Perspektive Mitarbeiter

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1 Ruhr Ausgabe 1/2015 Perspektive Mitarbeiter Diakonie leben und erleben Offene Gespräche bilden die Basis 4 Damit Sprachen keine Barrieren sind 5 Flüchtlingsschicksal 6 Schleudern für mehr Verkehrssicherheit 7 EvK zertifiziert 8 Tierisches Talent 9 Maria aus Nazareth findet eine Bleibe 10 Internationales Heim 11 Wittens älteste Diakonisse verstorben 12 VfL-Stars zu Besuch 13 Wie das Handy den Unterricht bereichert 14 Mehr Anerkennung für die Pflege 16 Grenzen im Ehrenamt

2 Offene Gesp 2 imblick 1/2015 Titelthema: Per Berufsinformationsmesse, neues Bewerberportal oder aufgestocktes Semina Liebe Leserin, lieber Leser, in einem großen, dezentralen Unternehmen kann nicht jeder jeden kennen. Ja, man begegnet sich nicht einmal mehr regelmäßig. Dies ist nicht zu ändern! Die notwendigen Konsequenzen müssen aber nicht mangelnde Identität, Orientierungslosigkeit und Eigenbrötelei heißen. Wenn wir gescheit sind, dann wissen wir, wie viele Schätze in unserer Mitarbeiterschaft schlummern, die es zum Nutzen des Einzelnen und natürlich des Unternehmens zu heben gilt. Fähigkeiten, Fertigkeiten, spezielle Kenntnisse welch eine Verschwendung, wenn es uns nicht gelingt, hier organisiert und zielgerichtet Potenziale zu entdecken und zu fördern. Wir wollen dies tun mit verstärkten Maßnahmen der Personalentwicklung und des Personalmarketings. Hiervon und von vielen anderen Dingen wollen wir in diesem Heft berichten, zum Anfang eines hoffentlich guten Jahres, für das Unternehmen und die Menschen in ihm und natürlich für Sie. Herzlichst Ihr Werner Neveling Konzernweit einheitliche und nachhaltige Mitarbeitergespräche, von deren Inhalt ein ganzes Unternehmen profitieren kann. Die perfekte Verzahnung der Einrichtungen bei eingehenden Bewerbungen. Eine optimale und individuelle Personalentwicklung von der 450-Euro-Kraft bis zur Abteilungsleitung. Das sind nur einige Aspekte der modernisierten Personalmarketing-Strategie der Diakonie Ruhr. Der Träger geht andere Wege beim Werben um neue und die Qualifikation bestehender Köpfe. Die vor einem Jahr erweiterte Abteilung Personal- und Organisationsentwicklung treibt die Entwicklung voran, legt Standards fest und optimiert Prozesse schulte sie alle Leitungskräfte noch einmal für die nun verpflichtenden jährlichen Mitarbeitergespräche das so genannte Herzstück der Personalentwicklung. Der erste Personalentwickler ist immer der direkte Vorgesetzte, sagt Sabrina Berkel, Referentin für Personalentwicklung. Dadurch, dass sich diese Gespräche jetzt an einem Muster orientieren, werden ihre Inhalte vergleichbar, das Unternehmen bekommt eine Rückmeldung zu möglichen weiteren Entwicklungswünschen des Mitarbeitenden. Dieser wiederum spürt, dass er ernstgenommen wird, wenn der Chef sich die Zeit für einen strukturierten Austausch unter vier Augen nimmt, dabei Sabrina Berkel (links) im Gespräch mit der Auszubildenden Lena Usanmaz Strukturierte und gut geplante Mitarbeitergespräche sind das Herz Wünsche notiert, aber auch konstruktive Kritik äußert. Wir sind mit den Gesprächen auf einem guten Weg. In diese Richtung gehen auch die ersten Rückmeldungen aus der Belegschaft, sagt Sabrina Berkel. Die Vorgesetzten unterstützt bei diesem Vorgehen der neue Leitfaden. Der Zeitaufwand für sie ist möglicherweise erst einmal höher, aber langfristig hilft es ihnen, Anforderungen zu erkennen, verlässlich zu planen und Mitarbeitende zu entwicklen, erklärt Kurt Berthold, Leiter Personal- und Organisationsentwicklung. Zusätzlich werden Mitar-

3 sonalmarketing 1/2015 imblick 3 räche bilden die Basis rprogramm: Die Diakonie Ruhr verstärkt noch einmal ihren Einsatz für aktuelle und neue Mitarbeitende Bewerbungen kann sie genutzt werden. Natürlich wird auch weiterhin zuerst über das Intranet ausgeschrieben, bevor eine Stelle nach außen geht. Mitarbeitende, die gerne ihren Stellenumfang auch zeitlich befristet erhöhen möchten, können unter der -Adresse unverbindlich Ihren Wunsch äußern. Nicht immer ist eine Aufstockung in derselben Einrichtung möglich, bei Sabrina Berkel laufen aber Wünsche aus vielen Richtungen zusammen, die sie dann zu koordinieren versucht. Diakonie Ruhr erstmals auf der Jobmedi stück einer jeden Personalentwicklung. beitende, die die Diakonie Ruhr verlassen, zu einem kurzen Interview gebeten, das die Gründe näher beleuchten soll. Auch daraus wollen wir lernen, betont Sabrina Berkel. Weichen für die Zukunft stellt die Diakonie Ruhr zudem mit der neuen Software zum Bewerbermanagement. Durch Talentlink der Firma Lumesse organisieren bereits andere große Firmen offene Stellen, Bewerbungen darauf sowie Initiativbewerbungen. Einrichtungsleitungen können künftig einander Bewerber vorschlagen, wenn sie gut zum Unternehmen, aber vielleicht gerade nicht auf das Ausgeschriebene passen. Talente und Potenziale sollen so nicht verloren gehen. Das System wird die einrichtungs- und bereichsübergreifende Zusammenarbeit fördern, sagt Referentin Sabrina Berkel. Im Sommer soll die neue Karriereseite samt Links zu den Social- Media-Kanälen der Diakonie Ruhr Kurt Berthold an den Start gehen. Auch für interne Um den Nachwuchs dreht sich alles auf der Jobmedi. Erstmals präsentiert sich die Diakonie Ruhr auf der Berufsinformationsmesse für Gesundheit und Soziales im Bochumer RuhrCongress. Am 20. und 21. Februar gibt es an Stand 15 alle Informationen zum Arbeitgeber Diakonie, zu Aus- und Weiterbildung und Karriereperspektiven in der Sparte Sozialwirtschaft. Kurt Berthold: Wir freuen uns auf diesen Weg der Nachwuchsgewinnung und zahlreiche Besucher am Stand steht intern im Zeichen der Weiterentwicklung der wertschätzenden Führungskompetenz von etablierten und frischen Führungskräften sowie Nachwuchsführungskräften und der Schärfung des diakonischen Profils. Oberin Marianne Anschütz aus dem Wittener Mutterhaus ist als theologische Beraterin im Unternehmen tätig und plant verschiedene Weiterbildungen, die auch mal auf einem Wanderweg oder an einem Angelteich stattfinden können. Aus den Rückmeldungen von Mitarbeitenden und Führungskräften ist bekannt, dass Themen wie Rhetorik, Gesprächsführung, kollegiale Beratung oder Betriebswirtschaft für Nicht-BWLer als Ergänzung des Seminarprogramms gewünscht werden. Nur gemeinsam geht s: Leitungskräfte der Diakonie Ruhr beweisen im Workshop beim Platzwechsel auf einem Balken Kooperationsfähigkeiten.

