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1 no. 01 OKTOBER 2012 Magazin für den Arzt Themenschwerpunkt PIONIERE Dr. Rudolph Meindl im Portrait med.iatori e.v. Hippokrates im Interview Internetpraxis DrEd.com

2 2 > EDITORIAL Editorial Liebe Leser, etwas Neues zu tun, fordert Mut, Ideen und Tatendrang. Eine Sache verändert anzugehen, bedeutet den Einsatz von Kraft, Risikobereitschaft und Hingabe. Um Dinge anders als andere zu bewältigen, braucht es Durchsetzungsvermögen, Zielstrebig keit und Willensstärke. Doch die Voraussetzung für all das sind Wegbereiter, Vorkämpfer und Pioniere. Der Medicus stellt sich Ihnen mit der ersten Ausgabe vor und widmet sich passend zu dieser Neuerscheinung der Welt der Pioniere. Die Redaktion möchte Sie informieren, unter halten und mit Themen, die teils nur mittelbar in Verbindung zur Medizin stehen, neue Blickwinkel eröffnen. Das Magazin wird von unserem KompetenzNetz medicus e.v. herausgegeben, das sich mit einer ganzheitlichen, qualitativ hochwertigen und aufeinander abgestimmten Unterstützung für Ärzte und Heilberufe in der Metropolregion Nürnberg beschäftigt. Das KompetenzNetz medicus vereint spezialisierte Steuerberater, Anwälte, Wirtschaftsprüfer, Sachverständige für Praxisbewertung, Praxisberater, Banken, eine private Verrechnungsstelle ebenso wie Inneneinrichter, einen Schreiner, eine Werbeagentur und Qualitätsmanager. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen unserer Pionier-Ausgabe!

3 > Inhalt 3 Inhaltsübersicht Dr. Rudolph Meindl im Portrait Von der Leidenschaft, selbstständig zu sein. Recht gehabt Neue Urteile endlich mal zwischen den Zeilen berichtet. med.iatori e.v. Was steckt hinter der Idee der Deutschen Schiedsstelle im Medizinrecht? Ein Interview mit den Vorständen des Vereins gibt Auskunft. Zahlen & Fakten So sieht die Welt der Zahlen am aktuellen Gesundheitsmarkt aus. Hippokrates im Interview Internetpraxis DrEd.com Per Klick zum Arzt. Die erste Internet-Arztpraxis unter die Lupe genommen. Praxismanager Eine Entlastung der Praxisinhaber von administrativen Aufgaben: die Funktion des Praxismanagers. KompetenzNetz medicus im Überblick Ein Zusammenschluss von Partnern, die über eine profunde Expertise im Gesundheitswesen verfügen. Kolumne KompetenzNetz medicus in Aktion 4 Portrait Dr. Rudolph Meindl 16 Fortbildung Praxismanagement 10 med.iatori e.v.

4 Portrait Dr. Rudolph Meindl Selbst ist der Mann

5 > Portrait Dr. Rudolph Meindl 5 Ich kann, weil ich will, was ich muss und Ich liebe es, ein Unternehmer zu sein. Diese zwei Sätze sagen viel über Dr. Rudolph Meindl, den 70-jährigen Unternehmer und Gründer des Netzwerks Medicus, aus. Der zweite Satz stammt dabei von ihm selbst, der erste von Immanuel Kant. Womöglich wird er die erste Aussage gar nicht als uneingeschränkt auf sich zutreffend unterschreiben, da er, das, was er muss, nicht nur will, sondern fast immer mit der Zeit auch schätzt. Es ist die Leidenschaft, die den Geschäftsführer der Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH antreibt und die das Pflichtgefühl in den Hintergrund rücken lässt. Pflicht und Neigung stehen sich bei der Person Rudolph Meindl anders als bei Kant nicht entgegen, aus der Pflicht entsteht schnell Neigung, wenn nur die Leidenschaft den Willen dazu vorgibt. Das ist eines der Geheimnisse des beruflichen Erfolgs eines Mannes, der Ärzte seit 45 Jahren in einer so einzigartigen Weise berät, dass er jüngst Berufs- statt Firmenjubiläum feierte. Für mich ist das Schönste das Akquisitorische Für mich ist das Schönste das Akquisitorische, sagt Dr. Rudolph Meindl heute und seine blauen Augen blitzen dabei, 16 Jahre in Folge war ich als Bezirksdirektor der Gothaer Versicherung der Topverkäufer. Die Nürnberger Bezirksdirektion ist 16 Jahre die umsatzstärkste in ganz Deutschland gewesen. Dabei war der Start des selbstständigen Versicherungsvertreters Meindl im Jahr 1967 alles andere als vielversprechend. Zunächst verkaufte der junge Diplom-Kaufmann nämlich gar nichts, sodass sogar sein Vertrag zeitweise auf der Kippe stand. Nur ein Fürsprecher konnte seinen Rauswurf bei der Gothaer in der Anfangszeit verhindern. Keineswegs ein Verkaufsgenie, aber mit einem starken Willen zur Selbstständigkeit im Rücken, musste er sich sein späteres, legendäres Verkaufstalent erst antrainieren. Dazu las er Bücher wie Lebe begeistert und gewinne oder Sorge dich nicht, lebe. Das reichte ihm aber nicht. Anders als die meisten Verkäufer damals paarte er die gewonnenen Erkenntnisse mit einem hohen Wissen über versicherungstechnische Zusammenhänge, das er sich aneignete, und dem ihm eigenen Mut zu neuen Wegen. Am Ende verkaufte er auch seine ersten Versicherungspolicen. Wenn Meindl eines von Anfang an nicht wollte, dann war es herkömmlichen Versicherungsverkauf zu betreiben. Zwar drängte es den 25-jährigen Absolventen der Wiener Hochschule für Welthandel unbedingt in die Selbstständigkeit. Um aber nicht Klinkenputzen zu müssen, hat er für sich den Versicherungsverkauf im eigenen Haus reformiert.

