Den Kontaktlehrern/innen für Suchtprophylaxe obliegt die Wahrnehmung folgender Aufgaben:

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1 Rundschreiben II Nr. 20/1997 Betr.: Suchtprophylaxe in der Schule 1. Ziele und Aufgaben Von der besorgniserregenden Entwicklung von Drogenkonsum und Suchtverhalten in der Gesellschaft bleibt auch die Berliner Schule nicht unberührt. Die Kontaktlehrerinnen und Kontaktlehrer an den Schulen und die Koordinatorinnen und Koordinatoren in der schulischen Suchtprophylaxe haben in den vergangenen Jahren durch intensive Arbeit und durch Teilnahme an Fortbildungen und Supervisionen an vielen Schulen einen hohen Standard in der schulischen Suchtprophylaxe erreicht. Die Schulaufsicht hat die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer in vielfältiger Art und Weise unterstützt. Durch die Weiterentwicklung der schulischen Suchtprophylaxe ist es jetzt notwendig geworden, über die bisherigen Aussagen hinaus in Anknüpfung an den Erziehungsauftrag der Schule die pädagogischen und rechtlichen Hinweise neu zu fassen. Insgesamt muss die Berliner Schule gemäß den Empfehlungen der Kultusministerkonferenz vom 03. Juli 1990 ihren Beitrag zur Suchtprophylaxe verstärken. Grundsätzlich ist es Aufgabe aller Lehrer/innen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten und vor allem durch ihr eigenes Verhalten im Bereich der Primärprophylaxe, zu der vor allen Dingen die psychische Stabilisierung der Schüler/innen gehört, tätig zu werden und sich entsprechend fortzubilden und sich selbst ggf. entsprechender Unterstützung zu vergewissern. Basis für die suchtprophylaktische Arbeit in der Schule sind Kenntnisse über: Ursachenorientierte Suchtprophylaxe (Prinzipien, Inhalte, Methoden) Suchtentwicklung und Suchtverhalten (auch eigene Gefährdung) Legale und illegale Suchtmittel und ihre Wirkung Stoffgebundene und stoffungebundene Suchtformen Ansprechpartner für die prophylaktische Arbeit sowie für Problemfälle im Umfeld der Schule (Hilfs- und Beratungsstellen verschiedener Art) Unterrichtsformen, -methoden, und -inhalte in den verschiedenen Fächern, die als Beitrag zur Primärprophylaxe bedeutsam werden können, Organisation und Gestaltung von Projekttagen, Schulfesten oder Schülerfahrten mit prophylaktischer Zielsetzung geeignete Literatur, Unterrichtshilfen und Medien zur Suchtprophylaxe. Darüber hinaus ist es erforderlich, daß an jeder Oberschule, einschließlich der berufsbildenden Oberschulen, eine Lehrkraft sich in besonderem Maße den Problemen der Suchtprophylaxe widmet. Dies geschieht durch die Kontaktlehrer/innen. An Grundschulen können - allerdings ohne Ermäßigungsstunden - bei Bedarf Kontaktlehrer/innen benannt werden. Den Kontaktlehrern/innen für Suchtprophylaxe obliegt die Wahrnehmung folgender Aufgaben: Kontaktlehrer/innen tragen ihr Wissen über Suchtprophylaxe an alle an der Schule Beteiligten weiter und geben Anregungen und Informationen, wie Primärprophylaxe in der Schule umgesetzt werden kann. Kontaktlehrer/innen beraten Schüler/innen, Lehrer/innen und Erziehungsberechtigte bei auftretenden Problemen. Sie tragen dazu bei, daß außerschulische Hilfs- und Beratungsangebote bekannt und in Anspruch genommen werden. Kontaktlehrer/innen übernehmen keine therapeutischen Aufgaben, sondern verweisen an entsprechende Einrichtungen. Kontaktlehrer/innen stellen ihr Fachwissen bei der Organisation und Gestaltung von Projekttagen zur Verfügung. Kontaktlehrer/innen arbeiten in den bezirklichen Arbeitskreisen mit und nehmen an Fortbildungsveranstaltungen teil. Kontaktlehrer/innen werden bei Ordnungsmaßnahmen, die den Missbrauch und Handel von Drogen betreffen, beratend hinzugezogen. Kontaktlehrer/innen erstellen einmal jährlich eine Übersicht über die Schwerpunkte ihrer Tätigkeit zur Vorlage für die Gesamtkonferenz als Planungsgrundlage für die suchtprophylaktische Arbeit der Schule, für den/die Koordinator/in und den Arbeitskreis der

