Dje abrupte Aufwertung des Frankens

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1 Die Unternehmen und Investoren suchen fieberhaft neue Fixpunkte SCHWEIZ Der Entscheid der Nationalbank hat viele überrumpelt. Exportorientierte Gesellschaften müssen ihre Investitionsstrategie überdenken - aber wie gross ist Spielraum für Kostensenkungsmassnahmen noch? Der Schweizer Aktienmarkt hat seinen Währungsbonus verloren. ARNO SCHMOCKER UND ANDREAS MEIER Dje abrupte Aufwertung des Frankens hat Unternehmen und Finanzwelt auf dem falschen Fuss erwischt. Jahresbudgets, Zahlungsströme, Investitionen müssen überdacht, Gewinnschätzungen revidiert werden. Gewiss ist vorderhand nur: Kurzfristig sind die Folgen des SNB -Entscheids für viele Unternehmen ungünstig, und eine grössere Planungssicherheit wird sich erst nach Wochen und Monaten einstellen. Mit Hochdruck arbeiten seit Donnerstagmittag die Analyseabteilungen der Banken. Sie versuchen einzuschätzen, welche Folgen die Frankenaufwertung für den Aktienmarkt und die Beteiligungspapiere der einzelnen Unternehmen hat. Schweiz untergewichten Ausländische Banken wie Socnini G6n6rale, Barclays und Morgan Stanley empfehlen neu, Schweizer Aktien in Europa unterzugewichten. Beide angelsächsische Häuser weisen daraufhin, dass die Unternehmensgewinne bzw. der Aktienmarkt im internationalen Vergleich von der Einführung des Euro-Mindestkurses 2011 profitierten und sich überdurchschnittlich entwickelten. Morgan Stanley beziffert die Mehrperformance auf 25%. Nun ist die Hälfte davon in zwei Börsentagen vernichtet worden. Das gilt nur für einheimische Investoren. Internationale Anleger, die in Dollar oder Euro rechnen, haben per saldo leicht gewonnen. Einstweilen, denn Morgan Stanley rechnet damit, dass die Frankenstärke den Schweizer Aktienmarkt im internationalen Vergleich mittelfristig schlecht aussehen lässt. Die Zürcher Kantonalbank ist daran, die Gewinnschätzungen zu überprüfen. Chefanalyst Sven Bucher schätzt den negativen Einfluss auf 6 bis 10%. Ins Gewicht fällt vor allem der Euro. Der Dollareffekt macht derzeit nicht so viel aus, weil der letztjährige Durchschnittskurs mit etwa 91 Rappen niedrig war. Welche Unternehmen sind nun wie sehr betroffen? Eine Leitlinie sind der Translationseffekt (Umrechnung in Franken, vgl. Erklärung im Kasten auf der rechten Seite) und der Transaktionseffekt. Der zweite ist wichtiger: Fällt er negativ aus (hohe Kosten in Franken, hoher Umsatz in der Fremdwährung), sinkt die Marge. Luxusgüter, Medizinaltechnik und international ausgerichtete Banken zählen zu den Branchen, die am meisten unter dem Transaktionseffekt leiden (vgl. Tabelle rechts). Solche Listen sind hilfreich, sollten aber nicht alleiniges Element eines Anlageentscheids sein. Wichtig ist zum Beispiel auch, welchen Anteil der Wertschöpfung ein Unternehmen im ausländischen Währungsraum einkauft, in welcher Währung fakturiert wird oder wie einfach sich Produktionskapazitäten ins Ausland verlegen lassen. «Finanz und Wirtschaft» hat in verschiedenen Branchen einigen Unternehmen auf den Puls gefühlt. Währungsschwankungen sind für Schweizer Unternehmen ein Dauerthema. Viele Unternehmen haben gelernt, mit einem tendenziell immer stärker werdenden Franken zu leben. Dazu wurden Produktionsstätten ins Ausland verlagert, Vorprodukte vermehrt im Ausland eingekauft und in der Schweiz nur noch wertschöpfungsintensive Verarbeitungsschritte durchgeführt. Rieter etwa als Hersteller von Spinnmaschinen