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1 RATGEBER Leitfaden zur umweltfreundlichen öffentlichen Beschaffung von 1 Leitfaden Voice over IP-Telefone1

2 Hinweis: Dieser Leitfaden basiert auf den Kriterien des Blauen Engels für schnurgebundene Voice over IP-Telefone (RAL-UZ 150), Ausgabe Juni Trotz sorgfältiger Prüfung sämtlicher Angaben des Leitfadens können Fehler nicht mit letzter Sicherheit ausgeschlossen werden. Die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität des Inhalts ist daher ohne Gewähr. Eine Haftung des Herausgebers auch für die mit dem Inhalt verbundenen potentiellen Folgen ist ausgeschlossen. Wir erlauben das Kopieren sowie die sonstige Nutzung aller in diesem Leitfaden enthaltenen Inhalte, sofern sie nicht verfälscht oder auf sonstige missbräuchliche Art und Weise genutzt werden.

3 Inhalt 1. Einleitung 5 2. Verwendung des Leitfadens 5 3. Geltungsbereich 6 4. Begriffe und Regelungen 6 5. Anforderungen an die Geräte Umweltbezogene Anforderungen Materialanforderungen an die Kunststoffe der Gehäuse und Gehäuseteile Display Biozides Silber Leiterplatten Elektronische Bauelemente Energieverbrauch und Leistungsaufnahme Powermanagement Langlebigkeit Reparatursicherheit Erweiterungsfähigkeit Recyclinggerechte Konstruktion 13 3 Leitfaden Voice over IP-Telefone

4 5.3 Spezielle Anforderungen an die Geräte Sicherheit (Protokolle) Sprachqualität Administration und Geräte management Nachweise Angebotswertung 15 Anlage: Kriterienkatalog für die umweltfreundliche Beschaffung von schnurgebundenen Voice over IP-Telefonen 16 4 Leitfaden Voice over IP-Telefone

5 1. Einleitung Voice over IP-Telefone ersetzten in Büroanwendungen zusehends analoge oder ISDN-Telefonanlagen. Sie bieten deutlich mehr Funktionen und ermöglichen mit dem Anschluss an vorhandene Datennetze einen kostengünstigen Betrieb. Voice over IP (kurz VoIP) steht für Internet- Protokoll-Telefonie und ist das Telefonieren über Computernetzwerke, die nach Internet-Standards aufgebaut sind. Neben der Grundfunktion der Telefonnutzung verfügen VoIP-Telefone häufig über zusätzliche Funktionen zur Bereitstellung weiterer Kommunikationsmedien ( , Internet) und kommunikationsunterstützender Informationen (Anrufermerkmale, Kundendaten, Gesprächshistorie usw.). Durch die Integration zusätzlicher Hardund Software können weitere Zusatzfunktionen bereitgestellt werden (zum Beispiel Kamera für Videokonferenzen, Software für Türöffnersysteme). Dieses Mehr an Funktionen hat leider auch zur Folge, dass VoIP-Telefone im Vergleich zu herkömmlichen ISDN- oder Analog-Telefonen einen höheren Energieverbrauch aufweisen. Die Minimierung des Energieverbrauchs der Telefone ist daher ein wichtiges Umweltschutzziel, um die Energieressourcen zu schonen und das Klima zu schützen. Zur Minderung von Umweltauswirkungen sollte bei der Beschaffung auf Energieeffizienz, Schadstoffarmut, Langlebigkeit und hohe Qualität der Produkte geachtet werden. 2. Verwendung des Leitfadens Der Leitfaden selbst enthält die für öffentliche Auftraggeber wesentlichen Informationen und Empfehlungen für die Einbeziehung von Umweltaspekten in die Vergabe- und Vertragsunterlagen. Der separat unter veröffentlichte Kriterienkatalog für die umweltfreundliche Beschaffung von schnurgebundenen Voice over IP-Telefonen ist als Anlage zum Leistungsverzeichnis gedacht. Damit genügt hinsichtlich der Umweltanforderungen an den Auftragsgegenstand ein Verweis im Leistungsverzeichnis, um der vergaberechtlichen Vorgabe Rechnung zu tragen, die Leistung eindeutig und erschöpfend zu beschreiben. 1 1 Vgl. 7 Abs. 1 VOL/A bzw. 8 Abs. 1 VOL/A-EG: Die Leistung ist eindeutig und erschöpfend zu beschreiben, so dass alle Bewerber die Beschreibung im gleichen Sinne verstehen müssen und dass miteinander vergleichbare Angebote zu erwarten sind (Leistungsbeschreibung). Aus 8 Abs. 5 VOL/A-EG folgt zudem, dass Spezifikationen aus Umweltzeichen unter bestimmten Voraussetzungen verwendet werden dürfen. Ein bloßer Verweis auf diese Kriterien ist daher zumindest für den Oberschwellenbereich unzulässig. So zuletzt auch der Europäische Gerichtshof auf Grundlage von Art. 23 Abs. 6 RL 2004/18/EG in seiner Entscheidung vom 10. Mai 2012 in der Rs. C-368/10 Kommission./. Niederlande (siehe a.a.o. Rn. 112). 5 Leitfaden Voice over IP-Telefone

