INHALTSVERZEICHNIS 3 VORWORT/GELEITWORT 5 EINLEITUNG 7 ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN 9. Zusammenfassung der ExpertInnendiskussion 11

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3 Inhaltsverzeichnis INHALTSVERZEICHNIS 3 VORWORT/GELEITWORT 5 EINLEITUNG 7 ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN 9 Zusammenfassung der ExpertInnendiskussion 11 I. EXPERTINNEN 13 I.1 ExpertInnenrunde zum Auftakt 15 Vortrag von Dr. Kaan Akmanlar: Wie nehmen türkische MigrantInnen das österreichische Gesundheitswesen in Anspruch? 15 Vortrag von Mag. Serpil Özsoy: Gesundheitsförderung für MigrantInnen im Frauengesundheitszentrum F.E.M. Süd/Wien 17 I.2 Workshop mit Ramazan Salman für Fachleute aus Praxis und Wissenschaft 18 I.3 Abschlussrunde mit den ExpertInnen 20 Präsentation der Dokumentation und der Evaluation des Projekts 20 I.7 Diskussion 24 II. VERANSTALTUNGEN FÜR MIGRANTINNEN ZUR GESUNDHEITSFÖRDERUNG 27 II.1 Veranstaltung Männergesundheit 29 Vortrag in Salzburg 29 Vortrag in Hallein 31 II.2 Unterschiede, Gemeinsamkeiten und weitere Implikationen 32 II.3 Veranstaltung Frauengesundheit 33 Vortrag in Salzburg 33 II.4 Unterschiede, Gemeinsamkeiten und weitere Implikationen 35 II.5 Veranstaltung Migration und psychische Belastung 37 Vortrag in Salzburg 37 III. ÖFFENTLICHKEITSARBEIT UND INFORMATIONSMATERIAL 39 III.1 PRESSEKONFERENZ am 11. November III.2 Flyer auf deutsch 44 III.3 Flyer auf türkisch 45 III.4 Ernährungspyramide auf türkisch von Dr. Ata Kaynar 46 IV. ANHANG 47 IV.1 Mitarbeiter von GENEM 49 3

4 Projektleitung: DSA Nibaldo Vargas Arias 49 Dokumentation und Evaluation: Mag. Eberhard Siegl 49 Dokumentation Mag. Erika Preisel 49 Referentin Aslihan Karabiber 50 Referentin Mag. Serpil Özsoy 50 Referent Dr. med. Kaan Akmanlar 51 Referentin Dr. med. Yüksel Yücel 52 IV.2 Zeitplan 53 IV.3 Protokolle der Vorbereitung 54 Besprechungsprotokoll 17. Februar Besprechungsprotokoll 24.März I 55 IV. 4 Einladungsbrief und Tagesordnung ExpertInnentreffen vom 13. Mai 56 IV.5 ExpertInnenfragebogen 58 IV.6 Fragebogen für die BesucherInnen der Veranstaltung auf deutsch 59 IV. 7 Fragebogen für die BesucherInnen der Veranstaltung auf türkisch 60 V. ÜBERSĐCHT ÜBER BĐSHER ĐN ÖSTERREĐCH DURCHGEFÜHRTE GESUNDHEĐTSPROJEKTE FÜR MĐGRANTINNEN 61 V. 1 Gesundheitsprojekte für MigrantInnen 63 4

5 Vorwort/Geleitwort Das Projekt GeNeM (Salzburger GesundheitsvorsorgeNetz für MigrantInnen) wurde mit Unterstützung der Landesregierung von Salzburg und allen voran der Landeshauptfrau Gabi Burgstaller durchgeführt. Für die Finanzierung sorgten zusätzlich der Fond Gesundes Österreich und die Trägerschaft verantwortete die avos GesmbH, ansässig in Salzburg. GeNeM wurde mit Leben erfüllt von dem Projektleiter Nibaldo Vargas, einem in der Migrationsarbeit renommierten und geschätzen Kollegen. Er wurde tatkräftig und kompetent begleitet und unterstützt durch den türkischen Arzt Dr. med. Kaan Akmanlar, Mag. Eberhard Siegl, Mag. Erika Preisel und viele weitere engagierte Personen, deren Aufzählung den Rahmen dieses Vorwortes sprengen würde. Das Projekt intervenierte in die wichtigsten gesundheitlichen Problemfelder der Migrantinnen und Migranten: Erstmals wurde in Österreich ein Projekt realisiert, welches sich diesen wichtigsten Themen der Migrantengesundheit, Ernährung und Fettleibigkeit, Bewegung und Sport sowie Frau und seelische Gesundheit widmete. Hierbei beließen es die Projektverantwortlichen nicht alleine bei einer theoretischen Aufarbeitung. Sie wendeten sich durch muttersprachliche Veranstaltungen zu diesen Themen direkt an Migranten in ihren Lebensfeldern wir nennen das in der Gesundheitswissenschaft den Setting-Ansatz - und durch Expertenrunden, Workshops und Fortbildungen zugleich auch an Experten und Institutionen der Gesundheitsversorgung. Sie bauten somit eine Brücke zwischen Majorität und Minorität und trugen dazu bei, dass ein kultursensibiliertes Netzwerk für mehr Gesundheit für Alle seine Entwicklung finden konnte. Angesichts des knappen Projekt-Budgets überrascht, dass dennoch durch das ambitionierte Projektteam möglich gemacht wurde, was in fast allen bisher in Österreich durchgeführten Migrantengesundheitsprojekten als nicht machbar schien: eine ordentliche Projektdokumentation und Projekt-evaluation. Hier schließt sich ein goldenes Dreieck: der moderne Setting-Ansatz wurde umgesetzt, eine umfassende Vernetzung hergestellt und eine fachliche Auswertung vorgenommen. Dies alles setzt einen hohen Qualitätsanspruch, gesellschaftlichen Integrationswillen und politische sowie wissenschaftliche Einsicht voraus. GeNeM soll helfen, gesellschaftliche Integrationsbemühungen zum Erfolg zu führen und Migranten in ihrem Bemühen um den Erhalt oder die Wiedererlangung ihrer Gesundheit zu unterstützen. Dies ist auch notwendig, denn gesundheitliche Probleme bei Migranten sind häufig auch ein erstes Signal dafür, dass Integrationsprozesse zu scheitern drohen. Gesundheitsversorgung muss sich deshalb immer auch ihrer Integrationsaufgabe bewusst sein. Hierbei sind präventive und gesundheitsfördernde Angebote eminent wichtig, denn sie signalisieren den Migranten, dass an eine gemeinsame Zukunft geglaubt wird und deshalb an den Nöten und am Wohlergehen der zugewanderten Mitmenschen Interesse besteht. Die gefühlte emotionale Zuwendung ist eine wichtige Triebfeder der individuellen Integration und Akkulturation. Schlussendlich kommt es dann darauf an, wer komplexe Veränderungen moderiert, beteiligte Institutionen vernetzt und wer für die notwendige finanzielle Grundlage sorgt. Das GeNeM-Projektteam hat mit seinem interkulturellen Präventionsprojekt einen Ansatz entwickelt, das beschriebene Grundproblem anzugehen, Vertrauen zu schaffen, Verantwortlichkeiten zu bestimmen und Brücken zwischen den Einrichtungen des Gesundheitswesens und den Migranten zu bauen. In Zukunft werden - so unsere Erwartung - die Barrieren zwischen Gesundheitsdiensten und Sozial- und Integrationsinstitutionen weiter sinken, wenn es um Gesundheitsförderung für Migranten geht. In Salzburg zeichnet sich bereits eine solche verstärkte Zusammenarbeit ab. Damit lässt sich ein großes Potential an Sachkompetenz im Umgang mit Migranten bündeln. Die Ergebnisse insgesamt zeigen, dass der GeNeM-Ansatz ein richtiger Weg ist, um einem besseren Informationsfluss zwischen Akteuren des Gesundheitswesens und Migranten zu ermöglichen und somit zu mehr Kompetenz auf beiden Seiten beizutragen. 5

6 Langfristig können auf diesem Wege die Gesundheitschancen der in Salzburg und wenn aus diesen Erfahrungen gelernt und der Ansatz konsequent weiterentwickelt wird, sicherlich auch weit über das Bundesland Salzburg hinaus lebenden Migranten verbessert werden. Deshalb lassen Sie mich zum Schluss die Empfehlung aussprechen: Wir müssen schon während unsere Projekte noch laufen, für Nachhaltigkeit sorgen und durch die Übernahme dieses Zugangs in die Regelversorgung gesunde Integration langfristig sichern. Das wird uns sicher auch gelingen, denn Nibaldo Vargas, der geistige Vater der Konzeption, ist Garant für wagemutige und erfolgreiche Projekte zur Integration. Ich möchte Ihm als Freund und Mentor aus ganzem Herzen danken und freue mich darauf noch viele Jahre mit ihm und seinem Team zu mehr Gesundheit für alle beitragen zu dürfen. Ramazan Salman Geschäftsführer des Ethno-Medizinischen Zentrums e.v. in Deutschland und Mitarbeiter für Forschung, Abt. Sozialpsychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover. 6

7 Einleitung GENEM war für die Dauer von rund einem Jahr als Pilotprojekt konzipiert. Die Finanzierung erfolgte über den Fonds Gesundes Österreich, das Land Salzburg, die Salzburger Gebietskrankenkasse und die Arbeiterkammer Salzburg. Das Konzept verfolgte mehrere Ziele. Erstens sollten MigrantInnen (in diesem Fall aus der Türkei) für das Thema der Gesundheitsvorsorge durch spezifische Information sensibilisiert werden. Dazu waren drei Veranstaltungen geplant, die den geschlechtsspezifischen, sprachlichen und kulturellen Hintergrund der Zielgruppe berücksichtigen sollten. Alle ReferentInnen stammen aus der Türkei und entsprachen diesen Anforderungen. Zusätzlich wurde ein Informationsfolder in türkischer Sprache erstellt. In Salzburg und Hallein wurden jeweils drei Veranstaltungen zu den Themen weibliche Gesundheit, männliche Gesundheit und seelische Gesundheit abgehalten. Zweitens sollte es zu einer Vernetzung von ExpertInnen/Institutionen aus den Bereichen Migration und Gesundheit kommen, und sollten diese über den Zugang von MigrantInnen zum Thema Gesundheit informiert werden, um die Situation der Gesundheitsförderung für MigrantInnen nachhaltig positiv zu beeinflussen. Dazu diente ein erstes Vernetzungstreffen als Projektstart, des weiteren ein Workshop für die ExpertInnen mit Ramazan Salmann, dem Leiter des Ethnomedizinischen Zentrums Hannover, und eine abschließende ExpertInnen-Runde mit der Präsentation der Dokumentation der Informationsveranstaltungen und der Befragung der ExpertInnen und TeilnehmerInnen, die wir durchführten. Die zwei letzten Veranstaltungen legten wir aus Zeitgründen für den selben Tag fest. Zusätzlich fand an diesem Tag auch eine Pressekonferenz von Landeshauptfrau Burgstaller, Dr. Ropin (FGÖ), Dr. Akmanlaar (Genem) und Nibaldo Vargas Arias (Genem) statt, wobei die Landeshauptfrau bekundete, Gesundheitprojekte für MigrantInnen weiterhin fördern zu wollen. Die drei Informationsabende in Salzburg waren recht gut besucht, die Veranstaltungen in Hallein nicht so sehr. Ein Tatbestand, der unabhängig von unserer sorgsamen Planung, wie wir die Zielgruppe erreichen könnten auf unsere in diesem Pilotprojekt gemachten Erfahrungen zurückzuführen ist, nämlich dass die türkische Bevölkerungsgruppe zum einen sehr inhomogen ist, zum anderen schwer motiviert werden kann, außerhalb ihrer vertrauten Umgebung Veranstaltungen zu besuchen. Die Veranstaltungen selber zeigten auf, wie groß der Informationsbedarf der türkischen MigrantInnen an der Thematik ist. Ein Großteil der BesucherInnen war an der anschließenden Diskussion stark beteiligt. In einem sehr lebendigen Austausch erhielten die TeilnehmerInnen der Veranstaltungen von den ReferentInnen Auskunft über Gesundheitsvorsorge und spezifische Informationen zu ihrem individuellen Gesundheitsverhalten Umgekehrt erhielten wir von den TeilnehmerInnen wichtige authentische Informationen für die Arbeit im Bereich der Gesundheitsförderung für MigrantInnen. So erfuhren wir z.b., wie TürkInnen ihre Möglichkeiten zur Gesundheitsförderung in ihrer Heimat wahrnehmen konnten, in Österreich jedoch veränderte Bedingungen vorfanden, die sie in Bezug auf ihr bislang gewohntes Gesundheitsverhalten einschränkten. Das dritte Ziel des Konzeptes liegt im Wesen eines Pilotprojektes, nämlich aus den gewonnenen Erfahrungen und neuen Informationen spezifischere und den Bedürfnissen der Zielgruppe entsprechende 7

