Leitfaden Praxisklassen

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1 Leitfaden Praxisklassen von Schülern aus Praxisklassen Ein Ratgeber für Unternehmen zur Betreuung

2 Inhalt Vorwort Zielsetzung Warum brauchen wir Praxisklassen an Hauptschulen? Wie verändert sich der Schulunterricht? Was machen die Schüler in der Praktikumszeit? 2 4 Teilnehmerprofil Welche Schülergruppe ist angesprochen? ausgewählt? Nach welchen Kriterien werden die Schüler 6 Zusammenarbeit Schule Betrieb Wie finden Schule und Betrieb zusammen? Welche Chancen ergeben sich für die Betriebe? Wie arbeiten Schule und Betrieb zusammen? Welche Aufgaben hat der Praktikumsbetreuer im Betrieb? Was soll der Schüler im Betrieb lernen? Welche Aufgaben hat der betreuende Lehrer? Wer hilft bei Problemen mit den Jugendlichen? Abschlüsse und Perspektiven Welchen Abschluss können die Schüler erwerben? Wie verändern sich Benotung und Bewertung der Schüler? Wie sieht das Abschlusszeugnis einer Praxisklasse aus? Welche Möglichkeiten hat der Schüler nach Abschluss der Praxisklasse? 8 14 Finanzierung Wie werden die Praxisklassen finanziert? Welche Förderung gibt es für die Betriebe? 17 Versicherungs- und Rechtsfragen Wer haftet bei Personen- und Sachschäden? geschlossen werden? Soll eine Praktikumsvereinbarung 18 Erfahrungsberichte Praktika sollen jungen Menschen auch Spaß machen... Das Praktikum - ein Schritt zu mehr Selbstständigkeit Die Praxisklassen Zeit zum Aufatmen Sechs Jahre Praxisklasse an der Lindenschule Memmingen Anhang Ablaufplan Praxistage - bfz Nürnberg Antrag auf Aufnahme in die Praxisklasse Einladung zur Informationsveranstaltung Elternbrief zum Schuljahresanfang Teilnahmebescheinigung Praxistage Stundenplanbeispiel Mustervereinbarung zwischen Schule und Betrieb Praxisklasse Zwischenzeugnis Praxisklasse Jahreszeugnis Stundentafel der Praxisklasse (Auszug aus dem KMS vom ) Statistik über den Verbleib der Schüler Rechtsgrundlage (KMBek. vom 6. August 1987 / 72 Volksschulordnung VSO) Richtlinie zum Bayerischen Ausbildungsförderungsprogramm für Jugendliche aus Praxisklassen der Hauptschule Impressum Herausgeber Redaktion Erarbeitung und Aktualisierung des Leitfadens Grafik/Layout Kontaktadressen

3 Vorwort Die differenzierte Förderung von Hauptschülern stellt nach wie vor eine der großen Herausforderungen für das Bildungssystem dar. Neben in der Theorie sehr leistungsstarken Schülern gibt es auch Jugendliche, die am Ende der 7. oder 8. Jahrgangsstufe kaum Aussicht auf einen erfolgreichen Hauptschulabschluss haben. Um diesen Jugendlichen dennoch den Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen, gibt es seit zwei Jahren in Bayern so genannte Praxisklassen. Mitte der 90er Jahre an der Lindenschule Memmingen in Schwaben ins Leben gerufen, hat das Modell mittlerweile Schule gemacht. Die Praxisklassen sind inzwischen fester Bestandteil des bayerischen Schulsystems. Rund 50 bayerische Hauptschulen haben diese Einrichtung bisher erfolgreich umgesetzt. Das Ergebnis des ersten Jahres spricht dabei für sich: ca. 40 Prozent der Schüler konnten direkt im Anschluss an die Praxisklasse in ein Ausbildungsverhältnis übernommen werden, weitere 47 Prozent schafften den Einstieg in Berufsvorbereitungsmaßnahmen. Wichtigstes Merkmal der Praxisklasse ist die praxisorientierte Ausbildung in einem Unternehmen oder bei einem außerschulischen Bildungsträger. Der Anteil des theoretischen Unterrichts wird zugunsten der praktischen Tätigkeiten verkürzt. Der Besuch der Praxisklasse ist freiwillig, er führt nicht unmittelbar zum erfolgreichen Hauptschulabschluss, kann aber für den späteren Erwerb wichtige Grundlagen legen. Die konkreten Erfolge in der praktischen Arbeit haben eine deutliche Rückwirkung auf das Selbstwertgefühl und die Persönlichkeitsfindung der Schüler. Die Integrationschancen der Jugendlichen in eine berufliche Ausbildung steigen spürbar. Gleichzeitig ergibt sich für die Unternehmen die Chance, das durch die Praxisklassen gewonnene Potenzial an Nachwuchskräften für die eigenen Betriebe zu nutzen. Noch immer bilden Hauptschüler für viele Firmen eine wichtige Zielgruppe bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen. In Zeiten, in denen Fachkräfte rar sind, können die Praxisklassen hier einen kleinen, aber wichtigen Beitrag leisten. In diesem Zusammenhang ist auch zu erwähnen, dass die Bayerische Staatsregierung erstmalig Ausbildungsbetriebe fördert, die Jugendliche nach Abschluss der Praxisklasse in ein Ausbildungsverhältnis übernehmen. Der Leitfaden Praxisklassen richtet sich vor allem an Personalverantwortliche in den Betrieben, darüber hinaus aber auch an Lehrkräfte und Eltern. Er versucht, die wichtigsten Fragen zum Thema Praxisklassen an 2