hat die Produktionsstätten in China und Indien wesentlich vergrössert und Kapazitäten in der Schweiz abgebaut. Das Unternehmen könne daher der aktuellen Frankenstärke «besser begegnen als 2011», wie es erklärt Dennoch sind der noch 25% der Mitarbeiter in der Schweiz beschäftigt, was die Erfolgsrechnung belasten wird. Immerhin kann Bieter einen substanziellen Teil der Aufträge in Franken fakturieren, was eine Stütze ist. Bucher Industries, ein Landmaschinen-, Fahrzeug- und Komponentenhersteller, hat seit Langem die grössten Produktionswerke ausserhalb der Schweiz und beschäftigt weniger als 10% der Angestellten hier. GEO Philip Mosimann hat das Jahresbudget neu durchrechnen lassen. «Bleibt der Franken auf Parität zum Euro, dürfte der Umsatz etwa 13% beeinträchtigt werden», sagt er und fügt hinzu: «Die Ebit-Marge sollte nicht mehr als einen halben Prozentpunkt sinken, da wir stets 50% des Fremdwährungskapitalflusses absichern.» Bucher hatte schon zuvor mit etwas weniger Umsatz gerechnet ABB und der Dollar Der Elektroindustriegigant ABB erzielt weniger als 5% des Umsatzes in der Schweiz. Von den Kosten entfallen 6% auf den Franken. Die Erfolgsrechnung erstellt ABB in Dollar, weshalb der Frankeneffekt in den Zahlen kaum sichtbar sein wird. Doch die Aktien notieren in Franken. Relevant als Bewertungsgrösse ist der Gewinn pro Aktie in Franken, und der muss

2 nun mit einem Dollarkurs von 89 Rp. statt 1.02 Fr. ermittelt werden. Dadurch reduziert sich der geschätzte Gewinn pro Aktie von 1.35 auf 1.20 Fr. Die ABB-Aktien sanken dementsprechend von knapp 20 Fr. auf etwas über 17 Fr., womit die KGV- Bewertung unverändert 14 beträgt. Die Holcim-Aktien fielen am Donnerstag zunächst 20%. Danach halbierte sich der Kursverlust beinahe. Zu Recht, denn der Zementriese produziert den schweren Baustoff lokal und ist «nur» von Translationseffekten betroffen. Die Sensitivitätsanalyse im Geschäftsbericht 2013 zeigt, dass eine Frankenaufwertung um 5% den Betriebsgewinn (Ebitda) 3,7% geschmälert hätte. Die Fusion mit Lafarge sei im Übrigen nicht infrage gestellt, lässt der Konzern verlauten. Heinrich Spoerry, Präsident und CEO des Befestigungstechnikers SFS, rechnet - Der SNB-Schock Verlierer und Gewinner Transaktion ' Translation E2 Stark negativ betroffen Actelion -45% 35% 45% Julius Bär -41% 24% 39% Straumann -25% 28% 40% Lonza -24% 25% 44% Roche -24% 25% 35% Swatch Group -20% 30% 50% Sonova -16% 26% 41% UBS -15% 20% 40% Credit Suisse -12% 15% 50% Negativ betroffen AFG -6% 45% 0% Georg Fischer -5% 55% 15% Emmi -5% 20% 10% Sulzer -4% 24% 23% Lindt & Sprüngli -4% 40% 30% Micronas -3% 30% 30% Nestlö -3% 30% 30% Panalpina -3% 39% 40% Givaudan an -3% 30% 45% SGS -3% 28% 35% Wenig negativ oder. oderpositiv betroffen Barry Callebaut 0% 50% 25% Basilea 0% 100% 0% Flughafen Zürich 0% 0% 0% Holcim 0% 20% 21% Oerlikon 0% 30% 55% Sika 0% 40% 30% Kaba 1% 32% 32% Swiss Life 1% 67% 0% Valora 2% 40% 0% Charles Vögele 10% 70% 0% Nationale Suisse SUisse 10% 31% 0% Baloise 12% 52% 0% Helvetia 21% 42% 0% ' I Differenz zwischen Umsatz und Kosten in Franken 'Anteil am Gesamtumsatz

