Forensik vor Gericht

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1 Sachverständigenbüro Dr.-Ing. Markus a Campo Forensik vor Gericht Försterstr. 25 D Aachen BackTrack Day 2011 Tel / Fax 0241 /

2 Gliederung Themen für forensische Gutachten Grundregeln Aufbau von Gutachten Fall 1: private Nutzung eines PCs Fall 2: hohe Telefonkosten bei Modemverbindung Fall 3: selbständiges Beweisverfahren Fall 4: gehackter Webshop 2

3 Themen für forensische Gutachten Arbeitsgerichtsprozesse unerlaubte Nutzung von Systemen unerlaubte Installation von Programmen Diebstahl/Löschen von Daten Ausspähung von Daten Zivil-/Strafprozesse Befall eines IT-Systems mit Malware Copyright-Verletzungen 3

4 Grundregeln Gutachter muss alle Tätigkeiten selbst wahrnehmen Ausnahme: unbedeutende Hilfstätigkeiten Nur Fragestellungen im Beweisbeschluss beantworten keine eigenen Ermittlungen keine rechtlichen Bewertungen Ortstermin beide Parteien einladen Kopien aller Vorgänge ans Gericht Neutralität muss stets gewahrt bleiben Besorgnis der Befangenheit droht 4

5 Aufbau von Gerichtsgutachten Formalia Fragestellungen des Gutachtens (Beweisbeschluss) Vorgehensweise Feststellungen Aussagen zu den Fragestellungen (Bewertungen) Quellen (z.b. Literatur) Optional: Anhang mit Daten, Schriftverkehr Zusammenfassung Stempel, Unterschrift, ggf. Bezug auf geleisteten Eid 5

6 Beweise vor Gericht Beweise müssen über Hashes abgesichert werden m5dsum sda1.img > sda1.md5 analog: sha1sum... sha512sum Protokoll mit Tätigkeiten Zeitstempeln gedruckten(!) Hashes Jeder Schritt bei der Sicherung und Auswertung von Beweisen muss ausreichend dokumentiert werden 6

7 Fall 1: private Nutzung eines PCs 1. Der Kläger habe am... im Umfang von... Stunden private Internetaktivitäten erbracht. Dabei habe er gemäß der in der Anlage zum Beweisbeschluss beigefügten Listen die dort aufgeführten Seiten besucht. Dabei bezeugten die erfassten Seiten eine echte Betriebsamkeit des Klägers für die jeweils aufgeführte Zeit. Die verzeichneten Zeitangaben könnten auch nicht - wie der Kläger behaupte - dadurch entstanden sein, dass die jeweils aufgerufene Internetseite in ihrer Anzeige minimiert gewesen sei, während er - der Kläger - seiner regulären dienstlichen Tätigkeit nachgegangen sei. Die erhebliche Datenmenge während der aufgezeigten Verweilzeit spreche auch für die tatsächliche Aktivität des Klägers während der Verweildauer im Internet. Die in den beiden Listen ausgeführten Internetseiten seien sämtlich vom Kläger aufgerufen worden. Selbst wenn es sich vereinzelt um sogenannte verlinkte Seiten handele, müssten generell auch Aktivitäten des Klägers stattgefunden haben, da auch ein indirekter Aufruf ansonsten gar nicht habe stattfinden können. 7

8 Beweisbeschluss I (Fortsetzung) 2. Durch die zahlreichen vom Kläger auf den ihm zugeordneten betrieblichem -Account bezogenen Newsletter stehe fest, dass er diese bewusst bestellt und sich zum Erhalt der Newsletter angemeldet habe. 3. Der Kläger habe auch auf dem von ihm benutzten PC private Software gespeichert. Anhand der Sicherheits-ID des Klägers lasse sich eindeutig nachweisen, dass von ihm - und nicht von jemand anderem - das Verzeichnis c:\usb erstellt und dabei die systemgefährdende Software Hackers Toolkit eingebracht worden sei. Auch das Vernichtungsprogramm Eraser Pro I sei nachweislich durch den Kläger selbst installiert worden. 8

9 Vorgehensweise Ortstermin: 1:1-Image der fraglichen Festplatte Problem: vorherige Untersuchung durch Privatgutachter Messung von Datenvolumina bei Internet-Zugriffen minimierter Browser aktive Benutzeraktionen Suche auf Platten-Image Spuren von Löschprogramm Suche nach Begriffen (ebay, web.de) Nutzung Internet Explorer Timeline Cache, URL-History, Cookies 9