4 Hauptschulen zu beantworten und gibt so einen schnellen Überblick. Erarbeitet wurde der Leitfaden Praxisklassen von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. (vbw) und dem Studienkreis Schule- Wirtschaft Bayern im Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft e.v. (bbw) in Zusammenarbeit mit Vertretern aus Unternehmen und Schulen. Der Studienkreis Schule-Wirtschaft Bayern hat im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. (vbw) eine Befragung aller knapp 800 Betriebe durchgeführt, die bisher Schüler aus Praxisklassen aufgenommen haben. Die Ergebnisse dieser Umfrage sind in diese zweite Auflage des Leitfadens eingearbeitet worden. Ein besonderer Dank gilt dem Kultusministerium für die Aktualisierung und Überarbeitung einzelner Kapitel der Broschüre. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. (vbw) unterstützt die Einrichtung der Praxisklassen. Sie stellt aus Sicht der bayerischen Wirtschaft einen geeigneten Beitrag zur Stärkung und Profilierung der Hauptschule als Grundlage für eine qualifizierte berufliche Bildung im dualen System dar. Dieser Leitfaden will bei der Einführung und Umsetzung von Praxisklassen helfen. Den Schülern soll er den Start ins Berufsleben ermöglichen und den Betrieben die Aufnahme und die Betreuung von Praktikanten aus Praxisklassen erleichtern. Dr. h.c. Andreas Schleef Vorsitzender des Studienkreises Schule- Wirtschaft Bayern im Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft e. V. Dr. Paul Siebertz Vizepräsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. 3

5 Zielsetzung Besonders unterstützungsbedürftige Jugendliche erhalten Hilfe bei der Berufsorientierung und auf dem Weg zur Berufsreife. Der Unterricht orientiert sich an den Leistungsmöglichkeiten der Schüler. Durch individuelle Förderung gewinnen die Jugendlichen wieder mehr Selbstvertrauen und Motivation. Warum brauchen wir Praxisklassen an Hauptschulen? Es gibt immer eine Zahl von Jugendlichen, die am Ende der 7. oder 8. Klasse der Hauptschule die Vollzeitschulpflicht erfüllt haben und aus der Schule entlassen werden müssten. Diese Schüler können den theoretischen Anforderungen der oberen Klassen der Hauptschule vielfach nicht Stand halten. Das Ziel der Praxisklasse ist es, den Schülern aus dieser Zielgruppe einen Einstieg in das Berufsleben zu ermöglichen. Die sozial gefährdeten Schüler sollen im emotionalen und sozialen Verhalten positiv beeinflusst und in ihrer Persönlichkeitsentwicklung stabilisiert werden. Darüber hinaus erhalten die besonders hilfs- und orientierungslosen Schüler Hilfen bei der Berufsorientierung, bei der Berufswahl und auf dem Weg zur Berufsreife. Bei dieser Maßnahme kooperieren die schulisch Verantwortlichen mit außerschulischen Partnern aus der Wirtschaft, der Berufsberatung und der Berufsförderung sowie der Berufsschule und der Jugendhilfe. Der begleitende Unterricht orientiert sich im besonderen Maße am Motivations- und Lernvermögen der Jugendlichen. Dieses schülergerechte Lern- und Praxisangebot soll Erfolgserlebnisse und damit Motivation schaffen und erhalten. Wie verändert sich der Schulunterricht? Der Unterricht in der Praxisklasse erfolgt auf der Basis einer eigenen Stundentafel. Grundlage hierfür ist der Lehrplan der Hauptschule. Das Schwergewicht liegt auf der Festigung von notwendigen Kulturtechniken und der Vermittlung eines grundlegenden Allgemeinwissens. Damit soll den Schülern wieder der Anschluss an notwendige Grundkenntnisse, vor allem in Deutsch und Mathematik, ermöglicht werden. Im Vergleich zu der Stundentafel einer Regelklasse werden die Stunden in den einzelnen Fächern der Praxisklasse nicht genau vorgegeben, sondern in Blöcke zusammengefasst. Die größere Gestaltungsfreiheit ermöglicht es der Lehrkraft, sehr flexibel auf die besonderen Bedürfnisse der Jugendlichen einzugehen. Durch den Blockunterricht können sich die Schüler intensiv mit den Lerninhalten eines Sachfachs auseinander setzen. Bei Bedarf können auch kleine Gruppen gebildet werden, um einzelne Schüler je nach Wissensstand individuell zu fördern. Inhalt und Tempo des Unterrichts passen sich sehr stark an die Bedürfnisse der Schüler an. Dadurch gewinnen die Jugendlichen wieder mehr Selbstvertrauen. Erste Erfolgserlebnisse stärken die Motivation der Schüler. 4

