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1 technische universität dortmund Junior Business School Eine Initiative des Lehrstuhls Wirtschaftswissenschaft und ihre Didaktik von Univ.-Prof. Dr. Andreas Liening in Kooperation mit der Learning GmbH, Dortmund Ausgezeichnet vom Bundesbildungsministerium mit dem Initiativpreis Aus- und Weiterbildung 2006 der Otto-Wolff-Stiftung, des DIHK und der Wirtschaftswoche Univ.-Prof. Dr. Andreas Liening Tel: +49 (0) TU Dortmund Wirtschaftswissenschaft und ihre Didaktik Otto-Hahn Str. 6 D Dortmund 1

2 technische universität dortmund Learning GmbH, Dortmund Junior Business School Multimediale betriebswirtschaftliche Weiterbildung für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II 2

3 1. Abstract Ein Überblick über die JBS 3

4 Die Junior Business School...integriert ökonomische Bildung in allgemein bildenden Schulen Unsere moderne Gesellschaft ist durch eine weitgehende Ökonomisierung aller Lebensbereiche gekennzeichnet, so dass ein grundlegendes Verständnis ökonomischer Zusammenhänge für nahezu alle Berufsgruppen eine zentrale Voraussetzung für die berufliche Entwicklung geworden ist. Dennoch können wir in der Praxis häufig gravierende Defizite hinsichtlich ökonomischer Denk- und Handlungsweisen und auch ökonomischer Kulturtechniken beobachten nicht zuletzt deshalb, weil durch das Fehlen eines eigenständigen Faches Wirtschaft ökonomische Sachverhalte nur sporadisch und isoliert in den herkömmlichen Unterrichtsfächern aufgegriffen werden. Der Wirtschaftsdidaktiker Univ.-Prof. Dr. Andreas Liening entwickelte an der TU Dortmund ein innovatives Konzept, um ökonomische Denk- und Handlungsweisen mit modernen Lernkulturtechniken in der Oberstufe allgemein bildender Schulen zu kombinieren. Notwendigkeit ökonomischer Bildung...bereitet Jugendliche auf Ausbildung und Studium vor Ob in der Ausbildung oder im Studium ökonomisches Wissen ist in der heutigen Gesellschaft unabdingbar. Die Junior Business School richtet sich somit an alle Schüler der Sekundarstufe II der allgemein bildenden Schulen, die gezielt an die berufliche Praxis oder an ökonomische Inhalte in einem Wirtschaftsstudium herangeführt werden wollen. Die Ziele dieser Bildungsmaßnahme im Einzelnen sind: Zielgruppe die Auseinandersetzung mit ökonomischen, insbesondere betriebswirtschaftlichen, Grundkenntnissen, die Heranführung an die wirtschaftliche Praxis durch einen ganzheitlichen und spielerischen Zugang, die Vorbereitung auf eine kaufmännische Berufsausbildung bzw. ein betriebswirtschaftliches Studium, Zielsetzungen das Training von Selbstlern- und Medienkompetenz und die Förderung von Eigenverantwortlichkeit, Leistungsbereitschaft und Engagement der Jugendlichen. Von Anfang an wurde das Konzept derart gestaltet, dass es bundesweit an Schulen multiplizierbar ist. 4

