Wie wirkt sich die Abkopplung des Schweizer Franken vom Euro auf die Wirtschaft aus?

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1 Talfahrt für den Euro Die Abkopplung des Schweizer Franken vom Euro Josef K. aus Lörrach hat viele Jahre in der Schweiz gelebt und gearbeitet. Noch heute schätzt er die schweizerische Lebensart sowie zahlreiche Köstlichkeiten und Spezialitäten aus der Schweiz. So fährt er mehrmals im Jahr nach Basel, um sich dort mit Delikatessen von Schokolade über Weine bis hin zu Käse einzudecken. Für Samstag, den 17. Januar 2015 hatte er wieder eine Einkaufstour bei den Eidgenossen geplant. Wechselkurs Euro Schweizer Franken Datum: Eröffnungskurs: 1 Euro = 1,2010 Franken Schlusskurs: 1 Euro = 0,9996 Franken Aufgabe 1 Am 15. Januar 2015 geht Josef K. früh morgens zur Bank und tauscht 100 Euro gegen Schweizer Franken. a) Wie viele Schweizer Franken erhält er am morgens für 100? b) Er möchte für ein Raclette-Essen mit seinen Freunden original Raclette-Käse für 35 Franken, eine Packung Schweizer Pralinés eines Schweizer Chocolatiers à 20 Franken und 5 Flaschen Fendant du Valais à 10 Franken kaufen. Was kostet ihn der Einkauf in Schweizer Franken und in Euro? Aufgabe 2 Lesen Sie den nebenstehenden Text Schweizer Nationalbank hebt Euro- Mindestkurs auf. a) Erläutern Sie mit eigenen Worten, was die Entscheidungen der Schweizer Nationalbank (SNB) aus dem Jahr 2011 und vom 15.Januar 2015 beinhalteten und welche Folgen das für den Wechselkurs zwischen dem Euro und dem Schweizer Franken jeweils hatte. Schweizer Nationalbank hebt Euro- Mindestkurs auf Vor dem 15. Januar 2015 erhielt man für einen Euro mindestens 1,20 Schweizer Franken. Diesen Mindestwechselkurs von 1,20 Franken hatte die Schweizer Nationalbank (SNB) seit dem 06.September 2011 garantiert. Im Zuge der Schuldenkrise in Europa waren 2011 immer mehr Anleger in den Schweizer Franken als sichere Währung geflüchtet. Dadurch stieg der Wert der eidgenössischen Währung. Schweizer Produkte verteuerten sich im Ausland und Schweizer Exportunternehmen sowie der Tourismus litten unter dem starken Franken. Durch die Einführung der Wechselkursgarantie der Schweizer Nationalbank (SNB) in Höhe von 1,20 Franken für einen Euro wurde 2011 verhindert, dass der Schweizer Franken weiter aufwertete und die Schweizer Wirtschaft noch mehr belastet wurde. Nach mehr als drei Jahren, am 15. Januar 2015 gab die Schweizer Nationalbank völlig überraschend die Wechselkursgarantie auf und überließ den Wechselkurs dem freien Spiel der Kräfte an den Devisenmärkten. Panikreaktionen und hektische Transaktionen an den Devisen- und Aktienmärkten waren die Folge. Zunächst rutschte der Wechselkurs von 1,20 Franken auf ca. 0,85 Franken. Am Ende des Tages stabilisierte er sich allerdings bei ungefähr einem Franken. b) Stellen Sie sich vor, Josef K. wäre am 15. Januar 2015 nicht morgens, sondern im späten Nachmittag zur Bank gegangen, um Schweizer Franken zu tauschen. Wie viele Schweizer Franken hätte er dann für 100 Euro erhalten? c) Könnte Josef K. seine Konsumwünsche in der Schweiz wie in Aufgabe 1 vollständig realisieren? Wie viel Euro müsste er nach der SNB-Entscheidung mehr bezahlen?

