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1 ISSN H ,80 Österreich: 9,30 Schweiz: 13,50 SFR PV-Industrie rund um den Globus Weltkarte Zellen und Module 9/2014 Das Branchen-Magazin für alle erneuerbaren Energien Energieerzeugung & Netzintegration In der Metropole WindEnergy Hamburg angekommen Versicherungen Schutz für Windparks und PV-Kraftwerke Rohre für Solarthermie Materialfragen

2 Editorial Von China lernen Dr. Volker Buddensiek Chefredakteur Fast wäre die Meldung untergegangen. Dabei ist sie es durchaus wert, darüber zu berichten: Zum ersten Mal in diesem Jahrhundert ist der Verbrauch von Kohle in China rückläufig. In den Köpfen nicht nur zahlreicher Experten hat sich die Vorstellung festgesetzt, Chinas Wirtschaftswachstum gehe Hand in Hand mit einem ständig wachsenden Appetit auf das schwarze Gold. Doch was in der Vergangenheit richtig war, stimmt seit dem ersten Halbjahr 2014 nicht mehr. Eine Studie von Greenpeace International zeigt, dass sich Kohleverbrauch und Wirtschaftswachstum entkoppelt haben. China konnte die heimische Kohleförderung von Januar bis Juni um 1,8 % zurückfahren, gleichzeitig sanken die Importzahlen von bisher 15 % Wachstum auf nur noch 0,9 %. Für das zweite Halbjahr fordert Chinas Kohle-Verband (China National Coal Association, CNCA) sogar eine Reduktion der Kohleförderung in zahlreichen Revieren um 10 %. Die CNCA ist nicht irgendwer. Sie berät die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission und Chinas Energiebehörden und hat sich in der Vergangenheit vehement für ein Wachstum der Kohleförderung eingesetzt. Wer zur Erklärung dieses Kurswechsels auf Chinas schwächeres Wirtschaftswachstum in den letzten Monaten verweist, greift zu kurz. Das chinesische Wirtschaftswachstum lag im ersten Halbjahr immer noch bei 7,4 %. Dennoch trifft es zu, dass China immer noch ca. 50 % des weltweiten Kohleverbrauchs auf sein CO 2 - Konto buchen muss, doch erstmals deutet sich hier eine Trendumkehr an Peak Coal made in China. Die Ursachen liegen in der Erkenntnis, dass wachsende Umweltprobleme bei zunehmendem Wohlstand der Bevölkerung eine immer größere politische Sprengkraft entwickeln. Insofern ist die chinesische Regierung sicherlich auch getrieben. Aber sie zieht aus der Erkenntnis Konsequenzen und beginnt mit einer Verlagerung weg von energieintensiven Industrieprodukten hin zu Verbrauchsgütern und Dienstleistungen und mit einer Stärkung von Technologien zur sauberen Energieerzeugung. Chinesische Investoren jedenfalls zeigen seit geraumer Zeit ein immer geringeres Interesse in Kohle zu investieren und legen ihr Geld vermehrt in sauberen Technologien an. Warum ich das hier so ausführlich schildere? Weil es in bemerkenswertem Kontrast steht zur heimischen Energiepolitik. In Berlin werden wirtschaftliche Potenziale verspielt, die ein beschleunigter Ausbau zukunftsfähiger, sauberer Technologien erschließen könnte aus Rücksicht auf energieintensive Industrien und die Interessen der Betreiber konventioneller Kraftwerksparks. Entwicklungspläne und Programme orientieren sich immer mehr am Ziel, Bestandsinteressen zu wahren. Risiken und globale Trends werden dabei wider besseres Wissen ausgeblendet. Ich wünsche mir sicherlich keine Regierung, die von einer allmächtigen Staatspartei zentral gesteuert wird. Aber ich wünsche mir durchaus mehr Mut, wenn es darum geht, die Notwendigkeiten und die Chancen von Veränderungen zu analysieren, daraus Ziele abzuleiten und diese auch gegen Widerstände durchzusetzen. Weder in Berlin noch in Brüssel sehe ich im Augenblick die Kraft und den Willen, solche Veränderungen politisch durchzusetzen. Bleibt gegenwärtig nur, auf den Wandel von unten zu setzen. Auf Bürgerengagement, Energiegenossenschaften und Stadtwerke, die mit neuen Ideen das weitertragen, was hier vor gar nicht so langer Zeit als Energiewende mit viel Schwung begonnen wurde. Editorial Sonne Wind & Wärme 09/2014 3

3 Inhalt Inhalt Im Fokus Dienstleister in Sachen Energie Energiedienstleister Der Wettbewerb im Bereich Energiedienstleistungen wird für Stadtwerke immer wichtiger. Was der VKU-Hauptgeschäftsführer dazu sagt und wie Stadtwerke durch innovative Aktionen und bei der Direktvermarktung von Ökostrom punkten können, lesen Sie in unserem Fokus. Seiten 41 bis 47 Foto: KME Foto: Stadtwerke Tübingen 8,80 {jk\ii\`z_1 0#*' ö JZ_n\`q1 (*#,' J=I [nx\id\%[\ ('%'0%)'(+ (/-($).+(? )-'. PV-Industrie rund um den Globus Energiedienstleister 9/2014 ung und Netzintegration 9/2014 Energieerzeug WAS SAUS T ÜBER EINE INSE L N\ckbXik\ Q\ cc\e le[ Df[lc\ Das Branchen-Magazin für alle erneuerbaren Energien ENERGIEERZEUGUNG & NETZINTEGRATION In der Metropole angekommen N`e[<e\i^p?XdYli^ VERSICHERUNGEN JZ_lkq ] i N`e[gXibj le[ GM$BiX]kn\ib\ Materialfragen ROHRE FÜR SOLARTHERMIE DXk\i`Xc]iX^\e SolarthErmie Dieses Jahr trifft sich die internationale Windbranche erstmals in Hamburg statt in Husum. Die Infrastruktur aber auch das Ambiente werden dort anders sein. Die reichhaltigen Messeneuheiten sind aber geblieben. Fotos (Montage SW&W): Zapf, Nordex 4 Sonne Wind & Wärme 09/2014 Rohre Kupfer ist das klassische Rohrmaterial in der Haus- und Solartechnik. Aber Aluminium und Edelstahl besetzen auch ihre Marktsegmente im Kollektorbau und vor allem bei den vorisolierten Solarleitungen. Seite 102

