SCHUFA Kredit-Kompass 2015

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1 SCHUFA Kredit-Kompass 2015 Empirische Untersuchung der privaten Kreditaufnahme in Deutschland Lebensphasen verändern Konsum- und Finanzverhalten Wir schaffen Vertrauen

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3 SCHUFA Kredit-Kompass 2015 Empirische Untersuchung der privaten Kreditaufnahme in Deutschland Lebensphasen verändern Konsum- und Finanzverhalten

4 2 Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis SCHUFA Holding AG 4 Vorwort 5 Dr. Michael Freytag 1 Ergebnisse im Überblick 6 Private Kreditaufnahme in Deutschland 6 Was passiert in einzelnen Lebensphasen? 8 Pluralisierung der Lebensformen und der Lebensläufe 9 2 Private Kreditaufnahme in Deutschland 10 Repräsentative Auswertungen auf Basis der SCHUFA-Daten Einleitung 10 Trends der privaten Kreditaufnahme 11 Entwicklung von Zahlungsstörungen 17 Zahlungsstörungen im regionalen Vergleich 21 Risiken der privaten Kreditaufnahme 25 3 Unterschiedliche Lebensphasen 40 Merkmale, Konsum- und Finanzverhalten in unterschiedlichen Lebensphasen Karsten John Gesellschaftlicher Wandel 40 Verschiebungen bei den Wertvorstellungen 42 Zielgruppen im Fokus 44 Lebensziele in Deutschland 45 Der Finanzbedarf in unterschiedlichen Zielgruppen 49 Informationsverhalten vor einem Abschluss einer Bankdienstleistung 53 Fazit 57

5 Inhaltsverzeichnis 3 4 Pluralisierung der Lebensformen und der Lebensläufe 58 Aktuelle Trends und ihre historische Einbettung Prof. Dr. Norbert F. Schneider Distributive Pluralität 59 Frauen übernehmen immer noch die Hauptverantwortung in der Kindererziehung 59 Ehe und Elternschaft sind heute Optionen 60 Nesthocker 61 Lebensformen heute 62 Fazit 64 5 Glossar 66 Anhang 69 SCHUFA Verbraucherbeirat 69 SCHUFA Ombudsmann 69 SCHUFA Kredit-Kompass 70 Studien in der Wissenschaftsreihe SCHUFA Kredit-Kompass (eine Auswahl) 71 Bücher 75 Die Bildungsinitiativen der SCHUFA 76 Abbildungsverzeichnis 78 Fragebogen Lebensphasen der GfK 80 Impressum 88

6 4 SCHUFA Holding AG SCHUFA Holding AG Zahlen, Daten & Fakten Der Datenbestand der SCHUFA umfasst 728 Millionen Informationen zu 66,3 Millionen Privatpersonen und 4,3 Millionen Unternehmen. Pro Tag erteilt die SCHUFA rund Auskünfte an Vertragspartnerunternehmen und Verbraucher Firmenkunden aus Kreditwirtschaft, Handel und Dienstleistungen sind als Vertragspartner angeschlossen. 2 Millionen Privatkunden nutzen die SCHUFA über das Onlineportal Zu 90,8 Prozent der Verbraucher liegen ausschließlich positive Informationen vor. 97,5 Prozent aller Konsumentenkredite werden ordnungsgemäß zurückgezahlt.

7 Vorwort 5 Vorwort Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser, der Kredit-Kompass 2015 präsentiert Ihnen die neuesten Auswertungen der SCHUFA zur privaten Kreditaufnahme in Deutschland. Erfreulich ist die nachhaltig hohe Stabilität bei der Kreditrückführung: 97,5 Prozent der Ratenkredite werden reibungslos zurückgezahlt. Gegen über dem Vorjahr ist 2014 die durchschnittliche Kredithöhe um zehn Prozent gestiegen. Knapp ein Drittel aller neuen Ratenkredite hat ein Volumen von mehr als Euro. Doch eine übermäßige Kredittätigkeit ist damit nicht verbunden, denn die Zahl der neu abgeschlossenen Kreditverträge ist 2014 rückläufig. Das funktionierende Kreditsystem ist ein wichtiger Eckpfeiler für den privaten Konsum, der 55 Prozent des Bruttoinlands produkts in Deutschland ausmacht. Lebensformen haben in den vergangenen Jahrzehnten an Kontinuität verloren und zunehmend den Charakter von Lebensphasen erhalten. Mit dem Kredit-Kompass 2015 wird analysiert, welchen Einfluss die jeweilige Lebensphase auf das Finanzverhalten hat. Drei Lebensphasen stehen im Mittelpunkt der Betrachtung: Das Alter von 18 bis 34 n, das Alter von 35 bis 59 n und die Generation 60+. Merkmale und Werte sowie Aspekte des Konsums und das Finanzverhalten der Menschen dieser Altersgruppen werden betrachtet. Ein wichtiges Ergebnis ist, dass alle drei Kohorten der finan ziellen Sicherheit eine hohe Relevanz einräumen, wie die Analyse der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) auf Basis einer von uns in Auftrag gegebenen Umfrage belegt. Im Hinblick auf die Lebensphasen zeigen die SCHUFA-Daten, dass die Kreditaktivität der jungen Menschen anfangs sehr gering ist, aber mit zunehmendem Alter deutlich steigt. Menschen in der Mitte des Lebens sind wirtschaftlich sehr aktiv und weisen deshalb auch den größten Bestand an Ratenkrediten auf. Menschen der Generation 60+ sind besonders in den ersten n dieses Lebensabschnitts wirtschaftlich immer noch sehr aktiv und haben in den vergangenen n ihre Kreditaktivitäten entsprechend ausgeweitet. Sie gehören zu den verantwortungsbewussten Kreditnehmern, die die ohnehin schon hohe Rückzahlungsquote von 97,5 Prozent noch übertreffen. Die verschiedenen Lebensphasen stellen sehr unterschiedliche Ansprüche an die Menschen. Ausbildung, Start ins Berufsleben, Familiengründung, berufliche Karriere, Eintritt in den Ruhestand. In allen Phasen gilt es, die finanziellen Möglichkeiten mit den jeweiligen Bedürfnissen in Einklang zu bringen. Dies gelingt den weitaus meisten Menschen aller Altersgruppen, wie die hohe Kreditrückzahlungsquote ebenso belegt wie die Tatsache, dass über 90 Prozent der bei der SCHUFA gespeicherten natürlichen Personen ausschließlich positive Daten haben. Ich wünsche Ihnen eine ebenso anregende wie informative Lektüre! Dr. Michael Freytag Vorsitzender des Vorstandes