2 Aufgabe 3 Die Sprechblasen unten auf der Seite beinhalten jeweils eine Person, die in positiver oder negativer Form von der Entscheidung der SNB wirtschaftlich betroffen ist. Überlegen Sie für jede der angegebenen Personen, welche ökonomischen Konsequenzen sich aus der Abkopplung des Schweizer Franken vom Euro ergeben. Aufgabe 4 Erstellen Sie eine Liste der Gewinner und Verlierer der SNB-Entscheidung. Lutz S.: Das Geld sitzt bei den Touristen nicht mehr so locker wie vor der SNB-Entscheidung. Unser Restaurant ist nicht mehr so gut besucht und viele verzehren nur eine Kleinigkeit. Beim Trinkgeld wird auch gespart Hüttenwirt in einem Schweizer Skigebiet René H., Exportmanager eines schweizerischen Chocolatiers. Bernhard D., Manager bei einem schweizerischen Uhrenhersteller. Gerd K., Devisenhändler, hatte auf einen steigenden Euro spekuliert. Rahel A., Konsumentin, wohnhaft in Basel. Franz L., Stadtkämmerer einer mittelgroßen Kommune in NRW. Die Stadt hatte Kredite in der Schweiz aufgenommen. Heinz F., Exportmanager eines fischverarbeitenden Betriebs in Hamburg mit zahlreichen Kunden in der Schweiz. Wie wirkt sich die Abkopplung des Schweizer Franken vom Euro auf die Wirtschaft aus? Verschiedene Akteure nehmen Stellung. Daniel E., Supermarktbetreiber in Weil am Rhein. Jöri M., Hotelier in Adelboden im Berner Oberland. Robert S., Aktienbesitzer, hat erst kürzlich eine größere Anzahl Aktien namhafter Schweizer Exportunternehmen in sein Aktiendepot aufgenommen. Frieda H., Restaurantbetreiberin in Konstanz am Bodensee.

3 Hinweise zu den Materialien Fachliche Hinweise Wohin steuert der Euro, wenn die EZB im großen Stil Staatsanleihen kauft und in Griechenland das Linksbündnis Syriza an der Macht ist? Diese und ähnliche Fragen dürften sich die Schweizer Währungshüter in den Tagen vor ihrer überraschenden Abkopplung des Schweizer Franken vom Euro gestellt haben. Gerade zu Beginn des Jahres 2015 war die eidgenössische Währung wieder vermehrt als sicherer Hafen gefragt und musste die Schweizer Nationalbank im großen Umfang Devisen kaufen, um den Kurs zu stützen. Auch wenn das Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen der EZB erst nach der Entscheidung der SNB offiziell verkündet wurde und die Wahlen in Griechenland noch nicht entschieden waren, so muss am 15. Januar 2015 für die SNB klar gewesen sein, dass eine Stützung des Wechselkurses im Hinblick auf die voraussichtliche Entwicklung des Euro-Kurses keinen Sinn mehr macht. Doch was bedeutet die Entscheidung der SNB für den Wechselkurs Euro Schweizer Franken? Welche ökonomischen Konsequenzen sind damit für die Alpenrepublik verbunden und wer sind die Gewinner und Verlierer der Entscheidung? Ein Arbeitsblatt und Chart thematisieren die Gründe und Folgen der Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank vom 15. Januar Didaktische Hinweise Die Schüler ermitteln zunächst die Kaufkraft des Euro in Schweizer Franken vor der Entscheidung der SNB, vergleichen diese mit der Situation nach der Abkopplung des Franken vom Euro und errechnen den Kaufkraftverlust des Euro in Schweizer Franken. Sie erläutern die Gründe für die Entscheidung der SNB, den Franken an den Euro zu koppeln sowie die Gründe, die zur Abkopplung vom Euro geführt haben. Sie leiten die ökonomischen Konsequenzen ab, die die Entscheidung der SNB für verschiedene wirtschaftliche Akteure sowohl in der Schweiz als auch im Euro-Raum voraussichtlich hat. Sie ermitteln Gewinner und Verlierer der Wechselkursentscheidung der SNB. Ausgangspunkt der Materialien ist ein Beispiel-Konsument, der mit einem bestimmten Budget an Euro in der Schweiz landestypische Produkte erwerben möchte und dazu Euro in Schweizer Franken tauscht. Die Schüler erarbeiten anhand eines vorgegebenen Warenkorbs, dass der Konsument vor der Wechselkursentscheidung seine Konsumwünsche realisieren kann, während der Kaufkraftverlust nach der Entscheidung der SNB so groß ist, dass die Konsumwünsche nicht mehr komplett realisiert werden können. Anhand eines Kurztextes erfahren die Schüler sowohl die Hintergründe, die Hintergründe der SNB- Entscheidungen und analysieren deren ökonomische Folgen.