5 Die Junior Business School...basiert auf einem bewährten Konzept Das von Univ.-Prof.Dr. Andreas Liening entwickelte Konzept zur JBS, das im Jahr 2005 zum ersten Mal an der Martin-Luther-King-Gesamtschule in Dortmund-Dorstfeld erprobt wurde, hat sich über die letzten Jahren an mehreren Schulen im Umkreis der TU Dortmund etabliert. Durch das Feedback der mittlerweile über hundert Schülerinnen und Schüler, die die JBS besucht haben, sowie beteiligter Lehrkräfte an den Partnerschulen, konnte das Konzept zudem stetig an die Anforderungen des Schulalltages angepasst werden. Partnerschulen MODUL 1 Wirtschaftstheoretische Grundlagen MODUL 3 Praxisprojekt MODUL 2 Rund um das Unternehmen Die Junior Business School erstreckt sich über die Dauer eines Schuljahres und ist modular aufgebaut. Die Teilnehmenden der JBS durchlaufen insgesamt drei Module, in denen zunächst grundlegende Kenntnisse zum Wirtschaftsgeschehen thematisiert werden. Anschließend fokussiert sich die JBS auf das betriebliche Geschehen. So gewinnen die Schülerinnen und Schüler ein grundlegendes Verständnis betrieblicher Strukturen und der Abläufe von Planungs- und Entscheidungsprozessen, so dass die Teilnehmenden letztendlich in die Lage versetzt werden, ihr neues Wissen realitätsnah anwenden zu können. Dazu haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, ihr neu entwickeltes unternehmerisches Denken in einem Praxisprojekt unter Beweis zu stellen und so das Gelernte von einem neuen Standpunkt aus zu reflektieren. modulare Struktur Nach erfolgreichem Durchlauf der JBS erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat, welches in Wirtschaft und Verwaltung hohe Anerkennung genießt. 5

6 Die Junior Business School...greift auf verschiedene Lernformen zurück Die Junior Business School basiert auf dem Blended Learning Modell. Dieses setzt sich aus tutoriell begleiteten E-Learning Phasen kombiniert mit Präsenzphasen zusammen. Durch die Kombination von Präsenz- und Selbststudium wird ein Höchstmaß an Flexibilität beim Lernen erzielt. Blended Learning In den Präsenzphasen eignen sich die Schülerinnen und Schüler unter fachlicher Anleitung die in den jeweiligen Modulen behandelten Lerninhalte an. Handlungsorientierung ist dabei der zentrale didaktische Ansatz, so dass die Präsenzphasen vorrangig Elemente wie Rollenspiele, Planspiele oder Fallstudien umfassen. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten selbständig einen Teil des Lernstoffes mittels eigenentwickelten und auf die speziellen Anforderungen abgestimmten computer-gestützten Lernwerkzeuge. Dies beinhaltet sowohl die Erarbeitung der fachlichen Inhalte als auch die selbstständige Überprüfung und Vertiefung der Lernerfolge anhand von Aufgaben. Zudem wenden die Schülerinnen und Schüler das neu erworbene Wissen auf praxisbezogene Fallstudien an. Eine Lernplattform und Tele- Tutoren stehen den Lernenden dabei als Hilfe zur Seite. Die E-Learning Phasen stellen somit sicher, dass neben den ökonomischen Lerninhalten auch Medien- und Selbstlernkompetenzen vertieft werden. Handlungsorientierung E-Learning Learning GmbH, Dortmund Bei der Umsetzung der computergestützten Lernwerkzeuge wurde auf die Fachkompetenz der ilearning GmbH, Dortmund zurückgegriffen. Die Erfahrung der ilearning GmbH bei der Entwicklung und Integrierung von multimedialen Lernkonzepten trägt maßgeblich zur Stärkung der informations- und kommunikationstechnologischen Kompetenz der JBS- Teilnehmenden bei. ilearning GmbH 6

7 Die Junior Business School...ist eine vom Bundesbildungsministerium ausgezeichnete Initiative Im Jahr 2006 nur ein Jahr nach dem Start des Pilot-Projektes machte die Junior Business School überregional auf sich aufmerksam. Die Initiative wurde in Berlin vom Bundesbildungsministerium mit dem Inititativpreis Aus- und Weiterbildung 2006 der Otto-Wolff-Stiftung, des DIHK und der der Wirtschaftswoche ausgezeichnet. Initiativpreis Aus- & Weiterbildung Auszug aus der Laudatio, , "Die Initiative "Junior Business School (JBS)" der Universität Dortmund mit dem Projektpartner, der Martin-Luther- King Gesamtschule, zeigt in vorbildlicher Weise, wie das Thema "Wirtschaft" in allgemein bildende Schulen getragen werden kann. Die Dortmunder "JBS" spricht Schüler der gymnasialen Oberstufe an. Wie komme ich als Selbständiger an Aufträge, wie viele kann ich in welchem Zeitraum schaffen? Mit all diesen Fragen setzen sich die 16-Jährigen ebenso spielerisch wie ernsthaft auseinander. Brettspiele, Onlinelernen und Praktikerworkshops sollen den Jugendlichen Lust auf Unternehmertum vermitteln. So gelingt schon früh die Vorbereitung auf eine kaufmännische Berufsausbildung oder ein betriebswirtschaftliches Studium. Eigenverantwortlichkeit und Leistungsbereitschaft werden ebenfalls gefördert." Laudatio 7

