Hans-Jürgen Eysenck: PEN-Theorie. Dresden,

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1 Hans-Jürgen Eysenck: PEN-Theorie Dresden,

2 Gliederung 1. Einleitung 2. Biografie Hans-Jürgen Eysenck 3. Definition Temperament 4. Grundlagen der PEN-Theorie 5. Hierarchisches Modell der Persönlichkeit 6. Dimensionen der Persönlichkeit 7. Messinstrumente 8. Anwendungsbeispiele 9. Kritik 10. Literatur

3 1. Einleitung Persönlichkeit ist die mehr oder weniger feste und überdauernde Organisation des Verhaltens, des Temperaments, des Intellekts und der Physis eines Menschen, die seine einzigartige Anpassung an die Umwelt determiniert (ältere Definition, Eysenck 1953) Persönlichkeit ist eine große Menge von Eigenschaften (Soziabilität, Impulsivität, Aktivität, Launenhaftigkeit usw.), die in gewissen Bündeln (Clustern) zusammenhängen; diese Bündel sind die empirische Basis für Konzepte höherer Ordnung (jüngere Definition; Eysenck 1976) Wissenschaft von der Persönlichkeit zwei verbundene Aufgaben: 1. Deskription 2. Erklärung

4 2. Biografie Geboren 1916 in Berlin Eltern: Schauspieler, Scheidung Eysenck zwei Jahre alt Von da an bei Großmutter in London aufgewachsen Schulzeit wieder in Berlin verbracht 1930 Internat auf Isle of Wight 1934 (18 J.) Flucht aus nationalsozialistischen Dtld. Zunächst nach Frankreich (Dijon): Studium Literatur und Geschichte Fortsetzung Studium in England (Exeter)

5 2. Biografie 1935 Studium der Psychologie in London 1940 PhD.: Dissertation Psychology of Aesthetics Nach II. WK Leiter der psychologischen Abteilung im Maudsley Hospital 1950 Leiter des neu gegründeten Psychiatrischen Instituts der University of London Bis 1984 Lehre Professur für Psychologie London University 1980 Begründer Zeitschrift Personality and Individual Differences 1983 Begründer International Society for the Study of Individual Differences

6 2. Biografie Im Laufe akademischer Karriere mehrere Veröffentlichungen 70 Bücher und über 700 Zeitschriftenartikel Wissenschaftliche Themen: Persönlichkeit und Intelligenz Verhaltensgenetik Verhaltenstherapie Gesundheitspsychologie Parapsychologie 1997 verstorben

7 3. Definition Temperament Lt. Lexikon der Psychologie: Mehr oder weniger typisch ausgeprägte, gleichbleibende, seelische Reaktionsweise eines Menschen, vor allem in Bezug auf Stimmung, Ansprechbarkeit, Gefühlsausdruck und Tempo der seelischen Abläufe Großer Teil Verhaltensdispositionen bezieht sich auf Form des Verhaltens Wie verhält sich jemand? Formaspekte des Verhaltens: Sensitivität gegenüber Reizen,Intensität von Reaktionen oder Regulation von internen Zuständen individuelle Besonderheit in diesem Bereich des Verhaltens bezeichnet als Temperament

8 3. Definition Temperament ROTHBARTH & BATES (1998): Individuelle Besonderheit beziehe sich immer auf die Drei A der Persönlichkeit : Affekt Aktivierung Aufmerksamkeit EYSENCK, ZUCKERMANN & GRAY: Versuch Temperamentsmerkmale durch ihre Nähe zu physiologischen Prozessen zu charakterisieren Begründung: Reaktivität, Intensität und Regulation auch physiologische Konzepte

9 4. Grundlagen der PEN-Theorie Arbeit beeinflusst durch: Methodologische Fortschritte in der statistischen Technik Faktorenanalyse Arbeiten europäischer Psychologen, die Persönlichkeitstypen untersuchten (insbesondere Jung und Kretschmer) Forschung über Vererbung psychologischer Merkmale Experimentelle Arbeit über klassische Konditionierung (Pawlow)

10 4. Grundlagen der PEN-Theorie Guilford & Cattell sammeln Aussagen über die Persönlichkeit und klassifizieren sie (induktives Vorgehen) Dagegen Eysenck: 1. Formulierung Theorie über die Persönlichkeit 2. Herleitung Hypothesen 3. Überprüfung dieser Hypothetisch-deduktive Methode Führt alle Dimensionen der Persönlichkeit letztlich auf physiologische Prozesse und Determinanten zurück