4 4 imblick 1/2015 Damit Sprachen keine Barrieren bilden BoSprInt etabliert sich als Verein und bekommt Spende der Diakonie Ruhr Kurz und knapp Die Diakonie Ruhr hat die Kooperation mit der Ev. Fachhochschule in Bochum auf dem Praxistag der Einrichtung weiter vertieft. Für den Träger standen der gerontologische Referent Dirk Nowaschewski (links) und Jens Fritsch, stellvertretender Fachbereichsleiter der Inneren Mission, den Studierenden am Infotisch Rede und Antwort. Der Evangelische Betreuungsverein hat gemeinsam mit den anderen Bochumer Betreuungsvereinen in zwei Sparkassen-Geschäftsstellen zu den Themen rechtliche oder ehrenamtliche Betreuung, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung informiert. Die Bochumer Gleisbauund Tiefbaufirma Spitzke Longo hat dem Kinderhaus Bochum 2000 Euro gespendet. Cornelia Heemann, stellvertretende Einrichtungsleiterin, nahm einen Scheck über diese Summe aus den Händen des Spitzke-Geschäftsführers Manfred Hildner und des Kaufmännischen Leiters Ralf Babosek entgegen. Das Kinderhaus nutzt die freundliche Spende zur Gestaltung des Snoezelraumes. Die Mitarbeitervertreter Stephan Stein (links) und Antje Stark (MItte) zeigen symbolisch Wörterbücher bei der Spendenübergabe an BoSprint-Vorsitzende Astrid Platzmann-Scholten. Bochumer Beratungsstellen können jetzt noch besser auf Klienten mit Migrationshintergrund eingehen. Das Projekt BoSprInt finanziert ihnen einen Pool aus Sprach- und Integrationsmittlern, die kurzfristig verfügbar sind, um zu dolmetschen und kulturelle Unterschiede zu überwinden. Nach der Anlaufphase ist BoSprInt inzwischen ein eingetragener Verein, der sich durch Spenden trägt. Schon seit Oktober 2013 fördert BoSprInt erfolgreich die Vermittlung zwischen Migranten und Fachkräften. Vereinsvorsitzende Astrid Platzmann-Scholten freut sich sehr, dass in Bochum ein Verein aus der Taufe gehoben wurde, der es sich zum Ziel gesetzt hat, gerade im psychosozialen und medizinischen Beratungskontext sprachliche Barrieren bei der Beratung von Menschen mit Migrationshintergrund abzubauen. BoSprInt setzt seine Hoffnung dabei in die Spendenbereitschaft engagierter Bürgerinnen und Bürger und hofft auf zahlreiche Mitglieder, Fördermitglieder und finanzielle Unterstützung, so Platzmann- Scholten. Die erste Vorsitzende ist Bürgermeisterin der Stadt Bochum, Ratsmitglied und Fachärztin für Gynäkologie. Neben ihr wurde Eckhard Sundermann zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Er ist Fachbereichsleiter Psychosoziale Hilfen bei der Diakonie Ruhr. Weitere Gründungsmitglieder sind unter anderem Britta Anger, Sozialdezernentin der Stadt Bochum und Holger Schelte, Geschäftsführer des Paritätischen, Kreisgruppe Bochum. Erfahrene, speziell ausgebildete Muttersprachler von Arabisch bis Roma, von Kurdisch bis Russisch, von Türkisch bis Albanisch bilden das Herz von BoSprInt. Sie sind neutral und unterliegen der Schweigepflicht, was beispielsweise bei medizinischen Themen ein besonders großer Vorteil gegenüber deutsch sprechenden Verwandten ist, die sonst häufig als Dolmetscher fungieren. Die Anliegen des Vereins unterstützt auch die Belegschaft der Diakonie Ruhr. Sie verzichtete auf die Weihnachtsgeschenke ihres Arbeitgebers und spendete das Geld für gute Zwecke. Schwerpunkt war die Flüchtlingshilfe. BoSprInt bekam 4500, die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum 2000 Euro. Knapp 1100 Euro gingen an die Asylverfahrensberatung des Diakonischen Werks Dortmund Hilfe für Flüchtlinge lag uns in diesem Jahr besonders am Herzen. Wir wollten unbedingt etwas zur Willkommenskultur beitragen, sagt Antje Stark, Vorsitzende der Gemeinsamen Interessensvertretung der Mitarbeitervertretungen der Diakonie Ruhr. Spendenkonto BoSprInt e.v.: Sparkasse Bochum IBAN: DE BIC: WELADED1BOC

