Museumsdokumentation und Katalogproduktion: Ausstellungsbetrieb und Museumsdaten in einer Hypersoftware

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1 18 einsetzen, beginnen ganz klassisch mit der Erfassung des Inventars und der Bibliothek. Schnell wird mindestens die Adressverwaltung nicht nur als Künstlerdatenbank genutzt, sondern zusätzlich von der PR-Abteilung für den Versand von Einladungen und dem Bewerben von Veranstaltungen verwendet. Da alle unterschiedlichen Datenbereiche eng miteinander verknüpft sind, ist immer ein unmittelbarer Zugriff aller Mitarbeiter auf alle Daten möglich, wenn dies gewünscht ist. Falls dies nicht gewünscht ist, können natürlich entsprechende Rechte vergeben werden, um den Zugriff zu regulieren. Bereits seit 1994 verkaufen wir FirstRumos. Der Förderverein des Freilichtmuseums am Kiekeberg fungiert dabei als Herausgeber. Sämtliche Gewinne fließen unmittelbar zurück in die Museumsarbeit. Inzwischen arbeiten annähernd 300 Museen, Archive und weitere kulturelle Einrichtungen mit FirstRumos. Unsere Kollegen aus diesen Institutionen haben mit ihren Wünschen wesentlich zur Weiterentwicklung von FirstRumos beigetragen. Dafür sei ihnen an dieser Stelle herzlich gedankt. So ist beispielsweise in Zusammenarbeit mit dem Naturkundemuseum im Ottoneum Kassel ein Modul für die Verwaltung zoologischer und botanischer Objekte entstanden. Aktuell arbeiten wir zusammen mit einem Stadtfotoarchiv an der Erweiterung des Bildarchivs. Im eigenen Haus sollen zukünftig der Museumsladen und der Förderverein über FirstRumos verwaltet werden. Wir haben also noch viel vor und wachsen weiterhin an unseren eigenen Ansprüchen und jenen der Nutzer. Zur Verfasserin: Annette Gast Förderverein des Freilichtmuseums am Kiekeberg e.v. FirstRumos Am Kiekeberg Rosengarten-Ehestorf T , -0, Fax -64 oder Anmerkungen: 1 Rump, Kai: FirstRumos Von der Karteikarte auf Endlospapier zur Software-Komplettlösung. In: Wiese, Gisela; Wiese, Rolf (Hg.): Ein Museum kommt in die Jahre. Festschrift zum 50jährigen Bestehen des Freilichtmuseums am Kiekeberg. Schriften des Freilichtmuseums am Kiekeberg, Bd. 46. Ehestorf 2003, S Telefonat mit Dr. Oliver Rump am Rump, Kai: ebenda, S. 136 Summary The open-air museum Kiekeberg has developed its own software. FirstRumos began in 1989 when the museum started its digital inventarization. In the mid 1990s graphic elements were added, images could be inserted, and the system was linked to internet and . The range of tasks performed by this documentation program expanded as the Museum Kiekeberg grew not only in exhibits but in the activities and programs it offers. The software now has multiple functions for loans, events and much more for example, venue bookings and invoices are easily done, and newsletters and press releases can be sent directly to a target audience. The software is for sale, and currently used by over 300 museums. Johanna Gummlich-Wagner Museumsdokumentation und Katalogproduktion: Ausstellungsbetrieb und Museumsdaten in einer Hypersoftware Seitdem sich seit den 80er Jahren zunehmend die Überzeugung durchgesetzt hat, daß die EDV ein nützliches Hilfsmittel für die museale Dokumentationsarbeit darstellt, verband sich damit die Hoffnung, den traditionellen Konflikt zwischen dem Museum als Verwertungsbetrieb mit einer hohen Ausstellungsdichte und der wissenschaftlichen Bearbeitung mit Erfassung und Erschließung in der Bestandsarbeit zu lösen. Durch den Einsatz der EDV haben sich Bedeutung und Methodik musealer Dokumentation verändert. Arbeitsprozesse wurden umstrukturiert und integrierte Museumsmanagementsysteme entwickelt. Mit dieser Entwicklung ging die Erarbeitung von Regelwerken für die Museumsdokumentation einher, deren Vielfalt mittlerweile zur Definition des gemeinsamen Austauschformates museumdat 1 geführt hat. Ausgearbeitete Fachterminologien wurden erweitert, in computerlesbare Thesauri umgesetzt und stehen im standardisierten XML-Format museumvok zur nichtkommerziellen museumsbezogenen Nutzung frei zur Verfügung. Die Qualität einer Software kann längst daran bemessen werden, ob sie die Norm DIN 1463 für die Nutzung und Erstellung kontrollierter Vokabularien einhält. 