Wie möchten Sie im Alter leben?

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1 Wie möchten Sie im Alter leben? Ich möchte so lange es geht in meinen vertrauten vier Wänden leben. Einen alten Baum verpflanzt man nicht. Dr. Norbert Blüm

2 Altsein mit Würde Ein Gespräch mit Dr. Norbert Blüm Wie möchten Sie alt werden? Ich möchte auch im Alter nicht alleine sein, sondern mit Menschen zusammen leben, die ich gut kenne und denen ich vertraue. So lange es geht, will ich auch für andere etwas tun. Dasein teilen ist eine Bereicherung für alle. Allerdings ist das leichter gesagt als getan und ich hoffe, nicht in Altersbitternis zu verfallen und schließlich zu einem nörgelnden Greis zu versteinern. Ihr Wunsch für das Alter ist? Hoffentlich bewahren wir die Jungen wie die Alten uns wechselseitig die Achtung. Die Selbstachtung ist auf die Achtung des anderen angewiesen. Darin bezeichnet sich Würde. Und ich bin noch etwas, auch wenn ich nicht mehr bin. Das ist ein tröstlicher Gedanke, mit dem man sich ein Leben lang vertraut machen muss. Welche Vorstellung hatten Sie ursprünglich für Ihr Leben mit 65+? Ich habe mir kein Konzept fürs Alter gemacht. Ich nehme es, wie es kommt. Man muss in jedem Lebensabschnitt den schlechten Menschen in sich bekämpfen. Die beste Übung dafür ist, nicht ständig an sich und seinen Vorteil zu denken. Das ist erstens sehr anstrengend und zweitens kann es im Alter passieren, dass alt vertraute Vorzüge wegfallen. Man ist im Alter nicht mehr Sieger in Disziplinen, in denen man als Junger immer gewonnen hat. Also vergesse das Siegen. Was macht das Leben im Alter tatsächlich aus? Ich bin neugierig auf neue Lebenserfahrungen. Alter ist ein Abenteuer. Alle wollen länger leben, aber niemand will alt werden. Das ist die Bankrotterklärung der Neugier. Ich kenne manche bewundernswerte Alte, die nichts mehr leisten können und von denen man sich dennoch eine Scheibe abschneiden kann. Alles Trallala ist dann entfallen. Mensch werde wesentlich, das gelingt manchen Alten naturgemäß besser als manchen Jungen. Was ist aus Ihrer Erfahrung die größte Herausforderung im Alter? Die größte Herausforderung im Alter ist der Verlust von vertrauten Menschen. Welches Wohn- bzw. Lebenskonzept bevorzugen Sie für Ihren Herbst des Lebens? Ich möchte so lange es geht in meinen vertrauten vier Wänden leben. Einen alten Baum verpflanzt man nicht gerne.

3 Berlin, den 18. Juni 2009 Presseinformation zur Pressekonferenz Initiative Hausnotruf Deutsche Wohlfahrtsverbände, Hilfsorganisationen und Hausnotrufanbieter gründen die Initiative Hausnotruf. Ziel der Initiative ist es, Menschen über die Möglichkeiten und Grenzen des individuellen Alterns in den eigenen vier Wänden aufzuklären. Der Alltag älterer Menschen besteht vorwiegend aus Inaktivität und Ausruhen. Wie dieses Vorurteil prägen viele stereotype Vorstellungen über das Altern unsere Meinung und damit auch die Entwicklung der Sozialpolitik. Tatsächlich wird jeder seiner Persönlichkeit entsprechend allmählich älter und es bedarf innovativer Konzepte, um die Lebensführung Älterer individuell positiv zu bewältigen und zu gestalten, sagt Peter Balz, Geschäftsführer der Initiative Hausnotruf. Dies bestätigte auch die bundesweite Medienkampagne, in der Dr. Norbert Blüm die Menschen nach ihren persönlichen Plänen für das Alter fragte. Jenseits aller Statistiken und demografischer Studien eröffnen die Antworten Einblicke in eine dynamische, stark individualisierte Welt des Alterns. 100 Briefe wurden symbolisch für die vielen, vielen Einsendungen in einem Buch gebunden. Es soll ein Zeichen setzen dafür, dass ein selbstbewusstes und unabhängiges Leben im Alter praktische Auseinandersetzung und Vorbereitung braucht - und zwar von jedem Einzelnen der Gesellschaft und der Politik. Auch die gemeinsame Altersstudie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften widerlegt das Klischee vom Älter werden als negativ zu bewertende Lebensphase. Grundsätzlich sind die meisten älteren Menschen der Studie zufolge mit ihrem Leben zufrieden. Zwei Drittel fühlen sich gesund, neun von zehn älteren Menschen sind nicht pflegebedürftig und leben in Privathaushalten. Drei Viertel der in Privathaushalten lebenden alten Menschen benötigen keine regelmäßige Pflege. Mit zunehmendem Alter schränken jedoch Einbußen der sensorischen, geistigen und körperlichen Fähigkeiten die selbstständige Lebensführung allmählich ein. Oft hapert es dabei nur an ganz alltäglichen Dingen, um älteren, kranken oder allein stehenden Menschen das Leben zu erleichtern. Auch unter den 85-Jährigen ist nur ein Fünftel pflegebedürftig und ein Drittel hilfsbedürftig. Fast die Hälfte der 70-Jährigen und Älteren zeigen keine gravierenden Beschwerden und ist auch in ihrem Bewegungsapparat nicht eingeschränkt. Während der individuellen Lebensphasen im Alter kann der Hausnotruf die Sicherheit und Bequemlichkeit bieten, die für ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden wichtig sind.