8 2. Die JBS im Detail Lernformen & Lernmethoden der JBS Die Module der JBS - Wirtschaftstheoretische Grundlagen - Rund um das Unternehmen - Praxisprojekt Das theoretische Fundament der JBS - Ökonomische Bildung - Entrepreneurship 8

9 Lernformen & Lernmethoden der JBS Die Vielfalt der Ziele, die sich die JBS gesetzt hat, geht einher mit einem didaktischen Ansatz, der auf einer Vielzahl verschiedener Lernformen und Lernsituationen basiert und Präsenzphasen, Selbstlernphasen sowie E-Learning kombiniert. So wird sichergestellt, dass die Ziele nach Durchlauf der JBS und bei entsprechendem Engagement der Teilnehmerinnen und Teilnehmer tatsächlich erreicht werden. Zielvielfalt Vermittlung elementarer ökonomischer Grundkenntnisse Heranführung an die wirtschaftliche Praxis durch einen ganzheitlichen und spielerischen Zugang Training von Selbstlernund Medienkompetenz Förderung von Eigenverantwortlichkeit, Leistungsbereitschaft und Engagement der Jugendlichen Methodenvielfalt Präsenzphasen Tutorielle Betreuung Fallstudien Rollenspiele Praxisprojekte E-Learning Online-Lernplattform Lernkontrollen Tutorium der JBS Computergestützte Lernwerkzeuge Online-Lernaufgabe auf der Lernplattform BEOpen 9

10 Die Module der JBS Die JBS ist modular aufgebaut. Die Module, deren inhaltliche Ausgestaltung der nachfolgenden Tabelle entnommen werden kann, bauen aufeinander auf und greifen aufeinander zurück. Insbesondere Modul 2 (Rund um das Unternehmen) und Modul 3 (Praxisprojekt) sind eng miteinander verflechtet, da im zweiten Modul die grundlegenden Kenntnisse für das Praxisprojekt thematisiert werden. Im Rahmen des Praxisprojekts, in dem die Schüler in realen Kontakt mit dem Wirtschaftsgeschehen treten, wird wiederum weiteres Basiswissen über Unternehmen erworben. Die genaue Ausgestaltung des Praxisprojekts wird individuell mit den Teilnehmenden vereinbart. Entscheidend ist, dass die Teilnehmenden ihr neues betriebswirtschaftliches Wissen realitätsnah anwenden können. Ein von JBS-Teilnehmenden durchgeführtes Projekt wird im weiteren Verlauf als Beispiel vorgestellt. Diesen beiden Modulen ist das Modul 1 (Wirtschaftstheoretische Grundlagen) vorgeschaltet, in dem die Schülerinnen und Schüler elementare Grundkenntnisse zum Wirtschaftsgeschehen kennen lernen. Modul 1: Wirtschaftstheoretische Grundlagen Wirtschaftsordnung Unternehmensorganisation Franchising & Rechtsformen Unternehmensziele Modul 2: Rund um das Unternehmen Geschäftsprozesse Businessplan Marketing Inventur/Inventar Bilanz Kostenrechnung Gewinn- & Verlustrechnung Kennzahlen Modul 3: Praxisprojekt Um einen Eindruck gewinnen zu können, was die Teilnehmenden in den einzelnen Modulen erwartet, folgen auf den nächsten Seiten Beispiel-Lernmaterialen zu Modul 1 und Modul 2 sowie die Vorstellung eines Praxisprojekts, welches im Rahmen der Junior Business School durchgeführt wurde. 10