10 Vorgehensweise Test Newsletter z.t. Double-Opt-In Suche nach privat installierten Programmen Suche in Registry (NTUSER.DAT) Suche auf Platte (c:\usb, c:\winnt\downloaded Installations, Zuordnung über SID und Zeitstempel 10

11 Fall 2: Hohe Telefonkosten Erfolgte zu den in der Einzelverbindungsübersicht aufgeführten Nutzungszeiten ein Zugriff von außen auf den Computer des Beklagten? Hackte sich zu diesen Zeiten ein unbekannter Dritter unter der IP-Adresse des Beklagten ein? 11

12 Vorgehensweise Ortstermin: 1:1-Image der fraglichen Festplatte Auswertung Eventlog Logeinträge mittlerweile überschrieben aus Akte: Remote Access, Windows Update Agent, DCOM-Fehler (svchost k DcomLaunch) Suche nach Malware Logdaten und Quarantäne des Virenscanners Mount des Images unter Linux, Virenscan ggf. Virustotal.com Timeline keine Hinweise auf remote Zugriffe permanentes Update von Windows 12

13 Vorgehensweise Recherche bei Microsoft Technet fehlerhaftes Windows-Update 100% CPU-Auslastung bei svchost 2. Update dauerte mehrere Tage 13

14 Fall 3: Selbständiges Beweisverfahren Beschlagnahme der Datenbank eines Internet-Shops Verdacht auf unerlaubten Kopieren von Inhalten von Mitbewerbern Beweisfrage in anschließenden Zivilprozessen: Befinden sich in der vom Sachverständigen sichergestellten Produktdatenbank der Antragsgegnerin Anhaltspunkte, die eine Feststellung über den Zeitpunkt ermöglichen, zu dem die übernommenen Daten der Antragsstellerin in die Produktdatenbank der Antragsgegnerin übernommen wurden? 14

15 Vorgehensweise Ortstermin Sichern der Produktdatenbank aus Internet teilweise Kopie einer Server-Festplatte (Home-Verzeichnisse von Mitarbeitern, DB-Backup) Gutachten 1: Analyse der Datenbank SQL-Datenbank mit Produkten, Produktbeschreibungen (HTML- Tabelle), Zeitstempeln (products_date_added, products_last_modified) Timeline über products_date_added Suche nach kopierten Elementen über Schreibfehler Suche nach valign= top ><strong> > Fundstellen, Bestimmung von Zeitfenstern 15

16 Vorgehensweise Gutachten 2 DB-Analyse analog zu Gutachten 1 > Fundstellen Untersuchung Home-Verzeichnis auf Server kopierte HTML-Dateien Vergleich von Zeitstempeln Bestimmung von Zeitfenstern 16

17 Fall 4: Gehackter Webshop Verdachtsmomente: In einem Internet-Forum brüstete sich ein Teilnehmer, eine Reihe von Webshops gehackt zu haben Eine interne Logfileanalyse der Webserver ergab Verdachtsmomente auf SQL-Injection Fragestellungen: Wann und von wem wurde angegriffen? Wie fand der Angriff statt? Wurden Anwendungen oder Systeme manipuliert? Randbedingungen Incident Response: Ergebnisse spätestens gestern Verzicht auf Grundregeln der Forensik 17

18 Vorgehensweise Sicherung von Daten Logdaten der beiden Webserver und des Load-Balancers Datensicherung des Fileservers vor und nach dem Vorfall Platten-Images der Webserver und des Fileservers Analyse von Logdaten Suche mittels grep nach Angriffsmustern: SQL-Injection Bestimmung einer IP-Adresse Suche mittels grep nach IP-Adresse Bestimmung von Zeitfenstern für Angriffe SQL-Injection mit einem Tool, reines Auslesen der Datenbank 18

19 Vorgehensweise Analyse der Datensicherungen Vergleich vorher nachher mittels diff keine Anzeichen von Manipulationen Analyse von Platten-Images Einbinden in autopsy manuelle Sichtung kritischer Dateien mount als Linux-Loopdevice Check mit zwei Virenscannern keine Anzeichen von Manipulationen 19

20 Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit!

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