3 ABB N Roche GS Swatch Group 1 ABB N: 6: Fr., Valor SPI-Gesamtindex angeglichen Roche GS: Fr., Valor SPI-Gesamtindex angeglichen Swatch Group 1: :35930 Fr., Valor SPI Gesamtindex angeglichen ,1C e 1,crnscr, Re, e, /1V Thornson Reuters / FuVV FMAM Che Quelle:Thornson!er lhomson Reute,, ters / FuW Fu,N «mit erheblichen negativen Konsequenzen für den Werkplatz Schweiz». SFS selbst wird allfällige kompensatorische Massnahmen nächste Woche bekannt geben. In der Schweiz hat SFS drei Werke mit 1500 Mitarbeitern. Die Exportquote ist mit über 90% hoch. SFS hat die Abhängigkeit vom Franken durch eine grosse Akquisition in Asien und Investitionen im Ausland massiv reduziert. «Viel ist getan worden, nun ist der Spielraum teilweise ausgeschöpft», warnt Spoerry. Die Dätwyler-Aktien haben am Donnerstag überdurchschnittlich an Wert eingebüsst. Doch GEO Paul Hälg betont: «Wir sind strategisch gut auf die Frankenaufwertung vorbereitet. Mit der Herauslösung des Kabelgeschäfts Anfang 2012 ist der grösste Frankenblock weggefallen. Das Exposure ist mit weniger als 5% nicht mehr wirklich relevant. Bei Dätwyler herrscht daher keine grosse Nervosität wegen des SNB -Entscheids.» Nest16 setzt auf Innovation Unter den SMI-Titeln am stärksten haben Swatch Group und Richemont reagiert. Die beiden Unternehmen produzieren zum grossen Teil in der Schweiz und exportieren ihre Produkte mehrheitlich ins Ausland. Nach dem Entscheid der SNB ist Nick Hayek, GEO der Swatch Group, entrüstet: «Es fehlen einem die Worte! Jordan ist ja nicht nur der Name des SNB -Präsidenten, sondern auch ein Fluss. Was die SNB da veranstaltet, ist ein Tsunami für die Exportindustrie, den Tourismus und die ganze Schweiz.» Auch defensive Titel wie NestW haben gelitten. GEO Paul Bulcke will aber erst an der Bilanzmedienkonferenz Mitte Februar darauf eingehen, was der Entscheid bedeutet, wie aus Vevey verlautet. Bulcke sagte der FuW im September: «Her Franken hat sich innerhalb eines halben Jahres gegenüber unserem Währungskorb 8,8% aufgewertet. Im Endeffekt spiegeln unsere Ergebnisse unsere Leistung deshalb nicht vollständig. Über die letzten zehn Jahre belief sich die nominale Umsatzminderung auf mehr als 30%. Wir haben das mit Unternehmertum und Innovationslcraft kompensiert. Es ist wichtig, dass wir diese Möglichkeiten auch in Zukunft haben.» Die chemisch-pharmazeutische Industrie zählt zu den grössten Exporteuren. Über 40% aller Ausfuhren stammen von ihr. Von einer anhaltenden Frankenstärke betroffen sind auch Unternehmen wie Roche und Actelion. Novartis, die in US-Dollar rapportiert, ist ebenfalls tangiert, kann aber Dollarrisiken umgehen. Actelion mehr als Roche Während Actelion einen Schwerpunkt in Forschung und Entwicklung in der Schweiz hat und Margeneffekte deutlich zu spüren bekommen könnte, verfügen Roche und Novartis auch über massgebliche Standorte im Ausland. Dadurch dürfte die Profitabilität Letzterer weniger leiden als die von Actelion. Alle drei Unternehmen haben den Vorteil, dass sie in ihren Therapiegebieten über eine gewisse Monopolstellung und überdurchschnittliche Preismacht verfügen. Vor allem hochspezialisierte Krebsmedikamente lassen sich oft nicht einfach durch Arzneimittel anderer Anbieter ersetzen. Der Konkurrenz mehr ausgesetzt ist Lonza. Der Pharmazulieferer erzielt einen Grossteil des Umsatzes im Ausland. Da Lonza auch Feinchemikalien verkauft, die leichter zu ersetzen sind als Pharmawirkstoffe, dürfte die Frankenstärke ihre Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen. Am grössten Produktionsstandort in Visp arbeiten 30% der Belegschaft. Der Euromindestkurs war für Visp wichtig. Ein auf Dauer stärkerer Franken wird es Lonza erschweren, rentabler zu werden. Unter den Medtech-Unternehmen haben die meisten Anbieter ihre Abhängigkeit vom Schweizer Produktions- und Entwicklungsstandort stark reduziert.