5 1/2015 imblick 5 Du musst hier weg, nach Europa, egal in welches Land Wie ein junger Jeside vor dem Terror im Irak flüchtete und in Bochum Zuflucht fand Durch halb Europa ist Jesidi (Name geändert) vor dem Terror im Nordirak geflüchtet. Die Wohngruppe Kassiopeia der Ev. Stiftung Overdyck wurde sein Zuhause. Inzwischen ist er 18, darf in Deutschland bleiben und hat doch weiter Angst. Acht Monate warst du ohne deine Familie auf der Flucht. Wie oft hast du gezweifelt, ob du sicher ankommst? In einer großen Stadt im Mittelmeerraum bin ich von meinen Freunden getrennt worden. Nachts habe ich auf der Straße geschlafen, ich verstand die Sprache nicht, hatte kein Geld. Manche Menschen haben gesehen, wie ich aussah, und haben mir etwas zugesteckt. Dauernd kam die Polizei und hat mich kontrolliert. Ein freundlicher Polizist brachte mich schließlich ins Krankenhaus, da war es warm und sicher. Aber nach ein paar Tagen musste ich es wieder verlassen. Ich spreche etwas Arabisch und habe einen Ägypter angebettelt, damit ich meine Eltern anrufen kann. Zwei Stunden habe ich unter Tränen auf ihn eingeredet, dann hat er mir sein Telefon gegeben und mir auch geholfen, andere Jesiden zu finden. Wann hast du gespürt, dass es für Jesiden im Nordirak gefährlich wird? 2007 haben radikale Moslems in der Nähe unseres Dorfes zwei Lkw in die Luft gesprengt. Da begann die Angst. Als dann 2011 jesidische Geschäfte angezündet wurden, war klar: Bald stehen Terroristen auch vor unserer Tür. Dann haben deine Eltern dich weggeschickt. Mein Vater hat gesagt: Du musst hier weg, nach Europa, egal in welches Land. Ich wusste nichts, kannte nichts und habe nur geweint. Er hat jemandem Geld gegeben, damit er mich über die Grenze in die Türkei bringt. Was waren deine ersten Eindrücke von Deutschland? Ein Auto hat uns über die Grenze gebracht, und als wir in Garmisch-Patenkirchen ausstiegen, haben uns direkt Polizisten erwischt. Die wussten nicht, wer wir waren und wo wir herkamen. Deshalb bin ich drei Tage im Kinderknast gelandet. Aber sie haben mich gut behandelt, haben mir Essen gegeben und einen Arzt geholt. Ich hatte etwas an der Lunge, war zwei Monate im Krankenhaus und musste täglich 13 Pillen nehmen. Welche Vorstellungen hattest du vom Leben hier? Ich wusste nur, dass es eine Demokratie ist und man dort gut mit Menschen umgeht. Als ich in Dortmund angekommen war, habe ich mich auf dem Amt gemeldet und wurde gleich nach Kassiopeia vermittelt. Erst hatte ich Schwierigkeiten, konnte kein Deutsch, habe die Kultur nicht verstanden. Deshalb saß ich oft alleine in meinem Zimmer. Aber dann bin ich zur Schule gegangen, habe Freunde und Freundinnen kennengelernt. Inzwischen steht fest, dass ich in Deutschland bleiben darf. Im Nordirak wütet die Terrormiliz IS. Weißt du, wie es Familie und Freunden dort geht? Jesidi kurz vor seinem Auszug aus der Wohngruppe Kassiopeia Ich war schon in Deutschland, als ich im Fernsehen sah, wie IS die Jesiden attackierte. Ich habe einen Freund im Irak angerufen. Er wollte mich beruhigen, aber ich habe gleich gemerkt, dass er mich anlügt, damit ich mir keine Sorgen mache. Ich habe drei Tage nicht geschlafen, dauernd telefoniert und habe mich so hilflos gefühlt. Ich bin zu Demonstrationen von Jesiden im Ruhrgebiet gegangen, während sich Freunde im Irak Waffen besorgten, um sich der Verteidigung anzuschließen. Im Nordirak werden Jesiden abgeschlachtet und vergewaltigt. Warum, was haben wir getan? Wir sind friedliche Leute! Unser Dorf ist fast menschenleer, aber zwei meiner Schwestern leben noch dort. Sie haben sich Gift besorgt, wenn IS kommt, wollen sie das nehmen, um den Terroristen nicht in die Hände zu fallen. So planen das alle. Meine Eltern sind an einem geheimen Ort in Sicherheit. Ich hoffe, sie können auch bald nach Deutschland kommen. Tut Europa genug? Die Länder liefern Waffen und organisieren Hilfstransporte. Das ist gut. Aber jetzt ist der Winter gekommen, die Menschen brauchen noch mehr Hilfe. Du bist 18 geworden und musst aus Kassiopeia ausziehen. Wie geht es für dich weiter? Ich ziehe in die Nähe von Frankfurt, wo eine meine Schwestern wohnt. Dort werde ich arbeiten gehen. Mein Wunsch ist es, hier in Frieden und mit Demokratie zu leben, ohne Töten.