6 Was machen die Schüler in der Praktikumszeit? Ziel der praktischen Tätigkeit ist es, den Schülern Grundfertigkeiten in verschiedenen Praxisbereichen (z. B. Metall, Holz, Hauswirtschaft und Handel) zu vermitteln. Es gibt keinen vorgeschriebenen Lehr- bzw. Ausbildungsplan, der zu erfüllen ist. Die Gestaltung des Praxisanteils richtet sich nach den Möglichkeiten des Betriebs (z. B. kann statt einem Praxistag pro Woche der Praxisanteil auch geblockt werden) und den Bedarfslagen der Schüler. Durch praktische Grundfertigkeiten wird das Interesse der Schüler am schulischen Lernen wieder geweckt. Aufgrund der praxisorientierten Arbeit ist eine realistische Berufswahl möglich. Die verantwortlichen betrieblichen Mitarbeiter betreuen die Jugendlichen in der Praxis und berücksichtigen in Abstimmung mit dem betreuenden Lehrer den Lehrplan der Schule. Die im Unterricht besprochenen theoretischen Inhalte sollen in der praktischen Tätigkeit wieder aufgegriffen und reflektiert werden. Beispielsweise werden die theoretischen Grundlagen zur Herstellung eines Papierkorbs aus Metall im Unterricht gelegt, indem der Kreis (Umfang und Fläche) sowie die Zylinderoberfläche behandelt werden. Die Jugendlichen werden durch systematische Anleitung befähigt, notwendige Arbeiten möglichst selbstständig anzugehen und sich zum Wohle des Projektfortschritts einzubringen. Darüber hinaus kann der Einblick in verschiedene Praxisbereiche dem Schüler Hilfestellung für eine realistische Berufswahl geben. 5

7 Teilnehmerprofil Die Zielgruppe der Maßnahme besteht aus leistungsschwächeren Schülern mit wenig Aussichten auf einen erfolgreichen Hauptschulabschluss. Durch den freiwilligen Besuch der Praxisklasse unterstreichen die Schüler ihre Leistungsbereitschaft. In der Praxisklasse sehen sie die Chance für einen Neubeginn. Welche Schülergruppe ist angesprochen? Wir sehen uns heute mit der Tatsache konfrontiert, dass ein Teil von Schülern nach Ableistung der Vollzeitschulpflicht ohne Abschluss und damit ohne Zukunftsperspektive aus der Hauptschule entlassen werden muss. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Diese Schüler haben aufgrund ihrer bisherigen Schullaufbahn massive Motivationsprobleme, da sie vielfach (oft schon seit Schulantritt) am Ende der Leistungsskala stehen. Es wird aber davon ausgegangen, dass die Motivation dieser Schüler durch den Praxiseinsatz deutlich gesteigert werden kann. Sie zeigen Verhaltensauffälligkeiten, sind extrem konzentrationsschwach, häufig hypermotorisch und können dem kognitiv orientierten Regelunterricht mit dem geringen Anteil praktischer und musischer Fächer nicht genügend folgen. Sie konnten bisher in der Schule nicht oder nicht ausreichend gefördert werden. Oft gelang auch eine Überweisung an eine Förderschule wegen des Widerstands der Eltern nicht. Die Überforderung wuchs somit von Schuljahr zu Schuljahr. Viele Schüler wurden so zu Leistungsverweigerern, Schulschwänzern und zeigten sich äußerst schulmüde. Sie kommen nicht selten auch aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Solche Schüler können aufgrung ihrer besonderen Anforderungen in den Regelklassen der Hauptschule nicht entsprechend gefördert werden. Wenn diese Jugendlichen am Ende der Vollzeitschulpflicht aus der Regelklasse entlassen werden, sind sie auf dem heutigen Lehrstellen- und Arbeitsmarkt fast chancenlos. Auch sich unmittelbar anschließende besondere Fördermaßnahmen privater und öffentlicher Bildungsträger können nicht immer die Schere schließen zwischen den Anforderungen in Ausbildung oder Arbeit und den Voraussetzungen, welche die Jugendlichen mitbringen. 6

8 Zudem befinden sich diese Jugendlichen in einer entwicklungspsychologisch sensiblen Phase des aktiven, konstruktiven, handlungsorientierten Lernens. Sie entwickeln zunehmend das Bedürfnis, Verantwortung zu übernehmen und selbstbestimmt zu handeln. Die üblichen Unterrichtsmethoden werden dem nicht immer gerecht. Deshalb besteht dringender Bedarf, in einer besonderen Maßnahme diese Schüler bereits im letzten Schulbesuchsjahr an der Hauptschule aufzufangen. Nach welchen Kriterien werden die Schüler ausgewählt? Die Auswahlkriterien für die Aufnahme in die Praxisklasse sind wie folgt: Die Schüler befinden sich im letzten Schulbesuchsjahr (9. Jahr der Vollzeitschulpflicht). Es spielt dabei keine Rolle, ob sie aus der 6., 7. oder 8. Klasse kommen. Der Besuch der Praxisklasse ist freiwillig und nur mit Zustimmung der Eltern und Schüler möglich. Vor Eintritt in die Praxisklasse findet ein Aufnahmegespräch statt. Die Schüler können aufgrund ihrer bisherigen Schullaufbahn und der Leistungen in den vorhergehenden Klassen den erfolgreichen Hauptschulabschluss nicht erreichen. Der Besuch der Praxisklasse ist freiwillig. Er bedarf der Zustimmung der Eltern und des Schülers. Dabei ist wichtig, dass das Elternhaus und der Jugendliche deutlich den Willen und das Interesse an einer Verbesserung der schulischen Situation zeigen, d. h. die Schullaufbahn soll eine neue Richtung erhalten und damit ein positiver Pflichtschulabschluss erreicht werden. Es kann deshalb davon ausgegangen werden, dass die Schüler leistungswillig sind und in der Praxisklasse eine Chance für einen Neubeginn sehen. Reine Schulverweigerer ohne positive Ansätze und ohne Bereitschaft zur Veränderung werden nicht aufgenommen. Dies gilt auch für besonders erziehungsschwierige Schüler, wobei hier von Fall zu Fall entschieden werden muss, ob durch den Besuch der Praxisklasse eine positive Verhaltensänderung erzielt werden könnte. Zum Aufnahmeverfahren gehören persönliche Gespräche mit den betroffenen Schülern und deren Eltern bzw. Erziehungsberechtigten sowie ein Vorbereitungselternabend. Der Schüler kann wieder aus der Praxisklasse verwiesen werden, wenn er zu große Schwierigkeiten bereitet. 7