8 6 Ergebnisse im Überblick 1 Ergebnisse im Überblick Private Kreditaufnahme in Deutschland Kapitel 2 stellt aktuelle Trends der privaten Kreditaufnahme auf der Basis der SCHUFA- Daten vor und weist auf besondere Entwicklungen in den einzelnen Altersgruppen hin. In dieser Ausgabe stehen Menschen in drei unterschiedlichen Lebensphasen im Mittelpunkt: Die junge Generation im Alter von 18 bis 34 n, die sich noch in der Ausbildung oder im Studium befindet bzw. die ersten Schritte am Arbeitsmarkt macht. Die mittlere Generation von 35 bis 59 n, die voll im Berufsleben steht und materielle Werte schafft. Und die ältere Generation ab 60 n, die ihren Ruhestand zunehmend aktiv gestaltet. Auffällig ist, dass die 2014 abgeschlossenen Ratenkreditverträge häufiger eine größere Kredithöhe aufwiesen. Damit setzte sich der Trend, dass der Anteil der nachgefragten Kredite mit einer Höhe von mehr als Euro steigt, auch 2014 fort. 31,2 Prozent der neuen Kreditverträge lagen 2014 in dieser Größenklasse, womit ihr Anteil erstmals größer war als der Anteil der Kleinkredite bis Euro hatten 28,4 Prozent der nachgefragten Kredite eine Höhe von mehr als Euro. Parallel dazu ist 2014 auch die durchschnittliche Höhe neu aufgenommener Kredite um 10 Prozent auf Euro gestiegen. Demgegenüber ist 2014 die Zahl der Ratenkreditabschlüsse gesunken. 7,4 Millionen Kredite wurden neu aufgenommen, gegenüber 2013 bedeutet das einen Rückgang um Kredite oder 3,9 Prozent. Anders sieht es bei der Anzahl der Anfragen aus sind die Anfragen der Banken im Rahmen der Kreditkonditionenermittlung gegenüber dem bereits hohen Niveau 2013 erneut gestiegen. 16 Millionen Anfragen stellten die Banken an die SCHUFA, gegenüber 2013 bedeutet das einen Zuwachs von 7 Prozent. Darin zeigt sich die zunehmende Bereitschaft der Verbraucher, vor einem Kreditabschluss mehrere Angebote einzuholen. Die Gesamtzahl der laufenden Ratenkredite ist 2014 gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken. Ende 2014 gab es laut SCHUFA-Datenbestand in Deutschland ca. 17,5 Millionen Ratenkredite lag der sendbestand bei 17,7 Millionen. Dabei verläuft die Entwicklung in den einzelnen Altersgruppen sehr unterschiedlich. Auffällig ist, dass der Rückgang des Bestands an laufenden Ratenkrediten vor allem die mittlere Lebensphase betrifft. So ging zum Beispiel die Anzahl laufender Ratenkredite bei den 40- bis 44-Jährigen gegenüber 2013 um 6,4 Prozent zurück. Die steigenden Kredithöhen lassen auch die Restschuld steigen. Im Durchschnitt betrugen die aktuellen Kreditverpflichtungen für jede Person im SCHUFA-Datenbestand mit mindestens einem Kredit 2014 insgesamt Euro. Gegenüber 2013 ist dies ein Zuwachs

9 Ergebnisse im Überblick 7 um 469 Euro bzw. 5,1 Prozent. Auffällig ist, dass der Anstieg der durchschnittlichen Kredithöhe in den höheren Altersgruppen ausgeprägter war als in allen anderen Altersgruppen. Mit dem Trend zu höheren Kreditsummen bei Ratenkrediten steigt auch die durchschnittliche Laufzeit neuer Kredite. Sie erreichte 2014 einen Wert von 45,5 Monaten, 2009 lag sie noch bei 43 Monaten. Auch im Zehnjahresvergleich ist ein Zuwachs zu verzeichnen: Im Jahr 2004 lag die durchschnittliche Laufzeit bei 44,8 Monaten. Das Rückzahlungsverhalten bleibt stabil auf hohem Niveau. Insgesamt 97,5 Prozent aller Ratenkredite wurden 2014 wie auch schon in den Vorjahren ordnungsgemäß bedient. Die Anzahl der positiven Kreditbiographien bleibt ebenfalls auf hohem Niveau: Zu 90,8 Prozent der Deutschen ab einem Alter von 18 n lagen 2014 ausschließlich positive Informationen vor. Die Überschuldungsgefahr ist in Gesamtdeutschland leicht rückläufig. Der SCHUFA-Privatverschuldungsindex verbesserte sich 2014 um 34 Punkte auf Punkte. Für 2015 sind die Aussichten ebenfalls gut. Die SCHUFA erwartet einen weiteren Rückgang des PVI um ca. 3 Prozent. Menschen in den verschiedenen Lebensphasen. Die junge Generation im Alter von 18 bis 34 n steht noch am Anfang von Ausbildung oder Studium und startet dann ins Berufs- und häufig auch ins Familienleben. Das spiegelt sich in ihrer privaten Kreditaufnahme wider: Bis zum Alter von 25 n haben nur sehr wenige Menschen bereits einen Ratenkredit. In der Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen ist dann ein sprunghafter Anstieg der Zahl der abgeschlossenen Ratenkredite festzustellen, und auch bei Personen im Alter von 30 bis 34 n nimmt die Kreditaktivität nochmals zu. Junge Menschen holen überdurchschnittlich viele Angebote ein, wenn sie einen Kredit brauchen. In der Altersgruppe von 25 bis 34 n starteten sie durchschnittlich 1,8 Anfragen im Rahmen der Kreditkonditionenermittlung pro Kredit, das war der Spitzenwert Die mittlere Altersgruppe von 35 bis 59 n steht voll im Berufsleben. Ihre Lebensformen sind sehr vielfältig: verheiratete oder unverheiratete Paare mit und ohne Kinder, Alleinerziehende, Singles. Menschen dieser Altersgruppe sind wirtschaftlich besonders aktiv und nutzen deshalb auch am häufigsten Ratenkredite. Im Alter von 40 bis 54 n hatten 2014 ca. 22 Prozent der Menschen im SCHUFA-Datenbestand mindestens einen Ratenkredit. Dabei ist allerdings 2014 die Anzahl der laufenden Ratenkredite in dieser Altersgruppe überdurchschnittlich gesunken. Die ältere Generation ab 60 n gestaltet heute ihren Ruhestand zunehmend aktiv. Vor allem Menschen im Alter von 60 bis 69 n haben in den vergangenen n zunehmend Ratenkredite nachgefragt. Dabei zahlen sie in aller Regel ihre Kreditverpflichtungen pünktlich zurück, der Anteil ausgefallener Ratenkredite ist in dieser Altersgruppe überdurchschnittlich gering.

