Order Monitoring mit mobilen Internetgeräten

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1 Order Monitoring mit mobilen Internetgeräten Georg Reichwein Quantum.Logistics GmbH Hauert Dortmund Die neue WAP-Technologie verbindet das Internet mit dem Mobilfunknetz. Damit entstehen völlig neue Möglichkeiten in Logistik und ecommerce. Kunden, Lieferanten und Entscheider im eigenen Unternehmen können von jedem Punkt der Welt aus sekundenaktuelle Daten zum Bearbeitungsfortschritt von Aufträgen, zu Beständen oder Produktivitätskennzahlen abfragen und online steuernd eingreifen. In Verbindung mit Navigationssystemen sehen sie, welcher Karton mit welchem Inhalt gerade in welchem Stau steckt. Dieser Beitrag erläutert den Anwendungsbereich und die technische Realisierung einer solchen Anwendung unter besonderer Berücksichtigung des Aspektes der im mobilen Internet gebündelten Darstellung von Information aus verschiedenen, ebenfalls über das Internet miteinander lose gekoppelten Datenbanken. Kommunikationsbedarf in der Logistik In der üblichen Definition umfaßt Logistik alle Material- und Informationsprozesse, die der Raumüberwindung und Zeitüberbrückung sowie deren Steuerung und Regelung dienen. Logistik kann damit die gesamte logistische Spanne von der Beschaffung der Rohstoffe bis zur Auslieferung der Fertigerzeugnisse an den Abnehmer und somit alle inner- und zwischenbetrieblichen Transport-, Lager- und Umschlagvorgänge umfassen. Hauptaufgabe der Logistik ist es, von der Absatzplanung bis zum Vertrieb einen Material- und Informationsfluß zu organisieren und zu steuern, der unter Kostengesichtspunkten eine termin-, mengen- und qualitätsgerechte Auslieferung an die Kunden sicherstellt. Unternehmensstrategien wie Just-in-Time-Fertigung oder Efficient Consumer Response (ECR) beruhen auf logistischen Denkweisen [1]. Informations- und Kommunikationstechniken kommt eine Schlüsselrolle zur Erreichung der Logistikziele zu: Schnelle Informationsverarbeitung und exakte Informationen sichern einen Zeitvorsprung im Wettbewerb Der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechniken trägt dazu bei, effiziente und sichere Geschäftsabläufe sicherzustellen und leistet damit einen Beitrag zu Kostensenkung und Qualitätssteigerung Mit Hilfe der Informations- und Kommunikationstechniken lassen sich geeignete Informationen für das Logistikmanagement bereitstellen. Hierdurch lassen sich die Transparenz erhöhen und die Qualität der Logistikleistung verbessern. Logistische Leistungen sind auf die Erfordernisse des Marktes ausgerichtet, welcher zur Zeit immer größere Lieferflexibilität (d.h. die Fähigkeit des Auslieferungssystems, auf besondere Kundenwünsche einzugehen) bei immer kürzeren Lieferzeiten verlangt. Kürzere Lieferzeiten ermöglichen beim

