Innovationen im Tourismus: Status Quo und Handlungsempfehlungen

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1 Innovationen im Tourismus: Status Quo und Handlungsempfehlungen Ass.-Prof. Dr. Birgit Pikkemaat, ifit, Innsbruck Ao. Univ.-Prof. Dr. Mike Peters, MCI Innsbruck Tag der Innovation, 25. November 2011/ Four Points Sheraton - Messe Bozen,

2 1. Zum Einstieg: Besonderheiten von Innovationen im Tourismus 2. Herausforderungen für das Innovationsmanagement im Tourismus 3. Interne und externe Determinanten von touristischen Innovationen 4. Empirische i Belege aus der touristischen ti Innovationsforschung 5. Implikationen und Handlungsempfehlungen für die Wirtschaftspolitik

3 1. Zum Einstieg

4 1. Zum Einstieg: Was sind Ideen? Drei Schriftsteller Eine Idee muss Wirklichkeit werden, oder sie ist nur eine eitle Seifenblase (Berthold Auerbach, ) Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich aus den Dingen etwas zu Menschen mit einer neuen Idee, gelten solange als Spinner, bis sich die Sache machen. (Thomas Mann, ) durchgesetzt hat (Mark Twain, )

5 1. Zum Einstieg: Was sind Innovationen im Tourismus? Innovation ist wenn der Markt Hurra schreit. Henkel s Chief Technology Officer (in Gassmann/Sutter 2008) Durchsetzung neuer Umsetzung einer neuen nützlichen Idee von ihrer Kombinationen Entstehung bis zur (Schumpeter 1964, S. 100) erfolgreichen praktischen Durchsetzung neuer Anwendung (Little 1988, S. 15)

6 1. Zum Einstieg: Was sind Innovationen im Tourismus? Tourismusprodukt besteht aus Hard- und Software, aus materiellen Produkten und Dienstleistungen Tourismusprodukte sind Prozesse, raum- und zeitübergreifend Tourismus ist ein Erfahrungs- und Vertrauensgut Tourismusprodukt ist Leistungsbündel uno-actu-prinzip Prinzip : Produktion und Konsum der touristischen Leistung fallen zusammen Tourismusprodukte können nicht vor dem Konsum ausprobiert werden Persönliche, emotionale DL können zur Differenzierung beitragen

7 2. Herausforderungen für das Innovationsmanagement Im Tourismus

8 2. Herausforderungen für das Innovationsmanagement im Tourismus Brauchen wir ein Innovationsmanagement? Es gibt doch vieles mehr: Bauchgefühl Vorahnung Intuition etc.

9 2. Herausforderungen für das Innovationsmanagement im Tourismus Innovation ist mehr als Invention: Innovation = Invention + Innovation + Diffusion! Es ist die strukturierte Entwicklung von Ideen innerhalb der Unternehmung und Erfolgreiches auf den Markt bringen der Idee. Bsp. Alpine Wellness (Quelle: Vahs 1990, S. 89)

10 2. Herausforderungen für das Innovationsmanagement im Tourismus Der globale l Wettbewerb b ist intensiver i geworden. Tourismusmärkte sind über weite Teile gesättigt. Die Kunden haben sich gewandelt und fordern heute anderes und mehr als vor zwei, drei Dekaden. Für den Tourismus wird es daher immer wichtiger Trends in der Nachfrage und Entwicklungen der Gesellschaft frühzeitig zu erkennen um mit innovativen Produkten darauf reagieren zu können!

11 2. Herausforderungen für das Innovationsmanagement im Tourismus Innovationswettbewerb Innovationsdefizit Standardisierung Differenzierung große Konzerne Konzentrationsprozesse oligopolistische Konkurrenz KMU Kooperationsprozesse monopolistische Konkurrenz zwischen Destinationen internationale Reiseindustrie fragmentierte Destinationsstruktur (Quelle: in Anlehnung an Keller 2005, S. 48)

12 3. Interne und externe Determinanten

13 3. Interne und externe Determinanten von touristischen Innovationen 1 In der Natur (Wandern usw.) 28 % 2 Zu Hause beim Fernsehen, Essen, Hobby usw. 14 % 3 Ferien, Reisen 13 % 4 Auf Geschäftsreisen/Fahrt zum Büro 11 % 5 In langweiligen Meetings 10 % 6 Freizeitsport/Verein, Club 9% 7 Bei anderen Gelegenheiten 15 % Wo entstehen neue Ideen? (Nach: Fueglistaller, 2001)