10 8 Ergebnisse im Überblick Was passiert in einzelnen Lebensphasen? In Kapitel 3 zeigt Karsten John Merkmale auf und stellt Konsum- sowie Finanzverhalten in den ver schiedenen Lebensphasen vor. Grundlage ist eine Exklusivbefragung, durchgeführt von der GfK SE. Es gibt unterschiedliche Lebensphasen, und jede verlangt den Menschen neue Rollen ab. Ein Drittel der 18- bis 34-Jährigen lebt allein in einem eigenen Haushalt, 25 Prozent sind verheiratet und ca. Dreiviertel wünschen sich (weitere) Kinder in der Zukunft. Bei Menschen mittleren Alters zwischen 35 und 59 n hat sich in der Regel der Lebensweg verfestigt. Mehr als die Hälfte dieser Altersgruppe ist verheiratet, ca. ein Drittel (30 Prozent) lebt in einer Partnerschaft mit Kindern unter 18 n im Haushalt. Sie stehen sowohl im Beruf als auch im Privatleben mitten im Leben. Die Gruppe der über 60-Jährigen macht heute ca. 30 Prozent der Bevölkerung aus. 43 Prozent leben derzeit in einer Ehe oder Partnerschaft mit erwachsenen Kindern. Der Ausstieg aus dem Berufsleben ist für das Gros bereits vollzogen: 68 Prozent befinden sich im Ruhestand, weitere 12 Prozent im Übergang zum Ruhestand (Altersteilzeit). Die Bedeutung der Generation 60+ wird in den nächsten n in vielen Bereichen der Gesellschaft weiter steigen. Zum einen wächst diese Zielgruppe deutlich, sowohl in absoluten Zahlen als auch in Bezug auf ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung. Zum anderen steigt die Lebenserwartung der Generation 60+ weiter an. Wenn es um ihre Lebensziele geht, sind Menschen heute sehr zukunftsorientiert und streben nach Sicherheit. Acht von zehn Befragten sehen ihr persönliches Lebensziel in der finanziellen Absicherung für die Zukunft beziehungsweise für das eigene Alter (83 Prozent). Nicht nur in diesem Aspekt sind sich unterschiedliche Alterskohorten erstaunlich einig. Die Welt entdecken oder das Leben heute genießen sind allgemein anerkannte Lebensziele. Demgegenüber unterscheiden sich die Aspekte Partnerschaft und berufliche Entwicklung deutlich. Die eigene berufliche Entwicklung steht in den jungen n im Fokus. Bei den jungen Menschen sehen 51 Prozent das Leben in einer Partnerschaft als sehr wichtiges Lebensziel. Bei den Menschen ab 60 n liegt dieser Wert bei 71 Prozent. Die Frage nach einer grundlegenden Veränderung im Haushalt innerhalb des letzten s beantwortet jeder Zweite mit ja (52 Prozent). Vernachlässigt man materielle Anschaffungen wie die eines Pkw, prägen vor allem Umzüge (11 Prozent), der Wechsel des Arbeitsplatzes (8 Prozent) aber auch der Beginn einer neuen Partnerschaft (6 Prozent) den Lebensweg einschneidend. Insgesamt 6 Prozent aller Befragten sind ins Berufsleben gestartet, einer der wohl wichtigsten Einschnitte in das Leben. Die häufigsten Veränderungen in den Haushalten sind erwartungsgemäß bei jüngeren Menschen bis 34. Weitaus geringer sind diese Veränderungen in höheren Altersgruppen. Insgesamt werden Strukturveränderungen sehr positiv empfunden. Vor allem der Beginn einer neuen Partnerschaft und die Geburt eines Kindes stechen deutlich hervor. Aber auch der Einstieg in das Berufsleben hat einen starken und vor allem insgesamt sehr positiven Einfluss auf die Menschen. Ein Arbeitsplatzwechsel,