2 Kunden niedrigere Lagerbestände und eine kurzfristigere Disposition, was die Kapitalbindung im Umlaufvermögen erheblich reduziert. Damit wird jedoch die Lieferzuverlässigkeit immer wichtiger, denn nicht exakt eingehaltene Liefertermine können beim Kunden Störungen im Betriebsablauf und damit hohe Kosten verursachen [2]. Insbesondere bei kritischen Lieferungen ist aus diesem Grund die möglichst frühzeitige Information über Abweichungen in Bezug auf Art, Menge oder Zeitpunkt entscheidend. Ganz allgemein beschreibt Informationsfähigkeit die Möglichkeit, Kundenabfragen vor und nach der Auftragserteilung schnell und genau beantworten zu können, und zwar nicht nur bezüglich Produkt und Preis, sondern auch bezogen auf Liefermöglichkeiten oder den Stand eines Auftrages. Kommunikation ist eine wesentliche Voraussetzung jeder arbeitsteiligen Wirtschaft, und wie wir gesehen haben ein elementarer Bestandteil erfolgreicher Logistik. In dieser Arbeit werden internetbasierte Wege der Informationsbeschaffung, -Verdichtung und Kommunikation vorgestellt, die durch die datentechnische Integration von Lieferanten, Kunden, Spediteuren, Frachtführern und Umschlagbetrieben die Informationsfähigkeit in der Transportkette deutlich verbessern. Informationsflüsse in der Transportkette Betrachtet man den Gegenstand bzw. Inhalt der Kommunikation, dann werden in der Transportkette Informationen über Art und Zustand materieller Güter verbreitet. Hierbei handelt es sich zum einen um Stammdaten, die ohne Veränderung weitergeleitet werden (wie Sendungsdaten, Versender- und Empfängerdaten), und zum anderen um Bewegungsdaten, die in den einzelnen Stufen der Kette verändert werden (wie en, z.b. Schiff gelöscht, Sendung verzollt, Termine). Die folgende Tabelle gibt basierend auf [3] einen Überblick über wesentliche Informationsinhalte, die zwischen Versender, Versandspediteur, Frachtführer, Empfangsspediteur und Empfänger ausgetauscht werden. von an Versender Versandspediteur Frachtführer Empfangsspediteur Empfänger Versender Versandspediteur Frachtführer - Statusdaten - Frachtrechnung - Frachtbrief, Sendungsinformation - Nachnahme - Gutschrift - Statusdaten - Frachtrechnung - Frachtbrief, Sendungsinformation - Nachnahmen - Gutschrift - Frachtbrief, Sendungsinformation - Nachnahmen - Gutschrift - Nachnahmen - Statusdaten - Frachtrechnung - Angebot - Lieferschein - Rechnung - Mahnung - Nachnahmen Empfangsspediteur Empfänger - Ablieferbestätigung - Anfrage - Lieferabruf - Empfangsbestätigung - Reklamationen - Gutschrift - Statusdaten - Frachtrechnung - Frachtbrief, Sendungsinformation - Nachnahmen - Gutschrift - Sendungsinformation - Frachtrechnung

3 Die im Kontext dieser Arbeit interessanten Informationsflüsse sind in der Tabelle durch kursive Schrift gekennzeichnet. Man sieht, daß die Informationen zur Sendungszusammensetzung und zum Status der Auslieferung über die gesamte Transportkette hinweg gebraucht werden. Es ist Aufgabe der Logistikdienstleister, den Austausch und die Bereitstellung stets aktueller en zu jeder einzelnen Sendung zu gewährleisten. Das nachfolgend skizzierte System der Sendungsverfolgung beim Spediteur ist Stand der Technik und in verschiedenen Ausprägungen flächendeckend im Einsatz. Bei der Abholung der Sendungen beim Versender werden die Barcode-Etiketten mit den Sendungsinformationen gescannt. Die Ladungsinformationen werden direkt in das DV-System des Spediteurs übertragen und können von dort jederzeit abgerufen werden. Sowohl im Abgangs-Umschlaglager als auch im Eingangs-Umschlaglager werden die Barcode- Etiketten jeweils beim Wareneingang und beim Warenausgang gescannt. Vor der Auslieferung im Nahverkehr werden sämtliche sendungsrelevanten Daten auf ein mobiles Datenerfassungsgerät geladen. Bei jedem Zustellstopp scannt der Fahrer in Anwesenheit des Warenempfängers die Packstücketiketten. Der Empfänger quittiert die Sendung mit seiner elektronischen Unterschrift. Die aktuellen Stati der Packstücke können über das Internet abgefragt werden. Versender Umschlaglager Abgangshaus Umschlaglager Eingangshaus Empfänger Ausgang Eingang Abholung Eingang Ausgang Ablieferung Abbildung 1: Barcodegestützte Sendungsverfolgung Der Kundennutzen eines solchen vernetzten, Barcode-gestützten Sendungsauskunftssystems liegt darin, daß der elektronisch lesbare Barcode die Abläufe an der Wareneingangsrampe vereinfacht und beschleunigt, der aktuelle Status der Sendung jederzeit abgefragt werden kann, und bei der Abrechnung Rückfragen und Mißverständnisse auf ein Minimum reduziert werden. Ein solches Sendungsverfolgungssystem kann darüber Auskunft geben, ob sich ein Packstück an einem vordefinierten Ort (z.b. ein Umschlagpunkt oder der Warenempfänger) befindet, oder ob es sich gerade auf dem Weg von einem solchen Punkt zu einem anderen befindet. Durch die Nutzung der in den Fahrzeugen zunehmend vorhandenen Navigationssysteme in Verbindung mit GSM- Mobilfunktechnik oder Satellitenkommunikation ist es darüber hinaus möglich, den genauen aktuellen Aufenthaltsort auch der unterwegs befindlichen Sendungsteile in die Auskunftsfunktion mit einzubeziehen.

