14. M:access Analystenkonferenz: Vier spannende Präsentationen am neuen Geschäftssitz der Börse München, Karolinenplatz

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1 Sanders Börsenkommentar (11) Ulm, 24. Juli M:access Analystenkonferenz: Vier spannende Präsentationen am neuen Geschäftssitz der Börse München, Karolinenplatz Es ist bereits die 14. M.Access Analystenkonferenz, die von der Börse München an wechselnden Standorten veranstaltet wird, zweimal München, einmal Frankfurt, und jetzt erstmals an dem wundervollen neuen Geschäftssitz am Karolinenplatz 6. Da diesmal nur vier Unternehmensvorstände präsentierten, begann die sehr harmonisch verlaufende Konferenz erst mittags. Diesmal gaben sich vier niedrig marktkapitalisierte Unternehmen aus der Old Economy ein Stelldichein, nämlich die drei Beteiligungsfirmen U.C.A. AG, Blue Cap AG, Value-Holdings AG sowie die Kanzleivermittlung Jost AG. Die Moderation übernahm der Jurist Dr. Marc Feiler, Leiter der Wertpapierzulassung. An der Börse München ist nicht nur der Geschäftssitz neu. Viel Frische strahlt aus und Raum für phantasievolle Interpretationen eröffnet das innovative Logo mit den großen, in grünen Farbtönen abgebildeten Kennzahlen, die immer besondere Geschehnisse widerspiegeln, so das Gründungsjahr der Börse München. Die Ziffer 1830 symbolisiert den Start in eine verheißungsvolle Zukunft. Derzeit sind 26 Unternehmen im M:access gelistet. Zum Jahresende werden es voraussichtlich 30 Emittenten sein. Die nächsten beiden M:access-Konferenzen finden am 08. Oktober am Firmensitz der Börse München und am 09. Dezember wie schon im letzten Jahr erfolgreich erprobt im Zusammenwirken mit der GBC AG im Sofitel Hotel Bayerpost direkt neben dem Münchner Hauptbahnhof statt. ❶ Die Beteiligungsgesellschaft U.C.A. AG, München, ISIN DE , Vorstandsduo Dr. Steuer/Dr. Kaske Der Börsengang erfolgte vor elf Jahren, im Dezember 1998 am Prädikatsmarkt der Börse München. Seitdem wird das Beteiligungsunternehmen, das als Tochter der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank AG hervorging, von den beiden Vorständen Dr. Joachim Kaske und Dr. Jürgen Steuer geführt. Eine solch lange Amtszeit ist eher ungewöhnlich und als Vertrauensbeweis zu werten. Gewöhnlich sind die Stühle börsennotierter Gesellschaften genau solche Schleudersitze wie die von den Bundesligatrainern. Die Finanzkrise hat den Nebenwertesektor und hier vor allem die Immobilien- und Beteiligungsbranche von Herbst 2008 bis Frühjahr 2009 überproportional abgestraft. Dem konnte sich U.C.A. nicht entziehen. Die Aktie notiert gegenwärtig um 1,20 Euro. Vor zwei Jahren war die Aktie noch 1

2 fünfmal so viel wert. Ein Signal zum preisgünstigen Einstieg? Der IPO-Markt in Deutschland kam 2008/2009 zum Erliegen und wird sich frühestens 2010 erholen. Die einheimischen Beteiligungsgesellschaften können somit den Exitkanal Börse nicht nutzen. Nachdem U.C.A. über eine sehr attraktive Eigenkapitalquote von 86 % verfügt, wird uns der Vorstand die Doppelspitze Dr. Jürgen Steuer und Dr. Joachim Kaske vielleicht mit einer besonders preisgünstigen Übernahme überraschen. Der Referent Dr. Steuer überzeugte mit seinem spannenden Vortrag im Zusammenwirken mit seinem Vorstandskollegen Dr. Kaske. Auch auf kritische Fragen fand das Vorstandsduo immer die richtigen Antworten. Zum besseren Verständnis des Geschäftsmodells Die U.C.A. AG schrieb bis auf die beiden letzten schwierigen Geschäftsjahre fast immer schwarze Zahlen. Die Beteiligungsfirma hat jedoch sich selbst und das Portfolio komplett restrukturiert und neu ausgerichtet. Durch die Verlagerung ehemals direkter Beteiligungen auf Tochter- und Enkelgesellschaften entstehen die Beteiligungserlöse zeitverzögert erst in Zukunft. U.C.A beteiligt sich als erfahrenes Investment- und Beratungshaus an kleinen und mittleren Unternehmen. U.C.A. berät das Management und die mittelständischen Eigentümer bei der Übernahme und Veräußerung von Firmenanteilen, bei der Aufnahme von Kapital sowie bei Börsengängen. Die U.C.A. AG mit ihren unabhängig voneinander auftretenden Beteiligungen DeTeBe AG (83,6 %), Web Holding AG (100 %), COREST (20 %) und MedInvestor (25 %) agieren als Finanzpartner im Private Equity-Markt. o Die seit Juni 2007 börsennotierte U.C.A.-Tochtergesellschaft DeTeBe AG (www.detebe.com) verfügt über sieben Beteiligungen im Technologiesektor. o Die 2007 gegründete Web Holding AG (www.web-holding.de) hat sich mit ihren aktuell sieben Beteiligungen auf Unternehmen im Bereich Internet, E- Business und korrespondierender Kommunikationstechnik spezialisiert. o COREST ( CO steht für Company, REST für Restrukturierung) ist zuständig für Unternehmen in der Restrukturierungsphase (www.corest.de). o Die Marke MedInvestor (www.medinvestor.de) ist Finanzierungspartner und Kapitalgeber inhabergeführter Unternehmen aus der Medizintechnik und Gesundheitstechnologie. Dieses Segment befindet sich noch im Aufbau. Ein Blick auf die Investitionsstrategie von U.C.A. o Klassisches Private Equity mit Mehrheits- und Minderheitsbeteiligungen an etablierten kleineren und mittleren Unternehmen o Risikobegrenzung durch breite Streuung der Beteiligungen und beim eingesetzten Investitionsvolumen; keine sonstigen finanziellen Verpflichtungen o Überschaubares Investitionsvolumen von 0,2 bis 1,00 Mio. Euro je Beteiligung 2

