Erziehung auf Zeit Zum Selbstverständnis der Erziehungsstelle. Prof. Dr. Klaus Wolf Universität Siegen

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1 Erziehung auf Zeit Zum Selbstverständnis der Erziehungsstelle Prof. Dr. Klaus Wolf Universität Siegen

2 Zur Einführung einige irritierende Anmerkungen Erziehung auf Zeit: Was denn sonst ein Leben lang? Chiffre hff für die Produktion einer zerhackten Biografie? Selbstverständnis der Erziehungsstelle: der Erziehungsstelle als Organisation? Einer von der Uni erzählt Mitarbeiter/innen was das Selbstverständnis ihrer Arbeit ist? Selbstverständnis, wie es ist oder wie es sein soll? Haben alle Erziehungsstellen ein gemeinsames Selbstverständnis?

3 Erziehung auf Zeit Zum Selbstverständnis der Erziehungsstelle 1. Erziehungsstelle: Kombination von Organisation und privatem Leben 2. Aus der Perspektive der Kinder: sechs zentrale Themen 3. Rollenverständnis: Betreuer oder Eltern? 4. Probleme, die die Erwachsenen bewältigen müssen 5. Professionalitätsgewinne 6. Fazit

4 Einleitung: früher, als die Welt noch ordentlich organisiert, g war

5 Erziehungsstelle: Kombination von Organisation und privatem Leben: Pi Privat und zugleich lih professionell? Ideallösung oder morphologische Lüge?

6 Niederberger, Bühler Niederberger: heilpäd. Pflegefamilien vers. quasifamiliale Abteilungen Einmaligkeit vers. Austauschbarkeit Dauerhaftigkeit Kündbarkeit Körperlichkeit vers. Schemenhaftigkeit Implizitheit vers. Explizitheit

7 Aus der Perspektive der Kinder: Aus der Perspektive der Kinder: sechs Schlüsselkategorien

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10 ja es war erst mal (.) also ich konnt mich überall frei bewegen besonders mit den Jungen die waren beide im gleichen Alter wie meine damaligen Pflegegeschwister die beiden Brüder und die ham mich so anders behandelt also da hab ich das war für mich wie ein Wunder das konnt ich gar nicht glauben ich konnt mich überall frei bewegen auch meine e Entscheidungen meine Wünsche wurden hier irgendwie akzeptiert und toleriert war'n auch irgendwie wollten die wissen wie es mir geht und die wollten was was mit mir machen und das Erste wo ich fast geheult hätte war als ich hier hin also mein Bruder hat hier fern gekuckt k und dann kam ich hier hin und dann hat er mich ih gefragt (.) ich hab mich hier zu gesetzt hat er mich gefragt was ich denn kucken möchte und dieses kleine was möchtest du kucken das war für mich wirklich wie ein Wunder dass jemand in diesem Alter ein männliches Wesen sozusagen ehm ja sich für mich interessiert was oder ja mich ih sozusagen mit ein bezieht und dass ich weiß auch nich ih also das war für mich wirklich wie ein Wunder, das hätt ich nie gedacht

11 Schlüsselkategorien 1. Zerhackte Biografien oder Kontinuität und Berechenbarkeit?

12 1. Zerhackte Biografien oder Kontinuität und Berechenbarkeit? 2 MitarbeiterInnen als Guide im unübersichtlichen 2. MitarbeiterInnen als Guide im unübersichtlichen Gelände

13 Melanie Dass man wie so'n Begleiter hat, dass man nicht das Gefühl hat, das irgendwie is ne Institution n Amt oder irgendwie so, sondern für mich war es immer so das Gefühl, dass äh (.) da is halt jemand und äh (..) ja der guckt so mit da drauf wie so n (..) ja was weiß ich wie so n Lehrer oder irgendwie so was jemand der mit dir geht und auf dich aufpasst quasi.

14 Schlüsselkategorien 1. Zerhackte Biografien oder Kontinuität und Berechenbarkeit? 2. MitarbeiterInnen Sozialer Dienste als Guide im unübersichtlichen Gelände 3. Partizipation

15 Partizipation bedeutet, dass Kinder und Jugendliche über das, was mit ihnen geschieht, auf eine ihrem Entwicklungsstand angemessene Weise informiert werden,

16 An diesem Tag im Krankenhaus, den werd ich glaub ich nie vergessen, ja da kam so ne Familie rein, was heißt Familie, wer war denn dabei, Gerlinde, Fritz und ein Kind glaub ich, ja und dann meint die da, wir packen jetzt die Sachen, wir nehmen dich mit. Und ich hab das gar nicht verstanden und wollte eigentlich auch immer bei meiner Mama bleiben. Ja und dann musst ich da mit zu denen fahren, ich dachte ich müsst da mal zu Besuch hin, aber irgendwie war das net so, war sehr komisch, ne Familie die du net kennst die holt dich dann ab und du hast die in deinem Leben noch nie gesehn, dann hab ich das irgendwie erst zwei Jh Jahre später begriffen. Ganz lange wusste ich nicht iht wo ich hier war, ich dachte immer jetzt jeden Moment kommt meine Mama rein und holt mich wieder.

