Innovationsmanagement I: Entwicklung und Umsetzung

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1 Innovationsmanagement I: Entwicklung und Umsetzung INSOS-Kongress 2011, 31. August 2011 Dr. Regula Ruflin

2 Inhalt: 1. Was ist «Innovation»? 2. Innovationsmanagement 3. Innovationsprozess 2

3 1. Was ist «Innovation»? Innovation umfasst die Beschäftigung mit veränderten, weiterentwickelten oder neuen Ideen, welche zu materiellen oder immateriellen Erfindungen führen: Gegenstände / Produkte Dienstleistungen Organisationsformen und Arbeitsprozesse Projekte Methoden und Arbeitsinstrumente 3

4 1. Was ist «Innovation»? Neuheit oder (Er)Neuerung für das jeweilige System Zukunftsbranche Zielgerichtete Durchsetzung von neuen technischen, wirtschaftlichen, organisatorischen und sozialen Problemlösungen Unternehmensziele auf neuartige Weise erreichen 4

5 1. Was ist «Innovation»? Komplexität bei Innovation: zeitlich (Dynamik des Umfeldes) qualitativ/quantitativ (verschiedene Komponenten, die voneinander abhängig sind) finanziell (ökonomische Sinnhaftigkeit) Organisatorisch: Interdisziplinär, Querschnittsfunktion, Netzwerk, Sonderstatus, etc. Vor- und Nachteile / Konfliktgehalt 5

6 1. Was ist «Innovation»? 6

7 1. Was ist «Innovation»? kann aus dem Alltag und aus der Notsituation heraus geschehen oder bewusst gefördert werden kleine Innovationen sind häufiger als «Killer- Innovationen» und darum relevanter 7

8 1. Fragen für Bienenwaben-Diskussion Welche Innovationen sind Ihnen aus dem Bereich Menschen mit Behinderung bekannt? bspw. bzgl. Begleitung, Tagesstrukturen, Führung, Organisationsformen, etc.? Was ist daran innovativ? Chancen und Gefahren? 8

9 2. Innovationsmanagement Kreativität organisieren ist das nicht ein Gegensatz? Zwei Typen von neuen Ideen sollen «gemanagt» werden: 1.Spontane neue Ideen speichern 2.Bewusste Herbeiführung von organisierter Kreativität, um neue Ideen zu entwickeln 9

10 2. Innovationsmanagement Innovationsmanagement umfasst alle Aktivitäten des Wertschöpfungsprozesses bis zur Markteinführung eines neuen Produktes Innovationskultur entwickeln 10

11 3. Innovationsprozess Prozessphasen nach Frank Wippermann: 1.Problemdefinition: keine Ideen suchen 2.Ideensuche: keine Lösungen bewerten 3.Bewerten von Ideen: keine Schritte realisieren 4.Umsetzung: keine (neuen) Probleme definieren 11

12 3. Innovationsprozess Phase für Phase voneinander getrennt durchführen und ggf. protokollieren (wann, womit, was) Ideensuche geschieht mittels Kreativitätstechniken 12

13 3. Innovationsprozess Beispiel für einen Innovationsprozess: Kreativitätstag Behinderung und Innovation in der Normandie 13

14 3. Innovationsprozess: Problemdefinition 1. Problemanalyse 2. Für Problemdefinition: Wie-Fragen in Verbindung mit ich/wir-formulierungen. z.b. «Wie können wir die Vernetzung der Menschen mit Behinderung mit dem Sozialraum verstärken?» 14

15 3. Innovationsprozess: Ideensuche 15

16 3. Innovationsprozess: Ideensuche Prozess mit Kreativitäts-Techniken läuft nicht gradlinig, folgende Phasen: Gewöhnung («Was soll diese Frage?») zügiges Antworten («Ja klar!») Erschöpfung («Ist doch alles gesagt!») weitere Ideen nach längerem Nachdenken («Stimmt, da war doch noch!»). Ähnlich wie Rucksack-Tragen beim Wandern. 16

17 3. Innovationsprozess: Bewerten Kriterien festlegen, damit möglichst systematisch, nachvollziehbar und zuverlässig bewertet wird Ablauf z.b. gemäss Filterkonzept mit drei Bewertungsfiltern : 1. Bewertung des Grobkonzeptes 2. Bewertung des Funktionskonzeptes 3. Bewertung des Detailkonzeptes 17

