Erst studieren, dann zahlen IHK-Podium diskutiert nachlaufende Studiengebühr

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1 4 ı 2011 Das Magazin der Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell Erst studieren, dann zahlen IHK-Podium diskutiert nachlaufende Studiengebühr ZUKUNFT OSTSCHWEIZ EIDG. WAHLEN 2011 IHK ST.GALLEN-APPENZELL Müssen den Gürtel enger schnallen Das Konjunkturforum von IHK und SGKB malt ein düsteres Bild SEITE 8 Chance verpasst was nun? St.Galler Wirtschaft ist in Bern ungenügend vertreten SEITE 16 Erfolg dank Kooperation und Partnerschaft HSG ist Schauplatz des 5. Ostschweizer IHK-Symposiums SEITE 31

2 Ecknauer+Schoch ASW version internet ABACUS Version Internet führend in Business Software ABACUS Business Software bietet alles, für jedes Business, jede Unternehmensgrösse: > Auftragsbearbeitung > Produktionsplanung und -steuerung > Service-/Vertragsmanagement > Leistungs-/Projektabrechnung > E-Commerce und E-Business > Adressmanagement und Workflow > Archivierung > Rechnungswesen/Controlling > Personalwesen > Electronic Banking > Informationsmanagement

3 EDITORIAL Kein Zweifel. Das aktuelle politische und wirtschaftliche Geschehen beschäftigt uns in einem noch nie gekannten Ausmass und konfrontiert uns zunehmend mit einer Komplexität der Zusammenhänge, die wir kaum mehr überblicken und schon bald nicht mehr verstehen können. Ein an sich bekanntes Problem der Grösse eines Systems, dessen Entwicklung der einzelne allerdings nur schwer beeinflussen kann. Und trotzdem scheint es in der Natur der Menschheit zu liegen, ständig zu wachsen, grösser und einflussreicher zu werden. Die Globalisierung begünstigt diesen Prozess zusätzlich und so sind immer mehr politische wie auch wirtschaftliche Gebilde entstanden, die wenn überhaupt nur noch schwer lenkbar sind. Das schürt Unbehagen und Angst, die die Leute auf die Strasse treiben und an den Führungsfähigkeiten der Eliten zweifeln lassen. Umso wichtiger ist es, die kleineren und überschaubaren Gebilde, wie sie unsere KMU s darstellen, zu stärken und zu fördern und für adäquate wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen zu sorgen. Dazu braucht es weder Subventionen noch protektionistische Massnahmen, sondern einen vernünftigen Umgang mit all den Gesetzen und Verordnungen, die uns das Leben schwer machen und die unternehmerischen Antriebe zu erstikken drohen. Nicht jeder kapitale Fehler oder Missstand eines Grossunternehmens muss sich zwangsläufig in weiter einschränkenden Gesetzen und Massnahmen für KMU s niederschlagen, und nicht jedes statistische Bedürfnis muss in Seiten füllenden Fragebogen ausufern. Gar nicht zu sprechen von jenen Ämtern und staatlichen Stellen, die die Datenlast auswerten, interpretieren und publizieren müssen. Wir brauchen also nicht Ressourcen des Staates, sondern einen möglichst freiheitlichen Umgang mit unseren eigenen Ressourcen. Es gilt, sich wieder auf das Wesentliche der Betriebsführung zu besinnen und überflüssigen, staatlich verordneten Balast abzuwerfen. Das würde einiges dazu beitragen, dass wir in Konkurrenz mit ausländischen Unternehmen besser dastehen und zusätzlich einen Teil der belastenden Frankenstärke kompensieren könnten. Um dieses Ziel zu erreichen, vertrauen wir auf die nächste Generation der von uns unterstützten und gewählten Parlamentarier und Regierungen. Und selbstverständlich setzen wir uns selber bei jeder sich bietenden Gelegenheit dafür ein, dass die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für unsere Mitglieder weiter verbessert und optimal gestaltet werden. Peter Spenger Peter Spenger, Präsident IHK St.Gallen-Appenzell 3

4 Forschen, statt Kaffeesatz lesen Als Hochschule für Angewandte Wissenschaften liefert die FHS St.Gallen solide Grundlagen für wichtige Entscheide. Sechs Institute und zahlreiche Kompetenzzentren arbeiten interdisziplinär, um komplexe Fragen aus Wirtschaft und Gesellschaft zu beantworten. Dabei hat sich die FHS St.Gallen auf praxisnahe Forschung und Dienstleistung spezialisiert in den Bereichen: Nachhaltige Unternehmensentwicklung Innovations- und Kompexitätsmanagement esociety Generationen Soziale Räume Weitere Informationen: oder FHO Fachhochschule Ostschweiz

5 INHALT Aktualität «Zukunft Ostschweiz» Seite 8 Ein Rückblick auf das Konjunkturforum 2011 Erst studieren, dann zahlen Seite 12 Das IHK-Modell zur Finanzierung des tertiären Bildungssektors «Nach der Wahl ist vor der Wahl» Seite 16 Nachbetrachtung zu den Eidgenössischen Wahlen Frankenstärke und andere Herausforderungen Seite 18 IHK-Mitgliederstimmen zur aktuellen Lage Wirtschaft und Politik Arbeitsplatz Ostschweiz wie weiter? Seite 20 Rückblick auf die IHK-Veranstaltungsreihe IHK-Cockpit Seite 22 Die neusten Wirtschaftskennzahlen auf einen Blick Der IHK-Monitor 2011 Seite 25 Wo steht die Standortattraktivität der Ostschweiz? Know-How WTT Young Leader Award 2011 Seite 27 Die Sieger im Porträt IHK-Vorstand Endlich Unternehmer Seite 29 Im Gespräch mit Reto Vincenz, Geschäftsführer der LaPreva AG IHK 5. Ostschweizer IHK-Symposium 2012 Seite 31 Erfolg dank Kooperation und Partnerschaft Der Exportsachbearbeiter Seite 32 Neuer Diplomlehrgang der IHKs Verein trägt Textilmuseum St.Gallen Seite 35 Neue Ära im Palazzo Rosso IHK-Foren starten in St.Gallen Seite 37 Wissenstransfer und Netzwerkpflege an den Vorabendveranstaltungen Agenda Veranstaltungskalender der IHK Seite 42 Impressum inform Das Wirtschafts- und Verbandsmagazin der IHK Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell Herausgeberin IHK Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell, Gallusstrasse 16, 9001 St.Gallen, Tel , Fax , Gesamtkoordination René Güntensperger Redaktion Stephan Ziegler, René Güntensperger Verlag MetroComm AG, Zürcherstrasse 170, 9014 St.Gallen, Tel , Fax , Verlagsleitung Natal Schnetzer Anzeigenleitung Ernst Niederer Gestaltung/ Layout Aspasia Frantzis Erscheinung 4mal jährlich, Februar, April, August, November Druck, dfmedia, 9230 Flawil 5