6 6 > Portrait Dr. Rudolph Meindl Auf der Fahrt von Bagdad durch das Kurdengebiet, August 1963 Gut beraten und besser versichern Anstatt einfach Policen anzupreisen, setzte er auf Beratung und zwar nicht nur rund um den vermittelten Vertrag, sondern auch, und das war ebenfalls neu, auf Wirtschaftsberatung für Ärzte. In einer Zeit vor der Krankenversicherungskarte brachte Meindl seinen Kunden den kalkulatorischen Risikoansatz nahe. Wenn ich dem Dokter gesagt habe, du brauchst mindestens 650 Scheine, damit deine Praxis wirtschaftlich läuft, dann konnte er damit etwas anfangen, erklärt er. Nach über vier Jahrzehnten Ärzteberatung klingt dabei immer noch der Respekt vor dem Dokter mit, wie die Bayern ihren Arzt nennen. Jedem jungen Mediziner, der sich in Nürnberg neu niederlassen wollte, bot Meindl seine kostenlose Unterstützung und sein betriebswirtschaftliches Know-how an die Gegenleistung bestand in der Empfehlung eines passenden Versicherungspakets. Diese neue Form der flankierenden Beratung oder das Angebot von peripheren Dienstleistungen, wie ihr Erfinder sagt, wurde so erfolgreich, dass Meindl 1973 eine eigene Beratungsfirma, mit der Vision Versicherungen zu verkaufen, gründete. Die Curamed, an der die Gothaer mit 51 Prozent beteiligt war, wurde zum Herzstück seines beruflichen Lebens, mit ihr verwirklichte er seine unternehmerischen Visionen. Die Gothaer ließ ihn über weite Strecken machen. Meindl kannte während dieser Zeit keinen Stillstand, vielmehr drängte es ihn immer wieder, neue Chancen zu ergreifen, zeitweise mit Armin Zitzmann, heute stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Nürnberger Beteiligungs- Aktiengesellschaft, an der Seite. Von der Uni weg war er mein Zögling, sagt er, und dabei gleitet ein Lächeln über sein braun gebranntes Gesicht. Eines der Aktionsfelder war der neue deutsche Osten. So wurde Meindl 1990 sofort in den neuen Bundesländern mit Mitarbeitern vor Ort aktiv. Ich habe gesagt: Wenn ihr nicht mitgeht, gehe ich auch ohne euch. Ich war damals 48 Jahre alt, sagt er mit der Selbstverständlichkeit eines Mannes, dem in der offenkundigen Blüte seines unternehmerischen Schaffens niemand hätte Steine in den Weg legen können. Die Gothaer ging mit. Sich selbst zum Erfolg zwingen Im Jahr 2002 gab es dann keinen gemeinsamen Weg mehr, Meindl verkaufte der Gothaer seine Anteile an der Curamed und wurde zum ersten Mal in seinem Leben Angestellter bei dem Versicherungsunternehmen. Ich hatte einen schönen, unkündbaren Vertrag, bis ich Jahre alt geworden wäre, sagt er. Darauf verzichtete er aber bald, Anfang 2004 verließ er die Gothaer endgültig, um anschließend in eine Verrechnungsstelle einzusteigen, die er schon vor Jahrzehnten mit Herrn Schneider gegründet hatte. Vielleicht, um sich zu weiteren Erfolgen zu motivieren, schlug er dabei eine beträchtliche Abfindung aus. Etwas Ähnliches hatte er schon einmal 1973 mit dem elterlichen Erbe getan: Er verzichtete auf seinen Anteil an der Schuhfabrikation, um keine Rückkehroption zu haben, wie er sagt. Nicht zurückkehren wollte er aber keineswegs aus mangelnder Heimatliebe, im Gegenteil. Meindl sagt selbst nach 43 Jahren in Nürnberg nach kurzem Nachdenken immer noch mit dem tief empfundenen Glück der innersten Sicherheit: Ich bin Kirchanschöringer. In der oberbayerischen Gemeinde betreibt die Familie Meindl seit Generationen das Schuhmacherhandwerk, und die Lederbekleidung, heute führen Meindls Neffen dort zwei erfolgreiche Familienunternehmen, die über die Grenzen hinaus bekannt sind. Für Rudolph Meindl kam nie in Frage, sich am Familienunternehmen zu beteiligen. Hinter meinem Vater und meinen beiden älteren Brüder war ich nur die Nummer vier in der Dynastie, erklärt er. Zwar hätte die Familie sicherlich immer eine Aufgabe für ihn gehabt, aber die vierte Geige spielen wollte der selbstbewusste drittgeborene Sohn nicht und verzichtete auf seinen Anteil. Er wollte sich lieber außerhalb der Großfamilie beweisen, um ihr zu zeigen, dass auch er es geschafft habe. Im Grunde sei genau dieses Bedürfnis immer sein Antrieb in seinem Arbeitsleben gewesen.