4 Ein Druck auf den so genannten Funkfinger, den man als Kette, als Armband oder im Uhrenformat tragen kann, genügt und ein Hilferuf wird im Notfall oder bei beängstigendem Unwohlsein an die Einsatzzentrale gesendet. Dort liegen alle Informationen des Kunden vor und der Diensthabende schickt je nach Situation Kontaktperson, Bereitschaftsdienst oder Notdienst auf den Weg. Ein Zweitschlüssel ist in der Einsatzzentrale hinterlegt. Auf Wunsch kann neben der Notversorgung auch der Menüservice, ein Fahrdienst zum Arztbesuch oder ein Besuchsdienst in Anspruch genommen werden. In Deutschland sind gerade einmal 2 % der über 65-Jährigen an den Hausnotruf angeschlossen. In England und den skandinavischen Ländern sind es bis zu 16 % und die Kosten werden generell ab einem Alter von 65 Jahren übernommen. Durch das Hausnotrufsystem spart das britische Gesundheitssystem 110 Mrd. Euro* ein. In Deutschland muss die Errichtung des Hausnotrufs in der Regel selbst finanziert werden. Gründer der Initiative sind die Johanniter-Unfall-Hilfe, die Deutschen Malteser, der Arbeiter-Samariter-Bund, das Deutsche Rote Kreuz, die Volkssolidarität, BeWo - Begleitet Wohnen und Sonotel. Darüber hinaus wird die Initiative von den Unternehmen Bosch Sicherheitssysteme, NEAT und Turnstall unterstützt. *Quelle: Valuing Careers - calculating the value of unpaid care, Carers UK, 2007 Weitere Informationen über die Initiative finden sie unter Eine Zusammenfassung der Berliner Altersstudie finden Sie auf folgender Website: Erhebungen zum Hausnotruf bietet die forsa-umfrage Was ist schon Alter? auf www. initiative-hausnotruf.de/hausnotruf-forschung.html

5 Wie funktioniert der Hausnotruf 1. Bei Unwohlsein oder im Notfall drückt der Teilnehmer den am Körper getragenen so genannten Funkfinger, den man als Kette, als Armband oder im Uhrenformat tragen kann. 2. Der Notknopf sendet den Notruf an ein telefongroßes Hauptgerät in der Wohnung, welches automatisch die 24-Stunden-Notrufzentrale anfunkt. 3. Die Notrufzentrale versucht umgehend über die Lautsprecherfunktion am Hauptgerät Sprechkontakt mit dem Patienten herzustellen. Durch die Rücksprache kann eine vereinbarte Kontaktperson (Nachbarn, Hausarzt, Familie) bzw. der Bereitschafts- oder Notdienst informiert werden. Antwortet der Hausnotrufteilnehmer nicht, wird automatisch der Rettungswagen verständigt. 4. Die Einsatzzentrale verfügt über sämtliche relevanten Informationen zur Person Name, Anschrift, Angehörige, behandelnde Ärzte, Krankengeschichte etc. Außerdem kann ein Zweitschlüssel für ungehinderten Zugang zu Haus und Wohnung statt z.b. bei den Nachbarn auch direkt in der Einsatzzentrale hinterlegt werden. Das spart lebenswichtige Zeit und Kosten für den Schlüsseldienst, wenn der Patient die Wohnungstür nicht selber öffnen kann. 5. Eintreffen des Rettungsdienstes oder der Kontaktperson vor Ort und Sicherstellung der weiteren Versorgung. Bei Unwohlsein oder im Notfall Hausnotrufknopf drücken. Patient wird zu Hause versorgt oder in das Krankenhaus gefahren. Wie Hausnotruf funktioniert: Sprachkontakt ermöglicht individuelle Hilfeleistung. Zentrale informiert bei Bedarf Kontaktperson oder Rettungsdienst/Notarzt mit Schlüssel.

