Mut zum Handeln ZWISCHEN NORD- UND OSTSEE. Titelthema: Wir Unternehmer. Wirtschaft im Gespräch: Professor Christian Scheiner

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1 07+08/2015 Juli/August Ausgabe Lübeck 4801 ZWISCHEN NORD- UND OSTSEE Mut zum Handeln Titelthema: Wir Unternehmer Wirtschaft im Gespräch: Professor Christian Scheiner Bundesweite Umfrage: Gute Noten für die IHKs

2 ANZEIGENENTWICKLUNG WERBEMASSNAHMEN LOGO PRINT KATALOGE SUCHMASCHINENOPTIMIERUNG ORGANISATION PLAKATHERSTELLUNG ZEITSCHRIFTEN IDENTITY IMAGEBROSCHÜREN CORPORATE DESIGN DESIGN PROSPEKTE BÜCHER PROJEKT PAPIER WEBSITES PROGRAMMIERUNG CONTENT-MANAGEMENT-SYSTEM PLANUNG WEB MOBILE WEBSITES SHOPSYSTEME INTERNET ONLINE Wir gestalten Ihren Print- und/oder Webauftritt. Mengstraße Lübeck Tel.: 04 51/ Fax: 04 51/

3 Mein Standpunkt Es gibt nichts Gutes außer man tut es! Schon sehr früh habe ich mitbekommen, dass man Dinge einfach tun muss, und mit man meine ich mich. Ich habe schon immer gerne selber Dinge getan. Mal ehrlich: Wer schaut schon stundenlang ein Fußballspiel an, wenn er selber Fußball spielen gehen kann? Besonders mit den eigenen Händen Dinge zu erschaffen und im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen, hat mich fasziniert. Mit einer früh geweckten Leidenschaft für Pflanzen und Tiere und die faszinierende Unterwasserwelt, die mich als junger Erwachsener lockte, war schnell klar: Der Junge wird Meeresbiologe. Und so war auch schnell das Studienfach klar Meereskunde in Kiel. Neben dem Studium jobbte ich als Tauchlehrer und konnte so mein Hobby gleich mit zum Beruf machen was auch die Kasse aufbesserte. Ich merkte schnell, dass eigenständiges Arbeiten Spaß macht mir zumindest. Nach Studium und Arbeitsstelle als Aquakultur-Manager (ich denke, der einzige in ganz Deutschland) bot sich mir die Gelegenheit, die Aquakultur, die ich schon zwei Jahre managte, als junges Unternehmen auszugründen. Und so ergriff ich die Gelegenheit und gründete meine eigene kleine Firma. Bisher mit großem Erfolg und hier meine ich meinen persönlichen Erfolg. Ich bin glücklich, mein eigener Herr zu sein, und freue mich jeden Tag auf meine Arbeit. Arbeite ich eigentlich? Ja, gerne und viel, denn mein Beruf ist der beste, den es gibt zumindest für mich. Egal ob ich draußen die Nase in den Wind halte, am Schreibtisch sitze und Rechnungen schreibe oder mit Geschäftspartnern verhandle: Ich freue mich, Unternehmer zu sein. Durch die vielfältigen Aufgaben ist viel zu tun und auch noch viel zu lernen ein weiterer Aspekt, der mich immer fasziniert: neue Dinge kennenlernen. Genau das, was mir Spaß macht, genau das, was ich wollte. Und daher genau das Richtige zumindest für mich. Was ist Ihre Meinung? Schreiben Sie der Redaktion: Foto: IHK/Legband Dr. Tim Staufenberger, Geschäftsführer der Kieler Meeresfarm UG (haftungsbeschränkt) 07+08/15 1

4 Wirtschaft im Bild Scheren für Profis LÖWE-Scheren der Gebr. Schröder GmbH sind professionelle Werkzeuge für den Wein-, Obst- und Gartenbau entwickelte Unternehmensgründer Walther Schröder die erste Amboss-Schere der Welt und meldete sie zum Patent an. Amboss-Scheren ermöglichen einen ziehenden Schnitt, weil sie nur eine Schneide haben. Gegenstück ist eine glatte Metalloberfläche der Amboss. Die Original-LÖWE-Scheren werden in über 80 ändern eingesetzt, ihre Teile aber bis heute nur in Deutschland entwickelt, gefertigt und montiert. Woher die Scheren ihren Namen haben? Löwe war der Spitzname von Firmengründer Walther Schröder. Foto: Jens Hinrichsen /15

5 Themen der Wirtschaft ZWISCHEN NORD- UND OSTSEE Mein Standpunkt 1 Wirtschaft im Bild 2 Neues im Norden Zitat des Monats 4 Köpfe der Wirtschaft 5 Titelthema Wir Unternehmer Unternehmer in Schleswig-Holstein: Mut zum Handeln 6 CSR-Strategie: Vorteile im Wettbewerb 8 Unternehmensübergabe: Nachfolge meistern lernen 12 HanseBelt-Initiative: die eigene Region mitgestalten 14 Existenzgründung: Start-ups im echten Norden 16 Wirtschaft im Gespräch Christian Scheiner, Stiftungsprofessor für Entrepreneurship an der Uni Lübeck 18 Unternehmen und Märkte Mau & Mittelmann GmbH: dank Windkraft in einem Boot 20 Gebeco GmbH & Co. KG: Reisen bedeutet Verantwortung 21 Grell Naturkost: ökologisch aus Überzeugung 22 Aus dem IHK-Bezirk Regionalteile Lübeck (mit Wahlbekanntmachung), Flensburg und Kiel 23 IHK Schleswig-Holstein Bundesweite Umfrage: gute Noten für die IHKs 40 Standort Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein Musik Festival: Jubiläum mit Tschaikowsky 42 Busreisetourismus: Ein Markt kommt ins Rollen 43 Impulse und Finanzen Designkontor: mit Liebe zum Detail 44 Zukunft mit Bildung Ausbildungsbeispiel: UCA United Canal Agency GmbH 46 Technik und Trends Energieeinsparverordnung: Pflichtangaben bei Inseraten 47 Digitale Währung: die Geldschürfer 48 Globale Märkte Interview: Peter Kompalla, AHK Philippinen 50 Recht und Steuern Arbeitsgerichtsurteil: Befristung bei Arbeitsverträgen 51 Veranstaltungen der IHK 56 Die IHK gratuliert 57 Treffpunkt Wirtschaft mit Rätsel der Wirtschaft 58 Hart am Wind Grünner & Baas, Kolumne 60 Titelbild: istock.com/machineheadz 6 Wir Unternehmer Titelthema Wie wird man Unternehmer? Was ist das Besondere an diesem Beruf? Welche Herausforderungen sind zu meistern? In der Titelgeschichte berichten sechs Unternehmer aus Schleswig-Holstein über ihre Arbeit. Lesen Sie außerdem im Titelthema dieser Ausgabe über die Vorteile einer CSR-Strategie, über Faktoren einer erfolgreichen Unternehmensübergabe, über die Gründerlandschaft im echten Norden und über unternehmerisches Engagement für die Region. 18 Gute Noten für die IHKs Bundesweite Umfrage Partner aus Bildung, Politik und Verwaltung arbeiten gerne mit den Industrie- und Handelskammern in Deutschland zusammen. Und: Die Aufgaben der IHKs sind ihnen bes tens bekannt. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage, die die forum! Marktforschung GmbH im Auftrag des DIHK durchgeführt hat. Foto: Olaf Malzahn Professor Christian Scheiner Wirtschaft im Gespräch Christian Scheiner ist neuer Professor für Entrepreneurship an der Uni Lübeck. Er will Studierenden das Grundgerüst für die Unternehmensgründung mitgeben. Um mehr junge Menschen zur unternehmerischen Tätigkeit zu motivieren, sei nicht zuletzt eine größere gesellschaftliche Wertschätzung für den Unternehmerberuf wünschenswert. 40 Foto: istock.com/matka_wariatka Foto: istock.com/emirmemedovski 07+08/15 3

