Die Armen sind der Schatz der Kirche

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1 Die Armen sind der Schatz der Kirche 1. Die Armen als Thema der Theologie: Ich übersetze den Titel Die Armen sind der Schatz der Kirche! in die Frage: Was bedeutet uns Christen und Christinnen im reichen Deutschland die biblische Option für die Armen? Das gemeinsame Wort der Kirchen zur Wirtschafts- und Sozialpolitik von 1997 macht diese Option für die Armen zum verpflichtenden Kriterium des Handelns (105): In der Perspektive einer christlichen Ethik muss darum alles Handeln und Entscheiden in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft an der Frage gemessen werden, inwiefern es die Armen betrifft, ihnen nützt und sie zu eigenverantwortlichen Handeln befähigt. (107). In verschiedenen kirchlichen Dokumenten wird die Option für die Armen als Wesenskern des christlichen Glaubens bezeichnet. Auch in der neuen, umstrittenen Unternehmerdenkschrift der EKD spricht Bischof Huber in seinem Vorwort der Option für die Armen eine zentrale Rolle für unternehmerisches Handeln zu. Was bedeutet theologisch, sozialethisch genau diese Option für Armen? Gustavo Gutierrez, ein ganz entscheidender Befreiungstheologe begründet die Option wie folgt: Das letzte Motiv für das Engagement für die Armen und Unterdrückten liegt nicht in der Gesellschaftsanalyse, auf die wir uns stützen, in menschlichem Mitgefühl oder der unmittelbaren Erfahrung, die wir mit Armut gemacht haben mögen. All dies sind gute Gründe, die sicherlich eine wichtige Rolle bei unserem Engagement spielen, aber insofern wir Christen sind, gründet dies sich wesentlich auf den Gott unseres Glaubens. Es ist eine theozentrische und prophetische Option, die in der Geschenkhaftigkeit der Liebe Gottes wurzelt und von dieser gefordert wird. (Gutierrez: 1995, 299) 2. Die Option für die Armen im theologischen Streit Innerhalb der kirchlichen und theologischen Diskurse war und ist der Stellenwert dieser Grundoption stets umstritten, weil sie durch die strikte Vergeschichtlichung und Vergesellschaftung des Mysteriums Gottes vorgeblich in eine übertriebene Moralisierung der Theologie führen würde. Die Leitung der katholischen Kirche, zum Beispiel durch Papst Johannes Paul II und seinem Präfekten Kardinal Joseph Ratzinger anerkannten zwar den theologischen Status dieser Grundoption, bekämpften aber mit allen Mitteln die pastorale Konsequenzen einer parteiischen, befreienden Pastoral. Der Befreiungstheologe Leonardo Boff insistiert auf der zentralen theologischen Intuition und Erkenntnis der Option für die Armen, wenn er an die Kritiker der Befreiungstheologie schreibt: Weil es die Inkarnation gibt, weil der Sohn Gottes seine Transzendenz zurückgelassen hat und in Jesus von Nazareth Mensch geworden ist, weil er sich den Konflikten und Verfolgungen gestellt hat und das Reich Gottes dem Reich des Kaisers entgegengestellt hat und die Sorge um die Armen zum Wesen des Evangeliums gehört, deshalb können die Armen nicht nur ein wenn auch grundlegendes Thema, auch nicht nur zweites oder relatives Prinzip sein, sondern gehören sie zur Substanz des Evangeliums, zum Wesen der Botschaft und des Vermächtnisses Jesu. Entsprechend ist es kein theologischer Irrtum, den Armen mit 1