2 Kontaktlehrer/innen zum Informationsaustausch und für den zuständigen Schulaufsichtsbeamten als Ergebnisbericht und als Arbeitsprogramm. Für neubenannte Kontaktlehrer/innen werden vom Institut für Lehrerfort- und Weiterbildung zweitägige Einführungsseminare durchgeführt. Für jede Außenstelle des LSA wird aus dem Kreis der Kontaktlehrer/innen ein/e Koordinator/in für Suchtprophylaxe benannt. Voraussetzungen für eine Benennung sind: mindestens zweijährige Tätigkeit als Kontaktlehrer/in Akzeptanz durch die anderen Kontaktlehrer Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit der Schulaufsicht Teilnahme an einer Fortbildungsveranstaltung für Koordinatoren/innen. Den Koordinator/innen obliegt die Wahrnehmung folgender Aufgaben: Beratung der Kontaktlehrer/innen ständiger Kontakt zur Schulaufsicht und Beratung derselben, besonders bei die Suchtprophylaxe betreffenden Ordnungsmaßnahmen Weitergabe von Informationen aus der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport, dem Landesschulamt und dem Berliner Landesinstitut für Schule und Medien an die Kontaktlehrer/innen und die Schulaufsicht Durchführung von mindestens sechs Treffen der Kontaktlehrer/innen pro Schuljahr. Diese Mitarbeiterbesprechungen dienen der Weitergabe von Informationen, der Kommunikation der Kontaktlehrer/innen untereinander und der kollegialen Wissensvermittlung und Fallbesprechung. Organisation und Durchführung von Fortbildungsveranstaltungen für die Kontaktlehrer/innen einer Außenstelle Bereitstellung von Materialien zur aktuellen rechtlichen Situation Bereitstellung von Materialien zum aktuellen Wissensstand in der Suchtprophylaxe Kontakt zu bezirklichen Beratungsstellen und Einrichtungen der außerschulischen Jugendarbeit Bereitstellung einer Übersicht über die Anlaufstellen für Suchtprophylaxe und Beratung im Umfeld der Schulen ihrer Außenstelle Den für Suchtprophylaxe zuständigen Schulaufsichtsbeamten obliegt die Wahrnehmung folgender Aufgaben: Sie verteilen die den Schulen in der Region zur Verfügung stehenden Ermäßigungsstunden im Umfang von mindestens einer Wochenstunde je Oberschule. Sie informieren sich über den Stand der suchtprophylaktischen Arbeit in der Region. Sie können an allen Kontaktlehrersitzungen teilnehmen. Sie benennen aus dem Kreis der Kontaktlehrer/innen eine/n neue/n Koordinator/in. Sie geben schulrechtliche Beratung und treffen ggf. Entscheidungen bei Missbrauch und Handel von illegalen Drogen an Schulen im Benehmen mit den zuständigen Schulräten. Sie unterstützen die Bemühungen der Kontaklehrer/innen und Koordinatoren/innen um angemessene Arbeitsbedingungen und entsprechende Fortbildungen. Sie fördern die Bemühungen der einzelnen Schulen um schulinterne Fortbildungen, Studientage, Projekte etc. zur Suchtprophylaxe. 2. Organisation der suchtprophylaktischen Arbeit Während des Referendariats nehmen alle Lehrer/innen an einem Einführungsseminar zur schulischen Suchtprophylaxe teil. An jeder Oberschule wird - je nach Schülerzahl - mindestens ein/e Kontaktlehrer/in und ein/e Stellvertreter/in benannt und dem zuständigen Schulaufsichtsbeamten unverzüglich mitgeteilt.