4 Versicherungen In unserer Marktübersicht erfahren Sie, welche Versicherungspakete welche Schäden abdecken und wann sich Vollwartungsverträge lohnen. Seite Windenergie 68 Voller Schutz zum Schnäppchenpreis Foto: Polizeiinspektion Stade Photovoltaik Die Jagd nach Marktanteilen Weltkarte Zell- und Modulindustrie Vorbei sind die Zeiten, in denen Europa der Schlüsselmarkt der internationalen Solar industrie war. In welchen Regionen der Welt nun die Zeichen auf Solarstrom stehen, sehen Sie in unserer Zell- und Modulweltkarte. Seite 48 Grafik: Eilers Media Panorama Politik 08 Nachrichten 10 Ausschreibungen: Interview mit Hermann Albers, Präsident des BWE Markt 12 Nachrichten 18 Börse: Chinesische Scheckhefte sind schnell gezogen 19 Finanznachrichten 20 Planen & Beraten: Wissen, was geht 24 PV-Kraftwerke: SMA setzt auf O&M 26 Solare Fernwärme: Die Solarthermie wird eine wichtige Rolle spielen 30 Die kleine Energiewende im Allgäu: Biohotel Eggensberger 32 Neue Standards der Bürgerbeteiligung Wissenschaft & Technik 34 Stromspeicher: Starkes Signal für die Energiewende 38 Schallforschung: Psychoakustik im Windpark 40 Nachrichten/Produkte Im Fokus: Energiedienstleister 41 Stromsparkampagne Tübingen 44 Interview mit Hans-Joachim Reck (VKU): Wir wollen mehr machen 46 Solarstrom: Perspektiven für den Direktverbrauch Photovoltaik 48 Zell- und Modulindustrie: Weltkarte 56 Versicherungen: Auf die Prämie schielen kann teuer werden 60 Betriebsführung: Verträge individuell aushandeln 62 Elektronik im Modul: Bahnbrechende Technologien? 64 Stadtwerke: Geschäftsmodelle für Speicher 66 Projektgeschäft: Interview mit José María Llopis von IBC Solar Windenergie 68 Versicherungen: Voller Schutz zu Schnäppchenpreisen 76 EEG: Standorte unter der Lupe 80 WindEnergy Hamburg: Elbmetropole statt Krabbenbrötchen Bioenergie 92 Biogas aus Abfall: Vom Neben- zum Hauptdarsteller Solarthermie 96 Anlagenüberwachung: Erträge im Internet 99 Großanlagen: Je einfacher, desto besser 102 Rohre: Materialfragen Service 108 Recht: Die Fernwirkstrecke ist Teil des Netzausbaus 109 Marktdaten: MAP-Zahlen, Modul- und Pelletspreise 110 Firmenverzeichnis 124 Termine Rubriken 128 Köpfe/Stellenmarkt 129 Impressum 129 Vorschau 130 Hüters Finale Sonne Wind & Wärme 09/2014 5

5 Politik Nachrichten Panorama Niedersachsen arbeitet an Windenergieerlass Das Umweltministerium des Landes Niedersachsen erarbeitet derzeit gemeinsam mit dem Wirtschafts-, dem Landwirtschafts-, dem Innenund dem Sozialministerium einen Windenergieerlass, der durch die Landesregierung noch bis zum Jahresende beschlossen werden soll. Der aktuelle Erlassent wurf sieht vor, dass bis 2050 onshore mindestens 20 GW Windkraftleistung errichtet sein sollen. Das erfordert eine landesweite Potenzialfläche von insgesamt maximal 18 % der Landesfläche. Für die Realisierung von 20 GW (ca Anlagen der 5-MW-Klasse) ist ein Flächenbedarf von ca ha nötig. Das entspricht ca. 1,4 % der Landesfläche beziehungsweise ca. 8 % der Potenzialfläche. Gemäß Landes-Raumordnungsprogramm (LROP) sind für die Nutzung von Windenergie geeignete raumbedeutsame Standorte zu sichern und als Vorranggebiete oder Eignungsgebiete festzulegen. Für die Träger der Regionalplanung und Gemeinden bedeutet dies, dass sie mindestens 8 % ihrer jeweiligen Potenzialfläche als Vorranggebiete für die Windenergienutzung vorsehen müssten. Um den Flächenverbrauch zu begrenzen, soll bewusst das Repowering-Potenzial genutzt werden. Wald soll in Niedersachsen grundsätzlich nicht für die Nutzung der Windenergie in Anspruch genommen werden. Weil es in Niedersachsen genug Offenland gibt, sollen Waldstandorte für die Windenergie weitestgehend tabu bleiben. Foto: dpa Ausnahmen soll es nur geben, wenn weitere Flächenpotenziale weder für neue Vorrang- noch für neue Eignungsgebiete im Offenland zur Verfügung stehen und es sich um mit technischen Einrichtungen oder Bauten vorbelastete Flächen handelt. In Vorrang- und Eignungsgebieten soll es keine Höhenbegrenzungen für Windenergieanlagen geben. Außerdem will die Landesregierung nicht von der Länderöffnungsklausel Gebrauch machen. (kg) Mitglieder des runden Tisches Energiewende berufen Energieminister Stefan Wenzel Foto: Nigel Treblin/Niedersächsische Landesregierung Im Mai 2015 soll der von der niedersächsischen Landesregierung beschlossene runde Tisch Energiewende seine Arbeit aufnehmen. Jetzt hat der niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz, Stefan Wenzel, dafür 50 Mitglieder aus Politik, Wissenschaft und Industrie berufen. Nach Aussage des Ministeriums werden diese unter anderem an einem Klimaschutzgesetz mitarbeiten, das den rechtlichen Rahmen für eine langfristige Klimaschutzpolitik Niedersachsens schaffen soll. Grundlage für diese neue Klimaschutzpolitik wird das zuvor erstellte Szenario Energie versorgung in Niedersachsen im Jahr 2050 sein. Zudem werden die Mitglieder Beiträge für ein integriertes Energie- und Klimaschutzprogramm in Niedersachsen erarbeiten, das konkrete Maßnahmen zur Umsetzung der Energiewende und Klimaschutzziele benennen soll. (jeg) Eine Wärmewende ist unbedingt notwendig Eine Studie im Auftrag des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) fordert einen Ausbau des Wärmesektors und eine Steigerung der Energieeffizienz, um die Klimaziele zu erreichen. Der Gutachter Joachim Nitsch, ehemaliger Energieexperte des DLR und Autor der Studie, warnt, dass die Energiewende bei den aktuellen Trends auf der Strecke bleiben werde. Die Bedeutung der Bioenergie werde aufgrund der Maßnahmen der Bundesregierung deutlich sinken. Außerdem gäbe die Bundesregierung kaum Impulse zur Steigerung der Energieeffizienz. Setzt sich dieser Trend auch nach 2020 fort, bleibt die Energiewende auf der Strecke, warnt Nitsch und meint damit, dass dem Trend entsprechend der Anteil der erneuerbaren Energien an der Wärmeversorgung bis 2030 nur auf knapp 12 % ansteigen wird. Das wären nur 2 % mehr als Um dem entgegenzuwirken, empfiehlt Nitsch einen Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung, vor allem mit Biomasse, Geothermie und Wasserstoff, der mit Solar- oder Windstrom produziert wurde. Auch mithilfe von Wärmepumpen ließen sich erneuerbarer Strom und erneuerbare Wärme verknüpfen. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung plädiert ebenfalls für eine Wärmewende: Wir haben im Wärmebereich einen riesigen Handlungsbedarf, und die Ukraine-Krise wäre der richtige Aufhänger, um aktiv zu werden. Auch der Geschäftsführer des BEE, Hermann Falk, kritisiert das Verhalten der Bundesregierung: Es ist politisch peinlich und volkswirtschaftlich höchst unvernünftig, wenn die Bundesregierung die Chancen einer Wärmewende weiterhin ungenutzt lässt. Politisch peinlich, weil Deutschland seine auf EU- Ebene verbindlich zugesagten Klimaschutz- und erneuerbare- Energien-Ziele nicht erreicht und volkswirtschaftlich unvernünftig, weil sich eine Wärmewende für alle finanziell rechnet. (tp) 8 Sonne Wind & Wärme 09/2014

