Wohnst du noch oder lebst du schon?

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1 Wohnst du noch oder lebst du schon? Einblicke in die Wohnverhältnisse von Schülerinnen der KMS 18 Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 1

2 Inhaltsverzeichnis 1 EINLEITUNG METHODEN UND FORSCHUNGSDESIGN INTERVIEWS ZUSAMMENFASSENDE INHALTSANALYSE NACH MAYRING Die Bedeutung der Inhaltsanalyse für unsere Forschungsarbeit EXPERTINNENINTERVIEWS FOTOANALYSE NACH MANFRED LUEGER GRUNDLAGENWISSEN: LITERATUR UND DIE DISKUSSION INNERHALB DES SEMINARS UND DER SCHULE EMPIRIE LÄRM WOHNRAUM/WOHNFLÄCHE WOHNRAUMAUSSTATTUNG FREIZEIT HEIMAT EIN KONFLIKT BEZIEHUNG ZU MITMENSCHEN WOHNUNGSWECHSEL SELBSTEVALUIERUNG BIBLIOGRAPHIE A. INTERNETQUELLEN: Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 2

3 1 Einleitung Wohnst du noch oder lebst du schon? lautet der Werbeslogan eines in Schweden gegründeten Möbelherstellers. Was ist damit gemeint? Soll es etwa Unterschiede geben zwischen dem, wie das Leben ist und dem, wie das Wohnen sein kann? Kann eine Wohnung, deren Eigenschaften und Ausstattung, deren infrastrukturelle Einbettung, denn nicht dem entsprechen was die Bewohner für Bedürfnisse an sie stellen? Die Frage beantwortet sich scheinbar selbst: Ja. Denkt man an einen Township in Südafrika oder die Favelas in Südamerika wird schnell klar das der IST- Zustand des Wohnens oft nicht dem SOLL-Zustand entspricht. Was aber beeinflusst diese Unterschiede zwischen Realität und Bedürfnis? Wer schafft Realitäten? Welche sind diese? Und wo kollidieren sie mit den Bedürfnissen? Sicherlich ist Wohnen nicht einfach so gegeben, sondern von Menschenhand und - geist geschaffen. Damit ist nicht nur das Aufeinandersetzen von Steinen gemeint, sondern auch die Vorstellung, wer wie in einer Wohnung leben soll, was diese/r für Ansprüche daran stellen könnte und wie man diesen gerecht werden könnte. Dies unterliegt, wie die meisten Dinge, dem Wandel der Zeit. Es könnte also sein, dass manches bleibt, was heute nicht mehr den Bedürfnissen entspricht und anderes geht, was bleiben könnte, und umgekehrt. Ebenso gibt es Normierende (im soziologischen Sinne des Wortes), das Feld Wohnen beeinflussende Kräfte in der Gesellschaft. Dem Gegenüber liegt die individuelle Seite des Wohnens, die privaten Wohnbedürfnisse und verhältnisse. Zusammen mit den SchülerInnen der Kooperativen Mittelschule 18 in Wien sollen diese Fragen erarbeitet werden. Durch Fotographien, die von den Kindern erstellt werden, deren Erzählungen und Diskussionen in der Gruppe, werden die verschiedenen Aspekte der Arbeit abgearbeitet: Wie sind die privaten Wohnverhältnisse? Wie ist der IST-Zustand des Wohnens? Welche gesellschaftlichen Bedingungen werden an das Wohnen gestellt? Wie sehen die SchülerInnen ihr Wohnen, wo bleiben Wünsche offen werden Veränderungen angestrebt? Wie sähe der SOLL-Zustand des Wohnens aus? Ergibt sich, im Vergleich der verschiedenen Aspekte ein harmonisches Zusammenspiel oder eröffnet sich ein Feld geprägt von Konflikt und Auseinandersetzung? Es wird sich zeigen, dass sich im speziellen Fall des Wohnens von Familien mit Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 3

4 migrantischem Hintergrund (Die Elterngeneration von 6 Schülerinnen ist aus Serbien, die eines Schülers von den Philippinen) bestimmte Bedürfnisse an das Wohnen gestellt werden, denen vom gesellschaftlichen Rahmen und sei es nur der gängige Grundriss einer Wohnung, bestimmte Grenzen gesetzt werden. Diese Fragen, die mit den Schülerinnen in einem explorativen Vorgehen ergründet werden, geben die Züge der Forschungsfrage vor: Wie sind private Wohnverhältnisse mit gesellschaftlichen Wohnrealitäten verknüpft? Mit diesen beiden Seiten wird sich diese qualitative Arbeit beschäftigen. Unser spezielles Interesse besteht darin, den Zusammenhang zwischen realen Wohnbedingungen und den von den zuständigen Behörden gesetzlich vorgeschriebenen oder vom städtischen Wohnbau geplanten Wohnräumen am Beispiel des Gemeindewohnbaus und dessen Betreuung in Wien zu erforschen. In einem ersten Schritt wollen wir die Wohnsituation fotographisch dokumentieren. In weiterer Folge sollen mit Hilfe der Besprechung der Fotos mit den SchülerInnen und der anschließenden Analyse und Interpretation der selbigen Erkenntnisse über die Wohnverhältnisse der SchülerInnen gewonnen werden. Gleichzeitig sollen ExpertInneninterviews mit den zuständigen Behörden Aufschlüsse über die politische IST-Situation des Wohnens in Wien geben. Aus den Forschungsschritten werden sich Themenfelder ergeben, die sich mehr oder weniger von anderen abgrenzen lassen. Diese sollen dann für sich einer genaueren Betrachtung unterzogen werden und schlussendlich auf einer höheren Ebene dort ankommen, wo die Arbeit begonnen hat bei der Frage nach der Verknüpfung von privaten Wohnverhältnissen mit gesellschaftlichen Wohnrealitäten und deren IST und SOLL- Zuständen. [Kategorien gebildet, innerhalb derer die beiden Seiten, private Wohnverhältnisse und gesellschaftliche Wohnrealitäten, abgehandelt werden. Aus diesen Kategorien werden sich nach dem Anspruch der qualitativen Forschung Hypothesen generieren lassen, die in dieser Arbeit nicht weiter behandelt werden können, aber zur Beantwortung der vorgestellten Hypothese dienen.] 2 Methoden und Forschungsdesign Um die verschiedenen Elemente unserer Forschungsfrage ermitteln zu können, werden verschiedene Methoden angewandt, die im Folgenden genauer beschrieben Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 4

5 werden. Zuerst aber soll begründet werden, warum welche Methode zum Einsatz kommt. Um die Kinder selbst zu einer Auseinandersetzung mit ihrer Wohnsituation, deren privaten Wohnverhältnissen aufzufordern, werden sie mit Kameras ausgerüstet und unter einfachen Vorgaben (Lieblingsplatz in der Wohnung, Zimmer, Ein Blick aus dem Fenster, Unbeliebtester Ort, Ort an dem sich die Eltern aufhalten) in die eigenen Wohnung geschickt. Die Vorgaben sind nötig, da sich in einem ersten Treffen mit den Kindern eine gewisse Ratlosigkeit ergab, was es denn so zu photographieren gäbe in einer Wohnung. Zudem werden so die Photographien auf das Objekt unserer Arbeit hingeleitet, die privaten Wohnverhältnisse. Die Fotographien sind dabei sehr aufschlussreich, unterstrichen durch eine Besprechung dieser mit den Kindern, sind sie sehr geeignet, die privaten Wohnverhältnisse und IST-Zustände zu dokumentieren. Um die Fotos mit dem SchülerInnen zu besprechen und dies in einer Form festzuhalten, die sich für wenig erfahrene ForscherInnen eignet, werden mit den SchülerInnen unstrukturierte Interviews durchgeführt. Diese werden direkt aufgezeichnet und später transkribiert. Dafür werden kleine Diktiergeräte benutzt, die während des Gesprächs scheinbar formlos in der Hand gehalten werden, die die Gestik des/ der ForscherIn nicht beeinflussen. Die SchülerInnen werden über die Aufnahme des Gespräches informiert und darauf hingewiesen, dass Anonymität garantiert wird. Die aus den Interviews erhaltenen Transkripte werden nach der zusammenfassenden Inhaltsanalyse ausgewertet. Dadurch werden die Aussagen der Kinder vergleichbar und können in Verbindung gesetzt werden mit der anderen Seite der Arbeit den gesellschaftlichen Wohnrealitäten. Mit ExpertInnen des Feldes Wohnens der Stadt Wien, werden stark strukturierte Interviews durchgeführt, deren Fragen daraufhin abzielen, die gesellschaftlichen Wohnrealitäten des Wohnens zu untersuchen. Ebenso werden die Meinungen von ExpertInnen in Form von einschlägigen Artikeln und anderer Arbeiten hinzugezogen. Diese sind zum Beispiel Planungsliteratur der Stadt Wien oder Artikel des Wiener Wohnens. Ein Grundverständnis für das Feld des Wohnens wird durch abstraktere Arbeiten über das Wohnen erworben, so zum Beispiel die Soziologie des Wohnens von Hartmudt Häußermann und Walter Siebel. Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 5