9 Zusammenarbeit Schule-Betrieb Schulen und Schulämter sollen direkt auf die in Frage kommenden Betriebe zukommen. Die im Impressum genannten Institutionen der Bayerischen Wirtschaft helfen bei der Kontaktaufnahme. Wie finden Schule und Betrieb zusammen? An vielen Schulstandorten findet bereits heute eine intensive Zusammenarbeit zwischen Hauptschulen und den örtlichen Betrieben statt. Diese ergibt sich zumeist aus der Kooperation bei den Betriebspraktika und im Rahmen des Faches Arbeitslehre. Die so gewonnenen Kontakte können auch im Rahmen der Praxisklassen genutzt werden. Grundsätzlich sollen die Hauptschulen bzw. das zuständige Schulamt direkt auf die Betriebe zukommen. In Betracht kommen geeignete Betriebe aus allen Wirtschaftsbereichen sowie Einrichtungen der öffentlichen Hand. Möglich ist auch die Einbindung eines außerschulischen Trägers zur Unterstützung der Zusammenarbeit zwischen Schule und Betrieb (z. B. das bfz oder die gfi). Sollte sich die Suche nach einem betrieblichen Partner schwierig gestalten, bieten folgende Institutionen der Bayerischen Wirtschaft ihre Unterstützung an: Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. (vbw) Studienkreis Schule-Wirtschaft Bayern im Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft e. V. (bbw) Berufliche Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft ggmbh (bfz) Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration ggmbh (gfi) Industrie- und Handelskammern (IHK) Handwerkskammern (HWK) Die Kontaktadressen finden Sie im Impressum. 8

10 Welche Chancen ergeben sich für die Betriebe? Nicht nur die Schüler der Praxisklassen profitieren von der Zusammenarbeit Schule-Betrieb. Auch für die Unternehmen ergeben sich Chancen aus der Zusammenarbeit mit den Praxisklassen: Die Betriebe haben durch das Angebot von Praktikumsplätzen die Möglichkeit, Jugendliche in der Praxis näher kennen zu lernen. Hauptschüler sind nach wie vor für viele Firmen eine wichtige Zielgruppe bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen, z. B. im Metall- und Elektrobereich. Viele Ausbildungsplätze werden nach wie vor durch Hauptschüler besetzt. Die Praxisklasse bildet dabei eine kleine, aber wichtige Zielgruppe. Durch das Praktikum haben die Betriebe die Möglichkeit, die Jugendlichen in der Praxis näher kennen zu lernen. Fachkräfte werden zunehmend knapper, im Bildungssystem sind sämtliche Ressourcen und Potenziale auszuschöpfen. Praxisklassen können hierzu einen kleinen, aber wichtigen Beitrag leisten. Viele Unternehmen beklagen den mangelnden Kontakt zu ihrer Hauptschule vor Ort. Über das Projekt Praxisklasse sind neue Begegnungen möglich. Die Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft wird dadurch intensiviert. Der Besuch einer Praxisklasse ist freiwillig. Viele Jugendliche, die sich für diesen Weg entscheiden, verfügen über einen relativ hohen Anteil an Eigeninitiative und Motivation. Diese Eigenschaften können auch im Praktikumsbetrieb positiv zu Buche schlagen. Betriebe, die Ausbildungsplätze für Jugendliche aus Praxisklassen bereitstellen, erhalten erstmalig Zuschüsse von der Bayerischen Staatsregierung. Informationen über Art und Umfang der Förderung sowie über die Förderungsvoraussetzungen befinden sich auf S. 17 im Kapitel Finanzierung sowie im Anhang auf S

11 Die Zusammenarbeit sollte möglichst unkompliziert und bedarfsorientiert sein. Die Gesamtverantwortung trägt die Schule. Die Betriebe sind im Bereich der Praxis in die Verantwortung mit eingebunden. Die Bereitschaft zur Kommunikation und klare inhaltliche Absprachen bilden die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit. Wie arbeiten Schule und Betrieb zusammen? Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Betrieb sollte möglichst unkompliziert und bedarfsorientiert gestaltet werden. Die Praxisklasse ist eine schulische Veranstaltung. Die Gesamtverantwortung trägt die Schule im Rahmen der geltenden schulrechtlichen Bestimmungen. Im Bereich der Praxis ist der Betrieb in die Verantwortung mit eingebunden. Folgende Maßnahmen erscheinen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zweckmäßig: Festlegung eines Ansprechpartners in der Schule (i.d.r. der Klassenlehrer) und im Betrieb Gegenseitige Abklärung der Erwartungen und Möglichkeiten sowie die Festlegung der Ziele Gemeinsame Erstellung eines "Praxiskonzepts", am besten mit Rückkopplung zum Unterricht in der Schule Gemeinsame Erstellung eines Konzepts für die pädagogische Gestaltung Gemeinsame Festlegung eines Verfahrens bei Schwierigkeiten Regelmäßige Besprechungen Der Praktikumsbetreuer stellt die Betreuung der Schüler während der praktischen Tätigkeit sicher. Mitarbeit des Betriebs bei der Erstellung eines Wortgutachtens über die Praxis Welche Aufgaben hat der Praktikumsbetreuer im Betrieb? Die Aufgaben des Praktikumsbetreuers im Betrieb sind fachlicher und pädagogischer Natur: Er stellt eine fachlich korrekte Anleitung des Schülers sicher. Darunter ist jedoch nicht eine an Ausbildungsrahmenplänen orientierte Ausbildung zu verstehen, wie sie im Rahmen einer Lehre stattfindet. 10

