Meine persönliche Befreiung vom Mammon -Denken

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1 Kessler, Volker, Ebeling, Rainer & Meier, Elke (Hg.) Geld und Geist in Gemeinde und Gesellschaft. Marburg: Francke-Buchhandlung. (GBFE Jahrbuch, 2). ISBN Alle Rechte vorbehalten Meine persönliche Befreiung vom Mammon -Denken Karl Schock 1 Einleitung Jesus sagt in Matthäus 6,25: Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Was heißt das für uns im 21. Jahrhundert, wo sich doch alles ums Geld dreht? Ist Mammon gleichzusetzen mit Geld? Sicherlich nicht, denn Jesus selber ging mit Geld um, bekam Geld zugewendet, kaufte und verkaufte und hatte sogar einen Kassierer in seinem Jüngerkreis. Was ist Mammongesinnung? Mammongesinnung lässt sich gut an dem Verehrungsbild des indischen Gottes Ganesh 2 erkennen. Dieses steht im krassen Gegensatz zu der Darstellung von Christi Tempelreinigung. 1 Schock, Karl Dipl.-Ing., ehem. Geschäftsführer der Schock-Werke, Schorndorf, Vorsitzer des Stiftungsrats der Akademie für christliche Führungskräfte. 2 Quelle beider Bilder: Wikipedia.

2 Der indische Gott Ganesha Giotto di Bondone: die Tempelreinigung Mammon versinnbildlicht die Habgier-Gesinnung, welche in der Bibel immer in Verbindung mit adikia = Ungerechtigkeit, Ruchlosigkeit genannt wird. Deshalb sprechen wir vom ungerechten Mammon. Die Bibel warnt eindringlich vor der Habgier und einer Gesinnung, die im Besitz von Geld und Gut ihren Lebenssinn sieht. Gespeist wird sie durch ein ängstliches Streben nach materieller Sicherheit. Sehr oft führt dies zu raffgierigem, egoistischem Geldansammeln, verbunden mit Ungerechtigkeit und Rücksichtslosigkeit. Habgier ist dem Menschen ins Gehirn gebrannt Unter dieser Überschrift erschien ein Artikel in den NWZ Schorndorfer Nachrichten vom 22. Nov Nr. 273, verfasst von Ulrich Kraft, kurz nach dem Beginn der globalen Finanzkrise. Er berichtet von einem neuronalen Experiment an der Stanford Univer sity. Dort konnte der Hirnforscher Knutson wissenschaftlich nachweisen, dass Geldgewinn-Chancen intensivste Emotionen im Kopf bewirken: Man zeigte den Probanden Fotos von Nackten, auch von geköpften Leichen. Doch die Reaktionen verblassten gegenüber denen, als den Leuten Bargeld ange boten wurde. Wild feuerten da die Neuronen im Nucleus accumbens. Diese Region gehört zum Belohnungsnetzwerk 156 Karl Schock

3 im Kopf. Sie sorgen dafür, dass wir unsere Grundbedürfnisse befriedigen. So elementare Dinge wie Essen und Sex führen zur Freisetzung des Botenstoffs Dopamin, der Wohlbefinden und Glücksgefühle bewirkt. Offensichtlich ist es aber nicht nur die Stimulanz dessen, was man sich mit Geld alles leisten kann, sondern sogar das Geld als solches, was uns high mache, so der Bericht weiter: Allein die Tatsache, dass bedruckte Scheine diese Areale anregen, widerlegt eine weitere These der traditionellen Ökonomie. Sie lautet: Geld allein macht nicht glücklich, allenfalls die Sachen, die der Konsument sich davon kauft. Dass Geld unmittelbare Befriedigung verschafft, überrascht auch den Neuroökonomen Armin Falk vom Neurooeconomics Lab der Universi tät Bonn. Dass etwas so Neues wie Geld in einem alten, archaischen Bereich und nicht im rationalen Teil des Gehirns eine so unmittelbare physiologische Wirkung hat, erstaunt schon. Offenbar assoziieren wir Geld so sehr mit Bedürfnisbefriedigung, dass es quasi eins ist. Geld verdienen meine lebenslange unternehmerische Aufgabe Wie es früher so üblich war, wurde von unserer schwäbischen, christlichen Unternehmerfamilie Schock erwartet, dass die Söhne, mein älterer Bruder Friedrich und ich, das von den Vätern 1924 gegründete Familienunternehmen Schock GmbH mit Hauptsitz in Schorndorf, Württemberg, fortführten. Wir beide fanden in jungen Jahren zu einem lebendigen Christusglauben und waren beide entschlossen, biblischen Umgang mit Geld und Gut, so wie wir es damals verstanden, auch im Geschäft zu praktizieren. So war es immer unser Anliegen, entstandene Profite sowohl mit charitativen und sozialen Institutionen als auch mit unseren Mitarbeitern zu teilen, was wegen ertragsarmer Phasen leider nicht jedes Jahr möglich war. Meine persönliche Befreiung vom Mammon -Denken 157

