Unternehmensfinanzierung im Wandel. Der Weg vom Kreditmarkt zum Kapitalmarkt.

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1 Ein Mitglied der HVB Group Unternehmensfinanzierung im Wandel. Der Weg vom Kreditmarkt zum Kapitalmarkt.

2 3. Auflage Oktober 2004 Impressum: Medieninhaber, Herausgeber und Verleger: Bank Austria Creditanstalt Aktiengesellschaft, Am Hof 2, 1010 Wien, Tel.: , Schottengasse 6 8, 1010 Wien, Tel.: Redaktion: Bank Austria Creditanstalt Group Marketing & Communications Bank Austria Creditanstalt Public Relations Bank Austria Creditanstalt Vertriebscontrolling Druck: Holzhausen Basisdesign und Konzeption: Bank Austria Creditanstalt Werbung/ Umsetzung Visuelle Gestaltung: Horvath Wir bedanken uns für die inhaltliche Unterstützung bei Finance Trainer, Wien-Luxembourg Internet: Trotz sorgfältiger Recherche und der Verwendung verlässlicher Quellen kann keine Verantwortung für die Vollständigkeit oder Richtigkeit übernommen werden. Die Broschüren der Reihe Unternehmensfinanzierung im Wandel sind unter dem Schlagwort Basel II und Corporate Finance auf unserer Homepage als pdf-file abrufbar. Publikationenbestellung: Bank Austria Creditanstalt Publikationenservice, Tel.: oder Diese Broschüre basiert auf dem Stand vom August 2004.

3 Inhaltsverzeichnis. Vorwort....2 Überblick Der Weg vom Kreditmarkt zum Kapitalmarkt Die Ursachen des Wandels Finanzierungsstrukturen in Österreich, Europa und den USA Trends in der Unternehmensfinanzierung Die Rolle der Banken Transparenz als Grundlage des Kapitalmarktes Unternehmensfinanzierung und Risiko Bonität und Rating Das Rating-System der Bank Austria Creditanstalt Kreditrisikomanagement und Basel II Es begann mit Basel I Weitere Entwicklungen Erneuerungen durch Basel II Die Berechnung des Banken-Eigenkapitals nach Basel II Kreditlaufzeiten und Sicherheiten Adaption an europäische Forderungen Endfassung der Basler Eigenmittelvereinbarung und Umsetzung in EU-Recht Zusammenfassende Aussagen Zeitplan BASEL II Tipps für Unternehmen Der Kapitalmarkt und seine Produkte ein Überblick Projektfinanzierung Strukturierte Finanzierungen Akquisitionsfinanzierung Syndizierter Kredit/Syndizierung Venture Capital, Private Equity bzw. Public Equity Beteiligungsfinanzierung Rating Advisory Merger & Acquisition Advisory Corporate Bonds und die BündelAnleihe Asset Backed Securitization IPO Initial Public Offering Börsegang Zins- und Wechselkursrisikomanagement Der KapitalmarktKredit (KmK) der Bank Austria Creditanstalt Ein Blick in die Zukunft Frequently Asked Questions (FAQs) Glossar

4 Vorwort. Sehr geehrte Unternehmerin, sehr geehrter Unternehmer, Erich Hampel Vorstandsvorsitzender Bank Austria Creditanstalt Regina Prehofer Mitglied des Vorstandes Bank Austria Creditanstalt die österreichische Finanzierungslandschaft ist derzeit einem Wandel unterworfen, der durch die Veränderungen auf internationaler, politischer und wirtschaftlicher Ebene geprägt ist. Die fortschreitende EU-Erweiterung, die Einführung des Euro, der technologische Fortschritt und der starke internationale Wettbewerb sind Beispiele für Faktoren, die diesen Wandel nachhaltig beeinflussen. Auch in der Bereitstellung von Kapital ist dieser Wandel bemerkbar. Die Kreditvergabe von Banken unterliegt nicht mehr dem Einfluss öffentlich-rechtlicher Interessen, sondern erfolgt nach jenen Regeln, die der Wettbewerb vorgibt: Ein Kredit soll den Preis erhalten, der die durch die Kreditvergabe entstehenden Risiken abdeckt. Das entspricht der allgemeinen kaufmännischen Logik und soll sowohl zu weniger Kreditausfällen als auch zu weniger negativen Begleiterscheinungen für die Wirtschaft führen. Normiert wird dieser Wandel durch das internationale Regelwerk Basel II, das die heimische Wirtschaft vor große Herausforderungen stellt. Diese bieten jedoch gleichzeitig auch eine Chance: Die Chance, das Unternehmen frühzeitig auf die neuen Spielregeln und Wettbewerbsbedingungen einzustellen und sich so einen Wettbewerbsvorteil zu sichern. Ein Teil dieser neuen Spielregeln ist die deutlich wichtiger gewordene Risikobeurteilung eines Unternehmens, ausgedrückt in seiner Bonität. Wir sind der Meinung, dass diese Entwicklung eine automatische Folge eines langfristigen Trends zu mehr Vergleichbarkeit und Transparenz darstellt. Wir erwarten daher aufgrund dieser Entwicklung eine neue Qualität in der Zusammenarbeit und im Informationsaustausch zwischen Unternehmen und Banken, welche die Unternehmen und die österreichische Volkswirtschaft längerfristig stärkt. 2