3 o Intensive Begleitung und Zusammenarbeit mit dem bestehenden Management o Hilfe bei der Mittelbeschaffung für das Gewinnwachstum o Konzentration auf den Markt für Small und Mid Caps, aus dem sich die Banken als Kreditgeber vermehrt zurückziehen Seit dem Jahr 1997 hat U.C.A. ca. 50 Beteiligungen erworben und bereits 15 Börsengänge umsetzen können mit unterschiedlichem Erfolg. U.C.A. erbringt im Bereich Private Equity folgende Leistungen: o Wachstumsfinanzierung o Unterstützung des Managements o Nachfolgelösungen Im Segment Consulting stehen auf der Agenda: o Akquisition und Veräußerung von Unternehmen und Firmenteilen o Kapitalbeschaffung bzw. Unternehmensfinanzierung o Strategische Kooperationen o Börsengänge U.C.A.-Finanzzahlen (HGB) im Überblick: Zeitraum 2006/07/08 Positionen Umsatzerlöse 0,944 Mio. 2,880 Mio. 0,018 Mio. Vorsteuerergebnis 3,278 Mio. -0,074 Mio. -4,745 Mio. Jahresüberschuss bzw. Jahresfehlbetrag 3,514 Mio. -0,113 Mio. -4,745 Mio. Eigenkapital 7,910 Mio. 7,910 Mio. 7,910 Mio. Ergebnis je Aktie 0,53-0,02-0,72 Dividende je Aktie 1,30 0,00 0,00 Enttäuschende Ergebnisse 2008, durchwachsende Zahlen 1. Quartal 2009, noch keine Kehrtwende, aber nur noch minimale Schulden Die angespannte Kapitalmarktlage und der Preisdruck erlaubten es auch im ersten Vierteljahr 2009 nicht, Anteile börsennotierter Beteiligungen zu veräußern. Nur eine extreme Notlage würde dies rechtfertigen, wozu bei der geringen Fremdverschuldung von 0,64 Mio. Euro keinerlei Anlass besteht. o Die Umsätze und sonstigen betrieblichen Erträge stiegen im 1. Quartal 2009 von Euro im Vorjahr auf Euro an, während sich die saldierten Zins- und Wertpapiererträge von auf Euro verringerten. 3

4 o Die laufenden operativen Kosten sanken im ersten Vierteljahr 2009 von Euro in der Vergleichsperiode auf nunmehr Euro, während die Abschreibungen auf Beteiligungswerte und Finanzanlagen von auf Euro abnahmen. o Der Verlust der U.C.A. AG und das stimmt hoffnungsvoll beträgt erfreulicherweise nur noch Euro gegenüber Euro ein Jahr zuvor. o Die liquiden Mittel beliefen sich zum 31. März 2009 bei einer Bilanzsumme von 16,22 auf 5,02 Mio. Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es 8,29 Mio. Euro. o Die Fremdverschuldung beträgt nur noch 0,64 Mio. Euro, während in der Vorjahresperiode noch Verbindlichkeiten von 2,46 Mio. Euro anstanden. o Das U.C.A.-Portfolio wird gegenwärtig mit 7,1 Mio. Euro bewertet. Im Vorjahr standen noch rund 10,0 Mio. Euro zu Buche. Verhalten optimistische Erwartungen für das 2. Halbjahr 2009 Zitat Dr. Steuer: Für 2009 erwartet U.C.A. besonders in der zweiten Hälfte ein verbessertes Umfeld für Neuinvestitionen. Umsatzbeiträge werden 2009 nur ausnahmsweise aus den Exits börsennotierter Beteiligungen resultieren, und auch nur dann, wenn das Börsenumfeld es zulässt. Auch denkbare Exits nicht notierter Beteiligungen entspringen vermutlich einem eher zufälligen Tradesale mit strategischen Investoren. Die U.C.A. Gruppe wird die Zeit deshalb nutzen, um mit einer verschärften Kostenkontrolle möglichst ausgeglichen zu operieren. Die wichtigsten Kennziffern von U.C.A., ISIN DE , unter Auswertung der Datendatei von BÖRSE ONLINE, 23. Juli 2009 Branche: Beteiligungsgesellschaft für kleinere und mittlere Unternehmen, nicht festgelegt auf bestimmte Branchen Technische Analyse: Ein im Herbst 2007 begonnener und durch Finanzkrise und Börsencrash verstärkter Abwärtstrend mit Stabilisierung seit Frühjahr 2009 Börsenlisting: M:access Börse München Börsenwert: ca. 8,5 Mio. Streubesitz: 33,8 % (ca. 50 % im Besitz der Familien Dr. Kaske und Dr. Steuer, Baader Wertpapierhandelsbank, 13,8 %) Eigenkapitalquote: 86 % (Vorjahr: 83 %) Kurs-Buchwert-Verhältnis: 0,41 (je niedriger, umso günstiger) Kurs-Cashflow-Verhältnis: 1,39 pro Aktie (je niedriger, umso besser) KGV: 25 für 2010 (erwartet) Ergebnis je Aktie: 2007: -0,02, 2008(e): -0,20, 2009(e): -0,05, 2010(e): +0,05 4