8 Angebote entwickeln und offerieren zu können. Erste Ansätze der Nachhaltigkeit unseres Pilotprojektes GENEM zeigten sich erfreulicherweise schon bei der Abschlußbesprechung mit den ExpertInnen. Etliche KollegInnen von Institutionen aus dem Bereich Gesundheit oder Migration zeigten ihr Interesse, weitere Projekte bzw. Veranstaltungen zum Thema zu unterstützen bzw. gar selber zu entwickeln und umzusetzen. Außerdem bekundeten alle ReferentInnen ihre Bereitschaft, bei einer möglichen Fortsetzung des Projektes weiterhin aktiv mitzuwirken. Abschließend möchte ich mich bei allen am Zustandekommen und an der Durchführung dieses Projektes Beteiligten bedanken, insbesondere bei Dr. Akmanlar für seine über alle Maßen engagierte Mitarbeit. Nibaldo Vargas Arias Projektkoordinator 8

9 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen Durch die Vortragstätigkeit im Rahmen von GeNeM wurden ca. 80 türkische MitbürgerInnen in Salzburg und Hallein erreicht. An den zwei Vernetzungstreffen und an der Fortbildung für Fachleute, die während der Projektdauer stattfanden, nahmen VertreterInnen (ExpertInnen) von ca. 25 Institutionen bzw. Einrichtungen teil. In der anschließenden Zusammenfassung der Ergebnisse aus ExpertInnenrunde, Veranstaltungen mit der Zielgruppe und Befragung der beiden Gruppen gelangten wir zu den weiter unten angeführten Feststellungen und Empfehlungen. Zusammenfassung der Ergebnisse aus der Befragung von TeilnehmerInnen und ExpertInnen: Von Seiten der türkischen MigrantInnen zeigt sich ein intensives Interesse an Fragen vor allem zur Gesundheitsförderung, zu ihrem Körper und zur Medizin generell, die Tendenz, eher Fachambulanzen in den öffentlichen Krankenhäusern aufzusuchen, anstatt niedergelassene ÄrztInnen zu konsultieren und der Bedarf einer sozialmedizinischen Einrichtung für MigrantInnen. Die türkischen Migrantinnen wären auch bereit, dafür geringfügige finanzielle Belastungen in Kauf zu nehmen. Die Ergebnisse der ExpertInnenbefragung stimmte in den Fragen der Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Besonderheiten des türkischen Medizinsystems im Vergleich zum österreichischen mit den Rückmeldungen aus der Zielgruppe überein. Beide Gruppen stellten Unterschiede fest. Es wurde von Seiten der MigrantInnen auch bestätigt, dass es für sie eine Bevorzugung der türkischen Medizin gibt. Aus den Befragungsergebnissen wurden folgende Empfehlungen abgeleitet: - Um die Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Besonderheiten des türkischen Medizinsystems im Vergleich zum österreichischen System besser verstehen und auch einordnen zu können, bedarf es einer ausreichenden Information über dieses System. - Für die ExpertInnen stellt Depression einen wesentlichen Belastungsfaktor für die türkischen MigrantInnen dar. Es ist daher wichtig, der türkischen Gemeinschaft das Krankheitsbild der Depression gut zu erklären und vor allem auf die Behandlungsmethoden hinzuweisen. - Wenn Maßnahmen für die Gesundheitsförderung bei den türkischen MigrantInnen ergriffen werden, empfiehlt es sich, die Familie als möglichen Adressaten mit einzuplanen. So könnten z.b. analog zu den Deutschkursen direkt in den Familien türkischer MigrantInnen (Modell des Vereins Kristall in Hallein) auch Informations- und Diskussionsveranstaltungen zum Thema Depression abgehalten werden. - Die qualitative Einschätzung der Medizinsysteme vonseiten der türkischen MigrantInnen bedarf 9

10 einer tiefergehenden Erforschung, um Gesundheitsförderungsmaßnahmen besser planen zu können. - Die Bevorzugung eines türkischen Mediziners hat sicher wichtige Gründe, deren Kenntnis für die erfolgreiche Planung eines Gesundheitsförderungsprojekts für türkische MigrantInnen förderlich ist. Vor allem wäre zu überprüfen, welche Rolle die zwei Faktoren Sprache und gemeinsamer kultureller Hintergrund dabei spielen. Zusammenfassung der Ergebnisse aus den Vorträgen: Seelische Gesundheit Der Vortrag zur seelischen Gesundheit wurde nur von Frauen besucht. Bei dieser Veranstaltung bestand großes Interesse zum Thema Erziehung und Bindung der Kinder an ihre Mütter, da frühkindliche Trennung bei türkischen MigrantInnen wegen des Pendelns zwischen der Türkei und Österreich ein wichtiges Thema ist. In Salzburg und in Österreich allgemein gibt es einen akuten Mangel an PsychologInnen und PsychotherapeutInnen mit dem für die Zielgruppe nötigen kulturell-sprachlichen Hintergrund, um Behandlungsangebote zur Verfügung zu stellen und Vorträge für die türkischen MitbürgerInnen abzuhalten. Bei diesen Vorträgen sollte über psychische Krankheitsbilder, Behandlungsmethoden und Einrichtungen sowie über Prävention informiert werden. Es besteht also Bedarf an: - Elternakademien, die speziell für diese Gruppe konzipiert und abgehalten werden - PsychotherapeutInnen mit dem nötigen kulturell-sprachlichen Hintergrund - Sensibilisierung der türkischen Männer für das Thema Frauengesundheit Der Informationsbedaf der Frauen bezüglich weiblicher Gesundheit ist sehr groß, ebensogroß das Defizit an Wissen. Gerade über gynäkologische Themen in der eigenen Sprache sprechen zu können, ist ihnen ein großes Anliegen. Die Nachfrage nach einem Arzt bzw. einer Ärztin mit ihrem kulturellen und sprachlichen Hintergrund ist so stark und dringend, dass laut Referentin viele türkische Frauen in die Türkei fahren, um dort gegen Bezahlung von einem Gynäkologen untersucht zu werden. Die vortragende Ärztin machte das Angebot, mit einer Kollegin in Salzburg in regelmäßigen Abständen zu ordinieren bzw. sich mit ihrem Kollegen vom Halleiner Krankenhaus in Kontakt zu setzen, um dort die adäquate Behandlung ausländischer Patientinnen zu erleichtern. Für türkische Frauen ist es unmöglich, Veranstaltungen ohne ihre Kinder zu besuchen. 10

11 Es besteht also der Bedarf an: - GynäkologInnen mit nötigem kulturellen bzw. kulturell-sprachlichen Verständnis - Informationsveranstaltungen zu allgemeinen Gesundheitsthemen in türkischer Sprache - Kinderbetreuung bei Informationsveranstaltungen Männergesundheit Bei den Veranstaltungen mit den Männern war die Gesundheitsförderung vorrangig. Ernährung, Bewegung und der BMI waren demnach zentrale Themen. Die türkischen Männer hinterließen den Eindruck, Interesse und Bewusstsein für ihre Gesunheit zu haben. Es wurden viele Fragen zu Herz-Kreislauf Erkrankungen, Prostatavergrößerung, etc. gestellt. Ein interessanter Aspekt entwickelte sich in der Diskussion über die zwei Gesundeheitssysteme (österreichisches türkisches). Laut Berichte der Teilnehmer gäbe es in der Türkei Gesundheitshäuser, wo Impfungen, Aidstets und die ambulante Erstversorgung stattfänden. Bei den Vorträgen kamen aus der Zielgruppe Rückmeldungen bezüglich Ihres Ernährungs- und Gesundheitsverhaltens in der Türkei. Es kam ihnen in der Türkei sehr entgegen, dass der Zugang zu den Sporstätten niederschwelliger ist. Viele berichteten, dass sie kaum hier angekommen, ihr Ernährungsverhalten änderten. Viele aßen in der Türkei viel mehr Gemüse und Obst, seit ihrer Ankunft in Österreich konsumierten sie vermehrt Fleischprodukte. Sie schätzten es sehr, dass es die Ernährungspyramide auf türkisch gibt und empfahlen, diese an verschiedenen Orten wie Arztpraxen, ihre Vereine, etc. aufzuhängen. Es besteht also der Bedarf an: - Informationsveranstaltungen in türkischer Sprache - spontan benutzbaren Sportstätten - Informationsmaterial in türkischer Sprache zum Thema Ernährung - Sozialmedizinischen Zentren Zusammenfassung der ExpertInnendiskussion Zwei ExpertInnentreffen fanden statt. Beim ersten Termin wurde das FEM Süd (Wien) durch Mag.a Ozsoy vorgestellt, Dr. Akmanlar ging in seinem Vortrag auf die Integration und medizinische Situation der türkischen MigrantInnen in Salzburg und Österreich ein. Beim zweiten Termin wurde neben der Präsentation der Ergebenisse aus den Befragungen ein Workshop mit Ramazan Salmann abgehalten. Dabei wurde das Ethnomedizinische Zentrum in Hannover und im speziellen das Projekt MiMi (MigrantInnen für MigrantInnen) vorgestellt. Aus der ExpertInnendiskussion wurden folgende Empfehlungen abgeleitet: - Implementierung eines Zentrums für MigrantInnen, das österreichweit Projekte koordiniert - Schulungen von DolmetscherInnen - Einbindung der Ärztekammer - Vorträge für die Zielgruppe sollten in den Gesundheitsinstitutionen abhalten werden - Einbindung der Stadt (Salzburg) 11

12 Schlußwort Integration umfasst alle Lebensbereiche der MitbürgerInnen nicht deutschmuttersprachlicher Herkunft. Das Thema Gesundheit und Gesundheitsförderung stellt dabei eine der wichtigsten Säulen der Integration dar. Diesen MitbürgerInnen unsere Aufmerksamkeit und Fürsorge zu widmen, gibt ihnen die Wertschätzung, die sie verdienen und die ihnen bislang nur mangelhaft zuteilt wurde. Unsere Methode (Fachinformation von MigrantInnen für MigrantInnen und Vernetzung von Gesundheitsinstitutionen mit MigrantInnenorganisationen) hat sich bewährt und als nachhaltig erwiesen. Folgeprojekte wurden bereits initiert. Für Salzburg wäre eine sozialmedizinische Einrichtung wie das FEM Süd in Wien wünschenswert und realisierbar. 12

13 I. EXPERTiNNEN 13

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15 I.1 ExpertInnenrunde zum Auftakt Datum: 13. Mai 2005; 9 13 Uhr Ort: AVOS GesmbH, Salzburg Tagesordnung Begrüßung Gegenseitiges Kennenlernen / Vorstellungsrunde Präsentation des geplanten Projekts durch den Projektleiter Kurzvortrag (Kaan Akmanlar): Wie nehmen türkische MigrantInnen das österreichische Gesundheitswesen wahr? mit anschließender Diskussion Kaffeepause Kurzvortrag (Serpil Özsoy): Gesundheitsförderung für Migrantinnen im Frauengesundheitszentrum F.E.M. Süd/Wien mit anschließender Diskussion Vortrag von Dr. Kaan Akmanlar: Wie nehmen türkische MigrantInnen das österreichische Gesundheitswesen in Anspruch? Inhalt Analyse der türkischen Gemeinschaft in Salzburg Dringende Probleme der türkischen Gemeinschaft: - sprachliche, kulturelle und institutionelle Barrieren - Zwang zur Integration - Verbundenheit zur Herkunft - Spannung zwischen Assimilation und Integration Migranten im Gesundheitssystem: eine Bestandsaufnahme - chronisch unterversorgt - soziale Ängste - Unverständnis der gestellten Diagnosen Präsentation einer kurzen Gesundheitsstatistik (Rauchen, Arztwahl, Behandlung in der Türkei) Spezifische Eigenschaften der türkischen Gemeinschaft in Salzburg : - Großfamilienverbände - pflegen Alte und Kranke selber - Rauchen akzeptiert - türkischer Lebensstil - v.a. Frauen suchen erst am späten Nachmittag Akutambulanzen auf - Leid wird im Beisein von Verwandten oft lautstark ausgedrückt, sonst eher schweigsames Erdulden 15