11 Beispiel-Lernmaterial zu Modul 1 Warum leben Drogenhändler immer noch bei ihren Müttern? aus Freakonomics, Steven D. Levitt & Stephan J. Dubner Bei einer Prüfung hat sich kürzlich herausgestellt, dass die Polizei in Atlanta seit Beginn der 1990er Jahre die Kriminalität in der Stadt heruntergespielt hat. Die Praxis begann offensichtlich, als Atlanta sich auf die Olympischen Spiele von 1996 vorbereitete. Die Stadt musste ihr gewalttätiges Image loswerden, und zwar möglichst schnell. Also wurden jedes Jahr tausende von Verbrechensanzeigen entweder heruntergestuft von gewalttätig auf nicht gewalttätig, oder sie wurden einfach weggeworfen. In anderen Städten dachte sich die Polizei unterdessen während der 1990er Jahre eine andere Geschichte aus. Das plötzliche, gewaltsame Auftreten von Crack-Kokain sorgte dafür, dass die Polizeistationen im ganzen Land die letzten Ressourcen zusammenkratzten. Sie erklärten öffentlich, dies sei kein fairer Kampf. Die Drogenhändler waren mit modernen Waffen und nahezu unbegrenzten finanziellen Mitteln ausgerüstet. Der ausdrückliche Hinweis auf illegales Geld erwies sich als überaus geschickt, denn nichts versetzte die gesetzestreuen Massen mehr in Wut als die Vorstellung von Crack-Dealern die Millionen scheffelten. Die Medien griffen die Geschichte nur zu gern auf und stellten den Rauschgifthandel als eins der einträglichsten Geschäfte in ganz Amerika dar. Aber wenn man sich ein wenig in den Gegenden umgesehen hat, wo Crack so häufig verkauft wird, dann fällt einem vielleicht etwas seltsames auf: Nicht nur dass die meisten Dealer immer noch in diesen Gegenden wohnten, viele von ihnen streckten auch weiterhin die Füße unter Mutters Tisch. Und dann kratzt man sich vielleicht am Kopf und fragt sich: Warum ist das so?. In Chicago herrschte in den 1990er Jahren ein Bandenkrieg, und in jüngster Zeit hatte es gewalttätige Ausschreitungen und fast täglich Schießereien gegeben. Eine Bande war eine von etwa hundert Unterorganisationen einer übergeordneten Black-Disciples-Organisation. Der Bandenführer einer solchen untergeordneten Bande J.T. musste einem zentralen Führungsgremium Bericht erstatten, dass sich allen Ernstes Vorstand nannte und zahlte diesem fast 20 % seiner Umsätze, für das Recht Crack in einem bestimmten Gebiet verkaufen zu dürfen. J.T. war ein Collegeabsolvent; er hatte im Hauptfach Betriebswirtschaft studiert. Nach dem Examen hatte er in der Marketingabteilung einer Firma gearbeitet, sich dort aber völlig fehl am Platze gefühlt und deshalb gekündigt. Er wusste, wie wichtig es war, Daten zu sammeln und neue Märkte zu finden; er war stets auf der Suche nach besseren Managementstrategien. Mit anderen Worten es war kein Zufall, dass J.T. diese Crackbande anführte. Er war der geborene Chef. Drei Offiziere der Bande erstatteten J.T. regelmäßig Bericht: ein Wächter (der für die Sicherheit der Bandenmitglieder zu sorgen hatte), ein Schatzmeister (der das Barvermögen der Bande verwaltete) und ein Läufer (der große Mengen Drogen und Geld vom und zum Lieferanten transportierte). Diesen drei Unterführern waren die Straßenverkäufer unterstellt, die als Fußsoldaten bezeichnet wurden. Wer zur Infanterie gehörte, träumte davon, eines Tages Offizier zu werden. J.T. konnte zwischen 25 und 75 Fußsoldaten auf seiner Gehaltsliste haben. Ganz unten in J.T.s Organisation waren etwa 200 Mitglieder angesiedelt, die als Basis bezeichnet wurden. Sie waren im Unternehmen nicht fest angestellt, zahlten jedoch Abgaben an die Bande einige zum Schutz vor rivalisierenden Banden, andere in der Hoffnung auf diesem Weg irgendwann eine Festanstellung als Fußsoldaten zu bekommen. J.T. zahlte seinen Angestellten monatlich insgesamt 9500 Dollar, nur 1000 Dollar mehr als sein eigenes offizielles Gehalt. J.T.s Stundenlohn lag bei 66 Dollar, seine drei Offiziere bekamen jeder 700 Dollar im Monat, woraus sich ein Stundenlohn von etwa 7 Dollar ergibt. Und die Fußsoldaten erhielten nur 3,30 Dollar pro Stunde, weniger als den gesetzlichen Mindestlohn. Die Antwort auf die ursprüngliche Frage wenn Drogenhändler so viel Geld verdienen, warum leben sie dann noch bei ihren Müttern? lautet also 11