5 Die Bank Austria Creditanstalt sieht sich als der Partner für jene österreichischen Unternehmen, die sich diesem Wandel aktiv stellen wollen. Wir sind überzeugt, mit unserem Know-how, unserer Erfahrung und unserer internationalen Unternehmensgruppe der richtige Berater und Partner in allen Fragen, die mit den neuen, kapitalmarktorientierten Finanzierungsformen zusammenhängen, zu sein. Diese Broschüre stellt den ersten Teil einer Broschürenreihe dar, die Sie als unsere Kunden über die Entwicklungen im Wandel und die Ergebnisse der zu erwartenden gesetzlichen Änderungen informieren soll. Wir hoffen, damit einen informativen Beitrag zum Erfolg Ihres Unternehmens zu leisten. Herzlichst Erich Hampel Regina Prehofer 3

6 Überblick. Der 1. Teil der Broschürenreihe Unternehmensfinanzierung im Wandel der Bank Austria Creditanstalt wendet sich an jene Interessenten, die einen Überblick über die Veränderungen am heimischen und internationalen Kreditmarkt und darüber hinaus einen Einblick in die Logik des Kapitalmarktes und deren Umsetzung in Banken erhalten wollen. Diese Unterlage bietet Ihnen folgende Inhalte: Kapitel 1 Der Weg vom Kreditmarkt zum Kapitalmarkt beschäftigt sich mit der Frage, aus welchen Gründen der österreichische Kreditmarkt einer nachhaltigen Veränderung unterworfen ist und welche Triebkräfte auf die nationale Volkswirtschaft einwirken. Dabei wird auch analysiert, welche Veränderungen für die Unternehmen zu erwarten sind und welche Rolle die Banken als wichtigster Finanzintermediär einnehmen. Kapitel 2 Unternehmensfinanzierung und Risiko stellt den Zusammenhang zwischen dem Instrument der Unternehmensfinanzierung und dem Risiko des Kreditgebers dar und zeigt anhand des Ratingsystems der Bank Austria Creditanstalt, wie die Bonität eines Unternehmens als Maß zur Bewertung des Risikos ermittelt wird und welche Auswirkungen auf das Verhältnis Unternehmen Bank zu erwarten sind. Kapitel 3 Kreditrisikomanagement und Basel II beantwortet die Frage, wie die Banken das Kreditrisiko messen und welche Kosten durch die gesetzlich notwendige Haltung von Eigenkapital als Risikopuffer entstehen. Weiters wird anhand von Rechenbeispielen die Auswirkung auf den Preis eines Kredites dargestellt. Das Kreditrisikomanagement der Banken wird durch die neuen Eigenkapitalerfordernisse für Banken (Basel II) geprägt, die ab 2007 in österreichisches Recht übernommen werden. Dieses Kapitel bietet Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Inhalte zu Basel II. Die Ergebnisse der vorangegangenen Kapitel münden zum Abschluss in die Tipps für Unternehmen, die Empfehlungen der Bank Austria Creditanstalt in Vorbereitung auf die Einführung von Basel II. Kapitel 4 Der Kapitalmarkt und seine Produkte bietet Ihnen einen kurzen und umfassenden Überblick über jene Instrumente, die als Alternative zum Bankkredit eingesetzt werden können und den Zugang zu alternativen Kapitalquellen wie dem internationalen Kapitalmarkt ermöglichen. In den Kapiteln 5 bis 7 blicken wir abschließend in die Zukunft der Unternehmensfinanzierung und bieten in den FAQs sowie im Glossar Antworten auf eine Reihe von fachlichen und thematischen Fragestellungen. 4

7 1. Der Weg vom Kreditmarkt zum Kapitalmarkt. Die Unternehmensfinanzierung durchlebt derzeit einen rasanten Wandel. In Österreich, aber auch in den meisten anderen kontinentaleuropäischen Ländern sind Bankkredit und Fremdkapitalfinanzierung traditionell die dominierenden Säulen der Unternehmensfinanzierung, deren Handhabung das Verhältnis zwischen dem Unternehmen und der Hausbank maßgeblich geprägt hat. Diese europäische Kreditkultur wird jedoch im weltweiten Wettbewerb von der angloamerikanischen Kapitalmarktkultur herausgefordert. Einer Kultur, die als wichtigste Quelle für Kapital nicht die Bank, sondern den Kapitalmarkt ansieht, der das Kapital nach Risikogesichtspunkten verteilt und sich bei der Aufbringung von Eigen- und Fremdkapital alternativer Instrumente wie Risikokapital (z. B. Aktien) oder Unternehmensanleihen bedient. Bankkredite betrachtet er hingegen als kurzfristige Finanzierungspuffer. Erfolg zählt. Im internationalen Wettbewerb der Wirtschaftssysteme ist die Akzeptanz des Marktes als primärer wirtschaftlicher Ordnungsfaktor weltweit größer geworden, was sich nicht zuletzt am Trend zu Liberalisierungen, Deregulierungen und auch Privatisierungen ablesen lässt. Der Staat reduziert zur Senkung der jahrelang tolerierten Verschuldung auch seinen Einfluss und überlässt dem Markt weitgehend die Aufgabe, Kapital zwischen Angebot und Nachfrage zu verteilen. Der Markt ist der primäre Ordnungsfaktor. Die verstärkte Hinwendung zu den Alternativen des Marktes macht auch vor der Unternehmensfinanzierung nicht halt: Bei den Banken wird die Kreditgewährung durch Kapitalorganisation und -bereitstellung abgelöst und im Sinne eines echten Kreditmarktes verstärkt nach Bonität der Kreditnehmer differenziert Die Ursachen des Wandels. Neben der generellen Dynamik, die von den Finanzmärkten ausgeht, haben einige spezifische Faktoren den Weg hin zum Kapitalmarkt begünstigt: Auf Seiten der Unternehmen hat, vor allem bedingt durch die Internationalisierung und Globalisierung, ein Trend zu Fusionen, Übernahmen und internationalen Kooperationen eingesetzt, der zu einer enormen Nachfrage nach großvolumigen Finanzierungen geführt hat. Finanzierungen, die über die Möglichkeiten traditioneller Kreditfinanzierungen hinausgehen und nur über mehrere Kapitalgeber und Kapitalmärkte aufzubringen sind. Gestärkt wurde die Entwicklung der Kapitalmärkte durch den Rückzug der öffentlichen Hand aus ihrer Rolle als Eigentümerin von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. Dadurch haben zahlreiche zusätzliche Unternehmen begonnen, alternative Investoren zu suchen und deren Kapitalkraft zu nutzen. Globalisierung und Internationalisierung erfordern hohes Kapitalvolumen. 5