2 Die Anfänge musealer Digitalisierung Dennoch arbeiten viele, gerade auch kleinere Museen bis heute noch mit traditionellen Dokumentationsmethoden. Die Gründe hierfür sind vielfältig veröffentlichte das Kompetenznetzwerk Langzeitarchivierung und Langzeitverfügbarkeit mit der Nestor-Studie Digitalisierung und Erhalt von Digitalisaten in deutschen Museen Zahlen zum Stand der Digitalisierung in deutschen Museen. 3 Die statistische Erhebung bei 1192 von damals insgesamt etwa 6500 deutschen Einrichtungen ergab, daß trotz mehreren Museumsdokumentationssystemen unterschiedlicher Softwarehersteller immerhin noch 28,8% mit Eigenentwicklungen, insbesondere Accessbasierten sowie Textverarbeitungs- und Tabellenkalkulationsprogrammen wie Excel arbeiten. HiDA nahm damals als eines der ältesten Datenbanksysteme für die Kulturgutdokumentation mit 10,7% Rang 2 innerhalb der museumsspezifischen Softwarelösungen ein. An erster Stelle lagen noch Access-basierte Eigenlösungen und andere unter Sonstige zusammengefaßte Individuallösungen. Ein Datenbanksystem der ersten Stunde Die ersten Grundsteine für HiDA wurden bereits 1985 gelegt. In enger Zusammenarbeit mit dem Bildarchiv Foto Marburg und der Volkswagen- Stiftung als Förderer wurde die erste Version einer Software zur wissenschaftlichen Erfassung von Kulturgut von der Firma startext konzipiert und realisiert. Das zunächst noch zeichenorientierte Werkzeug auf Basis des Betriebssystems DOS konnte schon bald durch eine für damalige Verhältnisse komfortable Version mit integrierter graphischer Oberfläche abgelöst werden. Die kontinuierliche Weiterentwicklung hat HiDA im Laufe von zwei Jahrzehnten zu einem anerkannten und öffentlich geförderten Werkzeug in Museen, Denkmalämtern, kunsthistorischen Instituten, Bildarchiven, Verlagen und Verwaltungsinstitutionen gemacht. Zu den Funktionserweiterungen gehörten Module zur Anbindung multimedialer Objekte, zur Erzeugung von Listen, Karteikarten und

2 19 Etiketten und ein Thesaurusmodul zum Erstellen und Nutzen von Thesauri. Das Konzept der freien Dokumentdefinitionen schuf die Grundlage für die eigentliche Flexibilität von HiDA. Hierdurch können unabhängig vom Hersteller unterschiedlichste Dokumentstrukturen umgesetzt werden. Die Definition eigener Strukturen ist genauso möglich wie der Einsatz ausgearbeiteter Regelwerke wie beispielsweise MIDAS (Marburger Informations-, Dokumentations-, und Administrations-System) oder den Datenfeldkatalogen der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern (LNM), der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen (SLM), des LWL-Museumsamtes für Westfalen (WMA) oder des CIDOC (Comité International pour la Documentation). Die Digitalisierung verbreitet sich 2006 veröffentlichte das Institut für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz die Statistische Gesamterhebung an den Museen der Bundesrepublik Deutschland für das Jahr Die Ergebnisse besagen, daß zwischen 2004 und 2006 die Nutzung von Datenbanksystemen deutlich zugenommen hat. 70% der 5103 Museen, die die Befragung beantwortet hatten, haben sich zur Form der Dokumentation in ihrem Haus geäußert. 46% der Antworten entfielen auf Datenbanklösungen. Diesen folgen mit Karteikarten mit 37%, Zugangsbüchern mit 33,6%, Listen mit 23,6% und Loseblattsammlungen mit 8,6% als traditionelle und bewährte analoge Dokumentationsmethoden. 