4 Heikle Transaktionseffekte gibt es dennoch. Ausgeprägt sind sie mit Blick auf den Euroraum für den Zahnimplantathersteller Straumann und den DiabetesspezialistenYps omed. Der Hörgerätehersteller Sonova mit Produktionsstandorten in Vietnam und den USA ist wegen der Umrechnung von Einnahmen aus dem gewichtigen US-Geschäft primär von einem Translationseffekt betroffen. Mitarbeit: Gret Heer, Michael Griesdorf Dominik Feldges Das Wichtigste Hersteller von Luxusgütern, Medizintechnik und Maschinen sowie internationale Banken leiden am meisten, da Kosten vor allem hierzulande anfallen. Es gilt zwischen Transaktions- und Translationseffekt zu unterscheiden. Ersterer ist schlimmer. Fondsmanager sehen Einstiegsgelegenheiten, beispielsweise bei Dividen- denpapieren und Substanzwerten, auch wenn die Bewertung hoch ist. Economiesuisse befürchtet eine Rezession, falls die «surreale Überbewertung» des Frankens anhält. In der laufenden Berichtssaison könnte das Thema Wechselkurse als «relevantes Ereignis nach dem Bilanzstichtag» einzustufen sein. Translation und Transaktion Schweizer Unternehmen sehen sich ins Jahr 2011 zurückversetzt, als der Euro bis auf 1.03 Fr. fiel. Die SNB hatte ihnen damals einen Fallschirm gegeben den Mindestkurs. Am Donnerstag wurde er ihnen genommen. Mit der Freigabe des Franken- Euro-Wechselkurses kommen auf die hiesigen Unternehmen währungsseitig hohe Belastungen zu, und das nicht nur mit Blick auf den Euro. Durch das Lösen der Anbindung an den schwächer tendierenden Euro hat der Franken auch gegenüber anderen Währungen an Stärke gewonnen. Um die Folgen von Wechselkursbewegungen zu beschreiben, wird zwischen dem Translationseffekt und dem Transaktionseffekt unterschieden. Der Translationseffekt beschreibt die Wirkung aus der reinen Umrechnung von Fremdwährungsströmen aus dem Ausland, der Transaktionseffekt die Folgen, die entstehen, wenn Einnahmen und Kosten voneinander abweichen. Der Transaktionseffekt kann gravierende Auswirkungen zeitigen. Denn eine durch Wechselkursbewegungen herbeigeführte Veränderung des Einnahmen-Kosten-Gefüges schlägt direkt auf die Marge durch. Fallen die Kosten in Franken an und wird das Produkt im Ausland zu einem unveränderten Fremdwährungspreis verkauft, entsteht aus einem Erstarken des Frankens ein Nachteil, und umgekehrt. Vereinfacht dargestellt gilt: Wertet sich der Euro zum Franken ab, bleibt der Euro- Verkaufserlös der Auslandgesellschaft im Euroraum zwar gleich, die aus der Schweiz eingeführten Waren Vorprodukte oder Endprodukte werden im Einkauf in Euro aber teurer. Die Marge der Auslandsgesellschaft sinkt. Die Swatch Group mit ihren Swiss-Made-Produkten ist dafür ein Beispiel. In ihrem Fall wird der Effekt jedoch insofern entschärft, als sie wertvolle Rohmaterialien (Gold, Diamanten) in Fremdwährung einkauft und so eine beschränkte natürliche Absicherung schafft. Der Translationseffekt beschreibt den Einfluss der Kursumrechnung. Unternehmen, die primär ihm unterliegen, sind weniger anfällig für Wechselkursveränderungen als solche, die auch einem grösseren Transaktionseffekt ausgesetzt sind. Ihre Einnahmen und Kosten