11 Ergebnisse im Überblick 9 aber auch der Immobilienerwerb werden dagegen eher neutral bewertet, während der Verlust des Arbeitsplatzes naturgemäß einen nega tiven Einfluss auf das Empfinden auslöst. Hinsichtlich ihres Finanzverhaltens ist die starke Verbreitung des Internets als Informations- aber auch als Abschlusskanal über alle Altersgruppen hinweg auffällig. Die Rahmenbedingungen an den Finanzmärkten führen dazu, dass derzeit eher in werthaltige Produkte als in Bankprodukte investiert wird. Pluralisierung der Lebensformen und der Lebensläufe In Kapitel 4 zeigt Professor Dr. Norbert F. Schneider aktuelle Trends und ihre historische Einbettung auf. Lebensformen haben in den letzten n an Dauerhaftigkeit eingebüßt und zunehmend den Charakter von Lebensphasen erhalten. Die Häufigkeit von Wechseln zwischen Lebensformen im Lebensverlauf nimmt zu und befördert die steigende Vielfalt der Lebensverläufe. Die Herausbildung neuer Lebensformen spielt bei der Pluralisierung der Lebensformen nur eine untergeordnete Rolle. Sie ist in der Regel Folge einer stärkeren Verbreitung schon immer vorhandener Formen. Die soziale Bewertung dieser Lebensformen und die individuellen Motive ihrer Entstehung und Aufrechterhaltung haben sich verändert. Die nicht eheliche Lebensgemeinschaft als Folge einer fehlenden Heiratserlaubnis oder Alleinerziehende infolge von Verwitwung waren in der Vergangenheit sozial benachteiligte Lebensformen, die oftmals infolge von Notlagen oder Schicksalsschlägen unfreiwillig entstanden sind. Heute hingegen handelt es sich dabei um sozial weithin akzeptierte Alternativen, die häufig freiwillig gewählt und aufrechterhalten werden. Ein wesentlicher Treiber der Vielfalt der Lebensverläufe ist die deutlich gestiegene Scheidungshäufigkeit. Ein anderer besteht darin, dass sich Eheschließung und Elternschaft zu Optionen entwickelt und sie ihre einstige Selbstverständlichkeit verloren haben. Menschen entscheiden sich heute verbreitet nach Abwägung der wahrgenommenen Vor- und Nachteile für oder gegen Ehe und Elternschaft. Dabei entscheiden sie, ob und wann sie heiraten oder Kinder bekommen wollen und gegebenenfalls in welcher Reihenfolge. Der Wandel der Familie erstreckt sich nicht allein auf die Vielfalt der Formen. Fast noch bedeutsamer ist die wachsende Pluralität der Strukturen innerhalb von Familien. Dazu gehören die tiefgreifenden Veränderungen der Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern. Sie sind heute vielfach partnerschaftlich und basieren weniger auf Abhängigkeit und Unterordnung. Das gilt für die Beziehungen zwischen den (Ehe-)Partnern ebenso wie für die Eltern-Kind-Beziehung. Die Wahrung der individuellen Autonomie hat einen höheren Stellenwert erlangt, und das Ich im Wir der Familie ist stärker hervorgetreten.

12 10 Private Kreditaufnahme in Deutschland 2 Private Kreditaufnahme in Deutschland Repräsentative Auswertungen auf Basis der SCHUFA-Daten Einleitung Seit 88 n ist die SCHUFA als Mittler zwischen Verbrauchern und kreditgebender Wirtschaft etabliert. Sie trägt entscheidend dazu bei, dass sich die Kreditwirtschaft in Deutschland stabil und mit niedrigen Ausfallrisiken entwickelt. Im Jahr 2014 umfasste der SCHUFA- Datenbestand 728 Millionen Informationen zu 66,3 Millionen volljährigen Privatpersonen und 4,3 Millionen Unternehmen in Deutschland. Neben personenbezogenen Daten wie Name, Geburtstag und Anschrift speichert die SCHUFA bei natürlichen Personen auch kreditrelevante Angaben wie Informationen über laufende Kredite, Kredit höhen und Zahlungsausfälle. Der SCHUFA-Datenbestand repräsentiert die Konsumfinanzierung in Form von Ratenkrediten durch Banken und die Konsumfinanzierung in Form von Waren- oder Dienstleistungskrediten, wie sie Handel oder Telekommunikations anbieter gewähren. Ferner werden Daten aus öffentlichen Verzeichnissen wie den Schuldner registern der Amtsgerichte abgebildet. Der Datenbestand der SCHUFA bildet in der Regel die empirische Grundlage dieses Kapitels. Im Folgenden werden zunächst die Trends der privaten Kreditaufnahme betrachtet. Untersucht werden verschiedene Indikatoren zur Entwicklung der Kreditverpflichtungen und der Kreditausfallraten in Deutschland. Im Vordergrund stehen dabei Ratenkredite (auch Ratenzahlungskredite genannt), die typischste Form der Konsumentenkredite. Einige Daten werden differenziert nach dem Lebensalter ausgewertet. In dieser Ausgabe werden besonders Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen betrachtet und der Fokus auf die folgenden drei Phasen gelegt: Die junge Generation im Alter von 18 bis 34 n, die sich noch in der Ausbildung oder im Studium befindet bzw. die ersten Schritte am Arbeitsmarkt macht. Die mittlere Generation von 35 bis 59 n, darunter verheiratete oder unverheiratete Paare mit und ohne Kinder, Alleinerziehende sowie Singles. Und dann die ältere Generation ab 60 n, die ihren Ruhestand zunehmend aktiv gestaltet. Im Anschluss an die Trendanalyse untersucht der Kredit-Kompass die Entwicklung von Zahlungsstörungen. Dabei werden die Anteile der Personen mit weichen und harten Negativmerkmalen nach Alter dargestellt. Das SCHUFA-Risiko modell unterteilt die Stufen der Verschuldung in vier Risikobereiche. Der von der SCHUFA 2006 entwickelte Privatverschuldungsindex (PVI) bildet für die Bundesländer, Kreise und kreisfreien Städte entsprechend jeweils die zurückliegende, aktuelle und zukünftige Überschuldungsgefahr ab.