4 Moderne Speditionssoftware benutzt diese Informationen außerdem für die bessere Disposition der Fahrzeuge. Neuere LKW-Modelle haben die erforderliche Technik bereits ab Werk eingebaut. Nachrüstsätze für ältere Fahrzeuge werden von verschiedenen Anbietern angeboten. Es ist daher damit zu rechnen, daß die permanente Ortung der LKW und die zentrale Auswertung der per GSM/SMS oder über Satellit aus der Fahrzeugelektronik übermittelten Telemetriedaten bereits in wenigen Jahren der Regelfall sein werden. Der hier vorgestellte Dienst des Order Monitoring kombiniert die Auftragsstatusverfolgung im liefernden Unternehmen (d.h. bis zur Übergabe der kommissionierten Sendung an den Spediteur) mit den Möglichkeiten der Sendungsverfolgung während des Transports zum Empfänger und stellt eine integrierte Anfrageschnittstelle über Internet (HTML-Browser) oder mobiles Internet (WAP-Browser) zur Verfügung. Das Order Monitoring kann durch einen unabhängigen Dienstleister unter Verwendung des Mediums Internet zur Verfügung gestellt werden. Dadurch ändert sich die Organisation der in der Tabelle oben dargestellten Informationsflüsse. Während in der Vergangenheit direkte Verbindungen zwischen den einzelnen Kommunikationspartnern hergestellt werden mußten (und oftmals durch die physische Übergabe von Dokumenten realisiert wurden), wird die Informationsverteilung in Zukunft durch spezialisierte Dienstleister über das Internet organisiert. Ein solcher Dienstleister realisiert die Datenschnittstelle z.b. zum Spediteur A nur einmal, nutzt sie aber für alle seine Kunden, die mit A verladen. Umgekehrt benötigt der Kunde nur eine Schnittstelle zum Dienstleister, welcher dann die Kommunikation mit allen verwendeten Spediteuren übernimmt. Die neue Qualität besteht jedoch darin, daß im Gegensatz zu den bisherigen linearen Informationsflüssen das Internet allen Beteiligten den gleichen, jederzeitigen Zugriff auf die Information erlaubt. Beispiel Das folgende Beispiel zeigt einen per WAP-Handy geführten Dialog mit dem Order Monitoring- System. Die Art der Darstellung der Information hängt stark vom verwendeten Endgerät ab, ebenso die Art und Weise, wie zum Beispiel ein Wert aus einer Vorschlagsliste ausgewählt wird. Abbildung 2: Order Monitoring mit WAP-Handy