12 Er achtet darauf, dass dem Schüler nur Aufgaben übertragen werden, die dem Praktikumszweck entsprechen. Er gewährleistet die Einhaltung aller arbeitsschutzrechtlichen Bestimmungen. Er macht dem praktizierenden Schüler seine persönlichen Stärken bewusst und fördert diese gezielt. Er verstärkt positive Leistungen durch Anerkennung und bietet bei negativen Leistungen konstruktive Hilfe an. Er pflegt den Informationsaustausch mit der Schule. Was soll der Schüler im Betrieb lernen? Die Werkpraxis, ergänzt durch die sozialpädagogische Betreuung, soll die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen steuern. Ziel ist es, folgende Kompetenzen aufzubauen bzw. zu stärken: Realistisches Selbstbewusstsein, Identität (Erkennen der eigenen Interessen, Stärken und Schwächen außerhalb der Schule) Geistige Fähigkeiten (z. B. Merkfähigkeit, Konzentration, räumliches Vorstellungsvermögen) Die Arbeit im Praktikum orientiert sich nicht an einem vorgegebenen Ausbildungsplan. Im Vordergrund steht die Persönlichkeitsentwicklung des Jugendlichen verbunden mit dem Erlernen fachlicher Grundfertigkeiten Emotionale Kompetenzen (z. B. Umgang mit Erfolg und Misserfolg, Erlangung einer höheren Frustrationstoleranz) Soziale Kompetenzen (z. B. Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit, Teamarbeit) Willenskraft (z. B. Aufbau einer Lebensperspektive, Erfolge im schulischen Lernen) Physisches Potenzial (z. B. Gesundheitsbewusstsein, körperliche Ausdauer) Akzeptanz von Werten und Normen (z. B. Respekt vor den Mitmenschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Nationalitäten, Verhalten am Arbeitsplatz, materielle Werte) Berufswahlreife 11

13 Der betreuende Lehrer ist der erste Ansprechpartner für den Schüler und überwacht dessen individuellen Förderplan. Darüber hinaus koordiniert er die Kommunikation zwischen den beteiligten Institutionen. Welche Aufgaben hat der betreuende Lehrer? Der betreuende Lehrer wird in der Regel der Klassenlehrer der Praxisklasse sein. Er wird in den verschiedenen Phasen des Schuljahres mit verschiedenen Aufgaben konfrontiert: Er klärt mit den für die Praxisklasse gemeldeten Schülern, deren Eltern sowie den bisherigen Lehrkräften dieser Schüler in Einzelgesprächen die individuellen Voraussetzungen ab. Diese Abstimmung erfolgt während des Schuljahres kontinuierlich. Er erstellt vor Beginn des Schuljahres jeweils individuelle schulische Förderpläne entsprechend den Voraussetzungen der Jugendlichen. Er ist erster Ansprechpartner für die Schüler. Er klärt vor oder zu Beginn des Schuljahres, nach Gesprächen mit der Berufsberatung, die individuellen Voraussetzungen und Neigungen im Hinblick auf die Praktikumstätigkeit ab. Er informiert vor Beginn der Praxistätigkeit die zuständigen betrieblichen Mitarbeiter über die Schüler, die während der Praxistätigkeit zu betreuen sind. Er gibt den Schülern vor Beginn der Praktikumstätigkeit Orientierungshilfen im Hinblick auf die Praktikumstätigkeit (betriebliche "Spielregeln", wie Pünktlichkeit, Verhalten gegenüber betrieblichen Mitarbeitern etc.). Er betreut die Schüler während der Praxistätigkeit durch regelmäßige Besuche und pflegt einen Erfahrungsaustausch mit den betrieblichen Betreuern. Er greift in Krisensituationen auf Wunsch des Betriebes oder des Schülers moderierend ein. Er arbeitet jeweils nach der Praxistätigkeit, ggf. zusammen mit den betrieblichen Mitarbeitern, die Praxiserfahrungen der Schüler auf. Er ist bei unüberwindlichen Schwierigkeiten, nach Verstreichen einer "Bewährungszeit", für den Ausschluss der Schüler verantwortlich. Eine solche Entscheidung muss in Absprache mit der Schulleitung, dem schulischen und außerschulischen Fachpersonal und unter Einbeziehung der Erziehungsberechtigten erfolgen. Sie stellt eine "Notmaßnahme" im Sinne einer förderlichen Arbeit für die übrigen Schüler dar. 12