18 3. Innovationsprozess: Bewerten Filterkonzept von Vahs, S

19 3. Innovationsprozess: Umsetzung 1. Konzeptentwicklung 2. Planung Testphase: Festlegung von Zielen & Controlling 3. Durchführen Testphase 4. Controlling / Evaluation, Dokumentation 5. Entscheid 6. Planung Umsetzung (Struktur, Prozesse) und Marketing 7. Umsetzung 19

20 3. Innovationsprozess: Umsetzung Stolpersteine: Organisatorische Schwachstellen Personelle Schwachstellen Planerische Schwachstellen Umweltbezogene Schwachstellen 20

21 4. Nachteile von Innovation Abwertung des Bestehenden & Dauerhaften Überforderung des Personals, allenfalls der strategischen resp. operativen Führung Hoher Koordinations- und Entwicklungsaufwand Bei Innovationen im Rahmen eines Netzwerkes: Unklarheiten in Zuständigkeiten, Besitzverhältnissen und Abhängigkeiten 21

22 4. Vorteile von Innovation Beschäftigung mit neuen Ideen, Veränderungen und Weiterentwicklungen: aktiv, neugierig sein Strategisch gesehen: Positionierung Fachlich gesehen: Qualitätsentwicklung, Problemlösung Ökonomisch gesehen: Quelle für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit Kundenorientierung und Mitarbeiterzufriedenheit 22

23 Gruppenarbeiten I - III Ziel: Erarbeitung konkreter Innovationsideen zusammen mit Kolleg/innen, welche am gleichen Themenbereich interessiert sind Auswahlprinzip des thematischen Ortes: Wo das Thema interessiert Weil man eine konkrete Idee hat, die man mit Kolleg/innen weiterentwickeln möchten Wo man gerne mitdenken möchte 23

24 Gruppenarbeit I Gruppengrösse: 3-5 Personen Deutsch und/oder Französisch Arbeitsauftrag: Vorstellen in der Gruppe Zum ausgewählten Thema Brainstormen & einander bereits bestehende Ideen mitteilen: was, wer, wie, womit, woraufhin, warum, Einbezug Zielgruppen, etc. Festhalten der Diskussion auf Papier, Flips, Tischtuch, etc. 24

25 Gruppenarbeit I Inhalt: 13 thematische Orte 1. Angebotsentwicklung in den Bereichen Wohnen, Arbeit und Tagesstruktur 2. Flexibilisierung und Individualisierung von Dienstleistungen 3. Mitgestaltung und Mitsprache von Menschen mit Behinderung 4. Kooperationen mit Wirtschaft, Institutionen oder anderen Partnern 5. Vernetzung der Institution mit ihrem Sozialraum 6. Prävention und Umgang mit Krisen 25

26 Gruppenarbeit I 7. Gesundheit, Wohlbefinden und Prävention in Institutionen 8. Produktentwicklung und Marktnischen 9. Ausbildungs- und Arbeitsplätze im 1. Arbeitsmarkt 10.Arbeits- und Rahmenbedingungen geschützter Arbeitsplätze 11.Einsatz, Rahmenbedingungen, Aus- und Weiterbildung von (Fach-)Personal 12.Lebenslanges Lernen 13.Führungs- und Organisationsstrukturen 26

27 Innovation & Personalführung: Wie motiviere und unterstütze ich mein Personal, innovativ zu arbeiten? INSOS-Kongress 2011, 31. August 2011 Dr. Regula Ruflin

28 Inhalt: 1. Innovationskultur: Merkmale 2. Weg zur Innovationskultur 3. Aufgaben der Führung 4. Arbeitsfragen 28

29 «Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht die Männer zusammen, um Holz zu beschaffen und Werkzeuge vorzubereiten oder die Arbeit einzuteilen und Aufgaben zu vergeben, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem endlosen weiten Meer.» (A. de Saint-Exupéry) 29

30 1. Innovationskultur ist Teil der Unternehmenskultur gehört zur Mission einer Organisation ist Chefsache, kann aber nicht angeordnet werden hoher Stellenwert von Kreativität und Innovationsfreudigkeit Risikobereitschaft & Fehlertoleranz bei Innovationsprozess und Testphase von innovativen Ideen sammelt zuerst Ideen und bewertet diese erst später 30

31 1. Innovationskultur setzt kooperative Arbeits- und Führungskonzepte voraus. betrachtet Mitarbeiter/innen als das grösste Innovationspotential eines Betriebes (Erfahrung von Unternehmen wie Google, Swatch und IKEA: Die innovativsten Ideen kommen von den MA, die am nächsten am Kunden sind. Dort können Problemsituationen am ehesten erkannt werden.) schätzt und unterstützt Querdenker/innen fördert die Mitarbeiter/innen (Aus-/Weiterbildung) lernt aus Fehlern 31