6 Markt Nachrichten Panorama Pelletsheizungen: Teurere Messung ab 2015 Ab dem 1. Januar 2015 gelten für neu installierte Pelletsheizungen die neuen Grenzwerte von 200 mg/m³ für CO- Emissionen und 20mg/m³ für Staub emissionen der 2. Stufe der 1. BlmSchV. Dadurch wird auch die Feinstaubmessung durch den Schornsteinfeger aufwendiger und teurer. Auch wenn aktuelle Pelletsheizungen bereits den strengeren Ansprüchen im kommenden Jahr gerecht werden, raten wir Interessenten, ihre neue Heizung noch 2014 installieren Der DEPV rät dazu, noch in diesem Jahr auf Pellets umzurüsten. Foto: dpa zu lassen, rät Martin Bentele, Geschäftsführer vom Deutschen Energieholz- und Pellet-Verband e.v. (DEPV), deshalb Leuten, die eine Umrüstung auf Pellets planen. Zudem fördert das Marktanreizprogramm schon seit dem 1. Januar 2014 nur noch den Einbau von Pelletsheizungen mit den Grenzwerten der 2. Stufe. Die Pelletsbranche begrüße die strengen Ansprüche an das Emissionsverhalten von Holzfeuerungen und unterstütze die Bemühungen, Biomasseheizungen in dieser Hinsicht zu verbessern, betont er: Der Energieträger Holz hat in einem dicht besiedelten Land nur dann eine Chance auf weiteren Ausbau, wenn er mit vorbildlichem Emissionsverhalten überzeugen kann. (jeg) Energieausweise: Pflichtangaben in Immobilienanzeigen fehlen meist Solarstrom für Traktorenwerk: BayWa r.e. verpachtet PV-Anlage Seit dem ersten Mai müssen in Immobilienanzeigen Angaben zu den energetischen Eigenschaften der Wohnungen und Häuser gemacht werden. Eine Untersuchung der Verbraucherzentrale NRW zeigt nun, diese neue Anforderung der neuen Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) wird meist nicht umgesetzt. Für die Untersuchung hat die Verbraucherzentrale in 47 Städten in Stichproben nach Kennwerten für den Energieverbrauch oder -bedarf in Immobilienanzeigen gesucht. Gefunden hat sie die Angaben allerdings nur in vier von zehn Fällen. Außerdem sind Verbraucher laut einer Telefonumfrage, noch sehr unsicher im Umgang mit den Energiewerten. Dazu trage auch das Beispiel bei, dass es zwei Arten von Energieausweisen gibt, was 40 % der Befragten nicht bewusst war. Sowohl Angaben auf Basis eines Bedarfs- als auch eines Die neue EnEV hat noch nicht dazu geführt, dass in Immobilienanzeigen immer alle relevanten Daten angegeben werden. Foto: dpa Verbrauchsausweises sind für Immobilienanzeigen zugelassen. Dabei ergeben sie aber für ein und dieselbe Wohnung mitunter sehr unterschiedliche Werte. Daher spricht sich die Verbraucherzentrale auch dafür aus, die Energieausweise zu vereinheitlichen und in Zukunft lediglich den Bedarfsausweis zu nutzen. Dieser wird anhand der tatsächlichen Gebäudedaten erstellt und hängt nicht vom individuellen Verhalten des letzten Bewohners ab. (jg) Selbsterzeugter Strom ist für Gewerbebetriebe eine interessante Alternative doch die Investition in eine PV-Anlage stellt durchaus eine Herausforderung dar. Nicht jedoch für das AGCO/Fendt Traktorenwerk in Marktoberdorf im Allgäu: Auf dessen Werkshalle hat ein Fachteam der BayWa r.e. eine 675-kW-Anlage realisiert und verpachtet sie an den Landtechnikhersteller. Nach Unternehmensangaben geht die komplette Leistung in den Eigenverbrauch des Werks. Bei diesem Projekt hatte AGCO schon beim Neubau der Halle die Gebäudestatik auf eine PV-Anlage ausgelegt. Weil die Anlage noch vor dem 1. August in Betrieb ging, kann das Traktorenwerk den Strom noch ohne die umstrittene EEG- Umlage nutzen. Beim neuen Pacht- Geschäftsmodell der BayWa r.e. sollen der Allgäuer Premiere aber auch nach dem Stichtag weitere Beispiele folgen. Auch unter den geänderten Rahmenbedingungen des EEG seit 1. August ist das Pachtmodell ein Modell mit Zukunft die Energiewende vor Ort geht damit Stück für Stück weiter, sagt Matthias Taft, Vorsitzender der Geschäftsführung. BayWa r.e. ist Eigentümer der Anlage, der Kunde Betreiber. Neben einem Dachnutzungsvertrag wird ein Anlagenpachtvertrag mit fixer Laufzeit vereinbart. Nachdem das Pachtmodell bei Wohngebäuden bereits etabliert ist, sollen nun auch Industrie- und Gewerbe betriebe PV-Anlagen auf eigenen Gebäuden pachten können. Sie tragen damit zur Energiewende bei und senken ihre Kosten, wie Roland Schuler, Vorstand der BayWa AG, betont: Unternehmen haben so die Möglichkeit, eigenerzeugten Solarstrom zu nutzen, ohne selbst zu investieren. Das Unternehmen kann sich auf das Kerngeschäft konzentrieren und trotzdem von den Vorteilen des PV-Stroms profitieren. Die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen habe im Landtechnik-Vertrieb bereits eine lange Tradition, so Peter- Josef Paffen, Vorsitzender der Geschäftsführung AGCO/Fendt: Schön, dass wir nun auf einem weiteren innovativen Feld zusammenarbeiten können. (ro) 12 Sonne Wind & Wärme 09/2014

