I have now brought all my lares und penates from home and established myself among them. James Loeb

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2 I have now brought all my lares und penates from home and established myself among them. James Loeb 2

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5 Was besitzen wir wirklich? Dokumentation einer Installation von Hans Angerer im Tresorraum der Villa James Loeb in Hochried am 28. Mai und im Juli 2011 ergänzt durch gefundene und eigene Texte von Hermann Mayer, Moritz U. Mayer, Matthias Steinhart, Hans Angerer und anderen 5

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7 Was ist Installation? Ausgangspunkt der künstlerischen Arbeit einer Installation ist ein konzeptueller Ansatz, eine Idee. Die Installation zieht den Raum innen und außen als Kunstform mit ein. Deshalb wird die Suche nach dem Raum wichtig und ist entscheidend für das gedankliche Konzept. Die Verwendung verschiedener Materialien wird ermöglicht, Licht, Bewegung, Musik, Formen im Raum und anderes. Installationen werden regelmäßig auf den großen Gruppenausstellungen wie der Biennale von Venedig und der documenta in Kassel gezeigt. Hans Angerer war wieder wie schon bei der Installation Hirnsand im Badezimmer des ehemaligen Kurheims der alten Villa (2007) auf der Suche nach einem Raum, einem Raum der Bezug zu seinem Denken und zur Geschichte hat. Kein moderner, renovierter Raum sollte es sein, ein Raum mit Bezug zum Thema. Die Villa von James Loeb, in diesem Jahr 100 Jahre alt, die Klinik, dessen Träger, die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Augsburg, die heuer ebenfalls 100 Jahre wird und der Auftrag, der Bezug zu Kindern, Jugendlichen und Familien, die in der Klinik Hilfe und Unterstützung suchen. Er suchte und fand den Tresor mit Vorräumen des James Loeb, wo dieser die wertvollsten Stücke seiner Sammlung aufbewahrte und sicherte. Antike Bronzen, Terrakotten, Gemmen, Goldschmuck, zusammengetragen von einem leidenschaftlichen Sammler und erhalten durch die Stiftung an das Museum für Antike Kleinkunst, heute Antikensammlung in München, die in bisher 3 Bänden/Ausstellungen diesen Mann als großen Mäzen würdigt: Sammlung James Loeb, Gemmen, Antiker Goldschmuck. Unvorstellbar, was sich in einer Privatsammlung in Murnau präsentierte, für James Loeb und seine Freunde. Unschätzbar der Wert und doch der Gedanke: was besitzen wir wirklich? 7

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9 Die Installation Die Installation erstreckt sich über 3 Innenräume der Villa James Loeb in Hochried/Murnau, Verwaltungssitz der Klinik Hochried. Der erste Raum, bis vor kurzem noch das Büro für die Ernährungsberatung der Klinik für stationäre Patienten. Passend dazu: das Brot der Kunst und Wasser auf einem Tisch, früher offensichtlich noch ein Seiteneingang der Villa, eine alte verrostete Klingel außen am Haus zeugt davon. Der zweite Raum, der Vorraum zum Tresor des James Loeb, reich verziert mit Stuckaturen und antiken Motiven zeigt, dass der Raum eingebunden ist in antike Vermächtnisse, ganz im Sinne dieses Kunstsammlers. Der dritte Raum, der Tresor selbst. Wenn man den alten Tresor in der Villa des James Loeb, einem der reichsten Männer in Murnau zur damaligen Zeit, betrachtet, stellt Hans Angerer die Frage: was besitzen wir wirklich? Der Außenraum ist ein ehemalige Seiteneingang, an den nur noch eine verrostete Klingel erinnert und der Garten, der sich in den großartig gestalteten Park öffnet. Der erste Raum ist der Einstieg in die Kunst und es ist keine brotlose Kunst. Der Künstler sitzt auch nicht bei Wasser und Brot eingekerkert obwohl das manchmal so sein kann sondern in der Installation öffnet sich der Raum und wird einbezogen. Die Räume gehen ineinander über und eröffnen neue Perspektiven im Denken. Folgerichtig der 9