5 Wireless Application Environment Das Wireless Application Protocol (WAP) ist das Ergebnis der Bemühungen, einen Industriestandard für die Entwicklung von Anwendungen und Diensten in drahtlosen Kommunikationsnetzwerken zu schaffen [4]. Das Wireless Application Environment (WAE) spezifiziert in diesem Rahmen eine interoperative Anwendungsarchitektur für mobile Geräte wie Handys, Pager oder PDAs. Eine wesentliche Anforderung war, daß WAP kein bestimmtes Modell der Benutzerinteraktion voraussetzen darf. Auch komplett sprachgesteuerte Endgeräte ohne Bildschirm müssen beispielsweise unterstützt werden. Als wesentliche, durch die heutige Technik der Mobilfunknetze vorgegebene Randbedingung sind geringe Bandbreiten (z.b Baud bei GSM) und große Latenzzeiten beim Verbindungsaufbau zu berücksichtigen. Hinzu kommt die in der Regel geringe Speicherkapazität und Rechnerleistung der Endgeräte. Das World Wide Web (WWW) im Internet stellt ein flexibles und mächtiges logisches Modell zur Verfügung, welches der ersten dieser Anforderungen bereits nahe kommt. Anwendungen stellen Inhalte in standardisierten Datenformaten zur Verfügung, die von Client-Programmen, sogenannten Browsern, dargestellt werden. Typischerweise schickt der Browser eine Anfrage nach einem oder mehreren benannten Datenobjekten an einen Server, welcher die angeforderten Daten in einem dem Browser bekannten Datenformat zurückschickt. Die WWW-Standards umfassen alle für eine solche allgemein verwendbare Umgebung notwendigen Mechanismen: Alle Ressourcen des WWW sind mit einem sogenannten Uniform Resource Locator (URL) benannt. Alle Klassen von Daten sind mit einem spezifischen Datentyp versehen, der es dem Client erlaubt, sie korrekt zu unterscheiden und darzustellen. Das WWW definiert eine Anzahl von Standard- Datenformaten, die von den meisten Browsern unterstützt werden, so zum Beispiel die Hypertext Mark-up Language (HTML), die Skriptsprache JavaScript, oder verschiedene Bitmap-Formate. Das WWW definiert außerdem Standard-Netzwerkprotokolle die es ermöglichen, daß jeder Browser mit jedem Server kommunizieren kann. Das heute am meisten gebräuchliche Format ist das Hypertext Transport Protocol (HTTP). Modell und Infrastruktur des WWW ermöglichen es den Nutzern, auf einfache Weise auf eine Vielzahl von Inhalten und Anwendungen zuzugreifen. Auf der anderen Seite ermöglicht es den Lieferanten der Inhalte, selbige auf einfache Weise einer großen Zahl von Kunden und Interessenten unabhängig von deren Client-Software anzubieten. Das Modell des Wireless Application Environment baut auf dem des WWW auf. Die Inhalte werden mit der Wireless Mark-up Language (WML) beschrieben, welche in XML spezifiziert ist und sich am HTML-Standard orientiert. Die Inhalte werden im Bereich des WWW mit Hilfe der Standardprotokolle transportiert. Im Funkbereich wird ein optimiertes, HTTP-ähnliches Protokoll verwendet. Die WAE-Architektur ist so gestaltet, daß alle Inhalte und Dienste auf Standard-WWW- Servern implementiert werden können. Die Inhalte werden durch dem WWW-Standard entsprechende URL identifiziert. Einige der Standards des WWW werden von der WAE erweitert, um den speziellen Anforderungen der mobilen Endgeräte und der Mobilfunknetzwerke gerecht zu werden, wobei insbesondere den beschränkten CPU- und Speicherressourcen der mobilen Endgeräte Rechnung getragen wird. Die Architektur berücksichtigt außerdem die (noch) geringen Bandbreiten und hohen Latenzzeiten der Mobilfunknetze. Die Hauptelemente des WAE-Modells sind: WAE User Agents In den Clients implementierte Software, welche dem Benutzer spezielle Funktionalität (z.b. Inhalte anzeigen) zur Verfügung stellt. Die user agents (z.b. Browser) sind in die WAP-

6 Architektur integriert. Sie interpretieren den Inhalt, der durch eine URL referenziert wird. WAE beinhaltet zwei wesentliche Standard-Inhaltsformate: kodiertes WML und kompiliertes WMLScript. Inhalte Anwendungen und Dienste auf den Servern (z.b. CGI-Skripte), welche Dateninhalte in den standardisierten Formaten als Antwort auf eine Anfrage des mobilen Endgeräts erzeugen. WAE spezifiziert selber keine speziellen Methoden zur Bereitstellung der Inhalte, sondern geht davon aus, daß eine große Vielfalt auf den im WWW üblichen HTTP-Servern zur Verfügung stehen wird. Client Gateway Content Provider WAE User Agent Codierte Anfrage Codierer und Decodierer Anfrage CGI Scripts, etc. Codierte Antwort Antwort Inhalt Abbildung 3: Wireless Application Architecture Kodierung der Inhalte Wohldefinierte Standardverfahren zur Kodierung der Inhalte, so daß der user agent auf einfache Weise im Web navigieren kann. Die Standardverfahren sind Datenkompression für WML, Bytecode-Kodierung für WMLScript, Standard-Imageformate, ein Containerformat und weitere Formate für spezielle Anwendungen. Wireless Telephony Applications (WTA) Verschiedene Erweiterungen, die die Integration von Telefonie-Funktionen mit WAP- Anwendungen ermöglichen. Systemarchitektur für das Order Monitoring Für das Order Monitoring per mobilem Internet werden die operativen Datenbanken und Sendungsverfolgungssysteme miteinander verbunden, wobei die lose Kopplung von Datenbanken die entscheidende Rolle spielt. Die folgende Grafik veranschaulicht die Architektur des Gesamtsystems. Die einzelnen Datenbanken befinden sich in der Hoheit verschiedener, rechtlich selbständiger und unabhängig voneinander am Markt agierender Unternehmen. Die (untereinander im Wettbewerb stehenden) Spediteure betreiben jeweils proprietäre Systeme zur Sendungsverfolgung, in deren Datenbanken man den Status von Sendungen je nach Ausprägung bis auf das einzelne Packstück genau verfolgen kann. Abhängig von der technischen Ausstattung der Fahrzeuge kann auch der aktuelle Aufenthaltsort eines sich unterwegs befindlichen Packstückes bestimmt werden. Die Abfrage kann interaktiv über einen Internet-Browser oder, nach der Vereinbarung entsprechender