7 > 7 In der Wüste Nordsahara, August 1964 Pragmatisch philosophieren und ehrlich promovieren Zunächst einmal musste der junge Meindl also weg vom Familienbetrieb, erst einmal ein bisschen in die Welt, per Autostopp nach Griechenland ging die erste Reise. Dem Vater sei es damals sehr unangenehm gewesen, als er in aller Früh vor dem Tor stand. Der Schuhfabrikant wollte nicht, dass die Arbeiter bei Schichtantritt den Sohn dort sähen, erinnert sich der heute 70-Jährige. Meindl ist natürlich trotzdem gefahren, per Anhalter bis an die persische Grenze und später mit einem alten Mercedes bis nach Bagdad. Ein Foto in seinem Büro zeugt heute noch davon, es zeigt das Vehikel und seine Fahrer im Wüstensand. Das Auto steht heute immer noch da, erzählt Meindl, da es unterwegs den Geist aufgegeben habe. Noch eine Reihe weiterer Fotos an den Wänden erzählen von Reisen und verströmen ein wenig Lawrence von Arabien-Feeling. Dabei ist Rudolph Meindl beileibe kein Romantiker. Er wusste nicht nur stets einen pragmatischen Weg zu gehen, der ihn seinen Zielen näher brachte, sondern verstand es auch, alles Wissen einzusetzen, das er erworben hatte. Das war schon in seiner Schulzeit so. Als er in der ersten Schulaufgabe in Französisch eine Fünf geschrieben hatte, kümmerte er sich schnell darum, in die Russischklasse zu wechseln, was ihm auch gelang. Viel später, 1987, nach dem Tod seiner Frau Maria promovierte er über das Versicherungswesen in der Sowjetunion und nutzte dabei seine russischen Sprachkenntnisse. Die Doktorarbeit sei etwas gewesen, was er unbedingt wollte, er habe im Übrigen nicht plagiiert, sondern richtig promoviert. Alle wollen immer Summa cum Laude das geht aber nicht, wenn man alles angibt, was man zitiert, erklärt er. Vor der Abfahrt von Kirchanschöring über Sofia - Istanbul - Ankara - Jerusalem - Bagdad, am Rechts: Auf der Cheops- Pyramide (im Hintergrund die Chephren-Pyramide), August 1964 Der Pragmatiker Meindl war mit einem ehrlichen Cum Laude zufrieden, und er habe alle Quellen angegeben. Schwer sei es dennoch gewesen, er habe fünf Jahre gebraucht und musste zwischendurch immer wieder nach Berlin zur Vorlesung fliegen, und dies oftmals im direkten Anschluss an seine Vorlesungen an der Georg-Simon- Ohm Hochschule in Nürnberg, wo er 10 Jahre als Gastdozent lehrte. Anwesenheit war Pflicht, auch für einen damals schon verdienten Unternehmer. Heute holt er mit sichtlichem Stolz auf das Ergebnis harter Arbeit seine Promotion aus dem Regal und zitiert empathisch die offizielle Würdigung seines Doktorvaters daraus blumige Verkäufersprache attestierte ihm vor zwei Jahrzehnten der Professor. Darüber freut sich der Dr. jetzt und kann immer noch herzlich darüber lachen. Die Episode lässt spüren, wie viel Menschen und Beziehungen Meindl bedeuten. Geistige Gemeinschaft sucht er nicht nur bei seiner Handvoll Freunden, sondern auch beim antiken Philosophen Seneca. In seinem abgegriffenen Band Von der Seelenruhe gibt es mehr unterstrichene Passagen als unberührte. Wenn Meindl die antiken Weisheiten zitiert, dann klingen sie nicht wie Mantras, sondern wie eine wohl formulierte Bestätigung der eigenen Überzeugung.