6 3. Geltungsbereich Dieser Leitfaden gilt für Telefone, die über Ethernet-Kabel zum Telefonieren über IP-Technologie (IP=Internet Protokoll) geeignet sind - für das Telefonieren über Computernetzwerke, die nach Internetstandards aufgebaut sind. Das müssen schnurgebundene Telefone, bei denen der Hörer fest mit dem Gerät verbunden ist, sein. 4. Begriffe und Regelungen Deep sleep mode (Schlafzustand) : Im Telefon muss eine unmittelbare Anruferkennung möglich sein, alle anderen Funktionen des Gerätes müssen ausgeschaltet sein. Der Schlafzustand muss im Gerät einstellbar sein. Low power mode (Energiesparzustand) : Das Telefon versetzt sich nach einer programmierten Zeit automatisch in den Energiesparzustand und alle nicht benötigten Verbraucher sind ohne Funktion. Das Gerät muss Anrufe unmittelbar erkennen können und für ausgehende Anrufe in maximal 0,5 Sekunden bereit sein. Ready mode On-Hook (Bereitschaftszustand) : Das Telefon befindet sich mit aufgelegtem Hörer im Ruhezustand, aus dem heraus es durch Inanspruchnahme einer Funktion sogleich aktiviert (active mode, siehe unten) werden kann. Im Bereitschaftszustand stellt das Gerät ein reduziertes Set an Funktionen zur Verfügung. (Beispiel: Abschaltung von Display- Hintergrundbeleuchtung und weiteren Zusatzverbrauchern). Active mode Active Call (Anrufzustand) : Das Telefon befindet sich im aktiven Anruf- bzw. Gesprächsmodus. Im Anrufzustand wird zwischen Freisprechmodus und Hörermodus unterschieden. Active mode Ringing (Rufzustand) : Während des Läutens des Telefons werden ankommende Anrufe angezeigt. Biozid : Biozid-Wirkstoffe sind Stoffe mit allgemeiner oder spezifischer Wirkung auf oder gegen Schadorganismen, die zur Verwendung als Wirkstoff in Biozid-Produkten bestimmt sind. Als derartige Stoffe gelten auch Mikroorganismen einschließlich Viren oder Pilze mit entsprechender Wirkung und Zweckbestimmung. 2 Beryllium gehört zu den Stoffen, die als karzinogen, mutagen oder repro- 2 Online im Internet: URL: ( ) [html- Dokument] 6 Leitfaden Voice over IP-Telefone