6 BLITZLICHT IHK gratuliert Young Leaders Die IHK St.Gallen-Appenzell hat die Gewinner des diesjährigen Young Leader Award der FHS St.Gallen ins Haus der Wirtschaft eingeladen. Bei seinem Besuch erfuhr das ABB-Shanghai-Team von IHK-Direktor Dr. Kurt Weigelt, dass die St.Galler Kaufleute bereits 1860 also vor über 150 Jahren erstmals nach Shanghai reisten, um neue Märkte zu erschliessen und Handelsbeziehungen aufzubauen. Den Artikel zum Young Leader Award 2011 finden Sie auf Seite 27. Ein Prosit aufs IHK-Mitglied! Mit dem Beitritt der Winarco AG aus St.Gallen wurde in diesem Herbst die 1500-er-Marke erreicht. Zusammen repräsentieren die 1500 IHK-Mitgliederunternemen Mitarbeitende aus allen Bereichen der Industrie, des Handels und der Dienstleistung. 5 Spitzenkandidaten auf 2 Formaten an 248 Plakatstellen Die IHK hat ihre Spitzenkandidaten für die Nationalratswahlen im Rahmen ihrer Verbandskommunikation auf verschiedenen Ebenen untersützt. Hauptbestandteil der Wahlkampagne bildetet die APG-Plakatierung: Sie umfasste in der Zeit vom 19. September bis 17. Oktober 248 Aushänge im F12- und F200-Format auf dem gesamten Kantonsgebiet. Im Interview blickt IHK-Direktor Dr. Kurt Weigelt auf die Wahlen zurück und erklärt, warum das übergeordnete Wahlziel nicht erreicht wurde Seite 16. 6

7 BLITZLICHT IHK auf Facebook Der führende Ostschweizer Wirtschaftsverband ist neu auf Facebook präsent. Die IHK möchte die Vernetzung und den Erfahrungsaustausch zwischen den Ostschweizer EntscheidungsträgerInnen auch online fördern und ist überzeugt, über Facebook ein erweitertes Zielpublikum anzusprechen. Besuchen Sie uns wir freuen uns auf Ihre Beiträge, Meinungen, Ideen! Arbeitsplatz Ostschweiz wie weiter? Die Veranstaltungsreihe über die Zukunft der Ostschweiz als Arbeitsort führte die IHK und ihre Gesprächsgäste im Herbst dieses Jahres zu verschiedenen Mitgliedunternehmen. Diese öffneten als Gastgeber der Vorabendveranstaltungen auch ihre Türen für Betriebsbesichtigungen. Auf den Podien diskutierten regionale Arbeitgebervertreter und der IHK-Direktor mit Regierungspräsidentin Karin Keller-Sutter und Ständerat Dr. Eugen David zu aktuellen Herausforderungen wie Frankenstärke, Bilaterale und Personenfreizügigkeit. Einen Rückblick auf die Veranstaltungsreihe finden Sie auf Seite 20. Die Bundesrätin im St.Galler Pfalzkeller Eveline Widmer-Schlumpf war prominente Diskussionsteilnehmerin an der IHK-Arena zum Thema «Unternehmenssteuer als Standortfaktor». Sie skizzierte dabei das magische Dreieck aus wettbewerbsfähiger Steuerbelastung, Finanzierung der Staatsaufgaben und internationaler Akzeptanz, in welchem sich die Schweiz in der Steuerfrage bewegt. Siehe auch Willkommen im Club! Unter dem Label «IHK-Club» führt die IHK ab 2012 neu vier Events im Jahr durch, an denen für einmal nicht wirtschaftliche und politische Themen im Mittelpunkt stehen, sondern das gemeinsame Erlebnis. Den Auftakt macht am 24. Februar der Carving- Spass mit Skiweltmeisterin Sonja Nef im Toggenburg. Anfang Juni wird im appenzellischen Gonten der IHK-Golf-Champion gekürt. Die 2. IHK-Töfftour vor den Sommerferien und der Olma-Höck Mitte Oktober runden das Club-Programm 2012 ab. > Agenda. 7

8 AKTUALITÄT Konjunkturforum «Zukunft Ostschweiz» Düstere Konjunkturaussichten, klare Bildungsvision Text: Stephan Ziegler Bilder: Regina Kühne Das diesjährige Konjunkturforum der IHK St.Gallen-Appenzell und der St.Galler Kantonalbank vom 21. November stand im Zeichen eines von Unsicherheit geprägten Umfeldes. Die Umfragen vom Oktober zeigen für fast alle Wirtschaftszweige ein eingetrübtes Bild. Im politischen Teil der Veranstaltung forderte IHK-Direktor Dr. Kurt Weigelt mehr Markt bei der Hochschulfinanzierung und stellte dafür das Modell der nachlaufenden Studiengebühr vor. Am Forum unter dem Titel «Zukunft Ostschweiz» in der Olma-Halle 2.1 äusserten sich Prof. Dr. Jan-Egbert Sturm, Leiter der KOF Konjunkturforschungsstelle an der ETH Zürich, und Peter Eisenhut, Managing Partner der Firma Ecopol AG in St.Gallen, vor rund 900 Gästen aus Wirtschaft und Politik zur Konjunkturentwicklung. Ihre Einschätzungen sind beunruhigend. Die KOF-Konjunkturdaten vom Oktober zeigen, dass nur noch die Bauwirtschaft, die Versicherungen und die binnenwirtschaftlich ausgerichteten Dienstleistungsbranchen zufriedenstellende Geschäftsentwicklungen aufweisen. In der Industrie schrumpfte die Produktion erstmals seit zwei Jahren. Der bisher hohe Auslastungsgrad der technischen Kapazitäten sank auf den langjährigen Durchschnitt von 84 Prozent. Das Gastgewerbe musste sowohl im Bereich Hotels als auch bei den Restaurants deutliche Umsatzrückgänge hinnehmen. Aber auch der Detailhandel beklagte ein Umsatzminus. Kaum mehr Impulse kommen auch vom Grosshandel und vom Finanzsektor, wobei hier die Versicherer besser als die Banken dastehen. Nachfragerückgang und Drosselung der Produktion Für das Winterhalbjahr 2011/12 sagt Jan-Egbert Sturm eine weitere Verlangsamung der Wirtschaftsdynamik voraus. Hauptgründe sind nach seinen Worten die nachlassende Weltkonjunktur und der anhaltend starke Franken. «Die Industriefirmen befürchten einen Nachfragerückgang, sodass eine leichte Drosselung der Produktion vorgesehen ist.» Ebenfalls eine geringere Nachfrage erwarten das Baugewerbe, das Gastgewerbe und der Grosshandel. Mit einer stagnierenden Nach- frage rechnen der Projektierungssektor und der Detailhandel. In den nächsten Monaten erwarten noch der Finanzsektor und vor allem die Branchen der persönlichen Dienstleistungen ein Nachfrageplus. Weniger positiv sind die Aussichten beim Transportwesen und den wirtschaftlichen Dienstleistungen. Zusammen mit dem starken Franken werden die abnehmende Dynamik in der Weltwirt- 8