7 Aktuelle PV-Förderübersicht Heizen mit flexiblem Stromtarif Die deutsche Energie- Agentur (Dena) hat die Dena- Förderübersicht Photovoltaik 2014 veröffentlicht. Die Publikation informiert in tabellarischer Form über die Förderprogramme in den wichtigsten Photovoltaik-Märkten weltweit. Die Übersicht beinhaltet sämtliche öffentlichen, nachfrageseitigen Förderinstrumente, fasst die rechtlichen Rahmenbedingungen auf nationaler und regionaler Ebene zusammen und zeigt Kontaktmöglichkeiten auf. Der Schwerpunkt liegt dabei auf ausgewählten Ländern der Europäischen Union, doch auch die Förderungen in weiteren europäischen und außereuropäischen Märkten wie Indien, Mexiko und der Türkei sind in der Übersicht enthalten. Änderungen bei den Förderbedingungen gibt es unter anderem in Frankreich, Kalifornien/ USA und dem Vereinigten Königreich. Foto: dpa Darüber hinaus hat die Dena den Marktreport Südafrika Photovoltaik: Fokus Eigenverbrauch herausgegeben, der die Geschäftsperspektiven für deutsche Unternehmen der Photovoltaik-Branche analysiert. In der Studie geht es unter anderem um die entscheidenden Marktsegmente, die lokale Branchenstruktur, die Marktzugangsbedingungen, die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie Programme zur Förderung und Finanzierung von Photovoltaik-Projekten in Südafrika. Der Marktreport ist bis zum 30. September für 350 und anschließend für 390 erhältlich. (jeg) Um den Strom- und den Wärmemarkt miteinander zu verbinden, sind flexible Stromtarife ein essenzieller Baustein. Nun sucht Consolar zusammen mit dem südbadischen Energieversorger Energiedienst AG Haushalte, die einen solchen Tarif testen. Der Versuch sieht vor, dass die Haushalte über den Testzeitraum einen zeitvariablen Stromtarif beziehen, bei denen ihnen zudem eine Einspargarantie eingeräumt wird. Zum Einsatz soll dabei keine normale Wärmepumpe kommen, sondern das Sol2Heat- System von Consolar, bestehend aus der solaren Wärmepumpe Solaera, die im Winter über Hybrid-Solarkollektoren mit integriertem Lüfter solar vorgewärmte Luft als Wärmequelle nutzt. Sonst arbeiten die Solarkollektoren konventionell und stellen Solarwärme direkt bereit. Ein regulärer Puffer und ein Eisspeicher sorgen dafür, dass die Produktion und der Verbrauch von Energie zeitlich entkoppelt werden. Die Anschaffung der Heizung bezuschusst die Energiedienst AG mit 300. Auch Consolar gewährt einen Preisnachlass von 10 % auf das Sol2Heat-System, allerdings nur für Kurzentschlossene. Der Rabatt gilt in voller Höhe nur bis Ende September. Neben der Speicherung von Wärme zu Zeiten günstigen Netzstroms dient der Pufferspeicher wie gewohnt der direkten Speicherung von Solarwärme. Ist eine Photovoltaik- Anlage vorhanden, kann die Wärmepumpe auch diesen Strom nutzen, um Wärme auf Vorrat zu gewinnen. Auch weitere Haushaltsgeräte wie Wasch- oder Spülmaschine können über das System gesteuert werden. Für sie können Zeitfenster eingestellt werden, in denen sie laufen sollen. (jeg) LG MonoX NeON: EINE KLASSE FÜR SICH. Entdecken Sie eine Generation von Solar modulen, die neue Maßstäbe setzt: MonoX NeON aus dem Hause LG. Mit 280 bis 300 Wp, 60 Zellen auf kleinstem Raum und 5400 Pa Belastbarkeit liefern die neuen Solarmodule Höchstleistungen auf dem Dach. Durch mehr Leistung pro Fläche, geringere Systemkosten und einen höheren Ertrag lohnen sich die auf N-Typ-Silizium-basierten MonoX NeON Module nicht nur für Sie, sondern auch für Ihre Kunden. It s All Possible.

8 energiedienstleister Im Fokus Dienstleister in Sachen Energie Wasserkraft (hier das Kraftwerk Horb) ist eine wichtige Säule im regenerativen Energiemix der Stadtwerke Tübingen. Doch statt Pläne für ein drittes Wasserkraftwerk zu realisieren, starteten die Stadtwerke die Aktion Null-Komma-Strom. Damit halfen Sie ihren Kunden, Strom zu sparen und konnten auf das dritte Kraftwerk verzichten. Ab Seite 42 lesen Sie, warum die Aktion den Titel KlimaStadtWerk des Monats Mai 2014 erhielt. Der Wettbewerb im Bereich Energiedienstleistungen wird für Stadtwerke in den nächsten Jahren immens zunehmen, sagt VKU- Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck voraus. Im Interview ab Seite 44 plädiert er für verpflichtende Energieeffizienzziele auf europäischer Ebene. Foto: Stadtwerke Tübingen Die Abschaffung des Grünstromprivilegs im neuen EEG erschwert die Direktvermarktung von Ökostrom erheblich. Doch was ein Rückschlag für die Energiewende ist, könnte sich als Chance für Stadtwerke erweisen. Lesen Sie mehr dazu ab Seite 46. Sonne Wind & Wärme 09/

9 energiedienstleister Stromsparkampagne Im Fokus Wir sind keine kwh-durchschieber Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zeichnete die Stadtwerke Tübingen für ihre Stromsparkampagne als KlimaStadtWerk des Monats Mai 2014 aus. Auf dem Foto zu sehen sind (v.l.n.r.): Verena Gal (Projektmanagerin Kommunaler Umweltschutz DUH), Robert Spreter (Leiter Kommunaler Umweltschutz DUH) sowie die swt-geschäftsführer Wilfried Kannenberg, Ortwin Wiebecke und Achim Kötzle. Foto: Gudrun de Maddalena Mit der Stromsparkampagne Null-Komma-Strom helfen die Stadtwerke Tübingen ihren Kunden beim Stromsparen. Gutmenschentum ist das nicht, sie sichern sich damit auch ihre eigene Zukunft. Gewinnmaximierung ist das vorderste Ziel allen Wirtschaftens. Ein Student der Betriebswirtschaftslehre lernt das im ersten Semester. Und so erstaunt es, wenn Achim Kötzle, Geschäftsführer für den Bereich Energiewirtschaft der Stadtwerke Tübingen (swt) GmbH, sagt: Es ist nicht unser Interesse, möglichst viel Energie zu verkaufen. Ist es nicht das originäre Ziel eines Energieversorgers, möglichst viel Energie abzusetzen? Noch dazu Strom, der das umsatzstärkste Geschäftsfeld ist? Nein, meint Kötzle, was wir wollen, sind möglichst viele Kunden. Dafür, aber auch aus ökologischen Gründen, haben die Stadtwerke Tübingen die Stromsparkampagne Null-Komma-Strom Wir sparen uns ein Kraftwerk ins Leben gerufen. Wenige Monate vor ihrem Ende ist das Ziel schon fast erreicht. Der Titel kommt natürlich von Nullkommanix, erklärt Kötzle den Kampagnenslogan. Aber ganz ohne Strom geht es natürlich nicht. Die Stadtwerke wollen ihren Kunden auch weiterhin elektrische Energie verkaufen, nur weniger soll es eben sein. Wann ist der Kunde zufrieden? Wenn er weniger zahlt. Deswegen helfen wir dabei zu sparen. Auch der Untertitel hat einen realen Hintergrund. In Tübingen gibt es zwei Wasserkraftturbinen mit jeweils 300 kw Leistung. Die Stadtwerke hätten gern eine dritte Turbine gebaut. Aber die sparen sie ein, indem sie den Strombedarf reduzieren. Wirtschaften im liberalisierten Markt Die Stadtwerke Tübingen blicken auf eine lange Tradition zurück. Mit dem ersten Gaswerk, das 1862 in Tübingen in Betrieb ging, begann die Energielieferung. Heute beschäftigt das zu 100 % kommunale Unternehmen 450 Mitarbeiter und erwirtschaftet ca. 200 Mio. /a Umsatz. Mit einer Stromlieferung von 740 Mio. kwh/a liegt der Umsatz in diesem 42 Sonne Wind & Wärme 09/2014