2 Gott und Christus zu identifizieren. Es stimmt nicht, dass die Befreiungstheologie Gott und Christus durch den Armen ersetzt hat. Es war Christus, der sich mit den Armen identifizieren wollte. Wer dem Armen begegnet, trifft unfehlbar auf Christus in Gestalt des immer noch Gekreuzigten, der darunter bittet, vom Kreuz heruntergenommen und auferweckt zu werden. Weil dem Armen aufgrund der Inkarnation und der Offenbarung diese zentrale Stellung zukommt, reduziere die Befreiungstheologie die Armen auch nicht auf ihre ökonomische Dimension. In der Befreiungstheologie werden der Arme und Christus aufgrund des Geheimnisses der Inkarnation zusammen gedacht und zusammen gesehen. (Leonardo Boff: Für die Armen und gegen die Armut in der Methode, siehe: 2008) Kritikern wirft Leonardo Boff vor, dass sie die Theologie und letzlich damit Christus von den Armen trennen würden. Sie würden die kosmische Allgegenwart Christi ignorieren, die die menschliche Entwicklung in Richtung auf das Reich der Trinität drängt. Im Grunde formuliert Rom einen Christomonismus, so als ob Christus alles sei, und vergisst dabei den Vater und den Heiligen Geist. Es ist gerade der Verdienst der Befreiungstheologie, den Gottesdiskurs als Diskurs über die Armen und Unterdrückten artikuliert zu haben. Dabei war sie inspiriert von einem Gott des Lebens, der sich von seiner Natur her für die Armen entscheidet, für diejenigen, die weniger Leben haben. Begründet im Mysterium der Inkarnation verbindet diese Theologie unlöslich Christus mit den Armen oder den höchsten Richter mit den Misshandelten und Leidenden unserer Geschichte, aber ohne sie zu verwechseln. (Leonardo Boff: a.a.o.) 3. Theologische Auslegung der Option für die Armen Wir stehen in dieser Welt als Christen vor zwei grundlegenden Offenbarungen, der Offenbarung Gottes in Jesus von Nazareth, der sich in besonderer und unüberbietbarer Weise den Armen zugewandt und das nahe gekommene Reich Gottes verkündet hat, und der Offenbarung des Elends und der Ungerechtigkeit in der Welt, wobei wir davon ausgehen, dass dieses nicht vom Himmel gefallen, sondern von Menschen gemacht und Frucht der Sünde ist. Diese beiden Offenbarungen sind nicht voneinander zu trennen, schon gar nicht zu hierarchisieren, sondern bilden eine Einheit der einen Offenbarungsgeschichte Gottes. Erlösung kann nicht anders als universal gedacht werden, das heißt aber, sie muss unabdingbar mit den Armen verknüpft werden, an diese gebunden werden. Der salvadorianische Theologe Jon Sobrino hat eine traditionelle theologische Formulierung umgearbeitet und sagt: extra pauperes nulla salus. Er erläutert, dass dies nicht so zu verstehen ist, dass bei den Armen automatisch schon Erlösung gegeben ist, sondern vielmehr, dass es an den Armen vorbei und ohne sie keine Erlösung gibt. Das extra bezeichnet einen Ort, einen Standpunkt. Die ursprüngliche und traditionelle Formulierung extra ecclesiam nulla salus (außerhalb der Kirche kein Heil) stammt von Origines und Cyprianus und stellt die Frage nach dem Ort, von dem aus Erlösung zu finden ist. Nach dem II. Vatikanischen Konzil hat der niederländische Theologe Edward Schillebeeckx diese Formulierung im Sinne des grundlegenden Konzilsanliegens umformuliert und gesagt: extra mundum nulla salus (außerhalb der Welt kein Heil). Damit sagt er, dass Gott in der Welt und der menschlichen Geschichte Erlösung bewirken will und dass dies Basis jeglicher 2