4 Unser Verhältnis zum Geld war das, was man unter dem eines ehrbaren Kaufmanns verstand. Der englische Quäker George Cadbury formulierte es folgendermaßen: Verdiene so viel Du kannst und gib so viel Du kannst wobei es selbstverständlich nur um ehrbares Verdienen ging. Unser pietistisch- lutherisches Glaubensverständnis war, dass das Reich dieser Welt, wozu das Geschäft gehört, sich nicht mit dem Reich Gottes, also mit Kirche und dem Glauben mischen soll. Ersteres gehöre zum weltlichen Tausch- und Geldhandel und sei keine spezifisch geistliche Kategorie. Selbstverständlich galten für uns immer die ethisch biblischen Grundprinzipien von Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, sozialer Gesinnung und guter Haushalterschaft etc., die man leider heutzutage weitgehend auch bei Christen vermisst. Dementsprechend wurde auch obiges jesuanische Mammondienst-Verbot differenziert verstanden. Schließlich dienten wir ja letztendlich auch Gott mit unserem Unternehmen und unserem Geld. Ich hätte es bis zu einer ernsten Finanzkrise im Herbst 2001 auch deshalb entschieden von mir gewiesen, ein Mammondiener zu sein. Mein Bruder und ich konnten z. B. von dem Erlös eines lukrativen Firmenverkaufs in den neunziger Jahren zwei charitative Stiftungen gründen: die Akademie für christliche Führungskräfte (www.acf.de) und den deutschen Zweig von Opportunity International, einer Organisation zur Armutsbekämpfung (www.oid.org). Darüber hinaus setzten wir uns ehrenamtlich für politische und soziale Belange ein, wofür wir beide das Bundesverdienstkreuz erhielten. Wie Gott mich mit der Brechstange von Mammongesinnung befreite Als Aufsichtsrat und Mitgesellschafter unseres damals 77 Jahre alten Familienunternehmens in Schorndorf durchlebte ich im Herbst 2001 die schmerzhafteste geschäftliche und persönliche Krise meines Lebens. Ich war kurz zuvor in Pension gegangen und die nächste Generation hatte die Leitung übernommen. Aufgrund neu entwickelter Geschäftsfelder, die nur stark verzögert 158 Karl Schock

5 anliefen, kamen wir in eine ernsthafte Liquiditätskrise. Ich stieg nochmals als Geschäftsführer ein und brachte all unser privates Kapital ein. Vergeblich, wie es schien. Der Gang zum Insolvenzrichter stand kurz bevor. In großer Not hielt ich in schlaflosen Gebetsnächten Gott Seine Verheißung vor: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen. Kurze Zeit darauf, in höchster Notlage, bekam ich den Anruf einer Investmentgesellschaft: Wir hörten von ihren Zahlungsschwierigkeiten, wir übernehmen ihre Firma für einen Euro, sind sie bereit? Nach wenigen Tagen mussten 17 Gesellschafter dieses traditionsreichen christlichen Familienunternehmens den Verkaufsvertrag unterschreiben, der ihr industrielles Vermögen, das wenige Jahre zuvor noch ca. 40 Mio DM wert gewesen war, mit einem Federstrich vernichtete. Zugegeben, anfangs fiel es mir schwer, dies als Gebetserhörung anzunehmen. Allmählich aber wurde es mir zunehmend klarer, dass Gottes gütige Hand, zwar anders als ich es mir dachte, uns vor noch Schlimmerem bewahrt hatte. Der Firma geht es dadurch heute Gott sei Dank wieder gut. Die damals über 600 Beschäftigten konnten weiterarbeiten und auch die Firmenpensionen blieben erhalten. Eigentums-/Mammondenken versus Christusgesinnung Durch diese Golgatha-Erfahrung wurde mir Jesu Warnung: Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon gleichzeitig dienen in ein ganz neues Licht gerückt. Schlagartig merkte ich, dass ich bislang doch noch am Geld gehangen hatte, emotional, existenziell. Mit der Unterschrift der Firmenübergabe und dem Loslassen-Müssen all meiner und meiner Familie Sicherheit, erlebte ich seltsamerweise eine unbeschreibliche Befreiung. Ich werde es nie vergessen mit welchem Glücksgefühl ich durch unser Firmen-Hauptportal hinaus schritt, mein Lebenswerk hinter mir lassend, das mir ein Gutteil meiner bisherigen Identität bedeutete. So ähnlich mussten sich Jesu Jünger gefühlt haben, als sie alles verließen und Meine persönliche Befreiung vom Mammon -Denken 159