11 4. Grundlagen der PEN-Theorie Integration verschiedener Ansätze JUNG: Übernahme Konzepte: Extraversion vs. Neurotizismus Dabei Berufung auf zwei Sachverhalte: 1. Krankheitsformen 2. Einstellungstypen KRETSCHMER Übernimmt Sachverhalt, den er unter Psychotizismus zusammenfasst Kretschmer Annahme: Normalität und psychotische Erkrankung nicht scharf getrennt Vorstellung eines Kontinuums ANTIKE: Vier Temperamente PAWLOW & HULL Erregung vs. Hemmung

12 5. Hierarchisches Modell der Persönlichkeit Persönlichkeit hierarchisch aufgebaut Im Verhalten unterscheidet er vier Ebenen Mit steigendem Niveau finden sich: 1. Spezifische Verhaltensweisen 2. Gewohnheiten 3. Traits 4. Typen

13 5. Hierarchisches Modell der Persönlichkeit

14 5. Hierarchisches Modell der Persönlichkeit Spezifische Reaktion: unterste Ebene (specific response) Verhaltensweisen, die nur einmal beobachtet werden in experimentellen oder alltäglichen Situationen Für Individuum charakteristisch oder auch nicht

15 5. Hierarchisches Modell der Persönlichkeit Gewohnheiten: Kennzeichnen die zweite Ebene (habitual responses) Verhaltensweisen, die Minimum an Stabilität aufweisen in ähnlichen Situationen reagiert Individuum auf gleiche Weise Grad der Konsistenz lässt sich messen in Reliabilitätskoeffizienten

16 5. Hierarchisches Modell der Persönlichkeit Persönlichkeitszüge (traits): Bilden die dritte Verhaltensebene Theoretische Konstrukte, die sich aus der Interkorrelation verschiedener Gewohnheiten ergeben Faktorenanalyse: Faktoren erster Ordnung

17 5. Hierarchisches Modell der Persönlichkeit Typen (general types): Vierte Ebene Beruhen wie traits auf Interkorrelationen In diesem Fall auf Interkorrelation verschiedener Persönlichkeitszüge Beispielsweise bilden Impulsivität, Soziabilität, Aktivität und Risikoverhalten ein Muster von Wesenszügen, die miteinander korrelieren formieren so theoretisches Konstrukt höherer Ordnung Typus des Extravertierten Faktoranalyse: Faktor zweiter Ordnung

18 5. Hierarchisches Modell der Persönlichkeit Allgemeine Faktor Gruppenfaktor Spezifischer Faktor Fehlerfaktor

19 6. Dimensionen der Persönlichkeit

20 6. Dimensionen der Persönlichkeit Traits für den Typen Extraversion

21 6. Dimensionen der Persönlichkeit Traits für den Typen Neurotizismus

22 6. Dimensionen der Persönlichkeit Traits für den Typen Psychotizismus

23 7. Messinstrumente Sowohl Neurotizismus als auch Extraversion/Introversion mit Hilfe von Verhaltensbeurteilung und objektiven Tests identifiziert Vielzahl von Fragebögen entwickelt um individuelle Ausprägung Dimensionen E, N und P sowie die Lügentendenz (L) zu erfassen Beispiele: Für Neurotizismus Maudsley Medical Questionaire (MMQ) Für beide Dimensionen Maudsley Personality Inventory Eysenck Personality Questionaire (EPQ)

24 7. Messinstrumente EPQ: Erweiterung des Messbereiches durch Hinzufügen Psychotizismus-Skala 90 Items (21 für E/I, 23 für N, 25 für P, 21 für L) Beispielitems E: Sind Sie sehr gesprächig? Sind Sie ziemlich lebhaft? Macht es Ihnen Spaß, waghalsige oder tollkühne Dinge zu tun?

25 7. Messinstrumente Beispielitems N: Wechselt Ihre Stimmung oft? Sind Sie leicht reizbar? Sind Ihre Gefühle leicht verletzt? Beispielitems P: Tun Sie gerne schon mal jemanden weh, den Sie mögen? Sind Sie immer höflich auch zu unangenehmen Leuten? Ist erst denken, dann handeln Ihr Grundsatz?

26 7. Messinstrumente EPQ: Im Manual finden sich: 1. Itemkennwerte nur für P in Gestalt Faktormatrix 2. Angaben zu Reliabilität 3. Keine Angaben zur Validität 4. Normen für verschiedene Gruppen

27 8. Anwendungsbeispiele Kriminalität Nach Eysenck abweichendes, delinquentes oder gar kriminelles Verhalten Folge von unzureichenden Konditionierungsprozessen mangelhafte Ausbildung eines Gewissens von hinlänglicher Stärke EYSENCK & EYSENCK: Extravertierte lernen schlechter sie neigen besonders bei zugleich hohen Neurotizismuswerten eher zu sozial abweichenden Verhalten als Introvertierte Ca Personen getestet (Gefangene/Kontrollgruppe) Problem: Situation und Empfinden (Isolierung/Beschämung) der Gefangenen