9 AKTUALITÄT schaft und insbesondere die Schulden- und Vertrauenskrise in der westlichen Welt zum Bremsklotz für die Ostschweizer Wirtschaft. «Betroffen ist vorab die Industrie, aber nicht nur», sagte Peter Eisenhut in seiner Analyse zu den Aussichten für die hiesige Wirtschaft. Seit Mai 2011 sei der Index im Sinkflug, nur im Oktober konnte der Abwärtstrend vorübergehend gestoppt werden. «Vor allem der hohen Zufriedenheit der Baumeister ist es zu verdanken, dass der Konjunkturgradmesser nach wie vor ein positives Vorzeichen aufweist.» Detailhandelsumsätze im Minus Gemäss den jüngsten zur Verfügung stehenden Daten haben sich die Aussichten für die kommenden Monate weiter verdüstert. Die seit geraumer Zeit geäusserte Befürchtung der Detailhändler vor einem Rückgang des Jahresumsatzes 2011 im Vergleich zum Vorjahr wird wohl zur Realität. Beim zu erwartenden Rückgang der Detailhandelsumsätze um gut 1 Prozent handelt es sich um das stärkste Minus seit 15 Jahren. Auch hier liegt ein Hauptgrund für diese negative Bilanz in der Stärke des Schweizer Frankens. Er macht dem Detailhandel durch den massiv angewachsenen Einkaufstourismus zu schaffen, und er verstärkt das Fernbleiben von ausländischer Kundschaft. In der Ostschweizer Industrie produzieren viele Unternehmen mit Verlust, insbesondere Exportfirmen, die hauptsächlich auf Europa ausgerichtet sind. Im dritten Quartal stellte sich ein Rückgang der Exporte um 1,2 Prozent ein. Dass der Verlust nicht grösser ausfiel, ist einem Wachstumsimpuls aus China und Deutschland als wichtigstem Schweizer Kunden zu verdanken. Beinahe ein Drittel der befragten Unternehmen erwartet in den kommenden Monaten aber einen Rückgang der Exporte und damit einen Rückgang der Produktion oder, wie es Heinrich Spoerry von der SFS Holding AG im anschliessenden Talk mit Peter Eisenhut und Roland Ledergerber von der Kantonalbank ausdrückte: «Wir verlagern die Fertigungskapazitäten näher an die Marktländer.» Und diese liegen, dank dort 9

10 AKTUALITÄT noch stabilerer Wirtschaft und tieferer Produktionskosten, in Asien. Erwarteter Beschäftigungsrückgang Die sich abkühlende konjunkturelle Entwicklung und saisonale Faktoren schlagen auch auf den Ostschweizer Arbeitsmarkt durch. Insgesamt beurteilen die Ostschweizer Unternehmen ihre gegenwärtige Angestelltenzahl tendenziell als zu gross, und auch ihre Erwartungen zur Entwicklung der Beschäftigung in den nächsten Monaten fallen negativ aus. In der Industrie rechnen 23 Prozent der Teilnehmer an der Konjunkturumfrage mit einem Rückgang, während nur 4 Prozent von Neueinstellungen ausgehen. Einer stark steigenden Zahl an Studenten an den Schweizer Hochschulen stehen stagnierende öffentliche Ausgaben für die tertiäre Bildung gegenüber. Am Konjunkturforum mit rund 900 Zuhörern präsentierte IHK-Direktor Dr. Kurt Weigelt mit der nachlaufenden Studiengebühr (s. Seite 12) ein neues Finanzierungsmodell. Berufstätige, die von einer Hochschulbildung profitiert haben, übernehmen gemäss diesem Vorschlag einen wesentlichen Anteil an der Finanzierung des tertiären Bildungssystems. Gekoppelt an die direkte 10

11 AKTUALITÄT Bundessteuer, unterläge sie wie diese der Progression und würde damit den mehr belasten, der mehr verdient. «Das Kind beim Namen nennen» In der abschliessenden Gesprächsrunde diskutierte der IHK-Direktor unter der Leitung von Eva Nietlispach das Modell der Hochschulabgabe mit dem St.Galler Bildungsdirektor Stefan Kölliker sowie mit den Rektoren der Universität St.Gallen und der Fachhochschule St.Gallen, Prof. Dr. Thomas Bieger und Prof. Dr. Sebastian Wörwag. Dabei überraschte es nicht, dass sowohl die Professoren wie auch der Politiker der Vision Weigelts eher skeptisch gegenüberstanden «zu schnell und zu extrem für die Schweiz», fasste Thomas Bieger seine Zweifel zusammen. Stefan Kölliker freute sich zumindest, dass «aus privater Initiative ein Vorschlag zur Bewältigung der immensen Kosten kommt, die das Bildungswesen der Zukunft unzweifelhaft generieren wird». Kurt Weigelt war sich bewusst, dass seine Vision nicht telquel auf Gegenliebe in Politik und Bildungswesen stossen würde: «Aber wir brauchen den Mut, das Kind beim Namen zu nennen, um für die Zukunft gerüs - tet zu sein.» 11

12 AKTUALITÄT Mit einer Hochschulabgabe die tertiäre Bildung finanzieren IHK-Modell: Erst studieren, dann zahlen In der Schweiz sind die Konsumausgaben der Gemeinwesen in den vergangenen zwanzig Jahren explodiert. Auch, oder insbesondere im Bereich der Bildung. Ein entscheidender Grund für diese Kostenexplosion sieht IHK-Direktor Dr. Kurt Weigelt in den Umverteilungsmechanismen. Staatliche Leistungen, die individuell konsumiert und kollektiv finanziert werden, ziehen eine unbegrenzte Nachfrage nach sich. Im Interview mit dem «inform» erklärt er, wie mit einer nachlaufenden Studiengebühr diejenigen Bürgerinnen und Bürger einen wesentlichen Anteil an der Finanzierung des tertiären Bildungssystems übernehmen könnten, die selbst von einer Hochschulbildung profitiert haben. Kurt Weigelt, in den vergangenen Jahren haben Sie bei der Veranstaltung «Zukunft Ostchweiz» ein sozialpolitisches Drei- Säulen-Konzept, das Modell der Funktionskantone und den Tempotarif präsentiert. Und nun ist die Hochschulabgabe an der Reihe. Üben Sie sich im Erfinden neuer Begriffe oder gibt es einen besonderen Grund für diese Reihenfolge? Kurt Weigelt: Selbstverständlich gehört zur politischen Kommunikation, dass man es versteht, eine Idee oder ein Konzept mit einem einzigen Begriff möglichst treffend zu umschreiben. Nur, dies steht am Ende der Überlegungen. Viel wichtiger ist, dass die wirklich entscheidenden Fragen diskutiert werden. Worin liegt nun aber der gemeinsame Nenner in diesen doch völlig unterschiedlichen Themen? Soziale Wohlfahrt, Gesundheit, Bildung und Verkehr sind diejenigen Bereiche, in denen in den vergangenen zwanzig Jahren die Staatsausgaben explodiert sind. Und dabei liegen die wirklichen Herausforderungen noch vor uns. Die demografischen Herausforderungen und der globale Wettbewerb stellen uns vor finanzpolitische Herausforderungen, auf die bis heute jede Antwort fehlt. Dies gilt auch für den tertiären Bildungssektor. Beiträge öffentliche Hand pro Studierende Universität St.Gallen Quelle: Universität St.Gallen Und Sie kennen diese Antworten? Selbstverständlich kann niemand für sich beanspruchen, endgültige Lösungen für alle gesellschaftlichen Problemstellungen zu kennen. Als IHK St.Gallen-Appenzell können wir aber einen Beitrag leisten, der Sache auf den Grund zu gehen und neue Lösungsansätze aufzuzeigen. Eines steht jedoch für mich fest: Wer den finanzpolitischen Herausforderungen mit allgemeinen Steuererhöhungen begegnen will, wird im internationalen Standortwettbewerb scheitern. Wir brauchen nicht mehr Umverteilung, sondern eine Neuorientierung bei der Finanzierung staatlicher Leistungen. Dazu gehört, dass Empfänger von staatlich erbrachten Sondervorteilen zur Finanzierung dieser besonderen Leistungen herangezogen werden. Dies gilt auch für die Hochschulbildung. Mit anderen Worten, Sie wollen bei der Bildung sparen? Nein, genau darum geht es nicht. Unsere Vorschläge sind staatsquotenneutral. Wir möchten den allgemeinen Staatshaushalt entlasten und diejenigen Bürgerinnen und Bürger stärker belasten, die an einer Hochschule studiert haben. Aber vielleicht sollten wir am Anfang, bei der heutigen Situation beginnen. Einverstanden, wo sehen Sie besonderen Handlungsberdarf? In den vergangenen zehn Jahren hat sich die 12