10 Photovoltaik zell- und modulindustrie Die Jagd nach Marktanteilen Vorbei sind die Zeiten, in denen Europa der Schlüsselmarkt der internationalen Solar industrie war. Längst hat sich der Schwerpunkt verlagert, vor allem in den asiatischpazifischen Raum und auf den amerikanischen Kontinent. Aber das sind nicht die einzigen Regionen der Welt, in denen die Zeichen auf Solarstrom stehen. Entsprechend verschiebt sich auch die Produktion von PV-Komponenten. Zellprozessierung bei Suntech Power in Wuxi in der chinesischen Provinz Jiangsu. Foto: Suntech Power Im Jahr 2011 wurden noch 74 % der global installierten PV Leistung in Europa installiert, 2012 waren es nur noch 55 % und 2013 fiel der Anteil mit 11 GW auf 29 %. Europas unangefochtene Führungsposition auf dem internationalen PV-Markt ist beendet, sagt Oliver Schäfer, Präsident des europäischen PV-Industrieverbands EPIA. Entsprechend sank die Produktion von Modulen und Zellen in Europa, was für viele lokal agierende europäische Hersteller den Weg in die Insolvenz bedeutete. Dafür stiegen die Installationen in anderen Teilen der Welt. Hier sticht vor allem Japan ins Auge, wo die Installationen in den vergangenen Jahren dank eines attraktiven Fördersystems stark anstiegen eine Steilvorlage für den japanischen Hersteller Sharp. Das Unternehmen schloss seine Modulproduktionen in England und den USA und sattelte um auf Outsourcing. Gleichzeitig nutzte es seinen Heimvorteil konsequent aus und katapultierte sich an die Spitze der Top Ten der Modulhersteller. Erstmals seit Ende 2009 habe damit ein nicht- chinesisches Unternehmen die Spitzenposition in der PV-Industrie übernommen, so Solarbuzz- Analyst Ray Lian. Sharp Solar habe von der starken Nachfrage in Japan und einer flexiblen Lieferfähigkeit profitiert. Nach Angaben des japanischen Ministry of Economy, Trade and Industry (METI) knackte Japan Ende letzten Jahres die 12-GW-Marke. Mit gutem Beispiel voran Doch auch die führenden chinesischen Hersteller können ihre Marktmacht weiter behaupten. Das haben sie zum einen der starken Nachfrage in China zu verdanken, aber auch die Entwicklung im asiatisch- pazifischen Raum generell spielt ihnen in die Karten. Gerade die chinesischen Hersteller bauten derzeit ihre Kapazitäten wieder aus teils, indem sie in neue Produktionslinien investieren, aber auch durch Übernahmen und mithilfe von OEM-Partnern. Obwohl die Industrie langfristig auf eine stärker regionalisierte Photovoltaik- Produktion setzt, führt der derzeitige Installationsboom in China und Japan zu Kapazitätserweiterungen, 48 Sonne Wind & Wärme 09/2014

11 vor allem in China, sagt IHS-Analyst Stefan de Haan. Er geht deshalb auch davon aus, dass die chinesischen Hersteller in diesem Jahr ihren Marktanteil weiter steigern können. Während viele Hersteller auf Kostensenkung und Kostenkontrolle fixiert gewesen seien, nutzen chinesische Hersteller die Chance, um ihre Marktanteile zu vergrößern. Dabei erhalten sie großzügige Unterstützung. Wie das Unternehmen Jinko Solar, das von der China Minsheng Banking eine Finanzhilfe in Höhe von 120 Mio. erhält für die Realisierung von PV- Projekten in China. Auch die China Development Bank ist hier tatkräftig unterwegs, um der heimischen Industrie weltweite Absatzunterstützung zu geben. Das vertikal integrierte Solarunternehmen Trina Solar geht in Sachen Marktanteile mit bestem Beispiel voran. Anfang des Jahres gab das Unternehmen bekannt, dass es 33 Mio. in ein Joint Venture mit Changzhou NESL Solartech investieren will, die Produktion soll innerhalb von zwölf Monaten auf 500 MW/a steigen. Da wir erwarten, dass die Nachfrage für Module weiter wachsen wird, besonders in China, Japan und neuen Märkten wird das Joint Venture Trina Solars Marktposition stärken, sagt CEO Jifan Gao. Das Joint Venture sei für Trina eine kostengünstige Möglichkeit, die Produktionskapazität zu erhöhen. Trina wird 51 % an der neuen Gesellschaft halten, die Yabang Gruppe 49 %. Der zweite Streich folgte nur kurze Zeit später. Diesmal erweiterte Trina Solar seine Marktanteile im Bereich der Zellproduktion und sicherte sich mit 51 % die Mehrheit an der Hubei Hongyuan PV Science Technology Co., Ltd. Ein entsprechender Vertrag sei nun mit dem Equipment-Hersteller Shenzhen S.C. New Energy Technology Corporation geschlossen worden, der die restlichen 49 % halte, teilte der Konzern mit. Gemeinsam wollten die Unternehmen nun die Kapazitäten von Hubei Hongyuan in China ausbauen, Mitte des Jahres sollten sie bei 420 MW liegen. Auch Canadian Solar ließ sich nicht zweimal bitten. Das Unternehmen hat zwar seinen Hauptsitz in Kanada, produziert jedoch den Großteil seiner Zellen und Solarmodule im Reich der Mitte. Vor allem von dort erhofft sich Canadian Solar einen weiteren Nachfrageschub. Im vierten Quartal 2013 gingen 43 % der Verkäufe Canadian Solars nach China. Nachdem die chinesische Regierung Als Ihr globaler Kabelhersteller mit über 90 lokalen Fertigungsstätten, sind wir mit unserem Vollsortiment an Kabel und Leitungen der perfekte Partner für Sie vor Ort! Prysmian Group als weltweiter Marktführer in der Kabelindustrie ist davon überzeugt, dass eine leistungsfähige, wirtschaftliche und nachhaltige Energie- und Informationsversorgung für die Entwicklung der globalen Gesellschaft eine herausragende Rolle spielt. Vor diesem Hintergrund beliefern wir große internationale Organisationen aus vielen Branchen mit herausragenden Kabellösungen, die auf modernsten Technologien beruhen. Wir sind mit zwei renommierten Marken Prysmian und Draka in knapp 50 Ländern vertreten und damit stets in Kundennähe. OB IN DER LUFT, ZU LAND, IM WASSER ODER BEI IHRER SPEZIELLEN ANWENDUNG: MIT UNSEREN KABELN TREFFEN SIE IMMER DIE RICHTIGE ENTSCHEIDUNG! LEADING TECHNOLOG IN ALL KEY SEGMENT AND BEST IN CLASS STRONGER PLATFORM TO ENHANCE CUSTOME LINKING THE FUTURE CUSTOMER SERVICE WORLDWIDE LEA EXTENDED PRODUCT IN OGP AND INDUSTR SUPPORTING GLOBAL UTILITIES IN T OF SMARTER AND GREENER POWER STRONGER PLATFO TO ENHANCE CUSTO So tragen wir dazu bei, dass unsere Kunden die Energie- und Telekommunikationsinfrastrukturen unserer Welt weiterentwickeln und nachhaltig und profitabel wachsen können. Wir blicken auf 130 Jahre Erfahrung und eine kontinuierliche Forschungs- und Entwicklungstätigkeit zurück. Die Erwartungen unserer Kunden zu erfüllen und zu übertreffen treibt all unsere Aktivitäten an, geprägt vom Streben nach Exzellenz, unserem Know-how und unserer Integrität. Das macht uns gleichzeitig zu einem Innovationsmotor in unserer Branche.