13 Private Kreditaufnahme in Deutschland 11 Trends der privaten Kreditaufnahme Fragt eine Privatperson nach den Konditionen für einen Ratenkredit bei einer Bank nach, so holt die Bank bei der SCHUFA eine Auskunft zur Bonität der betreffenden Person ein. Die Anzahl der im Laufe eines s bei der SCHUFA eingehenden An fragen kann daher als Gradmesser für das Inter esse an Ratenkrediten in diesem Jahr gelten. Wie Abbildung 2.1 zeigt, stellten Banken im Jahr 2014 insgesamt ca. 16 Millionen Anfragen im Rahmen der Kreditkonditionenermittlung an die SCHUFA. Damit setzte sich der Trend steigender Anfragen aus den vorangegangenen n fort. Gegenüber 2013 betrug der Zuwachs 1,07 Millionen Anfragen, das entspricht ca. 7 Prozent. Hier dargestellte Anfragen von Banken umfassen spezielle Anfragen im Rahmen der Kreditkonditionenermittlung. Der private Konsum in Deutschland floriert. Grund für die kräftige Ausweitung der Konsum ausgaben sind die derzeit ausgesprochen günstigen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. So stiegen die verfügbaren Einkommen aufgrund der anhaltenden Ausweitung der Beschäftigung 2014 kräftig. Auch profitieren die Realeinkommen von dem geringen Preisauftrieb. Dazu trägt vor allem der deutliche Rückgang der Rohölpreise bei, der die privaten Haushalte bei den Heizkosten und den Kraftstoffkosten entlastet. Es ist zu erwarten, dass auch Ratenkreditverträge weiterhin stark nachgefragt werden. Anfragen nehmen weiter zu Abb. 2.1: Anfragen von Banken nach einer SCHUFA-Auskunft im Rahmen der Kreditkonditionenermittlung; in Quelle: SCHUFA Holding AG Anzahl der Kredite weiterhin auf hohem Niveau Trotz des Zuwachses an SCHUFA-Anfragen seitens der Banken verringerte sich die Anzahl der neu abgeschlossenen Kreditverträge im Jahr 2014 leicht. Ca. 7,4 Millionen Kredite hatten die Verbraucher neu auf genommen. Gegenüber dem Jahr 2013 war das ein Minus von neuen Krediten, was einem Rückgang um 3,9 Prozent entspricht (siehe Abbildung 2.2). Die steigende Zahl der Kreditanfragen bei Banken ging somit 2014 mit einer rückläufigen Zahl neu abgeschlossener Kreditverträge einher. Anzahl der Kreditverträge bleibt hoch Abb. 2.2: Anzahl der im jeweiligen Jahr neu abgeschlossenen Ratenkreditverträge; in Quelle: SCHUFA Holding AG Konsumenten vergleichen Kreditangebote Immer häufiger vergleichen die Konsumenten vor dem Abschluss eines Ratenkredits die Konditionen.Während 2012 für einen Kredit durchschnittlich 1,2 und ,3 Anfragen von Banken nach einer SCHUFA-Auskunft im Rahmen der Kreditkonditionenermittlung gestartet wurden, waren es 2014 bereits 1,4 Anfragen (siehe Abbildung 2.3). Dieser Trend zieht sich durch fast alle Altersgruppen. Nur die Altersgruppe der über 74-Jährigen wies 2014 eine stagnierende Zahl von Anfragen auf. In der Regel erfolgt die Kreditaufnahme somit wohlüberlegt und nicht leichtfertig, da sich die potentiellen Kreditnehmer

14 12 Private Kreditaufnahme in Deutschland Kreditkonditionen werden verglichen: Immer mehr Anfragen vor dem Kreditabschluss Abb. 2.3: Durchschnittliche Anzahl der Anfragen von Banken nach einer SCHUFA-Auskunft im Rahmen der Kreditkonditionenermittlung pro Kredit; nach Altersgruppen Gesamtwerte Deutschland 2014: 1,4 2013: 1,3 2012: 1,2 1,1 1,1 1,2 1,4 1,5 1,6 1,5 1,6 1,8 1,4 1,6 1,8 1,3 1,5 1,7 1,2 1,4 1,5 1,1 1,2 1,4 1,0 1,1 1,3 0,9 1,0 1,1 0,9 1,0 1,0 0,9 1,0 1,1 0,8 0,9 1,0 0,7 0,8 0, > Quelle: SCHUFA Holding AG. mehrere Angebote einholen. Mit zunehmendem Alter sinkt allerdings die durchschnittliche Anzahl der Anfragen. Bereits ab einem Alter von 55 n liegt sie auch 2014 nur noch bei ca. einer Anfrage pro Kredit. Die Anfrage von Kreditkonditionen ist heute durch Internet und s einfacher. Es liegt nahe, dass sich in den vergangenen n die Anfrage von Kreditkonditionen durch vielfältige digitale Kommunikationswege deutlich vereinfacht hat. Entsprechend steigt die durchschnittliche Zahl der Anfragen vor allem bei den Genera tionen, die mit dieser Technik vertraut sind. Das sind vor allem die Menschen der jungen und der mittleren Generation. Die Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen nimmt sich am meisten Zeit für den Kredit vergleich. Sie hatte 2014 mit durchschnittlich 1,8 Anfragen pro Kredit am häufigsten recherchiert, wobei die 35- bis 39-Jährigen mit 1,7 Anfragen nur geringfügig darunter lagen. Bei den 40- bis 49-Jährigen waren es immerhin noch durchschnittlich 1,5 bzw. 1,4 Anfragen pro Kredit. Zahl laufender Kredite sinkt Am gab es in Deutschland laut SCHUFA-Datenbestand ca. 17,5 Millionen laufende Ratenkredite. Gegenüber dem bedeutet dies einen leichten Rückgang um 0,9 Prozent (siehe Abbildung 2.4). Junge Menschen haben erwartungsgemäß relativ wenige Ratenkredite hatte die Gruppe der 18- bis 19-Jährigen und die 20- bis 24-Jährigen Ratenkredite aufgenommen. Menschen in der mittleren Lebensphase haben erwartungsgemäß viele Ratenkredite, wobei die beiden Randgruppen dieser Phase also die 35- bis 39-Jährigen und die 55- bis 59-Jährigen eine geringere Zahl laufender Ratenkredite aufweisen. Die höchste Anzahl laufender Ratenkredite (2,56 Millionen) findet sich 2014 in der Altersgruppe der 45- bis 49-Jährigen. Auffällig ist, dass der Rückgang des Bestands an laufenden Ratenkrediten vor allem die mittlere Lebensphase betrifft. Im Vergleich zum Jahr 2013 ging die Anzahl laufender Ratenkredite bei den 40- bis 44-Jährigen um 6,4 Prozent zurück. In der benachbarten Altersgruppe von 45 bis 49 n sank sie um 3,4 Prozent. Diese Entwicklung setzte

