Grundlagen IV: Ideenfindung

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2 Grundlagen IV: Ideenfindung Copyright Matthias Kramer,

3 Einflüsse aus verschiedenen Bereichen wirken auf das Innovationsmanagement ein Eigenschaften des Marktes Reife der Branche Marktgröße und Marktwachstum Konkurrenz Innovationsdruck Eigenschaften der Technologie Komplexität Art des zugrunde liegenden Wissens Technologie- Lebenszyklus Zugänglichkeit des Wissens Das innovierende Unternehmen Unternehmens- und Innovationshistorie - Erfahrung mit Innovation - Alter der Unternehmung - Erfolg früherer Innovationen Spezifischer Innovationsprozess Führung Diffusion Ressourcen und Potentiale Barrieren Konkurrierende (Innovations)-projekte Eigenschaften des Umfeldes Gesellschaftliche Einstellung zur Innovation und Technologie Rechtlicher Rahmen Staatliche Förderung Voraussetzungen des Bildungssystems Demographischer Wandel Wertewandel Diversität Quelle: Hauschildt (2004), S.48, modifiziert Copyright Matthias Kramer,

4 Acht (Mega-) Trends begründen die zunehmende Bedeutung von Innovation Globalisierung der Märkte als übergreifender Megatrend Beschleunigung der Innovationsdiffusion Intensivierung des Wettbewerbs Beschleunigung der Innovationszyklen Zunehmende Bedeutung von Innovation Zusammenwachsen von Technologien (Technologiefusionen) Eskalation von Innovationskosten Dezentralisierung von Wissen Explosionsartige Zunahme des technologischen Wissens Quelle: in Anlehnung an Gassmann und Bader (2006) Copyright Matthias Kramer,

5 Acht (Mega-) Trends begründen die zunehmende Bedeutung von Innovation Quellen für Innovationen Antizipation von Veränderungen Bereiche innovationsrelevanter Einflussgrößen Gesellschaft: Demographie Umwelt Unternehmensintern Unternehmens- Partner-Netzwerk Recht; Politik Kunden Unternehmensextern Technologien Wettbewerber Innovationsprozess Zulieferer; Partner Idee Forschung Entwicklung Produktion Problemerkenntnis Markteinführung Marktdurchsetzung Copyright Matthias Kramer,

6 Da sich die äußeren Einflüsse und internen Anforderungen ändern gibt es Handlungsbedarf Leistungsmerkmale Preis Sicherheit Komfort Design Zuverlässigkeit Haptik Bequemlichkeit Funktionaliät Geschwindigkeit Handlungsbedarf 0 10 Gar nicht Sehr gut Erfüllungsgrad Kundenanforderungen Leistungsprofil Quelle: in Anlehnung an Vahs & Burmester (2005) Copyright Matthias Kramer,

7 Da sich die äußeren Einflüsse und internen Anforderungen ändern gibt es Handlungsbedarf Ideenfindung Ideensammlung Suche und Sichtung aus vorhandenen Informationsquellen (z.b. mittels proaktiver und strategischer Innovationsbeobachtung) Ideengenerierung Hervorbringen von gänzlich Neuem durch Erfindung (z.b. unter systematischer Anwendung von Kreativitätstechniken) Lead-User Aufnehmen von Ideen von fortschrittlichen Kunden (Integration von Kunden in den Innovationsprozess; mit Kreativitätstechniken) Copyright Matthias Kramer,

8 Da sich die äußeren Einflüsse und internen Anforderungen ändern gibt es Handlungsbedarf Probleme in Unternehmen signalisieren Handlungsbedarf und müssen als Chancen für Innovationen gesehen werden. Ideen für die Problemlösungen können durch Informationsverarbeitungsprozesse entstehen, da Sie grundsätzlich auf gemachten Erfahrungen beruhen. Was sind Ideen? Unter Ideen sind Einfälle, Gedanken und Vorstellungen von Menschen zu verstehen, die auf der Suche nach einer anzustrebenden Problemlösung gedankliches Neuland betreten. Quelle: Vahs & Burmester (2005) Dies können eigene Erfahrungen sein, oder die Erfahrungen anderer. Copyright Matthias Kramer,

9 Kreativitätstechniken helfen, einzeln oder in Gruppen gezielt Ideen zu entwickeln Aus einem Interview mit dem Zeichner von Asterix und Obelix, Albert Uderzo: [ ] SZ: Haben Sie oder Goscinny nie gesagt: Jetzt haben 18 Asterixe hinter uns und jetzt kommt der 19. und uns fällt nichts mehr ein. Uderzo: Das ist passiert! Vor dem zehnten Asterix. Goscinny sagte zu mir: Jetzt haben wir alles über die Römer und die Gallier erzählt, jetzt weiß ich nicht, was wir noch machen sollen. SZ: Und was war die rettende Idee? Uderzo: Und dann hat er ihn zu den Legionären geschickt. Es gibt kein Rezept für Ideen, man weiß nie, wieso und warum man eine hat. Sie kommen auf einen Schlag, eine oder mehrere, beim Essen oder beim Lesen eines Geschichtsbuchs. [ ] Quelle: Süddeutsche Zeitung, Phase 1: Phase 2: Phase 3: Phase 4: Logische Phase: Vorbereitung Intuitive Phase: Inkubation Erkenntnisphase: Illumination Kritische Phase: Verifikation Brauchbare Ideen und ihre Umsetzung Quelle: in Anlehnung Schlicksupp 1999, S. 29 Copyright Matthias Kramer,