10 zweite Raum angefüllt mit Gehirnen in antikem Bezug. Die Entwicklung des Gehirns hat eine Geschichte und auch das Denken hat eine Geschichte. Das Gehirn: Denken wir oder denkt es uns? In diesem einzigen Raum, der mit seinen Orginalstuckaturen erhalten ist, in diesemvorraum zum Tresor stellt Angerer Gehirne aus, kleine Drucke an die Wand gepinnt, die mit dem Inhalt des Tresors kontrastieren. Installation bedeutet den Raum einbeziehen, aber auch nachdenken, über den Raum und seinen Inhalt. Der Weg in das Gehirn beschäftigt Angerer nicht erst seit der 1. Installation in der Villa des James Loeb mit dem Thema: Hirnsand. Die Verbindung des Themas Gehirn zur Kinder- und Jugendmedizin ist einfach: die kindliche Entwicklung wird überwiegend durch die Entwicklung von neuronalen Netzwerken geprägt und die Beschäftigung mit Entwicklungsstörungen bei Kindern ist mittlerweile eine der wesentlichen Aufgaben der Klinik in Frühförderung und Rehabilitation. Faszinierend die Komplexität des Gehirn in seiner Anpassung beim Defekt und in seiner Konsequenz in der Vernetzung: was nicht genutzt wird, wird abgeschaltet. Die letzten Dekaden waren Zeiten der Hirnforschung und die Zukunft wird es ebenfalls sein. Trotz aller Fortschritte wissen wir noch ziemlich wenig über bestimmte Funktionsweisen, neuronaler Vernetzung und Hirndominanz. Gerade Letztere beschäftigt uns in vielfältiger Weise bei den individuellen Entwicklungsprofilen der Kinder mit Störungen/Erkrankungen. Die Hirnforscherin Jill Bolte Taylor, eine in Harvard ausgebildete Neuroanatomin, definiert in einem Interview Domi- 10

11 nanz aus neurologischer, anatomischer, medizinischer Sicht danach, welche Hirnhälfte die Sprachzentren hat, die Sprache schaffen und verstehen können. Geht es allerdings um Funktionen, definiert sie Dominanz danach, welche der beiden Hälften die treibende Kraft unseres Bewusstseins ist. Sie nennt bildhaft, das Denken sei wie ein Garten, und der Besitzer habe die Verantwortung, darauf zu achtem, was darin geschieht. Er muss sich darüber im Klaren werden, was er/sie aus ihm machen will, denn man kann seinen Garten Form geben. Es ist nicht nur das beschneiden. Wir formen unser Denken mit der Zeit und können zudem, was wir wollen, erblühen lassen Der Dritte Raum: der Tresor, führt direkt zu der Frage: Was besitzen wir wirklich?. Ist es so wertvoll, dass es hinter so dicken Panzertüren weggesperrt werden muss? Können wir das alles dauerhaft besitzen und behalten? Die Frage stellt Verbindungen her zu den Grabbeigaben, nicht nur Tutenchamuns, sondern auch zu der Überlegung: können wir das alles einmal mitnehmen? Das, was wir nach unserer Geburt unwiderruflich besitzen ist das Leben und damit auch den Tod. Religionen und unzählige Philosophen haben sich mit diesem Thema befasst und sind zu ganz unterschiedlichen Schlüssen gekommen, bis zum letzten Schluss: dass die Philosophie tot sei. Die Frage kann auch allegorisch gestellt werden und Hans Angerer tut das in seinem Denken, um Denken anzuregen und zu erweitern. Wir sitzen auf unseren Stühlen wie auf unserem Leben und Leben und Stühle sind brüchig in der Zeit, brechen, gehen kaputt, müssen repariert werden. Hans Angerer macht nach den Metallbüchern Metallstühle, reparierte Metallstühle, sie sollen auch länger halten. 11

12 Die Liste der Besitztümer ist lang und zeigt ein individuelles Profil: 28 Paar Schuhe, 3 Metallstühle repariert, 3 Stühle Holz, 1 Ifugao Folding Chair, 4 Hocker, 2 Lampen, 1 Knut in Seenot, 1 Memento mori, 1 Rucksack, 3 Philosophische Gartengeräte, 3 Hemden (Bilder), 1 Bild Arbeit, 1x Hieroglyphen, 1 Objekt 1985 Still alive, 1x Ameisen in Blech, 1 Tischchen, 144 Gedanken auf Papier mit Schachtel, 1 Kupfersäule mit Hirnbüchern, 1 Schmetterling, 1 Silberne Truhe. Hermann Mayer 12