8 8 > Portrait Dr. Rudolph Meindl Die Ehrlichkeit nie verlassen Bei Seneca heißt es Am stärksten ist, wer sich selbst beherrscht und Niemand ist zufällig gut, die Tugend muss man lernen. Beides hat der Unternehmer Meindl bereits durchexerziert und tut es noch. Beim von ihm ins Leben gerufenen Netzwerk medicus verpflichten sich zum Beispiel die Mitglieder, einen Verhaltenskodex einzuhalten. Dieser steht öffentlich einsehbar auf der Homepage des Verbunds und soll dafür sorgen, dass Ehrlichkeit, Dauerhaftigkeit, Fairness und Offenheit die Zusammenarbeit bestimmen. Wichtig ist, dass man kalkulierbar ist, sagt der Verfasser Meindl. Das spiegelt nicht nur die Überzeugung wider, dass die Medizinerwelt als geschlossener Markt mit hoher Informationsintensität Unehrlichkeit nicht unaufgedeckt ließe, sondern beschreibt auch seine Lebensphilosophie. Die Ehrlichkeit wird nicht verlassen, sagt er kategorisch, deshalb bin ich erfolgreich. Kurzfristig habe er so vielleicht gelegentlich ein Geschäft liegen lassen, das andere mitnehmen würden, langfristig aber seien Geradlinigkeit und Verlässlichkeit seine beiden Erfolgsgaranten gewesen. Aufrichtigen Umgang einfordern Auch von seinen 55 Mitarbeitern fordert Meindl Ehrlichkeit, volle Identifikation mit dem Unternehmen und überdurchschnittliches Engagement. Montags einen Tag krank sein das gibt es bei mir nicht, sagt er. Blaumachen ist bei der Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH ebenso verpönt wie die Killerphrase: Das haben wir doch schon immer so gemacht. Auf der anderen Seite hätten die Mitarbeiterinnen bis auf drei Ausnahmen beschäftigt Meindl nur Frauen einen Chef, der auch verstehe, wenn mal ein Kind krank sei. Dann gebe es eben einen Tag Sonderurlaub, nur angelogen werden wolle er nicht. Da die Beratungskompetenz des Unternehmens hoch ist, sind auch die Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote für die Angestellten weit überdurchschnittlich. Damit verwirklicht der Chef Meindl das mittlerweile schon geflügelte Wort vom Fordern und Fördern par excellence. Die Gegenwart bis zur Zukunft ausdehnen Das Unternehmen, das er heute durch seine Persönlichkeit prägt, mit Hilfe seines seit 8 Jahren im Betrieb arbeitenden Juniorpartners Joachim Zieher und seiner Tochter Gabriele Popp weiter auszubauen, die Wege für seine Nachfolger zu ebnen und weitere Perspektiven zu schaffen, ist Meindls vorerst letzte berufliche Vision. Bereits seit zwei Jahren arbeitet seine Tochter Gabi Popp im Unternehmen, im kommenden Jahr folgt sein Sohn. Gemeinsam mit dem Juniorpartner und ebenfalls geschäftsführenden Gesellschafter Joachim Zieher sollen sie in den kommenden Jahrzehnten die Geschäfte leiten. Es gilt, die Position unter den Top Fünf der inhabergeführten deutschen Verrechnungsstellen zumindest zu verteidigen und insbesondere die Marke Meindl weiter auszubauen. Auf letzteres ist ihr Namensgeber besonders stolz, ist es ihm doch gelungen, seinem Namen einen ebenso wohlgefälligen Klang in den Ohren der Nürnberger Ärzteschaft zu geben, wie es seine Familie seit Jahrzehnten bei den Wanderbegeisterten dieser Welt tut. Derzeit freilich ist der 70-Jährige noch weit davon entfernt, die Geschäfte zu übergeben. Nach wie vor ist er es, der die VIP-Gespräche führt, noch immer gibt er die unternehmerische Vision vor und entscheidet über künftige Geschäftsfelder wie etwa den verstärkten Einstieg in ein echtes Factoring. Sollten ihm aber die Herausforderungen tatsächlich