10 Kreativitätstechniken helfen, einzeln oder in Gruppen gezielt Ideen zu entwickeln Es gibt eine große Auswahl an Kreativitätstechniken, aus denen Sie nach Bedarf des zu lösenden Problems wählen müssen: Brainstorming Brainwriting Methode Synektik Bionik Morphologische Analyse Strategische Optionenmatrix Knowledge Box Imagine That! Suchfeld-Methode Paradigmenwechselspiel Quelle: in Anlehnung an Steiner 2003 und Vahs & Burmester 2005 Copyright Matthias Kramer,

11 Die Methode ist eine besondere Form der schriftlichen Ideengewinnung Schriftliche Ideengewinnung am (runden) Tisch 6 Teilnehmer sitzen zusammen - jeder notiert in der ersten Runde 3 Ideen Anschließende Weitergabe an den Tischnachbarn zur Kommentierung, Weiterentwicklung und Ergänzung (5 Weitergaben) Die Ideenbewertung (Rotlichtphase) ist in die Ideengewinnung (Grünlichtphase) integriert Copyright Matthias Kramer,

12 Ansatz 2: Imaginethat! Was wäre wenn... es keinen Studiengang soziale Arbeit mehr gäbe? Nur noch mir Ehrenamtlichen arbeiten? Jugendarbeit automatisiert? Pädagogik nur noch in der Schule? Handwerker und BWLer mit pädagogischem Talent? Copyright Matthias Kramer,

13 Wer Neues schaffen will, muss bestehende Regeln brechen! Das Paradigmenwechsel-Spiel: Bildung von Gruppen mit ca. 10 Teilnehmern (bilden Kreis, werfen sich Tennisball in frei gewählter Reihenfolge zu) Spielleiter beginnt Nacheinander fängt jedes Gruppenmitglied 1x den Ball und leitet diesen 1x weiter, bis der Spielleiter den Ball wieder hat Jedes Gruppenmitglied merkt sich, wem es den Ball zugeworfen hat 1 Beobachter je Gruppe (stoppt Zeit und berichtet) Mehrmalige Versuche, die erreichte Zeit zu verbessern, dann Einleitung eines kreativen Prozesses Copyright Matthias Kramer,

14 Ansatz 3: Trending! Welche neuen Trends zeichnen sich in der Jugendarbeit ab? Wie sieht der Arbeitsalltag in der Jugendarbeit in 20 Jahren aus? Was brauchen Jugendliche 2029 von der Jugendarbeit? Copyright Matthias Kramer,

15 Die Knowledge Box erleichtert die Ausgestaltung von Dienstleistungsideen Zwischen den 6 Flächen sollte ein Gleichgewicht bestehen: dem Know Who (Wissen über den Kunden), dem Know What (Wissen über die zu erbringende Leistung) dem Know When (Wissen über den Zeitpunkt der Leistungserbringung) dem Know Where (Wissen über den Ort der Leistungserstellung) dem Know How (Wissen über den Prozess der effizienten Leistungserstellung) das Know Why (dem Wissen über den Sinn eines Angebots) Know Who Know What Know how Know When Know Where Know Why Copyright Matthias Kramer,

16 Grundlagen V: Ideenbewertung Copyright Matthias Kramer,

17 Cave: Tendenzen bei der Ideenauswahl und - bewertung Es gibt Tendenzen bei der Auswahl und Bewertung von Ideen, die weitreichende Auswirkungen auf den Innovationserfolg haben können. Diese sind: Skeptik gegenüber radikal neuen, disruptiven Ideen: Oftmals durch Killerphrasen hervorgebracht Groupthink : Gruppendynamische Prozesse sorgen dafür, dass manche Ideen sehr unkritisch behandelt werden, besonders wenn diese von Meinungsführern in der Gruppen stammen. Aktionismus : Teilnehmer lassen sich vorschnell von einer Idee mitreißen, ohne dass diese systematisch geprüft wurde. Mögliche Konsequenzen sind, dass Ideen aufgegriffen werden, die sich im Nachhinein als falsch oder nicht zielführend herausstellen, und Ideen verworfen werden, die tatsächlich große Potentiale versprechen. Quelle: in Anlehnung an Witt 1996 Copyright Matthias Kramer,

18 1. Schritt: Strukturierung der Ideen mittels Metaplan-Analyse Problem I d e e n g r u p p e n I D E E N Copyright Matthias Kramer,