5 52-Wochen-Hoch/Tief: 2,00 /0,92 Kursentwicklung 2009: ca. +10 % Aktueller Kurs (23. Juli 2009): 1,20 Dividende: 1,30 für 2006, 0,00 für 2007/2008 Zulässige Insider-Transaktionen 2007/2008: keine Käufe/Verkäufe bekannt Analysten-Einstufungen: Die deutlich unter zehn Millionen Euro liegende Marktkapitalisierung macht den Titel für Analysten derzeit uninteressant Drei Fragen an den U.C.A.-Vorstand Dr. Jürgen Steuer und Dr. Joachim Kaske (Doppelspitze) Beate Sander: Die Welt ist nach der Krise nicht mehr die gleiche. Es gibt neue Spielregeln, eine veränderte Gesetzgebung, neue Bilanzvorschriften und verstärkte Appelle an das Verantwortungsbewusstsein, an Wertebekennung und Solidarität mit den Mitarbeitern. Was ändert sich für Sie? Was können Sie selbst lernen und künftig besser machen? U.C.A. Vorstand Dr. Jürgen Steuer: Wir werden aktuell in jedem Einzelfall also bei unseren bestehenden und bei neuen Beteiligungen noch genauer das Chance-Risiko-Verhältnis betrachten und nur dann investieren bzw. neues Kapital zur Verfügung stellen, wenn dieses Chance-/Risiko-Verhältnis für uns attraktiv erscheint. Beate Sander: Wie reagieren Sie auf die schwere Wirtschaftskrise, sollte sich Ihre jetzige Einschätzung nicht bewahrheiten und es noch schlechter werden? Haben Sie zur Vorsicht einige Kostensenkungs-Szenarien in der Schublade, um die Krise überwinden zu können und nicht zu den Verlierern zu zählen? U.C.A. Vorstand Dr. Jürgen Steuer: Wir verbessern laufend unsere Kostenstrukturen, sodass unsere operative Reichweite sich nochmals gegenüber dem Vorjahr signifikant verlängert hat. Die Mitarbeiter auch in Ihren Beteiligungsgesellschaften sind die Hauptleidtragenden der Krise. Wie sieht es mit Kurzarbeit, Auflösung befristeter Arbeitsverträge, Kündigung von Zeitarbeit, sozialen Einschnitten, Stellenabbau bei den Stammbelegschaften aus? Wie motivieren Sie Ihre Leute in schwierigen Zeiten? Leisten Sie als Vorstände einen Solidarbeitrag, wenn Mitarbeiter große Opfer bringen müssen? U.C.A. Vorstand Dr. Jürgen Steuer: Bei MedInvestor und CoRest konnten wir bislang Kurzarbeit, Kündigung von Zeitarbeit, Stellenabbau und soziale Einschnitte vermeiden. Dies gilt auch für den überwiegenden Teil unserer Beteiligungen. 5

6 Der Vorstand der U.C.A. AG hat demgegenüber allerdings seine Gehälter um rund 30 % gekürzt. ❷ JOST AG, Lauf (ISIN: DE , WKN: ) Zum besseren Verständnis des Geschäftsmodells Wünschen Sie Beratung? Oder Vermittlung mit Hilfe unserer Kanzleibörse? Unsere Geschäftsbereiche orientieren sich am Lebenszyklus einer Kanzlei. Bei der JOST AG, dem bayerischen Spezialisten für Kanzleivermittlungen, ist im Gegensatz zum 2. Halbjahr 2008 überhaupt nichts mehr von der schweren Finanzkrise zu spüren. Ganz im Gegenteil: Im ersten Vierteljahr 2009 erzielte die Steuerberaterfirma bei Umsatz und Ertrag das beste Ergebnis in einem ersten Quartal der Unternehmensgeschichte. Die Umsatzerlöse erhöhten sich gegenüber dem Vorjahr von auf Euro mehr als eine Verdopplung. Während im gleichen Vorjahreszeitraum beim Ergebnis noch ein Verlust von Euro anfiel, verbuchte JOST diesmal ein Plus von Euro. Das EBIT verbesserte sich auf Euro. Der Hauptgrund für dieses Spitzenergebnis waren die ins neue Geschäftsjahr fallenden Kanzleivermittlungen aus dem Vorjahr. Hinzu kommen im ersten Vierteljahr des aktuellen Geschäftsjahres 17 neue Verkäufe. Dazu erklärt der Vorstandsvorsitzende und Firmengründer Klaus Jost: JOST hat im ersten Quartal 2009 ein sehr gutes Ergebnis erwirtschaftet und seinen profitablen Wachstumskurs konsequent fortgesetzt. Das Unternehmen ist optimal aufgestellt, um sich auch in einem zunehmend schwieriger werdenden Marktumfeld zu behaupten. Die eingeleiteten Kostensenkungsmaßnahmen kommen ab dem zweiten Quartal 2008 voll zum Tragen. Mit 14 Terminen baut die JOST AG 2009 ihre erfolgreiche Seminarreihe Kauf und Verkauf einer Kanzlei weiter aus. Hinzu kommt das neu entwickelte Seminar Risiken erkennen Risiken minimieren, mit dem Notfallplan für Steuerberater. Die Seminarreihen eröffnen neben dem zusätzlichen Umsatz und Gewinn gute Kontakte zu Kunden für das Vermittlungsgeschäft. Die kleine bankenunabhängige Kanzleivermittlung wurde 1984 also vor 25 Jahren vom heutigen Firmenchef Klaus Jost in Lauf an der Pegnitz bei Nürnberg gegründet und wagte 15 Jahre später, 1999, den Börsengang wurde das Dienstleistungsangebot um den Bereich Kanzleibörse, das heutige Kerngeschäft, erweitert. 6