16 - Tendenz zur Behandlung im ehemaligen Heimatland - sind gegenüber dem österreichischen Gesundheitssystem nicht fordernd Diskussion des Vortrags von Dr. Kaan Akmanlar Statistische Zahl der Türken in Salzburg ist eher klein, weil viele von ihnen schon die österreichische Staatbürgerschaft haben. Dennoch gehören sie zur türkischen Gemeinschaft. Integration wird oft als Anpassung definiert, sollte jedoch ein gegenseitiges Geben und Nehmen sein. Beispiel eines 40jährigen Mannes, der nach einem Herzinfarkt auf Rehabilitation war und selbst nach den 6 Wochen noch überhaupt nicht über seine Krankheit aufgeklärt worden war. Er wusste nicht einmal, dass er einen Herzinfarkt hatte. Wichtig ist prinzipiell die Beziehung Arzt-Patient (im Sinne einer gegenseitigen Wertschätzung) und nicht so sehr, dass die jeweilige Sprache des Patienten gesprochen wird. Vielfach nehmen die MigrantInnen aus Bequemlichkeit (Sprache, Vertrauen) während ihres Türkeibesuchs einen türkischen Arzt in Anspruch. Es wurde die Frage gestellt, ob die MigrantInnen Pflegegeld beanspruchen. Dr. Akmanlar konnte dies nicht eindeutig beantworten, nimmt jedoch an, dass das Pflegegeld schon von ihnen in Anspruch genommen wird. Es ist für die MigrantInnen in Ordnung, Leid zu zeigen, vor allem dann, wenn Verwandte in der Nähe (Hörweite) sind. In österreichischen Krankenhäusern wird oft die Putzfrau als Dolmetscherin herangezogen, in den Niederlanden wird die Anamnese bei fremdsprachigen PatientInnen per Funk durchgeführt. Die Frage ist, warum dies nicht in Österreich möglich ist. Dazu folgende Beobachtung: Viele PatientInnen überschätzen sich oft selbst, glauben, dass sie für die Anamnese keine Übersetzungshilfe benötigen. Dies führt oft zu Stress und Missverständnissen, gerade bei emotional belastenden Situationen. 16

17 Vortrag von Mag. Serpil Özsoy: Gesundheitsförderung für MigrantInnen im Frauengesundheitszentrum F.E.M. Süd/Wien Inhalt: Erhöhtes Morbiditäts- bzw. Mortalitätsrisiko von Migrantinnen Psychische Beschwerden Soziodemografische Analyse des 10. Wiener Gemeindebezirks Charakteristika von F.E.M.-Süd Ziele der Einrichtung Methoden und Angebote Themen der Beratung Mögliche Folgen bestehender Versorgungseinrichtungen für Migrantinnen Statistik zur medizinischen Beratung Statistik zur Medikamenteneinnahme Statistik zur gynäkologischen Beratung Statistik zur psychologischen Beratung Strategien der Gesundheitsförderung Diskussion des Vortrags von Mag. Serpil Özsoy Anmerkung: Die Diskussion gestaltete sich aus Zeitmangel eher kurz. Es gibt eine gute Kooperation zwischen Ärzten und F.E.M.-Süd, die Ärzte schicken ihre Klientinnen vor allem dann, wenn sie eine bestimmte Krankheit haben und es nötig ist, dass sie darüber gut informiert werden. Dies betrifft auch die Belange des Lebensstils (z.b. bei Diabetes). Danach wird vom F.E.M.-Süd eine Rückmeldung an den behandelnden Arzt gegeben. Es werden im F.E.M.-Süd auch die wichtigsten Begriffe der Psychotherapie abgeklärt, damit die Klientinnen eine gute Behandlung bekommen. Die Besucherinnen, Klientinnen und Teilnehmerinnen sind meist Hausfrauen. Die Anlaufzeit für die Akzeptanz der Angebote des F.E.M.-Süd gestaltete sich lang. Im ersten halben Jahr kamen keine bis nur wenige Frauen in die Kurse und Vorträge. Erst nach einem Jahr konsequenter Bildungsarbeit konnte ein Stammpublikum aufgebaut werden. 17

18 I.2 Workshop mit Ramazan Salman für Fachleute aus Praxis und Wissenschaft Themen: Präsentation des Ethnomedizinischen Zentrums in Hannover MiMi Mit Migranten Für Migranten, Prävention und Gesundheitsförderung mit interkulturellen Gesundheitsmediatoren im BKK-Projekt Mit Migranten Für Migranten. Wie kann die Zeilgruppe erreicht werden? Das MiMi-Gesundheitsprojekt (Mit Migranten Für Migranten) wird vom Ethnomedizinischen Zentrum e.v. im Auftrag des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Bayern und Hamburg durchgeführt. Es ist ein Projekt zur interkulturellen Gesundheitsförderung und Prävention. In neun Städten und Regionen werden gut integrierte kompetente Migrantinnen und Migranten zu interkulturellen Gesundheitsmediatoren geschult. Diese sollen ihre eigenen Landsleute gemeinsam mit Akteuren des Gesundheitswesens mehrsprachig und kultursensibel über Themen der Gesundheit informieren. Mit Migranten Für Migranten ist zugleich Motto und Konzept. MiMi ist ein Projekt zur interkulturellen Gesundheitsförderung und Prävention. MiMi möchte gut integrierte kompetente MigrantInnen gewinnen und sie in Kursen zu muttersprachlichen, interkulturellen Gesundheitsmediatoren ausbilden. Das Projekt richtet sich vorrangig an MigrantInnen mit den Muttersprachen russisch, türkisch, serbisch, kroatisch, bosnisch, englisch, französisch und arabisch. Für die Schulungen wurden aufgeschlossene und engagierte MigrantInnen gesucht. Sie sollten Interesse am Thema Gesundheit und einen guten Zugang zu Ihren Landsleuten haben. Die zukünftigen Mediatoren sollten selbst über einen guten Integrationsgrad und über gute Sprachkenntnisse nicht nur ihrer Herkunftssprache, sondern auch der deutschen Sprache verfügen. Nur so können sie eine Brücke zwischen den Kulturen bilden. Personen, die ihre Herkunftskultur oder die deutsche ablehnen kommen für diese Aufgabe nicht in Frage. Die meisten Schulungsteilnehmer wollten die Möglichkeit nutzen, sich weiterzubilden oder ihre beruflichen Chancen zu erhöhen. Drei Viertel der Mediatorengruppe bestehen aus Frauen. Zwischen November 2003 und Dezember 2005 wurden Schulungen im Umfang von jeweils 40 Std. in Hannover, Hildesheim, Münster, Bielefeld, München, Frankfurt, Hamburg, Duisburg und Essen angeboten. 18

19 Vermittelt werden theoretische und methodische Kenntnisse. Hierzu wird ein mehrsprachiger Gesundheitswegweiser für MigrantInnen entwickelt, der Informationen zum Aufbau und zu Angeboten des Gesundheitswesens, zu gesunden Lebensweisen und zu ausgewählten Themen von Gesundheit und Krankheit enthält. Die geschulten Gesundheitsmediatoren führen im Anschluss an die Schulung mehrsprachige Informationsveranstaltungen zum deutschen Gesundheitswesen durch. Vom Projekt profitieren zunächst einmal die Migrantinnen und Migranten, die an den Schulungen teilgenommen haben. Sie konnten ihre Kompetenzen erheblich ausbauen. Sie sind nun sozusagen das personifizierte Gesundheitsgewissen ihrer Landsleute. Natürlich profitieren davon auch die Migrantinnen und Migranten, die die Aufklärungsveranstaltungen besuchen, denn sie sind die ersten Migranten in Deutschland, denen eine ausführliche Information über das deutsche Gesundheitswesen zuteil wird. Am meisten profitieren jedoch die Städte und Kommunen, die an dem Projekt teilnehmen. Sie haben dort von nun an Migranten, die in Gesundheitsfragen gut ausgebildet sind und die in Zukunft eine Brücke zwischen ihren Landsleuten und den Institutionen des Sozial- und Gesundheitswesens bilden können. Auch für die Krankenkassen eröffnen sich völlig neue Perspektiven der Gesundheitsförderung. Durch Mediatoren werden Migranten erreichbar und die Krankenkassen haben so die Möglichkeit gezielte Maßnahmen für diese Versichertengruppe umzusetzen. In Zukunft werden sicherlich die Barrieren zwischen Gesundheitsdiensten und Sozial- und Integrationsinstitutionen weiter sinken, wenn es um Gesundheitsförderung für Migranten geht. Denn die Zusammenarbeit zwischen diesen Instanzen macht Gesundheitsförderung für diese Gruppe erst möglich. In den Projektstädten zeichnet sich bereits eine solche verstärkte Zusammenarbeit ab. Schlussbetrachtungen Insgesamt bleibt jedoch festzustellen, dass hier angesprochene Möglichkeiten häufig nur sehr schwer in die Praxis umgesetzt werden können. Ein Faktor ist sicherlich das mangelnde Problembewusstsein in der Politik und bei den Kostenträgern. Verstärkt bilden Kostenaspekte und nicht Qualität, Effizienz und Chancengleichheit, die Ausgangslage von Entscheidungsprozessen. Einigkeit besteht meistens darin, dass alles besser werden soll, dass Migranten in ihrer Gesundheit gefördert und gesichert werden sollen, dass Dolmetscher verstärkt eingesetzt werden müssen damit Regelangebote auch für sie zugänglicher werden können, dass kulturelle Kompetenzen auf Seiten der Fachprofessionen durch Fort- und Weiterbildung aufgebaut werden müssen etc. Zugleich besteht jedoch paradoxerweise auch Einigkeit darüber, dass keine zusätzlichen Kosten, kein zusätzlicher Zeitaufwand und keine zusätzlichen Verantwortlichkeiten die Folge sein dürfen. Das Grundproblem scheint also nicht so sehr darin zu liegen, die Versorgungsbarrieren zu lokalisieren und entsprechende Konzepte zu ihrer Beseitigung zu entwickeln, sondern darin, wer die Verantwortung übernimmt, Vertrauen schafft, komplexe Veränderungen moderiert, beteiligte Institutionen vernetzt, Brücken zu den Migranten baut und wer für die notwendige finanzielle Grundlage sorgt. Das Ethnomedizinische Zentrum hat mit seinen interkulturellen Präventionsprojekten, welche oben beschrieben wurden, einen Ansatz entwickelt, beschriebenes Grundproblem anzugehen, Vertrauen zu schaffen, Verantwortlichkeiten zu bestimmen und Brücken zwischen den Einrichtungen des Gesundheitswesens und den MigrantInnen zu bauen. 19

20 I.3 Abschlussrunde mit den ExpertInnen Tagesordnung Begrüßung durch den Projektleiter DSA Nibaldo Vargas Präsentation der Dokumentation des Projekts von Mag. Eberhard Siegl Diskussion Präsentation der Dokumentation und der Evaluation des Projekts Mag. Siegl stellt den aktuellen Stand der Projektdokumentation vor. Ergänzt wird die Präsentation um die wichtigsten Ergebnisse einer Befragung der TeilnehmerInnen der einzelnen Veranstaltungen. Zweck dieser Evaluation ist es, den ExpertInnen ein besseres Verständnis der Einstellung der türkischen MigrantInnen zu ihrer Gesundheit aber auch zum österreichischen Gesundheitssystem zu ermöglichen. Die detaillierten Ergebnisse der Befragung (der Fragebogen ist im Anhang abgedruckt) werden nun im Folgenden näher erörtert. Im ersten Abschnitt wird die Auswertung des ExpertInnenfragebogens (n= 18) behandelt, es folgt die Befragung der BesucherInnen der Veranstaltungen (n= 34). Die Schlussfolgerungen aus den einzelnen Antworten werden am Ende noch einmal übersichtlich aufgelistet. Die Befragung erhebt wegen der kleinen absoluten Zahl der Befragten insbesondere bei den ExpertInnen keinen Anspruch auf Validität, sondern sie soll ein Bild von der Einstellung der in Salzburg mit dem Thema Befassten bzw. vom Thema Betroffenen geben. 20