in den einzelnen Währungen sind weitgehend deckungsgleich. Pauschalisiert sind das Gesellschaften, die im Währungsgebiet ihrer Absatzmärkte auch produzieren. Clariant, Georg Fischer, Givaudan, Holcim und NestIA sind Beispiele unter vielen. In einer solchen Konstellation bleiben, vereinfacht gesagt, Kosten und Einnahmen einer Auslandgesellschaft von Wechselkursveränderungen unbeeinflusst. Die Marge bleibt unberührt auch nach der Umrechnung in Franken. Dass die Marge (weitgehend) intakt bleibt, ist aber nur ein beschränkter Trost: Umsatz und Betriebsgewinn fallen durch die Umrechnung in einen erstarkten Franken niedriger aus. Das ist der Translationseffekt. Bei Givaudan etwa haben ungünstige Währungseinflüsse im ersten Halbjahr 2014 rund 6 Prozentpunkte Umsatzzuwachs gekostet. Bei einer weitgehend unberührten Ebitda-Marge heisst das, dass der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen im selben Masse gebremst worden ist. Ein Unternehmen ist in der Regel beiden Effekten ausgesetzt. Der Transaktionseffekt wird aber umso geringer, je besser es sich natürlich absichert je ausgeglichener seine Kosten- und Einnahmenströme unter Währungsgesichtspunkten sind. Ein solches Natural Hedging wird etwa erreicht, indem im Währungsraum der Nachfrage produziert wird oder indem für die Produktion in der Schweiz Rohstoffe und Materialien aus dem fraglichen Währungsraum bezogen werden. Ein Unternehmen kann zudem versuchen, seine Rechnungen auch im Ausland in Franken auszustellen. Das ist schwierig, gelingt etwa Burckhardt Compression aber recht gut. Des Weiteren kann es versuchen, die Preise im Ausland zu erhöhen.

5 In einem Wettbewerbsumfeld ist das aber oft kaum möglich, weil sonst die Nachfrage zurückgeht. CB Kursveränderung vom 14. bis 16. Januar 2015 (Auswahl aus dem SPI) Verlierer Gewinner in % in % in % in % Julius Bär Lonza Straumann Richemont Partners Group Swatch Group EFG Bieter Burckhardt (am. Actelion Bobst Sonova GAM UBS Leonteq CS Group Gurit OC Oerlikon Meyer Burger U-Blox U Forbo Ems Chemie Holcim Kudelski Geberit Givaudan Tecan Kuoni AMS Komas Komax Belimo Pargesa Clariant Huber + Suhner AFG IMMIMMMMIMMIIMM IMIMIMMMM IMMMMMMM Panalpina M Feintool ZMMIM Ascom ZMMMMMM Schindler ZMWMMMM Swissquote Novartis ABB SFS SPI BC Vaud Glarner KB BVZ Tamedia SPS Graubündner KB St. Galler KB Calida Mobimo Memo Bank Coop Charles Vögele Thurgauer KB Walliser KB Luzerner KB Valiant BC Genese Geneve Baselland. KB APG Zuger KB Bank Linth type Hypo Lenzburg Goldbach Group Swisscom Cham Paper Adva I Tech Airesis MMIM MIMMIMM DKSH Mobilezone Log itech Hiag Imm. in % in % QIeBloombe:g Quelle: Bloomberg / / Grafik: FW. FuW, sm 246