7 duktionstoxisch der Kategorie 1 oder Kategorie 2 der CMR-Stoffe eingestuft sind. 3 Es wird als Legierung in stromführenden Federn und in Sockeln integrierter Schaltkreise eingesetzt. EG-Verordnung 1272/2008 regelt die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen. Diese Verordnung soll ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und für die Umwelt sicherstellen sowie den freien Verkehr von chemischen Stoffen, Gemischen und bestimmten spezifischen Erzeugnissen gewährleisten und gleichzeitig Wettbewerbsfähigkeit und Innovation verbessern. 4 GHS-Verordnung (Global Harmonization System) ergänzt die REACH- Verordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe. Die internationalen Regeln zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von gefährlichen Chemikalien gelten dann auch in der EU. Durch das GHS-System wird sichergestellt, dass dieselben Gefahren überall auf der Welt einheitlich gekennzeichnet werden. Dies wird den Handel erleichtern und den Gefahrenschutz erhöhen. 5 REACH-Verordnung : Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. Dezember REACH ist die Europäische Chemikalienverordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe. Sie ist seit 2007 in Kraft und soll ein hohes Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt sicherstellen. Sie soll gleichzeitig den freien Verkehr von Chemikalien auf dem Binnenmarkt gewährleisten und Wettbewerbsfähigkeit und Innovation fördern. REACH beruht auf dem Grundsatz, dass Hersteller, Importeure und nachgeschaltete Anwender die Verantwortung für ihre Chemikalien übernehmen: Sie müssen sicherstellen, dass Chemikalien, die sie herstellen und in Verkehr bringen, sicher verwendet werden. Das Kürzel 3 Karzinogene, mutagene, reproduktionstoxische (CMR) und andere problematische Stoffe in Produkten Identifikation relevanter Stoffe und Erzeugnisse, Überprüfung durch Messungen, Regelungsbedarf im Chemikalienrecht (Texte Nr. 18/2011, Hrsg. UBA 2011). Online im Internet: URL: karzinogene-mutagene-reproduktionstoxische-cmr ( ) [html-dokument] 4 Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, zur Änderung und Aufhebung der Richtlinien 67/548/EWG und 1999/45/EG und zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006, Anhang VI Harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung für bestimmte gefährliche Stoffe, Teil 3: Harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung Tabellen, Tabelle 3.2. Online im Internet: URL: ( ) [PDF-Datei]. Die Liste der harmonisierten Einstufung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe aus Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG, kurz: GHS-Verordnung in der jeweils gültigen Fassung. Online im Internet: URL: ( ) [html-dokument]. Die GHS-Verordnung (Global Harmonization System), die am in Kraft getreten ist, ersetzt die alten Richtlinien 67/548/EWG und 1999/45/EG. Danach erfolgt die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung für Stoffe bis zum 1. Dezember 2010 gemäß der RL 67/548/EWG (Stoff-RL) und für Gemische bis zum 1. Juni 2015 gemäß der RL 1999/45/EG (Zubereitungs-RL). Abweichend von dieser Bestimmung kann die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung für Stoffe und Zubereitung bereits vor dem 1. Dezember 2010 bzw. 1. Juni 2015 nach den Vorschriften der GHS-Verordnung erfolgen, die Bestimmungen der Stoff-RL und Zubereitungs-RL finden in diesem Fall keine Anwendung. 5 Online im Internet: URL: ( ) [html-dokument] 7 Leitfaden Voice over IP-Telefone

8 REACH leitet sich aus dem englischen Titel der Verordnung ab: Regulation concerning the Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of CHemicals. Die REACH-Verordnung gilt als eines der strengsten Chemikaliengesetze der Welt. 5. Anforderungen an die Geräte 5.1 Umweltbezogene Anforderungen Materialanforderungen an die Kunststoffe der Gehäuse und Gehäuseteile Kriterium: Ausschluss Nachweis: Herstellererklärung Gehäusekunststoffe sind nicht aus halogenhaltigen Polymeren (zum Beispiel PVC). Ferner sind keine chlor- oder bromhaltigen Flammschutzmittel in Gehäusekunststoffteilen > 25 g zugesetzt. Stoffe, die nach der Verordnung EG Nr.1272/2008 Anhang VI mit den folgenden Gefährlichkeitsmerkmalen eingestuft sind, dürfen den Kunststoffen für Gehäuse (Teile > 25 g) nicht zugesetzt sein. Karzinogene Stoffe der Kategorien 1A, 1B Keimzellmutagene Stoffe der Kategorien 1A, 1B Reproduktionstoxische Stoffe der Kategorien 1A, 1B Display Kriterium: Ausschluss Nachweis: Herstellererklärung Die Hintergrundbeleuchtung des Displays darf kein Quecksilber enthalten. Die Flüssigkristallmischungen dürfen nicht entsprechend der Kategorie 1, 2 oder 3 des Anhang VI der EG-Verordnung 1272/2008 eingestuft sein als: krebserzeugend erbgutverändernd fortpflanzungsgefährdend oder nach dem aktuellen Anhang VI der EG-Verordnung 1272/2008 als: giftig sehr giftig Biozides Silber Kriterium: Ausschluss Nachweis: Herstellererklärung Die Systeme dürfen keine biozid wirkenden Silberionen enthalten. 8 Leitfaden Voice over IP-Telefone