7 Die JOST AG konzentriert sich auf Nachfolgeregelungen für Steuerberater und lebt mit der erfolgreich eingeleiteten Nachfolge durch den Sohn Alexander Jost, 28 Jahre alt und schon im Vorstand, sein Geschäftsmodell überzeugend vor. Junior Jost hat mit seinem Notfallplan für Steuerberater die eigene Reputation aufgebaut. JOST steht Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern kompetent zur Seite, hat doch eine Kanzlei einen ganz eigenen Lebenszyklus mit bestimmten Weichenstellungen, sei es Verkauf, Kauf, Notfallplan, Personalvermittlung, Beratung, Meditation und Fortbildung in bundesweiten Seminarreihen. Die Firmenphilosophie liest sich so: Ihr Erfolg ist der alleinige Maßstab für unsere Tätigkeit. Deshalb begleiten wir Sie umfassend bis Sie ihre Ziele erreicht haben. Die wichtigsten Kennzahlen der JOST-Aktie (WKN: ) Branche: Dienstleistungen für Steuerberater- und Wirtschaftsprüferkanzleien Technische Analyse: Nach starkem Kurseinbruch wegen enttäuschender Geschäftszahlen 2008 sowie Finanzkrise und Börsencrash starke Kurserholung seit Frühjahr 2009 nicht zuletzt wegen der erstklassigen Finanzzahlen 1. Quartal 2009 Börsenlisting: Qualitätssegment M:access Börse München, Freiverkehr Aktienkurs: 7,67 Euro (23. Juli 2009) 52-Wochen-Hoch/Tief: 9,25 /5,50 Eigenkapitalquote: 92,3 % Marktkapitalisierung: 3,5 Millionen Euro Streubesitz (Free-Float): ca. 50 % Aktienanzahl: Dividende: 0,60 für 2006, 0,80 für 2007, 0,00 für 2008 Drei Fragen an den Vorstandschef der JOST AG, Klaus Jost Beate Sander: Die komplette Streichung der Dividende fällt sicherlich in die Rubrik Kostensenkungsprogramm als Antwort auf die Finanzkrise. Da Sie 2009 Ihr 25-jähriges Jubiläum feiern, war dies auf der diesjährigen Hauptversammlung keine freudige Nachricht. So mancher Aktionär hatte auf einen Bonus gehofft. Die Zahlen für das erste Quartal 2009 sind glänzend. Wenn dies keine Eintagsfliege ist, wollen Sie im nächsten Jahr wieder zu Ihrer alten aktionärsfreundlichen Dividendenpolitik zurückkehren? CEO Klaus Jost erwartet nach dem insgesamt enttäuschenden Ergebnis 2008 und dem beeindruckenden ersten Quartal 2009 eine gute Geschäftsentwicklung für das Gesamtjahr 2009, nachdem auch das zweite Quartal recht vielversprechend verläuft. Eine Rückkehr zu einer ordentlichen Dividendenpolitik gilt als ausgemachtes Ziel. 7

8 Beate Sander: Sie sind mit einer Marktkapitalisierung von gerade einmal 3,5 Mio. Euro ein Zwerg unter den börsennotierten Gesellschaften. Was können Sie tun, um Ihren Börsenwert zu steigern? Wie sieht es aus mit der Eroberung neuer Märkte und neuer Geschäftsfelder? Firmenchef Klaus Jost erklärt, dass der Vorstand und Aufsichtsrat immer wieder die Marktlage beobachten und überlegen, ob sich neue Geschäftsfelder aufbauen und neue Nischen erschließen lassen und sich vielleicht die eine oder andere Akquisition anbietet. Als besonders sicheres und renditestarkes Kerngeschäftsfeld erweist sich aber gerade für ein kleineres Unternehmen, wie JOST es ist, der deutsche und österreichische Steuerberatermarkt mit seinen Nachfolge- und Notfallplanungen. Beate Sander: Besteht für Sie Heuschreckengefahr? Oder planen Sie selbst eine kleine, feine Übernahme, die dann auch eine Kapitalerhöhung rechtfertigen würde? CEO Klaus Jost meint, dass der Einfall von Heuschrecken aufgrund der bestehenden Mehrheitsverhältnisse nicht zu befürchten sei und momentan auch keine Kapitalerhöhung anstehe. ❸ Blue Cap AG, München: Die Nische ist unser Geschäft! (ISIN: DE 000 A0J M2M 1, WKN: A0J M2M) Zum besseren Verständnis des Geschäftsmodells von Blue Cap Die Beteiligungsgesellschaft Blue Cap AG München wurde vor drei Jahren, 2006, gegründet und zählt mit ihrem Börsengang im Frühjahr 2007 zu den Neulingen im M:access der Börse München. Der Schwerpunkt der Investitionstätigkeit liegt auf mittelständischen familiengeführten Nischenunternehmen mit margenstarken Produkten. Blue Cap optimiert die internen Prozesse der meist technologiegetriebenen Unternehmen aus der Old Economy mit dem Ziel, brach liegende Potenziale zu nutzen. Blue Cap setzt auf Kontinuität, steigert die stabilen Cashflows der Unternehmen und damit deren Wert. Mit einem Eigenkapital von gut 6,6 Mio. Euro und einer Eigenkapitalquote von über 96 % ist die Beteiligungsgesellschaft mit einer Bilanzsumme von 6,9 Mio. Euro sehr solide finanziert und damit weniger als etliche andere Firmen von der Kreditklemme und anderen Verwerfungen der Finanzkrise bedroht. Im Juni 2009 wurde ein Konzernumsatz von über 21,9 Mio. Euro und ein EBITDA von mehr als 1,4 Mio. Euro ausgewiesen. Der Jahresfehlbetrag lag allerdings noch bei -0,151 Mio. Euro. 8