8 Die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat Unternehmen enorme Chancen gebracht: Die zunehmende regional-wirtschaftliche Integration nicht nur in Europa durch die EU, sondern auch in Nordamerika, Südamerika oder Ostasien hat viele national tätige Unternehmen über die Grenzen des Nationalstaates hinaus agieren lassen. Die wirtschaftliche Öffnung des ehemaligen Ostblocks und Liberalisierungen von China bis Südamerika haben dazu beigetragen, dass expansive regional tätige Unternehmen zu global players werden. Die damit verbundenen Finanzierungsbedürfnisse lassen sich nicht mehr über einen Bankkredit finanzieren; es bedarf neuer Finanzierungsformen, in denen die Risikostreuung zur Nutzung der weltweit existierenden Finanzmittel bei gleichzeitiger Unabhängigkeit von Einzelinvestoren und Banken gewährleistet wird. Nachfrage nach alternativen Veranlagungsmöglichkeiten steigt. Parallel zu den neuen Umfeldbedingungen für Unternehmen hat sich der Anspruch der Investoren erhöht: Durch die Bündelung von Anlegerkapital in Investment- sowie Pensionsfonds wurde die Nachfrage nach alternativen Veranlagungsmöglichkeiten verstärkt und wird nach Ertrags/ Risiko-Gesichtspunkten investiert. Insbesondere die Eigenkapitalausstattung von Unternehmen drückt aus, wie sich diese langfristig gegen unerwartete Verluste absichern. Sowohl die Eigenkapitalausstattung als auch die Flexibilität der Unternehmen in sich verändernden Märkten wird von Investoren geschätzt und stellt eine wichtige Voraussetzung für die Bereitstellung von Kapital dar. Die traditionelle Rolle der Banken als Vermittler zwischen den einfachen (Spar-)Wünschen der Anleger und den (Kredit-)Wünschen der Unternehmen wird durch eine neue Rolle in der Bereitstellung von Produkten abgelöst, welche dieser Nachfrage mit einer Vielzahl von Speziallösungen und hochqualitativer Beratungsleistungen begegnet. Die Anleger sind bereit, Risiken verstärkt zu übernehmen, wenn dafür die Rendite stimmt. Die Kreditnehmer erwarten zunehmend problembezogene Lösungen. Die Banken werden dadurch zu professionellen Mittlern zwischen den beiden Gruppen. Die Einführung des Euro hat den Prozess der Integration der europäischen Finanzmärkte beschleunigt. Da größere Märkte die Voraussetzungen für Wettbewerb und Wachstum besser erfüllen als politisch eher beeinflussbare Kleinmärkte hat sich dank der Europäischen Währungsunion die Attraktivität für den Kapitalmarkt deutlich erhöht. Der Euro hat die Rahmenbedingungen dafür geschaffen, dass gleiche Wettbewerbsvoraussetzungen auf internationaler Basis bestehen. Ausgestattet mit einer dem US-Dollar gleichwertigen Währung entwickelt sich um den Euro ein gesamteuropäischer Markt, der die Absatzchancen und Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen außerordentlich steigert. 6