14 Wer hilft bei Problemen mit den Jugendlichen? Die Zusammensetzung der Praxisklassen birgt eine gewisse Gefahr der Verstärkung negativer Verhaltensmuster in sich. Aus diesem Grund ist Sozialpädagogik integrativer Teil des "Lernen durch Handeln". Sie hat ihren Schwerpunkt in der individuellen persönlichen Förderung des Schülers unter Berücksichtigung seines Umfeldes. Ziel der sozialpädagogischen Begleitung ist es, die Lernbereitschaft und die Motivation der Jugendlichen zu fördern und ihnen Integrationshilfen für die weitere Entwicklung in der Gesellschaft zu geben. Die sozialpädagogische Arbeit setzt bei den Stärken des Jugendlichen an. Sie trägt dazu bei, unerwünschtes Verhalten abzubauen und begleitet die Jugendlichen auf dem Weg der Identitätsfindung. Den Schülern werden individuelle Hilfen zur Integration in Gesellschaft und Beruf gegeben. Die Methoden für die sozialpädagogische Begleitung beim "Lernen durch Handeln" sind die klassischen: Teamarbeit Erster Ansprechpartner bei Problemen sollte immer der betreuende Lehrer sein. Er bindet die sozialpädagogische Betreuung mit ein. Diese ist integrativer Bestandteil der Maßnahme. Durch Einzelbetreuung oder erlebnispädagogische Angebote werden die positiven Eigenschaften im Schüler gefördert und unerwünschte Verhaltensweisen abgebaut. Einzelbetreuung Gruppenarbeit mit den Jugendlichen Erlebnispädagogische Angebote Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen, Institutionen und Beratungsstellen, wie z. B. der mobilen Erziehungshilfe, Schulpsychologen und Beratungslehrern Elternarbeit Öffentlichkeitsarbeit Bei auftretenden Problemen wendet sich der Betrieb zunächst an den betreuenden Sozialpädagogen oder Lehrer, der wiederum eine sozialpädagogische Betreuung veranlasst. Es sollte vor Beginn des Praktikums eine klare Absprache über Verfahrensweise und Zuständigkeit erfolgen. Sehr wichtig ist auch die intensive Zusammenarbeit mit der Berufsberatung des Arbeitsamtes. Sie kann die Schüler vor Aufnahme in die Praxisklasse über deren berufliche Möglichkeiten beraten und den Jugendlichen Perspektiven für die Zeit nach dem Besuch der Praxisklasse eröffnen. Dies kann durch das Angebot der Teilnahme an einem Förderlehrgang oder an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme geschehen. 13

15 Abschlüsse und Perspektiven In den Praxisklassen geht es nicht um den Erwerb eines formellen Abschlusses; vielmehr soll den Schülern der Einstieg in das Berufsleben erleichtert bzw. überhaupt ermöglicht werden. Durch intensives Methodentraining und weitgehende Verlagerung der Lernarbeit in die Schule können die Schüler langfristig zu guten Lernergebnissen kommen. Genügend Zeit zum Lernen und Üben ist dabei sehr wichtig. Welchen Abschluss können die Schüler erwerben? Im Unterricht der Praxisklasse sollen die größten Lerndefizite im Bereich des elementaren Grundwissens behoben werden. Er beschränkt sich auf die nach der besonderen Bedarfslage der Schüler ausgewählten Lernbereiche des Lehrplans für die Hauptschule, schwerpunktmäßig aus den Jahrgangsstufen 7 und 8. Insgesamt betrachtet erreicht der Unterricht die für einen erfolgreichen Hauptschulabschluss notwendigen Anforderungen der Jahrgangsstufe 9 nicht. Deshalb kann in der Praxisklasse kein Hauptschulabschluss erworben werden. Die Praxisklasse kann aber einen späteren Erwerb des erfolgreichen Hauptschulabschlusses vorbereiten. Wie verändern sich Benotung und Bewertung der Schüler? Die traditionelle Leistungsermittlung (Schulaufgaben, Kurzarbeiten) führt bei den Jugendlichen zu einer Abwehrhaltung. Die ständig schlechte Leistungsbeurteilung hat eine massive Leistungsverweigerung zur Folge. Die Schüler trauen sich oft keine Leistung mehr zu, haben aber gleichwohl den Wunsch nach einer Bewertung ihrer Leistungen. Die Besonderheit der Maßnahme macht es erforderlich, den Schülern auch im Bereich der Benotung und Bewertung neue Rahmenbedingungen zu geben. Durch behutsamen Umgang mit dem Instrument "Benotung" sowie sehr intensivem Lernmethodentraining gelingt es, die Schüler langsam zu befriedigenden und auch zu guten Lernergebnissen zu bringen. Ungeahnte Erfolge stellen sich sogar in scheinbar unverbesserbaren Bereichen wie beispielsweise der Rechtschreibung ein. Gleichzeitig ist es wichtig, den Schülern stets genügend Zeit zu geben - sei es zum Lernen und Üben oder zum Eintragen von Zusammenfassungen. Die Lernarbeit muss auch verstärkt in der Schule stattfinden, denn häusliche Probleme verschiedenster Art sind oft Hemmnis für eigenständiges, sinnvolles Lernen und Arbeiten zu Hause. 14