21 I.4 ExpertInnenbefragung Auf die Frage, ob es einen Unterschied zwischen der türkischen und der österreichischen Medizin gebe, fiel die Antwort eindeutig für einen Unterschied aus.da die Frage mit einer offenen Frage nach den Gründen für diese Ansicht kombiniert war, lässt sich dieses Ergebnis präzisieren. So meinten etwa einige, dass die türkische Medizin praxisorientierter sei, die Person im Vordergrund stehe, und dass sie grundsätzlich ganzheitlicher angelegt sei. Andere wiederum führten an, dass es einfach eine unterschiedliche Sozialisation und unterschiedliche Systeme gebe, in denen sich die PatientInnen befinden. In manchen Antworten wurde auf die fehlende Information über die türkische Medizin verwiesen, daher war Gibt es einen Unterschied zwischen türkischer und österreichischen Medizin? es für die Befragten nicht möglich, eine sinnvolle Antwort zu geben. Vor allem der letzte Aspekt verdient m. E. Aufmerksamkeit, da es für ein Verständnis des Anderen zuerst einmal ausreichend Information gibt. Die Eigenheiten der türkischen Medizin sind des öfteren bei den Diskussionsteilen der Veranstaltungen thematisiert worden, und schon dort war klar, dass die Unterschiede gravierend sind. Wir gelangen daher zu folgendem Fazit: Ja Nein Um die Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Besonderheiten des türkischen Medizinsystems im Vergleich zum österreichischen System besser verstehen und auch einordnen zu können, bedarf es einer ausreichenden Information über dieses System. Ein anderes nennenswertes Ergebnis betraf die Frage nach den Ressourcen und Belastungen der türkischen MigrantInnen. Dieser Themenkomplex wurde zweigeteilt. Einmal wurde geschlossen nach mehreren möglichen Belastungsfaktoren gefragt, um der Vollständigkeit Genüge zu tun, wurde ein offener Teil mit der Frage nach etwaigen sonstigen Belastungen eingebaut. Welchen Belastungen sind Ihrer Meinungnach die türkischen MigrantInnen ausgesetzt? Traumata Stress Isolation Sonstiges vor In ihren Antworten waren sich die ExpertInnen einig, dass allem zwei Faktoren, nämlich Stress und Isolation die größten Belastungen für die türkischen MigrantInnen darstellen. Traumata wurden eher selten genannt, dies wahrscheinlich vor allem deswegen, weil die Türkei ja kein Kriegsgebiet ist. Unter Sonstiges wurde am häufigsten Depression als Belastungsfaktor genannt. Da Depression als Krankheit sehr oft nicht erkannt wird, erscheint es uns daher wichtig, diese Erkrankung den türkischen MigrantInnen besser zu erklären. Als weitere Belastungen wurden Gewalt, psychische Probleme, fehlendes Identitätsbewusstsein sowie Verunsicherungen angeführt. Unser Fazit aus der Frage nach den Belastungen betrifft den Belastungsfaktor Depression. Wir möchten unseren Vorschlag nach einer Thematisierung der Krankheit Depression bei den türkischen MigrantInnen mit dem schwachen Besuch des Vortrags in Hallein unterstreichen. 1 1 Es kamen nur drei BesucherInnen. Obwohl für manche diese Veranstaltung als gescheitert und nicht durchgeführt erscheint, half sie uns zu erkennen, wie es um die Einstellung der türkischen Gemeinschaft in Hallein zur seelischen Gesundheit bestellt ist, vor allem vor dem Hintergrund, dass gerade in Hallein die Veranstaltungen intensiv beworben wurden und andere Veranstaltungen wie z.b. der Abend zum Thema Männergesundheit sehr gut besucht waren. 21

22 Für die ExpertInnen stellt Depression einen wesentlichen Belastungsfaktor für die türkischen MigrantInnen dar. Es ist daher wichtig, der türkischen Gemeinschaft das Krankheitsbild der Depression gut zu erklären und vor allem auf die Behandlungsmethoden hinzuweisen. Auf die Frage nach den Ressourcen waren sich die ExpertInnen einig, dass an oberster Stelle die Familie steht. Weitere Ressourcen waren (in der Reihenfolge der Häufigkeit der Nennungen): psychologische Beratung, Therapie in Muttersprache, Information/Aufklärung, das soziale Umfeld und am Schluss die Ausbildung. Da die Familie offenbar die wichtigste Kraftquelle darstellt, mit der Belastungen gut überstanden werden können, empfiehlt es sich, künftig bei die Gesundheitsvorsorge betreffenden Interventionen stärker das familiäre Umfeld mitzubedenken. Wenn Maßnahmen für die Gesundheitsvorsorge bei den türkischen MigrantInnen ergriffen werden, empfiehlt es sich, die Familie als möglichen Adressaten mit einzuplanen. So könnten z.b. analog zu den Deutschkursen direkt in den Familien türkischer MigrantInnen (Modell des Vereins Kristall in Hallein) auch Informations- und Diskussionsveranstaltungen zum Thema Depression abgehalten werden. I.5 Befragung der BesucherInnen der Veranstaltungen Der Vortrag hat 91% gut gefallen, 6% eher schon und 3% mittel. Sehr interessant fanden ihn 76%, eher interessant 18% und mittelmäßig interessant 6%. Die Verständlichkeit des Vortrags war für 70% sehr gut, für 21 eher gut und für 9% mittel. Auch die BesucherInnen der Veranstaltungen wurden gefragt, ob es für sie Unterschiede zwischen der türkischen und der österreichischen Medizin gebe und in Kombination damit ob für sie die türkische Medizin besser sei als die österreichische. Gibt es für Sie Unterschiede zwischen der türkischen und der österreichischen Medizin? Ja Nein Was die Auffassung von den Unterschieden zwischen den beiden Medizinsystemen betrifft, sind sich die türkischen MigrantInnen mit den ExpertInnen einig, beide Gruppen sehen Unterschiede. Bei der Frage, ob es qualitative Unterschiede gibt, sieht das Bild anders aus, die Einschätzungen halten sich die Waage rund die Hälfte antwortete mit viel besser oder besser, die andere Hälfte mit kein Unterschied. Es wäre interessant, zu untersuchen, was hinter der qualitativen Bewertung steckt, sei es konkrete Erfahrung, Nationalstolz oder ganz andere Gründe. Eine qualitative Befragung in Form von Tiefeninterviews wäre der erste Schritt, um diesen Zusammenhang besser aufzudecken. Spannend wäre auch, ob die Antworten in einem signifikanten Zusammenhang mit dem Geschlecht steht. So eindeutig wie die Feststellung, dass es Unterschiede zwischen den Medizinsystemen gibt, ist die Frage der qualitativen Bewertung nicht zu beurteilen. 22

23 Ist für Sie die türkische Medizin besser als die österreichische? Viel besser besser kein Unterschied Die qualitative Einschätzung der Medizinsysteme vonseiten der türkischen MigrantInnen bedarf einer tiefergehenden Erforschung, um Gesundheits- Vorsorgemaßnahmen besser planen zu können. Am eindeutigsten fällt die Antwort der Befragten aus, wenn sie die Wahl zwischen einem türkischen und einem österreichischen Arzt hätten. Bis auf wenige Ausnahmen würde sich die Mehrheit für einen türkischen Arzt entscheiden. Fraglich ist, welche Gründe hinter dieser Wahl stecken. Ein wichtiger Grund ist sicher die Sprache, ein anderer der gemeinsame kulturelle Hintergrund. Ob diese zwei Gründe den Ausschlag geben oder ob es vielleicht doch andere Gründe sind, bedarf ebenfalls einer intensiveren wissenschaftlichen Erforschung. Die qualitative Einschätzung der Medizinsysteme vonseiten der türkischen MigrantInnen bedarf einer tiefergehenden Erforschung, um Gesundheits-Vorsorgemaßnahmen besser planen zu können. Wenn Sie die Wahl hätten - Würden Sie eher einen türkischen Arzt aufsuchen oder einen österreichischen? Türkischen Arzt Österreichischen Arzt Die Bevorzugung eines türkischen Mediziners hat sicher wichtige Gründe, deren Kenntnis für die erfolgreiche Planung eines Gesundheits-Vorsorgeprojekts für türkische MigrantInnen förderlich ist. Vor allem wäre zu überprüfen, welche Rolle die zwei Faktoren Sprache und gemeinsamer kultureller Hintergrund dabei spielen. I.6 Zusammenfassung der Schlussfolgerungen Um die Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Besonderheiten des türkischen Medizinsystems im Vergleich zum österreichischen System besser verstehen und auch einordnen zu können, bedarf es einer ausreichenden Information über dieses System. Für die ExpertInnen stellt Depression einen wesentlichen Belastungsfaktor für die türkischen MigrantInnen dar. Es ist daher wichtig, der türkischen Gemeinschaft das Krankheitsbild der Depression gut zu erklären und vor allem auf die Behandlungsmethoden hinzuweisen. Wenn Maßnahmen für die Gesundheitsvorsorge bei den türkischen MigrantInnen ergriffen werden, empfiehlt es sich, die Familie als möglichen Adressaten mit einzuplanen. So könnten z.b. analog zu den Deutschkursen direkt in den Familien türkischer MigrantInnen (Modell des Vereins Kristall in Hallein) auch Informations- und Diskussionsveranstaltungen zum Thema Depression abgehalten werden. Die qualitative Einschätzung der Medizinsysteme vonseiten der türkischen MigrantInnen bedarf einer tiefergehenden Erforschung, um Gesundheits-Vorsorge-maßnahmen besser planen zu können. Die Bevorzugung eines türkischen Mediziners hat sicher wichtige Gründe, deren Kenntnis für die erfolgreiche Planung eines Gesundheits-Vorsorgeprojekts für türkische MigrantInnen förderlich ist. Vor allem wäre zu überprüfen, welche Rolle die zwei Faktoren Sprache und gemeinsamer kultureller Hintergrund dabei spielen. 23

24 I.7 Diskussion Frage, wie die Bewerbung der Veranstaltung in Hallein, wo so wenig Besucher waren, gestaltet wurde. Projektleiter Vargas weist darauf hin, dass gerade in Hallein sehr intensiv beworben wurde. Es gab eine enge Kooperation mit dem Verein Kristall, der bei den türkischen MigrantInnen anerkannt ist. Zudem gab es für diese Veranstaltung wie auch für alle anderen eine massive Unterstützung des türkischen Konsulats (Aussendung der Information über die Veranstaltungsreihe an einen breiten Adressenpool), und Aushang an verschiedenen Einrichtungen in Hallein (Arztpraxen etc.). Vargas weist darauf hin, dass Fr. Serpil Özsoy in ihrem Vortrag über das Frauengesundheitszentrum F.E.M. Süd von Vortragsreihen für türkische Migrantinnen berichtete, die über ein halbes Jahr lang nicht angenommen wurden. Der Vertrauensaufbau und die Verankerung in der türkischen Gemeinschaft benötigen offenbar einen langen Atem und damit verbunden natürlich die Bereitschaft, die dafür benötigten finanziellen Mittel bereitzustellen. Die schlecht besuchte Veranstaltung in Hallein lässt zudem rückwirkend den Schluss zu, dass sowohl zeitliche als auch örtliche Faktoren die TeilnehmerInnenanzahl mit beeinflusst haben. In Hallein fand die Veranstaltung Samstag vormittags statt, und zwar in den Räumlichkeiten der Volksschule, während sie in Salzburg gutbesucht in den Räumlichkeiten des Vereins VIELE stattfand, einem Verein, der seit über 15 Jahren auf Erfahrungen in der Arbeit mit MigrantInnen vornehmlich aus der Türkei zurückgreifen kann. Frage an Ramazan Salman nach den Anforderungen an die Dolmetscher. Salman zählt folgende Punkte auf: o Das schwierigste ist, Neutralität herzustellen, ohne Schulung ergreifen die Dolmetscher oft Partei für die Patienten. o Weiter dient die Ausbildung dazu, die Grenzen der Dolmetschtätigkeit klar aufzuzeigen. o Auch die Sachkenntnis ist wichtig o Die Dolmetscher dürfen privat keine Kontakte zu den KlientInnen haben. Gerade der letzte Punkt wird aufgegriffen: Salzburg sei sehr klein, es bestehe oft die Gefahr, einen Dolmetsch zu erwischen, der vorher schon mit den Klienten arbeitete (Asylverfahren, Sozialamt), sagt ein Experte. Ramazan Salman wird nach der Finanzierung seines Ethnomedizinischen Zentrums gefragt. Salman: Die Grundfinanzierung wird über die Hessische Landesregierung und über die Stadtverwaltung von Hannover gesichert. Darüber hinaus werden Schulungen, Kampagnen und Evaluationen im Dreierpack an Institutionen, vor allem an Krankenkassen verkauft. Frage zum Ausbildungskonzept des Ethnomedizinischen Zentrums: Was geschieht mit den ausgebildeten MediatorInnen? Salman: Es gibt Beschäftigungszusagen über einen längeren Zeitraum, vor allem deswegen, weil auch die öffentlichen Kommunen als Garanten für die längerfristige Finanzierung auftreten. Frage eines Experten an Fr. Zeisberger von der GKK: Wie steht die GKK zur Prävention? Antwort: Die GKK Salzburg fördert Pilotprojekte, es stehen aber über das Gesundheitsinformationszentrum ExpertInnen zur Verfügung, die vor allem ganzheitliche Prävention leisten. Die GKK zahlt aber auch DiabetikerInnenberatung und Adipositatsprojekte. Gerade in diesem Bereich schätzt Fr. Zeisberger die Dunkelziffer unter den MigrantInnen besonders hoch. 24