12 Windenergie Versicherungen Voller Schutz zu Schnäppchenpreisen Selten, aber teuer: Wenn eine Windmühle abrennt, sollte sie gut versichert sein. Foto: dpa Banken und Versicherungen lieben Vollwartungsverträge. Schließlich liegen die technischen Risiken dann nicht bei ihnen, sondern bei den Dienstleistern und Herstellern. Für die übrigen Unwägbarkeiten schnüren die Assekuranzen passende Pakete zu echten Schnäppchenpreisen. Hohe Summen, kleine Prämien. So lässt sich der aktuelle Versicherungsmarkt für Windmühlen knapp zusammenfassen. Ab 60 Ct/kWh können sich Betreiber einen umfassenden Schutz für ihre Technik einkaufen. Rabatte oder Sonderkonditionen sind da noch nicht einmal abgezogen. Unterm Strich liegt beispielsweise die Jahresprämie für eine E 82 mit 2,3 MW bei knapp und für die 3-MW-Klasse bei knapp Die Prämien für zusätzliche Deckungen sind im Moment äußerst attraktiv. Wenn die Vollwartungsverträge bereits viel enthalten, dann lassen sich hohe Investitionssummen zu vergleichsweise geringen Beiträgen versichern, nennt Versicherungsmakler Günther Gentele einen wichtigen Grund für die paradiesischen Zeiten. Hier können Betreiber immer aus dem Vollen schöpfen, wenn es um die Erstversicherung ihrer Windmühlen geht. Weil Banken darauf drängen, langjährige Vollwartungsverträge mit den Herstellern abzuschließen, stopfen Versicherer nur noch die Deckungslücken für neue Windparks. Die Assekuranzen sehen solche Konstruktionen sehr gerne. Sie decken nur noch die Lücken durch einen zusätzlichen Versicherungsschutz ab und übertrumpfen sich dabei gegenseitig mit günstigen Paketen und neuen Produkten. Angesichts der Werte stehen die Prämien samt den dahinter stehenden Leistungen aber in keinem Verhältnis zu den Investitionen. Daher muss eine Versicherung schon viele Verträge schreiben, um happige Schäden aufzufangen. Doch über die Vollwartungsverträge werden die technischen Risiken ja eh auf den Hersteller umgeschichtet, der sich seinen Einsatz vom Betreiber aber auch gut bezahlen lässt. Die Anlagenbauer decken sich wiederum mit Policen bei den großen Rückversicherungsgesellschaften ein, damit sie durch aufwendige Retrofits oder mögliche Serienschäden nicht in eine finanzielle Schieflage geraten. Ganz ähnlich wie bei anderen Versicherungsstrukturen gelten auch hier Selbstbehalte oder steigende Prämien, wenn zu viele Schäden bei den Rückversicherern auf dem Tisch landen. 68 Sonne Wind & Wärme 09/2014

13 Windenergie Versicherungen Marktübersicht Versicherungen für die Windenergiebranche Unternehmen Planungs- und Errichtungsphase Basler Versicherungen HDI-Gerling Industrie Versicherung AG R+V Versicherung AG Aon Versicherungsmakler Deutschland GmbH Enser Versicherungskontor GmbH Internetadresse Versicherung oder Makler? Versicherung Versicherung Versicherung Makler Makler Angebote für onshore und/oder offshore? on- und offshore on- und offshore onshore on- und offshore onshore Pachtzahlungsbürgschaft ja/nein individuell abzustimmen nein nein, aber in Prüfung ja ja Bauherrenhaftpflicht ja/nein individuell abzustimmen ja ja ja ja Transportversicherung ja/nein individuell abzustimmen ja ja ja ja Montageversicherung ja/nein individuell abzustimmen ja ja ja ja Verspätete Inbetriebnahme ja/nein individuell abzustimmen ja im Rahmen einer Betriebsunterbrechungsvers. ja ja k.a. Betriebsphase Sonstige Leistungen All Inklusive Pakete ja/nein individuell abzustimmen nein k.a. ja ja Betreiberhaftpflicht ja/nein individuell abzustimmen k.a. ja ja ja Umwelthaftpflicht ja/nein individuell abzustimmen ja ja ja (inkl. Umweltschadenversicherung ja und Zusatzbaustein 1) Maschinenversicherung ja/nein individuell abzustimmen ja ja ja ja (abgedeckte Schäden) Maschinenbetriebsunterbrechung ja/nein individuell abzustimmen ja ja ja ja (Haftzeit nach Schaden) Minderertragsabsicherung ja/nein individuell abzustimmen nein ja nein ja Verfügbarkeitsoption (über ja/nein individuell abzustimmen nein nein ja ja Herstellergarantien hinaus) Vermögensschäden (infolge ja/nein individuell abzustimmen nein ja ja ja Direktvermarktung) D&O Versicherung ja/nein nein k.a. ja ja ja Management Bürgschaft Rückbau ja/nein individuell abzustimmen nein ja ja nein Rechtsschutz ja/nein nein ja ja ja ja All Inklusive Pakete ja/nein individuell abzustimmen nein k.a. ja ja individuelle Lösungen für die Planungs- und Errichtungsphase sowie für die Betriebsphase von Windkraftanlagen. Schadenmanagment und Abwicklung durch eigene Dipl.-Ingenieure, die mit den Versicherungsgesellschaften gemeinsam besichtigen, verhandeln und korrespondieren. Zudem Versicherungsschutz für internationale Projekte und eigene Erfahrung mit Planung/Betrieb von Windparks Lösungen für das Management Den Betreibern bieten die diversen Pakete und einen umfassenden Schutz, der die Errichtung durch Transport- und Montageversicherungen sowie die Bauherrenhaftpflicht abdeckt. Den vollen Schutz innerhalb der durch Vollwartungsverträge abgedeckten Betriebszeiten bieten die Maschinen- sowie die Maschinenunterbrechungsversicherung. So deckt zum Beispiel die wichtige Maschinenversicherung nicht nur Schäden durch Naturgewalten ab. Enthalten sind auch technische Störungen, menschliches Versagen, Material- oder Konstruktionsfehler. Ausgeschlossen sind hingegen immer das Versagen von Bauteilen, Verschleiß oder Mängel, weil Assekuranzen eben nicht die Risiken der Hersteller übernehmen. Als Ergänzung dazu sichert die Maschinenunterbrechungsversicherung die Ertragsausfälle in Folge von versicherbaren Schäden ab. Das gilt bei mechanischen Schäden meist für sechs Monate und bei Bränden für bis zu 24 Monate. 70 Sonne Wind & Wärme 09/2014