13 AKTUALITÄT Zahl der Studierenden an den Hochschulen fast verdoppelt. Im Gegensatz zur wachsenden Zahl an Studierenden stagnieren die öffentlichen Ausgaben für die tertiäre Bildung. Für die einzelnen Hochschulen hat dies zur Folge, dass immer weniger Mittel pro Studierende zur Verfügung stehen. Die mit dieser Entwicklung verbundenen finanziellen Herausforderungen führen zu einem Verteilkampf auf allen Ebenen der tertiären Bildung. Die einzelnen Akteure versuchen, ihre finanzielle Ausstattung zu optimieren, dies notfalls zu Lasten der Effizienz und der Effektivität des Bildungssystems. Was heisst dies konkret? Da ein zusätzlicher Studierender nur geringe zusätzliche Kosten verursacht, versuchen die einzelnen Universitäten und Fachhochschulen, die rückläufigen staatlichen Beiträge pro Studierenden durch eine Zunahmne der Anzahl der Studierenden zu kompensieren. Dies erklärt die sehr teuren Marketingkampagnen vieler Hochschulen. Ein weiterer möglicher Weg ist die Ausweitung des Angebotes. Gelingt es beispielsweise, einen zusätzlichen Masterstudiengang an einer Hochschule mit dem bestehenden Lehrkörper und innerhalb der vorhandenen Infrastruktur anzubieten, bringen die zusätzlichen Studierenden lohnende Mehreinnahmen. Mit anderen Worten, man setzt auf Quantität statt auf Qualität. Viele Studierende sind aber wohl kein Problem. Im Gegenteil, es heisst immer wieder, der Anteil an Akademikern sei in der Schweiz im internationalen Vergleich zu klein. Aus Sicht der Gesellschaft ist eine hohe Zahl an Studierenden keine besondere Qualität. Vielmehr interessiert, ob die eingesetzten Steuergelder effizient und effektiv eingesetzt werden. Und hier sind Zweifel angebracht. Heute verlassen rund 30% der Studierenden die Entwicklung der Studierendenzahlen nach Fachbereichen Hochschule ohne einen Abschluss. Zudem sind gemäss OECD 23% der 25- bis 29-Jährigen mit einem Hochschulabschluss nicht ausbildungsadäquat beschäftigt. Mit anderen Worten, knapp die Hälfte der jungen Erwachsenen, die ein Studium beginnen, kommen nicht bei ihrem ursprünglichen Berufsziel an. Angesichts dieser Zahlen muss man sich fragen, ob unsere Steuergelder richtig eingesetzt werden. Sorge bereitet uns aber auch die Tatsache, dass in der Hochschulbildung die Technik und Naturwissenschaften ständig an Boden verlieren. Der Einbezug der Bereiche Gesundheit, Soziales und Kultur in das Fachhochschulkonzept hat zu einer Verlagerung der tertiären Ausbildung in Fachbereiche geführt, bei denen der Arbeitsmarkt durch die öffentliche Verwaltung und staatsnahe Institutionen dominiert wird. Dies tönt nun aber sehr pessimistisch. So ist es aber nicht gemeint. Die Schweiz verfügt über eine ausgezeichnete tertiäre Bildung. Dies gilt insbesondere auch für die noch jungen Fachhochschulen. Besonders vorteilhaft sind das breite, differenzierte Angebot Quelle: eigene Berechnungen und die Durchlässigkeit der Bildungswege. Trotz dieser Erfolgsmeldungen besteht aber Handlungsbedarf. Insbesondere stellt sich bei steigenden Studierendenzahlen und knappen öffentlichen Mitteln die Frage nach der Verteilung der Ressourcen. Wir brauchen ein Finanzierungssystem, das Qualität und nicht Quantität belohnt, einen sinnvollen Wettbewerb zwischen staatlichen und privaten Anbietern fördert und sich an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes orientiert. Diese Zielsetzungen können nicht mit zusätzlichen Steuergeldern und einer weiteren Verstärkung der Umverteilung, sondern nur mit dem Mut zu mehr Markt bei der Hochschulfinanzierung erreicht werden. Der Weg dazu führt über die Einführung einer als nachlaufende Studiengebühr ausgestalteten Hochschulabgabe. Was verstehen Sie unter einer nachlaufenden Studiengebühr? Bei einer nachlaufenden Studiengebühr bezahlen die Absolventen einer Hochschule nach dem Abschluss, respektive nach dem Abbruch ihres Studiums eine Abgabe, deren Höhe sich 13