9 1.2. Finanzierungsstrukturen in Österreich, Europa und den USA. Die lange Tradition des Kapitalmarktdenkens im anglo-amerikanischen Raum hat ihre Spuren in den Finanzierungsstrukturen dort ansässiger Unternehmen hinterlassen. Der Anteil der Finanzierung von US-Unternehmen bzw. britischen Unternehmen über Aktienkapital ist bemerkenswert hoch. Demgegenüber spielen die Börsen als unabhängige Bereitsteller von Kapital in Österreich, Deutschland oder anderen europäischen Staaten bis heute eine untergeordnete Rolle. Geringe Akzeptanz von Börsen als Kapitalquelle. Einer von mehreren Gründen für diese Strukturunterschiede liegt in der für Kontinentaleuropa typischen und traditionellen Unternehmensstruktur: Klein- und Mittelbetriebe, viele davon in Familienbesitz. In diesen Unternehmen besteht in vielen Fällen ein großes Misstrauen gegen die Hereinnahme externer Kapitalgeber. Sie stellen vielfach eine durch Unternehmerpersönlichkeiten geprägte Institution dar, die ihre innere Kraft zum Teil aus der Unternehmensidentität und Unternehmenskultur zieht. Obwohl sich viele dieser Unternehmen schon längst am internationalen Wettbewerb orientieren und dadurch kaum mehr durch traditionell-patriarchalische Organisationsstrukturen gekennzeichnet sind, führt die traditionell oft starke Abhängigkeit von der bekannten Hausbank zu Finanzierungsgewohnheiten und -umständen, die im Sinne der erforderlichen Flexibilität im Markt zu Wettbewerbsnachteilen führen kann. Gerade diese für unsere Wirtschaft und Gesellschaft enorm wichtigen Unternehmen werden zusehends mit den Ansprüchen des Kapitalmarktdenkens konfrontiert und setzen sich intensiv mit den Vor- und Nachteilen ihrer Unternehmensstruktur auseinander. Finanzierung von Unternehmen im Vergleich. FINANZIERUNG DES UNTERNEHMENSSEKTORS 1). Bestand, Anteile in % % 52% 4% 36% 8% 3% 27% 7% Sonstiges Aktien Anleihen Kredite Quelle: Fed, EZB, OeNB BA-CA Konzernvolkswirtschaft 40 16% 52% 63% 1) Ende 2003, Nichtfinanzieller Unternehmenssektor inkl. Selbständige für Österreich und USA, ohne Selbständige im Euro-Raum 20 22% USA Euro-Raum Österreich 7

10 Trotz des bereits stattfindenden Wandels in den letzten Jahren hat die Kreditfinanzierung im Euro-Raum (und noch verstärkt in Österreich) nach wie vor einen dominierenden Stellenwert. In den kommenden Jahren wird aufgrund der internationalen Entwicklungen und des Wettbewerbsdrucks zumindest eine Annäherung der europäischen an die amerikanische Finanzierungsstruktur erwartet Trends in der Unternehmensfinanzierung. Der Strukturwandel in Europa sowie zu erwartenden gesetzlichen Änderungen nach Basel II haben für die Unternehmen in der Zukunft unmittelbare Auswirkungen auf deren Finanzierungsbasis: Kredite bleiben ohne Zweifel weiterhin wesentlicher Bestandteil der Finanzierungsbasis. Allerdings werden die Konditionen deutlich genauer kalkuliert und entsprechend dem Risikogehalt des Kreditnehmers angepasst. Zusätzlich zu bonitätsabhängigen Kreditmargen wird verstärktes Augenmerk auf Sicherheiten als risikoreduzierendes Instrument gelegt. Das Rating erhält als neues Risikomaß einen höheren Stellenwert in der Kreditvergabe. Fremdkapitalerfordernisse, die auf Grund ihres Risikogehaltes bzw. Volumens nicht mehr durch Banken alleine abgedeckt werden können, werden verstärkt durch alternative Finanzierungsformen (Corporate Bonds, Commercial Papers, Private und Public Equity sowie Venture Capital u. a.) abgedeckt. Diese sind im amerikanischen Raum selbstverständlicher Bestandteil der Unternehmensfinanzierung; Europa wird diesbezüglich mittelfristig nachziehen. Syndizierung und die Verbriefung von Forderungen als Vorform des Kredithandels gewinnen zunehmend an Bedeutung. Teile des Kreditportfolios der Banken werden aus Eigenkapital-, Risiko- sowie Ertragsüberlegungen in Spezialfinanzierungsinstitute ausgelagert. 8

11 Chancen rechtzeitig erkennen Vorteile nutzen. Unabhängig von der Branche wird die Bedeutung der Innen- bzw. Selbstfinanzierung weiter zunehmen. Die oft für zukünftige Schwächeperioden zu gering dotierte Eigenkapitaldecke, die in vielen Fällen nicht zuletzt eine Folge der steuerlichen Schlechterstellung des Eigenkapitals gegenüber dem Fremdkapital ist, muss den Wettbewerbsbedürfnissen entsprechend erweitert werden. Zusätzlich kommt der Darstellung der finanziellen Situation des Unternehmens im Rahmen einer Bilanzbesprechung und Kennzahlenanalyse gegenüber Kapitalgebern zentrale Bedeutung zu. Das Rating einer Bank oder einer Ratingagentur tritt als Vergleichsinstrument immer mehr in den Vordergrund. Unternehmen, die mit strukturierten und klar nachvollziehbaren Informationen offensiv umgehen, werden zukünftig über eine bessere Bonitätseinschätzung durch ihre Finanzierungspartner einen entscheidenden Finanzierungsvorteil haben. In einigen Branchen, etwa dem Fremdenverkehr, ist strukturell bedingt nicht mit einer deutlichen Erhöhung der Eigenmittelausstattung und damit einer wesentlichen Verbesserung der individuellen Bonität zu rechnen. Um Finanzierungen in diesen Bereichen trotzdem noch sinnvoll realisieren zu können, gewinnen die Möglichkeiten der Besicherung, insbesondere der Einsatz von finanzmarktfähigen Sicherheiten wie Anleihen oder Investmentfonds sowie Risikokapitalgeber neben der Unterstützung der öffentlichen Hand, zunehmend an Bedeutung. EIGENKAPITAL- UND FREMDKAPITALFINANZIERUNG IN ÖSTERREICH. in Mrd. Euro 300 Eigenkapitalfinanzierung Fremdkapitalfinanzierung ,6 29,1 35,5 43,4 46,3 53,3 62,5 65,2 77,4 Quelle: OeNB (Gesamtwirtschaftliche Finanzierungsrechnung) ,4 131,5 140,6 151,0 170,0 188,6 197,3 202,9 212,