4 Da Mehrfachnennungen möglich waren, sind die Prozentzahlen nicht absolut zu setzen. Eine Hürde für den Umstieg auf digitale und datenbankgestützte Dokumentation sind die Hardwareanforderungen aktueller Dokumentationssoftware und damit verbundene Technologiewechsel in den letzten Jahrzehnten. Die weitgehend erfolgte Umstellung auf das den Anforderungen für die Langzeitarchivierung entsprechende Datenformat XML in Kombination mit der Umstellung auf zunächst Microsoft Windows und mittlerweile auch Microsoft Vista bringt es mit sich, daß die Bereitstellung aktueller Rechner zur Voraussetzung für eine Dokumentation auf neuestem technischen Stand wird. Die damit verbundenen Kosten können zusammen mit den Lizenzkosten für spezialisierte Museumsdokumentationssoftware das Budget insbesondere kleinerer Museen überschreiten. Auch hierfür gilt es adäquate Lösungen zu finden. Traditionelle versus digitale Dokumentation? Die Umarbeitung der Informationen aus umfangreichen Karteikartenbeständen für eine Nutzung in Datenbanksystemen gestaltet sich gelegentlich sehr aufwendig. Über Jahrzehnte hinweg genutzte Karteikarten weisen uneinheitliche Beschreibungssystematiken auf, wurden nachträglich korrigiert und ergänzt. Nur zu oft läßt sich an den Karteikarten selbst die Forschungsgeschichte zu den Sammlungsobjekten ablesen. Der Erhalt dieser Informationen ist in vielen Fällen wünschenswert. Gleichzeitig widersprechen solche heterogenen Informationssammlungen der möglichst streng strukturierten Aufteilung von Information in Datenbankfeldern. Eine unbearbeitete oder ungefilterte Übertragung ist meistens ausgeschlossen. Begründet ist die in Datenbanken angestrebte strenge Aufteilung der Informationen auf Einzelfelder in dem Anspruch, dem Datenbanknutzer möglichst treffsichere Suchstrategien an die Hand zu geben, anhand derer er seine Datensammlung für konkrete Nutzungszwecke durchsuchen und auswerten kann. Die Voraussetzung für derartige Suchläufe sind Indexlisten mit sortenreinen Informationen. Eine gute Lösung für die umfassende Dokumentation sollte dennoch möglichst allen Ansprüchen genügen. Um die Informationen der handschriftlichen Karteikarte möglichst vollständig zu übermitteln, muß es also möglich sein, ein Digitalisat einer Karteikarte als Bilddatei mit der Objektbeschreibung zu verknüpfen. Üblicherweise werden Stichworte aus dem Karteikartentext in bestimmte Datenbankfelder übertragen, die laut jeweiligem Regelwerk auszuwählen sind. Dieser Vorgang kann je nach Qualität der Karteikarten manuell geschehen oder durch Retrokonversion automatisiert aufgearbeitet werden. Das Ergebnis sind wiederum Indexlisten, die beispielsweise die Suche nach Künstlernamen, Ikonographie, Herstellungsort etc. erlauben. Ähnliches gilt für Objektbeschreibungen, die in Textverarbeitungsdokumenten, Excel-Listen oder Access-Datenbanken vorliegen. Sie können in der Regel wenigstens teilweise mit Konversionsskripten in das Datenbankschema der Dokumentationssoftware überführt werden. Hierbei wandern Statements, in denen das Für und Wider von Zuschreibungen, Provenienzen etc. begründet diskutiert werden, in sog. Freitextfeldern. Information ist in diesem Fall keine objektive Tatsache, sondern der existente Diskussionsprozeß. Die Durchsuchbarkeit von Freitextfeldern erfolgt im Gießkannenprinzip. Entsprechend geringer bis unbefriedigend ist das treffsichere Auffinden von Informationen. Anforderungen für die Publikationsvorbereitung Viele solcher Texte stehen darüber hinaus in einem direkten Zusammenhang mit Publikationen im Druck oder im Internet und betreffen damit das anfangs genannte Spannungsfeld zwischen Ausstellungsbetrieb und musealer Dokumentation. An