14 Der Amateur. foxcom.ch

15 AKTUALITÄT nach der Anzahl der absolvierten Semester bemisst. Damit werden diejenigen zur Finanzierung der tertiären Bildung herangezogen, die selbst im Sinne eines Sondervorteils von einer Hochschulbildung profitiert haben. Mit der Hochschulabgabe erhält die tertiäre Ausbildung einen Preis. Ich gehe davon aus, dass dieser Preis die Marktorientierung bei der Wahl eines Studiums verbessern wird. Junge Erwachsene werden sich sehr genau überlegen, welche Bildungsinstitutionen für den verrechneten Preis eine angemessene Leistung anbieten. Studierende werden zu Kunden. Der damit verbundene Paradigmenwechsel erhöht den Qualitätsdruck. Die höheren individuellen Kosten für ein Studium werden zudem die Anreize verbessern, sich bei der Studienwahl stärker am Arbeitsmarkt zu orientieren. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass die Studierenden die staatlichen Leistungen sehr viel bewusster beanspruchen werden. Wer nicht ernsthaft an einem Abschluss interessiert ist, wird sich kaum immatrikulieren. Mit anderen Worten, Hochschulabsolventen starten mit Schulden ins Berufsleben. Nach Berechnungen der OECD verdienen in der Schweiz Personen mit einer tertiären Berufsbildung 59% mehr als Bürgerinnen und Bürger mit einer Berufsbildung. Diese Bildungsrendite zeigt, dass es auch aus Sicht der immer wieder beschworenen Steuergerechtigkeit angezeigt ist, die Studierenden stärker an der Finanzierung ihrer Ausbildung zu beteiligen. Die Hochschulabgabe hat den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu höheren Studiengebühren keine künstlichen Barrieren bei der Studienwahl aufbaut. Zudem gleicht die Hochschulabgabe die Benachteiligung der höheren Berufsbildung aus. Mit der Anbindung an die direkte Bundessteuer (vgl. Kasten) wird zudem sichergestellt, dass Hochschulabsolventen mit einem kleinen Einkommen nur mit einer bescheidenen jährlichen Abgabe belastet werden. Glauben Sie, dass solch fundamentale Veränderungen mehrheitsfähig sind? Als IHK haben wir die Freiheit, Themen zu bearbeiten, die über den nächsten Wahl- oder Abstimmungssonntag hinaus gehen. Wie die aktuellen Diskussionen zu Steuerfusserhöhungen in vielen Kantonen und Städten zeigen, holt uns die eingangs beschriebene Realität sehr schnell ein. Staatliche Leistungen, die individuell konsumiert und kollektiv finanziert werden, ziehen eine unbegrenzte Nachfrage nach sich. Wir brauchen daher nicht mehr Umverteilung, sondern eine Neuorientierung bei der Finanzierung staatlicher Leistungen. Dazu gehört, dass Empfänger von staatlich erbrachten Sondervorteilen zur Finanzierung dieser besonderen Leistungen herangezogen werden. Diese Tatsache ist möglicherweise unangenehm. Ich bin aber überzeugt, dass diese Position bald einmal mehrheitsfähig wird. Elemente der nachlaufenden Studiengebühr (Hochschulabgabe) Bei der Hochschulgabe handelt es sich um eine Kausalabgabe und nicht um eine Steuer. Der geschuldeten Geldleistung steht eine konkrete staatliche Leistung gegenüber. Diese konkrete staatliche Leistung wird durch die Immatrikulation an einer Hochschule ausgelöst. Massgebend für die Berechnung der Hochschulabgabe sind nicht der erfolgreiche Studienabschluss, sondern die Anzahl der besuchten Semester. Die Hochschulabgabe ist auch dann geschuldet, wenn das Hochschulstudium nicht abgeschlossen wird. Bei ausländischen Studierenden wird die Hochschulabgabe nicht aufgeschoben, sondern als Studiengebühr sofort fällig. Im Interesse der Internationalität des Aus- und Weiterbildungsstandortes Schweiz sind begabte ausländische Studierende über Darlehens- und Stipendienmodelle finanziell zu entlas - ten. Nach unseren Berechnungen betragen die durchschnittlichen Kosten für die Grundausbildung an den universitären Hochschulen und den Fachhochschulen 23'000 Franken pro Studienjahr. Nimmt man diese Kosten als Basis für die Hochschulabgabe, dann besteht nach einem fünfjährigen Studium eine aufgelaufene Zahlungsverpflichtung von 115'000 Franken. Dieser Betrag ist der Teuerung anzupassen. Die Rückzahlung dieser Schuld erfolgt über die jährlich in Rechnung gestellte Hochschulabgabe. Die Hochschulagabe erlischt, wenn der Gesamtbetrag der aufgelaufenen Zahlungsverpflichtung zurück bezahlt ist. Bei der Veranlagung und Bemessung der Hochschulabgabe wird auf die direkte Bundessteuer abgestellt. Die Hochschulabgabe entspricht der geschuldeten direkten Bundessteuer. So bezahlt beispielsweise ein alleinstehender Steuerpflichtiger mit einem steuerpflichtigen Einkommen von 120'000 Franken zusätzlich zur direkten Bundessteuer von 4580 Franken eine Hochschulabgabe von 4580 Franken. Die Anbindung der Hochschulabgabe an die direkte Bundessteuer bringt entscheidende Vorteile. Einerseits entfallen besondere administrative Aufwendungen bei der Ermittlung der jährlich geschuldeten Hochschulabgabe. Andererseits zeichnet sich die direkte Bundessteuer durch eine ausgeprägte Progression aus. Hochschulabgänger mit einem kleinen Einkommen werden nur mit einer bescheidenen jährlichen Hochschulabgabe belastet, dies allerdings über eine entsprechend längere Laufzeit. Das Modell einer Hochschulabgabe ist staatsquotenneutral. Die Beiträge der Kantone und des Bundes für die Grundausbildung werden im gleichen Masse reduziert, wie die mit der Anzahl der Abgabepflichtigen steigenden Einnahmen aus der Hochschulabgabe zunehmen. 15