6 6 imblick 1/2015 Schleudern für mehr Sicherheit Ev. Stiftung Overdyck organisiert regelmäßig Fahrtraining für Mitarbeitende Kurz und knapp Eine kleine Ferienfahrt für die Kinder aus der Diagnosegruppe Mullewapp der Ev. Stiftung Overdyck ermöglicht eine 1500-Euro- Spende zweier engagierter Bochumer Unternehmen. Die Auszubildenden der Bogestra gaben den Erlös ihrer Tombola, Drehscheibe und City-Point rundeten die Summe auf. Die alte und die neue Heimat von Schlesien nach Bochum war Dieter Mohaupts Thema im Bochumer Erzählcafé. Der 76-Jährige berichtete vor 60 Zuhörern im vollen Café der Pauluskirche von seiner Heimat Niederschlesien und der Übersiedlung seiner Familie nach Bochum in den 50er Jahren. Wenn die Straßen rutschiger werden, wächst die Unfallgefahr. Wer dann auch noch acht Kinder als Passagiere hat, darf sich erst recht keinen Fehler erlauben. Deshalb schult die Ev. Stiftung Overdyck, Kooperationspartner der Diakonie Ruhr, ihre Mitarbeitenden regelmäßig in einem Fahrsicherheitstraining. Das ADAC-Gelände in Haltern: Dienst-Bullis und Privatautos reihen sich auf der nassen Fläche aneinander. Zunächst geht es noch behutsam im Slalom um die rot-weißen Hütchen, dann fordert Trainer Heinz Kaiser ein höheres Tempo. Er korrigiert hier und da Sitzposition und Lenkradhaltung und versichert auch den Teilnehmern mit den höchsten Autos seelenruhig: Keines wird hier umkippen! Die Overdyck-Mitarbeitenden lernen, mit Mut und voller Kraft auf die Bremse zu treten und ihre Fahrzeuge wieder einzufangen, wenn das Heck ausbricht. Sophia Wiedemayer arbeitet in der Wohngruppe Aurora und kurbelt gerade kräftig am Steuer eines weißen Transporters. Der Lufterfrischer am Innenspiegel wedelt von links nach rechts, während sie durch den Parcours lenkt. Trainer Kaiser hat nichts auszusetzen. Das Auto ist so viel größer als mein privates. Da finde ich wichtig zu sehen, wie es sich in Extremsituationen verhält, sagt sie während einer kurzen Pause. Unsere Mitarbeitenden sollen sich beim Fahren wohlfühlen und auch in kritischen Momenten das Richtige tun. Ob mit oder ohne Overdyck-Stammhaus abgerissen Auch ein großes Auto will beherrscht werden. Kinder an Bord, betont Petra Hiller, Leitung und Vorstand bei Overdyck. Wir sehen uns da ganz klar in der Verantwortung. Die Angst vor der Aufgabe legen alle Fahrer im Sicherheitstraining schnell ab. Auch, weil sich innerhalb der Ev. Stiftung schon herumgesprochen hat, wie viel Spaß die Zeit in Haltern machen kann. Nachdem sie auch noch erfolgreich plötzlich auftauchenden Wassersäulen ausgewichen ist, zieht Sophia Wiedemayer am Ende des Tages ein Fazit: Ich habe jetzt ein deutlich sichereres Gefühl hinter dem Lenkrad. Erst einmal kostet es Überwindung, aber dann lernt man schnell. Gut, dass uns diese Erfahrung ermöglicht wird. Mit einem Adventsspiel in der Weitmarer Matthäus- Kirche hat das Familienzentrum Wasserstraße vorgelebt, wie Inklusion funktioniert. 23 Kinder mit und ohne Behinderung bekamen viel Beifall. Ebenso die Spende über 1500 Euro der Siedlergemeinschaft des Eppendorfer Feldes, für die die Einrichtung herzlich dankte. Nachdem sie schon jahrelang leer gestanden hatte, ist die ehemalige Zentrale der Ev. Stiftung Overdyck im Dezember abgerissen worden. Bagger rückten an, um das renovierungsbedürftig gewordene Gebäude am Bochumer Bodelschwinghplatz dem Erdboden gleich zu machen. Die benachbarten Wohngruppen Kassiopeia und Windrose blieben davon unberührt. Der Abriss am Bodelschwinghplatz markiert das endgültige Ende der Strategie als zentrales Kinderheim. Längst hat Overdyck hoch spezialisierte Hilfsangebote, die sogar über die Stadtgrenzen hinaus verteilt sind. Der Umzug der Kinderwohngruppe Sternschnuppe von Lünen nach Bochum ist für Ende Januar geplant, direkt neben der Gruppe Mullewapp steht schon das Haus entsteht in Marl eine neue Wohngruppe für junge Menschen mit eingeschränkten intellektuellen Fähigkeiten.

7 1/2015 imblick 7 Qualität mit Siegel EvK Witten stellte sich als eine der ersten Einrichtungen einer Prüfung nach der neuen Norm DIN EN Das Ev. Krankenhaus Witten hat Anfang Oktober 2014 das kombinierte Zertifizierungsverfahren nach DIN EN und DIN EN ISO 9001 bestanden. Die offizielle Zertifikatsübergabe folgte im November. Als eine der ersten Einrichtungen überhaupt hat sich das Haus an der Pferdebachstraße einer Prüfung nach der neuen Norm DIN EN gestellt. Wir sind stolz darauf, dass das Zertifikat unsere hervorragende Qualität in Medizin, Pflege, Therapie nach Außen sichtbar dokumentiert, sagt Geschäftsführer Heinz-Werner Bitter. Das ist eine schöne Bestätigung für unsere Bemühungen, eine hochwertige Versorgung für die Region anzubieten. Beim Zertifizierungsaudit nahmen Stephan Achtermann von der Zertifizierungsstelle WIESO-CERT und seine Kollegin Katrin Pivernetz vier Tage lang das Qualitätsmanagement und die Arbeitsabläufe in allen Abteilungen und Bereichen des Ev. Krankenhauses genau unter die Lupe. Dabei befragten sie zahlreiche Mitarbeitende zu ihren täglichen Aufgaben und geltenden Regelungen. Das Zertifikat als Qualitätssiegel macht es für den Patienten sichtbar, dass er sich darauf verlassen kann, bei uns eine hochwertige Behandlung zu erhalten, erläutert der Ärztliche Direktor Dr. Ulrich Weitkämper. Von der Aufnahme über den Aufenthalt bis hin zur Entlassung befindet sich der Patient bei uns in guten Händen, erklärt Pflegedienstleitung Ingeborg Drossel. Die festgelegten