9 Blue Cap ist keine kahlfressende, das Zielunternehmen zerschlagende gierige Heuschrecke, sondern eher als Honigbiene einzustufen. Intensive persönliche Kontakte und ein langfristiges Investment sind markante Merkmale einer Firmenstrategie, bei der ethische Bedenken nicht aufkommen. Blue Cap hält Ausschau nach sanierungsbedürftigen Unternehmen, Konzernausgliederungen, ungelösten Unternehmensnachfolgen und Insolvenzen aus der Anlagen- und Maschinenbaubranche mit einem Umsatz zwischen fünf und 50 Mio. Euro. Vorstand Dr. Hannspeter Schubert präsentiert Blue Cap erneut sehr überzeugend. Sein Grundtenor lautet: Wir investieren in Hidden Champions. Im April 2008 wurden im Rahmen einer Privatplatzierung neue Aktien zu 2,50 Euro ausgegeben. Überblick über die wichtigsten Investitionskriterien o Investitionsrahmen bis zu 1 Mio. Euro; Umsatz 5 bis 50 Mio. Euro o Hohes Wertschöpfungspotenzial durch ein intaktes Kerngeschäft o Keine starre Branchenfestlegung; Fokus auf Old Economy wie Maschinen-/Anlagebau, Elektrotechnik o Deutschsprachiger Raum, vorwiegend Süddeutschland o Kapitalmäßige oder strategische Mehrheit, Alle Beteiligungen cashflow- und ergebnispositiv o Kein finanzielles Abenteuer in der von Liquiditätsengpässen getriebenen angespannten Marktlage, komfortable Eigenkapitalquote (96 %) Ergebniskennzahlen von Blue Cap 2008 (HGB-Bilanzierung) Position SMB- David Maxxtec INHECO Schreiner Insgesamt Beteiligung 40,0 % 13,6 % 42,0 % 100 % Umsatz ,2 Mio. 29,00 Mio. 7,53 Mio. 8,38 Mio. 58,11 Mio. Umsatzanteile 5,28 Mio. 3,94 Mio. 3,16 Mio. 8,38 Mio. 20,76 Mio. EBITDA 0,25 Mio. 1,34 Mio. 0,59 Mio. 0,58 Mio. 2,76 Mio. EBITDA-Anteil 0,10 Mio. 0,18 Mio. 0,25 Mio. 0,58 Mio. 1,11 Mio. Ein Blick auf das Portfolio von Blue Cap Die 1972 gegründete SMB-David GmbH ist mit einem Umsatzanteil von 80 % Weltmarktführer im Maschinenbau zur Isolier- und Dämmstoffbearbeitung. Die maxxtex AG mit ihren 70 Mitarbeitern entwickelt und produziert Anlagen für wärmetechnische Industrieprozesse sowie zur Gewinnung von Energie aus nachwachsenden Rohstoffen. 9

10 Die INHECO Industrial Heating & Cooling GmbH besteht seit dem Jahr 2000 und ist ein führender Entwickler und Hersteller von thermoelektrischen Heiz- und Kühlbaugruppen. Zahlreiche internationale Auszeichnungen zeugen von der Wachstumsstärke und Substanzkraft dieser 42-prozentigen Beteiligung. Die H. SCHREINER Test- und Sonderanlagen GmbH zählt mit ihrer 40-jährigen Geschichte zu den etablierten Traditionsunternehmen mit jahrzehntelanger Erfahrung im Bereich Dichtheits- und Lecktestprüfung im Anlagenbau. News vom 22. Juli 2009: Blue Cap beteiligt sich mit 18,3 % an der Planatol Gruppe, Spezialist für Klebstoffe und Klebebänder Im Zuge der anstehenden Nachfolgeregelung für die 1932 gegründete Familiengesellschaft Planatol Klebetechnik GmbH, Thansau, übernahm Blue Cap zunächst 18,27 %, wobei eine Option auf den Erwerb weiterer Anteile besteht. Über den Kaufpreis herrscht Stillschweigen. Das Traditionsunternehmen Planatol ist bekannt im Bereich von Klebstoffen für die grafische Industrie. Planatol produziert nicht nur unterschiedliche Klebstoffe, sondern entwickelt und fertigt auch innovative lösungsmittelfreie Klebebänder für industrielle Anwendungen, spezielle Zusatzaggregate für Druckmaschinen sowie bestimmte Formen der Klebstoffbeschichtung im grafischen wie auch industriellen Bereich. Die Planatol Gruppe erzielte im Jahr 2008 in ihren vier Unternehmenseinheiten ungefähr 41,2 Mio. Euro Umsatz und beschäftigt in ihren beiden Standorten Thansau und Geretsried rund 180 Mitarbeiter. Dazu berichtet der Vorstandsvorsitzende von Blue Cap, Dr. Hannspeter Schubert: Mit dieser Akquisition etabliert sich Blue Cap als einer der führenden Spezialisten für Sondersituationen im süddeutschen Mittelstand. Planatol ist in dem traditionellen Markt der grafischen Klebstoffe sehr gut positioniert und besetzt mit den innovativen Entwicklungen im Bereich der Beschichtungstechnik und der Klebebänder wichtige Wachstumsfelder. Wichtige Kennziffern Blue Cap, WKN A0J M2M, 23. Juli 2009 Branche: Beteiligungsgesellschaft, im Jahr 2006 in München gegründet Börsenlisting: M:access Börse München und Entry Standard Deutsche Börse Technische Analyse: ein von Volatilität geprägter Abwärtstrend, stark beeinflusst durch Finanzkrise und Börsencrash Marktkapitalisierung: rund 5,1 Mio. Erfolgreiche Privatplatzierung April 2008 von jungen Aktien zu 2,50 Eigenkapitalquote: 96 % Streubesitz: >50 % 10