dieser Stelle ist an klassische Bestandsund Ausstellungskataloge, aber ebenso an Kurzführer in unterschiedlichen Sprachen, zielgruppenorientierte Broschüren für Kinder, Sehbehinderte oder anläßlich von Sonderveranstaltungen oder Aktionstagen zu denken. Zur Vorbereitung derartiger Publikationen ist es häufig erforderlich, Texte mit Formatierungen wie Schriftgröße, Absatzzeichen, Fett- oder Kursivsetzung, Aufzählungen und Numerierungen zu versehen möglichst in einem einheitlichen Schema, aber doch mit möglichst viel Flexibilität und Eingriffsmöglichkeiten. Formatierungen sind in Datenbanken allerdings in der Regel nicht zweckdienlich und daher auch nicht vorgesehen. Die Konflikte auflösen Ziel einer ausgereiften Softwarelösung sollte es sein, den angesprochenen Konflikt zwischen Ausstellungsbetrieb und Dokumentation aufzulösen. Dabei sollte den Ansprüchen beider Aufgabenbereiche entsprochen werden. Es sollten die anscheinenden technischen Widersprüche gerade auch im Hinblick auf Formatierung von Datenbankinhalten beseitigt werden. Hilfsmittel sollten einen stufenweisen Umstieg von analoger auf digitale Dokumentation erleichtern. Und schließlich ist eine kostenfreundliche Antwort im Hinblick auf Hardwareanforderungen und Unabhängigkeit von lizenzkostenpflichtigen Betriebssystemen zu liefern. Dokumentationsstandards Zu den Grundanforderungen der Dokumentation gehören in HiDA die Unterstützung regelwerksgetreuer Dateneingabe im Schnellverfahren im Sinne einer Grundinventarisierung, aber auch die Möglichkeit, bei Bedarf ausführliche Dokumentationsprozessen durchzuführen bis hin zum hierarchisch aufgebauten Datensatz, in dem beispielsweise alle Blätter einer graphischen Mappe, alle Teile eines Porzellanservices oder eines Möbelensembles gemeinsam und hinsichtlich gemeinsamer Eigenschaften redundanzfrei beschrieben werden können. Selbstverständlicher Bestandteil der Objektbeschreibung sind Bilder, Filme, Audio-Dateien oder sonstige Informationen in beliebigen Formaten (PDF, Word etc.) kurz multimediale Dateien, die über die Software verwaltet werden, jedoch nicht die Datenbank durch ihre Größe belasten dürfen. Ihre Speicherung erfolgt auf einem eigenen Bild- oder Dokumentenserver.

3 20 Genauso müssen Restaurierung, Standortverwaltung, Künstlerviten und vieles mehr enthalten und möglichst unabhängig voneinander nutzbar sein. Eine sinnvolle Aufteilung der Datenbankinhalte in kleine Pakete und eine ausgefeilte Benutzerverwaltung sichern einen reibungslosen Betrieb. Zugriffskonflikte auf gleiche Informationspakete durch mehrere gleichzeitig arbeitende Benutzer innerhalb eines Museumsnetzwerks können durch das virtuelle Einblenden dieser Informationen wirkungsvoll ausgeschlossen werden. In der Kunsttechnologie- und Restaurierungsdokumentation (KuR) mit HiDA bedeutet dies: Dem Restaurator werden ausgewählte Informationen zum Objekt aus dem Datensatz mit der Objektbeschreibung eingeblendet. Solange er nur den KuR-Datensatz bearbeitet, kann er diese Informationen lesen, aber nicht verändern. Als Umkehrschluß ergibt sich daraus, daß dem Dokumentar der Objektbeschreibungsdaten satz gleichzeitig zur uneingeschränkten Bearbeitung zur Verfügung steht. Ungehindert derartiger Konfliktvermeidung werden auch die nur virtuell eingeblendeten Informationen beim Ausdruck oder Export mitgeliefert. Datenbankgestützte Publikationsvorbereitung von Fließtexten Aus fachlicher Sicht schlägt die Druckansicht quasi eine Brücke zwischen sachlichen Objektbeschreibungen und Layouttexten. In den strukturierten Objektbeschreibungen sind Einzelinformationen oder Informationsgruppen auf bestimmte Datenfelder aufgeteilt; wissenschaftliche Beschreibungen und Sachverhaltsdiskussionen erfolgen zumeist im Layouttext. In der