9 5.1.4 Leiterplatten Kriterium: Ausschluss Nachweis: Herstellererklärung Dem Trägermaterial der Leiterplatten dürfen keine Chlorparaffine zugesetzt sein Elektronische Bauelemente Kriterium: Ausschluss Nachweis: Herstellererklärung Die elektronischen Bauteile dürfen kein Beryllium und keine Beryllium-Verbindungen enthalten Energieverbrauch und Leistungsaufnahme Kriterium: Ausschluss Nachweis: Prüfprotokoll eines nach DIN EN ISO/EC akkreditierten Prüfinstituts oder Herstellererklärung Die Geräte werden anhand der maßgeblich energierelevanten Bauteile in vier Produktklassen eingeteilt (Klasse 1-4, gemäß Tabelle 1). Innerhalb jeder Klasse wird zwischen der Leistungsfähigkeit der Switches unterschieden, die unterschiedliche Netzbandbreiten unterstützen. Der Energieverbrauch der klassierten Geräte muss kleiner oder gleich der in der Tabelle 1 genannten Werte sein (siehe Kapitel 7 bzgl. Angebotswertung). Der Jahreslastzyklus, der den Energieverbrauchswerten zugrunde liegt, wird in Tabelle 2 beschrieben. 6 DIN EN ISO/IEC 17025: : Allgemeine Anforderungen an die Kompetenz von Prüf- und Kalibrierlaboratorien (ISO/IEC 17025:2005); Deutsche und Englische Fassung EN ISO/IEC 17025:2005 Online im Internet : URL: ( ) [html- Dokument] 9 Leitfaden Voice over IP-Telefone

10 Tabelle 1: Übersicht der Produktklassen und des Energieverbrauchs Obligatorische Funktionen der Geräteklassen und Mindestanzahl der Zusatzfunktionen Geräteklasse/ Komponente Klasse 1 Klasse 2 Klasse 3 Klasse 4 Zusätzlicher Ethernet- Anschluss (Switch) optional obligatorisch obligatorisch obligatorisch Schwarz-Weiß-Display obligatorisch obligatorisch optional optional obligatorisch obligatorisch Farbdisplay + 2 Zusatzfunktionen + 3 oder 4 Zusatzfunktionen + 5 oder mehr Zusatzfunktionen Breitband Codec optional optional optional optional Freisprecheinrichtung optional optional optional optional USB-Anschluss (Host Interface) optional optional optional optional Video optional optional optional optional Touch Screen optional optional optional optional Bluetooth optional optional optional optional WLAN optional optional optional optional Maximaler Energieverbrauch bei vorgegebenem Jahres-Lastzyklus Jährlicher Energie - verbrauch in kwh (Ethernet-Netzbandbreite 22,8 28,0 36,8 42,0 10/100 MBit/s) Jährlicher Energieverbrauch in kwh (Ethernet-Netzbandbreite 1 GBit/s) 35,9 42,9 52,6 56,1 10 Leitfaden Voice over IP-Telefone

11 Tabelle 2: Aufbau des Lastzyklus zur Berechnung des jährlichen Energieverbrauchs 7 Betriebszustände Messwert [W] F e i e r - tage Summe Jahr Anteil Wochenende Urlaubstage Arbeitstage Tage im Modus Schlafzustand P dsm 24,0 h 24,0 h 0,0 h 0,0 h h 30,4 % Energiesparzustand P esm 0,0 h 24,0 h 15,8 h h 48,6 % 48,6 % Bereitschaftszustand P b 0,0 h 0,0 h 0,0 h 7,0 h h 17,9 % Anrufzustand P ah 0,0 h 0,0 h 0,0 h 0,6 h 134 h 1,6 % Hörermodus Anrufzustand Freisprechmodus P af 0,0 h 0,0 h 0,0 h 0,4 h 90 h 1,0 % Rufzustand P r 0,0 h 0,0 h 0,0 h 0,2 h 45 h 0,5 % Summe Jahr h 100 % 7 Die Werte beziehen sich auf den Anhang 1 zur Vergabegrundlage RAL UZ 150 Voice ober IP-Telefone Ausgabe Juni Leitfaden Voice over IP-Telefone