6 Schlüssel aus Marzipan für Kanzlerin Merkel (vorne links), rechts daneben Museumsdirektorin Lisa Kosok und Renate Menken von der Possehl-Stiftung; hintere Reihe (von links): Ministerpräsident Torsten Albig, Bürgermeister Bernd Saxe, Architekt Andreas Heller Europäisches Hansemuseum Neues Juwel der Museumslandschaft Ende Mai hat das Europäische Hansemuseum in Lübeck mit einem Festakt im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dreijähriger Bauzeit seine Pforten geöffnet. Die Hansestadt habe nun ein neues Juwel, das Geschichte erlebbar macht, sagte Merkel bei ihrer Rede vor 500 Gästen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig betonte, dass durch die Geschäftskontakte der Hanse bis heute gültige Werte für grenzüberschreitende Zusammenarbeit entstanden seien, und lobte, dass die reiche Geschichte der Hanse erstmals in ihren vielen Facetten für ein breites Publikum dargestellt wird. Dem Bund der Hanse gehörten in seiner Blütezeit bis zu 300 Städte an Nowgorod, Brügge, Bergen und London zählten ebenso dazu wie Lübeck oder Hamburg. Vom 12. bis zum 17. Jahrhundert war die Hanse nicht nur auf wirtschaftlichem, sondern auch auf politischem und kulturellem Gebiet ein wichtiger Faktor. Wir können in der Europäischen Union an zentrale Erfahrungen der Hanse anknüpfen, zum Beispiel an die, dass wir gemeinsam stärker sind und mehr für alle erreichen als allein, sagte Kanzlerin Merkel. In der Museumsausstellung vermittelt das Zusammenspiel von beeindruckenden Rauminszenierungen, Kabinetten mit Foto: Olaf Malzahn wertvollen Originalobjekten und neuester Museumstechnik mit interaktiven Angeboten ein informatives wie faszinierendes Bild von der Welt der Hanse und ihren Auswirkungen, die bis in unsere Gegenwart reichen. Mit dem Hansemuseum ist es dem Architekturbüro Andreas Heller Architects and Designers aus Hamburg gelungen, neue historische Forschungsergebnisse, museale Präsentation und mediale Information in eine Architektur zu übertragen, die den Besuchern ein unterhaltsames wie bildendes Kulturerlebnis verspricht. In architektonischer Hinsicht ist mit der baulichen Verbindung von archäologischer Ausgrabung, historischen Gebäuden und dem Neubau ein markantes Zeichen in das UNESCO-Welterbe Lübecker Altstadt gesetzt worden, das sich harmonisch mit den Nachbargebäuden verbindet. red Website des Hansemuseums Förderung der Europäischen Union 420 Millionen für ländliche Räume EU-Agrarkommissar Phil Hogan hat das schleswig-holsteinische Landesprogramm für den ländlichen Raum (LPLR) genehmigt und gibt somit den Weg für 420 Millionen Euro EU-Förderung frei. Zusammen mit den nationalen Mitteln stehen dem Land damit 620 Millionen Euro zur Verfügung. Zitat des Monats Drei von vier Deutschen (75 Prozent) sprechen sich dafür aus, an Schulen pflicht- oder wahlweise ein Unterrichtsfach Benehmen anzu bieten. Dieses Ergebnis einer repräsentativen Befragung des Instituts YouGov unter Bürgern veröffentlichten die Zeitungen des Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlags (sh:z) am 19. Mai Neben dem Hochwasser- und Küstenschutz (68 Millionen) gilt vor allem Agrarumweltmaßnahmen (54 Millionen) und dem LEADER-Ansatz hierunter sind die 21 AktivRegionen in Schleswig-Holstein gefasst mit 63 Millionen Euro das Hauptaugenmerk des Programms von 2014 bis Aber auch die integrierte ländliche Entwicklung (57 Millionen) oder Investitionen in Verarbeitung und Vermarktung sind in der laufenden Periode förderfähig. Regionale Wirtschaft Nach dem Partnerschaftsprinzip der EU werden die Wirtschafts- und Sozialpartner in den gesamten Programmzyklus aktiv eingebunden. So hat die IHK Schleswig-Holstein einen Sitz im Begleitausschuss, wo sie die Interessen der regionalen Wirtschaft vertritt. Ulrich Spitzer, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Flensburg, berät in diesem Gremium nicht nur Projektanträge, sondern überwacht auch die Programmdurchführung. Als Sprecher der Partnergruppe Wirtschaft und Arbeitsmarkt koordiniert er zudem die Wirtschaftsakteure, sodass ihre fachlichen Einschätzungen in den Entscheidungsprozess des Ausschusses einfließen. Derzeit werden zusammen mit dem Ministerium die Projektauswahlkriterien für die aktuelle Periode erarbeitet und abgestimmt. od /15

7 Neues im Norden Weiterbildung zum CSR-Manager (IHK) Verantwortlich handeln Corporate Social Responsibility (CSR) bezeichnet die Verantwortung, die ein Unternehmen freiwillig für Mensch und Umwelt übernimmt. In den vergangenen Jahren hat CSR in die Strategie vieler Unternehmen Einzug gehalten. Bei der Wirtschaftsakademie in Kiel startet am 5. September erstmals ein IHK-Zertifikatslehrgang für das nötige Rüstzeug. Ob in freiwilligem Engagement, ökologischen oder ökonomischen Projekten oder familienfreundlichen Arbeitszeit- Modellen unternehmerisch verantwortliches Handeln zahlt sich langfristig für alle dort arbeitenden Mitarbeiter und deren Kunden aus. Wirtschaftlichkeit und soziale Verantwortung schließen einander nicht aus, sondern gehen Hand in Hand. Die gezielte und aktive Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung kann somit vielfältigen Nutzen und signifikante Wettbewerbsvorteile mit sich bringen. Projektarbeit Die bundeseinheitliche Weiterbildung zum CSR-Manager (IHK) richtet sich daher an Fach- und Führungskräfte von Unternehmen aller Branchen und Größen. Auf dem Programm des Lehrgangs bei der Wirtschaftsakademie stehen unter anderem verschiedene CSR-Managementmodelle, unterschiedliche Konzepte und Instrumente. Die angehenden CSR-Manager werden befähigt, geeignete Aktivitäten zu identifizieren, einzuleiten und zu bewerten. Im Rahmen einer Projektarbeit entwickeln die Teilnehmenden ein Konzept, wie CSR im eigenen Unternehmen gewinnbringend eingesetzt werden kann. red Weiterbildung zum CSR-Manager (IHK) ab 5. September, samstags von 9 bis 16 Uhr, 75 Stunden Kostenlose Infoveranstaltung am 16. Juli um 17 Uhr, Anmeldung bei Viola Helmerichs Telefon: (0431) , Köpfe der Wirtschaft MSC Kreuzfahrten setzt erstmals einen Liaison- Manager in Norddeutschland ein: Nadine Palatz wird ab Mitte August die Interessen der Reederei gegenüber Häfen, Städten und Verbänden in Norddeutschland vertreten sowie PR und Marketing für Norddeutschland koordinieren. Palatz war acht Jahre für Hamburg Cruise Center e. V. tätig und fungierte seit 2008 als Geschäftsführerin der Atlantic Alliance, einem Marketingprojekt von 18 westatlantischen Häfen. Darüber hinaus engagierte sie sich von 2008 bis 2010 beim nordeuropäischen Hafenverband Cruise Europe. MSC positioniert drei Schiffe in Hamburg, Kiel und Warnemünde, um die stark nachgefragten Nordeuropa-Routen anbieten zu können. Diplom-Ökonom Axel Dürer wird als neuer kaufmännischer Leiter die Führungsetage der mittelständischen Schorisch Gruppe mit Sitz in Reinbek, Karstädt und Haselund verstärken. Der gebürtige Bremer leitet die Bereiche Finanzen, Personal, IT und Verwaltung. Zuvor stand der 48-Jährige bei namhaften Unternehmen in der Verantwortung, darunter die JadeWeser- Port Logistics Zone, die PaulGünther-Gruppe und Eduscho. Im Fokus seiner Arbeit stehen etwa einheitliche sowie besser vernetzte Organisationsstrukturen und Abläufe. Die Friedrich Schütt + Sohn Baugesellschaft mbh & Co. KG aus Lübeck hat ihre Geschäftsleitung erweitert. Der Bauingenieur Oliver Schuldt ist seit Anfang März 2015 als Leiter des Baubetriebs eingesetzt. In dieser Funktion ist er für die Bauvorbereitung und -ausführung in dem Familienunternehmen zuständig. Damit unterstützt der 47-Jährige die bisherige Geschäftsleitung mit Frank Schröder (kaufmännischer Bereich) sowie den geschäftsführenden Gesellschafter Jan-Friedrich Schütt. Schuldt kommt von der Goldbeck Nord GmbH, wo er als Leiter der Abwicklung für die Hamburger Niederlassung zuständig war. Fotos: privat, Photohouse Daniela Schworm, Friedrich Schütt + Sohn Baugesellschaft ZWISCHEN NORD- UND OSTSEE Foto: Ralf Gosch - Fotolia.com Begrenzte Sonderaktion Zielgruppe: Entscheider im Mittelstand Werbebeilagen in der sind preiswerter, als Sie denken! Z. B. Vollbelegung, Beilage bis 25 g, 75 pro Tausend Informieren Sie sich unter 04 51/ ZWISCHEN NORD- UND OSTSEE 07+08/15 5

