Das Grameen Bank II Modell, eine erfolgreiche Strategie im. 21. Jahrhundert zu Befriedigung von Grundbedürfnissen?

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1 Das Grameen Bank II Modell, eine erfolgreiche Strategie im 21. Jahrhundert zu Befriedigung von Grundbedürfnissen? Bachelorarbeit zur Erlangung des akademischen Grades Bachelor of Science (B.Sc..) eingereicht beim Prüfungsausschuss für den Bachelor-Studiengang Economics (Politische Ökonomik) der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg 2012 Johann Lukas Beutel geboren in Heidelberg

2 Selbständigkeitserklärung Hiermit versichere ich, dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig und ohne unerlaubte fremde Hilfe verfasst habe und dass alle wörtlich und sinngemäß aus Veröffentlichungen entnommenen Stellen dieser Arbeit unter Quellenangabe einzeln kenntlich gemacht sind. Johann Lukas Beutel, Datum, Ort 2

3 Inhaltsverzeichnis Selbständigkeitserklärung... 2 Zusammenfassung der Arbeit... 4 Abbildungsverzeichnis... 5 Tabellenverzeichnis... 5 Abkürzungsverzeichnis Einleitung... 7 a. Eine Definition von Entwicklung... 7 b. Eine Definition von Armut... 9 c. Die Geschichte der Grundbedürfnisstrategien Vorstellung des Grameen Bank II Modells a. Geschichte der Grameen Bank b. Einführung in das Grameen II Modell c. Aufbau der Bank d. Produkte und Programme der Grameen Bank e. Die Rolle der Grameen Bank in der Grameen-Familie Auswirkungen des Grameen Bank II Systems auf ein grundbedürfnisorientiertes Güterbündel a. Probleme und Chancen einer indikatorgestützten Armutsdefinition b. Auswirkungen des Grameen Bank II Modell auf politische Partizipation c. Auswirkungen des Grameen Bank II Modell auf Gesundheit und Ernährung d. Auswirkungen des Grameen Bank II Modells auf die Wohnsituation e. Auswirkungen des Grameen Bank II Modell auf Bildung f. Auswirkungen des Grameen Bank II Modells auf den Zugang zu Produktionsmittel Diskussion des Grameen Bank II Modell anhand den Grundbedürfnisstrategien der Vergangenheit Fazit Literaturverzeichnis Anhang:

4 Zusammenfassung der Arbeit Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit das Grameen Bank II Modell als eine erfolgreiche Strategie zur Befriedigung von Grundbedürfnissen bezeichnet werden kann. Sie untersucht, welche konkreten Auswirkungen die GB auf die Grundbedürfniskonstrukte politische Partizipation, Gesundheit und Ernährung, Wohnsituation, Bildung und Zugang zu Produktionsmitteln hat. Das Ergebnis ist, dass die GB zwar positive Auswirkungen auf alle die genannten Bereiche hat, diese aber unterschiedlich stark sind und unterschiedlich stark im Fokus des GB II Modells stehen. Das Grundbedürfnis politische Partizipation steht zwar nicht direkt im Blickpunkt der Zielsetzung der GB, trotzdem hat das GB II Modell indirekte positive Auswirkungen darauf. Gesundheit und Ernährung kommt zwar in der Zielsetzung der GB vor, die GB wirkt aber auch hier nur indirekt und nicht durch spezielle direkte Programme. Sowohl für die Gewährleistung von Bildung als auch für das Konstrukt Wohnsituation hat das GB II Modell spezielle Kredit- und Stipendienmodelle entwickelt, doch stehen diese nicht im Zentrum der Anstrengungen der GB, durch die Programme hat die GB allerdings direkte und indirekte positive Auswirkungen auf beides. Im Zentrum des GB II Modells steht das Konstrukt Zugang zu Produktionsmitteln in Form von Finanzdienstleistungen, hierbei kann man belegen, dass die GB zu einer abgesicherten Einkommenssteigerung ihrer Kreditnehmer beiträgt. Zusammenfassend kann man das GB II Modell als erfolgreiches Instrument der vieldimensionalen Armutsbekämpfung bezeichnen, allerdings nicht als klassische Entwicklungsstrategie zur Befriedigung von Grundbedürfnissen, da hierfür der Fokus der GB zu stark auf dem Grundbedürfnis Zugang zu Produktionsmitteln liegt. 4

5 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Bedürfnispyramide nach A. Maslow Abbildung 2: Der Aufbau der Grameen Bank Abbildung 3: Kreisdiagramm über die offenen Kreditbeträge im April Abbildung 4: Zusammenhang zwischen Indikatoren und Konstrukten Abbildung 5: Indikatormodell für die zehn Indikatoren der Grameen Bank Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Hierarchie eines grundbedürfnisorientierten Güterbündels Tabelle 2: Die zehn Indikatoren der Grameen Bank und ihre jeweiligen Grundbedürfnisse.. 12 Tabelle 3: Das Sternsystem der Grameen Bank mit seinen Indikatoren Tabelle 4: Kerndaten des Basiskredits Tabelle 5: Zinssätze der Sparprodukte der Grameen Bank Tabelle 6: Die 16 Entscheidungen der Kreditnehmer der GB Tabelle 7: Unterschiede zwischen Grameen I und Grameen II Tabelle 8: Die Familie der Grameen Unternehmen