12 1.4. Die Rolle der Banken. Banken sind Teil des internationalen Kapitalmarktes. Banken entwickeln sich weg von ihrer traditionellen Rolle als Hausbank, die Kredite gewährt, hin zu einem Intermediär zwischen Unternehmen und Kapitalmarkt, mit dem umfassenden Anspruch, Finanzierungen für alle Unternehmensformen möglich zu machen. Die Transparenz der Kapitalmärkte ermöglicht es allen Unternehmen, ihre Finanzierungspartner international auszusuchen. Daher werden international ausgerichtete Banken sich nicht länger darauf beschränken können, nur am lokalen Markt Finanzierungen durchzuführen. Je stärker die Wirtschaftssubjekte sich international orientieren, desto wichtiger wird der Vergleich von Kapital in den unterschiedlichen Ländern. Je transparenter der Kreditmarkt und je entwickelter der Markt für Unternehmensanleihen in Europa wird, desto mehr ändern sich traditionelle (Bank-)Verbindungen in Richtung einer zielorientierten, partnerschaftlichen Zusammenarbeit. Vergleichsmaßstab ist der Kapitalmarkt. Die Banken stehen den neuen Anforderungen durch die Kapitalmärkte gegenüber, da sie dort selbst als Kapitalnehmer auftreten. Banken unterliegen somit genau so wie ihre Kunden den verschärften Rendite- und Informationsansprüchen. Die Optimierung der Bankbilanz über Risiko-Ertrags-Profile unter Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben wird daher für die Banken zum entscheidenden Wettbewerbskriterium. Zins-, Währungs-, Liquiditäts-, Kredit-, Länder- und operationale Risiken bestimmen das betriebswirtschaftliche Handeln und Denken der modernen Bank. Die Funktion der reinen Kapitaltransformation von Spareinlagen zu Bankkrediten wird durch die Funktion der Risikotransformation abgelöst. Ziel ist es, aus dem Wissen um das existierende Risiko Erträge zu erwirtschaften, die in einem wettbewerbsfähigen Verhältnis stehen. Risiko wird durch neue Messmethoden besser einschätzbar und daher steuerbar. Damit zählt, neben dem spezifischen Wissen über verschiedenste Formen der Kapitalbereitstellung, ein umfassender Risikomanagementprozess und der Einsatz moderner Systeme und Instrumente zur Risikosteuerung und -kontrolle zu den Kernkompetenzen einer modernen Bank. Zentrum dieser Risikosteuerung ist das Wissen um Bonitäten ihrer Kunden mittels eines treffsicheren Ratingsystems. Ratings ermöglichen die Bestimmung des individuellen Kreditnehmerrisikos und den gezielten Einsatz einer wettbewerbsfähigen Preis- und Konditionenpolitik. 10

13 1.5. Transparenz als Grundlage des Kapitalmarktes. Das kapitalmarktorientierte System der Unternehmensfinanzierung basiert auf dem Idealbild eines vollständigen Wettbewerbs mit vollständigen Informationen. Unter diesen Bedingungen wird das Kapital automatisch der effizientesten Verwendung zugeführt. Die Realität schaut natürlich etwas anders aus. Aber die Forderung nach einer höheren Transparenz aller Marktteilnehmer ergreift die Wirtschaft immer mehr. Gerade der österreichische Markt hat sich auf Grund der traditionellen Gewohnheiten einer entsprechenden Transparenz oft entzogen, da diese oft als Schwäche und Angriffspunkt interpretiert wurde. Dabei wird zu wenig zwischen dem notwendigen vorsichtigen Umgang mit geschäftspolitischen Daten im Wettwerb und der Präsentation von grundlegenden Geschäftsdaten, die den Geschäftsverlauf des Unternehmens widerspiegeln, differenziert. Diese teils übertriebene Vorsicht hat zu einer Reihe von Gesetzen geführt, die eine effiziente Wirtschaftspolitik erschwert haben und damit Vorteile für wenige und Nachteile für viele Unternehmen mit sich gebracht hat. Ein durchschaubarer Markt sollte letztlich auch die Basis bieten, um die bessere Umsetzung volkswirtschaftlicher Maßnahmen und sozialer Standards sowie eine Stärkung der gesellschaftspolitischen Interessen bestmöglich zu gewährleisten. Transparenz durch Ratings. Im Kreditmarkt gibt es ein anerkanntes Instrument, das für Transparenz, Vergleichbarkeit und Vertrauenswürdigkeit sorgt: das Rating. Durch Ratings soll die Bonität von Schuldnern und ihre Fähigkeit zur Bedienung von Schulden beurteilt werden. Das Rating wird zum entscheidenden Faktor für die Wahlmöglichkeiten eines Unternehmens über seine Finanzierungsstruktur und ist maßgeblich für die Höhe der Finanzierungskosten. Im Folgenden werden wir ausführlich auf das Konzept der Ratings eingehen. Transparenz, Strategie, Risiko, Internationalität Worte, die zeitweise noch nicht so geläufig sind. Die Auseinandersetzung mit diesen Themen ist jedoch keine Modeerscheinung, sondern Notwendigkeit. Die Unternehmensfinanzierung befindet sich im Wandel und ist auf dem Weg vom nationalen Kreditmarkt zum internationalen Kapitalmarkt. 11