8 Titelthema Wir Unternehmer Juliane Neuß Andreas Großmann Mut zum Handeln Unternehmer in Schleswig-Holstein Unternehmer? Wollte ich nie werden!, sagt Andreas Großmann, Geschäftsführer des Lübecker Software-Dienstleisters Plato AG. Er habe nur einen Weg gesucht, seine Ideen zu verwirklichen. Aber wie wird man Unternehmer? Gibt es die Unternehmerpersönlichkeit? Und was bedeutet Unternehmertum? Sechs Unternehmer aus Schleswig- Holstein berichten über Vorteile, Herausforderungen, ihre Philosophie und Mitarbeiterverantwortung. Timo Klass Unternehmen in Schleswig-Holstein Am 1. Januar 2015 waren in Schleswig-Holstein IHK-zugehörige Unternehmen gemeldet, davon sind im Handels-/Genossenschaftsregister eingetragen und Kleingewerbetreibende. Im Zehnjahresvergleich hat sich die Zahl um 14 Prozent erhöht (2005: ). Auf die Land- und Forstwirtschaft entfallen nur 1,1 Prozent der Unternehmen; 13,8 Prozent gehören dem produzierenden Gewerbe an, 26,9 dem Handel, 5,8 dem Gastgewerbe, 3,6 dem Verkehr und der Lagerei und 48,8 dem übrigen Dienstleistungssektor. Die schleswigholsteinische Wirtschaft ist stark mittelständisch geprägt: 91 Prozent der Unternehmen beschäftigen null bis neun Mitarbeiter, 7,4 Prozent zehn bis 49 Mitarbeiter, 1,3 Prozent 50 bis 249 Mitarbeiter und nur knapp 0,3 Prozent 250 und mehr Mitarbeiter. Damit besteht die Wirtschaft zu 99,7 Prozent aus kleinen und mittleren Unternehmen, was über dem Bundesdurchschnitt liegt. Ann Christin Hahn Liebhaberei, Faszination oder die eine Idee es gibt viele Gründe, sich selbstständig zu machen. Der Informatiker Großmann beispielsweise verkaufte seine erste Anwendung, basierend auf Techniken der künstlichen Intelligenz, bereits kurz nach seinem Studium für 85 Mark. Sein Unternehmerkollege Axel Sörensen aus Schleswig berichtet, dass ihn schon immer fasziniert habe, dass es da oben eine unerschöpfliche, extrem starke, kostenfreie Energiequelle gebe, die jeder anzapfen könne. Schon im Energietechnik-Studium hielt der 47-Jährige fossile Energielieferanten für aussterbende Dinosaurier. Da die Branche in den 80er-Jahren nur aus Einmannbetrieben bestand, machte er sich mit der Solar-Technik Nord GmbH selbstständig. Wie Großmann und Sörensen gründete auch Timo Klass kurze Zeit nach seinem Studium, nachdem er zwei Jahre im Verlagswesen gearbeitet hatte: Zwölf Jahre später hat seine Agentur Hochzwei in Flensburg 45 Mitarbeiter. Für die 63-jährige Kielerin Regina Raubusch kam nach langjähriger Erfahrung in Führungspositionen im In- und Ausland von ihrer Position her nur die Selbstständigkeit infrage. Mit ihrem Beratungs- und Coachingunternehmen feiert sie 2016 ihr 20-jähriges Bestehen. Bei Juliane Neuß war es Liebhaberei: Ich habe von meinem ersten Fahrrad schon in Erinnerung, dass es auf dem Kopf stand und ich geschraubt habe entwickelte sie das mitwachsende Kinderrad, von dem rund produziert wurden. Das macht natürlich Mut zu mehr. Parallel zu ihrer Arbeit als Laborantin für Werkstoffkunde gründete sie vor 17 Jahren die Einfraufirma Junik in Glinde, wo sie mittlerweile hauptberuflich Spezialfahrräder, etwa 12-Zoll-Räder für kleinwüchsige Kleinkinder, konstruiert. Die Idee, mich selbstständig zu machen, kam schon in der Schule, sagt hingegen die 34-jährige Ann Christin Hahn, Inhaberin von Lasermobil e. K. in Tornesch. Da sie die Gründung ihres Vaters miterlebte, kannte sie die Klassiker: Die Bank, die Steuer und dass es häufig anders kommt, als man es gerade braucht. Fotos: Guido Kollmeier, Pat Scheidemann, Andrea Henkel, Hochzwei /15

9 Titelthema Wir Unternehmer Axel Sörensen Entscheidungsfreiheit Ich kann mir nicht mehr vorstellen, einen Achtstundentag als Angestellte zu verbringen. Das halte ich für Zeitverschwendung, weil meine Fähigkeiten dann brachliegen, sagt Fahrradexpertin Neuß. Hauptnachteil sei, zu viel Zeit für zu wenig Geld zu opfern. Großmann meint, als Unternehmer sei der Identifikationsgrad wesentlich höher: Jede Stelle hat von vornherein eine gewisse Fremdbeschreibung. Es sei ein riesiger Vorteil, wenn einem niemand reinreden kann, sagt der Energieingenieur Sörensen: Ich bin gerne Unternehmer, weil ich jeden Tag neu entscheiden kann, was ich tun möchte und wie ich es tun möchte. Kommunikationsfachmann Klass gibt zu bedenken: Man hat zwar keinen direkten Chef, dafür aber ganz viele und zwar seine Kunden. Dennoch habe er die Freiheit zu entscheiden, in welche Dinge er Zeit und Geld investierte. Regina Raubusch Mit anderen Flensburger Unternehmen arbeitet Klass seit drei Jahren ehrenamtlich an einer Imagekampagne für die Stadt. Auch Sörensen ist ehrenamtlich Mitglied des Unternehmerzusammenschlusses Schleswig Paten. Warum? Weil es auch ein Zugehörigkeitsgefühl zur Region gibt. Jungunternehmerin Hahn hat über die Wirtschaftsjunioren den Verein Mentor die Leselernhelfer Kreis Pinneberg e. V. mitinitiiert und Personalberaterin Raubusch unterstützt beispielsweise junge Unternehmerinnen im Mentoringprogramm TWIN (TwoWomenWin). Großmann überlässt Hochschulen kostenlose Softwarelizenzen: Man kann natürlich sagen, ich bin ein Gutmensch ja, das auch, aber die Studierenden sind auch die nächste Generation, die unsere Produkte verwendet. Neuß ist der Meinung, dass Unternehmer die Fähigkeit haben, etwas zu verändern: Wer diese Erfahrung in der eigenen Firma mache, werde mutiger, auch in der Gesellschaft mitzuwirken. Grundsätzlich müsse sich nicht jeder selbstständig machen, findet Raubusch: Unternehmer sein heißt viel arbeiten, bevor man seine Früchte ernten kann. Es sei schon im Wort angelegt: selbst und ständig. Man ist eigentlich 24/7-Unternehmer, sagt Klass. Sörensen stellte schon im Studium fest: Bei Projektarbeiten gab es diejenigen, die sofort klare Vorstellungen und viele Ideen hatten. Andere arbeiteten lieber zu. Als Arbeitnehmer habe man natürlich jemanden, der Orientierung gibt, bestätigt Hahn. Das fehle ihr selbst als Unternehmerin manchmal. Beim Thema Mitarbeiter habe sie daher eine klare Überzeugung: Wenn etwas hakt, liegt es oft am Unternehmer. Banales Beispiel: Wenn Mitarbeiter sich nicht trauen, Entscheidungen zu treffen, ist vielleicht der Rahmen nicht klar genug abgesteckt. Vor allem dürfe niemand für eine Entscheidung angezählt werden, die er im Sinne des Unternehmens trifft: Wenn Einsatz und der Mut, Dinge zu regeln, bestraft werden, dann kommt schnell kein Einsatz mehr. Hart kalkulieren Man sollte sich auch gut überlegen: Habe ich das Kaufmännische drauf? Oder bin ich nur beim Produkt gut? Dann wird s nicht funktionieren, sagt Klass. Neuß verkalkulierte sich bei ihrer ersten Produktion, hatte Euro Materialschulden: Bei Liebhaberei setzt man aus purer Menschenfreude häufig die Zahlen nicht hoch genug an. Ab dem Moment habe ich ganz brutal durchkalkuliert. Nach vier Jahren war sie schuldenfrei. Verantwortung, vor allem den eigenen Mitarbeitern gegenüber, ist für alle sechs Unternehmer ein großes Thema. Während der Dotcom-Blase 2001 und auch 2008 sei es sehr eng geworden, erzählt Großmann. Obwohl der Umsatz sich halbierte, wurde niemand entlassen. Schnell handeln ist wichtig, aber nicht hysterisch und hysterisch wäre, die Verantwortung zu vergessen: Wir sind 55 Leute, das sind 55 Familien. Auch wenn Plato mittlerweile eine AG sei, seien sie nicht zynisch geworden: Wir bauen nichts, das nach zwei Jahren kaputt ist. Das ist natürlich gang und gäbe, aber albern. Wir sind schon am Erfolg orientiert das bedeutet, dass wir Respekt gegenüber unseren Kunden und dadurch auch langjährige Partnerschaften haben. Autorin: Andrea Scheffler IHK-Redaktion Schleswig-Holstein Man hat zwar keinen direkten Chef, dafür aber ganz viele seine Kunden. Partner für E-commerce - Abwicklung gesucht? Wir bieten viele Lösungen aus einer Hand an bis hin zum Kauf und dem gemeinsam mit Ihnen koordinierten Verkauf Ihrer Ware in eigenen Shops oder auf den gängigen Portalen. Ob Kunden-Service per Mail und Telefon, Logistik, Buchhaltung/Bankenclearing, Retourenservice incl. der Vermarktung von Retouren, Abverkauf von Posten, Ersatz- und Zubehörteile-Verkauf per Webshop wir reden mit Ihnen gerne über Lösungen für Ihren E-Commerce-Auftritt. Auf Wunsch können wir natürlich auch bei der Gestaltung Ihrer Website helfen. Bitte kontaktieren Sie uns: ES24 A Division of Carstensen Import-Export Handelsgesellschaft mbh Werner-von-Siemens-Straße 3-7, Ellerau (Germany) Telefon: , Mobil: , Mail: Web: /15 7