einmal ausgehen, und die Muße sich über sein umtriebiges Gemüt legen, dann wolle er Kunsthistorie und Archäologie studieren, wie er sagt, um gleich nachzuschieben: Das mache ich eh nie, aber vielleicht noch mehr Sport. Körperlich aktiv ist er heute schon in einem Maß, das vielen gleich welchen Alters Respekt abnötigen dürfte. Mindestens dreimal pro Woche krault er Meter und schwingt sich oft aufs Rad; früher habe er beim Tennis nie einen Punkt freiwillig hergegeben. Das sieht er heute lockerer, und auch die Tatsache, dass er nicht mehr uneingeschränkt belastbar ist. Mehr als 10 Stunden muss ich heute nicht mehr arbeiten, und nach einer harten Woche bin ich froh, wenn Freitag Nachmittag ist, sagt er nach 45 Berufsjahren, Das gibt man aber normalerweise nicht zu, höchstens bei Freunden, denen es ebenso geht. Alexandra Buba

9 > Recht gehabt 9 Recht gehabt! Urteil vom Bundesgerichtshof vom Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom Trotz einer vorliegenden Befristung in einem Arbeitsvertrag kann diese Befristung aufgrund der Umstände des Einzelfalls rechtsmissbräuchlich und daher unwirksam sein. Dies gilt selbst dann, wenn ein sachlicher Grund für die Befristung vorliegt. Für das Vorliegen eines Rechtsmissbrauchs können insbesondere eine sehr lange Gesamtdauer oder eine außergewöhnlich hohe Anzahl von auf einander folgenden befristeten Arbeitsverträgen mit dem selben Arbeitgeber sprechen. In dem vorliegenden Rechtsstreit war der Arbeitnehmer auf Grund von insgesamt 13 befristeten Arbeitsverträgen von 1996 bis 2007 auf Grund von Vertretungen von Mitarbeitern, die sich in Elternzeit oder Sonderurlaub befanden, beschäftigt. Überraschende Entgeltklausel für Eintrag in das Internetbranchenverzeichnis kann unwirksam sein. Laut Bundesgerichtshof werden Grundeinträge in ein Branchenverzeichnis im Internet in einer Vielzahl von Fällen unentgeltlich angeboten. Deshalb ist eine Entgeltklausel, die nach der drucktechnischen Gestaltung des Antragsformulars so unauffällig sich in das Gesamtbild einfügt, dass es von dem Vertragspartner des Klauselverwenders dort nicht vermutet wird, unwirksam. Es besteht daher kein Anspruch auf Entgelt. Urteil des Bundesgerichtshofes vom Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom entschieden, dass die Kündigung eines Wohnraummietvertrages durch den Vermieter wegen eines Zahlungsrückstandes mit Beträgen, um die der Vermieter die Betriebskostenvorauszahlung einseitig erhöht hat, nicht voraussetzt, dass der Mieter zuvor im Wege der Zahlungsklage in Anspruch genommen und rechtskräftig zur Zahlung des Erhöhungsbeitrages verurteilt worden ist. Der Vermieter kann das Mietverhältnis kündigen. Urteil des Bundesgerichtshofes vom Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom entschieden, dass einem Mieter auch dann fristlos wegen eines Mietrückstandes gekündigt werden kann, wenn er die Miete auf Grund eines Irrtums über die Ursache eines Mangels nicht entrichtet hat. Das Vorliegen eines Verschuldens des Mieters bei Nichtzahlung der Miete ist nicht Voraussetzung für die fristlose Kündigung. Achtung! Der Arzt heute, ist oftmals nicht nur der Mediziner, sondern auch Arbeitgeber, Mieter, Vermieter, Bauherr, Gesellschafter! Im Rahmen der heutigen in einer Vielzahl errichteten Ärztehäuser unter eigener Flagge (GmbH & Co. KG) besteht daher im Vorfeld der Unterzeichnung der jeweiligen Verträge ein erheblicher Beratungsbedarf. Der Arzt wird zum Bauherr über ein