HiDA-Druckansicht können die Layouttexte nach einer individuell definierten Schreibanweisung für die Publikationsreihen des jeweiligen Museums wie in einem Textverarbeitungssystem in beliebigen Sprachen und mit beliebigen Schriftzeichen geschrieben und formatiert werden. Dabei lassen sich durch die mit dem Text synchronisierten Datenfeldinhalte der strukturierten Dokumentation gleichzeitig Register aufbauen, die sowohl Druckausgaben als auch für Internetpräsentationen dienen können. Ausgewählte Passagen des Layouttextes werden mit der strukturierten Dokumentation verknüpft, normalisiert oder gegebenenfalls auch übersetzt. Für die Übernahme in sortenreine Register ist ein Zwischenschritt für eine kontrollierte manuelle Normalisierung eingefügt. Im Ergebnis bedeutet dies für den Benutzer der HiDA-Datenbank selbst oder einer datenbankgestützten Internetpräsentation mit HiDA4 web, daß er treffgenaue Recherchen in den Freitexten der Druckansicht genauso wie in der strukturierten Dokumentation durch automatisch aufgebaute und aktualisierbare Register durchführen kann. Anläßlich eines breit angelegten DFG-Projekts Handschriftendatenbank/ MASTER wurde HiDA bis September 2006 einem vollständigen Reengineering unterzogen, zu dessen Charakteristika die Umstellung auf das XML-Format und der Ausbau für einen sicheren Netzwerkbetrieb gehörten. Technisches Ergebnis des DFG-Projekts war eine neuartige HiDA-Version, die mit der sog. Druckansicht als WYSIWYG-Editor 5 für die Erfassung mittelalterlicher Handschriften entsprechend der DFG- Richtlinien zur Erschließung mittelalterlicher Handschriften ausgestattet wurde (HiDA4 / Manuscriptum XML). Dialogfenster zum Eintrag normalisierter Registereinträge Die Druckansicht in der russischen Museumsdokumentation Druckansicht in HiDA4 Manuscriptum XML: Beschreibung einer mittelalterlichen Handschrift Diese Druckansicht trägt der Notwendigkeit Rechnung, daß dem Bearbeiter bei der Beschreibung von Buchblock, Äußerem, Geschichte oder Faszikeln das traditionelle vorgeschriebene Erscheinungsbild eines Katalogisats beim Editieren als wichtiges Orientierungselement vor Augen steht. Bereits während der inhaltlichen Kontrolle des Katalogisats am Bildschirm kann auch die formale Kontrolle seines Erscheinungsbilds erfolgen. Publikationsprozesse lassen sich einfach und schnell vorbereiten. Von dieser neuen Druckansicht können seitdem auch Museen profitieren. Die HiDA-Druckansicht ist nicht an bestimmte Regelwerke gebunden, sondern kann mit jedem Datenfeldkatalog zum Einsatz kommen. Die Eigenschaften der HiDA-Druckansicht veranlaßte Museen in der sibirischen Universitätsstadt Tomsk dazu, ihre Museumsdokumentation auf eine digitale Dokumentation mit einer kyrillischen HiDA4-Version ohne hierarchischen Dokumentaufbau, einem überschaubaren Datenfeldkatalog und vor allem mit intensiver Nutzung der Druckansicht umzusteigen. Bis dahin erfolgte die Dokumentation rein analog auf Karteikarten. Der russische Datenfeldkatalog ist dem vom Deutschen Museumsbund empfohlenen Datenfeldkatalog für die Grundinventarisierung vergleichbar. 6 In Rußland werden gegenwärtig die Methoden der Museumsdokumentation revidiert, nachdem die Regierungskommission für die Revision der Museen nach einer zweijährigen Arbeit erhebliche Defizite und Verluste in zahlreichen Museen festgestellt hat. 7 Die Tomsker Vorgehensweise bei der Dokumentation mit HiDA unterscheidet sich allerdings grundlegend von traditionellen deutschen Dokumentationsmethoden. Ausgangspunkt ist der Karteikarteninhalt, der entweder abgeschrieben oder per Copy & Paste aus einem Textverarbeitungssystem in HiDA übernommen wird. Anschließend werden aus der Druckansicht heraus HiDA-Feldverweise in die strukturierte Dokumentation gelegt.