25 Ramazan Salmann ortet viele kleine Projekte für MigrantInnen in Österreich, seiner Meinung nach fehlt jedoch ein Zentrum, in dem alles zusammenläuft. Seiner Schätzung nach sind 2 volle Stellen dafür nötig. Es ist wichtig, dass es nicht nur Projektförderung, sondern auch Strukturförderung gibt. Frage nach der Kooperation GeNeM - Stadt. Projektleiter Nibaldo Vargas berichtet, dass für beide ExpertInnentreffen an die Stadt explizit Einladungen gingen, leider wurden sie von Seiten der Stadt nicht wahrgenommen. Dazu Ramazan Salman: Offenbar ist eine andere Strategie nötig, um die Stadt einzubinden. Projektleiter Vargas ergänzt: Die Kommunikationswege funktionieren offenbar in der Stadtregierung nicht sehr gut, es muss etwas anderes entwickelt werden. Konkret zur Arzt-Patientenkommunikation eine Meldung, dass eine Befundbesprechung in türkischer Sprache für die MigrantInnen wichtig wäre. Projektleiter Vargas berichtet von einer Zusage von Landeshauptfrau Burgstaller, Gesundheitsprojekte für MigrantInnen weiter zu finanzieren. Dazu Ramazan Salman: Es wäre sinnvoll, die Veranstaltungen bis zum Aufbau einer Struktur in den Räumlichkeiten der jeweiligen geldgebenden Institution abzuhalten. Dazu der Einwurf einer Expertin, dass es wohl am besten sei, die Informationsveranstaltungen besser in den Landeskliniken als in der GKK abzuhalten, weil die PatientInnen eher in die Landeskliniken gehen. Ein anderer Experte vertritt die Meinung, dass es wichtig ist, die Reputation aufzubauen, dies müsste sowohl bei der GKK als auch bei den Landeskliniken geschehen. Es müsste jedoch allen Beteiligten klar sein, dass, wie schon öfter erwähnt, ein langer Atem dafür nötig ist. Eine Frau berichtet, dass sie sehr oft türkischen MigrantInnen hilft, Formulare auszufüllen, sie macht das sogar öfter in der Freizeit. Die GKK gibt jedoch schon Formulare und Fragebögen in vielen Sprachen aus. Es ist eventuell sogar an eine personelle Aufstockung gedacht. Ein Experte zum Sprachenproblem: Die Befundbesprechung ist eine wichtige Aufgabe des Arztes. Die Ärztekammer muss in die Pflicht genommen werden, denn schlecht informierte PatientInnen werden leichter wieder krank, dies ist auch ein bedeutender Kostenfaktor. Dazu ein anderer Experte: Die Ärztekammer ist sicher für ein solches Anliegen zu gewinnen. Frage eines Experten zu einem konkreten Problem: Die Befundbesprechung auf russisch wäre in Salzburg sicher ein wichtiges und stark nachgefragtes Angebot, nur, wer soll das machen? Sein Vorschlag ist, dass dies eine Fachärztin machen sollte, die sowohl russisch als auch deutsch spricht. Es entsteht eine Diskussion darüber, ob türkische Frauen zu Frauenärzten gehen. In Hallein, so eine Expertin, sei dies sicher nicht der Fall, die Frauen gehen eher in der Türkei zum Arzt. Projektleiter Vargas: Er wollte unbedingt die Ärztekammer und die Apothekerkammer einbinden. Er hofft, dass die Vorträge weitergehen, aber dazu müsste die Zusage des Landes kommen, das Projekt weiter zu finanzieren. Der Verein Kristall bietet an, monatlich Vorträge in seinen Räumen abzuhalten, Frau Zeisberger von der GKK bietet an, die Möglichkeiten des Gesundheitsinformationszentrums zu nutzen. Nibaldo Vargas gibt das Projekt mit dieser Schlussrunde ab, er schlägt jedoch vor, dass es von der Projektmitarbeiterin Mag. Erika Preisel in Salzburg weitergeführt wird. 25

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27 II. VERANSTALTUNGEN FÜR MIGRANTINNEN ZUR GESUNDHEITSFÖRDERUNG 27

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29 II.1 Veranstaltung Männergesundheit Referent: Dr. Kaan Akmanlar Inhalt Der Begriff Gesundheit Ernährungsempfehlungen, Ernährungspyramide Adipositas, Body Mass Index Folgekrankheiten der Adipositas Abnehmen Gewicht halten Bewegung ist Medizin Nutzen - welche Arten der Bewegung sind gesund Männergesundheit Prostata, Krebs Rauchen Gesundheitseinrichtungen in der Stadt Vortrag in Salzburg Ort: VeBBAS Salzburg, Datum: 30. Juni 2005, , 10 TN Besprochene Themen in der Diskussion - In türkische Vereine Gesundheitsthemen hineintragen, auch in die Moscheen - Body Mass Index (BMI) und die Relevanz für den Alltag - Frage, ob man tatsächlich 150mg Aspirin pro Tag schlucken soll, um Herzkrankheiten vorzubeugen - Berechnung des persönlichen BMI 29

30 - Relevanz von Yoga und Aikido für die Gesundheit - Thema Prostatavergrößerung - Krebsvorbeugung durch Gastroskopie - Rauchen und Herzschäden - Ernährungspyramide - Möglichkeiten, die Ernährungsgewohnheiten zu ändern - Unterschiede zwischen österreichischem und türkischem Gesundheitssystem Zusammenfassung des Vortrags mit der anschließenden Diskussion Der Vortrag war geprägt von einem sehr starken Interesse an den Männergesundheitsthemen, wie sie von Dr. Akmanlar präsentiert wurden. Unterstützt wurde er durch den eher intimem Rahmen, in dem der Vortrag stattfand (Vortragsraum für eine maximale Gruppengröße von 20 Personen), die Teilnehmer saßen im Sesselkreis um den Referenten. Der Vortrag selbst und auch die anschließende Fragestunde wurden auf türkisch gehalten, Dr. Akmanlar übersetzte die Fragen für die Protokollierung ins Deutsche. Die Fragen während des Vortrags waren reine Verständnisfragen. Besonderes Interesse erregte der Body Mass Index, dies war auch in der anschließenden Diskussion das erste Thema: Alle Teilnehmer wollten sich ihren persönlichen BMI ausrechnen lassen. In weiterer Folge entwickelte sich die Diskussion dergestalt, dass jeweils von einem Teilnehmer eine Frage eingeworfen wurde und diese in weiterer Folge von allen näher erörtert wurde. Besonderes Interesse erregten die Fragenblöcke Ernährung und Unterschiede zwischen österreichischem und türkischen Gesundheitssystem : Ernährung: Sämtliche Teilnehmer bestätigten, dass sie ab dem ersten Tag in Österreich ihre Ernährung umstellten. Viele von ihnen gingen anfangs sehr oft zum Kebabstand. Die dort zubereiteten Kebabs entsprachen jedoch hinsichtlich ihrer Qualität und Zusammensetzung nicht den gewohnten Standards in der Türkei, wo das Fleisch ausschließlich über Holzkohle gegrillt wird, während hierzulande der Elektrogrill verwendet wird. Zudem wurde festgestellt, dass in Österreich Fleisch sehr billig ist, in der Türkei ist Fleisch viel teurer und seltener, aber nach Meinung der Anwesenden qualitätsvoller. Viele aßen vor ihrem Umzug nach Österreich viel mehr Gemüse und Obst. Die Teilnehmer wiesen auch auf das umständliche Einkaufen in den Supermärkten hin, wo man für einen einzigen Apfel durchs ganze Geschäft laufen muss. In der Türkei sei dies besser, da es sehr viele Marktstände für einen schnellen Apfel zwischendurch gebe. Unterschiede zwischen österreichischem und türkischen Gesundheitssystem: Zwei konkrete Unterschiede zu Österreich wurden herausgearbeitet: a) In den türkischen Großstädten ist es viel einfacher, sich sportlich zu betätigen, weil es nahezu an jeder Ecke kleine Sportplätze, Fußballplätze oder einfach nur einen Basketball gebe. Die türkischen Männer 30

31 trafen sich nach eigener Angabe auch sehr oft und spontan, um miteinander zu spielen. Dies sei in Österreich kaum mehr möglich. b) In der Türkei gibt es Gesundheitshäuser, in denen Impfungen, Aidstests und die ambulante Erstversorgung bei Unfällen durchgeführt werden. Die wichtigsten epidemiologischen Aktionen in der Türkei waren Mutter-Kind-Projekte, und Impfaktionen gegen Pocken, Polio und Malaria. Vortrag in Hallein Ort: Moschee Hallein, Datum: 1. Juli 2005, , 32 TN Besprochene Themen in der Diskussion: - Übergewicht -Herzklappenfehler und Behandlungs- methoden - Allgemein: Was kann man gegen Krankheiten tun - Diabetes - Wie kann man am besten gesunde Bewegung ausüben? - Warum sinkt der Blutzuckerspiegel nach dem Essen? - Wenn man zu verschiedenen Ärzten geht, gibt es gleich verschiedene Empfehlungen Warum? - Gesunde Ernährung -Prostata: Vorsorge, Funktion, Behandlung Zusammenfassung des Vortrags mit der anschließenden Diskussion Der Vortragssaal in der Moschee glich im Unterschied zum Raum in Salzburg eher einem Unterrichtssaal. Dementsprechend saßen die Teilnehmer wie in einer Schule hinter Bänken, im Laufe des Vortrags jedoch bildete sich vorne ein angedeuteter Sesselkreis, in dem Maße, wie es die Räumlichkeit zuließ (eher frontale Sitzordnung, jedoch keine Pulte mehr zwischen Referent und Publikum). Während des Vortrags wurden hauptsächlich Verständnisfragen gestellt, danach kamen ganz klare und konkrete Fragen zu bestimmten 31

32 medizinischen Themen. Der Charakter der anschließenden Diskussion war einer medizinischen Fragestunde ähnlich, sehr oft waren die Fragenden oder sehr nahe Angehörige selbst von einer Krankheit betroffen. Im Prinzip war jedoch ein sehr hohes Interesse am Vortrag selbst und auch an den nachfolgenden Fragen festzustellen, wenngleich sich keine Diskussion untereinander ergab und sich die Themen der Fragen eher auf eine faktenbezogene, medizinische Beantwortung konzentrierten. II.2 Unterschiede, Gemeinsamkeiten und weitere Implikationen Der herausragende Unterschied zwischen den Vorträgen in Salzburg und Hallein ist wohl der Charakter der nachfolgenden Diskussion. Der intimere Rahmen in Salzburg ermöglichte es den Veranstaltern besser, auf die Bedürfnisse der Teilnehmer hinsichtlich ihrer Gewohnheiten aus ihrer alten Heimat einzugehen. Die Partizipation am Diskussionsgeschehen war höher, der Austausch untereinander offener, die Fragestellung eher qualitativer Natur und nicht faktenbezogen wie in Hallein. In Hallein konnte ein sehr großer Nachholbedarf an türkischsprachigen medizinischen Fragestunden festgestellt werden, nach dem Motto: Was Sie immer schon über Ihren Körper und die Medizin wissen wollten, aber nie zu fragen wagten. Vor allem war den Teilnehmern in beiden Veranstaltungen wichtig, über die Möglichkeiten der Gesundheitsvorsorge Informationen zu bekommen. Unserer Meinung nach brauchen türkische Migranten einen Raum für ihre Fragen zur Gesundheitsvorsorge. Prinzipiell führt uns dies zu folgenden weiteren Implikationen: 1.Vonseiten der türkischen Migrantengibt es ein intensives Interessean Fragen vor allem zur Gesundheitsvorsorge, zu ihrem Körper und zur Medizin generell. 2.Die zwei unterschiedlichen Settings zeigten auch, dass es unter den türkischen Migranten auch unterschiedliche Bedürfnisse gibt. Der intimere Rahmen in Salzburg zeigte den Wunsch nach einem Austausch untereinander, einer tiefergehenden Erörterung bestimmter Fragen vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus der alten Heimat in Kombination mit der Anwesenheit eines versierten türkisch- sprachigen Arztes. Der eher schulische Rahmen in Hallein bewies ein massives Interesse an türkischsprachigen Fragestunden zur Gesundheitsvorsorge und Medizin generell. Als übertragbares Modell der Gesundheitsvorsorge von der Türkei nach Österreich erscheint uns die Errichtung von kleinen, vielfach vorhandenen und spontan benutzbaren Sportplätze 32