10 Titelthema Wir Unternehmer Vorteile im Wettbewerb CSR-Strategie Der Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) ist in aller Munde. Doch was bedeutet er eigentlich genau? Und was muss ein Unternehmen beachten, wenn es ein CSR-Konzept aufstellen möchte? Foto: Universität Liechtenstein /15 Foto: istock.com/franckreporter Im weitesten Sinne bedeutet CSR die allgemeine Verantwortung gegenüber der betrieblichen Umwelt, im engeren Sinne meint sie vor allem ökologische und soziale Verantwortung, erklärt Professor Dr. James Bruton. Der gebürtige Ire und gelernte Steuerberater berät Unternehmen auf wissenschaftlicher Basis zu betriebswirtschaftlichen und steuerlichen Themen. Zu seinen Schwerpunkten zählt das sogenannte CSR-Controlling. Bei der Formulierung und Umsetzung einer CSR-Strategie müsse ein Betrieb vielen Stakeholdern mit zum Teil deutlich variierenden Interessen gerecht werden. Gerade Letzteres kann zu Problemen führen, da etwa bei langen Lieferketten die Stakeholder sehr weit weg vom Betrieb und die Verhältnisse im Detail unbekannt sein können, so Bruton. Mit einem guten internen CSR-Kodex könne ein Unternehmen auf lange Sicht klare Wettbewerbsvorteile erzielen, vor allem in Hinblick auf das Gewinnen und Binden von Mitarbeitern. Auch die durch das Internet bedingte große Transparenz mache verantwortungsbewusstes Handeln unabdingbar. Gute Professor Dr. James Bruton Fachkräfte können heute oft zwischen mehreren Arbeitsstellen wählen und entscheiden sich nicht selten für diejenigen Betriebe, deren Werte zu den eigenen passen. Allerdings merken sie auch sehr schnell, ob diese Werte wirklich gelebt werden oder nur pro forma aufgestellt wurden, warnt der Experte. Gerade große Unternehmen sind bei CSR häufig auf Marketing und Berichterstattung ausgerichtet, da sie eine Veröffentlichungspflicht haben. Viel interessanter ist, wie der Mittelstand an das Thema herangeht. Leider sei vielen Unternehmern die Relevanz noch nicht bewusst. Gerade die Traditions- und Familienunternehmen haben in der Regel ihre ganz eigenen Werte, nach denen sie handeln. Mit CSR hat das allerdings wenig zu tun. Gute CSR braucht eine durchdachte Strategie und eine konsequente Umsetzung, betont der 63-Jährige. Hier setze das CSR- Controlling an. Gerade in Branchen wie der Lebensmittelindustrie oder der Bekleidungsindustrie, die häufig von Skandalen betroffen sind, braucht man klare Strukturen. Diese Strukturen zu schaffen, sollte Aufgabe des CSR-Controllers sein. Um nachhaltige, glaubwürdige und gut umsetzbare CSR-Richtlinien zu schaffen, müss ten diese zudem konsequent in die Unternehmensstrategie eingebunden werden. Man muss eine konkrete Vorstellung von dem haben, was man will, und davon, wie man Zielerreichungsgrade messen kann, so Bruton. Wer es wirklich ernst meint mit CSR, muss zunächst Man muss eine konkrete Vorstellung von dem haben, was man will. einmal einiges investieren vor allem Ideen. Dann ist es wichtig, Pläne zu erstellen und die Umsetzung der Vorhaben regelmäßig zu kontrollieren. Das A und O sei, dass der CSR-Kodex wirklich zum Unternehmen passte. Bei CSR gibt es kein one size fits all, man hat vielmehr sehr große Gestaltungsspielräume und muss hochindividualisierte Konzepte ausarbeiten. Erst wenn diese stehen, kann man anfangen, operativ zu denken. Einer der größten Fehler, die man machen kann, ist es, die Konzepte anderer Betriebe zu kopieren. Bruton rät dazu, alle Mitarbeiter zumindest jene der mittleren Führungsebene in die Gestaltung einzubeziehen, sodass sie sich später auch mit den Regelungen identifizieren und diese leben können. Autorin: Andrea Henkel IHK-Redaktion Schleswig-Holstein Website von James Bruton

11 Foto: WAK SH SPS-Mitmacher der Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe (AGS) und der beteiligten Pflegeunternehmen Faktor Mensch fördern CSR im Pflegebereich Europa wird älter, völlig neue soziale Wirklichkeiten stehen bevor. Unternehmen des Pflegebereichs stehen in Zeiten des demografischen Wandels vor besonders großen Herausforderungen. Der Wettbewerb um die besten Talente hat längst begonnen. In den ländlichen Regionen Schleswig-Holsteins verstärkt sich der Wettbewerb noch durch die Abwanderung von Azubis und Fachkräften in Richtung der städtischen Ballungszentren. Wie können sich Aktivitäten im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR) bei der Bewältigung des drohenden Fachkräftemangels in Pflegeeinrichtungen positiv auswirken? Wie ist ein mitarbeiter- und gemeinwohlorientiertes Engagement im anspruchsvollen Pflegealltag umsetzbar? Diese Fragen griffen in Itzehoe die Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe (AGS) ein Tochterunternehmen der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein GmbH und sieben kooperierende ambulante sowie stationäre Steinburger Pflegeunternehmen mit dem Projekt Soziale Pflege Steinburg (SPS) auf. Drei Jahre lang wurde es im Rahmen des Bundesprogramms CSR Gesellschaftliche Verantwortung im Mittelstand mit Mitteln des Bundesarbeitsministeriums und des Europäischen Sozialfonds gefördert. Ziel des Projekts war, die beteiligten Pflegeunternehmen dabei zu unterstützen und zu beraten, eine verantwortungsvolle Unternehmensführung in den Handlungsfeldern Mitarbeiter und Gemeinwesen umzusetzen, um das Abwandern von Fachkräften aus der Region zu reduzieren. Experten binden Dafür wurden von der AGS und den Betrieben beispielsweise Qualifizierungs- und Coachingpläne entwickelt und im Berufsalltag erprobt. Neben individuellen Weiterbildungskomponenten oder Angeboten zur Gesundheitsförderung rückten auch die in den Pflegeeinrichtungen ehrenamtlich engagierten Helferinnen und Helfer sowie pflegende Angehörige als Unterstützer der hauptamtlichen Mitarbeiter in den Fokus. Die Projektaktivitäten führten zu wahrnehmbaren positiven Veränderungen in den Unternehmen. Nach Aussagen der Beschäftigten nahm insbesondere die persönliche Zufriedenheit deutlich zu. Die Unternehmen wiederum berichteten, dass die Mitarbeiter viel besser als zuvor bestehende Strukturen und Prozesse analysieren und optimieren konnten. Die Erfahrungen aus dem Projekt zeigten, dass mitarbeiterorientiertes, gezieltes gesellschaftliches Handeln nicht nur dem Mitarbeiter zugutekomme, sondern insbesondere auch für die Einrichtungen von wirtschaftlichem Nutzen sei und regionale Wettbewerbsvorteile mit sich bringe, betont Dr. Maria Meiners-Gefken, Leiterin des Projekts bei der AGS. Der Erfolg eines Unternehmens in der Pflege hängt maßgeblich vom Faktor Mensch ab. Diesen gilt es gut zu pflegen, damit er Fähigkeiten wie Wertschätzung, Kreativität, visionäres Denken, Tatkraft und intelligentes emotionales Handeln für die Bewältigung des Arbeitsalltags und zur Entwicklung von neuen Ansätzen zur Verbesserung der Arbeitsprozesse nutzen kann, sagt Meiners-Gefken. Das aktive Engagement für die Beschäftigten und für das lokale Umfeld der Pflegeunternehmen erhöht die Identifikation der Region mit dem Unternehmen. Das gute Image des Unternehmens trägt zur Gewinnung und Bindung von Pflegeexperten bei. Und gleichzeitig erhöht sich dadurch die Bewohner- und Angehörigenzufriedenheit, die Außenwirkung der Einrichtung und damit die Belegung und Wirtschaftlichkeit des Unternehmens, so die Bilanz der Projektleiterin. red CSR auf der IHK-Website (Dokument-Nr ) 07+08/15 9