6 2.1 Interviews Das Interview, in unstrukturierter Form, scheint für den Anspruch dieser Arbeit am geeignetsten. Zwar ergeben sich dadurch auch Nachteile, wie dies die Gefahr einer hierarchischen Beziehung zwischen InterviewerIn und Intervierter/n (vgl. Novy 2008: 13). Dem kann jedoch entgegengewirkt werden, wenn ein offenes und freundschaftliches Verhältnis zwischen den ForscherInnen und SchülerInnen aufgebaut wird, was im Falle dieser Arbeit sehr gut gelungen ist. Es fällt einem jedem Menschen schwer über Alltägliches zu sprechen, auf die Frage hin Was ist heute so passiert? folgt nicht zu selten die Antwort Ja, nichts Besonderes. Da aber gerade dieses nicht Besondere sondern normale, also von Normen und Regeln geprägte Alltägliche, interessante Facetten beinhaltet, ist es für unsere Analyse wichtig und bearbeitungswürdig. Ziel dieser Arbeit kann es schwer sein, die Wirklichkeiten der SchülerInnen zu ergründen. Deshalb ist es sinnvoll, ein Instrument zu nutzen, mit dem der / die InterviewerIn die Möglichkeit hat, in die Situation einzugreifen und das Gespräch weiterzubringen. Verstärkt wird dies dadurch, dass zumindest für manche Kinder anzunehmen ist, dass durch fehlenden Wortschatz und Fähigkeit der abstrakten Darstellung in Worten eine andere Form der Befragung, wie z.b. das ero-epische Gespräch scheitern würden. Mit den Interviews wird sowohl auf die privaten Wohnverhältnisse der SchülerInnen abgezielt, als auch auf die gesellschaftlichen Wohnrealitäten. Dabei muss beachtet werden, dass die Gewichtung mehr auf Seiten der privaten Wohnverhältnisse liegt bzw. die gesellschaftlichen Wohnrealitäten nur insofern erfassen kann, wie sie den SchülerInnen bekannt und oder bewusst sind. Natürlich kann durch Interpretation auf gewisse Indizien für gesellschaftliche Einflüsse rückgeschlossen werden. 2.2 Zusammenfassende Inhaltsanalyse nach Mayring Diese Methode ist formgebunden und zeitaufwändig, ermöglicht aber einen qualitativ und quantitativ abgesicherten Vergleich zwischen den ExpertInneninterviews, den Einzel- und den Gruppengesprächen. Innerhalb der Qualitativen Inhaltsanalyse besteht die Möglichkeit zwischen drei grundlegenden Verfahren zu wählen und somit Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 6

7 die Methode an die Ansprüche der Forschungsfrage zu adaptieren. Mayring gründet das Verfahren auf 13 Stützpfeiler, die für die qualitative Ausprägung der Methode aussagekräftig sind. Zu diesem Modell zählen grob die Deskription, die Interpretation, das Subjekt im Alltag und die Verallgemeinerungsprozesse. Der Beschreibungsvorgang ist durch die Einzelfallbezogenheit, die Offenheit des Forschungsprozesses gegenüber Ergänzungen und Revisionen und Methodenkontrolle, sprich das Dokumentieren des Forschungsprozesses und dessen Durchführung nach begründeten Richtlinien, gekennzeichnet. Für die Interpretation sind ein Vorverständnis des Forschenden, die Anwendung von Introspektion und eine offene Interaktion zwischen Forscher und dem Forschungsgegenstand notwendig. Sobald introspektiv gewonnenes Material verwendet wird, muss dies jedoch begründet und das Material als solches gekennzeichnet sein. Das Forschungsobjekt ist ein Subjekt, dessen Ganzheit und Historizität betrachtet und in eine pragmatische Problemorientierung eingebettet werden muss. Während des für die Forschung essentiellen Verallgemeinerungsprozess müssen von den Forschenden folgende Aspekte berücksichtigt werden: 1. eine Verallgemeinerung erfordert eine konkrete Formulierung der situativen und zeitlichen Bedingungen, in denen die gewonnen Ergebnisse ihre Gültigkeit beanspruchen; 2. Induktion; 3. der Regelbegriff erschließt sich aus kontextgebundenen Regeln; 4. eine sinnvolle Quantifizierung der Daten erlaubt eine abgesicherte Verallgemeinerung. Die Durchführung der Inhaltsanalyse erfolgt aufbauend in sieben Schritten. Zunächst geht es um die an die Forschungsfrage orientierte Auswahl des Materials, denn nicht alles dient dem Verwendungszweck. Darauf folgt die Betrachtung der Entstehungsbedingungen sowohl des Materials als auch der Forschungsproblematik. In unserem Fall wären dies der Ort, die anwesenden Personen, das Umfeld und die Stimmung der Gesprächssituationen und das Forschungsprojekt zwischen der KMS und der Wirtschaftsuniversität und unsere Auseinandersetzung mit fachspezifischer einschlägiger Literatur. Interessant ist auch in welcher Form das Material vorliegt. Nun gilt es sich für die Forschenden zu überlegen, was über die Inhaltsanalyse aus dem Material gewonnen werden soll. In einem 2. Schritt wird dieses Vorhaben auf der Grundlage einer Auseinandersetzung mit theoriebasierter Literatur spezifiziert und detailiert. Nun muss zwischen folgenden Analysemethoden entschieden werden: die zusammenfassende, die explizierende und die strukturierende Inhaltsanalyse. Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 7

8 Wie aus den Namen bereits hervorgeht, beschränkt sich erstere Technik auf die Gewinnung von Kategorien über Paraphrasieren, die zweite bezieht im Gegensatz dazu zusätzliche Kontextinformationen in die Analyse und die Paraphrasierung mit ein und letztere entwickelt aus dem Material eine Struktur, die sich wiederum unterschiedlich gestalten kann. In der strukturierenden Inhaltsanalyse erfolgt die Kategoriebildung entweder induktiv, aus dem Material heraus, oder deduktiv, theoretisch über Ankerbeispiele abgeleitet. Für die anschließende Interpretation der Ergebnisse ist es wichtig, den Bezug zur Forschungsfrage nicht zu verlieren, immer wieder aus konkreten Beispielen die Kategorieauswahl zu begründen und im Vergleich zur allgemeinen Schlussfolgerung die Einzelfälle nicht auszublenden und deren Individualität zu betonen Die Bedeutung der Inhaltsanalyse für unsere Forschungsarbeit Die Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring schien uns die geeignete Methode für die Verarbeitung der gewonnen Interview- Materialien zu sein. Die Forschungsfrage war für die Gestaltung der Interviews leitend, wobei wir bei den Interviews mit den SchülerInnen die Anforderungen des Konzepts eines ero- epischen Gesprächs zu erfüllen versuchten und manchmal uns im Gespräch zu weit von der Forschungsfrage entfernt haben. Aus diesem Grund kam es zu einer Auslese des Materials nach Brauchbarkeit und Validität, die in unseren Interviews aufgrund der häufig gestellten Suggestivfragen stets hinterfragt werden musste. Im Hinblick auf die Forschungsfrage durchforsteten wir die Transskripte nach möglichen Variablen und bezogen dabei die über Literatur und den Kontakt mit Lehrenden gewonnene Informationen in die Suche nach bedeutenden Aussagen und Schlagwörtern mit ein. Das hinter dieser Methode stehende Konzept fordert einen offenen und auf den Forschungsgegenstand bezogenen Umgang mit Informationen. Die Kategorienbildung erfolgte bei uns in deduktiver Weise, worunter ein theoriebasiertes Ableiten der Kategorien verstanden wird. Die theoretischen Vorkenntnisse bzw. Vorannahme hatten jedoch einen Einfluss auf die von uns gestellten Fragen, die zu einem großen Teil suggestive waren, und nicht in unabhängiger Weise die theoretischen Vorannahmen beantworten konnten. Insofern ist die Kategorienauswahl ein ambivalentes Ergebnis, das zum einen von uns Forschenden Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 8

9 und zum anderen von den GesprächspartnerInnen und in einer Zusammenarbeit erzeugt wurde. Die Interpretation der gewonnen Ergebnisse, sprich das Abhandeln der Kategorien in Bezug auf die Forschungsfrage, erlaubt keine Verallgemeinerung von Einzelsituationen und ein stetes Dokumentieren der Informations- bzw. Forschungsquelle. Dieser Maßnahme sind wir nach gegangen und versuchten die verallgemeinerten Kategorien dennoch Individuum- und situationsbezogen zu erarbeiten. Die qualitative Inhaltsanalyse diente uns als Methodenrahmen, innerhalb dessen wir versuchten, den Forschungsprozess zu evaluieren. Unstimmigkeiten traten vor allem dadurch auf, dass bereits in den Interviews Fehler gemacht worden sind und somit das Ausgangsmaterial der Inhaltsanalyse hinter fragt werden musste. Außerdem wurden manche Schritte der Vorgehensweise vermengt und nahezu intuitiv vollzogen. Ein Beispiel dazu wäre, die Tatsache, dass uns vermitteltes Wissen, automatisch in die Gesprächsführung und in die Kategorienauswahl miteingeflossen ist. Offenheit innerhalb des Forschungsprozesses, Vielfalt der theoriegenerierenden Quellen, Kontextbezogenheit und Intuition zählen andererseits zum Forschungsanliegen dieser Methode. In dem Forschungsverlauf wurde zu einem Teil jedoch weniger auf Methoden basierend, sondern Praxis geleitet gearbeitet. Über Vor- und Nachteile kann hierbei mit dem selbstkritischen Bewusstsein von Fehlhandeln diskutiert werden. 2.3 ExpertInneninterviews ExpertInneninterviews erfreuen sich in der Sozialforschung unglaublicher Beliebtheit, da einem/r ForscherIn suggeriert wird, schnell, unkompliziert und bestimmt zu qualitativ hochwertigem Interviewmaterial zu kommen (vgl. Bogner 2005: 8). Zu beachten gilt, dass ExpertInneninterviews nicht einfach Informationsgespräche sind, sondern einer grundlegenden umfassenden Vorbereitung bedürfen. Charakterisiert werden ExpertInneninterviews als weder standardisiert noch quantitativ auswertbar, jedoch leitfadenabhängig definiert (vgl. Bogner 2005: 16f.) An anderer Stelle ist zu lesen, dass unter einem ExpertInneninterview offene bis standardisierte Expertenbefragungen zusammengefasst werden (Kundi o.j: 24). Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 9