6 IHM nachfolgten und ER ihnen sagte: Und wer verläßt Häuser oder Äcker um meines Namens willen, der wird s hundertfältig nehmen und das ewige Leben ererben (Mt 5,29). Ich lernte aus dieser existenziellen Krise, dass ich zwar Verwalter sein soll, aber mich niemals als Eigentümer verstehen darf. Gott allein gehört nämlich all unser Hab und Gut, die Familie und wir selbst, ungeteilt. Dieser Paradigmenwechsel, vom Eigentümer zum zeitlich begrenzten treuen Haushalter von Gottes Eigentum, veränderte meine Gesinnung und mein Verhältnis zu Geld und Gut. Ich bin dadurch Gott näher gekommen und durfte auch ein Stück Kreuz-Tragen erfahren, das Christus jedem seiner Nachfolger verspricht. Auch lernte ich dadurch, andere Geschäftsleute in ähnlicher Not zu verstehen und konnte ihnen Rat und Hilfe geben. Vor kurzem bekam ich sogar unser ganzes privates Darlehen wieder zurück, das ich 2001 quasi als Drachenfutter eingelegt hatte. Dieses Darlehen bekam ich nun mitsamt dem inzwischen stillgelegten Schorndorfer Schock-Werk wieder zurück. Seit Anfang 2008 bauten mein Sohn und ich diese Immobilie um zu einem sozial orientierten Gemeinschafts-Gewerbepark (www. schockareal.de) mit christlicher Wertorientierung. Mitte September 2009 fand die Einweihung statt, mit kirchlichem Segen und großer kommunaler Beteiligung. Das Schockareal ist heute erneuert und wird von uns als Gottes Bauernhof definiert und unter SEINER Führung verwaltet. Wir sind glücklich darüber, dass bereits 60 Firmen sich angesiedelt haben und dadurch über 90 neue Arbeitsplätze entstanden sind. So kann Gott aus unseren vermeintlichen Misserfolgen neue Chancen erwachsen lassen, quasi unseren Mist zu Dung, und uns selbst zu treuen Verwaltern SEINER Güter ohne Mammongesinnung machen. Ich hatte mir damals, nach überstandener Finanzkrise nachfolgende Übersicht angefertigt, die die Auswirkungen einer Mammongesinnung der Christusgesinnung in vielen Bereichen unseres Lebens gegenüberstellt. Vielleicht hilft es dem Leser, auch sein eigenes Verhältnis zu Christus und dem Geld zu analysieren. 160 Karl Schock

7 Aspekt Antrieb, Motivation Besitz / Gut, Geld Arbeit / Beruf Profit, Ertrag, Entlohnung Termine, Fristigkeit Konsum Warenkorb, Angebot Entwicklung, Forschung Erziehung, Ausbildung Gewinn Erfolg Zukunft bei Mammon- Gesinnung Früh-menschlicher / -kindlicher Trieb nach Sicherheit und Gruppenannahme, Vergötzung, Angst Sicherheit, Anerkennung, Identität, Stolzbefriedigung; Hast du was dann bist du was! Selbstverwirklichung, Lust- u. Machtgewinn, Mehrwert Kaufen-Verkaufen, Gewinn, Machtausweitung, Konkurrenz besiegen, Egoismus, Ausbeutung, Gruppenegoismus Kurzfristiges Vorteilsdenken, Hetze, Zukunft ist mir gleichgültig Lustgewinn, Überfluss, Neid, Donald Duck taucht in Gold, Ressourcenverschwendung Je mehr er hat, je mehr er will Markt- und Machtchancen erweitern Mehr Wissen, mehr Macht, mehr Privilegien, mehr Haben Profit- und Machtstreben, Vergötzung der Ökonomisierung, more for less, something for nothing Verdienst für Leistung, Selbstbespiegelung, Eitelkeit Verteilungskriege, Umweltzerstörung, Aufstände, Verarmung, psychosoziale- und Zivilisationskrankheiten, Zerrüttung, Antichrist bei biblischer Christus- Gesinnung GOTT-vertrauen, -dienen, -gefallen, Sperlingsglaube, CHRISTUS-Natur anstreben, Verantwortlichkeit, Reich GOTTES Anvertrautes Gut, Gnade, Verpflichtung, Reich GOTTES-Bau; Hast du was dann gibst du was! Berufung, Gottesdienst, innere Gratifikation, CHRISTUS-Verwirklichung Bedürfnis- Befriedigung, Kultur schaffen, Nachhaltigkeit, Effektivität, Lebensqualität, gerechter Lohn Langfristigkeit, Nachhaltigkeit, U mwelterhaltung, Zeit für das Wichtige Bedürfnisbefriedigung, Genügsamkeit, was ist genug für mich, Ressourcenschonung Es ist genug für mich, gesund und vernünftig Weltweite Notbeseitigung, Gesundheit, Wellness, Lebensqualität Weisheit, Bildung, Wert-Orientierung, Menschen helfen, GOTT besser dienen, Lebensbestimmung finden, Identität = mehr Sein Effizienz erhöhen, Nachhaltigkeit anstreben, Reserven bilden, Investieren Segen, Fruchtbarkeit, Soli Deo Gloria, Dankbarkeit, Großzügigkeit, Großherzigkeit Frieden, Gerechtigkeit, Wohlstand, Umwelterhalt, Gesundheit, Weisheit, REICH GOTTES, enough for everybody s need, but not.. greed Meine persönliche Befreiung vom Mammon -Denken 161

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