11 52-Wochen-Hoch/Tief: 3,05/1,55 Free Float: < 50 % Buchwert: 2,31 Aktueller Kurs: 2,05 Drei Fragen an den Vorstandschef von Blue Cap, Dr. Schubert Beate Sander: Maxxtec ist zweifellos der Bestseller unter Ihren Beteiligungen. Planen Sie eine Aufstockung Ihrer Minderheitsbeteiligung, nachdem Sie nicht unter Finanznot leiden bei einer Eigenkapitalquote von 96 %? CEO Dr. Hannspeter Schubert: Mit Maxxtec ist es uns zweifellos gelungen, eine sehr attraktive Beteiligung einzugehen. Maxxtec beschäftigt sich als Anlagenbauer mit der Verstromung von Wärme und gehört aufgrund der eingesetzten Technologie zu den führenden Unternehmen in diesem Bereich. Insbesondere durch den Einstieg von Siemens Venture Capital Anfang 2009 konnte das nach wie vor sehr positive Wachstum der Gesellschaft abgesichert werden. Darüber hinaus ergeben sich eine Reihe von Synergieeffekten zwischen Maxxtec und der Siemens AG, die sich günstig auf die Unternehmensentwickung auswirken. Die Verwässerung unseres Anteils aufgrund der Kapitalerhöhung von 17,66 % auf 13,56 % wird in jeden Fall mit der damit einhergehenden Wertentwicklung kompensiert. Derzeit ist keine Aufstockung unserer Beteiligung geplant. Beate Sander: Haben Sie Ihre aktuelle Neuerwerbung Planatol mit einem Anteil von 18,3 % wegen der angespannten Marktlage zu besonders günstigen Konditionen erworben? CEO Dr. Hannspeter Schubert: Der Einstieg bei Planatol ist von uns sorgfältig und langfristig vorbereitet worden. Insbesondere durch das von uns im Vorfeld eingeleitete Sanierungskonzept konnten wir die beteiligten Banken von der Zukunftsträchtigkeit des Unternehmens überzeugen. Blue Cap hat mit der Übernahme des Geschäftsanteils von 18,3 % zu vergleichsweise günstigen Konditionen den Einstieg in das Unternehmen geschafft und hat über Optionsverträge die Möglichkeit, weitere Geschäftsanteile zu erwerben. Mit dem Einstieg in die Planatol Gruppe kann der Restrukturierungsprozess konsequent weitergeführt werden. Das Traditionsunternehmen wird sich damit in den Bereichen Klebstoffproduktion, Klebstoffversorgung, Beschichtungsmaterialien und Klebebänder attraktiv auf den Märkten positionieren. Beate Sander: Wie wirkt sich die aktuelle wirtschaftliche Lage auf Ihr Geschäftsmodell aus? 11

12 CEO Dr. Hannspeter Schubert: Das Beteiligungsgeschäft hat sich in den letzten sechs Monaten beträchtlich verändert und ist im Wesentlichen geprägt von sehr großen Unsicherheiten hinsichtlich der Bewertung und Schwierigkeiten in der Akquisitionsfinanzierung. Die Umsatzeinbrüche im Jahr 2009 stehen vor dem Hintergrund des relativ gut verlaufenen Geschäftsjahres 2008 und stellen eine große Belastungsprobe für das Geschäftsmodell in dem jeweiligen Unternehmen dar. Einstiegsmöglichkeiten für Blue Cap ergeben sich insbesondere in Situationen, in denen ein gewisser Handlungsdruck bei den Eigentümern oder den finanzierenden Banken entsteht. Unsere Investitionsidee hat sich damit zwar verändert, bleibt aber weiterhin sehr attraktiv. Wir verstehen die Krise auch als eine Chance, die Unternehmen so auszurichten, dass sie bei einer Wiederbelebung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen profitabel arbeiten. ❹ Value-Holdings AG, Augsburg (ISIN: DE ) o Good Business Good People Good Price o Einzelaktien als Investmentstrategie Verzicht auf Zertifikate, Fonds und Rohstoffe o Orientierung an den strategischen Ansatz von Benjamin Graham und Warren Buffett Zum besseren Verständnis des Geschäftsmodells Leitsatz: Reich wird, wer in Unternehmen investiert, die weniger kosten als sie wert sind. (Warren Buffett) Das 1992 gegründete Unternehmen ging 1999, also vor neun Jahren an die Börse. Die VH-Aktie steht stellvertretend mit einem Buchwert über dem aktuellen Kurs als Paradebeispiel für eine niedrige, faire Bewertung. Lange Zeit befand sich der Aktienkurs im Dornröschenschlaf und dies trotz guter Geschäftszahlen und positiver Berichterstattung. Erst in dieser finalen Börsencrashphase ist der Kurs zeitweilig um gut die Hälfte auf derzeit 2,50 Euro abgestürzt. Dagegen müsste das Geschäftsmodell insbesondere in so schwierigen, von Angst und Verunsicherung geprägten Zeiten jeden sicherheits- und chancenorientierten Anleger ansprechen. Das sich an Warren Buffett anlehnende Geschäftsmodell Kaufe nur, was du kennst und verstehst ist grundsolide, der Gegenpol zu komplizierten Kreditderivaten letztlich die Mitauslöser für das weltweite Finanzdesaster. Womit verdient die in Gersthofen bei Augsburg sesshafte Value-Holdings AG ihr Geld? Das Investmentunternehmen beteiligt sich an börsennotierten, überwiegend mittelständischen Firmen und berät Investoren bei der Kapitalanlage. 12