12 Beispiel-Lernmaterial zu Modul 1 Arbeitsblatt Text: Warum leben Drogenhändler immer noch bei ihren Müttern? 1. Lesen Sie den vorliegenden Text und unterstreichen Sie Unklarheiten! 2. Vervollständigen Sie den nachfolgenden Lückentext und füllen Sie das Organigramm mit Hilfe der Textinformationen aus! Während der 90iger Jahre wurde der als eines der in ganz Amerika dargestellt. Hunderte Drogenbanden waren der untergeordnet. Der so genannte dieser Organisation erhielt von den einzelnen 20% seiner Umsätze. Die diesen unterstellten arbeiten im Monat ca. Stunden. Die, auch genannt, träumen vom Aufstieg zum. Nicht fest angestellt ist die, die ca. Mitglieder umfasst. Vorstand Bande $ /Std. $ /Std. $ /Std. Läufer $ /Std. $ /Std. $ /Std. 3. Warum leben Drogenhändler also noch bei ihren Müttern? 12

13 Einführung ins Rechnungswesen Ein Drama mit drei Aufgaben!? Egon Schmidt ist 63 Jahre alt und hat vor 35 Jahren die Dorfschmiede seines Vaters übernommen. Er selbst hat eine Ausbildung zum Schmied gemacht. Mit der Zeit hat er das metallverarbeitende Unternehmen, das er als Inhaber führt, zu einem Spezialisten im Bereich von Alufenstern und -türen ausgebaut. Das Unternehmen ist mittlerweile führend in der Region und hat insgesamt 39 Angestellte. Thomas Schmidt, 32 Jahre, ist Diplom- Kaufmann. Nach seinem Abschluss war er fünf Jahre bei einem mittelständischen Unternehmen als Assistent der Geschäftsleitung angestellt. Er tritt derzeit neu in das Unternehmen seines Vaters ein, dessen Nachfolge er spätestens in zwei Jahren antreten soll. Sabine Hufnagel ist ausgebildete Bürokauffrau und 42 Jahre alt. Sie arbeitet seit mehreren Jahren halbtags bei Alufenster Schmidt als Buchhalterin. Thomas Schmidt arbeitet nun seit etwa einem Monat im Unternehmen seines Vaters und hatte ausreichend Zeit, um sich den väterlichen Betrieb einmal in aller Ruhe anzuschauen. Mit Ausnahme des Rechnungswesens erscheint ihm alles in bester Ordnung. Beispiel-Lernmaterial zu Modul 2 -Fallstudie- 13