6 Abkürzungsverzeichnis CM Center Manager E. Entwicklung EL EZ GB ILO MDGs MFI Tk UN UNICEF WHO Entwicklungsländer Entwicklungszusammenarbeit Grameen Bank International Labour Organization Millennium Development Goals Micro Finance Institutions Taka (Währung von Bangladesh) United Nations United Nations Children s Fund World Health Organization 6

7 1. Einleitung Im Jahre 2006 erhielt Muhammad Yunus und die Grameen Bank (GB) den Friedensnobelpreis. Die Begründung des Nobelpreiskomitees war, dass es dauerhaften Frieden nicht geben könne, solange große Bevölkerungsgruppen keinen Weg aus der Armut finden und, dass die Kleinstkredite der Grameen Bank genau so einen Weg darstellen. (vgl. Zeit online 2006) Ich möchte in der folgenden Arbeit untersuchen, inwieweit das Grammen Bank II Modell, also das seit dem Jahre 2000 aktuelle Programm der Grameen Bank, eine erfolgreiche Strategie zu Befriedigung aller Grundbedürfnisse darstellt. Ich definiere Armut also nicht rein einkommensorientiert, sondern vieldimensional als Vorhandensein von Defiziten bei sehr unterschiedlichen Grundbedürfnisbereichen. Auch will ich das Modell der GB in Beziehung setzten zu den Strategien zu Befriedigung der Grundbedürfnisse der Vergangenheit, dies wird aber nur ein kleiner Teil meiner Arbeit einnehmen. Der Hauptteil der Arbeit beschäftigt sich mit der Vorstellung des GB II Modells und der Diskussion der Auswirkungen des Modells auf verschiedene Grundbedürfnisbereiche. Ich hatte die Chance, im Jahr 2012 ein Praktikum bei der GB zu absolvieren, wo ich einen tiefen Einblick in die Umsetzung des GB Systems bekommen konnte, bei der ich sowohl mit Kreditnehmern als auch mit Verantwortlichen der Bank von sehr unterschiedlichen Hierarchieebenen diskutieren konnte. Dies hat mir bei der Auswahl und Einschätzung der maßgeblichen Quellen sehr geholfen. Zunächst sollen die Definition von Entwicklung und Armut und die Anfänge der Strategien zu Befriedigung von Grundbedürfnissen in den 70er Jahren in den Blick genommen werden. Anschließend werde ich die Geschichte der GB, und das derzeitige GB II Modell beschreiben. Danach soll das Armutsverständnis der GB im Allgemeinen und die Auswirkungen des GB II Modells auf verschiedene Dimensionen der Grundbedürfnisse erörtert werden. Am Ende meiner Arbeit werde ich das GB II Modell mit den alten Strategien zur Befriedigung von Grundbedürfnissen in Beziehung setzten und in einem Fazit die Ergebnisse der Arbeit zusammenfassen. a. Eine Definition von Entwicklung Will man in einer Arbeit eine Entwicklungsstrategie, wie hier eine Strategie zur Befriedigung von Grundbedürfnissen, diskutieren, ist es sinnvoll mit einigen Definitionen anzufangen. Aus diesem Grund werde ich kurz darlegen, wie ich die Begriffe Entwicklung und Armut in 7

8 der folgenden Arbeit verwende. Obwohl das Wort Entwicklung eine zentrale Rolle in jeder entwicklungspolitischen sowie entwicklungstheoretischen Diskussion spielt, gibt es keine allgemeingültige Definition. Im Gegenteil, der Begriff Entwicklung wurde über die Zeit sehr unterschiedlich gefüllt und war zu jeder Zeit abhängig von den jeweiligen Wertvorstellungen der Zeit und des Ortes, an dem der Begriff verwendet wurde. (vgl. Nohlen 2002: 227) Im Lexikon der Dritten Welt wird diese Problematik auf eine sehr treffende Weise folgendermaßen zusammengefasst: Entwicklung, Begriff, dessen Definition einen guten Teil der Entwicklungsproblematik selbst ausmacht. Er ist weder vorgegeben noch allgemein gültig definierbar noch wertneutral, sondern abh. von Raum und Zeit sowie insb. von individuellen und kollektive Wertvorstellungen. E. ist folglich ein normativer Begriff, in den Vorstellungen über die gewünschte Richtung gesellsch. Veränderung, Theorien über die Ursachen von Unterentwicklung, Aussagen über die sozialen Trägergruppen und Ablaufmuster sozioökon. Transformationen, Entscheidungen über das Instrumentarium ihrer Ingangsetzung und Aufrechterhaltung etc. einfließen. (Nohlen 2002: 227) Wegen dieser Schwierigkeit, Entwicklung klar zu definieren, möchte ich den Entwicklungsbegriff in der vorliegenden Arbeit, so verstehen, wie er der ursprünglichen Wortbedeutung am nächsten kommt. Beschäftigt man sich mit der Herkunft des Wortes, stößt man auf den lateinischen Begriff evolutio was das Aufschlagen einer Sache bedeutet. Das Wort Entwicklung tauchte zum ersten Mal in der Mitte des 17. Jahrhunderts als Übersetzung dieses lateinischen Begriffes auf, und bedeutete damals den Vorgang der Hervorbringung von etwas, was bereits in sich selbst verborgen war. Also ein eingewickelter Zustand, der erst durch die Entwicklung zu seiner vollen Entfaltung gelangt. (vgl. Sangmeister 2009a: 17) Folgt man dieser Wortbedeutung kommt man zu dem Schluss, dass jede Definition von Entwicklung mindesten drei Dimensionen enthalten sollte: Eine prozessuale Dimension, also die Frage, wie sich ein System im Zeitablauf ändert, eine strukturelle Dimension, also die Veränderungen in der Komposition der Steuerelemente und eine normative Dimension, also die implizite oder explizite Bewertung der prozessualen und/ oder der strukturellen Dimension. (vgl. Sangmeister 2009a: 19) Ich will hier folgender Definition von Entwicklung folgen, die sowohl die prozessuale, als auch die strukturelle und die normative Dimension enthält: Entwicklung ist die eigenständige Entfaltung der Produktionskräfte zu Versorgung der gesamten Gesellschaft mit lebensnotwendigen materiellen sowie lebenswerten kulturellen Gütern und Dienstleistungen im Rahmen einer sozialen und politischen Ordnung, die allen Gesellschaftsmitgliedern Chancengleichheit 8