Volumen in Millionenhöhe! Es ist daher empfehlenswert, vor Gründung der Besitz- bzw. Betreibergesellschaft, vor Abschluss der jeweiligen Gewerbemietverträge (Nebenkostenrege lungen, Konkurrenzschutzklausel usw.), vor Abschluss der Architektenverträge (unwirksame Pauschalverträge wegen Verstoß gegen das Mindesthonorargebot der HOAI, garantierte Bausummenhöchstgrenze), vor Abschluss der Werkverträge, Generalunternehmerverträge usw. rechtlichen Rat beim Spezialisten einzuholen. Spätere anwaltliche Beratungen können oftmals keine gerichtlichen Auseinandersetzungen verhindern und nur bedingt zu sachdienlichen Ergebnissen führen. Zech & Partner

10 Deutsche Schiedsstelle im Medizinrecht geht neue Wege Brückenbau für das Gesundheitswesen Frehse: Ein weiteres Problem war, dass die ausgewählten Schiedsrichter bis zu diesem Zeitpunkt nicht ausreichend mit dem Vertragsarztrecht vertraut waren. Deswegen war es natürlich auch schwer, zu einer schnellen und sachgerechten Entscheidung zu kommen. Und das ist ja der Sinn der Sache. Der Medicus: med.iatori wurde erst im letzten Jahr gegründet wie viele Mitglieder hat der Verein und wie setzen sich diese zusammen? Michael Fritz, 1. Vorsitzender des med.iatori e.v. Der Medicus: Bei med.iatori handelt es sich also um eine Schiedsstelle im Bereich Medizinrecht was ist Sinn und Zweck des Vereins? Frehse: Es geht darum, dass speziell Ärzte, Zahnärzte und andere Leistungserbringer im Gesundheitswesen unterstützt werden, wenn es zu Konflikten kommt. med.iatori bemüht sich darum, unparteiisch zu vermitteln und am Ende, mit Hilfe von Mediation, Schlichtung sowie Schiedsgerichtsverfahren, eine Lösung zu finden. Das Ziel ist der gelungene Brückenschlag zwischen den Konfliktparteien. Fritz: Richtig. Außerdem fallen durch strukturierte Schiedsgerichts- und Schlichtungsverfahren oder eben die Mediation langwierige und kostenträchtige Gerichtsverhandlungen mit unsicherem Ausgang weg, was natürlich ein enormer Vorteil ist. Kurz gesagt geht es um die Förderung der Schlichtung, Mediation und Schiedsgerichtsbarkeit im gesamten medizinrechtlichen Bereich. Wir verfolgen zwei Wege: zum einen durch die Unterstützung der im Medizinrecht tätigen Berater in rechtlicher und die Unterstützung der Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und sonstigen Leistungserbringern im Gesundheitswesen in tatsächlicher Art und Weise. Der Medicus: Wie entstand die Idee zu med.iatori? Fritz: Eigentlich durch die Unzufriedenheit, von der einige unserer Gründungsmitglieder in der Beratungspraxis betroffen waren. Das Problem war die Langwierigkeit der bekannten Verfahren es wurde beispielsweise viel Zeit damit verbracht, geeignete Schiedsrichter zu suchen. Fritz: Aktuell haben wir bundesweit mehr als 80 Mitglieder, die aus unterschiedlichen Bereichen kommen. Zu den Mitgliedern gehören Fachanwälte für Medizinrecht, ausgebildete Mediatoren, Ärzte aber auch im Gesundheitswesen tätige Steuerberater das ist ein guter Start und wir sind stolz auf den Erfolg. Der Medicus: Wagen Sie doch mal einen Blick in die Zukunft wo sehen Sie den Verein in fünf Jahren? Fritz: Wir haben uns vorgenommen das Mitgliedernetzwerk so auszubauen, dass die Dienste von med.iatori in ganz Deutschland mit regionalen Schiedsrichtern, Schlichtern und Mediatoren in Anspruch genommen werden können. Der Medicus: Wie muss man sich denn das Vorgehen bei med.iatori vorstellen, wenn z.b. zwei Ärzte sich streiten und sich an den Verein wenden?