32 2. Weg zur Innovationskultur Kundenorientierung als zentralen Wert definieren Risikobereitschaft & Fehlertoleranz vermitteln (Vertrauen und Sicherheit für MA) Konstruktive Atmosphäre schaffen: neue Ideen werden nicht sofort kritisiert oder belächelt Offenheit zwischen Einzelpersonen und Teams fördern, interne Kommunikationsmittel über Innovationen festlegen 32

33 2. Weg zur Innovationskultur Einbindung aller Mitarbeitenden in den Innovationsprozess: Innovationskultur ist eine Querschnittskultur Identifikation der Mitarbeitenden mit der Vision des Betriebes und mit dem Angebot fördern Anreize schaffen: Innovationen honorieren und Erfolge feiern Kreativität und Begeisterungsfähigkeit als Kriterium bei Personalrekrutierung 33

34 2. Weg zur Innovationskultur Einen Ideenspeicher schaffen: z.b. eine zentrale Computerdatei oder ein Intranet-Forum, in der Mitarbeiter ihre Ideen speichern können oder eine Pinnwand an zentraler Stelle, wo Mitarbeiter Kärtchen mit spontanen Ideen anheften können 34

35 systematisiertes Vorschlagswesen (Qualitätsmanagement), bspw.: Gefäss für Ideen aus Mitarbeiter- /Kundenbefragungen, Reklamationen, Sitzungen 35

36 2. Weg zur Innovationskultur Periodisch Ideen auswerten, Brauchbares weiterentwickeln, ausprobieren und umsetzen transparente Entscheidungsprozesse Regelmässige Innovationsgefässe, möglichst fach- und hierarchieübergreifend kreative Rahmenbedingungen und schöpferische Pausen im Arbeitsalltag 36

37 2. Weg zur Innovationskultur Der Weg zu einer Innovationskultur gestaltet sich je nach Unternehmenskultur, d.h. Führungskultur und Erfahrungen der Mitarbeitenden, leichter oder holpriger. Falle: «alt» gleich «schlecht» 37

38 38

39 3. Aufgaben der Führung beim Innovationsprozess Wahl von geeigneten Kreativitäts-Techniken aufgrund der verfügbaren Zeit Vorhandener und zugänglicher Arbeitsmittel Wahrnehmungspräferenz (detail- oder konzeptorientiert), Erfahrung Zusammensetzung der Gruppe 39

40 3. Aufgaben der Führung beim Innovationsprozess Keine Killersätze während Innovationsprozess: Das brauchen wir nicht. Das ist viel zu teuer. Das machen wir doch sowieso schon. Da mögen unsere Kunden nicht. Das würde der Vorstand nicht akzeptieren. 40

41 3. Aufgaben der Führung bei Innovationsprozess Bewertung von Ideen: nachvollziehbare Massstäbe und Kriterien diskutieren und festlegen Innovationsziele Einbindung von Kund/innen und Lieferant/innen Markt / Konkurrenzanalyse Trends und Entwicklungen Ökonomische Bewertung / Kalkulationen 41

42 4. Arbeitsfragen Wie können wir mit den bei uns bestehenden personellen und finanziellen Ressourcen eine Innovationskultur entwickeln? Wie bewerten wir unsere innovativen Ideen aus der Gruppenarbeit I aus der Perspektive der personellen Ressourcen? 42

43 Gruppenarbeit II Arbeitsauftrag: Thema weiter konkretisieren und diskutieren: Auf was müssen wir hinsichtlich der Motivation der Mitarbeitenden achten? Welche weiteren personenbezogenen Themen bestehen? (bspw. Freiwillige, Vorstand / Stiftungsrat, Kooperationspartner/innen) Festhalten der Diskussion auf Papier, Flips, Tischtuch, etc. 43

44 Innovationsmanagement III: Finanzierungsmöglichkeiten für und Marketingvorgehen bei innovativen Leistungen und Produkten INSOS-Kongress 2011, 31. August 2011 Dr. Regula Ruflin Katja Schnyder-Walser, lic.phil.i

45 Inhalt: 1. Finanzierung 2. Finanzierungsmöglichkeiten 3. Preisbestimmung innovativer Produkte 4. Vermarktung von Innovation / Marketing 5. Arbeitsfragen 45