4 Hinweise zu den Aufgaben Aufgabe 1 a) Er erhält für 100 Euro 120 Schweizer Franken und 10 Rappen. Die Kaufkraft des Euro, ausgedrückt in Schweizer Franken beträgt 1,2010 Franken für einen Euro. b) Der Einkauf kostet ihn 105 Franken. In Euro gerechnet kostet ihn der Einkauf 87,43 Euro. Aufgabe 2 a) Die Schüler sollen die Hintergrundinformationen des Kurztextes lesen und die Gründe für die beiden Wechselkursentscheidungen 2011 und 2015 mit eigenen Worten erläutern. b) Es wird der Tagesschlusskurs des 15. Januar 2015 zugrunde gelegt. Er erhält für 100 Euro nur noch 99 Schweizer Franken und 96 Rappen. Die Kaufkraft des Euro ausgedrückt in Schweizer Franken beträgt jetzt nur noch 99,96 Franken. c) Der Einkauf kostet in der Schweiz nach wie vor 105 Schweizer Franken. Allerdings hat die Kaufkraft des Euro, ausgedrückt in Schweizer Franken abgenommen, so dass Josef K. nur noch 99,96 Franken zur Verfügung stehen. Den Einkauf kann er nicht vollständig realisieren wie ursprünglich geplant. d) Umgerechnet in Euro würde ihn der vollständige Einkauf 105,04 Euro kosten. Er muss allein durch die Wechselkursentscheidung der SNB 17,61 Euro mehr bezahlen für den gleichen Warenkorb. Aufgabe 3 Bernhard D., Manager bei einem schweizerischen Uhrenhersteller: Durch die Aufwertung des Franken verteuern sich Schweizer Produkte im Ausland. Das erschwert den Absatz Schweizer Exportprodukte. Der Uhrenhersteller wird sich auf Umsatzeinbußen einstellen müssen. René H., Exportmanager eines schweizerischen Chocolatiers: Ebenso wie Uhrenhersteller müssen sich auch andere Exporteure aus der Schweiz wie beispielsweise Schokoladenfabrikanten auf erschwerte Absatzbedingungen einstellen. Dazu zählen auch die Chemie- und Pharmaindustrie, Präzisionswerkzeugunternehmen und Maschinenbauer der Schweiz. Rahel A., Konsumentin, wohnhaft in Basel: Für Konsumenten in Grenznähe zum Euro-Raum lohnt sich der Einkauf jenseits der Grenze. Denn die Kaufkraft des Franken in Euro hat sich erhöht. Daniel E., Supermarktbetreiber in Weil am Rhein: Einzelhändler in Grenznähe zur Schweiz können sich auf Shopping-Touristen aus der Schweiz einstellen, die die günstigen Einkaufsbedingungen in Deutschland nutzen. Gerd K., Devisenhändler: Viele Broker hatten darauf spekuliert, dass die Wechselkursgarantien der SNB noch lange gelten würden. Sie hatten auf einen steigenden Euro spekuliert. Viele Investoren waren mit geliehenem Geld und einem großen Hebel millionenschwere Risiken eingegangen, die nach der Entscheidung der SNB bei einigen Devisenhändlern innerhalb von Minuten extrem große Verluste verursachten. Einige Unternehmen gingen kurz nach der Abkopplung des Franken vom Euro bankrott.