15 Private Kreditaufnahme in Deutschland 13 Zahl der laufenden Ratenkredite sinkt vor allem in den mittleren Altersgruppen Abb. 2.4: Anzahl laufender Ratenkredite; nach Altersgruppen Gesamtwerte Deutschland 2014: : : > Quelle: SCHUFA Holding AG. bereits im vergangenen Jahr ein, obwohl 2013 die Zahl der Ratenkredite über alle Altersklassen hinweg noch gestiegen war hatte die Gruppe im Alter von 40 bis 44 n 4,4 Prozent weniger laufende Ratenkredite als 2012, bei den 45- bis 49-Jährigen blieb hingegen die Zahl der laufenden Ratenkredite 2012 und 2013 nahezu konstant. Anders sieht es bei den Älteren ab 55 n anders aus: Hier sind 2014 noch Zuwächse bei den laufenden Ratenkrediten zu verzeichnen, allerdings von einem zum Teil sehr geringen Niveau aus. Junge Erwachsene entscheiden sich seltener für einen Kredit In der Lebensphase von Ausbildung, Studium und ersten Schritten am Arbeitsmarkt wächst die Zahl der Personen, die einen Ratenkredit haben, schnell an. Während nur 2,7 Prozent der 18- bis 19-Jährigen 2014 einen laufenden Ratenkredit hatten, waren es bei den 30- bis 34-Jährigen 19,1 Prozent. In der mittleren Lebensphase steigt die Zahl der Menschen mit Ratenkredit lag der Spitzenwert von 22,2 Prozent in der Altersgruppe von 45 bis 49 n. In der dritten Lebensphase, die mit 60 n beginnt, sank dann der Anteil der Personen mit Ratenkredit wieder, allerdings langsamer, als er sich in der ersten Lebensphase aufbaute. So hatten 15,6 Prozent der Menschen im Alter von 60 Im Alter von 35 bis 54 n hat mehr als ein Fünftel einen Kredit Abb. 2.5: Anteil der Personen mit Kredit in der jeweiligen Altersgruppe des SCHUFA-Datenbestands 2014; in Prozent Gesamtwert Deutschland 2014: 16,1 2,7 11,7 18,0 19,1 20,2 21,6 22,2 21,9 19,7 15,6 12,6 9,5 3, > 74 Quelle: SCHUFA Holding AG.

16 14 Private Kreditaufnahme in Deutschland bis 64 n einen Ratenkredit, bei den 65- bis 69-Jährigen waren es immer noch 12,6 Prozent. Trend zu höheren Krediten... Der bereits seit 2013 registrierbare Trend, dass der Anteil der nachgefragten Kredite mit einer Höhe von mehr als Euro zunimmt, setzte sich 2014 deutlich fort. 31,2 Prozent der neu abgeschlossenen Kreditverträge fielen in diese Kategorie. Erstmals lag ihr Anteil damit höher als der Anteil der Kleinkredite mit einer Kredithöhe von weniger als Euro. Der Anteil der Kleinkredite verringerte sich deutlich auf 27,5 Prozent (2014) von 29,8 Prozent (2013). Auch der Anteil der nachgefragten Kredite mit einer Höhe von mehr als bis zu Euro war 2014 gegenüber 2013 leicht rückläufig und lag bei 15,3 Prozent. Kredite in einer Höhe von mehr als bis Euro machten 26,0 Prozent der gesamten Ratenkreditnachfrage aus (siehe Abbildung 2.6). Höhere Kredite werden stärker nachgefragt Abb. 2.6: Anteile der jeweiligen Kredithöhen an im jeweiligen Jahr neu abgeschlossenen Kreditverträgen; in Prozent ,5 15,3 26,0 31, ,8 16,1 25,7 28, ,0 15,9 26,4 27,7 Kredite bis Euro Kredite über bis Euro Quelle: SCHUFA Holding AG. Kredite über bis Euro Kredite über Euro... lässt die durchschnittliche individuelle Kreditschuld steigen Ein weiterer Indikator zur Be trachtung der privaten Kreditaufnahme ist die Entwicklung der sogenannten Kreditschuld. Diese umfasst die sich aus allen bestehenden Verpflichtungen ergebende durchschnittliche Kreditschuld derjenigen Personen im SCHUFA-Datenbestand, die (mindestens) einen Raten kredit aufgenommen haben. Hypothekarkredite und Leasingverträge sind hierbei nicht einbe zogen. Im deutschlandweiten Durchschnitt betrugen die aktuellen Kreditverpflichtungen für jede Person im SCHUFA-Datenbestand mit mindestens einem Kredit im Jahr 2014 insgesamt Euro (siehe Abbildung 2.7). Sie sind damit gegenüber dem Vorjahr um 469 Euro bzw. 5,1 Prozent gestiegen. Die Entwicklung hin zur stärkeren Nachfrage nach höheren Krediten zeichnet sich hier deutlich ab. Steigende Kredithöhen können auch einen Zuwachs bei der Restschuld bedingen.