9 gewährt, sie an politischen Entscheidungen mitwirken und am gemeinsam erarbeiteten Wohlstand teilhaben lässt. (vgl. Nohlen u.a. ²1982: 68) Auf die Zielgruppe der absolut Armen bezogen, heißt diese Definition, dass Menschen die ein Leben mit Defiziten in ihren Grundbedürfnissen führen, sich innerhalb der sozialen und politischen Ordnung, also auch innerhalb dem Kontext des Vorhandenseins von Entwicklungsorganisationen, ihr eigenes Potenzial über die Zeit in einer Weise nutzen können, die dazu führt, das die Defizite in ihrer Befriedigung von Grundbedürfnissen abgebaut werden können. b. Eine Definition von Armut Für die Diskussion einer Strategie zu Befriedigung der Grundbedürfnisse ist neben dem Begriff Entwicklung auch der Begriff der Armut von zentraler Bedeutung. Da Unterentwicklung zu einem tabuisierten Begriff geworden ist, spricht man nicht mehr von unterentwickelten Ländern, sondern von developing countrys (Entwicklungsländern) oder less developed countrys (weniger entwickelnden Ländern). Aus diesem Grund sollte Unterentwicklung nicht mehr im Fokus von Entwicklungsstrategien stehen, weshalb der Begriff der absoluten Armut als Arbeitsfeld von Entwicklungszusammenarbeit wieder stärker in den Mittelpunkt rückt. Absolute Armut lässt sich als Zustand beschreiben, in dem die Betroffenen nicht über die notwendigen Ressourcen verfügen um die Deckung eines definierten Existenzminimums zu erreichen. (vgl. Sangmeister 2009a: 20) Dieser Ansatz von absoluter Armut lässt sich durch die Benennung von Grundbedürfnissen noch weiter konkretisieren. Grundbedürfnisse sind materielle und immaterielle Güter, mit deren Hilfe man einen Mindest-Lebensstandart erreichen kann. Zu ihnen gehören, neben Nahrung, Wohnung und Schutz vor Krankheiten, auch Zugang zu Produktionsmitteln, Bildung und politischer und gesellschaftlicher Partizipation. Armut bedeutet in diesem Zusammenhang also Defizite innerhalb der Befriedigung eben dieser Grundbedürfnisse. Verfolgt man nun eine Strategie, die als Ziel den Abbau dieser Defizite hat, ist es sinnvoll, die Güter, für die Befriedigung von Grundbedürfnissen erforderlich sind hierarchisch zu ordnen. (vgl. Sangmeister 2009a: 21f) 9

10 Tabelle 1: Hierarchie eines grundbedürfnisorientierten Güterbündels (Sangmeister 2009a: 22) Elementare Lebensziele Komponenten eines grundbedürfnisorientierten Güterbündels Überleben bei Befriedigung materieller und immaterieller Grundbedürfnisse - Güter, welche die Teilhabe an durchschnittlichen Konsumgewohnheiten ermöglichen - Partizipation an Entscheidungen, welche die eigenen Lebens- und Arbeitsbedingungen betreffen Produktives Überleben - Zugang zu Produktionsmitteln - Funktionelle Basiserziehung - Zusätzliche Nahrungsmittel - Schutz gegen schwächende Krankheiten - Hinreichende Wohnung Fortdauerndes Überleben - Schutz gegen tödliche Krankheiten - Nahrungsmittel, Trinkwasser Bloßes Überleben - Physiologischer Minimalinput Allgemein lässt sich das Grundbedürfniskonzept aus keiner konsistenten Entwicklungstheorie ableiten. Zum einen enthält es Elemente aus sehr unterschiedlichen Theorien, wie beispielsweise aus der keynesianischen Wachstumstheorie der Verteilungstheorie und der Konsumtheorie, zum anderen ist ein wesentlicher Bestandteil der humanistischpsychologische Bedürfnisbegriff, der im Wesentlichen auf Abraham Maslow ( ) zurückzuführen ist. Maslow ordnet die Bedürfnisse, die ein Mensch hat, nach der Wichtigkeit, und somit nach der Reihenfolge in der ein Mensch die Bedürfnisse befriedigen will. (vgl. Sangmeister u.a. 2009b: 144f) 10