16 AKTUALITÄT IHK-Direktor zieht Fazit der Eidg. Wahlen 2011 «Nach der Wahl ist vor der Wahl» Persönliches Ziel erreicht, übergeordnetes Ziel verfehlt: So sieht auf den Nenner gebracht das Fazit von Dr. Kurt Weigelt der Nationalratswahlen 2011 aus. Im Interview mit dem inform spricht der IHK-Direktor über die verpasste Chance, die Wirtschaftskompetenz in Bern zu verstärken. Mit Blick in die Zukunft will die IHK St.Gallen-Appenzell darum die Wirtschafts- und Branchenverbände zu einem offensiven politischen Engagement motivieren. Kurt Weigelt, die IHK St.Gallen-Appenzell hat sich in diesem Jahr bei den eidgenössischen Wahlen ausserordentlich stark engagiert. Weshalb dieser grosse Einsatz? Kurt Weigelt: Wahlen gehören zu den besonderen Herausforderungen eines Wirtschaftsverbandes. Wer Farbe bekennt, einzelne Kandidaten unterstützt und sich persönlich engagiert, riskiert Kritik. Viele Wirtschaftsverbände reagieren auf diese Herausforderung durch eine mehr oder weniger grosse politische Zurückhaltung. Wer nichts macht, macht bekanntlich nichts falsch. Dies gilt nicht für die Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell. Bereits im Vorfeld der Abstimmung zu den bilateralen Verträgen hat der Vorstand entschieden, dass in einer direkten Demokratie Politik nicht hinter verschlossenen Türen gemacht werden kann. Wer etwas verändern will, muss Farbe bekennen und sich persönlich engagieren. Was hat die IHK anders gemacht als in der Vergangenheit? Im Gegensatz zu früher haben wir unsere Wahlempfehlung nicht auf der Grundlage von taktischen Überlegungen verabschiedet. Vielmehr wurden alle Kandidatinnen und Kandidaten unterstützt, die unsere Wahl-Charta ohne Vorbehalt unterschrieben haben. Zusätzlich wurden ich als IHK- Direktor sowie je ein Kandidat der bürgerlichen Parteien als Spitzenkandidaten unterstützt. Wie sieht nun das Ergebnis aus? Mit den Nationalräten Jakob Büchler, Walter Müller, Roland Rino Büchel, Thomas Müller und Lukas Reimann wurden fünf Persönlichkeiten gewählt, die sich im Vorfeld der Wahlen zu unseren Werten bekannten. Für die Wahl in den Ständerat empfahl die IHK Regierungspräsidentin Karin Keller-Sutter sowie Dr. Eugen David. Karin Keller-Sutter erreichte die Wahl mit einem Glanzresultat. Über 100'000 St.Gallerinnen und St.Galler gaben ihr die Stimme. Dr. Eugen David dagegen verfehlte das absolute Mehr und verzichtete auf den zweiten Wahlgang. Und wo bleiben die beiden Appenzell? Die IHK St.Gallen-Appenzell beschränkt sich bei ihren Wahlempfehlungen auf den Kanton St.Gallen. Mit Freude können wir aber festhalten, dass in beiden Appenzell auch künftig eine starke bürgerliche Delegation die Interessen der Ostschweiz vertritt. In Appenzell Ausserrhoden setzten sich Ständerat und IHK-Vorstandsmitglied Dr. Hans Altherr und der vom Industrieverein zur Wahl empfohlene Dr. Andrea Claudio Caroni als Nationalrat durch. Landammann Dr. Daniel Fässler vertritt neu den Kanton Appenzell Innerrhoden im Nationalrat. Angesichts dieser Breite von erfolgreichen wirtschaftsnahen Kandidaten stellt sich die Frage, weshalb Sie ebenfalls kandidierten? Bereits im Januar 2010 hat der Vorstand der IHK St.Gallen-Appenzell entschieden, dass ich als Nationalratskandidat zu den Erneuerungswahlen 2011 antreten werde. Dies einerseits in der Über- zeugung, dass die entscheidenden wirtschaftspolitischen Weichenstellungen in Bern getroffen werden. Andererseits können wir als IHK nicht politisches Engagement fordern, uns selbst aber vornehm zurücknehmen. Keine Rolle gespielt haben bei der Entscheidung des Vorstandes allfällige Wahlchancen oder parteitaktische Überlegungen. Sind Sie mit dem erreichten Resultat zufrieden? Mit dem ersten Ersatzplatz auf der Liste der FDP habe ich mein persönliches Wahlziel erreicht. Und trotzdem kann ich nicht zufrieden sein. Die von uns angestrebte Verstärkung der Wirtschaftskompetenz in der nationalrätlichen Delegation des Kantons St.Gallen haben wir verfehlt. Dank der Listenverbindung von BDP und Grünliberale wurde mit Margrit Kessler eine Persönlichkeit gewählt, die sich in der Vergangenheit als Präsidentin der Stiftung Patientenschutz vor allem mit der staatlichen Gesundheitspolitik befasste. Mit anderen Worten, viel Aufwand, wenig Ertrag? Nein, dies trifft auf keinen Fall zu. Trotz des letztlich unbefriedigenden Resultates bin ich überzeugt, dass sich unser grosser Einsatz gelohnt hat. Wie zahllose Reaktionen zeigen, geht die IHK gestärkt aus diesen Wahlen heraus. Die öffentliche Wahrnehmung unseres Verbandes konnte in allen Regionen unseres Kantons verbessert werden. In diesem Jahr habe ich weit über hundert Veranstaltungen besucht und bei 16

17 AKTUALITÄT Sie wurden von der IHK empfohlen und (wieder) ins Eidg. Parlament gewählt: rund zwei Dritteln dieser Anlässe eine aktive Rolle als Referent oder Diskussionsteilnehmer wahrgenommen. Mit Blick auf künftige politische Auseinandersetzungen ist dabei entscheidend, dass wir mit unseren Wahlkampfaktivitäten nicht nur unsere Mitglieder, sondern weite Kreise der Bevölkerung erreichten. Einen Schritt nach vorne haben wir zudem als Kompetenzzentrum für politische Kommunikation gemacht. Entscheidend ist aber, dass die gemachten Erfahrungen in unser künftiges politisches Engagement einfliessen werden. Dazu gehört die Überzeugung, dass wir in Zukunft nur erfolgreich sein werden, wenn es uns gelingt, die Wirtschafts- und Branchenverbände auf allen Ebenen unseres Kantones zu einem offensiven politischen Engagement zu motivieren. Dann geht für Sie das politische Engagement weiter? Natürlich. Auch für die IHK gilt, dass nach der Wahl vor der Wahl ist. Zudem habe ich den Wahlkampf in jeder Beziehung als lehrreich, interessant und motivierend erlebt. Besonders beeindruckt hat mich die breite Unterstützung, die ich in den vergangenen Monaten erleben durfte. Dafür bin ich den Mitgliedern und Sympathisanten der IHK sowie unserem Vorstand und meinen Mitarbeitenden auf der Geschäftsstelle zu grossem Dank verpflichtet. Karin Keller-Sutter: «Es freut mich, die Arbeit zu Gunsten unseres Kantons in Bern fortsetzen.» Jakob Büchler: «Eine sichere Energieproduktion ohne Produktionslücken.» Walter Müller: «Mit gesundem Selbstvertrauen die Bilateralen Verträge im Interesse der Schweiz gestalten.» Roland Rino Büchel: «Für weniger Steuern, für mehr Freiheit: Dafür kämpfe ich, dafür verpflichte ich mich.» Thomas Müller: «Mit dem Übertritt zur SVP habe ich meine Politik nicht geändert.» Lukas Reimann: «Die Freiheit jedes einzelnen Bürgers muss immer wieder neu verteidigt werden.» 17

