Schülerhilfeprojekt II Essen

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1 Schülerhilfeprojekt Essen, Projektpartner: Im Gespräch:Gesamtschule Nord, Gustav-Heinemann-Gesamtschule, Gesamtschule Borbeck Schülerhilfeprojekt II Essen Patenprojekt für Schüler/innen der 10. Klassen Pädagogisches Konzept Stand: Juli 2015 Ansprechpartnerin für den Ansprechpartnerin für die Deutschen Kinderschutzbund: Universität Duisburg-Essen: Barbara Gierull Prof. Dr. Gisela Steins Tel.: oder Tel:

2 Pädagogisches Konzept Das Schülerhilfeprojekt II für Schüler/innen der 10. Klassen ist aus dem Schülerhilfeprojekt erwachsen, das seit nunmehr 7 Jahren erfolgreich mit Schüler/innen der kooperierenden Grundschulen in Essen arbeitet. 1 Das Problem: soziale Benachteiligung als lebenslange Hypothek Viele Kinder und Jugendliche in Essen befinden sich in einer sehr schwierigen Lern- und Lebenssituation. Meist fehlt diesen Kindern in der Familie der emotionale Rückhalt, um ein positives Selbstbild aufbauen zu können. Sie können sich in der Schule nur schwer konzentrieren und leiden unter erheblichen Lern- und Entwicklungsverzögerungen. Ihre soziale Benachteiligung, ihr fehlendes kulturelles Kapital" (Bordieu) kann den Kindern zu einer lebenslangen Hypothek werden. Als junge Erwachsene misslingt ihnen der Einstieg ins Berufsleben. Der Frust über verpasste Lebenschancen sucht sich dann häufig ein Ventil in Kriminalität, Gewalt oder Drogenmissbrauch. Diese Problematik ist besonders brisant in Regionen wie dem Essener Norden. Wenn nicht sofort umfassende Maßnahmen ergriffen werden, um sozial benachteiligte und insbesondere Schüler und Schülerinnen mit Migrationshintergrund gerade beim Übergang ins Berufsleben bzw. in die höhere Schullaufbahn (10. Klasse) besser zu fördern, wird das in absehbarer Zukunft für soziale Brennpunkte im Ruhrgebiet wie den Essener Norden dramatische Konsequenzen haben. Die Antwort: Das Essener Schülerhilfeprojekt II Die gezielte Förderung von Kindern und Jugendlichen, die in der Schule unter ernsthaften Lernproblemen leiden und die von schulischem Versagen bedroht sind, ist eine gesellschaftliche Herausforderung, die heute weder Schule noch Jugendhilfe alleine lösen können. Der Essener Kinderschutzbund hat deshalb in Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen und drei Gesamtschulen nach dem Vorbild des Kasseler Schülerhilfeprojektes und des Hamburger Projektes Kinderpatenschaften das Essener Schülerhilfeprojekt II initiiert. Student/innen der Universität Duisburg-Essen begleiten und fördern in diesem Projekt über einen Zeitraum von einem Jahr und mit einem Stundenkontingent von drei bis vier Stunden wöchentlich jeweils einen sozial benachteiligte Schüler bzw. Schülerin der 10. Klassen. Die Studierenden werden in dieser Aufgabenstellung durch verschiedene Formen der Beratung und professionellen Reflexion unterstützt. Es erfolgt eine pädagogisch-didaktische Beratung in Kleingruppen, in denen Beziehungskonflikte mit den Schüler/innen bearbeitet, Erfahrungen reflektiert und gemeinsame Aktivitäten geplant werden. Diese Kleingruppentreffen werden bei Bedarf durch ein Coaching ergänzt, in dem Beziehungskonflikte und Unsicherheiten der Studierenden vertiefend und lösungsorientiert reflektiert werden. 1 Im Herbst 2007 ist im Pabst-Verlag ein Buch über das Schülerhilfeprojekt Essen erschienen, in dem die bisherigen Projekterfahrungen ausgewertet wurden. Das Buch trägt den Titel Pädagogische Arbeit als Beziehungsarbeit Entwicklungsförderung benachteiligter Grundschulkinder in einem Essener Patenschaftsprojekt, umfasst 244 Seiten und ist im Buchhandel für 20 erhältlich (ISBN ). Eine Videodokumentation über das Schülerhilfeprojekt kann beim Kinderschutzbund Essen, Barbara Gierull, angefordert werden (DVD, 20 min, Kurzfassung 10 min). Seite 2 von 5