12 Wir sichern Ihr Lebenswerk für die Zukunft! Für Unternehmer ist es wichtig, sich frühzeitig mit dem Thema Unternehmensnachfolge auseinanderzusetzen. Aber vielen von ihnen fällt es heutzutage schwer, einen geeigneten Nachfolger für ihr Unternehmen zu finden. So gibt es aktuell mehr abzugebende Unternehmen als zugreifende Unternehmensnachfolger ein Trend der bestehen bleiben wird, wie die Studie Herausforderung Unternehmensnachfolge im Wirtschaftsraum Schleswig-Holstein und Hamburg der HWB Unternehmerberatung GmbH bestätigt. Es ergibt sich ein klares Bild, wenn wir uns die Situation vergegenwärtigen, sagt Helmut Bauer, Geschäftsführer der HWB. Die Herausforderung Unternehmensnachfolge wird zukünftig gravierende Auswirkungen für den einzelnen Unternehmer und für die gesamte wirtschaftspolitische Region haben. Einer steigenden Zahl an altersbedingten Unternehmensabgaben steht eine vor allem durch die demografische Entwicklung und sich ändernde Erwartungen jüngerer Generationen sinkende Zahl potenzieller Nachfolger gegenüber. Die Herausforderungen hat auch die Sparkasse zu Lübeck AG sehr frühzeitig identifiziert. Wir begeistern Menschen durch Nähe und Fairness. Unser Erfolg bringt die Region Lübeck nach vorn. So lautet unsere Vision. Damit stehen wir auch für das Thema Unternehmensnachfolge, das wir im vergangenen Jahr in unserer Wachstumsstrategie verankert haben, sagt Thomas Timm, Leiter des FirmenkundenCenters der Sparkasse zu Lübeck AG und Hauptansprechpartner für das Thema bei der Sparkasse. Für die Region, der wir uns seit fast 200 Jahren verpflichtet fühlen, ist es von entscheidender Bedeutung, dass gute Lösungen im Bereich der Unternehmensnachfolge gefunden werden. Die Kooperation mit der HWB wird uns dabei helfen, den Herausforderungen zukünftig noch besser zu begegnen. Denn es geht um den Erhalt von vielen Arbeitsplätzen in Lübeck und Umgebung, wie die Studie der HWB zeigt. Wir sprechen hierbei von rund Unternehmen mit etwa Arbeitsplätzen und circa 4,8 Milliarden Euro Umsatz, sagt Bauer. Risiken sind unter anderem darin zu sehen, dass gesunde Unternehmen schließen, Unternehmenskonzentrationen zunehmen oder Unternehmenszentralen in andere Regionen abwandern. Das trifft dann nicht nur den Unternehmer selbst, der beispielsweise seine Altersabsicherung gefährdet sieht, sondern auch die Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren können. Darüber hinaus spielen neben strukturpolitischen auch sehr persönliche Befindlichkeiten bei der Übergabe eines Unternehmens eine Rolle. Neben der emotionalen Bindung eines Unternehmers an sein Unternehmen können dies unterschiedliche Preisvorstellungen oder aber die Frage sein, ob es sinnvoll ist, dass der abgebende Unternehmer in irgendeiner Form im Unternehmen vorläufig weiter mitwirkt, erklärt Bauer. Für eine erfolgreiche Unternehmensübergabe in Lübeck und der Region nehmen Förderinstitute, Handwerkskammer Lübeck, IHK zu Lübeck und Sparkasse zu Lübeck AG eine besondere Rolle ein. Die zentrale Herausforderung besteht darin, die Unternehmer frühzeitig zu motivieren, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und die vorhandenen Unterstützungsangebote zu nutzen, sagt Timm. Die Kundenberater der Sparkasse zu Lübeck wurden speziell für das Thema geschult. Wir sind sehr gut vorbereitet, um geeignete und passende Lösungen zu finden. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Region zu erhalten und Arbeitsplätze zu sichern, ist es also notwendig, frühzeitig die Diskussion zum Thema Unternehmensnachfolge zu führen. Fünf bis zehn Jahre vor der geplanten Übergabe sind dabei keineswegs zu viel. Unternehmer sollten rechtzeitig Überlegungen anstellen und Maßnahmen ergreifen, um den Herausforderungen zu begegnen, gern in Zusammenarbeit mit der HWB und der Sparkasse zu Lübeck, sagt Timm. Die Sparkasse zu Lübeck AG und die HWB bieten interessierten Unternehmern dafür im Rahmen ihrer Kooperation immer ein kostenfreies und umfangreiches Erstberatungsgespräch, das in den Räumen des Unternehmens, der Sparkasse oder in den neu eröffneten Lübecker Büroräumen der HWB stattfindet. Die Studie der HWB finden Sie zum Download auf Zur Person Thomas Timm Der gebürtige Lübecker Thomas Timm ist seit 2002 bei der Sparkasse zu Lübeck tätig. Der leidenschaftliche Fußballer ist verheiratet und Vater einer Tochter. Seit mehr als 25 Jahren arbeitet er im Firmenkundengeschäft. Er ist Hauptansprechpartner für das Thema Unternehmensnachfolge bei der Sparkasse zu Lübeck. Sparkasse zu Lübeck AG Breite Straße 18-28, Lübeck Telefon: Zur Person Helmut Bauer Nach Banklehre und Studium in Kiel arbeitete Helmut Bauer als Firmenkundenbetreuer in München und Hamburg. Zurück in Schleswig-Holstein gründete er gemeinsam mit Hartmut Winkelmann vor fast 10 Jahren die HWB. Mit inzwischen 20 Mitarbeitern liegt sein Schwerpunkt in der Nachfolgeberatung. Helmut Bauer ist verheiratet und Vater zweier Söhne. HWB Unternehmerberatung Schützenhof 4, Lübeck Holstenstr. 108, Kiel

13 Thomas Timm (Leiter FirmenkundenCenter der Sparkasse zu Lübeck AG) und Helmut Bauer (Geschäftsführer der HWB Unternehmerberatung GmbH) Wir sichern Ihr Lebenswerk für die Zukunft! Überlassen Sie Ihre Unternehmensnachfolge nicht dem Zufall profitieren Sie von unserer Kompetenz und unserer Erfahrung. Ihr FirmenkundenCenter Telefon

14 Titelthema Wir Unternehmer Nachfolge meistern lernen Unternehmensübergabe Bei der Übergabe eines Betriebs an den Nachfolger gibt es viele Details zu beachten, wirtschaftlich wie emotional. Das Unternehmen Büge Autoteile aus Flensburg und Lübeck mit neun Standorten in Schleswig-Holstein zeigt, wie der Generationswechsel erfolgreich verläuft aber auch, worauf zu achten ist. Der übergebende Inhaber muss auf jeden Fall mit offenen Karten spielen, speziell bei den Unternehmenszahlen, sagt Holger Jensen, Referent für Existenzgründung und Unternehmensförderung bei der IHK Flensburg. Nur so könnten die potenziellen Nachfolger, insbesondere die externen, den Betrieb genau beurteilen. Andernfalls springt der Interessent schnell ab. Thorsten Zeidler, Mehrheitsinhaber von Büge Autoteile, kannte das Unternehmen seiner Familie von klein auf, hegte aber lange kein Interesse an einer Übernahme. Erst nach dem Studium fand er den Weg in die Firma. Meinem Vater und mir war klar, dass ich noch einige Abteilungen durchlaufen sollte, um den Betrieb genau kennenzulernen, so Zeidler. Die enge Zusammenarbeit mit dem Vater sorgte allerdings auch für Konflikte. Ich habe zum Beispiel eine Filiale mit neuem Konzept aufgebaut. Bei der Herangehens- und Arbeitsweise waren wir da häufig uneins, berichtet Zeidler. Anders als die vorherige Generation überträgt der neue Inhaber seinen Mitarbeitern noch mehr Verantwortung. Ich akzeptiere damit aber auch, dass Thorsten Zeidler manche Dinge anders geregelt werden, als ich sie selbst machen würde. Nach 35 Jahren als Geschäftsführer sei es dem Senior Detlef Zeidler spürbar schwergefallen, den Betrieb zu übergeben. Mein Vater hat oft gesagt, in drei Jahren höre er auf. Nur beim Zeitpunkt, wann diese drei Jahre beginnen, musste ich nachhaken. Sie brauchen Anschub? Als verlässlicher Finanzierungspartner für den Mittelstand bringen wir Ihre Idee auf den Weg. Wir helfen Existenzgründern durchzustarten und stärken Ihr Unternehmen mit wirtschaftlichem Eigenkapital. MBG Schleswig-Holstein MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Schleswig-Holstein mbh Im Haus der Wirtschaft Finanzforum Lorentzendamm Kiel Telefon Anzeige Neuer Beteiligungsfonds der MBG stärkt den Technologiestandort Schleswig Holstein Als regionale Beteiligungskapitalgesellschaft stärkt die MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Schleswig-Holstein mbh das wirtschaftliche Eigenkapital mittelständischer Unternehmen in Schleswig-Holstein. Mit dem im Juli 2015 neu aufgelegten Seed und Start-Up-Fonds II werden die Finanzierungsmöglichkeiten für Existenzgründer weiter verbessert. Aus dem Fonds werden junge Technologieunternehmen, die sich in der Gründungs- oder frühen Wachstumsphase befinden, mit stillen und offen Beteiligungen finanziert. Diese Unternehmen zeichnen sich häufig durch hohe wirtschaftliche Risikopotentiale aus. Sie haben daher traditionell Schwierigkeiten, sich an den Märkten zu finanzieren. Der Seed und Start-Up-Fonds II hat ein Volumen von 12 Mio. und wird aus Mitteln der EU, der IB.SH, dem Land Schleswig-Holstein und der MBG gespeist. Neben der Förderung von technologieorientierten Unternehmen beteiligt sich die MBG mit Beteiligungskapital vor allem an Unternehmen aus den Sektoren Dienstleistungen, Industrie, Handel und Handwerk. Ein besonderer Schwerpunkt erfolgt dabei im Bereich nachhaltiger Investitionen von Unternehmen in Umwelt-, Energie- oder Materialeffizienz, hier bietet die MBG den Unternehmen besonders günstige Konditionen an. Die MBG stellt sich auch dem wichtigen Thema der Finanzierung von Nachfolgeregelungen /15