10 Kritisiert wird an den sogenannten ExpertInneninterviews seitens einiger WissenschaftlerInnen, dass diese Form des Interviews nicht den gängigen Regeln des qualitativen Vorgehens, wie Offenheit und Nicht-Beeinflussung der Gesprächspartnerinnen, entspricht (Bogner 2005: 20). Um unsere Position im ExpertInneninterview herausfinden zu können, erscheint die Tabelle 1 auf Seite 62 aus dem Buch Das Experteninterview von Alexander Bogner hilfreich. Dort sind verschiedenste Kategorien der ExpertInneninterviews angeführt, welche einen guten Überblick über unterschiedliche Dimensionen des Interviews geben, die vor einer Durchführung bedacht werden sollten. In unserem Fall ergibt sich aus dieser Tabelle, dass wir geringe Fachkompetenz aufweisen und daraus folgend eine asymmetrische Gesprächsbasis entsteht, die die Befragten in eine hierarchisch besser gestellte Position bringt. Diese Ungleichheit prägt zum einen die Rolle der Befragten, welche eine Erzählposition einnehmen, und zum anderen die Aufgabe der/s InterviewerIn, die vordergründig die Antworten aufnimmt. Diese Form des ExpertInneninterviews bringt den Vorteil, dass die Erzählerin in einen Redezwang gedrängt wird und somit die/ den InterviewerIn entlastet, allerdings birgt diese Tatsache den Nachteil, dass eine Steuerung des Interviews erschwert bis unmöglich gemacht wird (Bogner 2005: 62f.). Die Vorbereitung auf diese Art des Interviews erfordert von uns eine gründliche Auseinandersetzung mit dem Thema des Interviews und der Methodik des Interviewens selbst und verlangt einen strukturierten Leitfaden, damit uns die Durchführung und Steuerbarkeit des Interviews erleichtert wird. 2.4 Fotoanalyse nach Manfred Lueger Manfred Lueger bietet im Rahmen seiner Artefaktanalyse eine auf unsere Arbeit gut anwendbare Methode der Photographieananlyse. Da wir mit seiner Methode alle für uns relevanten Inhalte analysieren können, haben wir uns entschieden, uns in unserer Arbeit ganz auf ihn zu stützen. Andere Methoden hätten nur Teilaspekte abgedeckt und wurden deshalb ausgeschlossen. Die Photographieananlyse nach Lueger ist ein Instrument zur Dokumentation von Sachverhalten und Milieus. Mit ihr können Lebensverhältnisse dokumentiert werden, die durch eine Darstellungsflexibilität gekennzeichnet sind und damit einen Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 10

11 gesellschaftlichen Blick, der immer auch eine kulturell bestimmte Sichtweise beinhaltet, auf bestimmte Phänomene liefern. Diese I have decided that seeing this is worth recording -Perspektive nennt Berger (Berger 1980: 292 zitiert nach Lueger) die primäre Botschaft der Photographie. Photos zeigen die Welt aus einer vorsprachlichen Perspektive, wie Lueger festhält. Zudem können Bilder die menschliche Gedächtnisfunktion erweitern, indem sie über eine umfassende Auffassungsgabe verfügen und sinnunabhängig beobachten. (Vgl. Lueger 2000: 165). Wir haben unsere Kinderexperten dazu aufgefordert, bestimmte Aspekte ihrer Wohnrealitäten photographisch zu dokumentieren. Als Arbeitsmaterial erhielten sie aus Kostengründen eine Einwegkamera, was eine erhebliche Einschränkung in Bezug auf die technische Freiheit beim Photographieren mit sich bringt. Die Entscheidungsfreiheit beschränkt sich also auf das Motiv, die Perspektive und die Verwendung des Blitzes. 2.5 Grundlagenwissen: Literatur und die Diskussion innerhalb des Seminars und der Schule Als theoretische Grundlage für die Entwicklung unserer Forschungsfrage, ihrer Erarbeitung und der Hypothesengenerierung dienten uns zum einen das im Seminar vermittelte Verständnis über die Thematik Wohnen und die vorgeschlagene Literatur dazu, zum anderen gewährten aber auch die Gespräche mit den LehrerInnen einen Einblick in das Forschungsfeld. Der theoretische Input spiegelte die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen von Wohnen wider und das Erfahrungswissen der Lehrer ermöglichte uns einen Eindruck von den privaten Wohnrealitäten der SchülerInnen. Die erste Kontaktaufnahme mit der Schule gestaltete sich für uns bereits sehr prägend. In einer Bastelstunde, in der eine Klasse ihr Wunschzimmer plastisch gestaltete, sind wir auf die Thematik Wohnbedürfnisse gestoßen. Des Weiteren wurde uns in einem Gespräch mit einem Lehrenden der Widerspruch zwischen den realen Wohnverhältnissen und von den SchülerInnnen vorgegebenen vermittelt. Unsere Forschungsfrage bezieht sich auf die Dichotomie zwischen gesellschaftlichen und privaten Wohnrealitäten und den Bedürfnissen, die daran gelegt werden. Zu diesem Zweck haben wir unseren Fokus auf die gemeinsame Forschungsarbeit mit den SchülerInnen gelegt und die erlangten Forschungsergebnisse einer Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 11

12 Interpretation ausgesetzt. Die Interpretation speiste sich nicht nur aus den Interviews, sondern auch aus unserem durch Literaturstudium und universitären Input generierten Vorwissen und Vorannahmen. Um die politische Dimension zu erfassen, zogen wir die ExpertInneninterviews heran, nahmen aber auch Bezug zu Artikeln aus dem Reader (Internationale Entwicklungsforschung Theorien und Methodik SS 2009),dem Buch Soziologie des Wohnens, den Homepages der Wiener Gebietsbetreuung, Wiener Wohnens und der MA18, welche eine umfangreiche Lieratursuche gewährleisteten. Die Auseinandersetzung mit Fachliteratur gestaltete sich innerhalb eines begrenzten Rahmens. Unser Anliegen war es vielmehr auf die tatsächlichen Wohnbedürfnisse und Bedürfnisse der SchülerInnen an das Wohnen einzugehen. Aus diesem Grund konzentrierten wir uns auch zu einem großen Teil auf die Interviews und den über die Fotoanalyse gewonnenen Informationen. Das Literaturstudium schaffte aber das Allgemeinwissen, das für eine Interpretation notwendig war. Unser Arbeiten unterlag keiner strengen Theorieanleitung. Dieser Umstand beinhaltete den Vorteil von Offenheit gegenüber neuen Erkenntnissen innerhalb des Forschungsprozesses. Vorwissen und Vorannahmen bestimmten zwar die Zusammenarbeit mit den SchülerInnen, der Forschungsprozess war an sich aber Hypothesen generierend. Innerhalb eines wissenschaftlichen Forschungsprozessens ist es essenziell ein dialektisches Verhältnis zwischen Theorie und Empirie zu schaffen. Auf beiden Seiten entstehen Denkanstöße, die die Spirale der Theoriegenerierung auslösen können.in groben Zügen konnten wir diesen Prozess in unserer Forschungsarbeit verwirklichen. 3 Empirie Um unsere Beobachtungen systematisch und strukturiert darzustellen, zeigt es sich als sinnvoll diese in bestimmte Bereiche zu unterteilen und gewisse Kategorien zu bilden, in denen sich mehrere Beobachtungen verdichten und auf einen bestimmten Zustand (IST und SOLL) hinweisen. Dabei haben diese Kategorien nicht den Anspruch sich klar voneinander abzugrenzen und für sich alleine zu stehen. Mehr gilt dies noch für die verwendeten Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 12