11 Abbildung 1: Bedürfnispyramide nach A. Maslow (Sangmeister u.a. 2009b: 145) Selbstverwirklichung (Wachstunsmotiv) Ich-Motive: Anerkennung, Statuts, Prestige, Achtung (Defizitmotiv) Soziale Motive: Kontakt, Liebe, Zugehörigkeit (Defizitmotiv) Sicherheitsmotive: Schutz, Vorsorge, Angstfreiheit (Defizitmotiv) Physiologische Motive: Hunger, Durst, Atmung, Schlafen (Defizitmotiv) Das Bedürfnis der nächsthöheren Ebene wird nur dann verhaltensrelevant, wen das Bedürfnis der vorrangegangenen Ebene befriedigt wurde. Das niedrigste unbefriedigte Bedürfnis ist also aus Sicht des betroffenen Menschen immer das wichtigste. (vgl. Sangmeister 2009b: 145) Auch das Armutskonzept der Grameen Bank verfolgt, bewusst oder unbewusst, die Idee von Defiziten in der Befriedigung von Grundbedürfnissen. Innerhalb der Bank wird eine Familie eines Kreditnehmers nicht mehr als extrem arm bezeichnet, wenn sie zehn Indikatoren erfüllen. Diese Indikatoren kann man den verschiedenen Grundbedürfnissen zuordnen, wie ich in Tabelle zwei gezeigt habe. Für die Auswahl der extrem armen Bevölkerung, auf den sich die Mitarbeiter konzentrieren sollen, wenn sie prüfen, wer in einem Zielgebiet in das Kreditprogramm der GB aufgenommen werden soll, hat die GB den Means test entwickelt. Hierbei wird anhand von zwei einfach zu messenden Indikatoren überprüft, inwieweit ein potenzieller Kreditnehmer weder über Land noch über sonstige Sicherheiten verfügt und deshalb auf das GB-System angewiesen ist. Die beiden Indikatoren sind folgendermaßen definiert: Jede Familie, die über nicht mehr als einen halben Acker besitzt, gilt als Familie ohne Landbesitz. Jede Familie, deren gesamtes Vermögen weniger wert ist als ein Acker lokales Land nach lokalen Preisen, gilt als Familie ohne Sicherheiten. Von offizieller Seite 11

12 gilt die Richtlinie, dass, wenn eine Familie diese beiden Indikatoren nicht erfüllt, nicht in das GB System aufgenommen wird. (vgl. Alam u.a. 2010: 14f) Die Vor- und Nachteile einer indikatorgestützten Definition von Armut werden an späterer Stelle in dieser Arbeit diskutiert. Tabelle 2: Die zehn Indikatoren der Grameen Bank und ihre jeweiligen Grundbedürfnisse (vgl. Alam u.a. 2010: 86) Die zehn Indikatoren der Grameen Bank Das jeweils zugehörige Grundbedürfnis 1. Die Familie lebt in einem Haus, dass mindestens Tk Hinreichende Wohnung (~250 US-Dollar) wert ist, mit einem Blechdach, außerdem hat jedes Familienmitglied ein eigenes Bett. 2. Die Familie trinkt sauberes Trinkwasser. Trinkwasser 3. Alle Kinder in der Familie über sechs Jahre gehen zur Funktionelle Schule oder haben die Grundschule abgeschlossen. Basiserziehung 4. Die wegen laufender Kredite wöchentlich zu bezahlende Zugang zu Mindestrate beträgt Tk 200 (~2 US-Dollar). Produktionsmitteln 5. Die Familie benutzt hygienische Toiletten. Schutz gegen tödliche/ schwächende Krankheiten 6. Die Familie hat für jeden Tag passende Kleidung, Schutz gegen inklusive warmer Kleidung für den Winter, außerdem schwächende besitzt sie Moskitonetzte Krankheiten 7. Die Familie hat zusätzliche Einkommensquellen wie zum Zugang zu Beispiel einen Gemüsegarten oder Obstbäume Produktionsmitteln/ Nahrungsmittel 8. Der Kreditnehmer behält einen jährlichen Durchschnitt Zugang zu von Tk 5000 (~50 US-Dollar) auf seinem Sparkonto. Produktionsmitteln 9. Die Familie kann sich zu jeder Zeit des Jahres drei Zusätzliche anständige Mahlzeiten pro Tag leisten, so dass kein Nahrungsmittel Familienmitglied zu einem Zeitpunkt im Jahr hungern muss. 10. Die Familie kann auf ihre Gesundheit achten, wenn Schutz gegen tödliche/ 12