14 2. Unternehmensfinanzierung und Risiko. Unabhängig davon, ob die Unternehmensfinanzierung über Bankkredite, Aktien, Anleihen oder sonstige Finanzierungsformen erfolgt: In Zukunft wird bei jeder Form der Finanzierung die Einschätzung eines Ausfallrisikos des Kreditnehmers von zentraler Bedeutung sein. Im Folgenden zeigen wir Ihnen jene Instrumente, die eine Risikobeurteilung ermöglichen Bonität und Rating. Die Bonität eines Unternehmens ist der wesentliche Parameter für die Preisgestaltung am Kredit- und Kapitalmarkt. Bonität ist eine Aussage über die zukünftige Fähigkeit des Kreditnehmers zur vollständigen und termingerechten Rückzahlung von Kapital und Zinsen der in Anspruch genommenen Finanzierungsmittel. Ausdruck der jeweiligen Bonitätsbeurteilung des Kreditnehmers ist das Rating. Unter Rating versteht man die Darstellung von Einzeldaten aus dem Jahresabschluss mittels ausgewählter Kennziffern. die objektivierte und zukunftsorientierte Bewertung wichtiger Erfolgs- und Risikofaktoren eines Unternehmens. rechnerisch die erwartete Ausfallwahrscheinlichkeit, d. h. die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen einen Kredit nicht mehr (vollständig) zurückzahlen kann. Unabhängig von konkret gewählten Ansätzen der Bonitätsbeurteilung fließen so genannte quantitative und qualitative Faktoren ein. Diese werden aufgrund von Erfahrungswerten und statistischen Ergebnissen entsprechend unterschiedlich hoch gewichtet. Der Begriff des Ratings als systematische und periodische Beurteilung der Kundenbonität stammt aus dem Wortschatz des internationalen Kapitalmarkts. Am bekanntesten sind dabei die so genannten externen Ratings internationaler Rating-Agenturen wie Moody s und Standard & Poor s. Wenn von Rating die Rede ist, ist sowohl das externe Rating einer internationalen Agentur als auch das interne Rating der Banken gemeint. 12

15 2.2. Das Rating-System der Bank Austria Creditanstalt. Wie stellt sich nun ein solches Rating in seiner Ermittlung dar? Im Folgenden stellen wir Ihnen das interne Rating-System für Firmenkunden der Bank Austria Creditanstalt vor. Die Bank Austria Creditanstalt hat im Jahr 1999 ein Rating-System für Firmenkunden entwickelt, das allen Erwartungen des Kapitalmarktes und der Aufsicht gerecht wird. Es ist so gestaltet, dass es auch den Anforderungen aufgrund der neuen Eigenmittelvorschriften für Banken (Basel II) entspricht. Es wird laufend methodisch verbessert und verfeinert. Das Rating-System für Firmenkunden der Bank Austria Creditanstalt berücksichtigt sowohl quantitative (bilanzbezogene) als auch qualitative (in Zusammenhang mit dem Umfeld des Unternehmens stehende) Faktoren, die den österreichischen Markt bestmöglich repräsentieren. Die Basis für das Bilanzrating bildet der aktuelle Jahresabschluss eines Unternehmens. Die Daten der Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung sind in der Regel vergangenheitsorientiert. Das Bilanzrating besteht aus der Auswertung von Kennzahlen, die in Abhängigkeit von der Größe des Unternehmens sowie der Branche unterschiedlich hoch gewichtet werden ( hard facts ). Die Eigenkapitalquote wird am stärksten gewichtet. Sie gilt als Ausdruck der Reservesubstanz und der Krisenfestigkeit eines Unternehmens. Unter den dynamischen Faktoren sind die beiden Kennzahlen zur Bedienung des Fremdkapitals bzw. der Verbindlichkeiten (Cash flow/ effektives Fremdkapital bzw. EBITDA/ effektive Bankverbindlichkeiten) dominierend. Weitere Faktoren bilden der Return on Investments (ROI) als Rentabilitätskennzahl sowie das Verhältnis des effektiven Fremdkapitals zum Cash flow als Maß für die Fremdkapital- Tilgungskraft. Bis zu einer bestimmten Betriebsgröße fließt auch eine Kennzahl zur Berücksichtigung der Fremdkapitalstruktur (Anteil der Bankverbindlichkeiten am gesamten Fremdkapital) ein. Die statistischen Untersuchungen haben ergeben, dass die Insolvenzanfälligkeit von kleinen und mittleren Unternehmen mit dem Anteil der Bankkredite am gesamten Fremdkapital steigt. Mit der Anlagenintensität, die sich aus der Abschreibungsquote ableitet, wird ein wichtiger Faktor zur Bestimmung des branchenbezogenen Umfeldes berücksichtigt. 13