14 3. Interne und externe Determinanten von touristischen Innovationen STRATEGIE Struktur Die Aufgabe Prozesse Galbraith 1975 Human Ressourcen Anreize

15 3. Interne und externe Determinanten von touristischen Innovationen Marktstruktur Faktor- Konditionen Tourismus Touristen Cluster/ Kooperationen z.b. Landwirtschaft, Kultur, Sportindustrie, Technologie, Filmindustrie Basierend auf Porter, 1990

16 4. Empirische Belege

17 4. Empirische Belege aus der Innovationsforschung Innovationen im Tourismus Eine Studie zur Lage in Tirol (2009)

18 4. Empirische Belege aus der Innovationsforschung Innovationen im Tourismus Eine Studie zur Lage in Tirol (2009) Ziel: Analyse von Innovationstätigkeiten und Innovationsbedarf Stichprobe: 37 Tiroler Unternehmer, Hoteliers, Seilbahnbetreiber, Obmänner und Geschäftsführer der Tourismusverbände aus 23 der 36 Destinationen Auswertung: MAXQDA 2007

19 4. Empirische Belege aus der Innovationsforschung Innovationsbedarf: Qualitätssicherung (Kundenkontaktpersonal, Vermarktung mittels IT) Flexible Mitarbeiterbeschäftigung und multioptionale Mitarbeiter Infrastrukturelle Maßnahmen für den Sommertourismus Wissensvermittlung im Destinationsmanagement Weiterentwicklung bestehender Angebote (Wanderwege, Mountainbikestrecken) Vermarktung der Destinationen (Schaffung von Know How für KMUs) Innovationsfreude ist eine Grundeinstellung. g (Heinrich Klier, Wintersport AG Stubaitaler Gletscher)

20 4. Empirische Belege aus der Innovationsforschung Triebkräfte für Innovationen: Marktbeobachtungen: Beobachtungen in der ganzen Welt, Reisen, persönliche Urlaubserfahrungen Führungsanspruch der Destinationen, Wettbewerb Imitationen bereits bestehender Produkte Lesen von Fachliteratur, Besuch von Messen und Kongressen Gespräche mit anderen Touristikern, Leitbetrieben, Vereinen, Diskussionen mit Mitarbeitern Im Wesentlichen geht es darum, sich selber zu motivieren. (Aloys Geiger, GF Bergbahnen Fiss)

21 4. Empirische Belege aus der Innovationsforschung Arten von Innovationen: In den letzten Jahren wurde primär in Hardwareinnovationen investiert, technische Innovationen, v.a. bei den Aufstiegshilfen sind vorrangig Dienstleistungsinnovationen werden dennoch als wesentliches Differenzierungskriterium für die Zukunft gesehen Erlebnistourismus, Sport und Gesundheitsbewußtsein sind die zentralen Themenschwerpunkte Innovation heißt, ein Puzzle neu zusammenzufügen (Franz Tschiderer, Obmann TVB Serfaus-Fiss-Ladis)

22 4. Empirische Belege aus der Innovationsforschung Erfolgsfaktoren: Kooperationen auf Destinations- und Unternehmensebene Zusammenarbeit mit Schlüsselpersonen Gemeinsames in eine Richtung drängen, kompromissloses Durchziehen Unternehmernetzwerke, Erfahrungen der Unternehmer Unternehmereigenschaften: h Mut, Fantasie, Kreativität ität und Risikobereitschaft Positiv eingestellte Mitarbeiter Man muss die kritische Masse mit neuen Ideen erreichen so entsteht Tourismus und Mehrwert. (Günther Aloys, Hotelier Ischgl)

23 4. Empirische Belege aus der Innovationsforschung Kooperationen: Kooperation ist Grundvoraussetzung für Innovationen. Vertikale Kooperationen zwischen Unternehmern, Seilbahnbetreibern und Tourismusverbänden sind vorrangig. Kooperationen zwischen Unternehmern derselben Branche finden eher weniger statt. Kooperationen werden als höchst förderungswürdig eingestuft Die einzige Möglichkeit, Innovationen voranzutreiben ist durch Kooperation. (Hubert Klingan, Obmann TVB Innsbruck)

24 4. Empirische Belege aus der Innovationsforschung Hemmnisse: Mangelnde Kooperationsbereitschaft ( TVBs) Unprofessionalität der Unternehmer Fehlende Akzeptanz der Bevölkerung Politik, Bürokratie und Naturschutz (Seilbahnen) Unklare Positionierung der Betriebe Aufwendige Projektanträge Fehlendes Risikokapital Es ist schon fast Tiroler Mentalität, Neues von Anfang an kritisch zu hinterfragen. (Christiane Gasser, Swarovski Tourism GmbH)