3 Pädagogische Leitgedanken des Essener Schülerhilfeprojektes II Das wichtigste Ziel für die Studierenden besteht darin, zu ihrem/ihrer jeweiligen Patenschüler/in eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen und auf dieser Grundlage entwicklungsförderliche Bedingungen herzustellen. Die Aufgabe, für diese Schüler/innen entwicklungsförderliche Bedingungen herzustellen, ist bewusst sehr allgemein gehalten. Für die Gestaltung der praktischen Arbeit mit dem Jugendlichen gibt es außer der allgemeinen Zielperspektive keine Strukturvorgaben inhaltlicher oder zeitlicher Art, nach denen sich die Student/innen richten müssen. Die Aufgabe fordert ein waches Interesse an dem Jugendlichen, seinen Vorlieben und Abneigungen. Die Student/innen begeben sich auf Entdeckungsreise zu einem fremden Patenschüler bzw. einer Patenschülerin, machen dabei oft überraschende Erfahrungen und müssen mitgebrachte Vorstellungen revidieren. In jedem Falle ist es wichtig, dem Jugendlichen durch sein Verhalten die Gewissheit verschaffen zu können, dass für einen bestimmten Zeitraum in der Woche jemand wirklich präsent ist und als Ansprechpartner/in zur Verfügung steht; jemand, der nicht ständig absagt oder verschiebt, sondern jemand, der mit der ganzen Aufmerksamkeit einfach da ist. Diese Verbindlichkeit ist ein wichtiger Baustein für eine Vertrauensbeziehung. Sie ist deshalb so wichtig, weil durch eine verlässliche, regelmäßige und kontinuierliche Verabredung ein Gefühl von Loyalität und Solidarität erwachsen kann und ein sicherer Freiraum entsteht, um sich zu öffnen, zu lernen oder sich einfach wohl fühlen zu können. Gemeinsame Regeln müssen festgelegt werden, die aber auch erklärbar und verhandelbar sind und nicht nur einseitig vom Studierenden festgelegt werden. Die Jugendlichen müssen die Erfahrung machen, dass ihnen etwas zugetraut wird und dass ihre Impulse erlaubt und sogar erwünscht sind. Dabei aber einen verantwortungsvollen erwachsenen Partner an der Seite zu wissen, der Grenzen aufzeigt und erweitert, kann eine gute Rückversicherung auf der Suche nach den eigenen Bedürfnissen sein. Die Studierenden müssen sich bewusst sein, dass sie für ihren/ihre Patenschüler/in eventuell die Funktion eines Vorbildes übernehmen. Diese Vorbildfunktion ist nicht zwangsläufig und auch nicht universal, sondern dient meist nur für bestimmte Bereiche und für eine bestimmte Zeit als Orientierungshilfe. Die Studierenden müssen aber bereit sein, sich als Vorbild anzubieten, denn die Jugendlichen brauchen Vorbilder, mit ihrer Hilfe können sie sich entfalten und ihre Persönlichkeit weiterentwickeln. Die Auswahl der gemeinsamen Tätigkeiten ist ein kontinuierlicher Aushandlungsprozess zwischen dem Studierenden und dem Jugendlichen. Leitidee für die Auswahl der Aktivitäten sollte sein, dem Jugendlichen neue Erfahrungen zu ermöglichen. Gemeinsames Lernen und Lesen, Ausflüge (Museum, Theater, Kino), aber auch handwerkliche Arbeiten bzw. Bastelarbeiten u.v.m. bilden das große Spektrum möglicher Handlungsalternativen. Auch das gemeinsame schulische Lernen kann eine Komponente der Lernförderung sein, d.h. auf Wunsch des Jugendlichen können die Studierenden Hilfestellungen bei den Hausaufgaben anbieten und darüber hinaus didaktische Fragen bearbeiten: Unter welchen Bedingungen kann der Schüler/die Schülerin am besten lernen? Wie können bestimmte Lernblockaden aufgebrochen werden? Welche schulischen Lernanforderungen stellen weder eine Über- noch eine Unterforderung dar? In Stichworten zusammengefasst, stellen sich Inhalte und Methoden wie folgt dar: Inhalte: - Sozialkompetenzen / Motivation stärken - Selbstwertgefühl stärken - Deutsche Sprache verfestigen Seite 3 von 5