6 Mitglieder der Initiative Hausnotruf Arbeiter-Samariter-Bund e. V. (ASB) Der ASB möchte mit seinen Angeboten im Bereich der Altenhilfe vorrangig dazu beitragen, dass ältere und pflegebedürftige Menschen trotz gesundheitlicher Einschränkungen ein selbstbestimmtes Leben in ihrem eigenen Zuhause führen können. Dazu bietet der Arbeiter-Samariter-Bund eine Vielfalt an Unterstützungs- und Hilfeleistungen an. Durch den ASB-Hausnotruf ist es möglich, jederzeit und schnell zu helfen und sowohl für Senioren als auch für Menschen mit einer Behinderung da zu sein. Dafür engagieren sich die qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Hausnotrufzentralen des ASB sowie in der ambulanten und rettungsdienstlichen Versorgung. Wilhelm Müller, Bundesgeschäftsführer BeWo Begleitet Wohnen ggmbh In England und anderen europäischen Nachbarstaaten erfährt Hausnotruf eine hohe Akzeptanz. Bis zu 10 mal mehr Nutzer nehmen in England diese Unterstützung in Anspruch. In diesen Ländern haben wir bis zu 80 % Einsparungen in der Gesundheitswirtschaft. Persönliches Wohlbefinden und volkswirtschaftlicher Nutzen will die Initiative Hausnotruf in Deutschland zusammen bringen. Bei dem Blick in andere europäische Länder kam mir der Gedanke: Das können wir auch in Deutschland. Deswegen haben wir die Initiative Hausnotruf ins Leben gerufen. Matthias Sandrock, Geschäftsführer BOSCH Sicherheitssysteme GmbH Der Hausnotruf ermöglicht das Älter-Werden in den eigenen vier Wänden und stellt für die Nutzer einen unermesslichen Gewinn an Lebensqualität und Selbstständigkeit dar. Zusätzlich haben auch Verwandte, Freunde und Nachbarn die Gewissheit, dass im Notfall schnelle und zielführende Hilfe garantiert ist. Diese zahlreichen Vorteile werden in anderen europäischen Ländern bereits viel stärker als in Deutschland genutzt dort ist der Hausnotruf weit verbreitet und wird von Seiten der Politik stark gefördert. Durch die Gründung der Initiative Hausnotruf erhoffe ich mir diese positiven Entwicklungen auch für Deutschland. Florian Lupfer-Kusenberg, Vertriebsleiter Hausnotruf International

7 Deutsches Rotes Kreuz e. V. (DRK) Das Schönste an unserem Hausnotruf ist, dass es nicht immer nur um lebensbedrohliche Notfälle geht. Wir sind eben der Kümmerer, der immer sofort bereit steht, auch wenn es nur um kleine häusliche Missgeschicke geht: die zugefallene Balkontür, die defekte Glühbirne, aber eben auch der kleine Sturz, der zwar glimpflich ausgegangen ist, aber doch tatkräftige Hilfestellung erfordert. Genau dieser Service über den Notfall hinaus ist es, den viele Teilnehmer, aber auch deren Angehörige am Angebot des Roten Kreuzes besonders zu schätzen wissen. Ralph Hoffert, hauptamtlicher Vorstand des DRK Herten, Nordrhein Westfalen Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. Die Initiative Hausnotruf macht sich stark für ein individuelles und selbstbestimmtes Leben im Alter. Das Buch Wir sehen uns später bestätigt auf eindrucksvolle Weise, wie aktiv und kreativ Menschen sich auf die späte Lebensphase vorbereiten. Da gibt es Senioren, die viel reisen und sportlich aktiv bleiben wollen, andere wollen ihre Freizeit mit bürgerschaftlichem Engagement sinnvoll gestalten und wieder andere einfach sich und ihre Familie genießen. Ein Wunsch ist allen gemeinsam: So lange wie möglich selbstbestimmt zu Hause leben können. Das heißt nicht, auf fremde Hilfe zu verzichten. Aber eben nur dann, wenn man sie wirklich braucht. Der Hausnotruf liefert alle Möglichkeiten, im Bedarfsfall schnell auf die Hilfe von Familie und Nachbarn, aber auch vom Arzt oder Rettungsdienst zugreifen zu können. Peter Balz, Bereichsleiter Altenhilfe und Einsatzdienste Malteser Hilfsdienst e. V. Der Hausnotruf ermöglicht es Menschen auch im Alter und trotz Krankheit ein unabhängiges Leben in den eigenen vier Wänden zu führen. Ein sicheres Gefühl für die Nutzer des Hausnotrufs und für deren Angehörige: Wir helfen schnell und kompetent sowohl bei großen als auch bei kleinen Notfällen. Auf Wunsch mit einem eigenen Bereitschaftsdienst. Unsere Mitarbeiter haben ein offenes Ohr für die Nöte der Menschen. Der Hausnotruf ist in Kombination mit anderen ambulanten Diensten die Alternative zu stationären Einrichtungen. Hans-Peter Lauffs, Geschäftsführer