14 Biogas aus Abfall Bioenergie Aus Platzgründen kommt bei der Biogasanlage der AVA Abfallverwertung Augsburg die Trockenvergärung zum Einsatz. Abwärme aus dem benachbarten Abfall-Heizkraftwerk beheizt den Pfropfenstrom-Doppelfermenter. Foto: AVA Abfallverwertung Augsburg Gmbh Vom Neben- zum Hauptdarsteller Die Abfallvergärung stand bisher im Schatten des Booms landwirtschaftlicher Biogasanlagen. Mit der EEG-Reform dürfte sich das ändern. SONNE WIND & WÄRME stellt innovative Projekte in augsburg und Coesfeld vor und wagt einen Blick in die Zukunft. Mit der Vergärungsanlage wollen wir das energetische Potenzial der Bioabfälle nutzen, sagt Gerald Guggenberger, Technischer Leiter der AVA Abfallverwertung Augsburg GmbH. Die AVA hat eine Biogasanlage in das schon seit 20 Jahren bestehende Kompostwerk in Augsburg-Ost integriert und im Januar offiziell in Betrieb genommen. Bis zu t/a Bioabfälle werden künftig vergärt, das Biogas wird aufbereitet und ins Netz der Augsburger Stadtwerke eingespeist. Die Stadt Augsburg und die umliegenden Landkreise legen sich mächtig ins Zeug, um künftig mehr Bioabfälle mit der Braunen Tonne einzusammeln. Wie Guggenberger erklärt, sei aufgrund der beengten Platzverhältnisse nur eine Trockenvergärung im Pfropfenstromverfahren infrage gekommen. Wegen des tendenziell höheren Gasertrags und Automatisierungsgrads im Vergleich zu Boxenfermenter-Systemen ist der Technikchef jedoch nicht unglücklich darüber. In der europaweiten Ausschreibung setzte sich die Thöni Industriebetriebe GmbH durch. Der österreichische Anlagenbauer errichtete die komplette Gäranlage schlüsselfertig von der Einbringtechnik bis zu den Nachrotteboxen innerhalb von zehn Monaten. Auf Projekte wie dieses in Augsburg richten sich nach der aktuellen EEG-Reform die Hoffnungen der Biogasbranche: Mit der Streichung der Einsatzstoffvergütung werden neue landwirtschaftliche, hauptsächlich mit Mais gefütterte Anlagen, die den bisherigen Biogas-Ausbau im Wesentlichen trugen, praktisch 92 Sonne Wind & Wärme 09/2014

15 abgeschafft. Während jedoch für landwirtschaftliche Substrate vorrangig Nassvergärungsverfahren zum Einsatz kamen, ist für die hohen Trockensubstanzwerte von Bio- und Grünabfällen die Trockenvergärung vorzüglich geeignet eine Technologie, die viele der etablierten Hersteller landwirtschaftlicher Anlagen gar nicht anbieten. Wie ein Auszug aus dem vom Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH neu aufgelegten Biogas-Atlas 2014/15 zeigt, werden bei Bio- und Grüngut überwiegend und zu nahezu gleichen Anteilen Boxen- und Pfropfenstrom- Vergärungstechniken eingesetzt. Die Nassvergärung ist dagegen auch beim zweiten Abfallstrom den Gewerbe- und Speiseabfällen vorrangig. Hier dürfte aber eine Sättigung des Marktes den Zubau in Deutschland begrenzen, hat Thomas Raussen, Leiter der Geschäftsbereiche Energie und Engineering am Witzenhausen-Institut, beobachtet. Durch den enormen Wettbewerbsdruck hätten in diesem Segment bereits einige Anlagen den Betrieb einstellen müssen. Zubau bei Bio- und Grüngutanlagen Der Biogas-Atlas 2014/15 dokumentiert insgesamt 113 deutsche Abfallvergärungs-Anlagen mit mehr als t/a Inputmaterial. Weil der Begriff Bioabfälle oft als Sammelbegriff für alle organischen Abfälle dient, nennt das Witzenhausen-Institut getrennt erfassten Bioabfall aus privaten Haushalten Biogut, Garten- und Parkabfall wird als Grüngut bezeichnet. 75 Anlagen verwerten ganz überwiegend Bio- und Grüngut; also Substrate der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger. Bei diesen Anlagen ist seit Mitte der 1990er Jahre ein kontinuierlicher Zubau zu verzeichnen setzte im Zusammenhang mit energieund klimapolitischen Initiativen der Kommunen und besonderen Reglungen im EEG sogar eine steilere Entwicklung ein. Die Anlagen konzentrieren sich vorwiegend um die Ballungszentren mit ihren hohen Substrataufkommen. 14 Anlagen speisen das erzeugte Biogas ins Erdgasnetz ein, während die restlichen über 100 MW elektrische Leistung bereitstellen. Derzeit liegt die Vergärungskapazität für Bio- und Grüngut bei 1,9 Mio. t/a damit kann etwa ein Drittel des bundesweiten Aufkommens an Biogut vergoren werden. Die erfasste Menge an Bioabfall aus Haushalten soll in den nächsten Jahren deutlich zunehmen, denn das geänderte Kreislaufwirtschaftsgesetz ( 11 KrWG) verpflichtet die Kommunen ab 2015 zu einer flächendeckenden Getrenntsammlung. Mit Ein führung einer Braunen Tonne in den bisherigen weißen Flecken der Landkarte und einer intensivierten Sammlung in den bisherigen Gebieten prognostiziert das Witzenhausen-Institut eine Steigerung der Erfassungsleistung von zurzeit 4,5 Mio. auf bis zu 7,5 Mio. t/a Biogut. Vor diesem Hintergrund und der breiten gesellschaftlichen Akzeptanz für die energetischstoffliche Kaskadennutzung wird sich der Ausbau der integrierten Biogutvergärung mit etwas beschleunigtem Tempo fortsetzen, meint Raussen, gemeinsam mit anderen Fachleuten erwarten wir eine Verdopplung der derzeitigen Vergärungskapazität für Bio- und Grünabfälle bis 2020 und eine Verdreifachung gegenüber dem Status quo bis Das Biogas aus der Anlage in Coesfeld wird aufbereitet und ins Erdgasnetz eingespeist. Um die nahe gelegene Aufbereitungsanlage gleichmäßig beschicken zu können, wurde ein m³ großer Doppelmembran-Gasspeicher errichtet. Foto: Energieagentur NRW Sonne Wind & Wärme 09/