12 5.1.7 Powermanagement Kriterium: Ausschluss Nachweis: Herstellererklärung und/ oder Produktinformationen (Bedienungsanleitung) Das Powermanagement steht für eine optimale Energieeffizienzsteuerung, die bei den Geräten in jedem Betriebszustand zur Verfügung stehen muss. Das Gerät muss aus dem Bereitschaftszustand (Ready mode on Hook ) während einer definierten Zeit ohne Aktivität automatisch in einen energieeffizienten Energiesparzustand (Low power mode) wechseln. Während dieser Zeit sind alle nicht benötigten Funktionen (z. B. Displaybeleuchtung oder Displayanzeige) deaktiviert. Bei Lieferung wechselt das Gerät als Werkseinstellung nach maximal 5 Minuten in den Energiesparzustand. Die Zeit bis zum Erreichen des Energiesparzustand muss durch den Benutzer einstellbar sein. Die Helligkeit des Displays muss durch den Benutzer für den Bereitschafts- und den Aktivzustand einstellbar sein oder durch die Umgebungshelligkeit geregelt werden. Bei Auslieferung des Gerätes ist als Werkseinstellung im Energiesparzustand die Displaybeleuchtung ausgeschaltet. Für alle anderen Zustände ist die Displaybeleuchtung bei der Lieferung auf eine niedrige Stufe eingestellt. 5.2 Langlebigkeit Reparatursicherheit Kriterium: Bewertung Nachweis: Herstellererklärung und/ oder Produktinformationen (Bedienungsanleitung) Die Ersatzteilversorgung für die Reparatur der Geräte und die zur Reparatur notwendige Infrastruktur ist für mindestens 5 Jahre ab Produktionseinstellung garantiert und über die Sicherstellung der Verfügbarkeit wird informiert. Unter zu ersetzenden Teilen sind solche Teile zu verstehen, die typischerweise im Rahmen der üblichen Nutzung eines Produktes ausfallen können. Andere, regelmäßig die durchschnittliche Lebensdauer des Produktes überdauernde Teile müssen nicht als Ersatzteile vorgehalten werden Erweiterungsfähigkeit Kriterium: Bewertung Nachweis: Herstellererklärung und/ oder Produktinformationen (Bedienungsanleitung) Software-Update und grundlegende Funktionserweiterungen müssen z. B. über FTP/ TFTP (File Transfer Protocol/Trivial File Transfer Protocol) möglich sein. Die Einstellregler für Ruftonlautstärke und alle sonstigen Einstellregler sind als Werkseinstellung auf Mittelstellung (max. 50 %) eingestellt. 12 Leitfaden Voice over IP-Telefone

13 5.2.3 Recyclinggerechte Konstruktion Kriterium: Bewertung Nachweis: Herstellererklärung und/ oder Produktinformationen (Bedienungsanleitung) Die Geräte sollen recyclinggerecht konstruiert sein. Dazu zählt: Leichte Zerlegbarkeit, damit Gehäusekunststoffe und Metalle als Fraktionen von Materialien anderer funktioneller Einheiten getrennt und nach Möglichkeit verwertet werden können. Die Gestaltung der Geräte erfordert, dass im Fachbetrieb eine Zerlegung durch intelligent gestaltete Verbindungskonstruktion unterstützt wird oder mit gängigen Werkzeugen vorgenommen werden kann. 5.3 Spezielle Anforderungen an die Geräte Sicherheit (Protokolle) Kriterium: Ausschluss Nachweis: Herstellererklärungen und/ oder Produktinformationen (Bedienungsanleitung) Die Übertragungssicherheit wird durch die folgenden Standards oder gleichwertige Standards gewährleistet: Verschlüsselung des Sprachkanals: SRTP Verschlüsselung des Signalisierungskanals: TLS Sprachqualität Kriterium: Bewertung Nachweis: Herstellererklärung und/ oder Produktinformationen (Bedienungsanleitung) Für eine gute Sprachqualität sind die nachstehenden Qualitätsstandards obligatorisch für alle Geräteklassen, soweit nicht anders angegeben: Acoustic Echo Cancellation (Echo Unterdrückung im akustischen Pfad des Hörers und beim Freisprechen) Comfort Noise (Vermeidung des Eindrucks von toten Leitungen bei Sprachpausen) Packet Loss Concealment (intelligentes Einfügen von errechneten fehlenden Sprachdaten bei Paketdatenverlust) Full-Duplex Freisprech-Unterstützung (bei Basis-Geräteklasse optional) Übertragenes Sprachspektrum und Codec-Unterstützung Wideband/High definition Audio (>= 7 khz. B.ndbreite) Unterstützte Codecs z. B: G.722 (bei Basis-Geräteklasse optional) Standardbandbreite (Bandbreite 4kHz) Unterstützte Codecs z. B.: G.711, sowie G.729 für die Kompression bei der Signalübertragung 13 Leitfaden Voice over IP-Telefone