17 Private Kreditaufnahme in Deutschland 15 Durchschnittliche Restschuld steigt 2014 deutlich Abb. 2.7: Durchschnittliche aktuelle Restschuld aus Ratenkrediten; nach Altersgruppen; in Euro Gesamtwerte Deutschland 2014: : : > Quelle: SCHUFA Holding AG. Junge und ältere Menschen nehmen in Deutschland eher kleinere Kredite auf, entsprechend niedrig ist auch ihre Restschuld. Die 18- bis 19-Jährigen, die bereits Kredite aufgenommen haben, sind beispielsweise mit nur Euro oder die 20- bis 24-Jährigen mit Euro verschuldet. Über 74-jährige Kreditnehmer sind durchschnittlich noch mit Euro verschuldet. In der Altersgruppe von 65 bis 74 n beträgt die Restschuld Euro. Vor allem Menschen in der mittleren Lebensphase, die größeren familiären Verpflichtungen nachkommen müssen, sind am Kreditmarkt aktiv. Ab der Altersgruppe 35 bis 39 ist die Kreditverpflichtung überdurchschnittlich hoch. Die 45- bis 54-Jährigen haben nicht nur am häufigsten Kredite, sie weisen auch die höchsten Kreditverpflichtungen mit mehr als Euro auf. Durchschnittliche Kredithöhe steigt Der bereits im Jahr 2013 festgestellte allgemeine Trend zu steigenden Kredithöhen hat sich auch 2014 fortgesetzt. Eine mögliche Erklärung dafür ist die insgesamt stabile Wirtschaftslage mit einer hohen Beschäftigungsquote und einer geringen Inflationsrate, die Reallohnzuwächse sichern. Die durch schnitt liche Höhe neu aufgenommener Kredite legte 2014 gegenüber 2013 um 10 Prozent auf Euro zu lag der Zuwachs gegenüber 2012 bei 3,7 Prozent. Grundsätzlich nehmen jüngere Personen eher kleine Kredite auf: Kredite, die 18- und 19-Jährige im Jahr 2014 abgeschlossen haben, hatten eine durchschnittliche Höhe von Euro. Mit dem Alter steigen die Kredithöhen deutlich. Erst bei den 60- bis 64-Jährigen setzt ein leichter Rückgang der Kredithöhen ein, der sich mit zunehmendem Alter fortsetzt. Trotzdem ist die durchschnittliche Kredithöhe der über 74-Jährigen immer noch deutlich größer als die der Jungen bis zu einem Alter von 25 n. Die höchste durchschnittliche Kredithöhe wiesen 2014 die 55- bis 59-Jährigen mit Euro auf (siehe Abbildung 2.8). Die Kredithöhe nimmt mit dem Alter zu und erst ab 60 n langsam wieder ab.

18 16 Private Kreditaufnahme in Deutschland Durchschnittliche Kredithöhe steigt 2014 in allen Altersgruppen Abb. 2.8: Durchschnittliche Höhe der im jeweiligen Jahr neu aufgenommenen Kredite; nach Altersgruppen; in Euro Gesamtwerte Deutschland 2014: : : > Quelle: SCHUFA Holding AG. Auffällig ist, dass der Anstieg der durchschnittlichen Kredithöhen 2014 anders als im Vorjahr in den Altersgruppen von 25 bis 49 n überdurchschnittlich hoch war. Den höchsten Zuwachs verzeichnete die Altersgruppe der 30- bis 34-Jährigen mit 12,4 Prozent. Betrachtet man die Menschen in den drei Lebensphasen, zeigt sich, dass die durchschnittliche Kredithöhe in der Ausbildungs- und Berufsanfangszeit kontinuierlich mit dem Alter wächst, in der mittleren Lebensphase am höchsten ist und bleibt. In der dritten Lebensphase hingegen erleben wir derzeit einen Trend hin zu einer höheren Bereitschaft, Konsum über Ratenkredite zu finanzieren. Entsprechend ist mittlerweile auch die Höhe der aufgenommenen Kredite in der Altersgruppe der 60- bis 64-Jährigen mit Euro nur unwesentlich niedriger als die der mittleren Generation. Mit dem weiteren Alter nimmt die Kredithöhe dann aber auch deutlich ab. Zehnjahresvergleich: Durchschnittliche Kreditlaufzeit steigt Die durchschnittliche Laufzeit neuer Kredite steigt. Sie erreichte 2014 einen Wert von 45,5 Monaten und hat sich damit gegenüber 2009 deutlich erhöht lag die Laufzeit der neu aufgenommenen Ratenkredite bei 43 Monaten. Auch im Zehnjahresvergleich ist ein Zuwachs zu verzeichnen: Im Jahr 2004 lag sie bei 44,8 Monaten (siehe Abbildung 2.9). Deutlicher Anstieg der Kreditlaufzeiten in den mittleren Altersgruppen Abb. 2.9: Durchschnittliche Laufzeit der im jeweiligen Jahr neu aufgenommenen Kredite; in Monaten Gesamtwerte Deutschland 2014: 45,5 2009: 43,0 2004: 44,8 33,3 27,3 29,9 39,2 35,3 37,0 43,3 40,1 42,7 45,4 42,2 45,4 46,3 44,0 46,4 46,3 44,8 47,0 46,4 45,1 47,6 46,4 45,5 48,0 46,0 45,5 47,8 44,5 45,2 47,1 42,7 43,1 46,8 38,8 41,0 42,0 36,6 38,0 37, > Quelle: SCHUFA Holding AG.