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16 James Loeb, oder: Besitz verpflichtet Reichtum ist zu erringen, damit wir würdigen Menschen in Fülle austeilen so die Devise von James Loeb ( ). Loeb (Abb. 1), aus einer wohlhabenden Bankiersfamilie stammend, unterstützte zahlreiche Einzelpersonen und Vereine, schenkte Murnau ein Gemeindekrankenhaus oder trug entscheidend zur Finanzierung des Vorläufers des heutigen Max-Planck-Instituts für Psychatrie bei. Seine persönlichen Vorlieben galten der Musik und der Kunst der Antike, in der der unter Depressionen leidende Loeb seine Zuflucht fand. So begründete er auch eine heute über 500 Bände umfassende, zweisprachige Ausgabe griechischer und römischer Autoren ( Loeb Classical Library ) und sammelte griechische und römische Kunstwerke: Manches davon, wie das opulenten Golddiadem um 200 v. Chr. (Abb. 2), mag einst der Tresor gehütet haben. Bereits zu Lebzeiten hat Loeb verschiedene antike Kunstwerke den Münchner Antikensammlungen am Königsplatz geschenkt, nach seinem Tode folgte die gesamte Sammlung als Stiftung. Zur Ausstattung der 1911 bezogenen Villa von James Loeb in Murnau gehörten Stuckdecken, zum Teil mit figürlichen Reliefs verziert, von denen nur diejenige im Vorraum des Tresors erhalten blieb. Schon in der Antike wurden Decken mit Stuckreliefs und -ornamenten verziert. Und antike Themen bilden auch die Motive der mit Zierleisten sowie eckigen und runden Feldern gegliederten Decke: Eine musizierende Frau und eine Tänzerin, der Weingott Dionysos/Bacchus mit Panther, ein jugendlicher Wagenlenker und eine Bärenjagd zu Pferd; in Zwickeln sind Köpfe von Ziegenböcken zu sehen. Musisch, an den Weingenuss erinnernd und mit sportlichem Akzent verbinden sich diese Reliefs zu einer Idealwelt der Antike, zum geistigen Besitz einer Epoche. Matthias Steinhart 16

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19 Links oder Rechts Bei 99% aller Rechtshänder und 60% aller Linkshänder liegt das Sprachzentrum in der linken Hirnhälfte. Liegt das Sprachzentrum in der linken Gehirnhälfte, so mag es Grenzen wie wahr und falsch oder gut und böse geben. Oder (vielleicht auch) mein und nicht mein oder dein. Der Hirnforscherin Jill Bolte Taylor wurde durch einen Hirnschlag ihr Sprachzentrum in der linken Hirnhälfte beschädigt. Durch den Verlust ihrer sprachgesteuerten Identität verschwammen sogar die Grenzen ihres Körpers mit deren Umgebung. Alles war eins, Jill eins mit allem. Wahrscheinlich liegen die Sprachzentren derer, die den Unterschied zwischen meins und nicht meins lockerer auslegen, eher rechts. Moritz N. Mayer 19

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22 Wie besitzen wir was wirklich? Supertradingcomputer ermöglichen uns, in Sekundenbruchteilen Dinge an der Börse zu handeln. Die räumliche Distanz, also die Länge der Kabel, zu den Servern der Börse ist entscheidend. Die Besitzzeit zwischen kaufen und verkaufen ist für den Menschen kaum wahrnehmbar. Der Hochfrequenzhandel des Aktiengeschäfts der Vereinigten Staaten von Amerika soll 2010 ungefähr 50% des Umsatzvolumens betragen haben. Wer da was wie so kurz besaß, interessiert wahrscheinlich niemand. Moritz N. Mayer 22

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26 The laws of property have never yet conformed to the principles on which the justification of private property rests. John S. Mill 26

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29 A Guided Tour Around Nothing By Dora García Performed by Jan Mech The Artist without Works: A Guided Tour Around: Nothing is exactly what the title says it is: a guided tour of the works of an artist who doesn t produce anything. It s the artist s rejection of the game s most fundamental rule, which is to show something. We could imagine an artist without works, an artist who refuses toproduce anything. An artist who never gives the audience what the audience wants. The artist who refuses to produce must face the anger of the audience: nothing can offend an audience more than an indolent and unproductive artist, one who probably lives on welfare. 29

30 Hans Angerer (Jahrgang1947), Kunststudium in Genf und München, lebt und arbeitet in Riesen bei Steingaden/ Obb. Texte bei den Autoren Fotos by Bernhard Jott Keller Fotos der Seiten 1, 8 (Detail), 17, 18 bei Hermann Mayer Gesamtherstellung: Dussa Kunstdruck Steingaden 2011 Die Herausgeber bedanken sich bei der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Augsburg e.v. für die Förderung. 30

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32 Wenn man mir von irgend etwas sagt, es sei wahr, frage ich mich immer, welches Wahre da gemeint sein könnte und inwieweit nicht der Begriff, den man von einem begrenzten und objektiven Wahren haben kann, das andere überdeckt, das hartnäckig aller Einkreisung, aller Eingrenzung,aller Lokalisierung sich entzieht, und das sich letztlich dem entzieht, was man das Reale nennt. A. Artaud 32

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