14 5.3.3 Administration und Gerätemanagement Kriterium: Ausschluss Nachweis: Herstellererklärung und/ oder Produktinformationen (Bedienungsanleitung) Das Gerät muss über die grundlegenden Netzwerkstandards verfügen, um die Funktionalität in allen Netzwerken zu garantieren. 6. Nachweise Der Nachweis für die Einhaltung der geforderten Kriterien kann abhängig vom jeweiligen Kriterium durch Prüfprotokolle, Herstellererklärungen und/oder Produktinformationen (Bedienungsanleitung) erbracht werden. Vom Auftraggeber ist im Einzelfall abzuwägen, inwieweit der voraussichtliche Auftragswert im Verhältnis zum Aufwand für die Erbringung des jeweiligen Nachweises steht. Ein Nachweis belegt, dass die vom Bieter gemachten Angaben oder die vorgeschlagene Lösung den Anforderungen der Leistungsbeschreibung entsprechen. Der Nachweis ist grundsätzlich dem Angebot beizufügen 8, kann jedoch vom Auftraggeber nachgefordert werden. Bei Produkten, die das Umweltzeichen Blauer Engel tragen, darf gem. 8 Abs. 5 VOL/A-EG (analog für den Unterschwellenbereich) davon ausgegangen werden, dass sie nachweislich die hier aufgeführten Anforderungen erfüllen. Ein gesonderter Nachweis ist für diese Produkte nicht nötig. Zu beachten ist, dass der Blaue Engel zwar als Nachweis (neben anderen geeigneten Beweismitteln) zugelassen werden darf, nicht hingegen die Aufnahme o. g. technischer Spezifikationen in die Leistungsbeschreibung ersetzen kann. Auch ein pauschaler Verweis auf die jeweilige Vergabegrundlage des Blauen Engels ist nicht zulässig. 9 8 Siehe 16 Abs. 3 Buchstabe a VOL/A und 19 Abs. 3 Buchstabe a VOL/A-EG. 9 Gem. 7 Abs. 1 VOL/A, 8 Abs. 1 VOL/A-EG muss die geforderte Leistung eindeutig und erschöpfend beschrieben werden, um die Vergleichbarkeit der Angebote sicherzustellen. Bei Vergaben oberhalb der Schwellenwerte sind die dennoch bestehenden Verweisungsmöglichkeiten auf vordefinierte technische Spezifikationen detailliert geregelt (siehe 8 Abs. 2 Nr. 1 VOL/A-EG i.v.m. Anhang TS). Ein Verweis auf die Vergabegrundlage von Umweltzeichen wird danach nicht zugelassen. 14 Leitfaden Voice over IP-Telefone

15 7. Angebotswertung Im Rahmen der Angebotswertung dürfen durch den Auftragsgegenstand gerechtfertigte Kriterien, wie unter anderem Umwelteigenschaften und Lebenszykluskosten berücksichtigt werden. 10 Als zu berücksichtigende Umwelteigenschaften werden die im Abschnitt 5 als Bewertungskriterien gekennzeichneten Spezifikationen empfohlen. Ferner muss bei Vergaben oberhalb der EU- Schwellenwerte 11 die Energieeffizienz als Zuschlagskriterium angemessen berücksichtigt werden. 12 Dies kann insbesondere über die Berücksichtigung der Lebenszykluskosten erfolgen. 13 Eine Analyse minimierter Lebenszykluskosten muss in geeigneten Fällen bei Vergaben oberhalb der EU-Schwellenwerte ohnehin von den Bietern eingefordert werden. 14 Zudem müssen die Lebenszykluskosten ungeachtet der Schwellenwerte bei Aufträgen durch Bundesdienststellen sowie nach den landesrechtlichen Bestimmungen einiger Bundesländer als Zuschlagskriterien berücksichtigt werden. 15 Ein praxisorientierter Leitfaden zur Berechnung der Lebenszykluskosten sowie Verweise auf geeignete Berechnungshilfen (LCC-Tools) finden sich in den Schulungsskripten Umweltfreundliche Beschaffung Siehe 16 Abs. 8 VOL/A, 19 Abs. 9 VOL/A-EG. 11 Siehe zu den Schwellenwerten 2 VgV. 12 Siehe 4 Abs. 6b VgV. 13 Siehe 4 Abs. 6b i.v.m. Abs. 6 Ziff. 2 lit. a VgV. Alternativ ist auch eine Bewertung der konkreten Angaben zum Energieverbrauch zulässig, 4 Abs. 6b i.v.m. Abs. 6 Ziff. 1 VgV. 14 Siehe 4 Abs. 4, 6 Ziff. 2 VgV 15 Art. 2 Abs. 4 Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Beschaffung energieeffizienter Produkte und Dienstleistungen (AVV-EnEff). Die Lebenszykluskosten umfassen dabei die Betriebskosten über die Nutzungsdauer vor allem die Kosten für den Energieverbrauch der zu beschaffenden Geräte sowie die Abschreibungs- und Entsorgungskosten, vgl. Art. 2 Abs. 4 AVV-EnEff. Landesrechtliche Vorschriften, welche die AVV-EnEff verbindlich aufgreifen, sind in Berlin, Bremen, Hamburg und Sachsen zu finden (s. Bericht Regelungen der Bundesländer auf dem Gebiet der umweltfreundlichen Beschaffung, UBA, Juni 2014, S. 28). 16 Siehe dort Schulungsskript 5 Einführung in die Berechnung der Lebenszykluskosten und deren Nutzung im Beschaffungsprozess (http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/umweltfreundliche-beschaffung-schulungsskript-5). 15 Leitfaden Voice over IP-Telefone