8 NEAT GmbH Wie sagte Karl Valentin so schön: Ich freue mich heute noch, dass es mir gelungen ist, den heutigen Tag noch zu erleben. Mit dem Hausnotruf schaffen wir es, dass sich viele Menschen darüber freuen können, noch eine Menge schöner Tage in ihrer vertrauten Umgebung zu erleben. Der schöne Nebeneffekt: Es werden erhebliche Kosten im Gesundheitswesen eingespart. Ich kann mir kaum ein besseres politisches Programm vorstellen. Mathias Duncker, Geschäftsführer SONOTEL ggmbh Unsere langjährigen Erfahrungen in der Fürsorge für Hausnotrufteilnehmer zeigen, dass Hausnotruf gerade in den Auswirkungen des demographischen Wandels eine entlastende Aufgabe wahrnimmt. Die Anzahl der Senioren steigt stetig und gleichzeitig sind Familienstrukturen in Veränderung. Gesamtgesellschaftlich trägt Hausnotruf nämlich dazu bei, den Grundsatz der Pflegeversicherung ambulant vor stationär kosteneinsparend zu verwirklichen. Für den Einzelnen bedeutet Hausnotruf selbst bestimmt zuhause in Sicherheit und Geborgenheit zu leben. Das wollen die Menschen, dafür setzen wir uns ein. Michaela Stevens, Geschäftsführerin Tunstall GmbH Hausnotruf-Technologien bieten effektive und wirtschaftliche Möglichkeiten für die medizinische und soziale Versorgung von Patienten in ihrem vertrauten häuslichen Umfeld. Mit den zum Einsatz kommenden Lösungen sind die Risiken im Zusammenhang mit selbstständigem Verbleiben in der eigenen Wohnung kontrollierbar, und die gesundheitliche Versorgung und das Wohlbefinden eines Patienten werden gewährleistet. Uwe Egener, Vertriebsleiter

9 Volkssolidarität e. V. Der bundesweite Hausnotrufdienst der Volkssolidarität ist ein wichtiges und mittlerweile nicht mehr wegzudenkendes, ganz spezielles Angebot des Verbandes. Er wurde 1998 eingerichtet und kann inzwischen mehr als Teilnehmer vermelden. Der Hausnotruf entspricht dem in den vergangenen Jahren stetig gewachsenen Sicherheitsbedürfnis vieler Menschen. Er hilft, Vorsorge gegen unerwartete Ereignisse zu treffen, um in Gefahren und Notsituationen zu jeder Tages und Nachtzeit schnelle und gezielte Hilfe zu erhalten. Unser Verband unterstützt die Initiative Hausnotruf, um so beizutragen, die Angebote für die Menschen, die dieses Angebot heute schon nutzen, zu verbessern. Dr. Bernd Niederland, Bundesgeschäftsführer

10 Historie Vom ersten Hausnotruf-Gerät zur gemeinsamen Plattform Initiative Hausnotruf 1979 Entwicklung des ersten Hausnotrufgerätes in Deutschland bei ANT-Telefunken (heute Bosch) in Backnang 1980 Erster Hausnotrufanschluss durch Mitarbeiter des St. Willehad Hospitals, Wilhelmshaven 1982 Zweites Hausnotruf-Gerät auf dem deutschen Markt: Knorr-Bremse, angeschlossen durch die Malteser in Bonn 1983 Innovationspreis des Ministeriums für Forschung und Technologie für die Entwicklung des ANT-Gerätes Hausnotruf-Nutzer in Deutschland Zentralen zum Aufschalten der Notrufgeräte in über 300 Orten in Deutschland, verschiedene Gerätelieferanten 1993 Gründung der Bundesarbeitsgemeinschaft Hausnotruf (BAG Hausnotruf) Fachverband der Notrufanbieter, Hilfsorganisationen und andere