3 Kontaktlehrer/innen nehmen verbindlich an Einführungsseminaren, an bezirksinternen Fortbildungen und an Arbeitstreffen für Kontaktlehrer/innen teil. Kontaktlehrer/innen weisen in unregelmäßigen Abständen unaufgefordert die Teilnahme an Fortbildungen nach. Aus dem Kreis der Kontaktlehrer/innen werden die regionalen Koordinatoren/innen durch den zuständigen Schulaufsichtsbeamten ernannt. Koordinatoren/innen, die diese Arbeit neu übernehmen, haben an einer spezifischen Fortbildungsmaßnahme teilgenommen, die grundlegende Kompetenzen für diese Arbeit vermittelt. Entsprechende Veranstaltungen werden vom Berliner Landesinstitut für Schule und Medien bei Bedarf durchgeführt. Die Aufgaben der Kontaktlehrer/innen und Koordinatoren/innen sollen nach Möglichkeit über einen längeren Zeitraum hinweg von den gleichen Lehrkräften wahrgenommen werden. Kontaktlehrer/innen und Koordinatoren/innen sollen im Regelfall mit mindestens der Hälfte ihrer Regelstundenzahl an ihrer Stammschule unterrichten. Sie erhalten für ihre Tätigkeit eine Pflichtstundenermäßigung im Umfang von in der Regel einer bzw. drei bis vier Wochenstunde/n (siehe Anhang: Verteilung der Kontaktlehrerstunden). In jeder Außenstelle des Landesschulamtes ist ein/e für Suchtprophylaxe zuständige/r Schulaufsichtsbeamter/in zu benennen und der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport mitzuteilen. Die Verteilung der Ermäßigungsstunden für berufsbildende Schulen erfolgt durch das Landesschulamt. 3. Felder der suchtprophylaktischen Arbeit Suchtprophylaxe in der Schule ist in der Regel P r i m ä r p r o p h y l a x e. Sie richtet sich an alle Schüler/innen mit dem vorrangigen Ziel, solche Einstellungen und Handlungsmöglichkeiten zu fördern, die zu konstruktiven Lösungen alltäglicher Lebensprobleme wie auch zur Bewältigung schwieriger Existenzfragen beitragen. Die S e k u n d ä r p r o p h y l a x e kommt in der Schule dann zum Tragen, wenn erkannt wird, dass einzelne Schüler/innen oder Schülergruppen bereits Verhaltensweisen bzw. Konsumgewohnheiten entwickelt haben, die als Suchtgefährdung anzusehen sind. Hier besteht die Aufgabe darin, mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen und darauf hinzuwirken, dass sie entsprechende Beratungs- und Hilfsangebote außerhalb der Schule in Anspruch nehmen, sowie stützend in der Schule zu wirken. Wie in anderen Situationen, in denen Schüler/innen bei der Bewältigung persönlicher Probleme unterstützt werden müssen, gilt auch hier der Grundsatz, dass solche Unterstützung nur auf der Grundlage eines Vertrauensverhältnisses zwischen Lehrern/innen und Schülern/ innen wirksam werden kann; dies schließt grundsätzlich die vertrauliche Behandlung der Information ein, die den Lehrkräften durch eine/n betroffene/n Schüler/in oder durch eigene Wahrnehmung bekannt werden. Die Vertraulichkeit solcher persönlichkeitsbezogenen Informationen erfordert auch das geltende Recht, indem z. B. die Vorschrift des 203 des Strafgesetzbuches deren unbefugte Verbreitung unter Strafe stellt. Intervention und T e r t i ä r p r o p h y l a x e werden dann nötig, wenn Schüler/innen auftreten, die bereits abhängig sind bzw. einen Entzug hinter sich haben bzw. sich in Therapie befinden oder eine solche hinter sich haben und einem Rückfall vorgebeugt werden soll. Sekundär- und Tertiärprophylaxe sollten betrieben werden, soweit es darum geht, in spezifischer, im Einzelfall mit den entsprechenden Fachleuten zu klärender Weise gefährdete Schüler/innen zu berücksichtigen und nicht auszugrenzen.