13 jemand krank wird, können sie sich die Behandlung leisten schwächende Krankheiten Diese Definitionen von absoluter Armut verfolgen den Ressourcenansatz von Armut, also die Armut als Defizite bestimmter Ressourcen. Im Gegensatz dazu misst der Lebenslagenansatz die Armut nicht an dem Vorhandensein bestimmter Ressourcen sondern anhand von anderen Indikatoren. Zum Lebenslagenansatz gehören zum Beispiel Armutskonzepte wie die Subjektive Armut, also ein Ansatz der darstellt, inwieweit die Betroffenen ihre Lebenslage als Armut empfinden, sowie die immateriellen Armut, die sich mit sozialen, ethischen, religiösen, kulturellen und politischen Dimensionen beschäftigt. (vgl. Sangmeister 2009a: 24) Allerdings würde eine so detaillierte Diskussion von Armut den Rahmen dieser Arbeit sprengen, weshalb ich den Lebenslagenansatz in meiner Arbeit nicht behandeln werde. c. Die Geschichte der Grundbedürfnisstrategien Innerhalb der verschieden Entwicklungsstrategien der Vergangenheit lassen sich die Strategien zu Befriedigung von Grundbedürfnissen in den Beginn der zweiten UN- Entwicklungsdekade ( ) einordnen. (vgl. Sangmeister u.a. 2009b: 130) Zu Beginn der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde klar, dass die Wachstumsstrategien der 50er und 60er Jahre nicht zu der gewünschten Verminderung der Massenarmut geführt hatten. Dies führte zu einer kritischen Analyse der Wohlfahrtseffekte rein wirtschaftlich ausgerichteter Modernisierungsstrategien. (vgl. Sangmeister u.a. 2009b: 142) Die Verteilungsstrategie der Modernisierungstheorien baut auf der umgekehrten U- Hypothese von Kuznets auf. Diese besagt, dass in einer sich entwickelnden Gesellschaft die Ungleichverteilung des Pro-Kopf-Einkommens bei Wirtschaftswachstum zuerst zunimmt, da Wirtschaftswachstum vorrangig in den Teilen der Gesellschaft stattfindet, die eine hohe Sparquote hat. Durch weiteres Wirtschaftswachstum kommt es dann zu einem Durchsickern der erhöhten Wirtschaftsleistung eines Landes zu den ärmeren Schichten der Gesellschaft, weshalb die Ungleichverteilung des Pro-Kopf-Einkommens wieder abnimmt, der so genannte Trickel-down-Effekt. Hierbei wird die zeitweilige Ungleichverteilung des Einkommens als notwendig für einen raschen Entwicklungsfortschritt hingenommen. (vgl. Sangmeister u.a. 2009b: 74f) Der Trickel-down-Effekt stellte sich aber nicht in der Geschwindigkeit ein, in dem man ihn erwartet hatte, selbst in Ländern, in denen ein Wirtschaftswachstum erreicht wurde. 13

14 Aus diesen Gründen wurde zu Beginn der 70er Jahre von verschiedenen Seiten die programmatische Forderung vertreten, wirtschaftliche Entwicklung mit sozialer Entwicklung zu verbinden. Die formale Urheberschaft an dem Konzept grundbedürfnis-orientierten Entwicklungsstrategien wird der International Labour Organisation (ILO) zugewiesen. Auf der Weltbeschäftigungskonferenz, die im Juni 1976 in Genf stattfand, legte die ILO ein Aktionsprogramm Beschäftigung, Wachstum und Grundbedürfnisse vor. Dieses Aktionsprogramm hatte als Hauptziel die Befriedigung der Grundbedürfnisse für die größtmögliche Zahl von Menschen innerhalb eines politisch akzeptablen Zeithorizonts. Es umfasste dabei zwei Komponenten: Zum einen die Gewährleistung einer Mindestausstattung mit Gütern des privaten Verbrauchs (wie Essen, Kleidung, Wohnung, etc.), zum andern die Bereitstellung grundlegender öffentlicher Dienstleistungen (wie Trinkwasserversorgung, Abwassersystemen, Infrastruktur, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen, etc.). Außerdem sollte politische Partizipation als immaterielles Grundbedürfnis ebenfalls Teil von Strategien zur Befriedigung der Grundbedürfnisse sein. Doch auch wenn Strategien zu Befriedigung von Grundbedürfnissen, von der ILO als Zielvorgabe die Bereitstellung eines Existenzminimums für die Bevölkerung haben, bedeutet dies nicht, dass diese Bereitstellung bereits als Endziel von Entwicklung verstanden wurde. Die Befriedigung von Grundbedürfnissen sollte zum einen die Grundlage setzen für ein Leben in Selbstverantwortlichkeit und Partizipationsfähigkeit, zum anderen, insofern die Erfüllung der Grundbedürfnisse auch als Bedingung für die menschliche Produktivität verstanden werden, die Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum bieten. Auch wenn die ILO die erste Organisation war, die das Konzept der grundbedürfnisorientierten Entwicklungsstrategien formulierte, wurde dieses Konzept im Laufe der 70er Jahre in verschiedenen Organisationen als Richtschnur für die Entwicklungspolitik verwendet. So zum Beispiel bei der UNICEF 1976/77: Strategie für Grunddienste, oder der WHO 1987: Gesundheit für alle bis zum Jahre 2000, und auch die Bundesrepublik Deutschland nahm das Konzept der grundbedürfnisorientierten Entwicklungsstrategie Ende der 70er Jahre kurzfristig in die Leitlinien ihrer Entwicklungspolitik auf. (vgl. Nohlen 2002: 343f) Auch wenn grundbedürfnisorientiere Entwicklungsstrategien für einige Zeit den entwicklungspolitischen Diskurs beherrscht haben, wurden sie von Anfang an sehr unterschiedlich beurteilt. Viele Entwicklungsländer sahen in den grundbedürfnisorientieren Entwicklungsstrategien einen Versuch, von ihrer Forderung nach einer neuen Weltwirtschaftsordnung abzulenken, und Pläne der Industrialisierung der EL zu 14