3 Glaubensrealität ist. Es geht um die Konzilseinsicht, dass Gottes Heilswille die ganze Welt umfasst und dass es nur die eine Heilsgeschichte gibt. Damit gilt: Nicht (nur) die Kirche, sondern die Welt ist Erlösungsort, Erlösung ist nie nur religiös zu fassen, sondern hat eine historische und soziale Dimension. Dies ist die weltgerichtete Zäsur des II. Vatikanischen Konzils. Mit der II. Generalversammlung der lateinamerikanischen Bischöfe 1968 in Medellín/Kolumbien gab es dann eine weitere Zäsur, die den Glauben nicht auf die Welt, sondern auf die Armen verwiesen hat. In diesem Sinn steht die Umformulierung Sobrinos in direktem Zusammenhang mit den Aussagen der Bischöfe in Medellín und mit jenem bekannt gewordenen Ausspruch Romeros: Gloria DEI, vivens pauper (Gottes Ehre ist es, wenn der Arme lebt). Dies zu sagen setzt aber im strengen Sinne eine von Interesse geleitete Glaubensentscheidung voraus, eine Standortentscheidung, die die Opfer in den Mittelpunkt stellt. Die Opfer in den Mittelpunkt der Reflexion zu stellen, ist begründet in der Offenbarung Gottes (als Gott des Lebens, als Gott, der das Leben aller Menschen will) und es ist begründet in der Realität der gegenwärtigen Welt. Diese beiden, die Offenbarung Gottes und die Wirklichkeit der gegenwärtigen Welt sind letztlich ein hermeneutischer Zirkel: der Gott des Lebens will keine Opfer und das Vorhandensein von Opfern zeigt, was der Gott des Lebens nicht will. Dieser hermeneutische Zirkel lässt sich von außen (theoretisch) kaum verteidigen. Dieser Zirkel ist eine Sache des Glaubens. Deshalb spricht man in der Befreiungstheologie von der Option. Es ist eine Entscheidung, aus welcher Perspektive, von welchem Standort ich die Welt sehen will, denn nur wenn ich etwas auch sehen will, kann ich es auch sehen. Dieser hermeneutische Zirkel existiert auch für andere Theologien: Wer den guten Schöpfergott und die gute Schöpfung zum Ausgangspunkt nimmt, bildet mit diesen beiden Polen einen hermeneutischen Zirkel, von dem aus sich die Welt immer wieder neu sehen und interpretieren lässt. Das gleiche gilt für den unendlichen Gott, der eine Perspektive des ewigen Lebens für meine sterbliche Existenz verheißt. Diese und weitere Perspektiven sind möglich. 4. Der Standort ist fundamental wichtig! Welcher ich den Vorrang gebe, ist eine Glaubensentscheidung, eine Frage des Standortes und der Option. Und diese Glaubensentscheidung von ChristInnen, von Kirchen hat Folgen, weil sich je nach Standpunkt die Sicht der Dinge, der Wirklichkeit verändert. Dies hat der 1980 ermordeten Erzbischof von San Salvador, Oscar A. Romero in seiner Rede über die theologischen Lernerfahrungen seiner Kirche durch den Ortswechsel hin zu den Armen deutlich formuliert: Wir wissen heute besser was Sünde ist. Wir wissen, dass der Widerstand gegen Gott den Tod des Menschen verursacht. Wir wissen, dass Sünde wahrhaft zum Tode führt. Sie bewirkt nicht nur den inneren Tod dessen, der die Sünde begeht, sondern sie produziert den realen, objektiven Tod.... Sünde ist die Macht, die den Sohn Gottes getötet hat und sie besteht fort als die Macht, die die Kinder Gottes tötet. Romero spricht von Strukturen der Sünde, die Sünde sind, weil sie die Früchte der Sünde hervorbringen, den Tod der Menschen. Und er nennt Vergötzung des Reichtums, Vergötzung von Privatbesitz und Vergötzung der Macht als solche Strukturen. Die Kirche hat durch die Inkarnation in die reale soziopolitische Welt gelernt, das Wesen der Sünde in seiner ganzen Tiefe zu erkennen: es besteht darin, dass sie den Tod von Menschen in El Salvador bewirkt. In unseren bürgerlichen Kirchen und Theologien in Europa herrscht ein Glaubensverständnis vor, welches meint, es gebe den Gottesglauben an sich, aus dem sich dann zweitrangig ethische und moralische Konsequenzen 3