28 8. Anwendungsbeispiele Mittelwertsdifferenzen zwischen Gefangenen und Kontrollperson in der E- Skala nur bei älteren Probanten Konsistente Unterschiede N-und P-Skalen in allen Altersgruppen

29 8. Anwendungsbeispiele Studie Rother: Vermeidet Nachteile von früheren Untersuchungen Zusammenhang abweichendes Verhalten und Persönlichkeitsmerkmalen Nur solche Personen aufgenommen, welche zwar abweichendes Verhalten, aber keine Sanktion mit Gefängnis Vergleich Erst- und Rückfalltätern Beantworteten neben Interview Fragen, die sich auf Güte der Sanktion bezogen

30 8. Anwendungsbeispiele Einstellung zu Politik, Sexualität und Drogen Ausgehend von angenommenen stärkeren Hemmungsprozessen bei E auch für diese Verhaltensbereiche aktive Suche nach Stimuli postuliert Im Einstellungsbereich geringere soziale Haltungen durch unzulänglich ablaufende Konditionierungsprozesse Tough Mindedness vs. Tender-Mindedness Möglicher Stimuli: Nikotin oder Sex E: Neigung zu Drogen und variantenreiche Sexualgewohnheiten mit wechselnden Partnern

31 8. Anwendungsbeispiele LYNN & HAMPSON (1975): Erhebung 12 Kriterien, die ihrer Ansicht nach aussagekräftig für durchschnittliche Ausprägung von N und E (z.b.: Alkoholismus, Selbstmordrate, Scheidungsrate usw.)

32 8. Anwendungsbeispiele Überprüfung Dimension Extraversion/Intraversion (Watson/Clark, 1997) Introvertierte Schmerzempfindlicher Schnelleres Ermüden Aufregung stört Leistung Vorsichtiger und langsamer Bessere Schulleistungen Wenig Bedürfnis nach Neuem Intellektuelle Witze bevorzugt Sexuell weniger aktiv Weniger beeinflussbar Extrovertierte Aufregung erhöht Leistung Langsames Ermüden Risikobereiter Berufe mit Interaktion Suche nach Abwechslung Sexueller/aggressiver Humor Sexuell aktiver (Häufigkeit/Partnerwechsel) Leicht beeinflussbar

33 8. Anwendungsbeispiele Studie über Hyperventilations-Epedemie (Moss/Mc Evedy, 1996): Veranschaulichung Beeinflussbarkeit E und I Ohnmachtsanfälle/Schwindelgefühl zunächst in Maßen Dann regelrechter Ausbruch ähnlicher Beschwerden Betroffene Mädchen sowohl bei Neurotizismus als auch bei Extraversion höhere Punktwerte Persönlichkeit am meisten für Einfluss von Suggestionen prädisponiert

34 8. Anwendungsbeispiele Untersuchung über Studiengewohnheiten von E und I: Persönlichkeitsunterschiede mit unterschiedlichen Lernpräferenzen verbunden? Übereinstimmung mit Eysencks Theorie: 1. E benötigen Stimulus von außen (Bibliothek) 2. E häufiger Pausen während Lernen 3. E bevorzugen eine lebhafte Umgebung

35 9. Kritik Versuch Anpassung eigene Theorie aktuellen Forschungsergebnisse Fülle an Untersuchungen Frühe Festlegung drei Persönlichkeitstypen und Postulat ihrer Unabhängigkeit Unstrittig E und N, P fragwürdig (ausreichend um Persönlichkeit zu beschreiben?) Fragwürdig empirischer Gehalt sowie Umfang der Traits

36 9. Kritik alternative Modelle immer abgelehnt dynamische Prozesse und Umwelteinflüsse außer acht gelassen keinerlei Langzeitstudien Verlass auf Fragebogen ohne Berücksichtigung Fragebogenproblematik Trotz Kritik: stellt Eysencks zweidimensionales Klassifikationssystem bis in die Gegenwart einen wesentlichen Bestandteil mehrerer Persönlichkeitstheorien dar

37 10. Literatur Amelang, M. & Bartussek, D. (2006): Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung., 6. Aufl., Stuttgart: Kohlhammer., S Asendorf, J.B. (2007): Psychologie der Persönlichkeit., Berlin: Springer., S Fisseni, H.-J. (1996): Persönlichkeitspsychologie. Ein Theorienüberblick., Göttingen: Hogrefe., S Pervin, L.A., Cervone, D. & John, O.P. (2005): Persönlichkeitstheorien., 5. Aufl., München: Reinhardt., S Schmitt, M & Altstötter-Gleich, C. (2010): Differentielle Psychologie und Persönlichkeitspsychologie kompakt., 1.Aufl., Beltz Psychologie Verlags Union., S

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