4 Ausgehend von diesen Überlegungen ergibt sich für das Verhalten der Schule in verschiedenen denkbaren Situationen u.a. folgendes: a) Hat ein/e Lehrer/in die Kenntnis oder die Vermutung, dass ein/e Schüler/in z. B. Haschisch raucht, ergreift er/sie entsprechende Maßnahmen. Es ist in die pädagogische Beurteilung des Lehrers/ der Lehrerin gestellt, welche Konsequenzen für das weitere Vorgehen daraus zu ziehen sind. Gleiche Aufmerksamkeit und konsequentes Vorgehen ist notwendig bei Kenntnis von Suchtverhalten, bei dem z. B. Alkohol oder Medikamente, problematischer Umgang mit Nahrungsund Genussmitteln oder Glücksspiel zugrunde liegt. Der Lehrer/ die Lehrerin hat das Recht, sich zur Entscheidungsfindung mit der Schulleitung und der Schulaufsicht unter Offenlegung der bekannten Einzelheiten - nach Ermessen mit oder ohne Namensnennung - zu beraten. Der/die Kontaktlehrer/in der Schule ist in jedem Fall zu informieren. Die Schulleitung hat das Recht, sich in Einzelgesprächen mit Lehrern/innen oder in besonderen Dienstgesprächen mit dem Kollegium über Vorfälle, bei denen Suchtverhalten oder Drogenkonsum eine Rolle spielen, zu informieren und zu beraten. Der/ die zuständige Schulaufsichtsbeamte/in kann sich über Vorgänge in diesem Bereich informieren. b) Der Handel mit Drogen, gleichgültig welcher Art, verdient unter keinem Gesichtspunkt den Schutz des Vertrauensverhältnisses zwischen Lehrern/innen und Schüler/innen; Vorgänge dieser Art sind unverzüglich der Schulleitung zu melden. Der/die Kontaktlehrer/in ist in Kenntnis zu setzen. Betrifft der Handel illegale Drogen, so verständigt die Schulleitung den/die zuständige/n Schulaufsichtsbeamten/in. Diese/r setzt sich mit der Kriminalpolizei in Verbindung. Von einer Strafverfolgung kann die Staatsanwaltschaft zwar absehen, wenn kein öffentliches Interesse besteht. Im Bereich der Schule ist dieses öffentliche Interesse aber gegeben, weil Dritte mitbetroffen sein können. Das heißt, dass Konsum und Weitergabe von illegalen Drogen in der Schule verboten sind. c) Bei Vorgängen, die besondere pädagogische Bemühungen erforderlich machen, sollten die Erziehungsberechtigten in der Regel in einem Gespräch unterrichtet werden. Hat allerdings ein/e Lehrer/in durch sorgfältige Vorgespräche den Eindruck gewonnen, dass die Unterrichtung der Erziehungsberechtigten die prophylaktische Arbeit behindern würde, kann dieses im Einzelfall unterbleiben. In diesem Fall besteht für den/die Lehrer/in die besondere Pflicht, sich kompetente Beratung und Unterstützung zu holen (Kontaktlehrer/in, Koordinator/in, Beratungsstellen). Auskünfte an Erziehungsberechtigte von volljährigen Schülern/innen können nur im Einverständnis mit diesen erteilt werden. d) Wird in Elternversammlungen oder in Sitzungen der Schulkonferenz über Problemverhalten (z. B. süchtiges Verhalten oder Drogenkonsum) gesprochen, so ist streng darauf zu achten, dass eine Diskussion von Angelegenheiten einzelner Schüler/innen und eine Namensnennung oder Hinweise auf bestimmte Personen unterbleiben. Auch bei der Behandlung konkreter Vorfälle in Lehrerkonferenzen ist größtmögliche Diskretion zu wahren. e) Schuldisziplinarische Maßnahmen spielen im Rahmen der Bemühungen der Schule auf diesem Gebiet keine hervorgehobene Rolle.

5 Die Rundschreiben II Nr. 154/1991 vom 21. Oktober 1991 und vom 30. Mai 1994 über Sucht werden hierdurch ersetzt. Im Auftrag Landesschulrat

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