4 ableiten, die mehr oder weniger zu befolgen seien. Die Ausführungen von Romero zeigen, dass die Frage von Ungerechtigkeit, von Ausschließung, gewaltsamer Verdrängung von Menschen, Armut und Reichtum, vorzeitiger Tod und Leben, integraler Bestandteil des Glaubens sind. Wir lernen Glauben auf dem Weg durch diese Welt, in der Praxis innerhalb des hermeneutischen Zirkels von Offenbarung des Gottes des Lebens einerseits und der Realität andererseits. Der Gott des Lebens hat eine gute Nachricht, eine Botschaft der Veränderung für diese schlecht organisierte und von der Sünde beherrschte Welt. Diese Nachricht ist unsere Botschaft. Aber dieser hermeneutische Zirkel lässt sich, wie gesagt, gegenüber jemandem, der einen anderen wählt, theoretisch nur schwer verteidigen. Gegenüber einer Theologie, die zu diesen Fragen nichts zu sagen hat, stellt sich unweigerlich die Relevanzfrage. 5. Zwischenbemerkung: Zur Unterscheidung des theologischen vom ethischen Diskurs Im letzten Abschnitt entfaltete ich die Option für die Armen als theologische, nicht nur befreiungstheologische Kernaussage. Diese theologische Vergewisserung ist grundlegend für den zu entfaltenden Kirchenbegriff, liefert aber nicht unmittelbar Handlungsanweisungen zum Umgang mit der wachsenden Spaltung unserer Gesellschaft in Arme und Reiche. In der Option für die Armen findet die biblische Botschaft der unzertrennlichen Einheit von Gottes- und Nächstenliebe, von Gottesleidenschaft und Mitleidenden, eine moralische Wendung. Die theologische Kernkategorie der Option für die Armen ist handlungsorientiert und im Sinne einer Gesellschaftsethik zu operationalisieren im Diskurs philosophisch-profaner Gerechtigkeitstheorien. In ihrer ethischen Argumentation stützt sich die Befreiungstheologie stark auf biblische Argumente, vor allem auf das Motiv des Exodus, d.h. des Auszugs Israels aus Ägypten. Diese Art der Begründung rechtfertigt die Frage, ob eine Option für die Armen lediglich innerhalb der christlichen Theologie legitimiert werden kann. Mit einer ausschließlich religiösen Begründung wäre uns in einer pluralen Welt nicht weitergeholfen. Schließlich soll das Anliegen einer Option für die Armen über religiöse Zusammenhänge hinaus verständlich sein. Die theologische Vergewisserung ist nun weiter im Zuge einer Theologischen Ethik auszulegen, was diese theologische Kernaussage für das Handeln von Christen und Christinnen aber auch aller Menschen bedeutet. Die ethische Dimension der Option für die Armen ist in folgenden Schritt zu bedenken. 6. Zu einer Theologischen Ethik: Die Option für die Armen als Kern des Gerechtigkeitsbegriffs Die Option für die Armen und die Befreiungstheologie entstehen aus einer ethischen Empörung und sie strukturieren sich als Antwort auf die Herausforderung der Ungerechtigkeit. Ihr Imperativ lautet: Befreie den Armen! Sie ist somit fundamental auf eine verändernde Praxis angelegt, die sich an der sozialen Norm der Gerechtigkeit orientiert. Ich verknüpfe daher die Option für die Armen mit dem Begriff der sozialen Gerechtigkeit, gerade um parteilich für die Gruppen im gesellschaftlichen 4

5 Verteilungskampf einstehen zu können, die den geringsten Anteil an den Früchten der gesellschaftlichen Zusammenarbeit haben. Die Option für die Armen und der daraus zu entwickelnde Gerechtigkeitsbegriff, ausgelegt auch für religiös unmusikalische Zeitgenossen, also für den säkularen Diskurs mit allen Menschen guten Willens, hat folgende Zentralelemente, die in folgendem Zitat aus dem ökumenischen Sozialwort von 1997 gut zum Ausdruck kommen: In der vorrangigen Option für die Armen als Leitmotiv gesellschaftlichen Handelns konkretisiert sich die Einheit von Gottes- und Nächstenliebe. In der Perspektive einer christlichen Ethik muss darum alles handeln und Entscheiden in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft an der Frage gemessen werden, inwiefern es die Armen betrifft, ihnen nützt und sie zu eigenverantwortlichem Handeln befähigt. Dabei zielt die biblische Option für die Armen darauf, Ausgrenzungen zu überwinden und alle am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen. Sie hält an, die Perspektive der Menschen einzunehmen, die im Schatten des Wohlstands leben und weder sich selbst als gesellschaftliche Gruppe bemerkbar machen können, noch eine Lobby haben. ( ) Sie verpflichtet die Wohlhabenden zum Teilen und zu wirkungsvollen Allianzen der Solidarität. (EKD/DBK: 1997, Nr.107) Hier steht die Beteiligungsgerechtigkeit im Zentrum. Ausdrücklich ist nicht nur von Verteilung, sondern auch von der Befähigung zu eigenverantwortlichen Handeln die Rede. Die Beteiligungsgerechtigkeit umfasst beide Ziele: eine gerechte Verteilung und die Befähigung dazu, einen eigenen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Befähigungsgerechtigkeit und Verteilungsgerechtigkeit dürfen deshalb nicht gegeneinander ausgespielt werden. 7. Für eine diakonisch-politischen Spiritualität Mitten im Gelärm das innere Schweigen bewahren. Offen, still, feuchter Humus im fruchtbaren Dunkel bleiben, wo Regen fällt und Saat wächst stapfen auch noch so viele im trockenen Tageslicht über die Erde in wirbelndem Staub. Diese Worte notierte 1965 der UNO-Generalsekretär Dag Hammarskjöld in sein Tagebuch und umriss damit sein Verständnis der Einheit von Kampf und Kontemplation bzw. von einer diakonisch-politischen Spiritualität. Wenn ein Glaubender dieses innere Schweigen in sich sucht, dann drängt ihn der Geist Gottes nach außen, zur tatkräftigen Unterstützung der Armen, Schwachen und Benachteiligten und zum Engagement für Gerechtigkeit mitten in den gesellschaftlichen Konflikten. Eine diakonisch-politische Spiritualität nährt sich vom Leitbild der Diakonie Jesu, wie es im Johannesevangelium eindrucksvoll zum Ausdruck kommt: Der Gottessohn geht in die Knie, um die Füße seiner Jünger zu waschen. In seinem letzten Zusammensein mit ihnen hinterlässt er so zeichenhaft den zentralen Grundsatz seiner Spiritualität: Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe (Joh 13,15). Während die anderen Evangelien an das Brotbrechen als letztes Vermächtnis Jesu erinnern, zeigt Johannes dessen Diakonia, den bedingungslos für die anderen ( ) eintretenden Dienst (Norbert Mette), und bringt damit letztlich doch eine mit der Eucharistie eng zusammenhängende Botschaft zum Ausdruck: Im Leben geht es letztendlich um Liebe, und damit auch um die tatkräftige Unterstützung der anderen, insbesondere 5

6 der Hilfebedürftigen, und um den Einsatz dafür, dass alle Menschen überleben und mit genügend Luft zum atmen leben können. Das Bild des vor den Menschen in die Knie gehenden Gottessohnes begründet eine diakonische Spiritualität. Denn diese Hingabe Gottes an den Menschen inspiriert nicht nur die Hingabe des Menschen an Gott, sondern auch dieselbe aufmerksame und wertschätzende Präsenz bei anderen Menschen und die Bereitschaft, sich für sie einzusetzen, wenn sie selbst am Boden liegen. Soziales und politisches Engagement wird damit zum Zeichen für einen Gott, der uns in Jesus zu den Menschen, die der Hilfe und Zuwendung bedürften vorausgegangen ist: im Inkognito als Bettler unter die Bettler, als Ausgestoßener unter die Ausgestoßenen, als Verzweifelter unter die Verzweifelnden, als Sterbender unter die Sterbenden (Dietrich Bonhoeffer). Dr. Thomas Wagner Nell Breuning-Institut Frankfurt/Main 6

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