13 Zu seiner Anlagestrategie Investieren nicht spekulieren äußert sich Georg Geiger, Alleinvorstand der Value-Holdings AG, wie folgt: Der Grundgedanke all unserer Anlegeentscheidungen ist das Value-Investing. Wir beteiligen uns an Unternehmen, deren Substanz, Ertragskraft oder künftiges Potenzial vom Finanzmarkt im Zeitpunkt des Investments nicht genügend honoriert wird. Als Value- Investoren denken wir wie Unternehmer, nicht wie ein Spekulant. Wir kaufen Anteile an Unternehmen mit einem Discount zum inneren Wert. Dies schafft uns eine Sicherheitsmarge, denn je tiefer der Kaufpreis unter dem inneren Wert liegt, desto geringer ist das Risiko, mit dem Investment Geld zu verlieren. Wir profitieren von den Ausschüttungen der Beteiligungsunternehmen und partizipieren langfristig von der Wertsteigerung der Gesellschaften. Anmerkung: Allerdings konnten sich die beiden Fonds in ihrer Wertentwicklung 2008 auch nicht dem scharfen Börsencrash und der Weltwirtschaftskrise entziehen. Warren Buffett erging es nicht besser. Value-Holdings sucht Unternehmen, die einfach zu verstehen sind, eine gesunde Bilanzstruktur aufweisen und über eine komfortable Cash-Position verfügen. Das KGV muss niedrig, das Eigenkapital und die Dividendenrendite sollen hoch sein. Das Management muss unternehmerisch denken und eine gute Firmenkultur pflegen. Die Value-Holdings AG gründet auf die beiden Geschäftsfelder Portfolio-Management und Fondsberatung. Das Portfolio konzentriert sich auf Maschinenbau, Dienstleistung, Technologie und Fahrzeuge. Seit 2008 hat das Management auch einen Europa-Aktienfonds aufgelegt eine begrüßenswerte Ergänzung. Ob es bei einer Langzeitperspektive allerdings klug ist, allein in Value- Titel zu investieren und auf jegliche Durchmischung mit Wachstumstiteln (Growth) zu verzichten, ist zu hinterfragen. Value Holdings Capital Partners Fund: größte Positionen ISIN: LI WKN: A0B 63E Value-Holdings Europa Fund: größte Positionen ISIN: LI WKN: A0Q 8K9 Schaltbau Holding: 23,04 % Semperit (Österreich): 5,50 % GBK Beteiligungen: 16,06 % MBB Industries (Deutschland): 3,21 % SMT Scharf: 8,04 % Einhell (Deutschland): 2,79 % Augusta Technologie: 6,36 % Metso (Finnland): 2,78 % TFG Capital: 5,93 % Enel (Italien): 2,74 % Performance 2007: +19,83 % Schaltbau (Deutschland): 2,53 % Performance 2007: +12,25 % Zumtobel (Österreich): 2,31 % Performance 2008: -35,97 % Performance 2008: -37 % 13

14 Finanzdaten VALUE-HOLDINGS AG Jahr 2007 Jahr 2008 Erlöse aus Wertpapierverkäufen 8,910 Mio. 6,649 Mio. Einstandskosten verkaufter Wertpapiere 6,967 Mio. 6,122 Mio. Realisierte Kursgewinne/Kursverluste 1,943 Mio. 0,527 Mio. Ergebnis gewöhnliche Geschäftstätigkeit 1,191 Mio. -4,410 Mio. Jahresüberschuss Jahresfehlbetrag Bilanzgewinn Bilanzverlust 1,197 Mio. 2,634 Mio. -4,409 Mio. -2,055 Mio. Bilanzsumme 18,533 Mio. 12,479 Mio. CEO Geiger zitiert als Einstieg aus dem Buch Der schwarze Schwan, um höchst unwahrscheinliche, folgenschwere Ereignisse an der Börse zu veranschaulichen. Als Fazit seines interessanten und engagierten Vortrags wählt er einen Ausspruch von Nassim N. Taleb: Ich rate nicht davon ab, Risiken einzugehen. Ich wende mich nur gegen die Ermunterung zum nicht fundierten Eingehen von Risiken. In gewisser Weise ist mir nur eines wichtig: Entscheidungen zu treffen, ohne der Truthahn zu sein. (Der Truthahn steht hier für ein scheues, Tier, das durch regelmäßiges Füttern sehr zutraulich wird, bis ihm ganz plötzlich und unerwartet das Hackebeil den Garaus macht, um in der Bratpfanne zu landen.) Wichtige Kennziffern von Value-Holdings (WKN ) unter Auswertung der Datendatei von BÖRSE ONLINE, 23. Juli 2009 Branche: Investmentunternehmen mit Portfolio-Management und Fondsberatung Technische Analyse: Nach jahrelangem Seitwärtstrend eine scharfe Kurskorrektur wegen der weltweiten Finanzkrise und des auch die beiden Fonds erfassenden Börsencrash Börsenlisting: M:access Börse München Börsenwert: sehr niedrig kapitalisiert mit nur 4,7 Mio. Euro Streubesitz: 74,5 % KGV für 2010 erwartet: 20 Ergebnis je Aktie: 2007: 0,64, 2008: -2,36, 2009(e): -0,70, 2010(e): 0,12 52-Wochen-Hoch/Tief: 4,75 /2,00 Kursentwicklung 2009: ca. -7,5 % Aktueller Kurs (23. Juli 2009): 2,50 Dividende: 2007: 0,15, 2008: 0,00 Aktienanteile: Vorstand: 12,5 %, Aufsichtsrat 7,0 %, Mitarbeiter: 6,0 % 14