13 Daten, welche in jeder möglichen Kategorie, wenn sinnvoll, Betrachtung finden können. Zu Beginn jeder Kategorie wird klargestellt, warum diese Kategorie relevant ist, um sie dann abzuarbeiten und schließlich zusammenfassend darzustellen. 3.1 Lärm Es hat sich im Laufe herausgestellt, dass Lärm wichtig ist. Nun hat der Begriff des Lärmes eine negative Konnotation. Lärm wird von kaum jemand als angenehm empfunden. Denkt man dabei an einen Presslufthammer auf einer Baustelle oder ähnlichen ohrenbetäubenden Gerätschaften. Subtiler wird das ganze beispielsweise bei Musik. Hört eine Person etwa zur Beruhigung gerne klassische Musik und kann diese nur bei hoher Lautstärke voll und ganz genießen, mag eine Person im Nebenzimmer dies als Lärm empfinden, der sie stört und verärgert. Es ergeben sich also immer zwei Seiten von Lärm, wobei einer diesen nicht unbedingt als solchen empfinden muss. Dazu passt auch die Aussage von Tove Raiby, die weiter unten angeführt wird. Lärm findet sich im privaten als auch im öffentlichen Raum. Interessanterweise sind diese Bereiche hier durchaus eng verknüpft, wie im Folgenden dargestellt wird. Noch dazu gibt es zwei unterschiedliche Dimensionen von Lärm. Lärm, dem man ausgesetzt wird, und Lärm, den man selbst produziert. Es wird den SchülerInnen ein Bedürfnis unterstellt, Lärm zu produzieren, welches auch mehrfach erwähnt wird, indem die Kinder davon berichten, wie Eltern sich durch den von ihnen erzeugten Lärm belästigt fühlen oder sogar von Besuchen der Polizei (vgl. Gruppengespräch 2. Teil; Interview 7). Gleichzeitig sind die SchülerInnen auch selbst dem Lärm anderer ausgesetzt oder beeinflusst, so berichtet eine Schülerin von dem Lärmen ihrer Nachbarn, dem sie am Wochenende morgens ausgesetzt ist (Gruppengespräch 2. Teil). Eine andere Schülerin berichtet davon, dass ihre Freunde nicht zu oft zu ihr kommen, weil sie schon viele Leute in der Wohnung sind und so schon laut, was bei einer BewohnerInnenzahl von 5 Personen auf ein Zimmer und ein Wohnzimmer verteilt, kein Wunder ist (Interview 7). Betrachtet man das Ganze auf einer abstrakteren Ebene, so kann der Lärm vor allem dadurch als durchaus relevant betrachtet werden, wenn man Wohnungsgröße und Bewohnerzahl betrachtet. Die meisten SchülerInnen teilen ihr Zimmer, ein Rückzugsort ganz für sich alleine finden sie in der Wohnung nicht vor. Das Wohnzimmer, in dem Zeit verbracht werden kann, ist sicherlich ein Ort, an dem Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 13

14 Bedürfnis nach Ruhe und Bedürfnisse (der Kinders) nach Lärm kollidieren. Die Konsequenz könnte sein, dass dieses Bedürfnis nach draußen, in den öffentlichen Raum verlegt wird. Tove Raiby beschreibt dieses Phänomen eindrücklich, als sie gefragt wird, welche Konflikte im Bezug auf Herkunftsländer entstehen: Es gibt zwar auf den ersten Blick durchaus ethnisch geprägte Konflikte, wobei die vor allem damit zu tun haben, dass Menschen mit Migrationshintergrund oftmals beengter wohnen als die Österreicher, daher auch das Lärmpotential größer wird und damit auch die Nutzung des Freiraums größer wird, das heißt man nimmt sozusagen Migranten im Freiraum vielleicht stärker wahr, unter anderem auch weil sie sich dann vielleicht optisch unterscheiden aber auch weil sie das größere Bedürfnis haben den Freiraum zu nutzen. Und wenn sie beengter Wohnen dann ist das ein Lärmpotential an sich, das heißt Lärm ist ein großes Thema und Nutzung der Freiräume ist ein großes Thema (Interview Tove Raiby). Lärm ist zum einen also Bedürfnis der Kinder, zum anderen Stressfaktor für sie selbst als auch für die anderen BewohnerInnen. Es scheint dabei so, dass wenn die Kinder im privaten Raum nicht die Möglichkeit haben ihrem Bedürfnis nach Spiel und Unterhaltung nachzukommen, welches Lärm produziert, dies in den öffentlichen Raum ausgelagert wird. Bei nahzu allen Kinder scheint der Park hier wichtiger Aufenthaltsort zu sein, an dem auch Musik gehört werden kann und dazu getanzt wird.(interview 7) Dies verblüffet zuerst, scheint es doch ungewöhnlich in einem Park zu tanzen, aber mit dem Gedanken daran, dass dies zu Hause nicht möglich sein könnte, wird die Aussage sinnvoll. Dennoch scheint ein Park nicht der beste Ort für solche Praktiken zu sein und mag so manche/n nicht dazugehörige ParkbesucherIn befremden. Ein einfacher Raum, betreut durch die Parkbetreuung und ausgestattet mit einer Anlage, könnte hier eine sinnvolle Investition sein, die den Kinder und Jugendlichen ermöglicht, ihrem Bedürfnis nach Lärm nachzukommen und andere davor schützt,sich durch diesen belästigt zu fühlen. Es könnte also behauptet werden, dass bei hoher BewoherInnenzahl auf geringen Raum Lärm aus dem privaten Raum in den öffentlichen ausgelagert wird. 3.2 Wohnraum/Wohnfläche Vorweg möchte ich anführen, dass sich die nachfolgende Analyse speziell auf die Wohnsituation von Kindern mit migrantischem Hintergrund bezieht, da alle Kinder, Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 14

15 mit denen wir im Rahmen unserer Feldforschung zusammengearbeitet haben, aus einem nicht-österreichischen Elternhaus stammen. Trotzdem wird von ihnen ein großer Anteil der Wiener Bevölkerung repräsentiert: Nowadays, 16 percent of t he Viennese population hold a foreign passport and every fourth person has a migratory backround. (Borsdorf / Reeger 2008: 139). Auf die Frage nach den Wünschen, die die Kinder hinsichtlich einer Verbesserung ihrer Wohnsituation haben, erhielten wir oftmals die gleiche Antwort: ein eigenes Zimmer. Diese Antwort spiegelt eine weit verbreitete Wohnrealität wider: ein Großteil der Kinder teilt sich den Wohn- und Schlafraum mit den Geschwistern, zum Teil mit anderen Familienangehörigen. Von den 7 von uns qualitativ interviewten Kindern gaben nur zwei an, ein eigenes Zimmer zu bewohnen. Dass diese Gegebenheit nicht ohne Konfliktpotential auskommt, ist einleuchtend. Vor allem das Lärmpotential spielt bei Kindern in Bezug auf das Zusammenleben eine entscheidende Rolle. Frau Mag. Raiby von der Gebietsbetreuung der Stadt Wien bestätigt diese Annahme speziell für unseren Fall: Da Menschen mit Migrationshintergrund oftmals beengter wohnen als Österreicher, ist auch das Lärmpotential größer. (Vgl. Raiby). Nähere Ausführungen zum Thema Lärm im Wohnumfeld finden Sie unter einem eigenen Unterpunkt auf den folgenden Seiten. Aber auch die Freiheit im Spiel ist eingeschränkt, wenn Kinder ein meist kleines Zimmer teilen müssen. Vor allem für Kinder ist es wichtig, einen Raum zur Verfügung zu haben, in dem sie ihren Phantasien freien Lauf lassen können. Einen Raum zum Spielen, zum Rückzug, einen Raum, den sie nach ihren Vorstellungen gestalten können. In Österreich gibt es, im Gegensatz zu den meisten anderen europäischen Ländern, eine Größennorm für Kinderzimmer, die besagt, dass ein Kinderzimmer für eine Person mindestens 10 m², bei einer Doppelbelegung mindestens 12 m² Raumgröße aufweisen soll. Bei diesen Größenangaben (die nicht notwendigerweise eingehalten werden) müssen sich Kinder beschränken. In ihrem körperlichen Bewegungsradius ebenso wie in der Umsetzung ihrer Ideen. Wenn kein Platz vorhanden ist um ein Stuhl-Haus zu bauen, wird eben kein Stuhl-Haus gebaut. Eine Alternative besteht in manchen Fällen in einem Ausweichen in den öffentlichen Raum, allerdings gilt das eher für ältere Kinder. Ein weiterer Aspekt des Wohnens, der eine Ebene höher ansetzt, beschäftigt sich mit den sogenannten Wohnungsausstattungskategorien und gibt Auskunft über die Beschaffenheit der Wohnung. Der Idealtypus des modernen, kleinfamilialen Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 15