4 21 Anwendungsbeispiel Glas-Ensemble An einem Anwendungsbeispiel sollen abschließend die beiden Nutzungsvarianten der Druckansicht aufgezeigt werden. Angenommen zum unten zu sehenden Glas-Service hätte zunächst eine Karteikarte mit unsystematisch aufeinander folgenden Informationen vorgelegen (Szenario 1), so wäre der einfachste Weg beim Umstieg von analoger zu digitaler Dokumentation, diese Informationen im unveränderten Wortlaut in Freitextfelder der HiDA-Druckansicht zu übernehmen. Anschließend wird die Durchsuchbarkeit der Informationen durch gezielte Feldverweise in die Tabellenansicht sichergestellt. Russische Benutzeroberfläche für das Museum für Regionalgeschichte, Tomsk Jahrzehntelange Vorgehensweise in Deutschland hingegen ist die intensive Nutzung zunächst der Einzelfelder und Wiederholgruppen für Mehrfachnennungen in der strukturierten Dokumentation, der nun die Verknüpfung mit Fließtexten zur Seite gestellt werden kann. Beispielhaft benannt seien die Anwenderberichte des Saarlandmuseums Saarbrücken oder des Spielzeugmuseums Nürnberg im Download-Zusatzservice der Zeitschrift MUSEUM AKTUELL vom Mai Szenario 2 könnte hingegen so aussehen, daß bereits seit langem mit einem Datenbanksystem strukturierte Informationen zum Sammlungsbestand dokumentiert worden sind und nun ein Interesse daran besteht, sämtliche weiteren Informationen nicht nur mit den Datensätzen (Word, PDF, u. a.) zu verknüpfen, sondern auch durchsuchbar zu machen. Dann könnten die bereits in der Tabellenansicht vorhandenen Informationen mit Freitexten in der Druckansicht verbunden und anschließend auch je nach Bedarf als Druckvorstufe, HTML-Daten für einen Webauftritt oder in beliebig anderen definierbaren Formaten ausgegeben werden. (S. 22 oben) Webbasierte Schnellerfassung: Quick, aber nicht dirty Der Umstieg von analoger zu digitaler Information mit arbeitsteiliger Dokumentationsarbeit an mehreren Arbeitsplätzen bringt wie schon er- Druckansicht in HiDA4 classic: Freitextbeschreibung eines Glas-Services

5 22 wähnt nicht unerhebliche Kosten mit sich. Dem kann alternativ zur Erfassung im HiDA-Datenbankclient mit der Nutzung des Webmoduls HiDA4 express entgegen gewirkt werden. Für HiDA4 express wird zentral ein Webserver installiert, auf den von beliebig vielen Nutzern ohne lokale Installation direkt via Internetbrowser zugegriffen wird. Der Webserver übergibt die Daten selbständig in die HiDA4-Datenbank. (s. unten) Zur Verfasserin: Dr. Johanna Gummlich-Wagner Kunsthistorikerin; promovierte über gotische Kölner Buchmalerei. HiDA-Produktmanagerin bei der startext-unternehmensberatung GmbH, Bonn. Alle Bildrechte liegen bei der startext Unternehmensberatung GmbH, Bonn. Anmerkungen: Tabellenansicht in HiDA4: Strukturierte Beschreibung eines Glas-Services Die Vorteile liegen klar auf der Hand. Es ist keine lokale Installation und Administration notwendig. Die Abhängigkeit von einem Betriebssystem ist aufgehoben. Und selbst ältere Rechner reichen für die Eingabe der Basisinformationen zu einem Objekt aus. Einzige Voraussetzung ist ein Internetzugang. Auf diese Weise können auch Museumsmitarbeiter ohne dokumentarische Ausbildung und Kenntnisse der Dokumentationssoftware schnell und einfach die Datenbank füllen. Für die Nachbearbeitung der so gewonnenen Datenbestände nutzt der Dokumentar die komplexen Redaktions- und Kontrollfunktionen in einem HiDA4 Einzelplatz (Client) und legt gegebenenfalls die Druckansicht an. Die Skalierbarkeit des Systems reicht ganz in Abhängigkeit von den Wünschen des einzelnen Museums vom Einzelplatz über die Kombination von Einzelplatz mit HiDA4 express bis zur komplexen Netzwerkinstallation. 