Software Ergonomie und Usability. 2. Psychologische Grundlagen - Teil 3: Handlungen

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1 Software Ergonomie und Usability. 2. Psychologische Grundlagen - Teil 3: Handlungen Prof. Kirstin Kohler // Hochschule Mannheim // SS 2015

2 Menschliche Aktivitäten * Folgendes zyklisches Muster finden sich in menschlichen Aktivitäten immer wieder: * Ziel formulieren: Ein Konto eröffnen, Ein Wort in einem Dokument löschen, einen Apfel essen,... * Ausführen: Eine Handlung auswählen und ausführen, um einen Fortschritt in Richtung des Zieles zu erreichen. * Auswerten: _ ob die Aktion erfolgreich war, _ ob das Ziel erreicht wurde, oder _ ob man dem Ziel näher gekommen ist. * Wiederholen, bis das Ziel erreicht wurde (oder als unerreichbar eingestuft wurde) SEU // 2.3 Handlungen // Prof. Kirstin Kohler // SS

3 Menschliche Aktivitäten Ziel Auswerten Ausführen SEU // 2.3 Handlungen // Prof. Kirstin Kohler // SS

4 Ein Beispiel * Ziel: Über die bevorzugte Internetbuchungsseite einen Flugticket nach Berlin kaufen * Schritt 1: Internetseite aufrufen * Schritt 2: Nach geeigneten Flügen suchen * Schritt 3: Suchresultate durchsuchen, wenn nichts geeignetes dabei ist, zurück zu Schritt 2 gehen * Schritt 4: Den Flug zur Buchung auswählen * Schritt 5: Flugdetails bestätigen * Schritt 6: Ticket bezahlen * Schritt 7: Ticket drucken * Mit jedem Schritt kommt der Anwender seinem Ziel ein Stück näher! * Die einzelnen Schritte könnten wieder in Teilschritte zerlegt werden, die dem gleichen Zyklus folgen. SEU // 2.3 Handlungen // Prof. Kirstin Kohler // SS

5 Ziel-Ausführen-Auswerten * Verfeinerung im Zyklus: Ziel-Ausführen-Auswerten Einer Freundin Blumen schicken SEU // 2.3 Handlungen // Prof. Kirstin Kohler // SS

6 Ziel-Ausführen-Auswerten * Verfeinerung im Zyklus: Ziel-Ausführen-Auswerten Einer Freundin Blumen schicken Eine Web-Seite suchen, über die man Blumen verschicken kann Die Blumen bestellen, so dass sie der Freundin geliefert werden SEU // 2.3 Handlungen // Prof. Kirstin Kohler // SS

7 Ziel-Ausführen-Auswerten * Verfeinerung im Zyklus: Ziel-Ausführen-Auswerten Einer Freundin Blumen schicken Eine Web-Seite suchen, über die man Blumen verschicken kann _ Den Web-Browser öffnen _ Bei Google Blumen Bestellen eingeben _ Die Resultate der Suche anschauen _ Verschiedene der vorgeschlagenen Links anschauen _ Einen Web-Shop auswählen Die Blumen bestellen, so dass sie der Freundin geliefert werden SEU // 2.3 Handlungen // Prof. Kirstin Kohler // SS

8 Sieben Handlungsschri7e... definieren den Zyklus: Ziel- Ausführen- Auswerten Zu erreichendes Ziel Ausführung Bewertung Formulieren einer Absicht Vergleichen von Zustand und Ziel Planen der Ak9onen Ausführen der Ak9onen Interpre6eren des Zustands Wahrnehmen des neuen Zustands Nutzungsoberfläche Seven stages of ac9on von D. Norman

9 Beispiel * Kontext: Ich fahre übers Wochenende weg, erwarte viele Anrufe, es soll keiner verpasst werden, aber Anrufbeantworter ist voll. Ausführung Ziel: Wieder neue Nachrichten aufnehmen Bewertung Formulieren: Alle Nachrichten löschen Vergleichen: Platz für neue Nachrichten Planen: Löschknopf drücken Interpre6eren: Keine Nachricht gespeichert Ausführen: Knof suchen und drücken Wahrnehmen: Der Zähler zeigt 0 Nutzungsoberfläche SEU // 2.3 Handlungen // Prof. Kirstin Kohler // SS

10 KluJ bei der Ausführung Zu erreichendes Ziel Ausführung Formulieren einer Absicht Zuwenig Kenntnis der Konzepte Planen der Ak9onen Ausführen der Ak9onen Zuwenig Kenntnis der Bedienung Schlechter Zugang zur Funk9on Nutzungsoberfläche Engl. Gulf of Exectuion

11 KluJ bei der Auswertung Zu erreichendes Ziel Bewertung Keine Beziehung zur Absicht Darstellung ist unklar Zustand ist nicht sichtbar Vergleichen von Zustand und Ziel Interpre6eren des Zustands Wahrnehmen des neuen Zustands Nutzungsoberfläche Engl. Gulf of Evalua9on

12 Folgerungen für die Gestaltung * Ziel: * Machen Sie durch die Software den Weg deutlich, den der Nutzer einschlagen muss, um zum Ziel zu kommen. * Die Transformation zwischen den Zielen des Benutzers in Bedienhandlungen muss möglichst leicht erfolgen können. Absicht formulieren und Planen -> Es muss erkennbar sein, welche Taste gedrückt werden muss Ziel Auswerten Ausführen SEU // 2.3 Handlungen // Prof. Kirstin Kohler // SS

13 Folgerungen für die Gestaltung * Ausführen: * Es muss in jeder Situation erkennbar sein, welche Aktionen möglich sind. Um das Planen der Aktion zu erleichtern -> Tasten, Menüs entsprechend gestalten/anordnen. * Die Software Konzepte (Objekte und Funktionen) sollten sich an den Aufgaben orientieren und nicht an der Implementierung. Dier Anwender sollte nicht gezwungen werden, diese Zuordnung selbst machen zu müssen. * Aktionen sollten den Nutzer nicht weiter von seinem Ziel weg führen. Auswerten Ziel Ausführ en SEU // 2.3 Handlungen // Prof. Kirstin Kohler // SS

14 Auswertung: Folgerungen für die Gestaltung * Der Zustand des Geräts oder Systems muss stets erkennbar sein. Wahrnehmen des neuen Zustandes -> Anzeigen und Symbole gestalten. * Die Reaktionen und der sich daraus ergebende Zustand muss leicht interpretierbar sein. Interpretierbarkeit des Ergebnis -> Lampen gehen an/aus, Icons verändern sich, Text wird angezeigt. * Der Benutzer muss den angezeigten neuen Systemzustand möglichst leicht mit seinem Ziel vergleichen können. Vergleich von Zustand und Ziel -> Anzeige entsprechend gestalten (Formulierung/Wortwahl) Ziel Auswert Ausführen en SEU // 2.3 Handlungen // Prof. Kirstin Kohler // SS

15 Übung * Stellen Sie an Ihrem Handy die Option um, dass Ihre Rufnummer mitgeschickt wird. * Kam es zu einer Kluft bei der Ausführung oder Auswertung? * Beschreiben Sie mit den 7 Handlungsschritten nach Norman. SEU // 2.3 Handlungen // Prof. Kirstin Kohler // SS

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