15 durchkreuzen. (vgl. Nohlen 2002: 344) Außerdem kann man aus wirtschaftlichwissenschaftlicher Perspektive kritisieren, dass eine ausschließlich zielgruppenorientierte Entwicklungsstrategie auf Mikroebene, die Bedeutung von Wirtschaft- und Sozialpolitik auf Makroebene vernachlässigt. Zudem baut das Grundbedürfniskonzept auf einem staatlichen Interventionismus auf, um unerwünschte Konsummuster zu korrigieren, dies widerspricht dem Ziel, Menschen Selbstbestimmung und Partizipation zu ermöglichen. Letztendlich führten aber praktische Durchführungs- und Durchsetzungsprobleme auf der operativen Ebene der Entwicklungszusammenarbeit, sowie veränderte politische Leitmotive dazu, dass in den späten 80er und 90er Jahren, dass Grundbedürfniskonzept nur noch ein untergeordnetes Teilziel und nicht mehr zentrales Ziel der gesamten Entwicklungszusammenarbeit wurde. (vgl. Sangmeister u.a. 2009b: 150f) 2. Vorstellung des Grameen Bank II Modells a. Geschichte der Grameen Bank Die Anfänge in Jobra Die Anfänge der Grameen Bank gehen zurück bis ins Jahr Damals gab es eine Hungersnot in Bangladesch. Durch diese Umstände zweifelte Dr. Muhammad Yunus, damals Dekan für Wirtschaftswissenschaften an der Universität in Chittagong, daran, dass die gängigen Wirtschaftstheorien das Problem der Armut in den Griff bekommen konnten, wenn es Bangladesch nicht einmal schaffte, seine eigene Bevölkerung zu ernähren. Getrieben von dem Wunsch, Antworten auf das Problem der Armut zu finden, machte er sich zu dem Dorf Jobra auf, das in der Nähe der Universität lag. Dort traf er eine Frau, die Bambusstühle herstellte. Da sie allerdings nicht genügend Mittel hatte, das Material für ihre Stühle zu kaufen, musste sie sich das Kapital von fünf Taka (umgerechnet zu dieser Zeit 22cent) bei einem Geldverleiher leihen. Er lieh ihr das Geld allerdings nur unter der Bedingung, dass er den fertigen Bambusstuhl zu einem von ihm festgelegten Preis bekam. Das führte dazu, dass die Frau, obwohl sie den ganzen Tag arbeitete, nicht mehr als umgerechnet zwei Cent pro Tag verdiente. Schockiert von dieser Geschichte, lies Yunus von einer seiner Studenten eine Liste von allem Menschen in Jobra anfertigen lassen, die Darlehen von Zwischenhändlern aufnehmen mussten. Diese Studie ergab, dass insgesamt 42 Familien in absoluter Armut lebten, weil ihnen das Kapital von insgesamt umgerechnet 27 Dollar fehlte. Yunus beschloss, den Familien aus seiner eigenen Tasche einen zinslosen Kredit zu geben, um herauszufinden, 15

16 ob die Familien den Kredit zurückzahlen könnten. Die Idee von Mikrokrediten war geboren. (vgl. Yunus u.a. ³2008a: 16-27) Mit Hilfe der Regierungsbank Janata baute Yunus im Jahr 1976 in dem Dorf Jobra ein Kreditprogramm auf, hierbei trat er bei der Bank als Bürge auf, um einen Gesamtkredit zu erhalten und organisierte mit der ehrenamtlichen Hilfe seiner Studenten sowohl die Ausschüttung der Kredite, als auch die Einsammlung der Kreditraten. (vgl. Yunus u.a. ³2008a: ) Im Jahr 1977 gründete Yunus mithilfe seiner Studenten eine Zweigestelle der Krishi-Bank. Die Zweigstelle bekommt den Namen Grameen, was übersetzt Dorf bedeutet. Das Programm, das bis dahin ein ehrenamtliches Projekt der Universität war, wurde somit institutionalisiert, die Studenten übernahmen die Organisation der Zweigstelle und wurden dafür von der Krishi- Bank bezahlt. Yunus bekam freie Hand was die Entwicklung der Kreditprojekte und die Bewilligung von Krediten anging. (vgl. Yunus u.a. ³2008a: ) So entwickelte Yunus das erste Gruppenmodell. Sein erstes Modell sah folgendermaßen aus: Bei einer Gruppe von mindestens fünf Mitgliedern erhielten zuerst zwei Mitglieder einen Kredit, wenn diese über sechs Wochen ihre Kreditraten fristgerecht zahlen, erhalten die nächsten zwei einen Kredit, der Gruppenverantwortliche kommt anschließend als letzter an die Reihe. Zuvor müssen alle Kreditnehmer ein spezielles Training durchlaufen. Auch der Zusammenschluss von verschiedenen Gruppen zu einem Center und die wöchentlichen Rückzahlungen wurden bereits 1977 entwickelt, genauso wie das erste Sparprodukt. Das erste Sparprodukt war ein Gemeinschafts-Gruppen-Fond, in den alle Gruppenteilnehmer einzahlen mussten, und der, im Falle eines Notfalls bei einem der Gruppenteilnehmer ausgezahlt wurde. (vgl. Yunus u.a. ³2008a: 140f) Schon zu Beginn des Projektes legte Yunus Wert darauf, dass mindestens 50% der Kreditnehmer Frauen waren, da gerade Frauen in Bangladesch Schwierigkeiten hatten, überhaupt an einen Kredit von einer Bank zu kommen. Doch schon recht schnell stellte Yunus und seine Mitarbeiter fest, dass Frauen sehr viel verantwortlicher mit den Krediten umgingen als Männer, weshalb die Quote der weiblichen Kreditnehmer über die Jahre immer mehr angehoben wurde. (vgl. Yunus u.a. ³2008a: ) Im Jahre 2010 betrug der Anteil an weiblichen Kreditnehmern 96,39 %. (vgl. GB 2011a) 16