Therapieziele für jeden Patienten werden regelmäßig überprüft, ergänzt die Therapeutische Leitung Irene Harras. Ein wichtiges Instrument zur Erhöhung der Sicherheit für Patienten und Mitarbeitende ist das Risikomanagement. Das Ev. Krankenhaus betreibt dafür ein aktives Fehlermanagement und ein Critical Incident Reporting System (CIRS). Beide Instrumente zielen darauf ab, Risiken schon im Vorfeld zu erkennen und zu vermeiden. Wenn ein Krankenhaus zertifiziert wird, schaut man vorher ganz genau hin, wo sich Fehler ein- Stephan Achtermann von der Zertifizierungsstelle WIESO-CERT (10.v.l.) übergibt die Zertifikate an die Betriebsleitung und Mitarbeitende des Ev. Krankenhauses Witten. geschlichen haben könnten. Alle Standards werden überprüft und optimiert, sagt Martina Bojahr. Für die Krankenschwester in der Funktionsdiagnostik war dies neben fachlichen Gründen ein wichtiges Argument, eine Operation an der Hand im eigenen Krankenhaus vornehmen zu lassen. Die Zertifizierung sieht sie als positiv für alle Patienten. Man kann sich darauf verlassen, hier gut behandelt zu werden. Ein sicheres Gefühl. Es war nicht schwer, einen positiven Bescheid zu erteilen, fasste Stephan Achtermann nach der Prüfung zusammen. Der Auditor bedankte sich für offene Gespräche, ehrliche Antworten und eine angenehme Atmosphäre. Sie haben ein Team, auf das Sie stolz sein können, betonte er. Geschäftsführer Heinz-Werner Bitter dankte allen Mitarbeitenden für ihr Engagement. Ohne Ihren Einsatz hätten wir es nicht geschafft. Auf den Lorbeeren des Erfolgs ausruhen kann sich das Ev. Krankenhaus allerdings nicht: Jedes Jahr wird nun in einem wiederholten Audit überprüft, ob die Anforderungen der Norm weiterhin erfüllt sind. Nach drei Jahren muss das Zertifikat erneuert werden. Ev. Krankenhaus Witten errichtet Gesundheitszentrum Fachinternistische Gemeinschaftspraxis wird Hauptmieter. Inbetriebnahme für August 2016 geplant Auf dem Gelände in Witten entsteht ein zusätzliches Angebot: Das Ev. Krankenhaus errichtet an der Pferdebachstraße ein Gesundheitszentrum. Hauptmieter wird die Fachinternistische Gemeinschaftspraxis Dr. Evelyn Luhrenberg, Dr. Beate Höhmann- Riese, Dr. Jacqueline Rauh, Markus Knittel und Dr. Maura Schweickert, die vom bisherigen Standort an der Ardeystraße in den Neubau wechseln wird. Das Ärztehaus direkt am Krankenhaus verbessert die Zusammenarbeit, betonen sowohl Geschäftsführer Heinz-Werner Bitter für das Ev. Krankenhaus als auch die niedergelassenen Fachärzte aus der Gemeinschaftspraxis. Schon jetzt besteht (v.l.) Geschäftsführer Heinz-Werner Bitter, Silke Haremsa und Ulrich Meisenheimer (Sektor-3-Architekten) sowie die Ärzte Markus Knittel, Dr. Jacqueline Rauh, Dr. Beate Höhmann-Riese und Dr. Evelyn Luhrenberg (Fachinternistische Gemeinschaftspraxis) auf dem Baugrundstück zwischen Krankenhaus und Praxis ein einzigartiges Netzwerk zur Versorgung von Tumorpatienten. Es ermöglicht eine nahtlose Verzahnung von ambulanter und stationärer Behandlung und gewährleistet so die hohe medizinische Versorgungsqualität. Das 3,5 Millionen Euro teure Projekt entsteht parallel zur Pferdebachstraße in Höhe der Liegendanfahrt. Dort stand früher das ehemalige Pfarrhaus I, das im Mai 2011 abgerissen wurde. Vorbereitende Arbeiten auf dem Grundstück wurden bereits im Herbst 2014 durchgeführt, der Baubeginn ist für April 2015 geplant. Die Fertigstellung soll im Frühjahr 2016 erfolgen, die Inbetriebnahme ist für August 2016 anvisiert.

8 8 imblick 1/2015 Sandra Ruppelt ist tierisch talentiert Die 32-Jährige tauscht die Werkstatt Constantin-Bewatt gegen den Pferdestall Kurz und knapp Mit der Fertigstellung ihrer Müllkammerbox hat die Bochumer Werkstatt Constantin-Bewatt eine Marke in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung gesetzt. Das Designstück aus Metall verbannt unschöne Tonnen aus dem Vorgarten, und seine Herstellung hat seit 2008 das Selbstbewusstsein unzähliger an der Herstellung beteiligter Menschen gesteigert. Das Malerteam der Zweigwerkstatt Bewatt hat im Altenzentrums Rosenberg neu gestrichen. Die Etagen erstrahlen heller als zuvor. Als nächstes kommen nun das Wohnhaus und die Begegnungsstätte am Rosenberg an die Reihe. Gaaanz ruhig. Sandra Ruppelt führt den schnaubenden Wallach behutsam aus seiner Box heraus. Das Tier entspannt sich und bleibt für ein Foto sogar still stehen. Die 32-Jährige hat gelernt, mit Pferden umzugehen, und ihre Tierliebe zum Beruf gemacht. Aus der Werkstatt Constantin-Bewatt führte sie ihr Weg auf den Reiterhof Schmalenbeck in Bochum-Stiepel. Besitzerin Christine Schmalenbeck hatte keine Bedenken, Menschen mit Behinderung eine Chance zu geben, und bot der Bochumerin erst einmal ein längeres Praktikum an: Sie ist dabei immer besser und selbständiger geworden. Routinen helfen ihr bei der Arbeit. Mit den 70 Pferden auf dem Hof, den Katzen und Hunden freundete sich Sandra Ruppelt schnell an. Es war bereits ihr zweites Praktikum auf einem Reiterhof, diesmal dauerte es fünf Monate. Am Ende hatte sie einen unbefristeten Arbeitsvertrag in der Tasche. Jeden Tag stehe ich um 4.40 Uhr auf, sagt Sandra Ruppelt, während sie eine Box ausmistet. Meistens nimmt sie den Bus zur Arbeit, im Sommer geht sie eine Dreiviertelstunde zu Fuß. Ich bin einfach gerne draußen in der Natur und bin gerne aktiv. Sie fegt altes Stroh weg und gibt den Tieren neues, sie putzt, kehrt und hat immer eine helfende Hand, wenn sie gebraucht wird. Reinhard