18 AKTUALITÄT Frankenstärke und andere Herausforderungen: Was sagen unsere Mitglieder dazu? Nicht zu viel fordern, nicht zu viel erwarten? Interview: Stephan Ziegler Starker Franken, schwacher Euro wohl kein Unternehmer wird von den momentanen Wogen der Finanzmärkte unberührt gelassen. Das inform wollte von IHK-Mitgliedern wissen, wie sie damit umgehen, was sie von der Intervention der Nationalbank halten und wo sie eine Stärkung des Werkplatzes Schweiz sehen. «Schwierig wird wohl der Ausstieg werden» Dr. Hans Altherr, Inhaber/ VR-Präsident WEISS AG 1. Wie stark beschäftigt Sie die Frankenstärke in Ihrem Unternehmen? Hans Altherr: Die WEISS AG produziert ausschliesslich in der Schweiz, die Wertschöpfung im Land ist verhältnismässig hoch. Etwa 50 % der Produktion werden exportiert, ungefähr 40 % in Euro in Rechnung gestellt. Die Problematik beschäftigt uns entsprechend; sie hat aber für uns einen zusätzlichen erschwerenden Aspekt: Viele unserer Schweizer Abnehmer sind stark vom Export abhängig und geraten dadurch selbst unter Druck. Sie fordern von uns Preissenkungen und/oder suchen Lieferanten im Euro-Raum. Ruedi Eberle: Wir stellen einen Rückgang der ausländischen Gäste fest. Weil diese aber eine kleine Gruppe bilden, trifft uns die Frankenstärke nicht sehr gravierend. Roland Ledergerber: Stark, weil viele unserer Kunden davon betroffen sind, entweder als Anlagekunden oder die KMU als Geschäftskunden. Es ist unser Anspruch, unseren Kunden mit einer fundierten Meinung und einer problemgerechten Beratung und den passenden Produkten zur Seite zu stehen. Die Frankenstärke wirkt sich aber auch auf das eigene Geschäft der SGKB aus: Rund 30 % unserer Kundenvermögen sind in Euro und Dollar denominiert. Entsprechend schmälert der starke Franken den Ertrag aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft. Zudem verstärkt der starke Franken den Abwärtsdruck auf die Zinsen, was sich negativ auf das Zinsergebnis der Bank auswirkt. Heinrich Spoerry: Unsere schweizerischen Produktionswerke exportieren über 95 % ihrer Produkte in den EU-Raum, nach Nordamerika und Asien. Aufgrund der Wettbewerbssituation sind die Preise in den Währungen der jeweiligen Märkte festgelegt. Gemessen in Schweizer Franken, mussten wir zur Verteidigung unserer Marktanteile deshalb stark rückläufige Preise in Kauf nehmen. Die Frankenstärke trifft unser Unternehmen deshalb direkt und massiv. «Wir unterstützen die Massnahme der Nationalbank» Roland Ledergerber, CEO St.Galler Kantonalbank Christof Stürm: Steinemann Technology hat am Hauptstandort Schweiz einen Exportanteil von gegen 100 %. Die Konkurrenz ist hauptsächlich im Euro-Raum, die Preisbildung beim Absatz erfolgt in Euro oder US$. Unsere Margen im Maschinengeschäft sind also rückläufig im wichtigen After-Sales-Geschäft können wir die Margen aber halten. 2. Welche Massnahmen haben Sie intern unternommen/werden Sie noch vornehmen? Hans Altherr: Wir reagieren mit einem Mix von Massnahmen: Förderung von Innovationen in intensiver Zusammenarbeit mit unseren Kunden, Erschliessung neuer Märkte sowie verschiedene arbeitsrechtliche Massnahmen (striktere Regelung von Pausen usw.), die faktisch zu einer geringfügigen Ausweitung der Arbeitszeit führen. Ruedi Eberle: Keine, obwohl wir darüber nachgedacht haben. Roland Ledergerber: Schwankungen an den Finanzmärkten und in den Währungen gehören zu unserem Tagesgeschäft. Wir setzen uns täglich damit auseinander. Zusätzlich haben wir in der gegenwärtigen ausserordentlichen Situation Massnahmen ergriffen, um unsere Kunden noch aktiver zu informieren und zu beraten. So haben wir etwa verschiedene Kundenveranstaltungen zum Thema Frankenstärke durchgeführt. Heinrich Spoerry: Mit zahlreichen Massnahmen wollen wir die durch die Stärke des Frankens bedingten Kostennachteile gegenüber unseren Wettbewerbern wenigstens teilweise kompensieren. Dazu zählen u.a. die Erhöhung der Arbeitszeiten für alle Mitarbeiter, die Kürzung der Löhne für das Management und die vermehrte Beschaffung von Vorleistungen aus dem Ausland sowie die konsequente Einforderung der Währungsvorteile auf der Beschaffungsseite. Christof Stürm: Eine Arbeitszeiterhöhung ab dem 1. November 2011 plus eine Steigerung des Zukaufsanteils Ausland. 18

19 AKTUALITÄT «Die Politik kann kurzfristig nicht viel unternehmen» Ruedi Eberle, VR-Präsident/ Geschäftsführer Golf Gonten AG 3. Wie beurteilen Sie die Intervention der Nationalbank? Hans Altherr: Die Intervention war nötig und sie erfolgte zum richtigen Zeitpunkt. Natürlich ist ein Kurs von CHF 1.20 nicht komfortabel, aber hilfreich und insgesamt sehr zu begrüssen. Schwierig wird wohl der Ausstieg werden. Ruedi Eberle: Diese beurteile ich als sehr positiv. Einerseits wird dadurch dem Tourismus geholfen. Anderseits werden Abwanderungen von Arbeitsplätzen bei exportorientierten Firmen entgegengewirkt. Nach meiner Auffassung sollte nochmals eine Intervention stattfinden, um den Euro um CHF 1.30 zu stabilisieren. Roland Ledergerber: Wir unterstützen die Massnahme der Nationalbank. Die SNB befindet sich in einer äusserst schwierigen Situation und wir sind uns bewusst, dass die Intervention mit erheblichen Risiken verbunden ist. Wir sind aber überzeugt, dass der Schritt nötig war und wir hoffen, dass er nachhaltig die erwünschte Wirkung entfalten wird. Heinrich Spoerry: Die Intervention der Nationalbank hat in einer Phase der absurden Überbewertung des Schweizer Frankens eine erste Korrektur der Währungsparitäten und vor allem eine gewisse Planungssicherheit geschaffen. Wir werten die Intervention der SNB als sehr positive Massnahme. Allerdings bleiben die Wettbewerbsnachteile weiter bestehen, solange der Kurs des Schweizer Frankens weit über der Kaufkraftparität verbleibt. Christof Stürm: Gute Intervention hoffentlich kann der Wechselkurs von CHF 1.20/1 Euro gehalten werden. Wir hätten aus dieser Optik lieber die Grenze von 1.10 gesehen. 4. Was erwarten Sie von der Politik? Hans Altherr: Da selbst Politiker, überlasse ich die Antwort darauf den anderen Interviewpartnern. Empfehlen möchte ich allerdings, weder zu viel zu fordern (staatliche Interventionen nützen erfahrungsgemäss kaum je und sind immer ein Bumerang), noch zu viel zu erwarten (sinnvoll ist aus meiner Sicht allenfalls ein punktueller Ausbau der ALV, wie dies die IHK St.Gallen-Appenzell vorschlägt). Ruedi Eberle: Die Politik kann kurzfristig nicht viel unternehmen. Dafür ist sie zu schwerfällig. Mittel- und langfristig sind die bekannten Anliegen umzusetzen: Abbau von Bürokratie, steuergünstigeres Klima, keine neuen staatlichen Regelungen. Roland Ledergerber: Kurzfristig kein konjunkturpolitischer Hyperaktivismus und langfristig die Wahrung der Unabhängigkeit der SNB. Und ganz grundsätzlich den uneingeschränkten Fokus auf das Schaffen und Bewahren günstiger Rahmenbedingungen für unser Land. «Jetzt sind solidarische Lösungen zwischen den Sozialpartnern gefragt» Heinrich Spoerry, CEO SFS Gruppe Heinrich Spoerry: Die Politik kann durch Abbau von Bürokratie günstige Rahmenbedingungen schaffen. Von direkten Interventionen zur Unterstützung von Unternehmen, die von der Frankenstärke betroffen sind, halten wir nichts. Die Unternehmen sind selbst für partnerschaftliche Lösungen verantwortlich. Die Politik kann aber auch das Verständnis in der Öffentlichkeit für die notwendig werdenden «unpopulären» Massnahmen (wie z.b. Arbeitszeiterhöhung) fördern. Christof Stürm: Je älter ich werde umso weniger Die Schweiz muss ihren Hochpreisinsel- Status verlieren. Meine Wünsche: Keine Subventionen mehr, Förderung des Tourismus intensivieren, die Marke Schweiz stärken. 5. Wie kann der Werkplatz Schweiz gestärkt werden? Hans Altherr: Unbedingt zu erhalten und zu stärken ist unser duales Bildungssystem. Sodann ist auf die Rahmenbedingungen zu achten. Dazu gehören namentlich die Infrastruktur ebenso wie die Preise, die dafür zu zahlen sind. Unbedingt zu stoppen ist die nach wie vor zunehmende Bürokratie. «Die Schweiz muss ihren Hochpreisinsel- Status verlieren» Christof Stürm, CEO Steinemann Technology AG Ruedi Eberle: Indem die Arbeitszeiten erhöht werden. Wir haben gut ausgebildete und loyale Mitarbeiter. Zuverlässigkeit, Qualität und Verlässlichkeit sind unsere Stärken. Wenn wir noch produktiver werden, haben es Billiglohnländer schwer, uns Arbeitsplätze «wegzunehmen». Roland Ledergerber: Aus meiner Sicht sind es fünf zentrale Punkte, mit denen die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz weiter gestärkt wird: hohe Innovationskraft, hochstehende Aus- und Weiterbildung, flexibler Arbeitsmarkt, offene Märkte und gesunde Staatsfinanzen. Heinrich Spoerry: Ein offener, liberaler Arbeitsmarkt, der Abbau von Bürokratie, hervorragende Ausbildungsstätten sowie das System der dualen Ausbildung stärken die Wettbewerbsfähigkeit des Werkplatzes Schweiz. Ausserdem sind jetzt solidarische Lösungen zwischen den Sozialpartnern gefragt. Initiativen, die mehr Ferien für alle fordern oder die die bilateralen Abkommen mit der EU gefährden, schaffen Unsicherheit und schwächen den Werkplatz Schweiz. Und dann hegen wir immer noch die Hoffnung, dass die Überbewertung des realen Wechselkurses des Schweizer Frankens sich über Marktmechanismen korrigiert. Christof Stürm: Die Arbeit muss günstiger werden (steuerliche Entlastungen auf Arbeitseinkommen/Reduktion der Arbeitsnebenkosten, dafür signifikante Lenkungsabgaben [Steuereinnahmen] auf umweltschädlichen Energien anstelle von Subventionen für grüne Technologien/ Energieträger). 19