11 1995 Versorgungsvertrag mit den Spitzenverbänden der Pflegekassen. Hausnotrufgeräte müssen sich einem Prüfungsverfahren beim Medizinischen Dienst unterziehen, sofern sie als abrechenbares Pflegehilfsmittel nach Sozialgesetzbuch XI anerkannt und eingesetzt werden wollen Austritt der Hilfsorganisationen (Wohlfahrtsverbände) aus der BAG Hausnotruf, Gründung eines eigenen Fachverbandes: Bundesverband Hausnotruf Hausnotruf-Nutzer in Deutschland Mio. Nutzer in England. Der Vorsitzende des Bundesverbandes Hausnotruf, Michael Schnepel, nimmt in England an Fachtagungen des britischen Hausnotrufverbandes teil: TelecareServicesAssociation (TSA) Hier lernt der Vorsitzende des Bundesverbandes eine breite Plattform kennen, die sich politisch für die Versorgung älterer Menschen stark macht. In TSA sind zusammengeschlossen: Hausnotruf-Dienstleister, Hausnotrufgeräte-Hersteller, Kommunen, Versicherungen, Wohnungsbaugesellschaften, Pflegedienste, Hilfsorganisationen, etc. In solchen Zusammenschlüssen sieht Michael Schnepel auch eine Chance der Versorgungsverbesserung und somit der volkswirtschaftlichen Einsparungen für Deutschland. Im Februar 2005 präsentieren sich erstmalig 12 Hausnotruf-Partnern Gerätehersteller, Versicherungen, etc. in Nürnberg auf der Altenpflegemesse mit einem gemeinsamen Informationsstand Hausnotruf-Nutzer in Deutschland 4,5 Mio. in Großbritannien Im März 2009 wird die Initiative Hausnotruf in Berlin gegründet. Zum Vorsitzenden wird Peter Balz (Johanniter Unfall Hilfe), als stellvertretender Vorsitzender Florian Lupfer-Kusenberg (Bosch Sicherheitssysteme) gewählt. Es gibt ein gemeinsames Budget für Studien und Öffentlichkeitsarbeit. Ein Novum in diesem Gesundheitsbereich in Deutschland.

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17 Pressematerial auf CD Pressefotos JPEG (RGB), TIFF (CMYK) Quelle: Initiative Hausnotruf Norbert Blüm Unterstützer der Initiative Hausnotruf Buch PDF Logo der Initiative JPEG Infografik PDF Wir sehen uns später 100 Perspektiven zum Leben im Alter

18 Medien Dossier

19 Das Alter gibt es nicht! Der Alltag älterer Menschen besteht vorwiegend aus Inaktivität und Ausruhen. Wie dieses Vorurteil prägen viele stereotype Vorstellungen über das Altern unsere Meinung und damit auch die Entwicklung der Sozialpolitik. Tatsächlich wird jeder seiner Persönlichkeit entsprechend allmählich älter und es bedarf innovativer Konzepte, um die Lebensführung Älterer individuell positiv zu bewältigen und zu gestalten, sagt Peter Balz, Vorsitzender der Initiative Hausnotruf. Auch die gemeinsame Altersstudie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften widerlegt das Klischee vom Älterwerden als negativ zu bewertende Lebensphase.

20 Grundsätzlich sind die meisten älteren Menschen der Studie zufolge mit ihrem Leben zufrieden. Zwei Drittel fühlen sich gesund, neun von zehn älteren Menschen sind nicht pflegebedürftig und leben in Privathaushalten. Drei Viertel der in Privathaushalten lebenden alten Menschen benötigen keine regelmäßige Pflege. Mit zunehmendem Alter schränken jedoch Einbußen der sensorischen, geistigen und körperlichen Fähigkeiten die selbstständige Lebensführung allmählich ein. Oft hapert es dabei nur an ganz alltäglichen Dingen, um Älteren, Kranken oder alleinstehenden Menschen das Leben zu erleichtern. Auch unter den 85jährigen ist nur ein Fünftel pflegebedürftig und ein Drittel hilfsbedürftig. Fast die Hälfte der 70jährigen und Älteren zeigen keine gravierenden Beschwerden und sind auch in ihrem Bewegungsapparat nicht eingeschränkt. Während der individuellen Lebensphasen im Alter kann der Hausnotruf die Sicherheit und Bequemlichkeit bieten, die für ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden wichtig sind. Ein Druck auf den so genannten Funkfinger, den man als Kette, als Armband oder im Uhrenformat tragen kann, genügt und ein Hilferuf wird im Notfall oder bei beängstigendem Unwohlsein an die Einsatzzentrale gesendet. Dort liegen alle Informationen des Kunden vor und der Diensthabende schickt je nach Situation Kontaktperson, Bereitschaftsdienst oder Notdienst auf den Weg. Ein Zweitschlüssel ist in der Einsatzzentrale hinterlegt. Auf Wunsch kann neben der Notversorgung auch der Menüservice, ein Fahrdienst zum Arztbesuch oder ein Besuchsdienst in Anspruch genommen werden. In Deutschland sind gerade einmal 2 % der über 65-Jährigen an den Hausnotruf angeschlossen. In England und den skandinavischen Ländern sind es bis zu 16 % und die Kosten werden generell ab einem Alter von 65 Jahren übernommen. Durch das Hausnotrufsystem spart das britische Gesundheitssystem 110 Mrd. Euro* ein. In Deutschland muss die Errichtung des Hausnotrufs in der Regel selbst finanziert werden. Weitere Informationen über die Initiative finden sie unter *Quelle: Valuing Careers - calculating the value of unpaid care, Carers UK, 2007

