Was sind die menschlichen Nöte und sozialen Sorgen der Menschen in den Lebensfeldern unserer Pfarreien? Was ist unser Beitrag zu weltweiter Gerechtigkeit? Jährlich in der Österlichen Bußzeit (Fastenzeit) soll dieser Fragestellung bewusst in den Gremien der Pfarrei nachgegangen werden. Es waren bekanntlich in den 70er Jahren vor allem kirchliche Jugendgruppen, die mit Hungermärschen gegen die damalige deutsche Entwicklungspolitik protestiert haben. Sie waren es, die mit dem Verkauf von fair gehandeltem Kaffee und Jutetaschen auf Unrechtsstrukturen hinwiesen und ihren Beitrag zur Über- 2 Pastoralplan S Pastoralplan S Pastoralplan S

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