7 Schnittstellen, auch über den automatisierten Austausch zwischen den beteiligten Datenbanken erfolgen. Letztere Möglichkeit wird im hier vorgestellten System genutzt. Die Sendungsdaten aus den verschiedenen Spediteursystemen werden in einer weiteren Datenbank gesammelt, wo sie in einem einheitlichen Format zur Verfügung stehen. Diese Aufgabe wird von einem neutralen Dienstleister übernommen. Dessen Sendungsdatenbank stellt einheitliche kundenbezogene Sichten auf die Sendungsdaten der Spediteure zur Verfügung. Der Kunde braucht hat damit eine einzige Schnittstelle unabhängig davon, welcher Transporteur die Ware gerade im Zugriff hat. Der Dienstleister kann außerdem spediteurübergreifende Auswertungen zur Verfügung stellen. Auftragsverwaltung WAP- Gateway Internet Server Content Provider LAN Order Monitoring DB point-to-point - Verbindung LAN/WAN Lagerverwaltung LAN/WAN Sendungsverfolgung Internet Spediteur 1 Spediteur 2 Spediteur n Abbildung 4: Systemarchitektur

8 Die nächste Verdichtungsstufe wird vom Anbieter des Order Monitoring-Dienstes geleistet. Er integriert die Informationen der Sendungsverfolgung während der Transportkette mit der Auftragsverwaltung des Versenders und mit der Datenbank des Lagers, in dem die Packstücke entstehen. Die Auftragsverwaltung ist üblicherweise Teil der Unternehmenssoftware des Versenders. Das Versandlager wird jedoch häufig durch einen Dienstleister bewirtschaftet, welcher eigene Software zur Lagerverwaltung einsetzt (die mit der Auftragsverwaltung über Schnittstellen gekoppelt ist). Kunde Ortsbestimmung Bestellung Auftragsverwaltung Lieferauftrag Order Monitoring Versandlager Packstückdaten mit Auftragsbezug Packstückdaten Tracking- Dienstleister Ortsbestimmung Packstückdaten Ortsbestimmung Spediteur Packstückdaten Ortsbestimmung Ablieferbestätigung Frachtführer Abbildung 5: Informationsfluß