17 wir hatten alle überhaupt keine Zeit zu trauern, wir hatten weder Zeit zu trauern um unsere Mutter hmm noch Zeit zu trauern um diesen Ort wo wir gewohnt ham zu verlassen, also es, es hat alles nicht stattgefunden,es ging alles wahnsinnig schnell und wir wurden auch nich richtig informiert also es hieß dann zum Beispiel als meine Mutter gestorben is, ähm, das war der 22. Dezember und dann hieß es irgendwann am 27. Dezember kommt euer Vater und holt euch ab (..) mhm und es es is nicht iht erklärt worden, man is nich inf also mit, es wurde nicht gesprochen einfach mhm also, dann hieß es auf einmal, ja, der kommt und dann holt der euch ab, ihr müsst packen und dann wohnt ihr auf Amrum und dann war das so, da wurde dann auch nich drüber gesprochen oder nachgefragt g Hmm oder irgendwie noch irgendwas zu erzählt oder (..) es ging alles, also es wurde einfach alles so beschlossen.

18 Partizipation bedeutet, dass Kinder und Jugendliche über das, was mit ihnen geschieht, auf eine ihrem Entwicklungsstand t angemessene Weise informiert werden, sie mit ihren Wünschen, Befürchtungen und Meinungen gehört werden, diese wertgeschätzt werden, Entscheidungen soweit wie möglich mit ihnen ausgehandelt oder von ihnen autonom getroffen werden und bei allen Entscheidungen auch wenn diese aus gewichtigen ihti Gründen gegen den Willen der Kinder und Jugendlichen getroffen werden müssen um ihre Zustimmung geworben wird. I A l h A t i S R ( 66) A l dd f iti ti i ti

19 4. radikale Kulturwechsel

20 und dann (.) war der Tisch da gedeckt und da (..) ich war im ersten Moment so irgendwie so sehr überrascht, weil ich dachte hä frühstücken wir jetzt hier morgens alles zusammen und so und war irgendwie so völlig und dann saß, saß meine Pflegemutter auch da also man muss dazu sagen, die war nicht berufstätig die is dann wegen mir aufgestanden und mir war das am Anfang sehr unangenehm, weil ich dachte, warum steht die jetzt extra wegen mir auf, kuckt die jetzt, ob du da, ob du dich wäschst und ob du deine Sachen packst und auch wirklich in die Schule gehst und so also, aber das war nicht der der Grund, sondern die wollte mit mir da morgens frühstücken und das war für mich so fremd, ich ich hab dann mich dann auch da hingesetzt t und konnte auch erst gar nix essen.

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22 4. Radikale Kulturwechsel 5. Bedeutung der Geschwisterbeziehungen

23 4. Radikale Kulturwechsel 5. Bedeutung der Geschwisterbeziehungen 6. Schwierige Normalitätsbalancen a

24 Rollenverständnis: Betreuer oder Eltern? Autorin: Professor Gillian Schofield (Co-Director of the Centre for Research on the Child and Family)

25 Role identity in permanent placements- carers and /or parents? Permanent foster placements can be successful where carers have different primary role identities Primary identity as foster carers, but also accept the role of parent Primary identity as parents, but also accept the role of carer Problems can occur where Foster carers who identify exclusively as carers but do not take on a parenting role / commitment Foster carers who identify exclusively as parents but do not accept carer role/responsibilities Centre for Research on the Child and Family

26 1.Carers who identify as carers but accept the parenting role Carers who identify themselves positively as foster carers e.g. enjoy their professional role /skills and their partnership with social workers value their training opportunities, work positively with the child, including regarding being in care support birth family as well as foster family identity AND Accept the role of parents fully committed to the child as a family member welcoming the prospect of the child being part of the family into adulthood Centre for Research on the Child and Family

27 2. Carers who identify themselves as parents but accept the roleof carer Carers who identify themselves positively as parents e.g. motivated to build a family emphasise se normalising the child s experience e / acting as any parent would use their own family and friends as support systems AND Accept the role of carer e.g. Understand their role as carers on behalf of local authority Like to know the social work system / support is there for them and the child Centre for Research on the Child and Family

28 Probleme, die die Erwachsenen bewältigen Probleme, die die Erwachsenen bewältigen müssen

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32 Professionalitätsgewinne Realistische Erziehungsziele Keine Menschenreparatur, sondern Entwicklung als Eigenleistung des Subjekts Gegenübertragungskontrolle Professionelle Sinnkonstruktionen Keine Rivalität mit der Herkunftsfamilie Professionelles Netz um das private Leben

33 Fazit Erziehungsstellen betreuen oft hoch belastete Kinder und dies führt zu sehr hohen Ansprüchen an die Betreuung. Zur Bewältigung der damit verbundenen Aufgaben und Probleme können sie Professionalitätsgewinne realisieren. Wir haben immer zu wenig Menschen, die sich auf diese schwierige Aufgabe einlassen wollen und können. Denen, die dies wollen und können, sollten wir die dafür notwendigen Ressourcen garantieren.

34 care research.org/

der Entwicklung von Kindern.

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