16 Solarthermie anlagenüberwachung Erträge im Internet Mit dem Programm Convisopro von Prozeda kann man seine Anlagendaten dreidimensional darstellen. Grafik: Prozeda Internetfähige Solarregler eröffnen neue Möglichkeiten der anlagenüberwachung und Optimierung. Nicht jede Solaranlage funktioniert so wie sie sollte. Wenn unabhängige Prüfer staatlich geförderte Anlagen kontrollieren, finden sie immer mehr oder weniger gravierende Fehler. Eine Untersuchung aus den Schweizer Kantonen Basel- Stadt und Basel-Land hat zum Beispiel ergeben, dass sieben von 60 geprüften Anlagen nicht funktionierten. Dabei handelte es sich um Anlagen, die im Jahr 2011 installiert wurden. SONNE WIND & WÄRME wird in einer der kommenden Ausgaben über diese Studie berichten. Es scheint also nötig zu sein, die Solaranlagenbesitzer stärker dafür zu sensibilisieren, dass sie ihre Anlage überwachen müssen. Hilfreich ist, die Solaranlagendaten über das Internet auszuwerten. Mittlerweile bieten fast alle Hersteller von Solarreglern internetfähige Geräte an. Systemregler wie der XHCC und der XTDC von Sorel oder der Deltasol SLT von Resol sind bereits mit LAN-Schnittstellen ausgestattet. Aber auch User, die über keinen Regler mit LAN- Schnittstelle verfügen, müssen nicht auf das Auslesen ihrer Anlagendaten verzichten. Zusatzgeräte wie das Webmodul Conexio 200 von Prozeda oder das Webinterface C.M.I. von der Technischen Alternative schaffen die Verbindung. Besonders bequem geht es mit dem IFA-Router TK RW2 von Steca, denn dieser ist mit WLAN ausgestattet. Je nach Hersteller bieten sich dem Nutzer verschiedene Möglichkeiten, seine Daten anzusehen. Prozeda und die Technische Alternative spiegeln die Regleroberfläche auf das entsprechende Mobilgerät. Die Bedienung erfolgt dann genauso wie zu Hause im Keller. Bei der Technischen Alternative gibt es drei Bedienebenen. Ein Gast kann die Daten nur ansehen. Der Anwender kann ausgewählte Parameter ändern und nur der Experte hat den vollen Zugriff. Resol hat für seine Kunden das Internet-Serviceportal eingerichtet. Darüber können sie Daten einsehen, Änderungen der Einstellungen sind aber nicht möglich. Für Eingriffe in den Regler benötigt er die kostenlos erhältliche Software RPT. Solche Programme mit erweiterten grafischen Datenaufbereitungen gibt es auch von vielen weiteren Herstellern. Der frei programmierbare SC 460 Systemregler von SchulerControl kann die Erträge mittels PC oder Laptop auf beliebigen Web-Browsern visualisieren. Außerdem lassen sich Updates über das Internet aufspielen. SchulerControl nutzt die LAN-Verbindung zudem, um mehrere eigenständige SC-460-Geräte, nach dem Master-Slave-Prinzip zu verbinden. 96 Sonne Wind & Wärme 09/2014

17 Automatischer Funktionscheck Erkennt der Solaregler einen Anlagenfehler, kann zum Beispiel bei Prozeda oder der Technischen Alternative automatisch eine Mail an den Anwender verschickt werden. Eine kostengünstige Version eines automatisierten Funktionschecks entwickelt derzeit das Schweizer Unternehmen Egon AG. In der Testphase mit zehn Anlagen hat die Software eine Reihe von Fehlern gefunden. Mal war der Vorlauf kälter als der Rücklauf, mal ging die Anlage trotz Wärmebedarf in Stagnation, mal wurde der untere Teil des Speichers heiß, obwohl die Solarpumpe nicht in Betrieb war. Der Funktionscheck deckt nicht nur akute Fehler, wie einen defekten Fühler auf, sondern sie kann auch eine falsche Reglereinstellung, falsch platzierte Fühler oder eine schlecht eingestellte Nachheizung aufzeigen. Die Software vergleicht den Solarertrag auch mit einem berechneten Referenzertrag und kann so Optimierungspotenzial aufzeigen. Wie belastbar diese Berechnung ist, muss sich allerdings noch zeigen. Bisher werden die Anlagendaten manuell aus der SD- Karte ausgelesen. In der Versuchsphase waren Regler von Steca, Resol und Soltop vertreten, die über eine SD-Karten-Schnittstelle verfügen. In Zukunft möchten wir, dass auch ein Monitoring mit automatischer Online-Datenauslesung möglich ist. Wir können aber noch nicht abschätzen, wann es so weit sein wird, sagt Sandra Stettler, Geschäftsführerin der Egon AG. Der Funktionscheck soll im Lizenzverfahren von Unternehmen angeboten werden, welche eine kompetente Betreuung der Endkunden gewährleisten können. Das sollen vor allem Solaranlagenanbieter sein, denkbar wären auch örtliche Energieagenturen. Dabei soll es sich um unabhängige Dritte handeln und nicht um den Installationsbetrieb selbst. Und was kostet das? Wir gehen davon aus, dass die Solaranlagenanbieter den Funktionscheck üblicherweise als Teil eines Servicepakets verkaufen. Der Preis des Die Daten des Energiemanagers SC 460 von SchulerControl kann man mit beliebigen web-browsern visualisieren und für die Anlagenoptimierung nutzen. Grafik: SchulerControl Funktionschecks wird darin vermutlich nicht separat aufgelistet und wir lassen den Solaranlagenanbietern freie Hand bei der Preisgestaltung, so Stettler. Die Lizenzkosten für den Solaranbieter sollen pro Anlage einmalig ca. 250 betragen. Anfangs ist das Interesse hoch Fsave Solartechnik hat bereits Erfahrung mit einem internetgestützten Datenlogging-Portal, das einen Fernzugriff auf die Reglung erlaubt. Es sind nicht nur interessierte EFH-Besitzer, die das Portal nutzen. Zu den Kunden zählen Betreiber gewerblicher Anlagen und Universitäten, die Demoanlagen mit umfangreicher Messtechnik unterhalten. Auch Wärmecontracting-Anlagen sind darunter. Vor allem in der Anfangszeit nach der Inbetriebnahme schauen die Kunden häufig auf die Daten. Auch wir schauen auf die Daten, sodass wir oft gemeinsam mit dem Kunden GRANDIS 600 EINE GENERATION VORAUS! 100% gmade in Germany, E golsheim Jetzt kompatibel mit: conexio 200 Einfache Visualisierung und Fernbedienung mit PC, Tablet oder Smartphone flexbox 400 Modulare Funktionserweiterung Prozeda Gmbh In der Büg 5 D Eggolsheim Tel: +49 (91 91)

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