19 2. Schritt: Vorauswahl von Ideen durch Kriterien Für die Ideenauswahl bietet sich eine Reihe von Kriterien an, die für die Jungendarbeit allerdings (noch) angepasst werden müssen: Neuheit Verbesserungspotential (zusätzlicher Nutzen für die Kunden, Nutzen aus pädagogischer Sicht, ) Nachhaltigkeit / Langlebigkeit (Kann die Dienstleistung nachgeahmt werden?) Zeit- und Kostenaufwand Erforderliche Ressourcen (Mitarbeiter, Technik, Geld, Wissen, ) Kompatibilität mit Unternehmensgrundsätzen und der eigenen Strategie, sowie gesetzlichen Rahmenbedingungen Gewinnpotential Fun-Faktor (Für welche Idee kann ich mich begeistern?) Copyright Matthias Kramer,

20 2. Schritt: Visualisierung durch eine Matrix Attraktivität Neuheit Verbesserungspotential nachhaltiger Wettbewerbsvorteil Idee 1? Idee 2 Realisierbarkeit Zeit, Kosten Ressourcen... Copyright Matthias Kramer,

21 3. Schritt: Priorisierungder Ideen und Auswahl mit Hilfe einer Nutzwertanalyse Zielkriterien Gewicht- Altern.1: Altern. 2: Altern. 3: ung Idee 1 Idee 2 Idee 3 g x1 g*x1 x2 g*x2 x3 g*x3 Neuheit 0,3 4 1,2 8 2,4 3 0,9 Nutzen 0,5 8 4,0 5 2,5 4 2,0 Fun- Faktor 0,3 6 1,8 5 1,5 6 1,8 Gewinn für die 0,3 4 1,2 3 0,9 2 0,6 Jugendringe Zeit / Kosten -0,4 6-2,4 4-1,6 6-2,4 Summe 1 5,8 5,7 2,9 Copyright Matthias Kramer,

22 Literatur Gassmann, O. und Bader, M. A. (2006). Patentmanagement, Berlin, Heidelberg, New York, Springer Hauschild, J. (2004). Innovationsmanagement. München: Vahlen Schlicksupp, H. (1999). 30 Minuten für mehr Kreativität. Offenbach: Gabal Steiner, G. (2003). Kreativitätsmanagement: Durch Kreativität zur Innovation. In: Strebel, H. (Hrsg.) Innovations- und Technologiemanagement. S Wien: WUV Universitätsverlag Süddeutsche Zeitung (2008). Ausgabe vom Vahs, D., Burmester, R. (2005), Innovationsmanagement, 3. Auflage, Schäffer- Poeschel, Stuttgart. Witt, J. (1996). Produktinnovation. München: Vahlen Zeithaml, V., Bitner, J. und Gremler, D. (2008). Services Marketing. New York u.a.: McGraw-Hill Copyright Matthias Kramer,

23 Lead-User Kunde Kunde Kunde Kunde Kunde Artikulation von Bedürfnissen Unternehmen Ideen-Aufnahme Ideen-Screening nach potentiellen Neuprodukten Auswahl der lohnenswertesten Ideen für Entwicklungsprojekte Kunde Lead-User Kunde normale Kunden Copyright Matthias Kramer,

24 Morphologischer Kasten Morphologischer Kasten zur Öffnung von Autodächern Parameter Lösungsvarianten Material Glas Stahl Kunststoff Textil Holz Betätigung Elektrisch Mechanisch Pneumatisch Hydraulisch Aufbauprinzip Cabrio Hardtop Verdeck Schiebedach Öffnungsmechanismus Faltdach Rollo Lamellen Klappdach Abnehmbar Schutzfunktion Sonne Regen Steinschlag Kälte Lärm Schmutz Abgase Diebstahl Unfall Quelle: Vahs & Burmester (2005) Copyright Matthias Kramer,

25 Synektik 10. Lösungsansätze weiter entwickeln 9. Projektion auf das Ausgangsproblem 8. Analyse durch Beschreibung 1. Problemanalyse 2. Spontane Lösung 3. Neuformulierung des Problems Synektische Ideenfindung 7. Zweite direkte Analogie 4. Direkte Analogie 5. Persönliche Analogie 6. Symbolische Analogie Copyright Matthias Kramer,

26 Suchfeldanalyse Beispiel: Hersteller von Luftbefeuchtern Gasförmige Stoffe bewegen Luft Industriegase Edelgase schnell bewegen langsam bewegen umwälzen aufbereiten reinigen temperieren anreichern trocknen befeuchten Copyright Matthias Kramer,

27 Strategische Optionenmatrix Strategische Optionen M a r k t Nische Hochpreismarkt Mittelpreismarkt Niedrigpreismarkt M e t h o d e Vereinfachung Verschiebung Verfeinerung (geringere Komplexität) (unveränderl. Komplexität) (erhöhte Komplexität) Beschleunigung (Kurierdienste) Funktionale Spezial. (Auspuffdienst) Kooperation (Franchising) Reduzierung (Selbstbedienung) Individualisierung (Privatbank) Fokussierung (Golfreisen) Modularisierung (Reiseveranstalter) Standardisierung (Fast Food) Kombination (Kreditkarte) Separierung (Leasing) Differenzierung (Klassenkonzepte) Automatisierung (Ticketautomaten) Copyright Matthias Kramer,

28 Bionik Copyright Matthias Kramer,

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