33 II.3 Veranstaltung Frauengesundheit Referentin: Dr. Yüksel Yücel Anmerkung: Die teilnehmende Beobachtung wurde von Mag a Erika Preisel durchgeführt. Inhalt -Allgemeine gynäkologische Beratung bzw. routinemäßige gynäkologische Kontrolle -Verhütungsmethoden -Früherkennung und Therapiemöglichkeiten bei gynäkologischen Problemen -Vorgehen bei Kinderwunsch -Behandlungsmethoden, Wechselbeschwerden und Therapie bei Osteoporose -Vorgehen bei Brustuntersuchungen (Brustkrebs - Früherkennung und Therapie) Vortrag in Salzburg Ort: Verein Viele, Datum: 30. September 2005, , 20 TN Besprochene Themen: - gynäkologische Routinekontrolle - Krebs und Vorsorge - Ernährung und Sport - Brustkrebs, Therapie, Nachsorge - Verhütungsmethoden - gynäkologische Tumore (gutartige Tumore) - Schilddrüsenfunktionen - Diabetes mellitus, Komplikationen - Sterilität, Kinderwunsch Zusammenfassung des Vortrags mit der anschließenden Diskussion: Der Geräuschpegel war angesichts der vielen Kinder sehr lebendig, ließ sich jedoch problemlos von Zeit zu Zeit wieder zurückschrauben. Die Teilnehmerinnen selbst waren diszipliniert, jede hatte an allen 33

34 aufgekommenen Fragen bzw. Themen Interesse. Aufmerksamkeit und ausreichend Zeit war selbstverständlich für jede, die am Wort war. Vortrag und Diskussion ließen sich kaum voneinander trennen. Nach einer kurzen Einführung der Referentin zu gynäkologischen Routinekontrollen nahm das Gespräch seinen eigenen Lauf. Die Teilnehmerinnen stellten konkrete Fragen, Verständnisfragen und eigene Anliegen gleichermaßen. Zum Teil wurden auch ganz grundsätzliche Fehlinformationen bzw. Missverständnisse aufgeklärt (etwa bei der Frage, wie man den Zeitpunkt des Eisprungs feststellen kann). Sehr interessiert waren die Frauen außerdem an zur Verfügung stehenden Anlaufstellen und Ansprechpartnern für medizinische Fragen. Am Freitag Abend waren sehr viele Kinder dabei, am Samstag Vormittag kamen nur wenige Frauen obwohl viele davor persönlich ihre Teilnahme zugesagt hatten. Am Samstag sind die Kinder und die Männer daheim, am Morgen wird zuerst eingekauft und dann gekocht, es ist also nicht wirklich Zeit, um außer Haus zu gehen. Am einfachsten ginge es für die Frauen während der Woche am Vormittag. Vortrag in Hallein Ort: Volksschule Hallein-Stadt, 1. Oktober 2005, Uhr, 4 TN Zusammenfassung des Vortrags mit der anschließenden Diskussion: Aufgrund der kleinen Gruppe hatte jede Frau genügend Zeit und Ruhe zur Erörterung ihrer Fragen. Der Ablauf war ähnlich wie tags davor. Alle Frauen beteiligten sich am Gespräch, wieder war die Stimmung zwischen der Referentin und den Türkinnen aus Hallein unbefangen und offen. Besprochene Themen: Auch diese deckten sich mit denen des Vortages, zusätzlich wurden Fragen gestellt zu: - Menstruationsbeschwerden - Inkontinenz - Roaming in Stichworte, die ich ohne Türkischkenntnisse heraus gehört habe: Überweisung, Rezeptgebühr, Myom, Polyp, Zyste, Thrombose, Hormonpflaster, Pille, Nuklearmedizin Schilddrüsenambulanz, Kompletthormonstatus, Ovulationsmonitoring-Test, Röteln, Vorsorgeuntersuchung 34

35 Diabetes, Schilddrüse, Hämorrhoiden, Mammographie, Krebsabstrich, Melanome und Warzen Sprache: Die Referentin lehnte die Übersetzung von türkisch auf deutsch während des Gesprächs ab. Es war auch von Anfang an klar, dass dies den offenen Gesprächsverlauf nur behindert und gestört hätte. Gerade die Möglichkeit sehr persönliche und intime gynäkologische Fragen mit einer Expertin in der Muttersprache zu erörtern nutzte die Frauenrunde zu einem angeregten Austausch. verteilte Broschüren: Ernährungspyramide (türkisch/deutsch und bebildert, FEM Süd) Anleitung zur Brust-Selbstuntersuchung (nur deutsch, Einladung zum 5. Brust-Gesundheitstag, , Wien (Goldenes Kreuz Privatklinik) GENEM Kurzinformationsfolder für die türkische Gemeinschaft im Bundesland Salzburg (türkisch, AVOS Arbeitskreis Vorsorgemedizin Salzburg) aktuelle Veranstaltungshinweise Fragebogen zur Beurteilung des Vortrags und zur Einstellung zu Gesundheit und ärztlicher Versorgung in Österreich aus türkischer Sicht (türkisch) II.4 Unterschiede, Gemeinsamkeiten und weitere Implikationen Der unbefangene, beinahe freundschaftliche Umgang zwischen Dr. Yüksel Yücel und den der Einladung gefolgten Türkinnen hatte einige gute Voraussetzungen: - die Frauen im Alter von ca. 25 und 50 Jahren waren unter sich - es konnte in der Muttersprache gefragt, beraten und erklärt werden - Themen aus der Gynäkologie stehen im sehr persönlichen Interesse der Frauen - die Referentin ermöglichte einen familiären Zugang durch ihre freundliche, kompetente Vorgangsweise Ausnahmslos alle Personen beteiligten sich am Gespräch - Interesse, Engagement und Aufmerksamkeit waren groß. Es gab keine Leerläufe, die zur Verfügung stehende Zeit wurde voll ausgenützt es hätte gut und gerne länger dauern können! Die Referentin dürfte die einzige, türkische Gynäkologin in Österreich sein. Ihr ist der dringende Bedarf für hier lebende Türkinnen bewusst. Sie weiß, dass diese für einen Arztbesuch lieber nach Hause fliegen bevor sie zu einem österreichischen, meist männlichen Gynäkologen gehen, der ihre Sprache nicht versteht. In ihrem Vortrag bemüht sie sich und sie hat dabei Routine zu Beginn die Wichtigkeit der Vorsorgeuntersuchungen zu vermitteln, dabei demonstriert sie auch wie man die 35

36 Brust selbst untersuchen kann und wie man die Schilddrüse abtastet. Das aktive Interesse der Frauen am Thema zeigte sich im Wunsch der Besucherinnen, schon während des Vortrags konkret untersucht zu werden. In Hallein meldete sich etwa eine ältere Frau wegen einer ungewöhnlichen Veränderung an ihrer Brust, Dr. Yüksel Yücel bot ihr an, es sich anzusehen, und tat dies auch spontan im Klassenzimmer nach Rückfrage bei allen anwesenden Frauen. In Salzburg beriet die Ärztin nach ihrem Vortrag eine junge Türkin noch persönlich im angrenzenden Büro. In Hallein wird die Gelegenheit genutzt, auch auf andere medizinische Bereiche über zu leiten. So werden auch Fragen zu Melanomen, Warzen und Muttermalen gestellt. Unangenehme Beschwerden über welche man sonst ungern spricht, wie etwa im Fall von Inkontinenz, stoßen auf verständnisvolle Ohren. Roaming in ist im Halleiner Krankenhaus Standard. Allerdings ist dies von türkischen Frauen nicht unbedingt erwünscht, weder wollen alle nach der Geburt ihr Kind ständig bei sich haben, noch ist es ihnen angenehm, wenn ständig Männer und andere Familienangehörige ein- und ausgehen. Das Gespräch ging oft dahin, dass für die Durchführung medizinischer Maßnahmen außer dem Verstehen einer Sprache auch ein gemeinsames Kulturverständnis mit einbezogen werden müsse. Informationsbroschüren werden gerne mitgenommen, wirklich nützlich sind sie, wenn sie auf türkisch abgefasst sind. Die zweisprachige Ernährungspyramide kommt gut an, es wird angeregt, solche auch an Arztpraxen zu verteilen um sie dort aufzuhängen. Die türkische Ärztin überlegt von Zeit zu Zeit gemeinsam mit einer Ärztin in Salzburg zu ordinieren, was den Zugang türkischer PatientInnen zu einer Praxis erleichtern soll. In Hallein bietet sie an, mit dem ihr bekannten Vorstand des Halleiner Krankenhauses, Dr. Alexander Albrecht, Kontakt aufzunehmen um auch dort eine adäquate Behandlung ausländischer PatientInnen zu erleichtern. Dr. Yücel meint, dass oft nur ein Rezept und eine Reise in die Türkei nötig wären. Viele Türken sind hier nicht glücklich, und nach einem Urlaub in der Heimat haben sich schon so manche Beschwerden verflüchtigt. Im Anschluss an beide Veranstaltungen drücken die Teilnehmerinnen ihre große Dankbarkeit für Angebote dieser Art aus, bekräftigen wiederholt ihr Interesse gerade an medizinischen Themen. Viele der Frauen bitten Dr. Yüksel Yücel um ihre Telefonnummer. Folgendes Fazit ziehen wir aus diesen Veranstaltungen: 1. Das Interesse der Frauen an einer Gesundheitsinformation und an einer türkischsprachigen Gynäkologin ist außerordentlich groß. Es wäre überlegenswert, in Salzburg ein ständiges Angebot aufzubauen. 2. Türkische Migrantinnen müssen die Informationsangebote oftmals gemeinsam mit ihren Kindern wahrnehmen. Es sollte also entweder Raum für die Kinder oder eine Betreuung für sie mitgedacht werden. 3. Es ist für die Zielgruppe sehr wichtig, ihre Gesundheitsprobleme in türkischer Sprache zu formulieren. 4. Es gibt unter den türkischsprachigen Frauen große Informationsdefizite, die bis hin zu falschen Informationen gehen können. 36

37 II.5 Veranstaltung Migration und psychische Belastung Referentin: Dr. Sevin Cayiroglu Inhalt: - Psychotherapie und ihre Anwendungsgebiete - Grundsätzlicher Ansatz der therapeutischen Behandlung Weitere Themengebiete kamen während des Vortrags hinzu, da die Referentin ausdrücklich um das Einbringen von Themen, die die ZuhörerInnen betreffen, bat. Vortrag in Salzburg Ort: AK Salzburg, 1. Juli 2005, , 11 TN Besprochene Themen: - Seelische Belastung bei der Migration - Depression - Schlafstörungen - Mutter-Kind-Beziehung - Psychopharmaka - Psychotherapie und Sprachbarrieren - Schmerzmittel Zusammenfassung des Vortrags und der anschließenden Diskussion Die Referentin führte ihren Vortrag ausschließlich in türkischer Sprache, die Themen und Inhalte übersetzte sie mir im Groben während des Vortrags. Das Publikum war ausschließlich weiblich, dies ist ein Hinweis darauf, dass das Thema seelische Belastung offenbar für Männer nicht der Rede wert ist. Schon während des Vortrags waren die Zuhörerinnen dazu eingeladen, ihre Fragen zu stellen. Es gab kaum Verständnisfragen, die allgemeine Stimmung war sehr aufmerksam, die Fragen wurden sehr gezielt gestellt. Eine Zuhörerin fragte, ob ihre Schlafstörungen mit ihrer Tätigkeit als Reinigungskraft in der Psychiatrie 37

38 zusammenhängen könnten. Sie beschrieb die Arbeit dort als psychisch belastend, weil sie viele erschreckende psychische Erkrankungen beobachtet. Ihre Frage war, ob die Schlafstörungen nicht vielleicht auch körperliche Ursachen haben könnten. Nach diesem Einwurf wurden mehrere persönliche Fragen zur eigenen Befindlichkeit gestellt. Sehr oft wurde in diesem Zusammenhang über Depression gesprochen. Es überraschte die Zuhörerinnen, dass sich Depression durchaus zu einem Krankheitsbild entwickeln kann. Ein weiteres, intensiv diskutiertes Thema war die Bindung der Kinder an ihre Mutter, da frühkindliche Trennung bei türkischen Migrantinnen wegen des Pendelns zwischen der Türkei und Österreich ein wichtiges Thema ist. Die Fragen gingen über zu Problemen bei der Erziehung. Die Referentin wies massiv darauf hin, dass Liebe nicht damit gleichzusetzen ist, dass Kindern keine Grenzen gesetzt werden. Im Gegenteil: Kinder brauchen Grenzen und Halt. Psychopharmaka sind für türkische Frauen offenbar kein Thema, die Teilnehmerinnen nahmen nach eigenen Angaben alle keine Psychopharmaka. Nach ihrer Auskunft ist ihnen auch nicht bekannt, dass Frauen aus ihrer Umgebung Psychopharmaka nehmen. Wichtiger war die Frage der Schmerzmittel, die sehr wohl verwendet werden. Die Referentin wies darauf hin, dass wegen des Schmerzgedächtnisses eine frühe Einnahme von Schmerzmitteln bei einem beginnenden Schmerz sinnvoll sei. Psychotherapie war das nächste Thema. Es wurde festgestellt, dass die Inanspruchnahme von Psychotherapie an der Sprachbarriere scheitert. Die Referentin stellte fest, dass es in Österreich nur insgesamt fünf türkischsprachige TherapeutInnen gibt. Die Zuhörerinnen wiesen darauf hin, dass die Kosten für eine Therapie sehr hoch seien. Die Inanspruchnahme einer Therapie auf Krankenschein war ihnen nicht bekannt. Abschließend wurde über die Bereitschaft gesprochen, für die Gesundheit zu zahlen. Es wurde dabei festgestellt, dass dies in der Türkei als etwas völlig normales gesehen wird, während in Österreich die Bereitschaft sehr gering ist, weil hier das System anders aufgebaut sei. Folgendes Fazit ziehen wir aus den Veranstaltungen: 1. Dieses Thema kann sehr schwer auch für Männer attraktiv gemacht werden. 2. Als spezielle Frage tauchte sehr massiv die Beziehung zu den Kindern auf, dies ist auf die Migrationsproblematik, insbesondere auf das Pendeln zwischen der Türkei und Österreich zurückzuführen. 3. Auch in Bezug auf die Erziehung gab es enorme Informationsdefizite festzustellen. Eventuell wäre es sinnvoll, die Elternakademien auch in türkisch abzuhalten. 38