17 Ausweitung der Aktivitäten Im Jahre 1979 wurde das Projekt von Jobra unter der Schirmherrschaft der Zentralbank von Bangladesch auf die Region Tangail ausgeweitet. Jede nationale Bank wurde verpflichtet, dem Grameen Bank Projekt mindestens zwei Filialen zur Verfügung zu stellen. So verfügte das Projekt über insgesamt 19 Zweigstellen, wenn man die Bank in Jobra miteinrechnet. Im Jahr 1982 zählte das Projekt bereits Mitglieder, also arme Menschen die an dem Kreditprogramm teilnahmen. (vgl. Yunus u.a. ³2008a: ) Angefangen von 1982 wurde das Programm innerhalb von drei Jahren auf fünf weitere Bezirke ausgedehnt, die über ganz Bangladesch verteilt waren, diese Erweiterung sollte Erkenntnisse darüber bringen, ob das Grameen Programm auf nationaler Ebene erfolgreich sein könnte, oder ob der Erfolg der ersten Jahre von regionalen Gegebenheiten abhing. (vgl. Yunus u.a. ³2008a: ) Gründung und weiterer Verlauf der Bank Am 2. Oktober 1983 wurde das Grameen Bank Projekt offiziell in eine Bank umgewandelt. Dabei hielten 40% der Anteile die Kreditnehmer, also die arme Bevölkerung von Bangladesch und 60% die Regierung. Die Grameen Bank wurde also als Staatsbank gegründet. (vgl. Yunus u.a. ³2008a: ) 1985 wurden allerdings die Kapitalverteilung zugunsten der Kreditnehmer verschoben. 75% der Aktien waren nun in der Hand der Kreditnehmer der Bank, und 25% erhielten der Staat, die staatliche Sonali-Bank und die landwirtschaftliche Krishi-Bank. (vgl. Yunus u.a. ³2008a: 217) Dieser Trend hält bis in die Gegenwart an. So besitzen die Kreditnehmer der Grameen Bank derzeit 95% der Aktien. Die restlichen 5% hält die Regierung von Bangladesch. Im Jahre 1995 schaffte es die Bank schließlich, vollkommen unabhängig von externen Geldgebern zu sein. (vgl. Alam u.a. 2010: 4) 1998 kam es in Bangladesch zu einer verheerenden Flut, die zwei Drittel des Landes für elf Wochen unter Wasser setzte. Ausgelöst durch die Flut kam es in manchen Gebieten zu Rückzahlungsschwierigkeiten. Diese Chance nahm die GB wahr, um ihr gesamtes Modell zu überarbeiten. Das neue so genannte Grameen Bank II Modell, führte dazu, dass sich die Bank von den Rückzahlungsproblemen der Flut wieder erholen konnte. (vgl. Dowla u.a. 2006: xiii) Nachdem das GB II Modell vollständig implementiert war, wuchs die GB mit einer extremen Geschwindigkeit. So brauchte die GB 27 Jahre um eine Kreditnehmeranzahl von 2,5 Millionen zu erreichen, nach der vollständigen Implementierung von GB II verdoppelte sich 17

18 diese Anzahl innerhalb von drei Jahren. In der gleichen Zeit verdreifachten sich die Einlagen auf 31,6 Milliarden Taka im Jahre Auch das Kreditportfolio wurde mehr als verdoppelt. Durch diese Entwicklungen überstieg im Jahre 2004 der Wert der Einlagen den des Kreditportfolios. (vgl. Rutherford 2006: 7f) Die Einführung des GB II Modells half der GB also nicht nur, sich von den Rückzahlungsproblemen zu erholen, sie war ein durchgehend bahnbrechender Erfolg. Im Jahre 2010 hatte die GB 8,3 Millionen Kreditnehmer, auch Einlagen und Kreditportfolio stiegen weiter an. (vgl. GB 2011a) b. Einführung in das Grameen II Modell Im Folgenden werde ich das Grameen II Modell erläutern. Anfangen will ich mit dem Aufbau der Bank, anschließend werde ich die wichtigsten Kredit- und Sparmodelle der Bank erläutern, danach werde ich kurz die Grameen Familie beschreiben und welche Rolle die Grameen Bank darin einnimmt. c. Aufbau der Bank Die Grameen Bank ist inzwischen zu einer gigantischsten Institution geworden mit inzwischen fast Mitarbeitern, dennoch wird der Großteil des Tagesgeschäfts immer noch in den kleinen Zweigstellen auf Dorfebene abgewickelt. Professor Yunus beschrieb die Grameen Bank einmal als Kreis-Organisation. Jede Ebene, angefangen von den Kreditnehmergruppen, über die Zweigstellen, bis hin zum Hauptsitz ist in sich selbst ein geschlossenes System, also ein geschlossener Kreis und gleichzeitig Teil eines größeren Kreises von dem es umschlossen wird. (vgl. Alam u.a. 2010: 92) 18