15 Titelthema Wir Unternehmer Auch Jensen weiß um die Bedeutung der emotionalen Bindung an das Unternehmen: Der Ausstieg fällt den Senior- Unternehmern oft schwer. Das harmoniert im Übergang dann nicht immer. Der Erfahrungsschatz kann aber auch durch eine beratende Tätigkeit bewahrt werden. So sprachen Thorsten Zeidler und seine Eltern noch einige Jahre quartalsweise über die Unternehmensentwicklung. Fotos: Büge Autoteile IHK-Angebote Doch nicht nur die Übergabe des operativen Geschäfts, auch die der Firmenanteile muss geregelt werden. Sonst ist man selbst nur angestellter Geschäftsführer und hat weniger Bindung an die Firma, sagt Zeidler, der die Anteile schließlich von seiner Mutter Heide-Lore, Tochter des Firmengründers, gekauft hat. Der Generationenübergang müsse schon deshalb vollständig sein, damit die Mitarbeiter wüssten, woran sie seien. Zudem ist eine unabhängige Beratung bei der Übergabe wichtig, sind sich der IHK-Fachmann und der Unternehmer einig. Inhaber können sich etwa im Stabwechsel Nachfolgedialog informieren, Nachfolgern bieten die Existenzgründungsberatungen der IHKs umfassende Informationen. Außerdem gibt es neben der Nachfolge-Plattform nexxt-change eine neue interne Nachfolgedatenbank, bei der die IHK vermittelt. Die Beratungen sollten Inhaber und Nachfolger getrennt voneinander wahrnehmen, merkt Jensen an. Die Interessen sind einfach zu verschieden und das Konfliktpotenzial zu groß. Allen Nachfolgern, auch familieninternen, empfehlen Zeidler und Jensen zudem, alle Schritte der Einarbeitung und den Ausstieg des Vorgängers schriftlich zu vereinbaren. Wir haben das oft mehr neben dem Tagesgeschäft gemacht. Da wäre die Möglichkeit eines Soll-Ist-Vergleichs im Nachhinein hilfreich gewesen, sagt der Inhaber von Büge Autoteile. Autor: Daniel Kappmeyer IHK-Redaktion Schleswig-Holstein Nachfolge-Plattform Anzeige Mikrokredit vom Bund Kapital für Firmen und Selbständige Mein Mikrokredit die unbürokratische Finanzierung für kleinere Unternehmen Die Bundesministerien setzen die sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem führenden Mikrokreditanbieter in Norddeutschland, der Mikrokredit Schleswig-Holstein GmbH fort. Die schnelle unbürokratische Kreditvergabe hat sich inzwischen als sichere Finanzierungsalternative etabliert. Dazu der geschäftsführende Gesellschafter Philipp Eitel: Viele Unternehmer scheitern bei den konventionellen Bankinstituten am zu geringen Kreditvolumen oder den fehlenden Sicherheiten. Neben Existenzgründern können gerade auch Unternehmen, die schon länger am Markt etabliert sind, Kredite erhalten, um ihren Finanzbedarf zu decken. Das vom Bund akkreditierte Mikrofinanzinstitut vergibt Darlehen von bis zu Euro. Mehr als 750 gewährte Kredite allein in Schleswig-Holstein machen deutlich, dass der Bedarf an unbürokratischer Finanzierung überwältigend groß ist. Besonders Handwerker und Dienstleistungsbetriebe stehen bei der Aktion Mein Mikrokredit im Mittelpunkt. Aber keine Branche und Personengruppe ist ausgeschlossen. Der Zinssatz liegt bundeseinheitlich bei 9,9 Prozent. Die Kreditentscheidung erfolgt innerhalb von 48 Stunden. Weitere Informationen unter oder Telefon oder /15 13

16 Titelthema Wir Unternehmer Im Mittelpunkt steht eine gemeinsam gelebte, moderne Unternehmenskultur. Vorstandsvorsitzender des HanseBelt e. V. Bernd Jorkisch (rechts) mit Schülern der Bargteheider Anne-Frank-Schule, Zukunftskongress 2014 Die eigene Region mitgestalten Foto: Guido Kollmeier HanseBelt-Initiative Fast 60 führende Unternehmen aus den Kreisen Ostholstein, Segeberg, Stormarn, Herzogtum Lauenburg sowie den Hansestädten Lübeck und Wismar haben sich in der HanseBelt-Initiative zusammengeschlossen. Die Unternehmer und Betriebe verstehen sich als Pioniere: Sie entwickeln Ideen, setzen Impulse und gehen mit gemeinsamen Projekten für ihre Wirtschaftsregion voran. Das Motto lautet HanseBelt region ahead eine Region mit Lust auf Zukunft. Mit Lübeck im Zentrum und in bester Lage zwischen Hamburg und Kopenhagen wirbt die HanseBelt-Region mit einer besonderen Kombination aus Lebensqualität, Innovationskraft und wirtschaftlichen Entwicklungschancen. Im Mittelpunkt steht eine gemeinsam gelebte, moderne Unternehmenskultur. Im Sommer 2014 unterzeichneten die Mitglieder die HanseBelt-Charta, die die Bedeutung einer attraktiven, auf Vertrauen, Transparenz und Offenheit basierenden Unternehmenskultur für die Betriebe und die gesamte Region unterstreicht. Nach Überzeugung der Unterzeichner verbindet die HanseBelt- Region hanseatische Werte mit der smarten Gelassenheit der skandinavischen Nachbarn. Dass die HanseBelt-Region ein besonderes Potenzial bietet, wurde beim HanseBelt- Zukunftskongress 2014 deutlich. Dort zeigten die Mitglieder der HanseBelt-Initiative, wie sie mit der gemeinsamen Verpflichtung auf eine zukunftsweisende Unternehmenskultur Verantwortung übernehmen für die HanseBelt-Region und die Menschen, die dort gut leben und gerne arbeiten wollen. Auch in diesem Jahr hat sich der HanseBelt wieder Trendthemen auf die Fahne geschrieben. So sind neben einem Erfahrungsaustausch zum Thema Mitarbeiterbindung wieder ein Fachkräfteempfang im Herbst sowie ein HanseBelt- Zukunftskongress am 8. Dezember 2015 mit dem Thema Neue Unternehmenskultur: Wie gewinnt man die Generation Y? in Planung. Zudem arbeiten die Personalverantwortlichen der Hanse- Belt-Unternehmen an gemeinsamen Projekten und Maßnahmen, um dem drohenden Mangel an Fach- und Führungskräften entgegenzutreten. Bei regelmäßigen Treffen wird über Themen wie Neue Wege des Recruitments, Onboarding neuer Mitarbeiter oder Mitarbeiterbindung referiert und diskutiert. Die HanseBelt-Mitglieder wollen sich so angesichts des Fachkräftemangels gut aufstellen. Willkommenskultur Gemeinsam boten die Mitglieder im Juni 2015 eine Traumjob-Tour an, bei der über 50 Schüler in zwei Unternehmen zehn Berufe kennenlernen konnten. Im Herbst 2015 beteiligt sich die Initiative wieder am Karrieretag von Universität, Fachhochschule und IHK zu Lübeck auf dem Lübecker Campus, um den Studierenden attraktive Arbeitgeber und Karrierechancen in der Region nahezubringen. Zur Stärkung der Willkommenskultur hat sich der jährliche Begrüßungsempfang etabliert. Die Arbeitsgruppe Traumjob im HanseBelt entwickelte die Idee, zugezogene Fach- und Führungskräfte zu einem Begrüßungsempfang einzuladen, um sie willkommen zu heißen in einer attraktiven Region, aber auch in funktionierenden gesellschaftlichen Netzwerken. Die zugezogenen Mitarbeiter sollen den HanseBelt als Region mit starken, verantwortungsvollen Arbeitgebern kennen- und schätzen lernen und sich auch im privaten Umfeld wohlfühlen. Autorin: Julia Beckmann, IHK zu Lübeck, Standortpolitik Ansprechpartnerin: Marlene Feucker IHK zu Lübeck, Standortpolitik Website des HanseBelt e. V /15