46 1. Finanzierung 1. Klärung der erforderlichen Mittel 2. Bestimmung der Mittelherkunft Laufende Rechnung / Bestehende Personalressourcen Eigenmittel (Innovationsfonds, Investitionsrechnung) Kredit 46

47 1. Finanzierung 3. Positionierung der Innovation gegenüber weiterhin bestehenden Produkten (Konkurrenz?) 4. Budget und Finanzplan erstellen: inkl. Marketing-/Werbebudget 47

48 1. Finanzierung Die verschiedenen Rationalitäten berücksichtigen (Woraufhin wird Innovation unterstützt?) Public Management: Effektive Leistungserbringung Profitorganisationen: Marktpositionierung Non-Profitorganisationen: Ethische Ziele und Marktpositionierung 48

49 1. Finanzierung Die verschiedenen Rationalitäten zwischen Organisationen und innerhalb von Organisationen führen zu unterschiedlichen Argumenten hinsichtlich der Akzeptanz innovativer Produkte und Bereitstellung von Mitteln zu deren Entwicklung und/oder Umsetzung 49

50 1. Finanzierung und Rationalitäten Quelle: Dvorak

51 1. Zusammenhänge von Budgets und Finanzierungsvorgehen Die Erstellung von Budgets ist von verschiedenen Vorgaben und Strategien abhängig Die Erstellung des Budgetplanes kann unterschiedliche Zielsetzungen verfolgen Was wird mit einer budgetierten Summe abgebildet? Worauf bezieht sich eine budgetierte Zahl? Wer darf die Zahl setzen? Wer darf über den Betrag schlussendlich verfügen? Wer verbucht den Betrag auf dem Konto? Wer ist zusätzlicher Mit-Zahler bei einer Ausgabe?

52 2. Finanzierungsmöglichkeiten: Eigene Mittel Rücklagen (-> Innovationsfonds) Spezifische Spendenbeiträge Sponsoring Partnerschaften non pekuniäre Mittel Mitarbeiterförderung: gezielter Einsatz bestehender Ressourcen Mitgliederbeiträge Verkauf von Dienstleistungen und Waren 52

53 2. Finanzierungsmöglichkeiten: Drittmittel Staatliche Mittel: Rolle von Leistungsverträgen und Projektbeiträgen: Achtung: Eigenleistungen (was kalkuliere ich mit ein) Achtung: Preisberechnung im Leistungsvertrag Achtung: Amortisationen Kommission für Technologie und Innovation KTI: Innovationsvoucher/-check, Projektförderung 53

54 2. Finanzierungsmöglichkeiten: Drittmittel Staatliche Mittel: Kredit Crowd funding Event-Sponsoring Action fundraising 54

55 3. Preiskalkulation und Preisbestimmung innovativer Produkte Geld Break-Even Erlös proportionale Kosten fixe Kosten Quelle: Schedler Kuno, 2009 notwendige Auslastung geplante Auslastung Menge 55

56 4. Vermarktung von Innovation Kernziel: erfolgreiche Einführung und Durchsetzung des neuen Produkts im Markt Akzeptanz in der Organisation, bei Leistungsbestellern und bei Leistungsnutzer/innen Kommunikation: Image nach aussen beeinflusst auch interne Wahrnehmung Richtiger Zeitpunkt für Markteinführung und Kommunikation definieren 56

57 4. Vermarktung innovativer Produkte Innovationen müssen bekannt gemacht werden Vermarktung nach innen und nach aussen Mit Marketing Mitteln 57

58 4. Marketingmittel 1) Marketingziele festlegen Welche bisherige oder neue Zielgruppe soll mit Marketingmassnahmen bedient werden? 58

59 4. Marketingmittel 2) Marketingmittel und -massnahmen wählen, die zum Produkt passen: Produktname Preis Werbung Öffentlichkeitsarbeit Neben bisherigen Werbemitteln den Einsatz von Event-Marketing und Social Media prüfen 59

60 Arbeitsauftrag 3a: Gruppenarbeit III Diskussion der folgenden Fragen: Welche finanziellen Mittel benötigen wir für die Umsetzung unserer Ideen? (Budget) Welche Finanzquellen eignen sich dafür und was müssen wir tun, um von diesen Finanzmittel zu erhalten? (Finanzierung) Wie nehmen wir die Preiskalkulation vor? Wie soll die Innovation vermarktet werden? Arbeitsauftrag 3b: Erwartungen an den Verband INSOS bzgl. Innovation? Beides schriftlich festhalten 60

61 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! socialdesign ag, 3011 Bern 61

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