39 III. ÖFFENTLICHKEITSARBEIT und INFORMATIONSMATERIAL 39

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41 III.1 PRESSEKONFERENZ am 11. November 2005 Am 11 November 2005 fand in den Räumlichkeiten von Avos eine Pressekonferenz statt. Die TeilnehmerInnen waren Dr. Ropin (FGÖ), LHF Mag. Burgstaller, Nibaldo Vargas, Dr. Akmanlar. Es kamen Vertreter mehrerer Medien auch eine Vertreterin des Lokalen Radiosenders (ORF) nahm daran teil. Anschließend werden einige der Berichte die dazu erschienen sind wiedergegeben. 41

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43 Ärzte Woche, 20. Jahrgang Nr. 6, 2006 Medizinische Probleme von Migranten ernst nehmen Salzburger Projekt analysierte Möglichkeiten der Gesundheitsförderung Bei der Betreuung von Menschen aus anderen Ländern fällt eine Häufung nicht unbedingt notwendiger Untersuchungen auf. Außerdem bleiben Befunde oft unerklärt.. In Salzburg lief im November 2005 ein vom Fonds Gesundes Österreich und dem Land Salzburg gefördertes Projekt des Arbeitskreises für Vorsorgemedizin (AVOS). Bei GeNeM Gesundheits-vorsorgeNetz für MigrantInnen stand die Gesundheits- situation von türkischen Migranten im Mittelpunkt. Dem Projekt sollen nun Österreichweit konkrete Maßnahmen in der Gesundheitsförderung folgen. Probleme mit Verständigung Laut einer aktuellen Studie des Gesundheitsministeriums werden bei Migranten viele Untersuchungen durchgeführt, die eigentlich nicht nötig wären. Dies liegt vor allem auch an Problemen in der gegenseitigen Verständigung, was oft zu unnötig langen Aufenthalten im Spital führt. Die Schwierigkeit, differenzierte Angaben über die Symptome zu machen, führt offenbar immer wieder zu einer Geringschätzung der geistigen Fähigkeiten von Migranten. Viele warten auch sehr lange, bis sie zum Arzt gehen, so dass dann oft vielschichtige medizinische und soziale Probleme anstehen, berichtet Dr. Kaan Akmanlar. Der Arzt für Allgemeinmedizin ist an der Herzchirurgie der Landes kliniken Salzburg tätig und war medizinischer Leiter des Pilotprojekts. Höherer Erklärungsbedarf für Befunde und Maßnahmen Migranten wenden sich oft direkt an Spezialambulanzen, wodurch die wichtige koordinierende Tätigkeit des Hausarztes kaum greifen kann. Außerdem werden, so Akmanlar, Befunde oft zuwenig genau erklärt beziehungsweise die Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Dies bedeute für niedergelassene Ärzte, insbesondere Allgemeinmediziner, nicht einfach nur den Anwei sungen in den Rezepten und Arztbriefen zu folgen. Gerade komplexere gesundheitliche Probleme erfordern mehr Zeit, um das Problem an sich und die nötigen Schritte zu erklären, so Akmanlar. Ein einmaliges längeres Gespräch kann da sehr viel bewirken und auch die Vertrauensbasis verbessern. Übersetzer können helfen Im Bedarfsfall sollte auf Übersetzer zurück-gegriffen werden, die nicht aus der Familie stammen, weil diese leicht in Interessenskonflikte kommen können. Prinzipiell ist die Beziehung Arzt-Patient im Sinne einer gegenseitigen Wertschätzung ausschlaggebend und nicht so sehr, dass die jeweilige Sprache des Patienten gesprochen wird, meint Akmanlar. Integration werde oft als Anpassung definiert, sollte jedoch ein gegenseitiges Geben und Nehmen sein. Großes Interesse an Vorsorge Bei den türkischen Migranten gibt es auch ein großes Interesse an Gesundheitsvorsorge, besonders in den Bereichen Ernährung und Bewegung, berichtet Akmanlar. Wertvoll dafür sei das Einlassen auf die mitgebrachte Kultur und Werthaltungen. So stießen Vorträge mit Dolmetsch auch zu Themen wie Stress und generell psychische Probleme, Männer- und Frauengesundheit, Sucht und andere auf breites Interesse. Im Rahmen des Pilotprojektes wurden auch auf die guten Erfahrungen einer Wiener Beratungsstelle im Frauengesundheitszentrum Süd für Männer und Frauen aus der Türkei zurückgegriffen. Dort werden Befunde genauer besprochen, von Dolmetschern übersetzt und auch über Lebensstilfragen gesprochen, berichtet Akmanlar. Solche Projekte unterstützen auch die Arbeit der Ärzte im intra- und extramuralen Bereich, tragen zum Empowerment bei und ermöglichen eine stärkere Partizipation am eigenen Gene-sungsprozess bzw. bei Maßnahmen hin zu einem gesünderen Lebensstil. Als wichtigen Aspekt für eine bessere Gesundheitsversorgung und -förderung von Migranten wertet Akmanlar auch die Vernetzung von medizinischen Fachleuten und verschiedenen Beratungsstellen. Dies hatte im Pilotprojekt einen besonderen Stellenwert und soll auch 2006 gemeinsam mit anderen Maßnahmen weiter gefördert werden. Mag. Christian F. Freisleben 43

44 III.2 Flyer auf deutsch 44

45 III.3 Flyer auf türkisch 45

46 III.4 Ernährungspyramide auf türkisch von Dr. Ata Kaynar 46

47 IV. ANHANG 47

48 48

49 IV.1 Mitarbeiter von GENEM Projektleitung: DSA Nibaldo Vargas Arias Geboren: 1962 (Chile), seit 1974 im Exil, seit 1989 österreichische Staatsangehörigkeit : Sozialakademie Salzburg : Mitarbeiter Verein Zebu (Arbeitslosen- und Obdachlosenbetreuung) : Zivildienst : Mitarbeiter der Drogenberatung Salzburg (Fachbereich Suchtprävention und Information) seit 2004: Mitarbeiter der Caritas Graz-Seckau (Drogenarbeit) Seit 2000: Vorstandsmitglied von ERIT (Europäische Föderation für Drogenfachverbände in Europa) Seit 2002: Vorstandsmitglied des ÖVDF (Österr. Verein der Drogenfachleute) Gesundheitsfördernde Projekte: Erstellung von Informationsmaterial für MigrantInnen bezüglich Sucht; Mitbegründer des Arbeitskreises Sucht und Migration ; Organisation von Referaten und Seminaren zum Thema Sucht und Migration Dokumentation und Evaluation: Mag. Eberhard Siegl Geboren: : Studium der Kommunikationswissenschaft / Soziologie : ORF-Salzburg (Radio) Seit 2000: Referent für das Männerbüro Salzburg (Schwerpunkte: Gesundheit, Beratung, Projektarbeit) Seit 2000: Redakteur Salzburger Fenster Seit 2002: Teilnahme am Universitätslehrgang für Gesundheitsbildung (Uni Salzburg) Gesundheitsförderungs- und wissenschaftliche Projekte: Vorsorgeprojekt für Männergesundheit in Itzling (Stadtteil von Salzburg); Salzburger Männergesundheitsstudie (in Vorbereitung); Selbstverteidigungskurs für Burschen (in Vorbereitung); Väterkochkurse Dokumentation Mag. Erika Preisel geboren in Tulln, Österreich Germanistik/Französisch, erster Studienabschnitt Universität Wien, A-1010 Wien Hochschullehrgang für Tourismus Wirtschaftsuniversität, A-1090 Wien Büroarbeit am Ludwig Boltzmann Institut für Akupunktur, Wien Soziologie/Publizistik und Kommunikationswissenschaften Universität Salzburg, A-5020 Salzburg 1999 heute Videoarbeiten für Sportveranstaltungen, regionale Kultur-, Gewerbe- und Tourismus PR, div. Projekte 1990 IV/2005 selbständig im Gasthaus am Siriuskogl, A-4820 Bad Ischl 49

50 derzeit zahlreiche kulturelle Veranstaltungen, Catering Redakteurin der Bad Ischler Rundschau, Videoprojekte Referentin Aslihan Karabiber 1960 in Istanbul/Türkei geboren. Studium der Pädagogik und Psychologie an der Universität Istanbul 1982 Studienabschluss 1983 Ausreise nach Österreich für ein Pädagogik - Doktoratsstudium an der Universität Wien Seit 1993 als anerkannte Psychotherapeutin für Systemische Familientherapie tätig (Ausbildungsabschluss bei ÖAS/Wien), mit dem Schwerpunkt muttersprachliche Psychotherapie mit MigrantInnen aus der Türkei 1998 Abschluss der Ausbildung zur Supervisorin (BIFEB Strobl, Tops Berlin). Seit 1985 Mitarbeiterin des Vereins Miteinander Lernen-Birlikte Weiters Gesundheits- und Erziehungsberaterin, Psychotherapeutin, Supervisorin und Trainerin Referentin Mag. Serpil Özsoy Geboren am in der Türkei. Staatsangehörigkeit Österreich : Grundschule : Mittelschule und Gymnasium : Studium der Pharmazie an der Universität in Ankara mit Diplomstudium : Tätigkeit als Leiterin der Apotheke in einem Krankenhaus in der Türkei 1979: Aufenthalt in West-Berlin : Tätigkeit im Rahmen eines Kulturabkommens zwischen der Türkei und der BRD in Berlin, als Apothekerin in einer Apotheke : Nebenberuflich als Sozialarbeiterin tätig in Berlin 1985: Rückkehr in die Türkei. Leiterin einer Apotheke in Istanbul Seit Januar 1986 Aufenthalt in Österreich : Inskription an der Universität Wien für das Dissertationsstudium : Nostrifikation mit Diplomarbeit an der Universität Wien Magister der Pharmazie : während der Nostrifikation Tätigkeit als Gesundheitsberaterin in 50

51 Niederösterreich : Tätigkeit als Apothekerin in einer Apotheke in Wien : Karenzzeit : Tätigkeit als Gesundheitsberaterin im Wiener Integrationsfonds 1999: Seit Mai arbeite ich im F.E.M.-Süd. im Gesundheitszenrum Schwerpunktgebiete: Koordination, Programmerstellung, Öffentlichkeitsarbeit und wissenschaftliche Arbeit Adresse: Mag. Serpil Özsoy, Leonard- Bernsteinstr. 8/2/8-12, 1220 Wien Referent Dr. med. Kaan Akmanlar Am 29. Juni 1966 wurde ich als zweites Kind meiner Eltern Dr. med. Tanju und Esin Akmanlar in der nordrhein-westfälischen Stadt Dülmen geboren. Dort, wo ich meine ersten zehn Lebensjahre mit meinen beiden Geschwistern verbrachte, während mein Vater als Oberarzt für allgemeine Chirurgie am städtischen Krankenhaus tätig war, absolvierte ich auch die vierjährige Grundschule. Im Sommer 1976 kehrte ich mit meiner Familie nach Istanbul zurück und besuchte nach Abschluss der türkischen Grundschule zuerst drei Jahre lang das Deutsche Gymnasium Istanbul (Alman Lisesi) setzte ich meine Gymnasiumszeit am österreichischen St.Georg s Kolleg Istanbul (Avusturya Lisesi) fort, wo ich 1984 maturierte. Im Wintersemester 1984 folgte ich meinem Bruder, Dr. med. Sarp Akmanlar, nach Wien und inskribierte an der Medizinischen Fakultät. Am 16. Dezember 1992 promovierte ich an der Universität Wien - meine Studienzeit war lediglich von meinen Militärdienstmonaten in der Türkei unterbrochen. Unser Sohn Lukas Danyal, der am 3. Mai 1991 geboren wurde, begleitete meine Frau FA Dr. Gerlinde Akmanlar-Hirscher und mich in den letzten Studiensemestern. Nach der Promotion entschlossen wir uns als junge Familie in Salzburg, der Heimatstadt meiner Frau, zu bleiben. Ein zweiter Sohn Niklas Hakan folgte 2003 im Jänner. Nachdem ich die türkische Staatsbürgerschaft zurückgelegt hatte, wurde mir im September 1993 die österreichische Staatsbürgerschaft zuerkannt. Bis zum Beginn meiner Turnuszeit war ich bei einer Soft- und Hardwarefirma in Wien als medizinischer Berater bei der Erstellung von Datenbanken und ihrer Implementierung tätig. Von Dezember 1993 bis April 1998 stand ich in Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin an der Christian Doppler-Klinik und im St. Johanns Spital Salzburg und absolvierte Notarzt-Fortbildungen (ÖÄK-Diplom) und einen ÖGUM-Ultraschall Grundkurs. In dieser Zeit konnte ich auch meinen Präsenzdienst im österreichischen Bundesheer ableisten. Seit September 1998 arbeite ich nun als Assistenzarzt an der Herzchirurgischen Abteilung des LKH 51