16 Wohnens ist nicht nur in (...) subjektiven Wohnwünschen präsent. Er ist auch institutionalisiert in Gesetzten, Förderrichtlinien, Finanzierungsbestimmungen und in den Kategorien der amtlichen Statistik (Häußermann / Siebel 1996: 17). Um einen Überblick über die Differenzierung von Wohnungen zu geben, soll im Folgenden näher auf Wohnungsausstattungskategorien eingegangen werden. Ausstattungskategorie A Nutzfläche: mindestens 30 Quadratmeter, Zimmer, Küche (Kochnische), Vorraum, WC, zeitgemäßer Baderaum oder Badenische, gemeinsame Wärmeversorgungsanlage oder Etagenheizung oder gleichwertige stationäre Heizung, Warmwasseraufbereitung Ausstattungskategorie B Zimmer, Küche (Kochnische), Vorraum, WC, zeitgemäßer Baderaum oder Badenische Ausstattungskategorie C Wasserentnahmestelle und WC im Inneren Ausstattungskategorie D keine Wasserentnahmestelle oder kein WC im Inneren beziehungsweise eine dieser beiden Einrichtungen ist unbrauchbar (Siehe Unter Bezugnahme der Statistik Austria, die sich 2001 ausführlich dem Thema Wohnen gewidmet hat, ist folgendes festzuhalten: Die Kinder von Zuwanderern leben öfter in schlecht ausgestatteten Wohnungen als Kinder von Österreichern. So leben im Durchschnitt aller österreichischen Haushalte nur mehr 2 Prozent der unter 15-Jährigen in Substandard-Wohnungen (Kategorie-D-Wohnungen), während dies in Haushalten von Personen aus den Nachfolgestaaten Jugoslawiens, den größeren neuen EU-Staaten, Rumänien und der Türkei insgesamt 11,4 Prozent sind. Besonders trifft die schlechtere Wohnsituation serbische und türkische Kinder: 16,5 Prozent der Kinder in Haushalten von Serben/Montenegrinern und 14 Prozent jener in türkischen Haushalten leben in Kategorie-D-Wohnungen. Die größte Diskrepanz besteht zwischen österreichischen Haushalten sowie Haushalten aus der Türkei und aus den Nachfolge-Staaten Jugoslawiens. 88 Prozent der Haushalte, deren "Haushaltsrepräsentant" österreichischer Staatsangehöriger ist, leben in Wohnungen Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 16

17 der Kategorie A. Demgegenüber leben nur 55 Prozent der serbisch/montenegrinischen, 62 Prozent der türkischen sowie 75 Prozent der slowenischen Haushalte in den am besten ausgestatteten Kategorie-A-Wohnungen. Im Substandard lebt bei allen Gruppen nur mehr eine Minderheit: Während nur noch 2,5 Prozent österreichischer Haushalte in Wohnungen mit Substandardniveau anzutreffen sind, beträgt dieser Anteil bei Slowenen 10 Prozent, bei türkischen Haushalten 18,4 Prozent und bei Haushalten von Serben/Montenegrinern sogar 27 Prozent. Neben den Ausstattungskategorien spielt die Frage nach der Wohnfläche eine wichtige Rolle, wenn verstanden werden will, wodurch Wohnrealität bestimmt wird. Unterschiede zeigen sich vor allem bei der Wohnungsgröße: Ist der Haushaltsrepräsentant türkischer Staatsangehöriger, dann entfällt in drei Fünftel der Wohnungen auf eine Person weniger als 20 m². Im Unterschied dazu haben 67 Prozent der österreichischen Haushalte 20 bis 60 m² Fläche pro Person zur Verfügung. Diese Diskrepanzen korrelieren selbstverständlich mit dem Haushaltseinkommen, das bei migrantischen Familien unter dem österreichischen Durchschnitt liegt. (Statistik Austria, Einkommensteuerdaten 2006). Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, diesem finanziellen Nachteil im Rahmen der staatlichen Wohnbauförderung Rechnung zu tragen. Es klingt in Anbetracht dessen beinahe zynisch, wenn Herr Cserj von der Gebietsbetreuung Wien auf die Frage nach Verbesserungsmöglichkeiten in Bezug auf die Wohnsituation auf Seiten der Gemeindebaubewohner antwortet, die Familien sollten ihr Familieneinkommen verdoppeln. Diese Aussage verschärft sich, wenn man bedenkt, dass bei über der Hälfte der befragten Kinder beide Eltern mindestens einer beruflichen Beschäftigung nachgehen. Das Neunerhaus, ein Wiener Verein zur Errichtung und Führung von Wohnhäusern für obdach- und wohnungslose Menschen, weiß dazu folgendes zu sagen: Der österreichischen Wohnbauförderung fehlt die soziale Dimension, weil sie tatsächlich nicht sozial treffsicher ist. 3.3 Wohnraumausstattung In engem Zusammenhang mit dem Thema des Wohnraumes ist der Bereich der Wohnraumausstattung zu sehen. Die Ausstattungskategorien, die weiter oben schon besprochen wurden, spielen in diesem Teil eine ebenso große Rolle. Diese, wenn Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 17

18 auch nicht ganz eigenständig zu sehende Kategorie, wurde von uns aufgenommen, da in den Interviews und Gesprächen mit den Kindern des öfteren die Rede auf Ausstattungsgegenstände und Ausstattungskategorien gefallen war und von den Kindern gerne darüber geplaudert wurde. In Bezug auf die SOLL/ IST Situation des Wohnens und deren genauerer Betrachtung gilt es wohl als unausweichlich, dass wir uns mit der Wohnraumausstattung auseinandersetzen, da diese sowohl auf Seiten der realen Wohnverhältnisse und auch auf Seiten der ExpertInnen angesprochen wurde. Zur Ausarbeitung dienen vor allem die Transkriptionen der Interviews, sowohl der SchülerInnen als auch der ExpertInnen, wie auch die Bilder und deren Interpretationen. Aus den Gesprächen mit den SchülerInnen ist in Bezug auf Ausstattung und Kategorie der Wohnung hervorgegangen, dass heute niemand von ihnen in einer zu Kategorie D zu klassifizierenden Wohnung lebt. Das bedeutet gleichsam, dass die Wohnungen sowohl eine Wasserentnahmestelle als auch WC im Wohnungsverband haben. Lediglich eine Schülerin nannte in einem Interview, dass sie vor einiger Zeit mit ihrer Familie in einer Wohnung lebte, die keine Toilette im abgeschlossenen Wohnbereich hatte (Interview 7). Neben der grundsätzlichen Ausstattung wie Küche, Badezimmer, Toilette, Wohnzimmer, Schlafzimmer, welche in allen Wohnungen der SchülerInnen zu finden sind, nennen manche noch weitere Ausprägungen wie Speis, Gang und getrennt vom elterlichen Schlafzimmer gelegene Kinderzimmer. Die Aufteilung und Nutzung dieser verschiedenen Zimmer ist allerdings von SchülerIn zu SchülerIn unterschiedlich. Einige bewohnen das Schlafzimmer gemeinsam mit den Eltern, wobei eine Ecke für den/die SchülerIn gedacht ist, auch von ihnen gestaltet wurde und durch einen Kasten vom Bereich der Eltern getrennt ist (Interview 5). Eine noch verschärftere Schlafsituation beschreibt eine andere Schülerin. Sie bewohnt ein Schlafzimmer gemeinsam mit ihren beiden älteren Schwestern, mit ihrer Mutter und deren Freund (Interview 7). Ein Schüler erzählt, dass seine Mutter im Wohnzimmer übernachtet, um ihrem Sohn ein eigenes Zimmer, einen eigenen Rückzugsraum, zu gewährleisten (Interview 6). Viele SchülerInnen teilen sich ihre Schlaf- und gleichzeitig Kinderzimmer mit ihren Geschwistern. Es kommt auch vor, dass ein Schüler sein eigenes Zimmer bewohnt und es nur manchmal mit seinem Bruder teilt, wenn dieser bei ihm übernachtet (Interview 4). Diese Wohnsituationen bedingen die Benützung der einzelnen Zimmer und die Aufenthaltsdauer in selbigen. So berichten Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 18

19 einige SchülerInnen, dass sie die meiste Zeit im Wohnzimmer verbringen. Der zentrale Aufenthaltsraum und Versammlungsraum ist dementsprechend das Wohnzimmer, welches in allen Wohnungen den größten Anteil an Wohnfläche in Anspruch nimmt. Der Ausstattung, Größe und Lage nach beste Raum ist das Wohnzimmer, Zentrum der Familie, gelegentlich auch gute Stube für Geselligkeit und Repräsentation, vor allem ein Raum der Freizeit (Häußermann / Siebel 1996: 15f). Dort wird verschiedenen Tätigkeiten nachgegangen, einerseits Unterhaltungsmedien konsumieren, so gehört das Fernsehgerät zur Grundausstattung aller Familien, Leute empfangen, Spiele spielen, mit der Familie gemeinsam Zeit verbringen, am Computer arbeiten oder aber am Schreibtisch lernen und die schulischen Pflichten erledigen. Andererseits wird das Wohnzimmer in einem Haushalt auch als Übernachtungsort benützt (vgl. Bilder und Bildinterpretationen der SchülerInnen). Die Kinderzimmer der SchülerInnen sind unterschiedlich ausgestattet. Die Gestaltung dieser Zimmer obliegt in den meisten Familien den Kindern. Manche besitzen einen eigenen Fernseher, Radio oder Computer. Die Schlafstätten der SchülerInnen reichen von Ausziehcouch, über Himmelbett bis zu einem überdimensional großem Bett (Bilder dazu sind im Anhang zu finden). Bemerkenswert ist die Tatsache, dass zwei Schülerinnen erwähnen, einer ihrer Lieblingsaufenthaltsräume in der Wohnung sei das Badezimmer (Interview 2, Interview 3). Eine Erklärung dafür könnte sein, dass diese beiden Schülerinnen im Vergleich zu den anderen Schülerinnen unserer Gruppe etwas älter sind (16 Jahre) und daher für sie ein gepflegtes Äußeres eine große Rolle spielt. Wohnbeihilfe, die abhängig von dem Familieneinkommen, der Größe der Wohnung und der Ausstattung der Wohnung ist, wird von manchen Eltern der SchülerInnen bezogen, beziehungsweise kann eine genaue Auskunft darüber nicht gegeben werden, da die SchülerInnen als Quelle dieser Information ungenügend Bescheid wissen, dennoch nannte eine Schülerin eine genaue Zahl der Höhe der Wohnbeihilfe. Die Wohnbeihilfe kann von jedem beantragt werden, wobei in den letzten Jahren von Seiten der Wiener Stadtregierung eine Auflockerung und Erweiterung der bezugsberechtigten Gruppen, sprich Wohnbeihilfe auch für ausländische MitbürgerInnen, vorgenommen wurde (vgl. Magistrat 18: 2009). Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 19