25 4. Empirische Belege aus der Innovationsforschung Conclusio 1: geringer Innovationsgrad Inkrementelle Innovationen und Produktverbesserungen in Form von kosmetischen Veränderungen dominieren in unseren fragmentierten Destinationsstrukturen, die durch die Dominanz von KMUs charakterisiert sind. Hier herrschen immer noch Innovationsdefizite im Vergleich zu anderen Branchen oder großen Resorts. (Quelle: Walder 2006, Weiermair iet al 2004, Keller 2005, Sancho Perez et al 2007)

26 4. Empirische Belege aus der Innovationsforschung Conclusio 2: Hardware dominiert Innovationen im Bereich der Hardware und technologische Innovationen sind weit mehr verbreitet als Innovationen im Bereich der Software oder Prozessinnovationen. (Quelle: Pikkemaat und Peters, 2004)

27 4. Empirische Belege aus der Innovationsforschung Conclusio 3: strategische Innovationsprozesse fehlen oft in KMUs Innovationen werden wenig systematisch entwickelt. Es fehlt an idealtypischen Schritten und auch an Zielen, Strategien, Projektgruppen und meist auch dem Know How. Ideen werden eher nach Lust und Laune umgesetzt, im trial und error Verfahren. (Quelle: Pikkemaat und Holzapfel 2007, Peters und Pikkemaat 2005, 2009, Volo 2004)

28 4. Empirische Belege aus der Innovationsforschung Conclusio 4: Die Innovation steht und fällt mit dem Unternehmer Das Unternehmertum hat einen großen Einfluss auf die Innovationen. Je nach Risikobereitschaft und Charakter des Unternehmers werden Ideen schneller und erfolgreicher auf den Markt gebracht. Mitarbeiter werden ebenso wie die Kunden nur in den seltenen Fällen in den Innovationsprozess miteinbezogen. (Quelle: Peters 2006, Weiermair et al 2004, Sancho Perez et al 2008)

29 4. Empirische Belege aus der Innovationsforschung Conclusio 5: Innovationen werden selten geschützt Viele Ideen werden imitiert, im copy und paste Verfahren, da wenig Patente angemeldet werden und Ideen nur selten geschützt. (Quelle: Weiermair et al 2004, Pechlaner et al 2006, Hollenstein 2001)

30 5. Implikationen und Handlungsempfehlungen

31 5. Implikationen und Handlungsempfehlungen Förderungsbedarf: Mitarbeiter: Potenzial als Ideengeber gegeben. Gezielte Förderung in Richtung Innovationsverhalten. Unternehmer: strategische und professionelle Planung und Durchführung von Projekten Destinationen: i destinationsübergreifende i if d Initiativen, i i gemeinsame Projektentwicklung durch Kooperationen der Betriebe

32 5. Implikationen und Handlungsempfehlungen Kooperationen sind förderungswürdig Leuchtturmprojekte 2011 : "Wanderdestination Information & Vermarktung Bad Kleinkirchheim" der Bad Kleinkirchheimer Tourismus s Marketing GmbH (Kärnten) "Dirndltaler Kreativwerkstatt" der ARGE Dirndltaler Kreativwerkstatt (Niederösterreich) "Culinary Art Tourism Project" des Vereins Hotspots Die Linzer Gastronomie und Hotellerie (Oberösterreich) "Ganzjahresdestination Hohe Tauern Health" ARGE Ganzjahresdestination Hohe Tauern Health (Salzburg) "Touristische Inwertsetzung der Gestaltungskompetenz der Region Bregenzerwald" Tourismus Bregenzerwald (Vorarlberg)

33 5. Implikationen und Handlungsempfehlungen Fakt ist,.. Tourismusdestinationen sind mit sehr unterschiedlichen Problemen konfrontiert. ein Gießkannenprinzip erscheint daher nicht zielführend. die Anwendung von Fördermitteln sollte daher speziell auf die unterschiedlichen Ansprüche der Destinationen zugeschnitten werden. es gibt genügend Ansatzpunkte zur Förderung von Innovationen im Tourismus.

34 5. Implikationen und Handlungsempfehlungen Was kann das Unternehmen tun? Die Innovative Organisation zulassen! Neues in die Unternehmung hineinlassen! i UnternehmerInnen müssen sich Zeit nehmen! Explizit Richtung Innovationsmanagement gehen und operatives p g g g p von strategischem Trennen!

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