17 Titelthema Wir Unternehmer? Drei Fragen an Helmut Bauer Der Geschäftsführer der HWB Unternehmerberatung GmbH aus Kiel über Bekleidung im Berufsalltag Was zieht der Unternehmer im beruflichen Alltag in Schleswig- Holstein an? Auch wenn der Beratungsschwerpunkt der HWB in der Begleitung von Unternehmensnachfolgen liegt, werden wir häufig von Mandanten auf Fragen der geschäftlichen Umgangsformen angesprochen. Dazu gehört auch die richtige Kleiderwahl zum Banken- oder Kundentermin. Die Beantwortung solcher Fragen ist so komplex, dass wir sogar Abendveranstaltungen mit einem externen Knigge-Coach für Unternehmer anbieten, die auf große Resonanz stoßen. Wir selbst haben für uns gemeinsam mit den Mitarbeitern einen Leitfaden zum Thema Kleidung erarbeitet. Was wird in dem Leitfaden für Kleidung geregelt? Unsere Mandanten haben eine gewisse Vorstellung vom äußeren Erscheinungsbild eines Beraters. Im Erstkontakt tragen wir immer Anzug und dezente Krawatte, die Kolleginnen entsprechende Geschäftskleidung. Wichtig ist zum Beispiel, dass der Gürtel farblich auf die Schuhe abgestimmt ist. Sind Jeans tabu? Und wie sieht es mit dem Einstecktuch aus? Man entwickelt mit der Zeit ein Gefühl für die kundenspezifisch angemessene Kleidung. Da ist es auch durchaus möglich, in Jeans und Sakko zum Folgetermin beim Kunden zu fahren. Aber immer sollten die Schuhe gepflegt und hochwertig sein, das heißt: Lederschuhe mit fester Sohle, niemals Sneaker. Natürlich soll man sich in seiner Kleidung auch wohlfühlen, aber in erster Linie repräsentiert man nach außen die eigene Firma. Für den ersten Eindruck gibt es selten eine zweite Chance. Das weiße Einstecktuch bei festlichen Anlässen ist nach wie vor üblich. Schwieriger ist es im beruflichen Alltag. In Hamburg sieht man farbenfrohe Einstecktücher häufiger, auch als Ersatz für die Krawatte. In Schleswig-Holstein ist dies eher seltener der Fall. Vermieden werden sollte auf jeden Fall, dass Krawatte und Einstecktuch identische Muster haben. Website der HWB Unternehmerberatung GmbH Foto: HWB Unternehmerberatung GmbH Unternehmens-Nachfolge Gestalten Sie die Zukunftssicherung Ihres Lebenswerkes rechtzeitig. Wir helfen Ihnen dabei. Roman Baumgartner exxperteam GmbH - Opelstraße St. Leon-Rot Tel.: Dr. Albert Platt Dr. Platt Unternehmensberatung - Koberg Lübeck Tel.: unternehmensberatung.de Die Experten für Ihre erfolgreiche Nachfolgeregelung 07+08/15 15

18 Titelthema Wir Unternehmer Start-ups im echten Norden Existenzgründung Das eigene Unternehmen gründen, der eigene Chef sein: Diese Aussicht sorgt nach wie vor dafür, dass Bürgerinnen und Bürger in Schleswig-Holstein eine selbstständige Tätigkeit als attraktive Alternative zu einer möglichen Angestelltentätigkeit vorziehen allerdings mit rückläufiger Tendenz. Eine Bestandsaufnahme. In 2014 haben nach dem statistischen Amt für Hamburg und Schleswig- Holstein Personen in Schleswig-Holstein ein Gewerbe angemeldet. Dem steht eine ähnliche hohe Anzahl von Gewerbeabmeldungen (27.402) gegenüber. Anders als in vorangegangenen Jahren, als die Zahl der Neuanmeldungen die Zahl der Abmeldungen teilweise deutlich überstieg, ist das Verhältnis von Gewerbeanmeldungen zu -abmeldungen mittlerweile ausgeglichen. Dieser Zustand ist einerseits zu bedauern, andererseits sind die Werte ein Indiz dafür, dass Schleswig-Holstein ähnlich anderen Bundesländern einem Strukturwandel unterliegt. Veraltete Geschäftsmodelle werden weniger nachgefragt und die konsequente Entwicklung einer Geschäftsidee zu einem tragfähigen Geschäftsmodell wird notwendiger denn je, sagt Nils Thoralf Jarck, Federführer für Existenzgründung und Unternehmensförderung der IHK Schleswig-Holstein. Hier bieten die Industrie- und Handelskammern an verschiedenen Standorten in Schleswig-Holstein Gründungsinteressierten zahlreiche Beratungs- und Informationsmöglichkeiten unter anderem zu den Themen Businessplanerstellung und Finanzierungshilfen an. 3-D-Drucker-Produktion in Serie Jungunternehmer Simon und Jonas Kühling Schlüsselt man die Gewerbeanmeldungen nach Branchen auf, fällt ins Auge, dass Existenzgründungen im Handel am stärksten vertreten sind (5.143 Anmeldungen im Jahr 2014). Dazu zählen neben dem klassischen stationären Einzelhandel und dem Großhandel auch Onlineshops. Die zweitmeisten Gründungen verzeichnet der Bereich des Baugewerbes (3.295). Auf den folgenden Plätzen finden sich zahlreiche weitere Dienstleistungen. Unternehmensberatung IHK hilft Infoveranstaltungen Existenzgründung Regelmäßige Veranstaltungen zum Thema Existenzgründung in Flensburg, Kiel, Lübeck und weiteren Orten Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung. Sanierung und Restrukturierung Unternehmensnachfolge Existenzgründung Transaktionsberatung viseco Unternehmensberatung GmbH Wittenberger Weg Flensburg Telefon: Fax: Weitere Infos und Termine IHK Flensburg: Telefon (0461) IHK zu Kiel: (Dokument-Nr ) IHK zu Lübeck: (Dokument-Nr. 3381) Finanzierungssprechtage Regelmäßige Finanzierungssprechtage mit der Investitionsbank Schleswig-Holstein an zahlreichen Standorten in Schleswig-Holstein Infos und Termine (Dokument-Nr. 3256) Notfall-Handbuch Mit einem Notfall-Handbuch bleibt das Unternehmen handlungsfähig, sollte der Chef plötzlich ausfallen. Notfall-Handbuch PDF zum Download (Dokument-Nr ) /15