4 - Lernen lernen methodisches Lernen - Perspektiven erarbeiten: Meine Zukunft 2 - Weiteres, was von Schüler/in und Pate gemeinsam eruiert wird Methoden: - Gespräche - Aktivitäten (Ausflüge, Kultur, Sport u.a.m.) - Lernförderung - Weiteres, was von Schüler/in und Pate gemeinsam ausgehandelt wird Chancen und Möglichkeiten des Projektes Die Chancen und Möglichkeiten des Essener Schülerhilfeprojektes II liegen auf unterschiedlichen Ebenen: - Die pädagogische Ausbildung an der Universität Duisburg-Essen wird mit einem weiteren praxisorientierten Baustein bereichert, der realen Praxisbezug mit wissenschaftlicher Reflexion verbindet. - Für die Student/innen erschließt sich ein weiteres Praxisfeld für Examensarbeiten (Magisterarbeiten), sie erhalten Einblick in andere Lebenswelten, kommen mit Kernkonflikten ihrer späteren Berufsrolle in Berührung und entwickeln eine berufsbezogene Handlungskompetenz. - Für die kooperierenden Schulen ergibt sich der Vorteil, dass mit dem Schülerhilfeprojekt II besonders hilfsbedürftigen Schüler/innen eine individuelle 1:1-Betreuung geboten wird, die die schulischen Erziehungs- und Bildungsbemühungen sinnvoll ergänzt. - Für das Jugendamt der Stadt Essen ergibt sich der Vorteil, dass Jugendliche, die aufgrund ihrer Lebenssituation gemäß 30 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes eigentlich einen Anspruch auf einen Erziehungsbeistand haben, über das Schülerhilfeprojekt II professionell, schnell und unbürokratisch gefördert werden. Das Jugendamt und andere Institutionen (wie z.b. die Erziehungsberatungsstellen) werden so entlastet. Organisationsformen des Projektes Im Rahmen des Schülerhilfeprojektes II werden pro Jahr ein oder mehrere Kleingruppen mit jeweils acht Student/innen gebildet, die jeweils über ein Jahr mit drei bis vier Stunden in der Woche regelmäßig einen Schüler/eine Schülerin begleiten und fördern. Die Auswahl der Schüler/innen erfolgt durch die Lehrer/innen der beteiligten Schulen. Sofern es mit dem jeweiligen Bedarf vereinbar ist, sollen jeweils zwei Student/innen einer Klasse zugeordnet werden. Durch das paarweise Zusammensetzen der Student/innen können sie sich in ihrer Arbeit gegenseitig beraten, unterstützen und korrigieren. Die sich jeweils aus vier Paaren zusammensetzenden Kleingruppen treffen sich 14-tägig in der Universität Duisburg-Essen, werden durch eine erfahrene Fachkraft moderiert und reflektieren hier neuralgische Punkte im Projektverlauf (z.b. Kontaktaufnahme zum Kind und Gestaltung des Abschieds). Diese Kleingruppentreffen und das bei Bedarf ebenfalls in der Universität Duisburg- 2 Falls Schüler/innen an einer Perspektive in Richtung Arbeitsmarkt (Ausbildung) arbeiten möchten, soll mit dem Patenprojekt Paten für Arbeit kooperativ zusammengearbeitet werden. Seite 4 von 5

5 Essen stattfindende Coaching sind für den Erfolg des Projektes von großer Bedeutung, weil die Student/innen im Umgang mit ihrem Projektschüler/-schülerin und seinen Eltern oftmals auf eigene persönliche Grenzen stoßen und deshalb einen geschützten und professionellen Rahmen brauchen, in dem sie ihre Erfahrungen reflektieren und auswerten können. Zweimal jährlich erhält jede/r Student/in die Gelegenheit zu einem Gespräch mit der/dem Klassenlehrer/in. Einmal jährlich wird für alle am Projekt beteiligten Student/innen, Lehrer/innen, Anleiter und Kooperationspartner in der Universität eine Forumsveranstaltung durchgeführt, bei der gemeinsam wesentliche Themenfelder des Projektes theoretisch vertieft werden können. Die Forumsveranstaltungen werden von der Lenkungsgruppe (s.u.) organisiert. Finanzierung Die Student/innen erhalten für Eintrittsgelder, Fahrtkosten u.a. eine pauschale Unkostenerstattung in Höhe bis max Zusätzliche Kosten entstehen durch die Honorierung der Fachkräfte, die das Coaching und die Kleingruppenleitung durchführen. Für das Schuljahr 2015/16 wird das Schülerhilfeprojekt II über die Lernförderung aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) für berechtigte Schüler/innen der 10. Klassen finanziert. Evaluation und wissenschaftliche Begleitung Alle teilnehmenden Student/innen sind verpflichtet, ihre Treffen mit dem Schüler/der Schülerin in Form offener Tagebuchnotizen regelmäßig zu dokumentieren. Die Wirkungen des Schülerhilfeprojektes II werden darüber hinaus auf drei Ebenen evaluiert: - Befragung der Student/innen zur Entwicklung des allgemeinen und schulischen Wohlbefindens ihrer Patenschüler/innen - Retrospektive Befragung der Klassenlehrer/inne zur Kompetenzentwicklung der Schüler/innen - Retrospektive Befragung der Student/innen zur allgemeinen Beurteilung des Projektes Entscheidungsstrukturen Träger des Schülerhilfeprojektes II ist der Deutsche Kinderschutzbund, Ortsverband Essen e.v. im Rahmen der lernhäuser Essen. Die Durchführung des Projektes erfolgt in enger Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen. In einer Lenkungsgruppe werden konzeptionelle und richtungsweisende Fragen des Projektes beraten. Die Lenkungsgruppe setzt sich zusammen aus: - Frau Prof. Dr. Gisela Steins (Hochschullehrerin der Universität Duisburg-Essen) - Frau Gudrun Weiner (Schule am Hellweg Betreuung der studentischen Kleingruppe) - Frau Barbara Gierull (lernhäuser Essen Deutscher Kinderschutzbund, Projektleitung) - Herr David Saul (lernhäuser Essen - Deutscher Kinderschutzbund für die Koordination der BuT-Mittel) Seite 5 von 5

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