19 Private Kreditaufnahme in Deutschland 17 Jüngere Konsumenten wählen erheblich kürzere Laufzeiten ihrer Verbindlich keiten. Bei 18- bis 19-Jährigen lag die durchschnittliche Laufzeit neuer Kredite 2014 bei 29,9 Monaten. Die kürzere Laufzeit passt zu den geringeren durchschnittlichen Höhen der aufgenommenen Kredite dieser Altersgruppe gegenüber anderen Altersgruppen (siehe Abbildung 2.8). Bis zur Altersgruppe der 50- bis 54-Jährigen stiegen die durchschnittlichen Kreditlaufzeiten auf 48,0 Monate an. Ab diesem Alter gingen sie dann leicht zurück. Im Zehnjahresvergleich ist bei den verschiedenen Altersgruppen eine gegenläufige Entwicklung festzu stellen. Während bei den jüngeren Altersgruppen die durchschnittlichen Kreditlaufzeiten gegen den Trend gesunken sind, kehrt sich die Entwicklung ab der Altersgruppe der 35- bis 39-Jährigen um. Den höchsten Zuwachs der durchschnitt lichen Kreditlaufzeit wiesen die 65- bis 69-Jährigen auf (2014: 46,8 Monate; 2004: 42,7 Monate). Im Fünfjahresvergleich hingegen ist die durchschnittliche Kreditlaufzeit in allen Altersgruppen gestiegen einzige Ausnahme ist die Altersgruppe der über 74-Jährigen. Eine Kreditaufnahme als solche ist zunächst grundsätzlich ein Ausdruck wirtschaftlicher Aktivität. Die bislang dargestellten Zahlen dienen daher nicht als Grundlage für Aussagen über etwaige Kreditausfälle oder potentielle Rück zahlungsprobleme. Aussagen hierzu sind in den folgenden Abschnitten dargestellt. Entwicklung von Zahlungsstörungen Zahlungsstörungen können anhand verschiedener Indikatoren untersucht werden. Im Folgenden wird zunächst die Entwicklung der Kreditausfälle betrachtet. Stabil hohes Rückzahlungsverhalten 97,5 Prozent aller Kredite im SCHUFA-Daten bestand werden vertragsgemäß ohne Zahlungsausfälle bedient (siehe Abbildung 2.10). Durchschnittlich nur 2,5 Prozent aller in Deutschland aufgenommenen Ratenkredite waren 2014 (Stichtag ) auch nach Mahnungseingang nicht vertragsgerecht zurückgezahlt worden. Der Anteil der Kredit ausfälle war damit im Vergleich zu den zwei Vorjahren kon stant niedrig. Rückzahlungsverhalten konstant auf hohem Niveau Abb. 2.10: Anteil der aktuell vertragsmäßig bedienten Ratenkredite an allen Ratenkrediten; in Prozent 97,5 97,5 97, Quelle: SCHUFA Holding AG. Die Ausfallquoten bei Ratenkrediten sinken mit zunehmendem Alter der Kreditnehmer, wobei die Schwankungsbreite mit 1,5 Prozentpunkten insgesamt gering ist (siehe Abbildung 2.11) wurden in der Altersgruppe 18 bis 19 3,3 Prozent der Kredite nicht vertragsgemäß zurückgezahlt. Gemeinsam mit der benachbarten Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen wiesen diese beiden jüngsten Altersgruppen den höchsten Anteil an ausge fallenen Ratenkrediten auf.

20 18 Private Kreditaufnahme in Deutschland Anteil ausgefallener Ratenkredite sinkt mit zunehmendem Alter Abb. 2.11: Anteil der ausgefallenen Ratenkredite an allen Ratenkrediten; nach Altersgruppen; in Prozent Gesamtwerte Deutschland 2014: 2,5 2013: 2,5 2012: 2,5 3,4 3,6 3,3 3,3 3,3 3,3 3,2 3,2 3,2 3,1 3,1 3,2 2,8 2,8 2,9 2,3 2,4 2,4 2,1 2,0 2,0 1,9 1,9 1,9 1,8 1,8 1,8 2,0 1,9 1,9 1,9 1,8 1,8 2,7 2,3 2, > Quelle: SCHUFA Holding AG. Personen ab einem Alter von 50 n wiesen 2014 die besten Rückzahlungsquoten auf: Nur unterdurchschnittliche 1,9 bzw. 1,8 Prozent der Ratenkredite wurden von diesen Altersgruppen nicht vertragsgemäß bedient. Menschen in der mittleren Lebensphase hier insbesondere solche ab einem Alter von 40 n, die am häufigsten Ratenkredite halten, haben eine gute Zahlungsmoral und weisen unterdurchschnittliche Anteile von ausgefallenen Krediten an allen Ratenkrediten auf. Über 90 Prozent der Verbraucher haben eine positive Kreditbiographie Zu 90,8 Prozent der Deutschen ab einem Alter von 18 n hat die SCHUFA ausschließlich sogenannte Positivinformationen gespeichert. Diese umfassen zum Beispiel Angaben zu Kredit- oder Leasingverträgen, Daten zur Eröffnung eines Girokontos, zur Ausgabe einer Kreditkarte oder zu Mobilfunkverträgen. Verhält sich ein Verbraucher nicht vertragsgerecht, so speichert die SCHUFA dies in Form sogenannter Negativmerkmale. Zu den weichen Negativmerkmalen gehören Forderungen, die fällig, angemahnt und nicht bestritten sind, Forderungen nach gerichtlicher Entscheidung sowie Informationen zum Missbrauch eines Giro- oder Kreditkartenkontos nach Nutzungsverbot. Die harten Negativmerkmale umfassen Informationen aus öffentlichen Be kannt machungen wie eine Vermögensauskunft, einen Haftbefehl zur Erzwingung der Abgabe einer Vermögensauskunft oder Informationen zu einem Verbraucherinsolvenzver fahren hat das Statistische Bundesamt die Angaben des Mikrozensus 2011 veröffentlicht und damit die Bevölkerungszahlen in Deutschland neu festgelegt. Entsprechend hat auch die SCHUFA die Basis für die Anteile bei Personen mit Negativmerkmal aktualisiert. Damit sind die Zahlen nicht mehr mit denen aus früheren n vergleichbar. Die SCHUFA hat 2014 zu insgesamt 9,2 Prozent der Bevölkerung Deutschlands mindestens ein weiches oder hartes Negativmerkmal gespeichert (siehe Abbildung 2.12).

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