Joswig vom Integrationsfachdienst kennt Sandra Ruppelt schon lange und hatte bereits geahnt, dass sie so in dem Job aufgehen würde. Wir haben uns immer in alle Richtungen umgesehen, wo mit Tieren oder für Tiere gearbeitet wird. Beim Hof Schmalenbeck musste ich am Telefon nicht lange Überzeugungsarbeit leisten, sagt er. Die neue Mitarbeiterin gehört längst mit zur Familie, man Sandra Ruppelt arbeitet jetzt auf dem Reiterhof. isst gemeinsam und pflegt eine angenehme Atmosphäre. Ohnehin seien viele Firmen offen für die Arbeit mit Menschen mit Behinderung mindestens für ein Praktikum. Vorbehalte spüre ich nur gelegentlich, sagt Reinhard Joswig. Einige Betriebe stellen sich gut darauf ein. Sie bekommen viel zurück, wie auch im Fall von Sandra Ruppelt. Bei einem Gesundheitstag konnten Mitarbeitende des Altenzentrums am Schwesternpark Feierabendhäuser in Witten neue Körpererfahrungen sammeln und zahlreiche Angebote ausprobieren. Die Veranstaltung war eingebunden in die betriebliche Gesundheitsförderung der Diakonie Ruhr und das Themenjahr Fit & Aktiv der Feierabendhäuser. Nutzerbeirat wird gewählt Die etwa 700 Nutzerinnen und Nutzer des Fachdienstes Betreutes Wohnen wählen in diesem Jahr ihre Vertreter. Diese Möglichkeit ist in der Region einzigartig und zeigt den Stellenwert von Partizipation bei der Diakonie Ruhr. Der Nutzerbeirat geht bereits in seine zweite Amtsperiode und versteht sich als Vermittler zwischen Klienten und Träger in möglichen Konfliktfällen. Außerdem arbeitet er bei Projekten zur Verbesserung des Fachdienstes mit, nimmt Ideen und Anregungen auf und steht in ständigem Austausch mit den Teams

9 1/2015 imblick 9 Wie Maria Herberge und Freunde fand Schaufensterpuppe mit Eigenleben bei Facebook war auch auf dem Wittener Gelände zu Gast Thomas Kreuder (Leitender Arzt) und Gerlinde König (Pflegerische Leitung) untersuchen Maria in der Interdisziplinären Aufnahme / Ambulanz im EvK Witten. Maria beim Frühstück in der Kurzzeitpflege der Feierabendhäuser mit Martina Große Munckenbeck (l.) und Manuela Söhnchen Oberin Marianne Anschütz zeigt Maria das Museum im Mutterhaus. In der Kurzzeitpflege erhält Maria ein Namensschild an der Tür. Mit einer tollen Social-Media-Aktion hat die Ev. Kirche in Witten in der Adventszeit zahlreiche Menschen bewegt. Maria Nazareth berichtete bei Facebook über ihre Suche nach einer Herberge in der Ruhrstadt. Pfarrer Christian Uhlstein hatte zur Ankündigung der Geschichten im Stall auf dem Wittener Weihnachtsmarkt ein Profil für die Schaufensterpuppe angelegt. Die Aktion entwickelte sich zum Selbstläufer, jeden Abend boten Menschen der Krippenfigur ein Nachtquartier und ihre Gesellschaft an. Fast 1300 Nutzer verfolgten zum Schluss bei Facebook die Erlebnisse der Puppe mit Eigenleben. Auf dem Gelände an der Pferdebachstraße war Maria vom 27. bis 28. November 2014 zu Gast. Am Abend bettete Maria nach zwei anstrengenden Fernsehauftritten der WDR und Sat.1 NRW waren nach einem ersten Zeitungsartikel auf die Aktion aufmerksam geworden ihr müdes Haupt in der Kurzzeitpflege im Altenzentrum am Schwesternpark Feierabendhäuser. Nach einem leckeren Frühstück stand dann zunächst ein Untersuchungstermin in der Ambulanz im Ev. Krankenhaus Witten auf dem Programm. Anschließend hat sich Maria auf dem Gelände umgesehen und das Mutterhaus, das Familienzentrum, das Comenius Berufskolleg, die Gesundheits- und Krankenpflegeschule sowie das Fachseminar für Altenpflege besucht. Zum Abschluss ging es zum Weihnachtsmarkt der Feierabendhäuser, bis Maria wieder zurück in die Innenstadt zu den Geschichten am Stall musste. Krankenpflegeschülerinnen bringen Maria ein Ständchen am Baum. Im Heilerziehungspflege-Unterricht am Comenius Berufskolleg Lecker Pommes beim Weihnachtsmarkt der Feierabendhäuser Im Fachseminar für Altenpflege schaut sich Maria Lagerungsübungen an. Im Familienzentrum des Diakoniewerkes Ruhr Witten

10 10 imblick 1/2015 Wales trifft Kolumbien in Bochum Austauschstudenten der Ruhr-Uni lesen Senioren Märchen aus ihrer Heimat vor Kurz und knapp Adventslichter hieß die Idee, mit der Schüler des Comenius Berufskollegs Beschäftigte und Mitarbeitende der Werkstatt Constantin-Bewatt erfreut haben. Unter der Regie von Religionslehrer Johannes Ditthardt gestaltete die Unterstufe der Heilerziehungspflegeausbildung dreimal eine bunte Stunde mit erzählten Geschichten und gemeinsam gesungenen Liedern. Beide Einrichtungen gehören zum Verbund der Diakonie Ruhr. Die Bildungs- & Kulturinitiative hat im Rahmen einer Ausstellung in der EvK- Galerie eine Denktafel aus Cortenstahl an die Stadt Witten übergeben. Bürgermeisterin Sonja Leidemann nahm sie im Ev. Krankenhaus aus den Händen von Künstler HP Müller, Prof. Detlef H. Mache (Vorstand der Bildungs- & Kulturinitiative) und Verwaltungsdirektor Dr. Joachim Abrolat entgegen. Die Aktion war Teil eines landesweiten Kunstprojektes. Auf der Homepage der Stadt konnten Bürger bis Ende 2014 Vorschläge einreichen, wo die Tafel künftig hängen soll. Barbara Kalinová trug den Seniorinnen ein Märchen aus ihrer slowakischen Heimat vor. Schlesien-Ausstellung vorerst beendet Die Ausstellung Ferne Heimat in der Zeche Hannover ist beendet. Die Offene Altenarbeit der Inneren Mission und die Ev. Fachhochschule Bochum hatten Exponate zusammen- ten selbst aus ihrer Muttersprache übersetzt. Das Vortragen auf Deutsch sorgte zunächst für etwas Anspannung, schließlich entfalteten sich die Anekdoten