14 Thomas hat zusammen mit Sabine Hufnagel eine Buchhaltungssoftware gekauft und damit begonnen, eine Eröffnungsbilanz mit den Werten der letzten Inventur zu erstellen. Diese sind aus nachfolgender zu entnehmen. A. Vermögen I. Anlagevermögen 1) Gebäude Werkstatt mit Lager Bürocontainer 2) Maschinen Fräse Bohrmaschinen Niet-Automat Kappsägen Glasschneider II. Umlaufvermögen 1) Rohstoffe (Aluminiumprofile, Fensterglas usw.) 2) Hilfsstoffe (Schrauben, Nieten, Kleinteile usw.) 3) Fertige Waren 4) Forderungen 5) Bankguthaben 6) Kassenbestand Außerdem ereignen sich folgende Geschäftsvorfälle im Geschäftsjahr 2007: B. Schulden I. Langfristige Schulden 1) Hypothek, Volksbank Greven 2) Darlehen, Sparkasse Steinfurt II. Kurzfristige Schulden 1) Lieferantenverbindlichkeiten Abb.: Inventar der Firma Alufenster Schmidt per a) Am bestellt eine alte Kundin, Frau Grüner, neue Fenster sowie eine Haustür für Ihr Mehrfamilienhaus. Da es sich nicht um Standardgrößen handelt, werden Sonderanfertigungen zum vereinbarten Verkaufspreis in Höhe von produziert. Dafür werden Aluminiumprofile, Dichtungen und Beschläge mit einem Wert von zusammen sowie Hilfsstoffe im Wert von per Entnahmeschein vom Lager entnommen. Das Fensterglas wird von einem Lieferanten zum Preis von geliefert und von Frau Hufnagel bei Lieferung bar bezahlt. Insgesamt sind für den Auftrag Personalaufwand in Höhe von entstanden. Mit Frau Grüner wurde ein Zahlungsziel von sechs Wochen vereinbart. Der Einbau der Fenster und Tür erfolgt in der Woche zum Beispiel-Lernmaterial zu Modul 2 -Fallstudie- 14

15 b) Kurz darauf zerstört vermutlich ein Kind aus der Nachbarschaft in einem unbeobachteten Moment eine der neuen Fensterscheiben mit einem Ball. Da der Verursacher nicht zu ermitteln ist, ersetzt die Firma Alufenster Schmidt die Scheibe auf eigene Kosten, um den guten Ruf zu pflegen. Dazu wird ein fertiges Fenster im Wert von 500 vom Lager entnommen, das die gleichen Maße aufweist. Anfang September 2007 gleicht Frau Grüner fristgerecht die bestehende Forderung per Banküberweisung aus. Wie auch in den vergangenen Jahren sind im Jahr 2007 für Abschreibungen auf Gebäude und auf Maschinen anzusetzen. Zinsen sind in Höhe von angefallen. c) Der Steuersatz der Unternehmung beträgt 40 %. Sofern nicht anders angegeben, werden alle Beträge von Herrn Schmidt bzw. von Frau Hufnagel per Banküberweisung beglichen. Arbeitsaufgabe 1: Assistieren Sie Schmidt Junior und erstellen Sie zunächst die Eröffnungsbilanz für das Jahr Arbeitsaufgabe 2: Außerdem haben sich im Laufe des Jahres 2007 diverse Geschäftsvorfälle ereignet. Berücksichtigen Sie die Geschäftsvorfälle, bereiten Sie den Jahresabschluss vor und erstellen Sie GuV und Schlussbilanz! Arbeitsaufgabe 3: a) Gehen Sie von den Geschäftsvorfällen des Jahres 2007 aus und helfen sie Schmidt Junior, indem Sie mit einer Liquiditätsrechnung die Ein- und Auszahlungen des Geschäftsjahrs 2007 gegenüberstellen. b) Worin liegt der Unterschied zwischen der Gegenüberstellung von Ein- und Auszahlungen sowie dem Ergebnis der Gewinn- und Verlustrechnung. Jetzt sind Sie gefragt! Die Lösung können Sie direkt im JBS Online-Kurs erarbeiten. Thomas Schmidt zeigt seinem Vater wie schnell eine Buchhaltungssoftware die Ergebnisse liefert. 15