6 «Die üblichen Verdächtigen kaufen» SCHWEIZ Reaktionen und Prognosen von Geldmanagern auf die Aufhebung des Mindestkurses. ANDREAS KÄLIN Überrascht, aber nicht schockiert: So haben Vermögensverwalter auf die Aufhebung des Eurominclestkurses reagiert Sie sehen auch schon Chancen. Christof Reichmuth, CEO und CIO der Privatbank Reichmuth & Co. Angesichts eines Dollareinbruchs von über 15% zum Franken hätte Reichmuth, dessen Bank auch eigene Fonds anbietet, am Don- 1 noch höhere Kursverluste an der Schweizer Börse erwartet: «Aber viele im Markt haben wohl ähnlich gedacht wie wir»: Er rechnet damit, dass sich die Währungssituation wieder etwas normalisiert und die Zuflüsse in den Franken stoppen, dank der Negativzinsen. Seine These lautet: Ein Drittel des Verlustes seit Donnerstagmorgen werden die Fremdwährungen zum Franken aufholen. Darum rät er, Fremdwährungen zu kaufen, Dollar oder gar Euro. Ebenfalls kaufen sollte man seiner Ansicht nach Schweizer Dividendentitel, und zwar die grossen, «die üblichen Verdächtigen», selbst wenn die schon recht teuer seien: Nestle, Novartis, Roche oder ABB. Reichmuth kann sich gut vorstellen, dass wieder eine Phase wie in den 1960er- bis 1970er-Jahren folgt, als in den USA die «Nifty fifty», die schicken fünfzig Aktien wie Coca-Cola, McDonald's, Johnson & Johnson oder IBM, zu Kurs-Gewinn-Verhältnissen über 30 gehandelt wurden. Roger Fischer, Manager des Fonds AMG Substanzwerte Schweiz. «Die Geschichte lehre, eine starke Währung sei nicht zu halten», sagt Fischer. Er ist enttäuscht, dass SNB -Präsident Thomas Jordan den Mindestkurs vorausschauend nicht schon aufhob, als der Euro auf 1.23 Franken und die Lage weniger angespannt war. Am Donnerstag registrierte Fischer am Aktienmarkt nackte Panik, vorübergehend wurden keine Geldkurse gestellt. Für den Substanzwerte-Fonds war es dennoch ein guter Tag: Er hat wenig verloren und so zum Swiss Performance Index (SPI) eine Überperformance von 7 Prozentpunkten herausgeholt an einem Tag. Das verdankt sich einerseits der Ausrichtung auf defensive Werte. «Substanz ist das Wahre><, so Fischer. Anderseits kann der Fonds Leerverkäufe vornehmen und so von fallenden Kursen profitieren: Short war er vor der SNB -Ankündigung auf SMI- Werte von Banken und Zyldikern sowie auf Actelion. Letztere Position wurde nun geschlossen. Fischer hat erwartet, dass der SPI das alte Tief vom Oktober, als er kurz unter 7800 fiel, nochmals testet wie gestern geschehen: «Auf dem Level sollte er aber eine gute Unterstützung finden.» Rudolf Bohli, Manager des Hedge Fund RBR Capital. Die Aufhebung des Euro - mindestkurses sei «der richtige Schritt», so Bohli. Exporteure werde es hart treffen, aber er verweist auch auf Nick Hayek, den Chef von Swatch Group, der seit eh und je über die Wechselkurse klagt obwohl sein Konzern in Geld schwimmt und eine enorme operative Marge von 20% erzielt. Für Bohli hat der Devisenmarkt nun aber eindeutig überreagiert eben darum, weil die SNB - Ankündigung so überraschend kam. Er vermutet aus Erfahrung, dass gerade auch Kunden von Schweizer Privatbanken auf dem falschen Fuss erwischt wurden. Viele aus dieser Klientel würden gerne mit Währungen spekulieren, und solche Währungstrades werden in aller Regel gehebelt: So kann ein Kunde mit 1000 Fr. Eigenkapital bis Fr. handeln mit entsprechendem Risiko. Viele der Währungstrader sind nun ausgestoppt 'worden, d. h. ihre Positionen wurden, Verlust hin oder her, geschlossen. Bohli kalkuliert, dass sich der Franken, auch wegen der Negativzinsen, auf einem Niveau von 1.05 Fr. 1 oder etwas höher wieder einpendelt.