aber klar und flüssig. Bei Kaffee und Kuchen stellten die Seniorinnen viele Fragen zu den Herkunftsländern der Gäste, besonders zu Ritualen an Weihnachten. Bärbel Abrolat vom Sozialdienst des Katharina-von-Bora-Hauses: Das war ein toller Besuch, der beiden Seiten neue Erfahrungen beschert hat. Studierende der Ruhr-Universität hatten bereits im August in der Alteneinrichtung der Diakonie Ruhr vorgelesen, die jüngste Leserunde organisierte das Bochumer Erasmus-Studenten-Netzwerk ESN. Wer bei einem Auslandsstudium vor allem an Partys und wilde Tage im Studentenwohnheim denkt, hat diese Drei unterschätzt: Andres Campo, Barbara Kalinová und Matt de Winton sind über das Erasmus-Programm Gäste in Bochum und engagieren sich sozial. Die Studierenden der Ruhr-Universität besuchten das Katharina-von-Bora-Haus, um dort Seniorinnen Geschichten aus ihrer Heimat vorzutragen. So lernten die Bewohnerinnen etwas über ein Mädchen in Kolumbien, das arm ist, obwohl es im Überfluss lebt, grübelten über ein Märchen mit vielen Rätseln aus der Slowakei und erfreuten sich an einem heldenhaften Hund aus einer walisischen Sage. Die Studierenden hatten die Geschichgetragen und Zeitzeugen gefunden, die über den Fortzug aus Schlesien ins Ruhrgebiet berichteten. Der gebürtige Schlesier Dieter Mohaupt, der auch das nebenstehe Foto von der Schneekoppe beisteuerte, war zudem Gast im Bochumer Erzählcafé. Einen Teil der für die Ausstellung zusammengetragenen Materialien stellt die Offene Altenarbeit derzeit zu einer reduzierten Schau zusammen, die dann beispielsweise für Biografiearbeit ausleihbar ist. Kontakt über Doris Brandt: 0234/ oder

11 1/2015 imblick 11 Wittens älteste Diakonisse verstorben Diakoniegemeinschaft trauert um Schwester Otti Ortmann Die Wittener Diakoniegemeinschaft trauert um ihre älteste Diakonisse: Schwester Otti Ortmann ist am 30. Oktober 2014 im Alter von 101 Jahren im Altenzentrum am Schwesternpark Feierabendhäuser verstorben. Otti Ortmann wurde am 1. Dezember 1912 in Bochum- Langendreer geboren. Durch eigene Krankheit wurde schon in der Kindheit ihr Wunsch wach, selbst Krankenschwester zu werden. Der Kontakt zu Wittener Diakonissen stärkte die Berufung der Bergmannstochter, Menschen zu pflegen und zu begleiten. Sie entschied sich, selbst in die Diakoniegemeinschaft einzutreten, und wurde am 1. Oktober 1934 als Jungschwester im Wittener Mutterhaus aufgenommen. Die ersten Stationen in der fünfjährigen Probeschwesternzeit führten sie in die Krankenhäuser Hamm und Hattingen. Anschließend absolvierte sie in Witten die große Krankenpflegeausbildung. Dort übernahm Schwester Otti nach dem Abschluss im Jahr Jahre lang die verantwortungsvolle Aufgabe der OP- Schwester und Leitung. In dieser Funktion gehörte sie auch zu der Belegschaft, die während des Zweiten Weltkrieges unter schwierigsten Bedingungen den Betrieb im zu großen Teilen zerstörten Krankenhaus so gut es ging aufrecht hielt wechselte Otti Ortmann als Gemeindeschwester in Gelsenkirchen-Schalke in einen neuen Arbeitsbereich holte die damalige Oberin Christel Prein sie zurück nach Witten ins Mutterhaus, wo sie noch sieben Jahre während der umfangreichen Neubaumaßnahmen als Hausmutter tätig war. Im Januar 1976 trat Schwester Otti in den Feierabend, wie der Ruhestand bei den Diakonissen heißt. Nach ihrem Schwester Otti Ortmann 80. Geburtstag zog sie dann ins Feierabendhaus. Bis zuletzt kümmerte sich Schwester Otti immer noch liebevoll um ihre Mitbewohner und um die Blumen. Für Schwestern, die Jubiläum feiern, malte sie Mandalas als Geschenk. Sie pflegte eine große Korrespondenz und interessierte sich mit wachem Geist am Tagesgeschehen. Bewohner und Mitarbeitende der Feierabendhäuser sowie ihre Mitschwestern und -brüder in der Diakoniegemeinschaft vermissen sie sehr. Feierabendhäuser zu Besuch bei den alten Meistern Jahreskalender des Altenzentrums am Schwesternpark für 2015 Das Team um (stehend v.l.) Maskenbildner Armin Yanmaz, Fotograf und Einrichtungsleiter Andreas Vincke, Angelika Oulad und Manuela Söhnchen (stehend 6.v.l.) präsentiert im Kreis der Fotomodelle den neuen Kalender. Das Altenzentrum am Schwesternpark Feierabendhäuser hat seine beliebte Kalenderserie Schönheit im Alter fortgesetzt. Für 2015 hat sich Einrichtungsleiter und Fotograf Andreas Vincke ein besonders aufwändig umzusetzendes und künstlerisch anspruchsvolles Thema ausgesucht: Er hat Gemälde alter Meister aus dem 15. bis zum frühen 20. Jahrhundert als Foto nachgestellt, unter anderem von Lucas Cranach dem Älteren, Rubens oder Rembrandt van Rijn. Dafür haben wieder Bewohnerinnen und Bewohner der Alteneinrichtung Modell gestanden. Entstanden sind interessante Interpretationen nicht immer bekannter Gemälde. Beim Fototermin wurde das Betreuerteam aus Manuela Söhnchen, Angelika Oulad und Monika Claus diesmal von einem professionellen Maskenbildner unterstützt: Armin Yanmaz gehörte bei den Dreharbeiten zur der Herr-der-Ringe-Trilogie, Batman und Moulin Rouge zum Team, nun stellte er den Feierabendhäusern sein Können zur Verfügung. Sein Einsatz wurde auch finanziell von Frisörmeister Erich Pedron unterstützt, für den der Maskenbildner regelmäßig tätig ist. Erich Pedron betreibt auch den Salon im Altenzentrum. Æ Æ Der Kalender Schönheit im Alter 2015 zu Besuch bei den alten Meistern kann zum Preis von 13 Euro in der Verwaltung des Altenzentrums am Schwesternpark Feierabendhäuser, Pferdebachstraße 43, Witten, erworben werden.