20 WIRTSCHAFT & POLITIK IHK-Podien diskutierten Frankenstärke, Bilaterale, Personenfreizügigkeit Arbeitsplatz Ostschweiz wie weiter? Text: René Güntensperger, Leiter Kommunikation IHK Eine Veranstaltungsreihe führte die IHK und ihre Gesprächsgäste im Herbst zu verschiedenen Mitgliedunternehmen. Diese öffneten als Gastgeber der Vorabendveranstaltungen auch ihre Türen für Betriebsbesichtigungen. Auf den Podien diskutierten Arbeitgebervertreter und der IHK-Direktor mit Regierungspräsidentin Karin Keller-Sutter und Ständerat Dr. Eugen David. Wünschen uns faire Wettbewerbsbedingungen «Jede neue Regulierung, jedes zusätzliches Papier, das ausgefüllt werden muss und jede weitere Prüfung, der wir uns unterziehen müssen, ist eine zusätzliche Belastung», antwortete Christoph Jansen, Mitglied der Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung der Jansen AG, auf die Frage, wie die Politik die Unternehmen in der derzeit schwierigen Situation unterstützen könne. «Also soll sie keine weiteren Regelungen und Auflagen verordnen.» Christoph Jansen diskutierte in Oberriet unter der Leitung von Moderator Gert Bruderer, Chefredaktor Rheintaler und Rheintalische Volkszeitung, mit IHK-Direktor Dr. Kurt Weigelt und Regierungspräsidentin Karin Keller-Sutter. Gegen die Verordnung solcher (weiterer) Regelungen machen sich die neue Ständerätin und der IHK-Direktor stark. Denn dies behindere die Handlungsfreiheit der Unternehmen unnötig. Weiter ist für Kurt Weigelt wichtig, dass sich die Volksvertreter der Ostschweiz für den Ausbau der hiesigen Infrastruktur einsetzen: «Denn die Ostschweiz und mit ihr das Rheintal steht heute auf dem Abstellgleis.» Möglichst faire Wettbewerbsbedingungen, «jedenfalls keine schlechteren als sie die Konkurrenz im EU-Raum hat», wünscht sich Christoph Jansen für sein Unternehmen. Darum sei die Personenfreizügigkeit so wichtig. Wenn diese immer wieder in Frage gestellt werde, verunsichere dies nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Kunden. Grosser Publikumsaufmarsch im Rheintal: Rund 150 Besucherinnen und Besucher interessierten sich für die Betriebsbesichtigung und das anschliessende Podiumsgespräch bei der Jansen AG in Oberriet. Das Abkommen bringe zudem den Vorteil mit sich, dass Arbeitskräfte in einem Kulturraum rekrutiert werden können, welche unserer eigenen Kultur nahe steht. Auf die Ausländerproblematik angesprochen meinte Karin Keller-Sutter, dass die Personenfreizügigkeit mehr Arbeitsplätze geschaffen habe, als Ausländer zugewandert seien. «Zudem steht fest, dass die stossendsten Probleme mit Ausländern nicht auf die Personenfreizügigkeit zurückzuführen sind, sondern die Folge der früheren Ausländerpolitik sind», ergänzte die Regierungspräsidentin. Von allen Gesprächsteilnehmer begrüsst wurde der Entscheid der Nationalbank, als Massnahme gegen den starken Schweizer Franken einen Mindestkurses für den Euro festzusetzen. Allerdings seien die Unternehmen langfristig auf einen Wechselkurs angewiesen, der es ihnen erlaube, einen Gewinn zu erwirtschaften. Kein Universalrezept fürs Toggenburg Grundsätzlich dieselben Themengebiete prägten die Diskussionsrunde bei der Altherr Nutzfahrzeuge AG in Nesslau. «Zur Bewältigung der Krise gibt es auch für das Toggenburg kein Universal-Rezept», meinte Regierungspräsidentin Karin Keller-Sutter. Die Situation sei ungemütlich, die Prognosen schlecht, aber: «Da müssen wir durch.» Neben ihr auf dem Podium diskutierten unter der Leitung von Hansruedi Kugler, Chefredaktor des Toggenburger Tagblatts, Gebi Huber, Geschäftsführer der Altherr Nutzfahrzeuge AG, und IHK-Direktor Kurt Weigelt. Dass die Zukunft des Toggenburgs den einheimischen Unternehmern am Herzen liegt, bewies das grosse Interesse an der Veranstaltung. Ruedi Bannwart, Präsident der Arbeitgebervereinigung Region Toggenburg, stellte in den einleitenden Worten fest, dass es eigentlich etwas schönes sei, Arbeitgeber zu sein. Doch auch das Toggenburg müsse sich den veränderten Rahmenbedingungen des Marktes stellen: «Durch den tiefen Euro bricht der Markt ins Ausland weg. Die heile Welt und Idylle gibt es nun auch bei uns im Toggenburg nicht mehr. Doch wir müssen die Arbeitsplätze im Toggenburg verteidigen.» In der Diskussion wurde klar, dass die Politik die Wirtschaftslage nicht einfach so wenden kann. Sie könne nicht die Probleme der Nationalbank, der Gewerkschaft und auch noch die eigenen beseitigen. «Wir werden uns dafür einzusetzen, dass sich auch Randregionen wirtschaftlich entwickeln können», antworteten Karin Keller-Sutter und Kurt Weigelt auf die Frage von Gebi Huber, wie 20

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