7 Hinweis im Geschäftsbericht Herausforderung für Finanzchefs und Revisoren: Muss der Einfluss der Währung als «Ereignis nach dem Bilanzstichtag» ausgewiesen werden? Im Prinzip gilt für die Jahresrechnung 2014: Schluss war am 31.Dezember. Doch es gibt Ereignisse, die im Geschäftsbericht erwähnt werden müssen, obwohl sie nach Ende des Berichtsjahres eingetreten sind. Die Auswirkungen des Währungsschocks könnten ein solches Ereignis sein. Das Thema ist gegenwärtig ebenso aktuell wie heikel und komplex. «Für die Jahresrechnung nach den International Financial Reporting Standards oder den Swiss GAAP FER gilt strikt das Prinzip, dass die Kurse am Stichtag also am 31.Dezember massgebend sind», erklärt Daniel Suter, Partner Revision bei PwC, den Grundsatz. Dennoch hat die Aufwertung des Frankens auch bei den Revisionsstellen der kotierten Firmen Aufregung und Aktivismus ausgelöst, obwohl die Revisionsarbeiten für die Jahresrechnungen weitgehend abgeschlossen sind. Ereignis nach Bilanzstichtag Denn die Rechnungslegungsvorschriften besagen auch, dass Unternehmen überlegen müssen, ob die Währungsverschiebung als sogenanntes «Ereignis nach dem Bilanzstichtag» zu betrachten ist. Ein solches müsste offengelegt werden. «Die Frage, welche Auswirkungen der SNB -Entscheid auf die Offenlegung als wesentliches Ereignis nach dem Bilanzstichtag hat, wird von den kotierten Unternehmen und ihren Prüfern zurzeit analysiert», bestätigt Alessandro Miolo, marktverantwortlicher Partner Ernst & Young für die Deutschschweiz. Er präzisiert, dass «praktisch alle Unternehmen» eine Beurteilung vornehmen müssten, inwiefern sie von der Währungsverschiebung betroffen sind. «Falls ein wesentlicher Einfluss gegeben ist, verlangen die IFRS, dass er im Anhang der Jahresrechnung offengelegt wird», sagt der Experte. Im Rahmen der Offenlegung müssen die Auswirkungen auf Eigenkapital und Gewinn geschätzt werden. Falls das nicht möglich ist, muss das Unternehmen rapportieren, dass der Effekt nicht quantifiziert werden kann. Wesentlicher Einfluss Wie viele Unternehmen eine entsprechende Offenlegung wählen, lässt sich heute nicht abschätzen. Das hängt von den Wechselkursen ab, die ja keine Konstante darstellen. Was ein wesentlicher Einfluss ist, wird dabei zum springenden Punkt. Gemäss Martin Moeller, Analyst der Genfer Privatbank UBP, droht aufgrund des Währungsschocks im Schnitt eine Senkung des Gewinns pro Aktie der Schweizer Unternehmen im zweistelligen Bereich. Rein quantitativ gesehen müssten folglich wohl die meisten Firmen ein solches Ereignis rapportieren. Für kotierte Unternehmen liegt die Schwelle für Gewinnwarnungen um einen Ansatzpunkt zu nennen bei rund 5 bis 10%. Allerdings ist der Ermessensspielraum in dieser Frage recht gross. MH

8 Angst vor einer Rezession Der SNB-Entscheid hat vor allem die Exportbranchen aufgerüttelt. Sie fürchten um ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit. Schock das Stichwort machte am Donnerstag nach dem Entscheid der SNB auch in Politik und Branchenverbänden der Wirtschaft die Runde. Der Bundesrat, der vor dem Entscheid nicht konsultiert worden war, versuchte die Wogen etwas zu glätten. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann sprach von einer «grossen Herausforderung» für die Schweizer Wirtschaft. Er stellte in Aussicht, die Politik der Stärkung der Rahmenbedingungen fortzusetzen. Ein Konjunkturpaket dagegen stehe zurzeit nicht zur Debatte. Pointierter äusserte sich der Dachverband Economiesuisse. Er beurteilte den Schritt im aktuellen Zeitpunkt als «nicht nachvollziehbar». Chefökonom Rudolf Minsch warnte gegenüber der «Finanz und Wirtschaft» davor, dass der Franken gegenüber dem Euro in einer Die Exporte der Schweiz Warenausfuhren nach Branchen in %, Januar bis November %. 10,5%..:... 41,2% Nahrung<- hrungs- und Rest Chemisch- Genussmittel Pharmazeutische 4,8% Industrie Bijouterie- und Bijouterie- und -11 Juwelierwarenlieh 6%... 7% Metall- industrie [... Präzisionsinstrumente 10,6%... Uhrenindustrie IPI Total 192,5 (JeiiEidq Quelle: Eidg. Zoll,ervvaltunq Zollverwaltung //Grafik Grafik: FuW, I- sm Fr... 15,9% Maschinen- und Elektroindustrie «surrealen Überbewertung», auf Parität oder noch tiefer, verharren könnte. In diesem Fall fürchtet er gar eine Rezession. Überrascht war auch der Gewerbeverband. Der Entscheid sei jedoch zu respektieren und könne auch als Chance gesehen werden. Insbesondere müssten nun die Regulierungskosten deutlich gesenkt werden. Am unmittelbarsten betroffen von der Massnahme ist der Fremdenverkehr. Eine Verteuerung des Frankens wirkt sich per sofort negativ auf die Besuche ausländischer Gäste aus. Entsprechend besorgt haben Gastrosuisse und Hotelleriesuisse auf den Entscheid reagiert. Sie sehen ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt. Ähnliche Bedenken erheben die wichtigsten Exportbranchen (vgl. Grafik). Auch der Verband Chemie, Pharma, Biotech (Scienceindustries) sieht seine preisliche Wettbewerbsfähigkeit verschlechtert. Er ruft dazu auf, Belastungen der Wirtschaft durch neue Regulierungsprojekte, wie die Energiestrategie 2050, zu vermeiden. Swissmem (Maschinen-, Elektro-, Metallindustrie) spricht von einer grossen Verunsicherung. Die Überbewertung des Frankens werde sich akzentuieren. Die Unternehmen könnten zu neuen, drastischeren Massnahmen gezwungen sein. Die Aussage wurde allerdings nicht weiter präzisiert. In der Tendenz gleichlautende Sorgen machen sich auch der Handel, die exportierende Nahrungsmittelindustrie oder die Textilindustrie. PM STIMMEN «Gegen das absehbare Quantitative Easing der EZB anzukämpfen, war für die SNB eine Mission impossible.» PHILIP MOSIMANN CEO Bucher «Wir haben mit einer gelegentlichen Abwertung des Euro-Franken- Kurses gerechnet. Das aber erst ab 2016.» HEINRICH SPOERRY Präsident und CEO SFS «Bei Dätwyler herrscht keine gewaltige Nervosität wegen des Entscheids der SNB.» PAUL HÄLG CEO Dätwyler «Wir haben uns an einen Eurokurs von 1.20 Fr. angepasst und nicht an 1 Fr.» GIUSEPPE SANTORO Investor Relations Bobst «Wir Schweizer werden bestraft für unsere Tüch-

9 «Der Einkaufstourismus profitiert, was Geschäfte im grenznahen Raum, in unserem Fall die Apotigkeit. Die Preisunterschiede zum Ausland sind verrückt.» WALTER FUST VR-Präsident Starrag Group theken, spüren werden.» CHRISTINA HERTIG Sprecherin Galenica «Der Euro -Mindestkurs war für den Standort Visp wichtig, um kompetitiv zu sein.» DOMINIK WERNER Sprecher Lonza «Sollte sich der Euro nicht wieder erholen, werden wir den Werkplatz Schweiz langfristig anders gewichten müssen.» STEPHAN SCHINDLER CFO Bachenn «Actelion ist ein exportorientiertes Unternehmen und bekommt die Volatilität zu spüren.» ANDREW WEISS Sprecher Actelion

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