16 Ein Praxisprojekt der JBS: Schülerfirma VitaMinchen Was es bedeutet, in der JBS Praxiserfahrung zu sammeln, konnten alle Besucher des Campus-Festes der TU Dortmund im Sommer 2008 miterleben. Schülerinnen und Schüler hatten im Rahmen der Junior Business School eine Saftbar, das VitaMinchen, ins Leben gerufen. Die Teilnehmenden der JBS bekamen so die Möglichkeit elementare Arbeitsschritte einer Firmengründung und eines Markteintritts an einem konkreten Beispiel unter tutorieller Anleitung durchzuführen. Auf dem Campus-Fest sollte die in der JBS konzipierte Geschäftsidee (einmalig) in die Realität umgesetzt werden und sich zeigen, ob die von den Schülerinnen und Schülern kalkulierten Preise tatsächlich geeignet waren, genug Umsatz zu erzielen, um die Kosten zu decken. Das von der Schülervertretung der Martin-Luther-King- Gesamtschule zur Verfügung gestellte Kapital konnte zurückgezahlt und darüber hinaus ein Gewinn erwirtschaftet werden. 16

17 Die Firmengründung Folgende elementaren Arbeitschritte wurden in den JBS-Tutorien theoretisch besprochen und anhand der Saftbar praktisch umgesetzt: Entwicklung einer Geschäftsidee Namensfindung Rechtsform der Unternehmung Marktforschung Produkt & Sortimentplanung Preiskalkulation, Deckungsbeitragsrechnung Distributionspolitik Umgang mit Kunden Planung der Firmeneröffnung Die Firmeneröffnung Die von den JBS-Teilnehmern VitaMinchen getaufte Saftbar wurde auf dem Campus-Fest der TU-Dortmund (einmalig) mit einem eigenen Stand eröffnet. Frisch gepresster Orangensaft, Obstsalat und frische Erdbeeren lockten den ganzen Tag Kunden an den Verkaufsstand gute Verkaufszahlen ließen schon vor der abschließenden Gewinn- & Verlustrechnung auf einen vollen Erfolg der JBS-Firma schließen. Gewinnverwendung Insgesamt erwirtschafteten die Schülerinnen und Schüler einen Gewinn von 300. Das von der Schule zur Verfügung gestellte Startkapital von 400 konnte zudem vollständig zurückgezahlt werden. Zudem ging der Schule eine Spende zu. Darüber hinaus erhielten alle JBS- Teilnehmenden einen Arbeitslohn für ihr geschicktes unternehmerisches Handeln. 17

18 Ökonomische Bildung & Entrepreneurship Zentrale Begrifflichkeiten, auf die sich die Junior Business School stützt und auf deren Basis die Inhalte der modularen Struktur aufbauen, sind Ökonomische Bildung und Entrepreneurship : Begriff, Inhalte und Ziele der ökonomischen Bildung Versteht man unter ökonomische Bildung jene erzieherischen Maßnahmen, die darauf abzielen, Menschen das Wissen und die Fertigkeiten zu vermitteln, auf Basis derer sie in privaten, betrieblichen und volkswirtschaftlichen Bereichen ökonomische Zusammenhänge verstehen und in ihr Handeln einbeziehen können, wird deutlich, dass sich ökonomische Bildung zwischen den beiden Polen Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftspraxis bewegt. Unter Berücksichtigung einer wirtschaftsdidaktischen Differenz, die dadurch entsteht, dass in der Wissenschaft intersubjektiv nachprüfbare Theorien entwickelt werden, auf deren individuelle Bedeutsamkeit in konkreten, praktischen Handlungssituationen allerdings nicht eingegangen werden kann, verbindet ökonomische Bildung Theorie und Praxis. wirtschaftsdidaktische Differenz Da ökonomische Bildung Menschen befähigen will, sich sowohl auf privater als auch betrieblicher und volkswirtschaftlicher Ebene wirtschaftlich betätigen zu können, erfasst sie inhaltlich mehrere Dimensionen wirtschaftlichen Handelns - Private Haushalte, Unternehmen, Staat, Ausland sowie Wirtschaftsordnung sind hier zu nennen. Dem trägt die Junior Business School Rechnung, indem von einem gesamtwirtschaftlichen Fokus im ersten Modul ausgegangen wird und die betriebliche Ebene sowie privates Handeln in den darauf folgenden Modulen näher beleuchtet werden. Inhalte Übergeordnete Zielsetzung ist der ökonomisch gebildete Bürger, der durch folgende Merkmale charakterisiert werden kann: Fachliche Kompetenz Soziale Kompetenz Flexibilität Internationalität Innovativität Lebenslange Lernbereitschaft Selbständigkeit Selbstbewusstsein Kreativität Verantwortungsbewusstsein Moralische Urteilsfähigkeit Werturteilsfähigkeit Zielsetzung: der ökonomisch gebildete Bürger 18