16 Sollte das errechnete Bilanzrating nicht die tatsächliche Finanzlage des Unternehmens widerspiegeln, kann es nach entsprechender Begründung durch einen Branchenexperten im strengen Kontrollverfahren nach oben oder unten verändert werden (Overruling). Beim qualitativen Rating, welches die Individualität des bewerteten Unternehmens reflektieren soll, stehen die Zukunftsaspekte des Unternehmens im Vordergrund. Es wird beurteilt, wie die Potenziale, wirtschaftliche Risiken und die zukünftige Entwicklung des Unternehmens aussehen und ob Rückzahlungsfähigkeit und -willigkeit gewährleistet sind. Im Detail werden das Management (Unternehmenskonzept, Ausbildung, Erfahrung, Kompetenz, Führungsstil, Nachfolgeprobleme, Informationspolitik u. ä.), das Rechnungs- und Berichtswesen (Rechnungswesen, Planung und Controlling), die Anlagen, Systeme und Organisation (Modernität der Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung, Qualität der Produkte bzw. Dienstleistungen und Produktlebenszyklus, Marketing und Vertrieb, Organisationsstruktur), die Personalstruktur, der Markt (Marktentwicklung, Marktposition, Abhängigkeiten, spezifische Risiken), die Auftragslage und das Zahlungsverhalten von Kunden eingehend analysiert und als Grundlage für die Beurteilung herangezogen. Bei der Bewertung dieser soft facts gilt als Vergleichswert der qualitative Durchschnitt in der jeweiligen Branche und der jeweiligen Betriebsgröße. Am Beispiel Qualität des Rechnungswesens lässt sich der Einfluss anhand der Betriebsgröße folgendermaßen beschreiben: Bei multinationalen Unternehmen wird sich der Vergleich an den internationalen Rechnungslegungsvorschriften orientieren; bei inländischen Klein- und Mittelbetrieben orientiert sich der Vergleich an den auf nationaler Ebene üblichen Vorschriften (HGB). Beide Ratingteile Bilanzrating und qualitatives Rating werden unter Berücksichtigung der Größe des Unternehmens zu einem Kundenrating kombiniert. 14

17 Zwischen dem kombinierten Rating und dem letztlich für die Preisbildung gültigen Kundenrating können noch folgende Punkte berücksichtigt werden: Das Auftreten vordefinierter Warnsignale/ Negativinformationen, die eine hohe Prognosequalität aufweisen, bewirken nach dem Vorsichtsprinzip eine Verschlechterung des Ratings des Kunden. Es werden zusätzliche bonitätsrelevante Informationen einbezogen, die aufgrund des engen Rahmens in der Ermittlung des Bilanz- und qualitativen Ratings nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt wurden (gesetzliche Auflagen für Produkte, Umweltrisiken, wesentliche Haftungsübernahmen u. ä.). Die nicht zeitgerechte Bereitstellung von Grundinformationen (Bilanzen) kann zu einem Downgrading führen. Wichtig ist die Berücksichtigung der Informationen zum Unternehmensverbund, in dem der Kunde eingebettet ist. Ein externes Rating einer international anerkannten Ratingagentur fließt ebenfalls in das Kundenrating ein. Qualität und Quantität im kombinierten Rating. Ziel eines jeden Ratings ist es, ein möglichst realistisches Gesamtbild des Unternehmens zu zeigen. Der strukturierte Ratingprozess schafft die Grundlage für die Entscheidung zur Vergabe eines Kredites sowie der Gestaltung der Kondition. Der Kundenbetreuer, der mit seinem Wissen um sein Unternehmen eine zentrale Rolle im Ratingprozess einnimmt, wird vor dem Ratinggespräch bereits mit detaillierten Informationsanforderungen an den Kreditkunden herantreten. Die Offenheit des Unternehmens gegenüber der Bank und auch das Verständnis des Bankbetreuers sind entscheidend für die Qualität des Ergebnisses zum Nutzen für den Kunden und der kreditgebenden Bank. Bonität lässt sich steuern von den Unternehmen selbst. Die Bonität der Unternehmen wird zwar durch die Bank (oder externe Ratingunternehmen) beurteilt; die Steuerung der Bonität ist aber letztlich ureigenstes Element unternehmerischer Tätigkeit. Das Management der Bonität bekommt eine neue Bedeutung und führt zu einer Förderung der Eigeninitiative des Unternehmens. Der Unternehmer bestimmt durch seine Aktivitäten die Qualität des Unternehmens und damit seine eigene Bonität. Er schafft sich damit Vorteile bei der Sicherung von Kapitalquellen. Die Steuerung der Bonität ist Element unternehmerischer Tätigkeit. Als einer der wichtigsten Einflussfaktoren der Bonität erhält die Eigenkapitalausstattung der Unternehmen einen neuen Stellenwert. Eigenkapital dient u. a. als Absicherungspuffer und ist somit für die Risikoeinschätzung eines Kapitalgebers von zentraler Bedeutung. 15