52 Salzburg, wo ich neben der Tätigkeit im Operationssaal auch seit 2 Jahren mit der postoperativen intensivmedizinischen Betreuung der herzchirurgischen Patienten betraut bin, und so meine Kenntnisse in diesem Bereich vertiefen konnte. Meine Tätigkeiten umfassen darüber hinaus auch wissenschaftliche Arbeiten an unserer Abteilung. Nach einer Weiterbildung zum Thema Ernährungsmedizin (ÖÄK-Diplom) übernahm ich im Rahmen des OPTIFAST-Projektes seit Mai 2001 mehrmals die medizinische Betreuung von Adipositas-Gruppen. Neben Fortbildungen im Bereich Kardiologie, Ernährungs- und Intensivmedizin motivierte mich die Erfahrung der Arbeit mit den internistischen Belangen der Patienten der Adipositas-Gruppen und der Herzpatienten mehr in Richtung Prophylaxe tätig zu werden. Meine aktive Teilnahme an den Gesundheitstagen Salzburg und Feldstudien zum Thema Erhebung des Ernährungszustandes in den Altersheimen sollen dies unterstreichen. Referentin Dr. med. Yüksel Yücel Mutter: Ayse Yücel Vater: Abidin Yücel Familienstand: ledig Geburt in Elazig (Türkei) Volksschule Istanbul Gymnasium Istanbul Reifenprüfung Istanbul Medizinstudium Istanbul, Carrahpasa Medizin. Fakultät-Istanbul/ Türkei Promotion zum Doktor med. Univ. Istanbul 1992 Famulatur in Royal Brompton Hospital England (zwei Monate) 1/94-4/95 Gemeindespital Karamürsel: Turnus für Chirurgie und innere Medizin 4/95-7/96 Krankenhaus Yasar Turnusarzt 10/96 Gastarzt an der Universitäts-Frauenklinik Wien 5/99-6/99 Gynäkologische Beratung für Frauenservicestelle Orient Express 5/01 6/01 Ausbildung an der Universität Carrahpasa Medizin. Fakultät-Istanbul 1/99-1/02 Gynäkologische Beratung für Frauenhilfegruppe FEM, Wien 98/02 Mitglied der Internationalen Forschungsgruppe O. R. Institute USA 9/99 10/99 Ausbildung Urogynäkologie und Senologie an der Martin Luther Universität Halle 9/2000 Operative Ausbildung an Chicago Gynecology Oncology S. C. Chicago USA 9/01-9/02 Research Fellow for Outcomes Research, Institut in Wien Facharztprüfung in Istanbul /Türkei (operativ und mündlich) 8/02-9/02 Studienaufenthalt USA University of Louiseville Seit 2003 Klinische Abteilung für Spezielle Gynäkologie der Med. Univ. Wien 52

53 IV.2 Zeitplan Vorbereitungstreffen für ExpertInnengespräche, ( ) ExpertInnenrunde bei AVOS, ca. 25 TeilnehmerInnen, ( ) Einführung in das Projekt: DSA Nibaldo Vargas Referate bei der ExpertInnenrunde: Praxiserfahrung aus der Arbeit mit MigrantInnen in Wien : Mag. Serpil Özsoy MigrantInnen im Gesundheitssystem : Dr. Kaan Akmanlar Vortrag Dr. Kaan Akmanlar (Männergesundheit), ( ) in Salzburg. (Ort: VeBBAS) Vortrag Dr. Kaan Akmanlar (Männergesundheit), ( ) in Hallein (Ort: Moschee) Vortrag Dr. Yüksel Yücel (Frauengesundheit), ( ) in Salzburg (Ort: Verein Viele) Vortrag Dr. Yüksel Yücel (Frauengesundheit), ( ) in Hallein (Ort: Volksschule) Vortrag Aslihan Karabiber (Seelische Gesundheit), ( ) in Salzburg (Ort: AK Salzburg) Vortrag Aslihan Karabiber (Seelische Gesundheit), ( ) in Hallein (Ort: AK Hallein) Workshop mit DSA Ramazan Salman Abschlussrunde mit den ExpertInnen Pressekonferenz von Landeshauptfrau Burgstaller, Dr. Ropin (FGÖ), Dr. Akmanlar, Vargas, ( ) Vortrag Ramazan Salmann (Ethnomed. Zentrum Hannover), ( ) Präsentation und Diskussion der Dokumentation und Evaluation des Projekts in einer ExpertInnenrunde, ( ) 53

54 IV.3 Protokolle der Vorbereitung Thema: Vorbereitung und Koordination Datum: 17. Februar 2005; Uhr Ort: AVOS GesmbH, Salzburg Besprechungsprotokoll 17. Februar 2005 Anwesend: Maria Pramhas (AVOS GesmbH), Nibaldo Vargas-Arias (Projektleiter GeNeM), Eberhard Siegl (Dokumentation und Evaluation GeNeM) Tagesordnung: 1. Abstimmung der gemeinsamen Ausgangsbasis für das Projekt 2. Zeitfahrplan bis Sommer 3. Besprechung der einzelnen Veranstaltungen 4. Besprechung der Vernetzungstreffen 5. Aufgabenliste für nächstes Treffen 1. Abstimmung der gemeinsamen Ausgangsbasis für das Projekt Kurzpräsentation des Projekts durch Nibaldo Vargas, danach kurze Diskussion über die Punkte, die dabei am wichtigsten sind. Im Vordergrund stehen Verständnis der TürkInnen für Gesundheit und Krankheit und Wegbereitung für gemeinsame Projekte der im Bereich der Gesundheitsvorsorge tätigen Institutionen und Einzelpersonen für die Verbesserung der Gesundheitsvorsorge für MigrantInnen. 2. Zeitfahrplan bis Sommer Nächstes Vorbereitungstreffen: 24. März 2005; 17 19; Ort: AVOS GesmbH Termin erstes Vernetzungstreffen: 13. Mai 2005; 9 16, Ort: AVOS GesmbH Termin erste Infoveranstaltung (Thema: Männergesundheit): 2. Junihälfte 2005, Referent noch offen, da zum Zeitpunkt noch keine fixe Zusage von Dr. Saydam 3. Besprechung der einzelnen Veranstaltungen Prinzipiell findet der Infoabend in Salzburg an einem Donnerstag Abend und der Infoabend in Hallein an einem Freitag Abend statt. Der Informationsabend mit Frau Dr. Yücel (Unterlagen zur Referentin siehe Anhang) findet im Oktober statt, der Informationsabend mit der Psychologin oder dem Psychologen zum Thema psychische Gesundheit findet ebenfalls im Herbst statt. Frau Dr. Yücel wäre bereit, schon bis zum Infoabend einmal im Monat nach Salzburg zu kommen, um MigrantInnen zu beraten. Dazu Kontaktaufnahme mit den zuständigen Vereinen ISIS und VIELE. 4. Besprechung der Vernetzungstreffen 13. Mai TO: 1. Vorstellungsrunde (45 min) 2. Präsentation des Projekts (30 min) 3. Referate (30 min pro Referat und 30 min Diskussion pro Referat) 5. Tagesordnung und Aufgabenliste für Treffen am 24. März Einladungsbrief Vernetzungstreffen für den 13. Mai fertig formulieren (wichtigste Punkte: kurzer Einladungstext und Projektbeschreibung, Logo von FGÖ) 2. Pressearbeit abklären / agenda setting erstellen 3. Terminisierung für Herbst fixieren 54

55 4. Einladungsliste für Vernetzungstreffen fixieren 5. Handzettel für die Bewerbung der Infoabende fertig stellen 6. Fragebogen fertig stellen 7. Informationsmaterial sichten Nibaldo Vargas: Kontaktaufnahme mit Verein Viele, Einladungsbrief vorformulieren, Einladungsliste vorbereiten, Terminisierung für Herbst vorbereiten, Vereinbarung mit ReferentInnen abschließen Eberhard Siegl: Kontaktaufnahme mit Verein ISIS, Einladungsbrief vorformulieren, Einladungsliste vorbereiten, Fragebogen erstellen Maria Pramhas: Informationsmaterial vom Gesundheitsinformationszentrum der GKK mitbringen Thema: Vorbereitung und Koordination Datum: 24. März 2005; Uhr Ort: AVOS GesmbH, Salzburg Besprechungsprotokoll 24.März 2005 Anwesend: Maria Pramhas (AVOS GesmbH), Nibaldo Vargas-Arias (Projektleiter GeNeM), Eberhard Siegl (Dokumentation und Evaluation GeNeM), Dr. Kaan Akmanlar Tagesordnung: 1. Veranstaltungsreihe Männergesundheit 2. ExpertInnenrunde 3. Veranstaltungen im Herbst 4. Pressearbeit 1. Veranstaltung Männergesundheit Ganzheitlicher Ansatz entscheidend Definition der Gesundheit wichtiger Teil, zudem Ernährung, Bewegung, Gesundheitsvorsorge Information zur Vorsorge und Prävention Stetiger Bezug zu Männergesundheitsvorsorgeagenden 2. ExpertInnenrunde Max. 30 TeilnehmerInnen 20 Minuten pro Vortrag, damit genug Raum für Diskussionen bleibt Adressenlisten an Maria Pramhas Brief fertig formuliert 3. Veranstaltungen im Herbst Frauengesundheit Migration und psychische Gesundheit Abschlussrunde und Pressekonferenz (bei Landeshauptfrau Burgstaller anfragen) 4. Öffentlichkeits- und Pressearbeit Aussendungen zu den Infoabenden Pressekonferenz am Schluss Bewerbung über Vereine, türkische Ärzte und türkisches Konsulat I 55

56 IV. 4 Einladungsbrief und Tagesordnung ExpertInnentreffen vom 13. Mai Adresse Empfänger Salzburg, 20. April 2005 ExpertInnenrunde Gesundheitsförderung von türkischen MigrantInnen in Salzburg Sehr geehrte Damen und Herren, Gesundheitsvorsorge und die Förderung eines verbesserten Verständnisses für das Wohl des eigenen Körpers sind mittlerweile zu einem fixen Bestandteil des gesamten Gesundheitssystems geworden. Selbstverständlich nehmen wir an, dass dies für alle Teile unserer Gesellschaft relevant ist. Dabei wird jedoch übersehen, dass eine wichtige Gruppe nicht berücksichtigt ist, nämlich die MigrantInnen. Wir möchten daher in Salzburg und Hallein ein Vorsorgeprogramm für MigrantInnen aufbauen. Ein wesentlicher Bestandteil ist die Einbindung von ExpertInnen wie Sie, die uns mit ihren ganz spezifischen Kompetenzen helfen können, die Gesundheitsvorsorge und die Förderung eines verbesserten Verständnisses für das Wohl des eigenen Körpers bei MigrantInnen zu verbessern. Deshalb erlauben wir uns, Sie zu einem ExpertInnengespräch am 13. Mai 2005 von 9-13 Uhr in die Räumlichkeiten von AVOS einzuladen. Wir ersuchen Sie um Rückmeldung bis 9. Mai, wie viele Personen aus Ihrer Organisation an der Veranstaltung teilnehmen werden (Tel.: 0662/ oder e- mail: Weiters ersuchen wir Sie, den beigelegten Fragebogen ausgefüllt am 13. Mai zur Veranstaltung mitzubringen, er ist Bestandteil unserer Evaluation. Mit freundlichen Grüßen Nibaldo Vargas-Arias Projektleiter Mag. Maria Pramhas Programmverantwortliche AVOS 56

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