19 Entrepreneurship Die Zielsetzung, einen mündigen, selbstbewussten, kreativen und innovativen Wirtschaftsbürger zu formen, der sich vielfältig wirtschaftlich betätigen kann u.a. auf der Unternehmensebene - führt auf den Begriff des Entrepreneurs und Entrepreneurship.. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird Entrepreneurship äquivalent gebraucht zu den Begriffen Unternehmergeist und Unternehmertum. Ein Entrepreneur ist demnach ein Mensch, der Marktchancen sowie Wertschöpfungspotentiale erkennt und diese durch Entwicklung sowie Realisierung innovativer unternehmerischer Ideen ausnutzt.. Die Junior Business School trägt der Relevanz dieses Begriffs insbesondere mit der Implementierung des Praxisprojekts Rechnung. Hier werden die jungen Leute zu unternehmerischen Handeln motiviert und bei der Umsetzung konkreter Ideen unterstützt.. Gleichwohl ist Entrepreneurship nur ein Baustein der JBS ökonomische Bildung wie sie auf der vorherigen Seite beschrieben wurde, ist als das Grundgerüst der JBS zu betrachten. Unternehmergeist Entrepreneurship in der JBS Implementierung ökonomischer Bildung in allgemein bildende Schulen Unsere moderne Gesellschaft ist durch eine weitgehende mit der Globalisierung einhergehende Ökonomisierung aller Lebensbereiche gekennzeichnet. So kommen die Menschen nicht nur im Rahmen nahezu jeglicher beruflichen Tätigkeit mit ökonomischen Denk- und Handlungsweisen in Kontakt, sondern sind auch täglich als Privatpersonen gefordert, sich wirtschaftlich zu betätigen. Auf eine selbstverantwortliche und verantwortungsbewusste Teilhabe an unserer Gesellschaft werden die jungen Menschen in unserem Bildungssystem vorbereitet. Auf Grund der erwähnten Ökonomisierung der Gesellschaft ist für eine angemessene Vorbereitung somit die Implementierung ökonomischer Bildung in das gesamte Bildungssystem unerlässlich, um den jungen Menschen die Chance zu geben, sich nach ihrer Schullaufbahn in einem stark ökonomisierten Umfeld zu behaupten. Notwendigkeit ökonomischer Bildung Die Junior Business School trägt dazu einen Teil bei, indem sie ökonomische Bildung in allgemein bildenden Schulen integriert. 19

20 Interesse? Fragen? Anregungen? Kontakt Univ.-Prof. Dr. Andreas Liening Technische Universität Dortmund Wirtschaftswissenschaft und ihre Didaktik Otto-Hahn Str. 6 D Dortmund Tel.: +49 (0) Fax.:+49 (0) URL: Ansprechpartner: MScBM Ewald Mittelstädt Tel.: +49 (0)

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