21 Behauptungen über das Alter Die häufigsten Vorurteile 1. Die meisten Menschen erhalten zu viele Medikamente FALSCH 92 % der 70-Jährigen und älteren Menschen werden zwar mit mindestens einem Medikament behandelt, aber trotz dieser hohen Behandlungsintensität konnte bei etwa 24 % der Probanden eine Untermedikation im Sinne unbehandelter, mittel- bis schwergradiger körperlicher Erkrankungen festgestellt werden. Das Problem der Medikation im Alter liegt insgesamt eher in der Qualität, weniger in der Quantität. 2. Die meisten alten Menschen haben eine Krankheit RICHTIG Aus medizinischer Sicht lässt sich bei nahezu allen 70-Jährigen und Älteren mindestens eine Krankheit diagnostizieren. Demgegenüber ist nicht richtig, dass die meisten alten Menschen unter einer ernsthaften Erkrankung leiden. Lebensbedrohliche Krankheiten wurden bei deutlich weniger als der Hälfte (33 %) festgestellt. 3. Die meisten alten Menschen fühlen sich krank FALSCH 29 % der 70-Jährigen und Älteren beurteilen ihre körperliche Gesundheit allgemein als sehr gut bis gut, 38 % als befriedigend, 33 % als ausreichend oder mangelhaft. 4. Alte Frauen leben länger und sind deshalb weniger krank FALSCH Obwohl Frauen eine höhere Lebenserwartung haben, unterscheiden sie sich im Alter insgesamt nicht wesentlich in ihrer körperlichen Gesundheit von gleichaltrigen Männern. 5. Mehr als die Hälfte der hochbetagten Frauen braucht Hilfe beim Baden oder Duschen RICHTIG 60 % der 85-Jährigen und älteren Frauen sagen, dass sie Hilfe oder Unterstützung beim Baden oder Duschen brauchen. Im Vergleich dazu liegt der entsprechende Prozentanteil bei den gleichaltrigen Männern bei 32 %. 6. Die meisten Blutwerte ändern sich nicht im Alter RICHTIG Die Analysen der breit angelegten laborchemischen Blutuntersuchungen zeigen keine wesentlichen Abweichungen von den auch für jüngere Menschen geltenden Normalwerten. 7. Depressionen werden im Alter häufiger FALSCH Die Häufigkeit depressiver Erkrankungen unterscheidet sich zwischen den verschiedenen Altersgruppen zwischen 70 bis über 100 Jahre nicht signifikant.

22 8. Die meisten Menschen über 70 Jahre leiden an einer ernsthaften Beeinträchtigung ihrer geistigen Leistungsfähigkeit FALSCH Nur etwa 17 % der 70-Jährigen und Älteren haben kognitive Störungen im pathologischen Sinne, nur 14 % vom Ausmaß einer Demenz. Es gibt aber einen allgemeinen Rückgang in der geistigen Leistungsfähigkeit. 9. Etwa die Hälfte der 90-Jährigen und älteren Menschen leidet an einem deutlichen geistigen Abbau (Demenz) RICHTIG Die Demenzhäufigkeit steigt mit dem Alter stark an. In der Studie wurden in der Altersgruppe von 70 bis 74 Jahren keine Demenzen diagnostiziert, in der Altersgruppe der 90-Jährigen und Älteren dagegen etwa 43 %. 10. Die meisten alten Menschen erhalten zu viele Psychopharmaka FALSCH Zwar nehmen zwei Drittel der alten Menschen psychotrope Pharmaka im weiteren Sinne ein, jedoch wurde in gut einem Drittel der Verordnungen eine Unterdosierung festgestellt, eine Überdosierung wurde überhaupt nicht beobachtet. Eine Untermedikation, das heißt Nichtverordnung von indizierten Medikamenten, wurde bei Demenzen in 4 %, bei Depressionen sogar in 44 % ermittelt. 11. Der Alltag alter Menschen besteht vorwiegend aus Inaktivität und Ausruhen FALSCH Die Rekonstruktion des Tagesabläufe zeigt für die TeilnehmerInnen an der Studie, dass 19 % der Wachzeit mit Ruhephasen verbracht wurden. Bei den 70- bis 84-Jährigen waren es sogar nur 12 %.