18 Österreichische Unternehmen haben im internationalen Vergleich eine unterdurchschnittliche Eigenkapitalausstattung: Die steuerlichen Rahmenbedingungen (Besteuerung von nichtausgeschütteten Gewinnen) sowie das im Vergleich zu Fremdkapital teure Eigenkapital haben die Dotation von Eigenkapital im Unternehmen in der Vergangenheit nicht begünstigt. Auch wenn durch die jüngste Steuerreform erste Schritte in die richtige Richtung gesetzt wurden: Eine schwache Eigenkapitalbasis wird im internationalen Wettbewerb die Konkurrenzfähigkeit österreichischer Unternehmen zusehends erschweren. Die mittelfristige Stärkung der Eigenkapitalbasis ist daher ein Gebot der Stunde und soll durch die Zusammenarbeit von Staat, Unternehmen und Banken erreicht werden. FINANZIERUNG DES UNTERNEHMENSSEKTORS INKL. SELBSTÄNDIGER IN ÖSTERREICH. Quelle: OeNB (Gesamtwirtschaftliche Finanzierungsrechnung) Eigenkapitalfinanzierung 27% Inländische Bankkredite 50% Schuldverschreibungen 7% Handelskredite und so. Verpflichtungen 3% Auslandskredite 7% Inländische Kredite des Staats 6% 16

19 Zusammenfassend kann festgehalten werden: Eine enge Zusammenarbeit mit der Bank erhöht das gegenseitige Verständnis von Unternehmer und Bank für Risikokriterien und hilft, Kreditkosten zu senken. Die Bereitstellung von Sicherheiten kann die Eigenkapitalunterlegung der Bank und somit den Preis der Finanzierung reduzieren. Transparenz zahlt sich jedenfalls aus: Bei rascher Informationsweitergabe erlaubt die Aktualität von Ergebnisziffern einen besseren Einblick in das Unternehmen und begünstigt die Bonitätseinstufung. Regelmäßige Gespräche zwischen Unternehmer und Bank helfen, die Genauigkeit und die Aktualität des Ratings sicherzustellen. Die Vorlage von Finanz- und Investitionsplänen sowie die Erstellung von Strategiekonzepten und Planungsrechnungen in den Unternehmen ermöglichen es, die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens zu beurteilen. Unternehmen werden an ihrer Zukunftsfähigkeit gemessen; Bonitätsüberlegungen können als Chance zur Organisations-, Prozess- oder Systemoptimierung dienen. Alternative Finanzierungslösungen können die Marktpräsenz des Unternehmens verstärken und das Rating positiv beeinflussen. Bonitätsoptimierung wird ein wesentlicher Bestandteil in der Kreditvergabe der Banken. Die Bank unterstützt das Unternehmen dabei, sich für den Wettbewerb zu stärken und damit Kreditausfälle möglichst zu vermeiden. Die Bank Austria Creditanstalt trägt diesem Gedanken durch eine kostenlose RatingBeratung Rechnung. Mehr dazu finden Sie unter bzw. bei Ihrem Kundenberater. 17

20 3. Kreditrisikomanagement und Basel II. Jeder Unternehmer kennt den Zusammenhang: Ein Geschäft, das ein höheres Risiko mit sich bringt, wird nur dann eingegangen, wenn mit dieser Investition auch Erträge zu erwarten sind, die dieses Risiko rechtfertigen. Diese einfache Gleichung gewinnt im Zuge der stärkeren Marktorientierung im Finanzierungsbereich auch bei der Kreditvergabe an Bedeutung. Der professionelle Umgang mit Risiken ist dabei die zentrale Aufgabe der Banken. Damit diese Risiken nicht zu Instabilitäten im Finanzsektor führen, wurden besondere Aufsichtsregeln für Kreditinstitute geschaffen, unter denen die Regeln der Eigenkapitalunterlegung eine besondere Rolle spielen. Banken müssen mehr denn je genügend Eigenkapital halten, um Verluste aus unerwarteten Kreditausfällen abfedern zu können. Angesichts globaler Finanzmärkte und möglicher Wettbewerbsverzerrungen ist eine internationale Abstimmung dieser Regeln erforderlich. Diese Abstimmungsarbeit findet im Ausschuss für Bankenaufsicht, am Sitz der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) statt. Da diese ihren Sitz in Basel hat, wurden und werden die entsprechenden Vorschläge als Basel I und Basel II bezeichnet Es begann mit Basel I Mit der nationalen Umsetzung der Inhalte der Basler Eigenmittelübereinkunft im Jahr 1988 ( Basel I ) wurden die Banken in Österreich gesetzlich dazu verpflichtet, die von ihnen vergebenen Kredite und außerbilanzmäßigen Geschäfte (z. B. Haftungsübernahmen) mit Eigenkapital zu unterlegen. Das österreichische Bankwesengesetz ( 22 BWG) schreibt Kreditinstituten vor, Eigenkapital in Höhe von mindestens 8 % des Kreditvolumens (=Solvabilitätskoeffizient) zu halten. Berücksichtigt wird dabei das Risikogewicht des jeweiligen Kreditnehmers, abhängig von der Kreditnehmergruppe, in der sich der jeweilige Kreditnehmer befindet. Kreditnehmergruppe Gewicht z.b. Bund, Länder, Gemeinden 0% z.b. Banken, Kammern 20 % z.b. Unternehmen 100 % Sonderbestimmungen bestehen für einige Produkte, z. B. bestimmte hypothekarisch besicherte Kredite, die ein geringeres Risikogewicht von 50 % haben (d.h. es muss nur halb soviel Eigenkapital für diese Art der Finanzierungen bereitgestellt werden). 18

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