19 Titelthema Wir Unternehmer Faible für Technik Einige Beispiele zeigen, wie vielfältig und kreativ die Gründerlandschaft Schleswig-Holsteins ist: Ich bin meinem Herzen gefolgt und arbeite heute sinnerfüllt mit Menschen, die ihre körperliche oder psychische Gesundheit mit Yoga verbessern wollen, berichtet etwa Stefanie Kinter, Inhaberin des YogaZentrums Travemünde. Sie hat ihren langjährigen Job im Online- Marketing in einem großen Konzern aufgegeben und ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Die Lust am Unternehmertum und das Faible für technische Entwicklung begleitet die Brüder Simon und Jonas Kühling von klein auf. So gründeten sie noch zu Schulzeiten ihre erste Unternehmung. Seit 2013 produzieren sie erfolgreich den 3-D-Drucker RepRap Industrial in Serie und setzen dabei nach wie vor auf Open-Source-Prinzipien. Annika und Ole Appeldorn haben im November 2014 ein Restaurant am Büsumer Hauptstrand mit deichaufliegender Meerterrasse übernommen und starten unter dem Namen mien Büsumer Pesel hoffnungsvoll in die Saison Im Vorfeld der Gründung hat sich das Ehepaar in der Geschäftsstelle Dithmarschen der IHK Flensburg beraten lassen. Diese und viele andere Existenzgründer zeigen, dass sie bereit sind, sich bereits zum Start ihrer Gründung professionell aufzustellen, und die Herausforderungen angesichts einer sich dynamisch entwickelnden Wirtschaftsstruktur im echten Norden annehmen. Autor: Kai Uwe Steding IHK zu Lübeck, Existenzgründung und Unternehmensförderung Foto: Kühling&Kühling Versicherungen für Unternehmer Sicher in die Selbstständigkeit Wer sich mit einem eigenen Unternehmen selbstständig macht, verlässt in der Regel das staatliche System sozialer Sicherheit. Zudem gibt es spezielle Risiken, die abzusichern sind. Lesen Sie hier, welche Versicherungen Sie als Existenzgründer abschließen sollten. Krankenversicherung Seit 2009 sind Selbstständige verpflichtet, sich gegen Krankheiten zu versichern. Hierbei können sie zwischen gesetzlicher und privater Kranken- und Pflegeversicherung wählen. Die Beiträge in der gesetzlichen Versicherung richten sich nach dem Einkommen, in der privaten nach Risiko, Gesundheitszustand, Eintrittsalter und gewähltem Versicherungsschutz. Für die Absicherung längerer Krankheitszeiten müssen Selbstständige bei ihrer gesetzlichen Krankenversicherung eine Wahlerklärung zum Krankengeld abgeben. Auch die Absicherung durch eine private Krankentagegeldversicherung sowie eine ergänzende private Pflegeabsicherung können von Vorteil sein. Altersversorgung Viele Selbstständige entscheiden sich für den Abschluss einer Kapitallebens- oder privaten Rentenversicherung, andere für eine Vermögensbildung durch Immobilien und/oder Investmentfonds. Da der Erwerb dieser Anlagen mit Kosten verbunden ist, sollte man auf eine nachhaltige Aufrechterhaltung setzen. Für Selbstständige wurde 2005 die Basis- oder Rüruprente eingeführt, die steuerlich gefördert werden kann. Arbeitslosenversicherung Unter bestimmten Voraussetzungen haben Selbstständige die Möglichkeit der freiwilligen Weiterversicherung. Der Antrag muss innerhalb einer bestimmten Frist nach Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit erfolgen. Berufsunfähigkeitsversicherung Bei einer Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit ist der Schutz durch die gesetzliche Rentenversicherung deutlich eingeschränkt. Es sollte daher eine private Versicherung gegen Berufsunfähigkeit abgeschlossen werden, die individuelles Berufsrisiko und jeweiligen Lebensstandard berücksichtigt. Risiko-Lebensversicherung Der Tod des Selbstständigen oder eines Teilhabers kann gravierende Konsequenzen nach sich ziehen auch für die Hinterbliebenen. Eine preisgünstige Risiko-Lebensversicherung schafft Abhilfe. Unfallschutz Selbstständige können sich freiwillig in ihrer zuständigen Berufsgenossenschaft gegen Berufs- und Wegeunfälle versichern. Für bestimmte Berufsgruppen besteht sogar eine Versicherungspflicht. Die gesetzliche Unfallversicherung bietet einen guten Grundschutz umfassend und in der Höhe ausreichend wäre allerdings nur die Kombination mit einer privaten Unfallversicherung. Haftpflichtversicherung Eine normale Betriebs-Haftpflicht bietet oft eine Deckungssumme von zwei Millionen Euro für Personen- und eine Million Euro für Sachschäden. Dies könnte bei einem großen Feuerschaden nicht ausreichen. Auch bei Bearbeitungsund Tätigkeitsschäden sollte vom maximal Möglichen ausgegangen werden. Die Produkt-Haftpflicht betrifft nicht nur große Hersteller. Wer ein fehlerhaftes Produkt herstellt, muss für daraus entstehende Schäden unabhängig vom Verschulden haften. Eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung deckt direkte Vermögensschäden ab, die sich etwa aus beratenden Tätigkeiten ergeben könnten. Betriebliche Sachversicherung Vorab ist zu prüfen, welchen Risiken Sie ausgesetzt sind und welche Sie versichern wollen. Darüber hinaus ist festzulegen, wie hoch die Versicherungssumme ist, ob fremdes Eigentum mitzuversichern ist, ob Gebäudeeinbauten einzuschließen sind und ob Erhöhungen von Entschädigungsgrenzen vorgenommen werden müssen. Eine Betriebsunterbrechungsversicherung kann zusätzlich sinnvoll sein. Wird durch einen Schaden der Betriebsablauf erheblich gestört oder unterbrochen, so kommt sie für den dadurch bedingten Einnahmeausfall und die laufenden festen Kosten auf längstens jedoch ein Jahr und höchstens bis zur vereinbarten Versicherungssumme. red Quelle als PDF zum Download Broschüre Selbstständig werden in Schleswig-Holstein der IB.SH /15 17

20 Christian Scheiner Unternehmertum ist ein Handwerk! Professur für Entrepreneurship Christian Scheiner ist neuer Professor für Entrepreneurship an der Uni Lübeck. Er will Studierenden das Grundgerüst für die Unternehmensgründung mitgeben denn Gründersein kann man lernen, ist seine Auffassung. Um mehr junge Menschen zur unternehmerischen Tätigkeit zu motivieren, sei nicht zuletzt eine größere gesellschaftliche Wertschätzung für den Unternehmerberuf wünschenswert /15 Wirtschaft: Herr Professor Scheiner, kann man Unternehmertum lernen? Christian Scheiner: Betrachtet man die Ergebnisse der Forschung in den vergangenen 30 Jahren, kann man relativ schnell sagen, dass es den Unternehmertypus nicht gibt. Die Ergebnisse der sogenannten Persönlichkeitsmerkmalsforschung zeigen, dass es keinen Zusammenhang zwischen Unternehmenserfolg und der Persönlichkeit des Gründers gibt. Man wird also nicht als Unternehmer geboren. Unternehmertum ist vielmehr ein Handwerk, das man erlernen kann. Erlernen heißt jedoch nicht, dass man nach einem Studium ein kompletter Unternehmer ist. Denn wie in jedem Handwerk gehört zur Erlangung der Meisterreife auch die hart erarbeitete Erfahrung aus der Tätigkeit. Trotzdem vermittelt das Studium ein gutes Grundgerüst, die Ausstattung mit den notwendigen Techniken und erste eigene Erfahrungen, die eine solide Basis für die unternehmerische Tätigkeit darstellen. Foto: Olaf Malzahn Wirtschaft: Was zeichnet einen guten Unternehmer aus? Scheiner: Für mich persönlich zeichnet einen guten Unternehmer aus, dass er in der Lage ist, eine Geschäftsmöglichkeit erfolgreich umzusetzen. Was dann Erfolg für die einzelne Person bedeutet, ist wiederum etwas Individuelles. Zumindest sollte man aber von der eigenen unternehmerischen Tätigkeit seinen Lebensunterhalt finanzieren können. Außerdem ist eine Orientierung am Leitbild des ehrbaren Kaufmanns etwas, das einen guten Unternehmer ausmacht: sich der Verantwortung für das eigene Unternehmen, für die Mitarbeiter, für die Gesellschaft und für die Umwelt bewusst sein und sein Handeln so ausrichten, dass der wirtschaftliche Erfolg auch im Einklang mit den Interessen der Gesellschaft steht. Wirtschaft: Was sind die häufigsten Fehler, die Unternehmensgründer begehen? Scheiner: Betrachtet man die Gründe, die mit dem Scheitern von Unternehmen in Verbindung gebracht werden, würde ich sagen, dass oft die fehlende notwendige Sorgfalt bei der Planung und Umsetzung das zentrale Problem darstellt. Wirtschaft: Sind die Deutschen eher gründungsfaul? Scheiner: Es gibt natürlich immer wieder Studien, die ein derartiges Bild suggerieren. Doch muss man, wie bei allen Statistiken, die Zahlen immer genauer anschauen und darauf achten, was die Grundlage einer Statistik ist. Ein Beispiel: In der Entrepreneurship-Forschung unterscheidet man verschiedene Arten von Unternehmern. Eine Form sind die sogenannten Necessity-Entrepreneure, die aus der absoluten Notwendigkeit die Selbstständigkeit wählen. Für diese Personen stellt die Selbstständigkeit aufgrund fehlender Alternativen die einzige Möglichkeit dar, ein Einkommen zu erzielen. Dieses ist jedoch oft so niedrig, dass eventuell gerade das Existenzminimum gesichert wird. Vergleicht man Deutschland also mit einem Land, in dem viele in eine solche Selbstständigkeit getrieben werden, könnte man den Eindruck gewinnen, dass Deutsche gründungsfaul wären. Wenn man also die reine Zahl nimmt, sagt das für mich noch nichts zwingend aus. In Deutschland gibt es natürlich noch Potenzial nach oben, was das Gründungsverhalten darstellt, nur sollte man das Bild nicht zu schwarz zeichnen.

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