11 > Med.iatori E.V. 11 Der Verein med.iatori e.v., Deutsche Schiedsstelle im Medizinrecht, wurde 2011 von Michael Fritz und Michael Frehse in Gießen ins Leben gerufen. Der Medicus hat die beiden Rechtsanwälte, die auch Vorsitzende des Vereins sind, getroffen, um herauszufinden, was eigentlich hinter der Idee steckt. Frehse: med.iatori hat im Internet eine Datenbank eingerichtet, aus der ersichtlich ist, auf welchem Gebiet die in Frage kommenden Schiedsrichter / Schlichter / Mediatoren überwiegend tätig sind. Auf diese Daten greift der Vorstand von med.iatori zurück, und dann werden die entsprechenden Schiedsrichter, Schlichter oder Mediatoren benannt. Bei der Auswahl werden Kriterien wie die fachliche Qualifikation für den jeweiligen Fall, der räumliche Bezug sowie die zeitliche Verfügbarkeit der Personen berücksichtigt. Fritz: Erstmal hat natürlich die fachliche Qualifikation Vorrang vor dem räumlichen Bezug. Als letztes Kriterium entscheidet dann die zeitliche Verfügbarkeit. Kommen mehrere Schiedsrichter, Schlichter und Mediatoren in Betracht, werden die Verfahren im Endeffekt danach verteilt, dass alle Berater angemessen ausgelastet sind. Der Medicus: Wodurch hebt sich med.iatori von anderen Schiedsstellen ab? Frehse: Das Besondere von med.iatori ist ganz klar der Bezug der Schiedsrichter, Schlichter und Mediatoren zur Medizin. In diesem Punkt sind wir wirklich Pioniere. Die Mitglieder, die im Bereich Recht tätig sind, müssen beispielsweise Fachanwalt für Medizin- oder Sozialrecht sein, um im Verein aufgenommen zu werden. Die Steuerberater müssen überwiegend im Gesundheitswesen tätig sein und sollten nach Möglichkeit die Zusatzqualifikation Fachberater für Heilberufe haben. Je nach Lage des Falles ist es gut, wenn man medizinischen Sachverstand mit am Tisch hat, so dass insbesondere Ärzte, Zahnärzte und Apotheker herzlich willkommen sind, denn keiner kennt seinen Markt besser als der Marktteilnehmer selbst. Das ist wohl der wichtigste Unterschied zu anderen Schlichtungsstellen. Die entsprechenden Verfahren werden immer nur von sehr spezialisierten und die Materie kennenden Personen durchgeführt. Der Medicus: Mit welchen Kosten haben die Parteien eines Mediations-, Schlichtungs- oder Schiedsgerichtsverfahren zu rechnen? Fritz: med.iatori vermittelt zunächst nur die entsprechenden Schlichter, Mediatoren und Schiedsrichter, die dann mit den Parteien eine eigene Honorarvereinbarung schließen. Die Mitglieder des Vereins haben sich allerdings bereit erklärt, bezüglich ihres Honorars den Parteien die von med.iatori auf der Homepage bekannt gegebenen Konditionen anzubieten. So kann sich jeder im Vorfeld des Verfahrens über die entstehenden Kosten informieren. med.iatori selbst nimmt für die Durchführung des Schiedsgerichtsverfahrens, also für die Empfangnahme des Verfahrens, die Ingangsetzung des Verfahrens und die notwendigen Schriftsätze, sowie die Verwahrung des schiedsgerichtlichen Urteils des Schlichterspruches bzw. des Ergebnisses der Mediation eine Gebühr in Höhe von 250 Euro. Das Interview führten Michael Friebe und Mareike Piltz Michael Frehse, 2. Vorsitzender des med.iatori e.v. Weitere Informationen unter

12 12 > Zahlen & Fakten Der Markt wächst! Zahlen & Fakten 287,3 Milliarden Euro wurden im Jahr 2010 für Gesundheitsleistungen ausgegeben. Der weltweite Gesundheitsmarkt wächst bis 2020 um 4 Billionen auf 10 Billionen US-Dollar. Fast jeder zweite Euro für Einrichtungen der ambulanten Gesundheitsversorgung Das entspricht 11,6 % des Bruttoinlandproduktes Euro entfallen im Durchschnitt auf jeden Deutschen Größter Zuwachs mit 6 % bei den sozialen Pflegeversicherungen An einem beliebigen Montag befinden sich fast 8% der deutschen Bevölkerung beim Arzt, an Spitzentagen sind es 11,75% ( ). Das entspricht 9,7 Mill. Personen. Die Krankheitskosten je Einwohner betragen bei den 30 bis 40-jährigen Euro im Jahr, bei der Altersgruppe 65 bis 85 sind es schon a im Jahr und bei der Gruppe über 85 Jahre sind es sogar a Im Jahr 1994 gab es gesetzliche Krankenkassen. Mittlerweile sind es nur noch 154. Arbeitsbelastung im Vergleich 102 Patienten pro Woche 19,1 Minuten pro Patient 50,6 Wochenstunden 243 Patienten pro Woche 7,8 Minuten pro Patient 39,9 Wochenstunden Der Spitzenreiter bei den 20 häufigsten Hauptdiagnosen der vollstationär behandelten Männer in Deutschland (2009) sind psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol!