16 Wie sieht das Abschlusszeugnis einer Praxisklasse aus? Zum Ende des Schuljahres 1999/2000 wurde auf der Grundlage der Erfahrungen der Schulen mit Praxisklassen ein einheitliches Zeugnisformular für die Praxisklasse festgelegt (siehe Anhang S. 38 und 39). Es ist in folgende drei Bereiche gegliedert: Noten in den Fächern Religionslehre bzw. Ethik, Deutsch, Mathematik, Sachunterricht (Arbeitslehre, Geschichte/Sozialkunde/Erdkunde, Physik/Chemie/Biologie) und Sport Bericht über soziales Verhalten, Lernverhalten und Leistungsstand im Unterricht der Schule In den Zeugnissen der Praxisklasse werden Noten in Bezug auf den Leistungsstand der jeweiligen Klasse erteilt. Soziales Verhalten, Lernverhalten und Leistungsstand werden sowohl im Unterricht als auch in der Praxis durch Berichte dokumentiert. Bericht über soziales Verhalten, Lernverhalten und Leistungsstand in der Praxis Der Unterricht in der Praxisklasse ist auf das Leistungsvermögen der Schüler abgestimmt. Der Klassenlehrer kann deshalb die Stundentafel (siehe Anhang S. 40.) flexibel handhaben und den Lehrplan auf die Möglichkeiten seiner Klasse ausrichten. Die Benotung orientiert sich somit nicht an allgemein verbindlichen Leistungsstandards, sondern am Niveau der jeweiligen Klasse. Da im Bericht über den Unterricht in der Schule der Leistungsstand aber noch näher erläutert wird, können die Betriebe die Benotung entsprechend einschätzen. Den Bericht über die Praxis erstellt der Klassenlehrer in Zusammenarbeit mit den Betrieben. 15

17 Die Absolventen der Praxisklasse können, wenn sie eine Ausbildungsstelle erhalten, direkt im Anschluss eine Berufsausbildung aufnehmen. Andernfalls ist eine weitere Betreuung in Berufsvorbereitungsmaßnahmen möglich. Geeignete Schüler können durch einen weiteren Schulbesuch oder durch eine Leistungsfeststellung den erfolgreichen Hauptschulabschluss erwerben. Welche Möglichkeiten hat der Schüler nach Abschluss der Praxisklasse? Im Anschluss an die Praxisklasse haben die Schüler folgende Möglichkeiten: Wenn der Schüler direkt im Anschluss an die Praxisklasse von einem Betrieb in ein Lehrverhältnis übernommen wird, kann er eine Berufsausbildung aufnehmen. Zur Erreichung des Ausbildungsziels können leistungsschwache Schüler vielfältige Fördermaßnahmen (z. B. ausbildungsbegleitende Hilfen des Arbeitsamtes) in Anspruch nehmen. Schüler, die keinen Ausbildungsplatz erhalten haben, können in berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen aufgenommen werden. In Frage kommen dabei Maßnahmen der Arbeitsverwaltung (z. B. Lehrgänge zur Verbesserung der beruflichen Bildungs- und Eingliederungschancen - BBE, sowie weitere Maßnahmen des Programms Jump). Als besonders geeignet erscheint hierfür das neue Modell Integrative berufsvorbereitende Maßnahme von Schule und Arbeitsverwaltung, das im Schuljahr 1999/2000 an sieben Berufsschulstandorten in Bayern begonnen hat und 2000/2001 auf 15 Standorte weiter ausgebaut wurde. Auch eine Teilqualifizierung (derzeit angeboten durch die Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft ggmbh [bfz] und die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. [vbw] bzw. durch den Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e. V. [VBM] in Bamberg, Bayreuth, Nürnberg und München) ist möglich. Der erfolgreiche Abschluss einer solchen Maßnahme mündet bei vielen Jugendlichen in eine qualifizierte Berufsausbildung. Geeignete Schüler können gem. Art. 38 des Bayerischen Gesetzes über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG) auch freiwillig ein oder zwei weitere Schuljahre die Hauptschule besuchen, um den erfolgreichen Hauptschulabschluss abzulegen. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, durch eine Leistungsfeststellung gem. 30 der Volksschulordnung (VSO) auch nachträglich den erfolgreichen Hauptschulabschluss zu erwerben. 16