15 Kurzinterview mit dem Vorstand Herrn Georg Geiger Beate Sander: Früher versprach Ihre Aktie eine attraktive Dividendenrendite. Der Kurs hat sich halbiert, die Dividende wurde auf Null heruntergefahren. Ein vorsichtiger Kaufmann handelt in dieser schweren Finanzkrise so, um genug Eigenkapital bereit zu halten für niedrig bewertete Substanztitel. Ist es denkbar, 2009 oder 2010 Ihre Dividendenpolitik wieder aufzunehmen früher ein großer Anreiz, gerade in Ihre Aktie zu investieren? CEO Georg Geiger, Value-Holdings AG: Die Ausschüttung einer attraktiven Dividende ist auch für uns selbst bei der Auswahl unserer Investments ein wichtiges Kriterium. Deshalb will auch die Value-Holdings AG an ihre Aktionäre eine angemessene Dividende ausschütten. In den Jahren 2009 und 2010 haben wir uns vorgenommen, die Substanz der Gesellschaft wieder etwas anzureichern. Ich gehe aber davon aus, dass wir danach wieder zur gewohnten Dividendenpolitik zurückkehren. Ihr Unternehmen ist mit unter sieben Mio. Euro sehr niedrig kapitalisiert, und dies betrifft auch Ihre beiden Fonds. Bietet es sich da nicht an, ein paar gute dividendenstarke ETFs mit in Ihr Portfolio aufzunehmen? Schließlich vermindern Sie damit auch die Performance auffressenden Transaktionen. CEO Georg Geiger, Value-Holdings AG: Eine Aufnahme von ETFs ins Portfolio kommt für Value-Investoren nicht in Frage. Unsere Stärke liegt ja gerade in der Auswahl von Einzelaktien. Das haben wir sowohl in der Value-Holdings AG in ü- ber 18 Jahren als auch im Value-Holdings Capital Partners Fund seit der Auflegung vor über sieben Jahren bewiesen. Die Performance des Fonds liegt seit Auflegung um 6 % per annum besser als der Vergleichsindex DAX. In unseren Portfolios haben wir auch nicht das Problem mit Performance fressenden Transaktionen. Zum einen haben wir mit unseren Bankpartnern sehr günstige Konditionen vereinbart und zum anderen sind wir keine Trader, sondern langfristige Investoren. Unsere Portfolios schlagen sich durchschnittlich 0,3mal per annum um, das heißt, die durchschnittliche Anlagedauer liegt bei über drei Jahren. Die Welt wird nach der Krise nicht mehr die gleiche sein. Es gibt neue Spielregeln, eine veränderte Gesetzgebung, neue Bilanzvorschriften und verstärkte Appelle an das Verantwortungsbewusstsein, an Wertebekennung und Solidarität mit den Mitarbeitern. Was ändert sich für Sie bezüglich Anlagestrategie? Was können Sie selbst aus diesem Finanzdesaster und Börsencrash lernen und vielleicht künftig besser machen? 15

16 CEO Georg Geiger, Value-Holdings AG: Trotz neuer Spielregeln und veränderter Bilanzierungsregeln werden sich die grundlegenden Maßstäbe der Unternehmensbewertung nicht ändern. Und auch an der Börse werden wir künftig euphorische Phasen mit überzogenen Kursen und depressive Phasen mit zu niedrigen Kursen erleben. Insofern sind wir überzeugt, dass unsere Anlagestrategie und unser Geschäftsmodell auch für die Zukunft Erfolg versprechend sind. In der Finanzkrise mussten wir lernen, dass in diesen unsicheren Phasen nicht nur hohe Bewertungsabschläge vorgenommen werden, sondern dass die Kursfindung in marktengen Papieren manchmal komplett irrational ist. Wir hatten im Jahr 2008 zeitweilig zu Bewertungsfaktoren gekauft, von denen wir in den Jahren zuvor nur träumen konnten. Trotzdem haben wir zur früh gekauft; viele Werte sind noch billiger geworden. Da müssen wir künftig noch vorsichtiger werden. Dennoch sind wir davon überzeugt, dass wir günstig eingekauft haben und die Börse unseren Mut in einigen Jahren belohnen wird. Beate Sander Börsenbuch- und Wirtschaftsbuchautorin, Finanzjournalistin , Pommernweg 55, Ulm -Adresse: Sommer 2008: Beate Sander: BÖRSENERFOLG FAMILIENUNTERNEHMEN mehr Rendite mit GEX-Werten FinanzBuch Verlag, München, 336 S., Mitte Juni 2008, aufwändige Ausstattung, 30 Beate Sander: NICHT NUR BESTIEN Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit als Schlüssel zum Unternehmenserfolg Volk Verlag, München, 320 S., Zweifarbendruck, aufwändige Ausstattung, 27 ; A- kademie E.ON Konzern, Buch des Monats März 2009, Position 1 Beate Sander: MANAGED FUTURES Erfolgreich Geld verdienen in steigenden und fallenden Märkten FinanzBuch Verlag, vielbeachtete Neuerscheinung 2008, 272 S., 25 Euro Beate Sander: NEUE BÖRSENSTRATEGIEN AB DER KRISE Richtig handeln in jeder Marktsituation FinanzBuch Verlag, komplette Neubearbeitung des klassischen Standard- Bestsellers, 430 S., Erscheinungstermin Juli 2009, ca. 25 Beate Sander: GOLD SILBER PLATIN. Mehr Sicherheit für Anleger FinanzBuch Verlag, Neuerscheinung, Mitte April 2009, 220 S., 25 16

17 Haftungsausschluss: Diese Berichterstattung enthält aus öffentlichen Quellen zusammengestellte Informationen sowie Meinungen und Wertungen der Autorin. Eine Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie der Meinungen und Wertungen wird durch die Autorin, die Bayerische Börse AG oder die Börse München nicht übernommen. Irrtum und versehentliche unrichtige Wiedergabe, insbesondere in Bezug auf Kurse und andere Zahlenangaben, bleibt ausdrücklich vorbehalten. Die Berichterstattung stellt keine Wertpapieranalyse im Sinne des 34 b WpHG, keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung oder Aufforderung zum Handeln dar. 17

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