19 Abbildung 2: Der Aufbau der Grameen Bank (vgl. Alam u.a. 2010: 92) Hauptsitz in Dhaka: Alle Überregionalen Büro (Gesamtzahl: 1) Überregionales Level: Regional Büros (Gesamtzahl 40) Regionales Level: Zweigstellen (Gesamtzahl: 220) Zweigstellen-Level: Center (Gesamtzahl: 2564) Center-Level: 8-10 Gruppen (Gesamtzahl: ) Gruppenlevel: 5-10 Frauen (Gesamtzahl: Gruppen) Ich werde im Folgenden Gruppenlevel, Zweigstellenlevel, regionales und überregionales Level, von unten nach oben, mit ihrer Rolle innerhalb der GB kurz beschreiben, anschließend werde ich das Fünf-Stern-System vorstellen, ein Anreizsystem innerhalb der GB, dass zum einen die Unabhängigkeit der verschiedenen Kreise voneinander zeigt, zum anderen einen Einblick in das Selbstverständnis der Bank bietet. Das Gruppenlevel: Um ein Mitglied der Bank zu werden, und somit Zugang zu Krediten zu bekommen, ist eine der wichtigsten Grundvorrausetzungen die Mitgliedschaft in einer Kreditnehmergruppe. Für die Gruppenformation gelten dabei folgende Richtlinnen: - Eine Gruppe muss aus mindestens fünf Personen bestehen, die das gleiche Geschlecht, ähnliches Alter, ähnlicher sozio-ökonomischer Hintergrund, und ähnliche Bildung haben. - Die Gruppe muss sich selbst gefunden haben und muss aus demselben Ort stammen. - Jeder Teilnehmer der Gruppe, der das Grameen Programm beginnt, muss zum Zeitpunktes des Eintritts arm sein (Nach der Definition der Grameen Bank) 19

20 - Es darf nicht mehr als ein Mitglied aus einem Haushalt in einer Gruppe sein, auch dürfen die Teilnehmer einer Gruppe nicht nah miteinander verwandt sein. - Alle Gruppenteilnehmer sollten sich untereinander kennen und sich vertrauen. - Jede Gruppe sollte einen Gruppenleiter haben, der von der Gruppe gewählt wird - Jede Gruppe muss an einer mindestens siebentägigen Trainingsphase teilnehmen, und einen Gruppentest bestehen, um als Gruppe aufgenommen zu werden. - Jeder Teilnehmer muss seinen Namen schreiben können, und älter als 18 Jahre sein. Da die Grameen Bank für ihre Kredite keinerlei Sicherheiten verlangt, ist das Gruppensystem äußerst wichtig. Wenn ein Gruppenteilnehmer eine Rate seines Kredites nicht zahlen kann, besteht zwar keinerlei Haftung der Gruppe im juristischen Sinne, allerdings wird versucht, jede Gruppe so aufzubauen, dass ihre Mitglieder sich umeinander kümmern und auch bei Zahlungsschwierigkeiten gegenseitig unterstützen. (vgl. Alam u.a. 2010: 17) Das Center-Level: Das Dorf-Center ist der Hauptort innerhalb der Grameen Bank, an dem die Klienten der Bank mit der Bank direkt interagieren. Ein Center beherbergt bis zu zehn Gruppen und befindet sich im selben Dorf, aus denen auch seine Gruppen kommen. Das Center-Haus wird in der Regel von den Gruppen selbst gebaut und finanziert. Einmal die Woche kommen alle Gruppen eines Centers zusammen, ein Vertreter der Bank (Center Manager) sammelt dann die wöchentlichen Kreditraten und Spareinlagen ein und informiert sich, wie es den einzelnen Kreditnehmern geht. Bei Rückzahlungs- oder anderen Problemen wird in der ganzen Gruppe nach Lösungen gesucht. Neben den Gruppen sind also auch die Center ein sozialer Ort, an dem zum einen ein gewisser Gruppendruck aufgebaut wird, um die Rückzahlungsquoten zu erhöhen, zum anderen ist der Center ein Ort der gegenseitigen Unterstützung. Der Vorsitzende des Centers ist einer der Kreditnehmer und wird ebenfalls gewählt. (vgl. Alam u.a. 2010: 26ff) Das Zweigstellen - Level Der einzige Ort neben den Dorf-Centern, bei dem die Klienten der Grameen Bank mit der Bank in Kontakt kommen sind die Zweigstellen. Von einer Zweigstelle werden bis zu 80 Center verwaltet. Die Hauptaufgabe der Zweigstellen neben Monitoring der Center Manager und Buchhaltung ist die Auszahlung von Krediten und Spareinlagen an die Klienten sowie die Begleichung von Löhnen und anderen Ausgaben. Das bedeutet, dass auf Center-Ebene die 20

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