9 1 museumdat ist ein für Recherche und Publikation optimiertes Format, mit dem automatisch Kerndaten an Museumsportale übergeben werden können. museumdat verallgemeinert das in USA durch Getty, die Visual Resources Association und andere für die Kunstgeschichte entwickelte Format CDWA Lite, es ist anwendbar für verschiedenste Objektklassen und kompatibel zum Referenzmodell der internationalen Fachgruppe Dokumentation CIDOC- CRM (ISO 21127). museumdat ist ein Arbeitsergebnis der Fachgruppe Dokumentation des Deutschen Museumsbundes. Vgl. (Stand: ) 2 Vgl. (Stand: ) 3 Vgl. Witthaut, Dirk u. a.: Digitalisierung und Erhalt von Digitalisaten in deutschen Museen. Eine empirische Untersuchung in Zusammenarbeit mit dem Institut für Museumskunde Berlin. Hg. nestor Kompetenznetzwerk Langzeitarchivierung und Langzeitverfügbarkeit Digitaler Ressourcen für Deutschland. Nestor-Materialien, 2. Berlin 2004, S (Stand: ) 4 Vgl. Statistische Gesamterhebung an den Museen der Bundesrepublik Deutschland für das Jahr Materialien aus dem Institut für Museumskunde, 61, 2007, S. 50ff, (Stand: ) 5 Das Akronym WYSIWYG steht für What you see is what you get. 6 Vgl. Pröstler, Viktor: Datenfeldkatalog zur Grundinventarisierung. Ein Bericht der Arbeitsgruppe Dokumentation des Deutschen Museumsbundes. Karlsruhe Vgl. Meldung Rußland: Massenhafte Entwendungen von Kunstgegenständen aus russischen Museen festgestellt auf vom : (Stand: ). Auch MUSEUM AKTUELL berichtete ausführlich über diese Diebstähle. Eine komplette transskribierte Liste der in der Eremitage gestohlenen Werke findet sich unter index.php?site=download_liste&action=show&downid=31 8 Vgl. Augustin, Roland: Die Hida4-Bestandsdatenbank im Saarlandmuseum. In: Download-Zusatzservice der Zeitschrift MUSEUM AKTUELL vom Mai 2008, S Reuter, Christiane; Lehmann, Torsten: HiDA im Spielzeugmuseum in Nürnberg. In: Download-Zusatzservice der Zeitschrift MUSEUM AKTUELL vom Mai 2008, S Vgl. Nagel, Tobias: Erfahrungen beim Einsatz von HiDA4 classic in den Kölner Museen. In: Download-Zusatzservice der Zeitschrift MUSEUM AKTUELL vom Mai 2008, S. 25 Summary Eingabemaske für die webbasierte Schnellerfassung mit HiDA4 express With the use of electronic data processing in museums, documentation methods have changed fundamentally, leading to the development of integrated management systems. According to a 2004 survey, the majority of museums were using their own internally developed systems, while the most widely used software used in museums was HiDA. HiDA was developed over more than 20 years, and allows for multiple adaptations. Improvements have been made, e.g. in processes of transferring the wealth of information, and in the integration of formatting options that can be applied for various publications. The complexities and, not least, the costs associated with software make this technology impossible for smaller museums, and a recent survey found that 46% of over 5000 German museums use electronic solutions for documentation, the rest still relying on cards and catalogues. Easy and affordable systems have to be developed to facilitate the changeover from analogue to digital information systems, and HiDA s recent improvements means that the software now offers more options.

6 23 Neues Grünes Gewölbe Dresden Vitrinen- und Glasbau REIER GmbH J.-S.-Bach-Str. 10b D Lauta Museum Rietberg Zürich Vitrinen Stellwände Klimatechnik Beleuchtungstechnik Zeichen setzen für die Zukunft So haben Sie mehr Zeit für s Wesentliche Messen, dokumentieren, alarmieren - Automatisiert mit testo Saveris NEU! Das neue Messsystem testo Saveris misst Temperatur- und Feuchtewerte gleichzeitig an mehreren Messorten im Museum und Depot. Das einfach zu bedienende Messsystem bringt Sicherheit und Zeitersparnis durch automatisierte Messdaten- Erfassung und Dokumentation. Ihre Vorteile s. Internet testo AG Testo-Str Lenzkirch Tel Fax

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