16 Anlage: Kriterienkatalog für die umweltfreundliche Beschaffung von schnurgebundenen Voice over IP-Telefonen Ziffer Kriterium 1 Umweltbezogene Anforderungen 1.1 Kunststoffe der Gehäuse und Gehäuseteile 17 Gehäusekunststoffe sind nicht aus halogenhaltigen Polymeren (zum Beispiel PVC). Ferner sind keine chlor- oder bromhaltigen Flammschutzmittel in Gehäusekunststoffteilen > 25 g zugesetzt. Stoffe, die nach der Verordnung EG Nr.1272/2008 Anhang VI mit den folgenden Gefährlichkeitsmerkmalen eingestuft sind, dürfen den Kunststoffen für Gehäuse (Teile > 25 g) nicht zugesetzt sein. Karzinogene Stoffe der Kategorien 1A, 1B Keimzellmutagene Stoffe der Kategorien 1A, 1B Ausschlusskriterium Bewertungskriterium Reproduktionstoxische Stoffe der Kategorien 1A, 1B 1.2 Display Die Hintergrundbeleuchtung des Displays enthält kein Quecksilber. Die Flüssigkristallmischungen sind nicht eingestuft entsprechend der Kategorie 1, 2 oder 3 des Anhang VI der EG-Verordnung 1272/2008 als: krebserzeugend erbgutverändernd fortpflanzungsgefährdend oder nach dem aktuellen Anhang VI der EG-Verordnung 1272/2008 als: giftig sehr giftig 16 Leitfaden Voice over IP-Telefone

17 Ziffer Kriterium 1.3 Biozides Silber Ausschlusskriterium Bewertungskriterium Die Systeme dürfen keine biozid wirkenden Silber ionen enthalten. 1.4 Leiterplatten Dem Trägermaterial der Leiterplatten sind keine Chlorparaffine zugesetzt. 1.5 Elektronische Bauelemente Die elektronischen Bauteile enthalten kein Beryllium und keine Beryllium-Verbindungen. 1.6 Energieverbrauch und Leistungsaufnahme Der jährliche Energieverbrauch beträgt unter dem vorgegebenem Jahres-Lastzyklus (siehe Tabellen 1 und 2) bei Geräteklasse 1 < 22,8 bzw. 35,9 kw/h. Der jährliche Energieverbrauch beträgt unter dem vorgegebenem Jahres-Lastzyklus (siehe Tabellen 1 und 2) bei Geräteklasse 2 < 28,0 bzw. 42,9 kw/h. Der jährliche Energieverbrauch beträgt unter dem vorgegebenem Jahres-Lastzyklus (siehe Tabellen 1 und 2) bei Geräteklasse 3 < 36,8 bzw. 52,6 kw/h. Der jährliche Energieverbrauch beträgt unter dem vorgegebenem Jahres-Lastzyklus (siehe Tabellen 1 und 2) bei Geräteklasse 4 < 42,0 bzw. 56,1 kw/h. 1.7 Powermanagement Das Gerät verfügt in jedem Betriebszustand über eine optimale Energieeffizienzsteuerung (Powermanagement). Das Gerät wechselt aus dem Bereitschaftszustand (Ready mode on Hook ) während einer definierten Zeit ohne Aktivität automatisch in einen energieeffizienten Energiesparzustand (Low power mode). Während dieser Zeit sind alle nicht benötigten Funktionen (z.b. Displaybeleuchtung oder Displayanzeige) deaktiviert. Bei Lieferung wechselt das Gerät als Werkseinstellung nach maximal 5 Minuten in den Energiesparzustand. 17 Leitfaden Voice over IP-Telefone