23 12. Das Thema Sterben und Tod hat bei den meisten alten Menschen hohe Priorität FALSCH Bei Vorgabe von zehn Lebensbereichen und -themen gaben 70 % der TeilnehmerInnen an, sich stark oder sehr stark mit dem Wohlergehen ihrer Angehörigen zu beschäftigen, das Thema Sterben und Tod wurde nur von 7 % genannt. 13. Das Gedächtnis wird mit zunehmendem Alter immer schlechter RICHTIG Es finden sich beträchtliche negative Zusammenhänge zwischen dem Alter und der Leistung des Gedächtnisses. 14. Die meisten alten Menschen können nichts Neues mehr lernen FALSCH Bis ins hohe Alter hinein sind alte Menschen noch lernfähig, auch wenn die Gedächtnisleistungen schlechter werden. 15. Die meisten alten Menschen glauben, daß sie ihr Leben nicht mehr selbst bestimmen können FALSCH 70 % der TeilnehmerInnen gaben an, dass sie das Gefühl haben, ihre Geschicke vor allem selbst beeinflussen zu können. 16. Nur ganz wenige alte Menschen haben noch ausgeprägte Lebensziele FALSCH 94 % der TeilnehmerInnen entwarfen auf Befragen Zukunftsszenarien, selbst bis ins hohe Alter. 17. Alte Menschen leben vor allem in der Vergangenheit FALSCH 40 % gaben an, dass sie meistens über die Gegenwart nachdenken, 30 % berichteten vor allem von Gedanken über die Vergangenheit und 25 % von Gedanken über die Zukunft. 18. Fast alle alten Menschen haben eine vertraute Person, mit der sie über schwierige Probleme sprechen können FALSCH Fast die Hälfte der TeilnehmerInnen gab an, dass sie niemanden haben, mit dem sie über persönliche Probleme reden können. 19. Sehr viele alte Menschen sind arm FALSCH Insgesamt sind das hohe und höhere Alter nicht mit großen finanziellen Benachteiligungen verbunden. Allerdings kann der Einkommensbedarf im hohen Alter auch überproportional steigen, so zum Beispiel für Hilfe im Haushalt und insbesondere bei Pflegebedürftigkeit. 20. Die Mehrzahl der 95-Jährigen und Älteren lebt in Heimen FALSCH Der Prozentsatz liegt im Durchschnitt bei etwa 9 %. Allerdings sind 37 % der 95-Jährigen und älteren Heimbewohner.

24 21. Pflegebedürftige alte Menschen in Privathaushalten werden überwiegend von ihren Kindern gepflegt FALSCH Es sind in der Regel nicht die Kinder, die ihre Eltern pflegen. Etwa 54 % der hilfs- und pflegebedürftigen alten Menschen haben Kinder in Berlin. Innerhalb dieser Gruppe erhalten nur 8 % von ihren Kindern regelmäßige Haushalts-, Einkaufs- und Putzhilfen. Die meisten werden von Ehepartnern oder formellen Hilfs- und Pflegediensten betreut. 22. Ärmere Menschen sind im Alter kränker, reichere Menschen gesünder FALSCH Die Stichprobe zeigte kaum Unterschiede zwischen sozialen Schichten oder Einkommensgruppen im Hinblick auf körperliche und geistige Funktionseinbußen und Krankheitsbefunde. 23. Frauen, die ihr Leben lang überwiegend Hausfrauen waren, sind im hohen Alter schlechter gestellt als Frauen, die über lange Zeit erwerbstätig waren FALSCH Innerhalb der Gruppe der verheirateten und verwitweten Frauen hat die Dauer der Erwerbstätigkeit überraschenderweise keinen Einfluss auf die finanzielle Situation des Haushalts im Alter. Quelle: Berliner Altersstudie, P. Baltes et al., 1997; Mayer et al., 1996