5 Franz L. Stadtkämmerer einer mittelgroßen Kommune in NRW: Viele Kommunen haben sich in der Schweiz verschuldet, da es in der Schweiz aufgrund der niedrigen Zinsen günstige Kredite gab. Durch die Wechselkursgarantie hielten viele Kommunalpolitiker die Kredite aus der Schweiz für risikolos. Dem war allerdings nicht so. Die laufenden Zins- und Tilgungsraten, die in Schweizer Franken zu leisten sind, dürften eine ganze Reihe Kommunen erheblich belasten. Das gleiche Schicksal tragen alle Schuldner, die sich aufgrund der niedrigen Zinsen in der Schweiz verschuldet haben. In Osteuropa erfolgten in der Vergangenheit zahlreiche Immobilienfinanzierungen in der Schweiz. Es besteht die Gefahr, dass Immobilienbesitzer ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen können. Das würde negative Folgen für die Finanz- und Realwirtschaft in diesen Ländern nach sich ziehen. Jöri M. Hotelier in Adelboden im Berner Oberland: Ein Urlaub in der Schweiz galt ohnehin schon als teuer im Vergleich beispielsweise zu Österreich. Durch die Aufwertung des Franken hat sich ein Urlaub in den Schweizer Bergen noch einmal für Touristen aus dem Euro-Raum verteuert. Langfristig dürfte sich das in einem veränderten Buchungsverhalten niederschlagen und die Tourismusindustrie, Hotellerie und Gastronomen belasten. Robert S., Aktienbesitzer, hat kürzlich eine größere Anzahl Aktien namhafter Schweizer Exportunternehmen in sein Aktiendepot aufgenommen. Die Schweizer Börse rauschte nach der Ankündigung der SNB in den Keller. Der Schweizer Aktienindex SMI verlor 11% an Wert. So dürften auch Besitzer von Aktien Schweizer Unternehmen Verluste erlitten haben. Frieda H. Restaurantbetreiberin in Konstanz am Bodensee: Bei vielen Einkaufstouristen aus der Schweiz sitzt das Geld locker, weil sie in Deutschland zu vergleichsweise günstigen Konditionen einkaufen können. Zur Stärkung schließen viele Konsumenten ihren Einkaufsbummel mit einem Restaurantbesuch ab, bevor es wieder nach Hause geht. Daher profitieren nicht nur Einzelhändler, sondern auch Gastronomen von dem Extra-Boom aus der Schweiz. Heinz F. Exportmanager eines fischverarbeitenden Betriebs aus Hamburg: Produkte aus dem Euro- Raum werden in der Schweiz nun günstiger. Das beflügelt den Export der Produkte aus Deutschland, die die Schweiz importiert. Importe von Fisch sind ein Beispiel dafür. Aufgabe 4 Gewinner der SNB-Entscheidung sind: Schweizer Konsumenten in Grenznähe zum Euro-Raum Einzelhändler und Gastronomen in Grenznähe zur Schweiz Unternehmen aus dem Euro-Raum, die Produkte in die Schweiz exportieren Schweizer Unternehmen, die in nennenswertem Umfang Produkte aus dem Euro-Raum importieren. Anleger, die Vermögen in Schweizer Franken halten. Verlierer sind: Schuldner, die sich in der Schweiz verschuldet haben. Schweizer Anleger, die Vermögen im Euro-Raum angelegt haben Devisenhändler, die gegen den Schweizer Franken spekuliert haben Schweizer Unternehmen, die Produkte ins Ausland exportieren Tourismuswirtschaft der Schweiz Aktienbesitzer, die Schweizer Aktien in ihrem Depot haben.

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