20 Das Fernsehgerät und die grundsätzliche der Kategorie entsprechende Standardausstattung sind in allen Wohnungen gleich. Die individuelle Erweiterung wird von unterschiedlichen Faktoren wie Wertigkeit, ökonomische Möglichkeiten, Platzangebot und vielem mehr beeinflusst. Die Wohnraumausstattung hat großes selbstgestalterisches Potential, wobei ökonomische und platztechnische Einschränkungen die Individuen beeinflussen. Zusätzlich geben der individuelle Gestaltungsgeschmack und die persönliche Werthaltung Rahmenbedingungen vor, wie eine Wohnung ausgestattet ist. Dieser intime Raum innerhalb der Wohnung wird seitens der normativen gesellschaftlichen Maßnahmen höchstens durch bautechnische und architektonische Vorgaben geprägt, jedoch sonst kein Einfluss darauf genommen. 3.4 Freizeit Worin besteht der Zusammenhang zwischen Freizeitgestaltung und Wohnen? Freizeit schien uns ein wichtiger Aspekt von Wohnen zu sein, da wir davon ausgegangen sind, dass die Bedürfnisse am Wohnen über sogenannte Existenzbedingungen hinausgehen und somit mit Freizeitaktivitäten und Bedürfnissen des Auslebens davon zusammenhängen. Diese gestalten sich sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum und somit ist die Wohnung auch Bestandteil dessen. Die Freizeit jedoch außerhalb des Familienraumes mit Freunden zu verbringen, ist wahrscheinlich das normalste und auch von uns selber allen so erlebt worden. Die Zeit, die die Kinder zu Hause verbringen, ist dennoch aufgrund diverser Einschränkungen und Verpflichtungen, wie Helfen im Haushalt oder Babysitten, groß. Freizeit ist über die Interviews mit den Kindern zu einer Kategorie für Erarbeitung der Fragestellung geworden. Einerseits dadurch, dass wir aufgrund unserer Vermutung eines Zusammenhangs, die Fragen dahin führten und konkret nach ihrer Freizeit fragten, zum Teil auch einfach mit der Intention das Gespräch für die SchülerInnen interessanter zu gestalten und sie zu einem Gespräch zu motivieren, andererseits verbanden sie von alleine die Wohnräume auf den Fotos mit ihren, darin erlebten, Freizeitaktivitäten. Ein Auszug aus dem Interview mit einer Schülerin zeigt Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 20

21 Letzteres auf: Das ist mein Wohnzimmer, da bin ich mit meiner Familie am Öftesten. Fast jeden Abend, da spielen wir zusammen und schauen Filme an (vgl.interview 1). Die Wohnsituation zu Hause schien uns einer der Faktoren zu sein, die das Bedürfnis nach draußen zu gehen, um dort seine Freizeit zu gestalten, bestimmen. Auch gibt es Unterschiede bei den Kindern bezüglich Besuche der Freunde zu Hause, die abhängig sind von der Wohnqualität und dem Familienverhältnis. Eine Schülerin berichtet, dass sie viel Freizeit im Park verbringt und wenig zu Hause mit ihrer Familie. Sie wohnen in einer Zweizimmerwohnung und teilen sich zu fünft ein Zimmer. Dabei betont sie in den Gesprächen immer wieder, dass sie damit leben kann (vgl.interview 4). Bezüglich der Freizeitgestaltung und aktivitäten kommt ein Grundmuster zum Vorschein. Die meisten verbringen die Zeit außerhalb von daheim im Park, wo sie mit Freunden Fußball spielen oder einfach nur herumsitzen oder gehen anderen Tätigkeiten nach. Die Millennium- City ist auch ein attraktiver Aufenthaltsort, der aber nicht von allen geteilt wird. Viele gehen auch schwimmen. Zwei der SchülerInnen berichten davon, dass sie die Sonntage mit ihrer Familie auf kleinen Ausflügen verbringen und grillen oder spazieren und laufen gehen. Zu Hause dominieren Fernsehschauen, Computer spielen, Schlafen und Faulenzen, Musik hören und essen bzw. naschen. Die Schüler verbringen die meiste Zeit in ihrem Zimmer, das sie sich oft mit ihren Geschwistern oder sogar Eltern teilen. Der Wunsch nach einem eigenen Zimmer ist bei allen da, die noch keines haben, oder sich eines für ihre Eltern wünschen. In den 70ern entwickelte sich ein Idealtypus von Wohnen, dessen charakteristische Merkmale in den DIN- Normen festgeschrieben wurden. So gibt es für das Wohnzimmer, als das Zentrum der Wohnung und der Hauptaufenthaltsort der Familie, normierte Maße bezüglich der Fläche, den Stellflächen und Abständen. 20 Quadratmeter sind für Vierpersonenhaushalte ein Mindeststandard, der auf 18 herunter gesetzt werden kann, falls ein gesonderter Essplatz in der Wohnung vorhanden ist (vgl. Häußermann, Siebel 1996: 16). Es gibt auch Normen für das Elternschlafzimmer und das Kinderzimmer. Häußermann und Siebel beschreiben es als der [ ] einzige einer Person zugeordnete Individualraum (Häußermann, Siebel 1996: 16). Es sollte für das Kind eine Privatsphäre und ein von den Eltern respektierter Raum sein. Die Umsetzung dieser Norm wird in Bauplanungen oftmals ignoriert und die DIN- Norm sieht für das Kinderzimmer eine 120cm x 180cm Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 21

22 Spielfläche vor, die jedoch nicht zwingend ist und an den Essplatz angehängt werden kann (vgl. Häußermann, Siebel 1996: 17). Das elterliche Schlafzimmer ist in seiner Ausstattung und Raumfläche auch genormt. In allen Fällen zeigten die Wohnverhältnisse nicht diese Anforderungen. Die Kinder verfügen im Wohnbereich über keine Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeiten. Die Hypothese, die sich aus dem Zusammenhang von Wohnen und Freizeitgestaltung ergibt, ist, dass die Wohnsituation dafür ausschlaggebend ist, wo und wie die Kinder ihre Freizeit gestalten und erleben. Auf politischer Ebene gibt es Initiativen wie die Parkbetreuung, die sich unter anderem mit der Freizeitgestaltung von Kindern beschäftigen und Möglichkeiten und Infrastrukturen zum Spielen schaffen. In erster Linie dient die Parkbetreuung der Bewältigung aufkommender Konflikte zwischen Parknutzern. Die SchülerInnen berichteten uns nicht über diese ParkbetreuerInnen, obwohl sie ihre Freizeit oft in Parks verbringen. Wie weit diese den Ansprüchen ihres Aufgabenbereichs gerecht werden, bzw. von den Kindern, als ihren Adressaten, genutzt und geschätzt werden, könnte ein interessantes Forschungsziel sein. Eine auf institutioneller Ebene anzusiedelnde relativ kinderunfreundliche Tatsache, ist das Einschränken von Spielaktivitäten in den Hofanlagen der Wohnhäuser. Es fallen die Verbotsschilder auf, die darauf hinweisen, dass der Rasen nicht betreten werden darf, dass keine Ballspiele erlaubt sind oder Fahrrad fahren verboten ist. Das Zusammenleben in Wohnhausanlagen bietet vielleicht aufgrund der hohen Dichte und eines hohen Störungspotentials wenige Entfaltungsmöglichkeiten für Kinder. Bedürfnisse und gesellschaftliche Realitäten stehen in Widerspruch zu einander. Die Wahrnehmung davon und der Umgang damit unterliegen noch einem beträchtlichen Aufholbedarfs und politischer Implementierung. 3.5 Heimat ein Konflikt Was bedeutet Heimat? Der Artikel Dialog oder Konflikt der Kulturen? herausgegeben vom Paulo Freire Zentrum beschäftigt sich mit dem dialektischen Charakter von Kultur. Kultur ist demnach kein statischer und unveränderbarer Begriff, sondern vielmehr ein sich über Widersprüche fortbewegender und wandelnder. Veränderung und Widerspruch gehen auseinander hervor und formen in diesem dialektischen Prozess Kultur (vgl. Novy 2008: 9). Den Begriffen Kultur und Heimat ist Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 22