18 Ziffer Kriterium Ausschlusskriterium Bewertungskriterium Die Zeit bis zum Erreichen des Energiesparzustandes muss durch den Benutzer einstellbar sein. Als Werkseinstellung im Energiesparzustand ist die Displaybeleuchtung ausgeschaltet. Für alle anderen Zustände ist die Displaybeleuchtung auf eine niedrige Stufe eingestellt. Die Helligkeit des Displays kann der Benutzer für den Bereitschafts- und den Aktivzustand selbst einstellen oder sie wird durch die Umgebungshelligkeit geregelt. Die Einstellregler für Ruftonlautstärke und alle sonstigen Einstellregler sind als Werkseinstellung auf Mittelstellung (max. 50 %) eingestellt. 2 Langlebigkeit 2.1 Reparatursicherheit Ersatzteile für die Reparatur der Geräte und die für die Reparatur notwendige Infrastruktur sind während der laufenden Produktion und für mindestens 5 Jahre nach Produktionseinstellung verfügbar. Unter zu ersetzenden Teilen sind solche Teile zu verstehen, die typischerweise im Rahmen der üblichen Nutzung eines Produktes ausfallen können. Andere, regelmäßig die durchschnittliche Lebensdauer des Produktes überdauernde Teile müssen nicht als Ersatzteile vorgehalten werden. 2.2 Erweiterungsfähigkeit Software-Update und grundlegende Funktionserweiterungen müssen z. B. über FTP/TFTP (File Transfer Protocol/Trivial File Transfer Protocol) möglich sein. 18 Leitfaden Voice over IP-Telefone

19 Ziffer Kriterium 2.3 Recyclinggerechte Konstruktion Das Gerät ist so konstruiert, dass es für Recyclingzwecke leicht zerlegbar ist, so dass Gehäusekunststoffe und Metalle als Fraktionen von Materialien anderer funktioneller Einheiten getrennt und nach Möglichkeit verwertet werden können. Das Gerät ist so gestaltet, dass im Fachbetrieb eine Zerlegung durch intelligent gestaltete Verbindungskonstruktion unterstützt wird oder mit gängigen Werkzeugen vorgenommen werden kann. 3 Spezielle Anforderung an die Geräte 3.1 Sicherheit (Protokolle) Zur Verschlüsselung des Sprachkanals wird der Standard SRTP oder ein gleichwertiger Standard verwendet. Zur Verschlüsselung des Signalisierungskanals wird der Standard TLS oder ein gleichwertiger Standard verwendet. Ausschlusskriterium Bewertungskriterium 3.2 Sprachqualität - Qualitätsstandards Acoustic Echo Cancellation (Echo Unterdrückung im akustischen Pfad des Hörers und beim Freisprechen). Comfort Noise (Vermeidung des Eindrucks von toten Leitungen bei Sprachpausen). Packet Loss Concealment (intelligentes Einfügen von errechneten fehlenden Sprachdaten bei Paketdatenverlust). Full-Duplex Freisprech-Unterstützung (bei Basis-Geräteklasse optional) Übertragenes Sprachspektrum und Codec- Unterstützung: Wideband/High definition Audio (>= 7 khz Bandbreite) Unterstützte Codecs z. B.: G.722 (bei Basis-Geräteklasse optional) 19 Leitfaden Voice over IP-Telefone

20 Ziffer Kriterium Übertragenes Sprachspektrum und Codec- Unterstützung: Standardbandbreite (Bandbreite 4kHz) Unterstützte Codecs z.b.: G.711, sowie G.729 für die Kompression bei der Signalübertragung 3.3 Administration und Gerätemanagement Das Gerät verfügt über die grundlegenden Netzwerkstandards, welche die Funktionalität in allen Netzwerken garantiert. Ausschlusskriterium Bewertungskriterium 17 Diese Anforderung gilt nicht für prozessbedingte, technisch unvermeidbare Verunreinigungen; fluororganische Additive (wie z. B. Anti-Dripping-Reagenzien), die zur Verbesserung der physikalischen Eigenschaften der Kunststoffe eingesetzt werden, sofern sie einen Gehalt von 0,5 Gew.-% nicht überschreiten; Kunststoffteile, die weniger als 25 g wiegen. 20 Leitfaden Voice over IP-Telefone

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