9 Die Übermittlung der Daten zu den im Versandlager gebildeten Packstücken an die Dienstleister der Transportkette erfolgt automatisch im Zuge der Verladetransaktionen des Lagerverwaltungssystems. Der Datentransfer erfolgt i.d.r. über EDI, wobei sowohl normierte Nachrichtentypen (z.b. nach EDIFACT) als auch proprietäre Formate zum Einsatz kommen. Der Tracking-Dienstleister fungiert in diesem Szenario als EDI-Clearingstelle, welche die von den Beteiligten jeweils verwendeten Nachrichtenformate ineinander übersetzt. Die Statusmeldungen über den Fortschritt der physischen Distribution (z.b. Ankunft oder Abgang an einem Umschlagpunkt) werden mit den Spediteuren als Checkpoints vereinbart und dann für jedes Packstück automatisch bei Erreichen des Checkpoints im vereinbarten Datenformat an den TrackingnnDienstleister gemeldet. Ortsbestimmungen werden bei Bedarf abgefragt. Die Möglichkeit zum Heraufreichen auftragsbezogener en ist durch die Funktionalität der eingesetzten Lager- und Auftragsverwaltungssysteme stark begrenzt. Übliche Lagerverwaltungssysteme verfolgen relativ fein den lagerinternen Bearbeitungsfortschritt (z.b. übernommen, eingelastet, kommissioniert, verpackt, verladen), bilden jedoch schon beispielsweise die Bestätigung der Ablieferung beim Empfänger nicht mehr ab. Das dem Lagerverwaltungssystem übergeordnete Auftragsabwicklungssystem kann in der Regel nur den Status verladen verarbeiten. So ist beispielsweise selbst in einer umfangreichen Standardsoftware wie SAP R/3 der Auftragsstatus proof of delivery erst mit dem für Sommer 2000 angekündigten Release 4.6 abbildbar. Diese Lücke in der Informationskette schließt Quantum.Logistics mit dem Order Monitoring. Der Dienst wird als externer Application Service Provider (ASP) angeboten, damit entfallen aufwendige Anpassungen oder Updates der Lagerverwaltungs- und Auftragsabwicklungssysteme. Der Kunde richtet seine Anfrage über das Internet an das Order Monitoring System, welches die gewünschte Information bedarfsweise aus den Datenbanken der Auftragsabwicklungssysteme, der Lagerverwaltungen, oder des Tracking-Dienstleisters abfragt. Zu diesem Zweck werden in den operativen Datenbanken des Auftragsabwicklungssystems und des Lagerverwaltungssystems Sichten (Views) angelegt, die das Datenbanksystem des Order Monitoring- Dienstleisters bei Bedarf liest. Der Dienstleister erhält nur lesende Zugriffsrechte für genau diese Views. Der Zugriff auf die Datenbanken erfolgt technisch über normierte Schnittstellen wie ODBC oder mit herstellerspezifischen Standardwerkzeugen wie SQL*net von Oracle. Hierzu werden ISDN- Wählleitungen im öffentlichen Netz oder ein Virtual Private Network (VPN) benutzt. Die Firewall des Order Monitoring-Dienstleisters schützt die sensiblen Inhouse-Systeme vor Angriffen aus dem Internet. Weiterer Schutz kann durch geeignete Konfiguration der Netzwerktechnik erreicht werden. Der Datenaustausch der Spediteure mit der Sendungsdatenbank des Tracking-Dienstleisters erfolgt möglichst über Standardmechanismen des elektronischen Datenaustauschs (EDI), jedoch nach Möglichkeit unter Nutzung der vorhandene EDI-Infrastrukturen der Partner. Die konkrete Ausprägung der einzelnen Schnittstellen wird jeweils individuell vereinbart (der Mehrwert des Dienstleisters besteht nicht zuletzt in der Reduktion der Komplexität der dadurch entstehenden Schnittstellenvielfalt).

10 Firewall LAN Internet- Server Standleitung Provider Internet SMS WAP Wireless Application Protocol Accesspoint Quantum.Leap Die Intelligenz im Lager... LVS-Server LAN Datenfunkterminals ISDN-Router Etikettendrucker ISDN-Router ISDN-Wählleitung Datenbank- Server Mit dem Handy ins Lager schauen Laserdrucker Workstations Abbildung 6: Anwendung bei Quantum.Logistics Ausblick Das in diesem Beitrag vorgestellte Anwendungsbeispiel verdeutlicht drei zentrale Tendenzen der Informations- und Kommunikationstechnik in der Logistik. Das Internet ist dabei zugleich Treiber dieser Entwicklung (Stichwort e-commerce) und Mittel zu ihrer Umsetzung. Die folgenden Entwicklungen sind heute schon sichtbar: Die zeit- und ortsunabhängige Verfügbarkeit aktueller Informationen wird in Geschäftsbeziehungen als selbstverständlich vorausgesetzt. Unternehmen konzentrieren sich auf die Kernbereiche ihrer Wertschöpfungskette und bedienen sich für nicht unmittelbar wertschöpfende Funktionen wie Logistik und IT spezialisierter Dienstleister. An die Stelle der eigenen Investition in IT Hard- und Software sowie entsprechend qualifiziertes Personal tritt das Konzept des Application Service Provider, welcher IT-Leistung aus der Steckdose zur Verfügung stellt und nutzungsabhängig abrechnet. Literatur [1] Brockhaus-Enzyklopädie in 24 Bänden, Mannheim, (19) 1990 [2] Christof Schulte, Logistik - Wege zur Optimierung des Material- und Informationsflusses, Verlag Vahlen, München, (3) 1999 [3] M. Städtler, Stand und neuere Konzeption einer zwischenbetrieblichen Integration der EDV im Güterverkehr, Dissertation, Erlangen-Nürnberg, 1984 [4] WAP Forum Ltd., Wireless Application Protocol Wireless Application Environment Overview, Version 16-Jun-1999

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