13 > Hippokrates im Interview 13 Hippokrates im Interview ein Meister der Antike (fast) up to date Er gilt als Mitbegründer der modernen Medizin. Der Medicus hat Hippokrates getroffen und musste schnell feststellen, dass er sich von den Gesundheitsthemen des 21. Jahrhunderts nicht so schnell beeindrucken lässt. Hippokrates, Ihre Schaffenszeit liegt ja nun schon ein paar Jährchen zurück. Trotzdem sind einige der Themen, mit denen Sie sich beschäftigt haben, noch immer aktuell. Ihre Meinung, dass der Mensch beispielsweise durch die Ernährung selbst zu seiner Heilung beitragen kann, wird auch heute noch unterstützt. Entschuldigen Sie die Korrektur, aber Sie meinen wohl den Lebensmittelcheck mithilfe des Ampel-Systems. Halten Sie das für sinnvoll? Ja, die Ernährung ist ein wichtiger Aspekt hinsichtlich der Gesundheit. Der jetzige Umgang mit diesem Thema überrascht mich allerdings ein wenig. Ich habe gehört, dass Zebrastreifen auf Lebensmittelverpackungen kenntlich machen sollen, wie gesund oder eben ungesund ein Produkt ist!? Ach so, Ampel statt Zebrastreifen Nein. Jeder sollte bewusst darüber nachdenken, was er zu sich nimmt. So schwer ist es doch gar nicht: an apple a day, keeps the doctor away. Themawechsel. Haben Sie auch schon von der neuen Volkskrankheit, dem Burnout-Syndrom gehört? Gegenfrage: Haben Sie schon davon gehört, dass Menschen seit jeher einen Beruf, Familie, Haushalt und gesellschaftliche Verpflichtungen haben? Und ja, alles gleichzeitig Die Probleme waren schon immer die Gleichen, nur die Lösungsansätze haben sich verändert: wahrscheinlich gibt es selbst für dieses Problem längst eine Birn, die schlaue Tipps bereithält. Ähhh, ich glaube, Sie meinen eine App

14 Per Klick zum Arzt Netzdiagnose! Grenzenloser Fortschritt: Seit einigen Monaten kann der Arztbesuch auch online erledigt werden Besuchen Sie den Web- Doktor unter Schuhe, Bücher, Möbel, HiFi-Geräte mittlerweile gibt es kaum etwas, das wir nicht im Internet bestellen können. Alles wird direkt nach Hause geliefert: einfach, schnell und ganz ohne großen Aufwand. Klar, das Web macht s möglich. Nun geht es aber noch einen Schritt weiter. Eine der neuesten Möglichkeiten ist die Online-Sprechstunde beim Arzt. War es doch bisher so, dass wir uns bei einem Leiden einen Termin in der Praxis unseres Vertrauens gemacht haben, reicht es nun, über eine funktionierende Internetverbindung zu verfügen. Seit November 2011 wird auf der Seite erstmals auch deutschsprachig die virtuelle Behandlung von Krankheiten angeboten. Schon seit August waren die Onlinediagnosen auf Englisch möglich. Wie das funktioniert? Laut dem Pionier auf diesem Gebiet, DrEd, sehr einfach. Zu Beginn muss ein umfangreicher Fragenkatalog abgearbeitet werden. Durch die Registrierung des Patienten wird dann eine Art Kundenkonto, die Online-Krankenakte, angelegt. Im besten Fall erhält der Patient nach einigen Stunden der Auswertung seiner Angaben eine Diagnose, verbunden mit einem Vorschlag zur Behandlung. In bestimmten Fällen müssen noch weitere Fragen beantwortet werden. Nach der Zustimmung zur empfohlenen Behandlung wird das Rezept dem Patienten oder direkt der Online- Apotheke apo-rot übermittelt. Die georderte Medikation sollte dann nach zwei bis drei Tagen eintreffen. Die Online-Akte gibt dem Patienten außerdem Aufschluss über die richtige Einnahme der Medikamente. Kommen die Online-Ärzte zu keinem Ergebnis, wird der Besuch des Hausarztes empfohlen, der auch bei der Inanspruchnahme der Online- Behandlung auf Wunsch informiert werden kann. Das Prinzip scheint unkompliziert: Behandelt werden Patienten ab 18 Jahren, die weder an akuten Erkrankungen leiden, noch als Notfall eingestuft werden. Die Behandlungsgebiete sind klar abgesteckt; so bietet DrEd Behandlungen zu den Oberthemen Männergesundheit, Frauengesundheit, Sexualgesundheit, Innere Medizin, Reisemedizin und Allgemeinmedizin an. Alle Themen werden dann noch mal detaillierter unterteilt. Die Praxisgebühr fällt zwar weg, allerdings werden Behandlungskosten veranschlagt, die zwischen neun und 29 Euro variieren. Diese Kosten müssen jedoch erst gezahlt werden, wenn sich der Patient auch für die empfohlene Behandlung entscheidet. Die Fakten sind also recht schnell erklärt. Trotzdem stellt sich natürlich die Frage, wer am anderen Bildschirm sitzt, denn seine Gesundheit möchte ja niemand so einfach im virtuellen Raum schweben lassen. Zum DrEd-Team gehören mehrere Fachärzte, die sich mit den verschiedenen Behandlungsgebieten beschäftigen:

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