18 Finanzierung Wie werden Praxisklassen finanziert? Seit Beginn des Schuljahres 2000/2001 stehen zur Finanzierung der Praxisklassen zunächst für den Zeitraum bis 2006 insgesamt DM 25 Mio. ( 12,782 Mio.) aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) zur Verfügung. Die Sachaufwandsträger für die Praxisklassen erhalten Zuwendungen für die ihnen entstandenen Kosten, insbesondere für die sozialpädagogische Betreuung, aber auch für Werkstattbenutzung (auch Mieten) einschließlich Materialien, spezielle Vebrauchsgüter und Ausstattungsgegenstände. Für die Finanzierung der Praxisklassen stehen Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds sowie aus dem Bayerischen Staatshaushalt zur Verfügung. Die Zuwendung beträgt bis zu 80 % der zuwendungsfähigen Kosten, voraussichtlich höchstens jedoch DM ,00 ( ,59) je Praxisklasse und Schuljahr. Zusätzlich können aus dem Bayerischen Staatshaushalt die am Praxistag für das Ausbildungspersonal entstehenden Kosten bezuschusst werden. Eine Vergütung an den Schüler ist im Rahmen des Betriebspraktikums nicht vorgesehen. Welche Förderung gibt es für die Betriebe? Erstmalig gewährt die Bayerische Staatsregierung Zuwendungen für Ausbildungsplätze von Jugendlichen, die mit Ablauf des Schuljahres 2000/2001 aus Praxisklassen der Hauptschulen entlassen wurden und bis zum 31. Juli 2001 nicht in ein Ausbildungsverhältnis vermittelt werden konnten. Gefördert werden Ausbildungsbetriebe, die, beginnend zum Ausbildungsjahr 2001/2002, mit Jugendlichen aus Praxisklassen der Hauptschulen ein Ausbildungsverhältnis eingehen. Der Zuschuss beträgt je gefördertes Ausbildungsverhältnis DM ( 1.278,23). Nähere Einzelheiten über die Förderung und das Antragsverfahren sind der Richtlinie zum Bayerischen Ausbildungsförderungsprogramm für Jugendliche aus Praxisklassen der Hauptschule im Anhang des Leitfadens (S. 44) zu entnehmen. Erstmalig werden Ausbildungsbetriebe, die mit Jugendlichen aus einer Praxisklasse ein Ausbildungsverhältnis eingehen, seitens der Bayerischen Staatsregierung gefördert. 17

19 Versicherungsund Rechtsfragen Der Praxistag ist eine schulische Veranstaltung. Für die Schüler besteht deshalb gesetzlicher Unfallversicherungsschutz. Zur Abdeckung evtl. vom Schüler verursachter Personen- und Sachschäden wird von der Schule für alle Schüler eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Wer haftet bei Personen- und Sachschäden? Für die Praktika im Rahmen der Praxisklassen gelten die Bestimmungen für das Betriebspraktikum im Rahmen des Faches Arbeitslehre analog. Die entsprechende Bekanntmachung des Kultusministeriums (KMBek. vom 6. August 1997 (KWMBl S. 210, ber. S. 288)) finden Sie im Anhang (S. 42). Danach ergeben sich aus der Praxistätigkeit von Schülern der Praxisklassen der Hauptschulen in Betrieben oder sonstigen für Praxistätigkeiten geeigneten und bereiten Einrichtungen für diese in versicherungsrechtlicher Hinsicht keinerlei Probleme. Auch der Praxistag für Schüler der Praxisklassen ist eine schulische Veranstaltung. In diesem Rahmen besteht für die Schüler Unfallversicherungsschutz aufgrund des Gesetzes zur Unfallversicherung für Schüler und Studenten sowie Kinder in Kindergärten vom 18. März 1991 (BGBI I S. 237). Zur Abdeckung von Personen- und Sachschäden bei der Durchführung des Praxistages schließt die Schule für alle Schüler mit einem Versicherungsträger eine Haftpflichtversicherung ab. Beispiel: Die Bayerische Versicherungskammer bietet eine Haftpflichtversicherung für die Durchführung des Praxistages an; der einmalige Beitrag je Schüler und Schuljahr beträgt DM 9,00 ( 4,60), zuzüglich 15% Versicherungssteuer. Der Versicherungsschutz erstreckt sich auf Ersatzansprüche wegen der Beschädigung von Gegenständen und Einrichtungen der Ausbildungsbetriebe; mitversichert sind auch Haftpflichtansprüche wegen Schäden an fremden Sachen, die den Ausbildungsbetrieben zu gewerblichen oder beruflichen Tätigkeiten überlassen worden sind. Der Versicherungsschutz erfasst auch die gegenseitigen Ersatzansprüche der Schüler, nicht jedoch die von Geschwistern. Nicht versichert ist die Haftpflicht für Schäden, die der Versicherungsnehmer, ein Mitversicherter oder eine von ihnen bestellte oder beauftragte Person durch den Gebrauch von Fahrzeugen verursacht. Der Versicherungsschutz beginnt mit dem Betreten der Ausbildungsbetriebe, in denen die fachpraktische Ausbildung stattfindet und endet mit ihrem Verlassen. Die Deckungssummen betragen für jedes Schadensereignis DM ,00 ( ,88) für Personenschäden, DM ,00 ( ,19) für Sachschäden und DM ,00 ( 6.135,50) für Vermögensschäden. 18

20 Soll eine Praktikumsvereinbarung geschlossen werden? Der Abschluss einer Praktikumsvereinbarung ist anzuraten. Der Abschluss einer schriftlichen Vereinbarung zwischen Schule und Betrieb über die Aufnahme eines Praktikanten ist - vor allem aus versicherungstechnischen Gründen - dringend anzuraten. Ein Beispiel für eine solche Vereinbarung finden Sie im Anhang (S. 37). Es sollten folgende Punkte dokumentiert werden: Vereinbarungspartner (Schule und Betrieb) Daten des Praktikanten (Name, Adresse, Geburtsdatum) Name des betreuenden Mitarbeiters Dauer des Praktikums Modus des Praktikums (wöchentlich oder geblockt) Verweis auf den Praktikumszweck Verweis auf das JArbSchG Meldepflicht des Praktikanten beim Betriebsrat Hinweis auf Mitwirkung des Betriebes bei der Beurteilung der Praktikumstätigkeit Verweis auf versicherungsrechtliche Fragen Verweis auf evtl. notwendige Untersuchung nach IfSG, 42 Verweis auf Einweisung in betriebliche Ordnung und Arbeitssicherheit 19

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