25 Die Berliner Altersstudie (BASE) Zentrale Ergebnisse Den Alten geht es gut. Die meisten Menschen im Alter von 70 Jahren sind zu einer mehr oder weniger selbstständigen Lebensführung in der Lage. Die meisten Rentner können die ersten Jahre ihres Ruhestandes unabhängig leben und möchten dies auch so lange wie möglich tun. Während die rüstigen Alten als zahlungskräftige Konsumenten und Familienratgeber gefragt sind, geraten die alten Alten aus dem Blickfeld. Sie aber werden immer mehr: Heute sind 53 % der Pflegebedürftigen 80 Jahre und älter, 2030 können es 65 % sein. Bevölkerungsberechnung Laut aktueller Bevölkerungsvorausberechnung der Bundesregierung wird die Zahl der über 60-Jährigen bis 2030 um rund 38 %, von 20,5 Millionen auf voraussichtlich 28,4 Millionen Einwohner steigen. Die Zahl der über 80-Jährigen wird sogar um 73 % von 3,6 Millionen auf 6,3 Millionen ansteigen. Pflegenotstand Professor Andreas Kruse (Institut für Gerontologie an der Universität Heidelberg, Leiter der Sachverständigen Kommission, die dem Altersbericht vorsaß) sagt, dass der Pflegenotstand eine gigantische Herausforderung ist. Die Zahl der Leistungszahler sinkt und die der Pflegebedürftigen steigt. Es fehlt am Praktischen Oft hapert es laut Altersforscher Hans-Joachim Kondratowitz von Deutschen Zentrum für Altersfragen in Berlin an alltäglichen Dingen, um Senioren das Leben zu erleichtern. Alter ist ein gefährliches Klischee Die Berliner Altersstudie (Base) widerlegt das Klischee vom Alter als negativ zu bewertende Lebensphase. Die Studie zeigt aber auch, dass die Gestaltung und Bewältigung der vierten Lebensphase der Menschen ab 85 Jahre (hoch betagt) schwieriger und risikoreicher ist. Keine regelmäßige Pflege benötigt Die meisten alten Menschen sind mit ihrem Leben zufrieden, zwei Drittel fühlen sich gesund und neun von zehn wohnen in Privathaushalten. Drei Viertel der in Privathaushalten lebenden alten Menschen benötigen keine regelmäßige Pflege. Auch unter den 85-Jährigen ist nur ein Fünftel pflegebedürftig und ein Drittel hilfsbedürftig. Fast die Hälfte der 70-Jährigen und Älteren zeigen keine gravierenden Beschwerden und sind auch in ihrem Bewegungsapparat nicht eingeschränkt. Die Situation der Frauen ist schlechter, da sie älter werden und dadurch die risikoreichen Jahre häufiger erreichen. Meistens sind die älteren Frauen verwitwet oder geschieden. Für sehr alte Frauen liegt das Risiko der Hilfsbedürftigkeit, Einsamkeit oder geringer sozialer Unterstützung um 50 % höher als bei Männern.

26 Gesundheit Auch die geistige Gesundheit Älterer ist laut Altersstudie besser als gedacht: Nur ein knappes Viertel der 70-Jährigen und Älteren haben psychiatrische Störungen und nur etwa ein Zehntel solche, die mit Hilfsbedürftigkeit einhergehen. Auch nehmen Depressionen entgegen einer gängigen Ansicht mit dem Alter nicht zu. Insgesamt ist aber eine erstaunliche Widerstandsfähigkeit (Resilienz) im Alter auszumachen. Obwohl sich bei 96 % aller 70-Jährigen und Älteren mindestens eine körperliche Krankheit diagnostizieren lässt und bei 30 % fünf oder mehr Diagnosen zu stellen sind, empfinden die meisten Befragten (zwei Drittel) ihre körperliche Gesundheit als gut bis befriedigend. Dieses überraschende Ergebnis wird erklärt mit der außerordentlich hohen Anpassungsfähigkeit des Menschen, die im Alter wahrscheinlich noch effektiver als in der Jugend ist. Der Vergleichsmaßstab hat sich verändert: Der alte Mensch orientiert sich weniger an der eigenen Vergangenheit als vielmehr an anderen Menschen mit ähnlichen Symptomen. Diejenigen, die einen Herzinfarkt erleiden, vergleichen sich sehr bald mit anderen, die auch einen Herzinfarkt hatten. Allein die Tatsache, dass sie zu denen zählen, die den Herzinfarkt überlebt haben, erhöht das Lebensgefühl. Allerdings trifft es nicht zu, wie oft gängig unterstellt wird, dass die meisten alten Menschen unter einer ernsthaften und lebensbedrohlichen Erkrankung leiden. Dies ist nur bei einem Drittel der Fall. Fast die Hälfte leidet an einer meist chronischen und schmerzhaften Erkrankung des Bewegungsapparates. Mit dem Alter steigt allerdings die Demenz rasch an. Der damit verbundene rapide Verlust der intellektuellen Fähigkeiten trifft Menschen, die 90 Jahre und älter sind, mit fast 50 %iger Wahrscheinlichkeit.

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