23 gemeinsam, dass ihnen die Elemente des Vorbestimmtseins und der Unveränderbarkeit angelastet werden. Natürlich hängt Heimat zum großen Teil mit dem Geburtsort und dem familiären Umfeld zusammen, in dem man aufwächst. Dennoch bleibt Heimat keine vorbestimmte Realität, sondern wird individuell konstruiert und erfährt Wandel und Veränderungen. Zahlreiche Widersprüche und Konflikte öffnen sich in diesem Prozess der Heimatfindung, der zu den grundlegenden Bedürfnissen der Menschen gehört und der ständiger gesellschaftlicher Thematisierung und Politisierung ausgesetzt ist. In unserer Zusammenarbeit mit den Kindern sind wir auf solche Widersprüche gestoßen und haben die verschiedenen Gesichter von Heimat näher kennen lernen dürfen. Zum einen haben wir gesehen, dass die alte Heimat der Eltern in der neuen Lebenswelt stark präsent ist, einerseits im Gedanken der Rückkehr und durch Besitz von Wohnhäusern und der Existenz von Verwandtschaft, andererseits durch das Zusammenleben mit Verwandten in der neuen Heimat. So erzählt eine der SchülerInnen von ihrem Haus in Serbien, das die Eltern renovieren wollen und das ihnen als Ferienhaus dient. Sie beschreibt es mit Garten und Pool und berichtet von den Sommern im Dorf ihrer Mutter, in denen sie viele Leute trifft, sich jeder kennt und sie viel Zeit draußen verbringt. Die Eltern wollen wieder nach Serbien zurückkehren, das Kind jedoch, will in Wien bleiben. Die Schülerin sieht sich der Herausforderung nicht gewachsen, die serbische Grammatik und Schrift zu lernen und ihr gefällt Wien (Interview 5). Der Bezug zur alten Heimat wird vor allem durch Besuche in den großen Schulferien im Sommer und Winter, abhängig von den finanziellen Mitteln der Familie, Aufrecht erhalten. Bezugspunkte bilden Wohnhäuser, in denen nur mehr wenige Familienmitglieder wohnen oder die den Familien gehören. Sie sind zum einen Investitionsmöglichkeit und dienen vielleicht der Zukunftsplanung, zum anderen werden sie genutzt um Ferien zu machen. Das Verhältnis zur alten Heimat ist ein ambivalentes und gestaltet sich entlang verschiedener Dimensionen, die sicherlich mit dem Umstand zu tun haben, welche Möglichkeiten zur Lebensgestaltung bestehen und wahrgenommen werden können. In dem Interview mit Magister Cserj stellten wir die Frage, was eine Familie tun kann, um ihre Wohnsituation zu verbessern. Die vereinfachte Darstellung, auf dem Wohnungsmarkt nach besseren Angeboten zu suchen, setzte er sogleich mit folgendem Lösungsvorschlag fort: Das einfachste Mittel, aber wahrscheinlich auch gleichzeitig das schwierigste ist, irgendwie das Familieneinkommen zu verdoppeln, ja. Und, Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 23

24 wenn, wenn mehr Geld da ist, dann kann man sich natürlich auch eine größere, schönere, ah grünere, leisere Wohnung leisten, ja (Interview mit Cserj). Wenn genau hier die Schwierigkeit für manche Familien liegt, dann ist es verständlich, dass in den bereits vorhandenen Besitz in der ehemaligen Heimat zur Verwirklichung der Wohnbedürfnisse und Wünsche investiert wird, weil dort vielleicht die finanziellen Möglichkeiten dazu gegeben sind. Von den Schülern haben wir einen Einblick in das Berufsleben der Eltern bekommen und gemerkt, dass von Seiten der Kinder die überdurchschnittlich langen Arbeitszeiten der Eltern beklagt werden und sie sich mehr Zeit mit ihnen wünschen. So meint ein Schüler, er wohne lieber bei seiner Mutter, weil sein von dieser getrennt lebender Vater, viel arbeitet und wenig zu Hause ist. Auch die Mutter arbeitet aufgrund zweifacher beruflicher Tätigkeit viel, hat aber zweimal die Woche nachmittags frei und die Tante des Schülers ist Hausmeisterin im Wohnhaus und somit als Bezugspunkt präsent (Interview 6). Ein weiterer Punkt mit dem Heimat assoziiert wird, ist die Bindung zur Familie. Wir haben bei den Schülern gemerkt, dass der Umfang der Familie und die Vernetzung darin über die Kernfamilie hinaus geht und trotz zum Teil großer Distanzen Aufrecht erhalten wird. Die Schüler bezeichneten die Häuser und Wohnungen ihrer Familienmitglieder als die ihren, sprachen sogar davon, dass ihnen Besitz überschrieben wird, oder sie eine Möglichkeit späteren Wohnens im Erwachsenenalter haben. In der neuen Heimat lebt oftmals ein großer Teil der Verwandtschaft, der auch das Zusammenleben stark prägt. Drei der Schüler sind miteinander verwandt. Die Frage ist also, ob Familie ein bedeutender Faktor dafür ist, ob ein neuer Wohnort zur Heimat werden kann oder nicht. Ein Schüler erzählt, er wohne bei der Familie seiner Tante und sieht die Mutter nur an Wochenenden und Feiertagen. Der Grund dafür ist, dass diese im 12. Bezirk wohnt und somit zu weit von der Schule entfernt (Interview 4). Wohnen ist sowohl eine politische als auch eine private Angelegenheit, Zwang als auch Freiheit. In der individuellen Prioritätensetzung greift die politische Ebene nicht durch. Gesetzregelungen sprechen jeden Wohnungsbewohner ein Zimmer in der Wohnung zu und auch Mietbeihilfen sind gesetzlich berechnet. Dennoch leben manche Familien in Wohnungen, in denen diese Mindeststandards nicht erfüllt sind. Ursachen dafür sind sicherlich die langen Wartezeiten, um eine Gemeindewohnung zu bekommen, in denen für angemessene Wohnstandards und einkommensgerechte Mietpreise gesorgt ist, aber auch private Prioritätensetzung wird ein Faktor sein. Das Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 24

25 Amt MA50 -Wohnbauförderung und Schlichtungsstelle für wohnrechtliche Angelegenheiten informiert über und vergibt Wohnbeihilfen, die einkommensschwache Haushalte sowohl für Gemeinde-, geförderte und private Wohnungen anfordern können. Es stellt sich die Frage, inwiefern die Unterstützung und Informationsarbeit der zuständigen Behörden besteht und ob die Entscheidung, in einer zu kleinen Wohnung zu leben, in der Entscheidung der Familie liegt und mit Sparmaßnahmen zusammen hängt. Immer wieder stößt man auf den Sachverhalt, dass Entbehrungen aufgebracht werden, um Investitionen in der alten Heimat zu tätigen. Vielleicht aber auch unter anderem deshalb, weil die Chancen in der neuen Heimat zu wenig ausgebaut sind. Die Hypothese, die sich für uns ergibt ist, dass Heimat trotz Prägung individuell neu konstruiert werden kann, jedoch es von den Gestaltungsmöglichkeiten des Wohn- und Lebensraums abhängt, inwiefern der neue Lebensort als Heimat empfunden wird. 3.6 Beziehungen zu Mitmenschen Betrachtet man die Wohnrealitäten, stellt sich jedenfalls die Frage nach den Verhältnissen des Wohnens in den von uns untersuchten Wohnungen. Dazu muss unweigerlich eine Bezugnahme zu den anderen Personen des Haushalts hergestellt werden, um eine ganzheitliche Betrachtung der Wohnrealitäten und verhältnisse darstellen zu können. Hierbei werden im Großen und Ganzen methodisch die Transkriptionen der Interviews herangezogen. Fast alle der befragten SchülerInnen wohnen gemeinsam mit ihrer Familie, oder nur einem Elternteil, in einer Wohnung. Ein Schüler wohnt bei Verwandten, seinem Onkel und seiner Tante und deren Kindern, da seine Mutter eine Wohnung in weiter Entfernung zur Schule bewohnt und er deshalb aus praktischen Gründen zu seinen Verwandten gezogen ist. Aus diesem Grund sieht er seine Mutter nur an Wochenenden und Feiertagen (Interview 4). Ein Schüler, dessen Eltern getrennt leben, besucht seinen Vater und dessen neue Familie alle zwei Wochen und im Sommer einen Monat. In der Wohnung des Vaters hat er ebenso ein eigenes Zimmer, wohnt aber lieber bei der Mutter, da diese mehr Zeit für ihn hat und auch seine Tante auf ihn aufpasst, die in seinem Wohnhaus Hausmeisterin ist (Interview 6). Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 25

26 Die Zeit, die SchülerInnen mit ihren Familien verbringen divergiert. In einer Familie wird jeden Tag abends gemeinsam Zeit verbracht, sei es fernsehend oder spielend (Interview 1). Andere SchülerInnen beschreiben ihre Situation so, dass sie wenig Zeit mit ihrer Familie verbringen, sondern stattdessen viele Stunden im Park verweilen, der für sie ein zweites zu Hause bedeutet, um dort ihre Freunde zu treffen, die für sie wie eine zweite Familie wirken (Interview 7). Da viele Eltern der SchülerInnen den ganzen Tag arbeiten müssen und oft nicht nur einer Tätigkeit nachgehen, können sie nicht viel Zeit mit ihren Kindern verbringen, die sich nachmittags mit ihren Freunden zum Spielen, Reden, Shopping treffen und mit ihnen ihre Freizeit genießen. Eine Schülerin erzählte, dass sie an Wochenende oftmals gemeinsam mit ihrer Familie Ausflüge macht oder grillt (Interview 1) Verwandte, die oftmalig auch in Österreich wohnen, spielen eine große Rolle. Wenn diese in Wien wohnen, sehen sich die Familien häufig und in kurzen Abständen. Verwandte, die in anderen Bundesländern wohnen, werden ebenso besucht. Ein Schüler schildert, dass er gerne Zeit bei seinem Onkel in Waidhofen verbringt und auch gerne dorthin ziehen würde, da sein Onkel ein Haus mit Garten besitzt, wo er reiten darf und sich ein bisschen Geld verdienen kann, wenn er ihm zur Hilfe geht (Transkription Gruppengespräch). Zu Verwandten, die im Herkunftsland der Eltern wohnen, bei den meisten ist das Serbien, besteht weiterhin Kontakt. Diese Verwandten, Großeltern, Tanten und Onkel, Geschwister, werden vor allem in den Sommermonaten besucht und während denaufenthalten in Serbien wird viel miteinander unternommen (vgl. Transkription Gruppengespräch). Die Verwandten sind oft die Personen, die während der Abwesenheit der Besitzer auf die Domizile in Serbien aufpassen und nach den Rechten schauen (Transkription Gruppengespräch). Kontakte und Beziehungen zu Nachbarn werden nicht erwähnt oder sind eher wenig gegeben. Lediglich eine SchülerIn hat über eine positive Beziehung zu den Nachbarn gesprochen (Interview 3). Die eigene Familie spielt eine große Rolle, auch zu Verwandten, sei es im In- oder Ausland, besteht guter Kontakt. Die Nachbarn der Wohnungen in Wien spielen bei den meisten SchülerInnen eine untergeordnete Rolle oder sind negativ behaftet, so wird von einem Schüler erwähnt, dass sein Nachbar nicht gehemmt ist, des Öfteren die Polizei zu rufen (Transkription Gruppengespräch). Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 26

27 3.7. Wohnungswechsel Auf die Frage hin, ob die jetzige Wohnung in Wien die erste sei, antwortet eine Schülerin: [ ] wir waren in einer anderen Wohnung, aber die war zu alt und da gab's auch Ratten und so (Interview 7). Des Weiteren beschreibt sie die Wohnung als zu klein und das Klo war draußen auf dem Gang. Diese Beschreibung lässt vermuten, dass es sich um eine Kategorie-D Wohnung gehandelt hat (vgl. Interview Cserj; Interview Tove Raiby). Man kann also davon ausgehen, dass die Familie ihn relativ ärmlichen Verhältnissen dort gelebt hat. Seit sechs Jahren nun lebt die Familie in einer neuen Wohnung, welche genug Platz habe und man damit leben könne. Trotzdem ist auch hier die Wohnsituation nicht perfekt. Fünf Personen haben zwei Zimmer zur Verfügung, eines davon ein Wohnzimmer, welches auch als solches genutzt wird. Hinzuweisen ist hier auf die oft überproportionale Größe des Wohnzimmers im Gegensatz zu anderen Zimmern, was auch in dieser Wohnung der Fall ist (Bildbeschreibung T; Tränkle zitiert in Häußermann / Siebel 1996: 49) Zu fünft also schläft die Familie in einem Zimmer, ein weiteres Kind ist unterwegs. Dies ist bei weitem der krasseste Fall der SchülerInnen und auch der einzige wo eine Kategorie- D Wohnung tatsächlich beschrieben wird. Bei den anderen Kindern fällt der Wechsel der Wohnung mit weitaus mehr Gewinn an Wohnqualität aus. So wird bei einer 16jährigen Schülerin berichtet, dass die alte Wohnung 35qm gehabt hätte, bei der jetzigen hat alleine das Wohnzimmer 25qm. In der alten hatte sie zwar ein eigenes Zimmer. Dieses war aber sehr klein, heute teilt sie ihr Zimmer zwar mit ihrem Bruder, hat aber dafür genug Platz. Zumal die heutige Wohnung einen Balkon oder Terrasse hat, sowie einen Garten. Bei dieser Schülerin zeigt sich ein anderer Aspekt auf. Die frühere Wohnung stand in einem Mietverhältnis, die heutige Wohnung ist eine Eigentumswohnung. Es wurde lange gesucht bis eine neue Wohnung gefunden wurde, als Kriterien werden die Nähe zur Schule und zum Kindergarten des Bruders genannt. Hier muss natürlich vorsichtig umgegangen werden mit der Interpretation, ob dies nun die von der Schülerin ausgemachten Vorteile sind oder tatsächlich maßgebend waren für die Entscheidung für diese Wohnung. Zumal diese Aussage im Gegensatz dazu steht, dass die Wohnung weit am Rande des 18ten Bezirkes liegt und somit nicht in der unmittelbaren Nähe der Schule (vgl. Interview 3). Eine andere Schülerin berichtet, dass sie aus ihrer alten Wohnung ausziehen mussten, weil der Vertrag ausgelaufen ist, bzw. eine neue Verwaltung gekommen sei. Dort habe sie 7 Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 27

28 Jahre gewohnt in einem anderen Bezirk des Gürtelrings. Seit 2 Monaten wohnt die Familie in der neuen Wohnung die 70 bis 80qm hat (auch diese Schülerin ist 16 Jahre, die Angabe stimmt höchstwahrscheinlich). Zum Wohnort gibt sie den Bezirk der Schule an sowie, dass die Wohnung nicht teuer sei, es könnte also gut sein, dass der Mietpreis wichtiges Kriterium war. Auch sie teilt ihr Zimmer weiterhin mit ihrer Schwester, die neue Wohnung gefällt ihr gut (vgl. Interview 2). Der Wohnungswechsel bringt in allen beschriebenen Fällen eine Steigerung der Wohnqualität, welche hier allerdings nur an Wohnungsgrößen und beschreibungen gemessen werden kann, sowie an den Beschreibungen der Kinder bezüglich ihrer Gefühle gegenüber der jeweiligen Wohnung. Fast alle SchülerInnen müssen (weiterhin) ihre Zimmer mit ihren Geschwistern teilen oder sogar mit den Eltern. Es kann davon ausgegangen werden, dass dies nicht das Bedürfnis der SchülerInnen ist, die meisten geben an sich ein eigenes Zimmer zu wünschen (vgl. Interview Gruppengespräch). Der Verbesserung der Wohnsituation scheinen also auch Grenzen gesetzt. Wo aber liegen diese Grenzen? Wer oder was definiert sie? Der geographische Begriff der Grenze dürfte in Falle der Schülerinnen der Gürtel sein, zumindest wohnen ausnahmslos alle Kinder hinter dem Gürtel, den äußeren Stadtbezirken also. Diese Erkenntnis im Kleinen wird von großen Studien bestätigt. So stellt das Magistrat 18 für in Wien lebende Ausländer fest, dass: Etwas anders stellt sich die Situation für Wien dar. Hier ist die Wohnsituation der Ausländer vor allem dadurch charakterisiert, dass sie in der Regel nur zu einem sehr eingeschränkten Wohnungsmarkt (vor allem Altbaumietwohnungen) Zugang haben. (Magistrat 18: 2009) Das dies tatsächlich die äußeren Bezirke sind, wird in der graphischen Darstellung unten ersichtlich. Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 28

29 Quelle: [Zugriff ] Diese Beobachtung können auch Borsdorf und Reeger in ihrer Studie bestätigen: In Vienna, labour migrants are concentrated in an area just outside the inner city. Though the reasons for ethnic segregation and concentration are manifold, the most important factor is the structure of the housing market that channels people according to nationality and income into the different segments which display differing rules of access (Borsdorf / Reeger 2008: 145). Borsdorf und Reeger ordnen Menschen ihrem Wohnort also nach Nationalität und Einkommen zu. Ob die Nationalität tatsächlich solch direkten Einfluss auf den Wohnort hat, oder ob nicht viel mehr der soziale Status der meisten Nicht-ÖsterreicherInnen als ArbeitsmigrantInnen sowie die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht dafür ausschlagend sind, als die Nationalität selbst, ist in Frage zu stellen. Auf der Hand liegt, dass das Einkommen wesentlicher Faktor ist bei der Wahl einer Wohnung. So werden zwei Mietpreise genannt die einmal bei 350 Euro liegen, einmal bei 600 Euro. Wohnbeihilfe wird in einem Fall auf ca. 130 Euro beziffert und in mehreren Fällen bezogen (Interview Gruppengespräch). Den Berufen ihrer Eltern entsprechend (meist ArbeiterInnen) kann vermutet werden, dass die Einkommen der Eltern keine grenzenlose Wohnungswahl möglich machen. Auch Herr Mag. Cserj befindet auf die Alexa Kofler, Eike Pokriefke, Marlene Tasser, Lena Wanner 29

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