12 12 imblick 1/2015 VfL-Stars ziehen die Blicke auf sich Fußballklub unterstützt Tag der offenen Tür in der Werkstatt Constantin-Bewatt Kurz und knapp 151 liebevoll verpackte Geschenke haben Mitarbeitende des Altenzentrums am Schwesternpark Feierabendhäuser bei der vierten Päckchenaktion der Einrichtung an die Ehrenamtlichen der Creativen Kirche überreicht. Sie wurden am Zweiten Weihnachtsfeiertag bei der Aktion Tischlein deck dich nach dem Festessen in der Wittener Christuskirche an die Gäste verteilt. Eine Delegation aus hochrangigen äthiopischen Vertretern aus Politik und Gesundheitswesen hat dem Ev. Krankenhaus Witten ihren Dank für die Unterstützung bei der Verbesserung der medizinischen Versorgung überbracht. Die Oberärzte Gholam Abass Dehzad und Dr. Thomas Horacek der Klinik für Innere Medizin haben im Frühjahr 2014 in Äthiopien Kollegen geschult. Der Mittelkurs der Gesundheits- und Krankenpflegeschule am Ev. Krankenhaus Witten hat an eine langjährige Tradition angeknüpft und eine Weihnachtsfeier für die Patienten des Hauses ausgerichtet. Yusuke Tasaka vom VfL Bochum schrieb Autogramme und stand für zahlreiche Fotos zur Verfügung. Für den VfL Bochum hatte Yusuke Tasaka ein Tor vorbereitet, keine 48 Stunden später schrieb der Japaner beim Tag der offenen Tür in der Werkstatt Constantin-Bewatt Autogramme für alle Fans mit und ohne Behinderung. Auch die blaue Riesenmaus Bobbi Bolzer, das Kinderklubmaskottchen des VfL, war ein beliebtes Fotomotiv ganz egal, ob es auf dem Außengelände, an der Bühne oder an den bunten Ständen auftauchte. Bei vielen Bochumern steigt die Vorfreude auf die Adventszeit erst mit dem traditionellen Tag der offenen Tür in den Werkstätten. In Grumme bekamen sie das gesamte Produktspektrum geboten, das die Behindertenhilfe der Diakonie Ruhr zum Fest fertigt: Textilien, Gestecke und Kränze, Bilder, Schmuck, Kissen, Stühle, Kerzen und vieles mehr wechselte zu fairen Preisen und für gute Zwecke den Besitzer. Die kostenlose Kinderbetreuung entspannte die Eltern. Theater- und Tanzeinlagen und Livemusik sorgten auf der Wohnungslosenhilfe unterstützt Nahles Vorstoß gegen Sanktionen Die Wohnungslosenhilfe der Inneren Mission Diakonisches Werk Bochum e.v. begrüßt die Absicht von Sozialministerin Andrea Nahles, Bühne für Abwechslung. Zu essen gab es einerseits Klassiker wie Currywurst, Waffeln oder gebrannte Mandeln, andererseits auch Antipasti und feine Salate in der Gourmet- Ecke. Vor dem Eingang zeigte die Bogestra, wie man mit Rollstuhl oder Rollator am sichersten Bus fährt. Der Tag der offenen Tür ist für die Werkstatt-Beschäftigten mit Behinderung und die Mitarbeiter immer eine schöne Gelegenheit, die Ergebnisse ihrer kreativen Arbeit zu präsentieren. Auch um die Müllkammerbox scharten sich wieder Interessenten. Voller Einsatz am Schlagzeug die bisherigen (verschärften) Sanktionen für unter 25-jährige Leistungsbeziehende von Arbeitslosengeld II abzuschaffen und damit eine Gleichstellung mit den anderen Leistungsbeziehenden herbeizuführen. Sie unterstützt auch die Forderung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.v. (BAG W), des Dachverbands der Dienste und Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, dass eine Minderung der Bedarfe für Unterkunft und Heizung nicht mehr möglich sein soll.

13 1/2015 imblick 13 Das Handy zum Freund machen Comenius Berufskolleg fördert sinnvollen Umgang mit mobilen Geräten, auch zur Recherche im Unterricht Die Schülerinnen (vorne v.l.) Ricarda Vogt und Carolin Urbaniak aus dem Heilerziehungspflege-Unterkurs, Pfarrer Johannes Ditthardt und Lehrerin Anke Niemeyer arbeiten gerne mit mobilen Geräten. Handy raus, der Unterricht beginnt diese (noch) etwas ungewöhnliche Eröffnung kommt am Comenius Berufskolleg immer häufiger vor. Statt das Smartphone rigide zu verbannen, bindet es die Schule auf dem Diakonie-Gelände an der Pferdebachstraße gezielt in das pädagogische Konzept ein. Die Erfahrungen sind sehr positiv, betont Schulleiter Uwe Gronert. Kurze Recherchen im Internet, die Suche nach Informationstexten oder zum Unterrichtsthema passenden Filmschnipsel können die Fachoberschüler im Bereich Gesundheits- und Sozialwesen sowie die angehenden Erzieher/innen und Heilerziehungspfleger/innen mit dem eigenen Gerät durchführen. Dafür hat das Comenius Berufskolleg WLAN-Hotspots angeschafft, die einfach in die Steckdose gestöpselt werden und drahtloses Internet im Klassenraum ermöglichen. Schnell und praktisch, findet Heilerziehungspflege-Azubi Maurizio Neitzel die neue Recherchemöglichkeit. Man kann mal eben kurz etwas nachschauen und muss dafür nicht rüber in den Computerraum gehen, ergänzt seine Kommilitonin Anne Micke. Auch die Lehrenden sind begeistert. Wir können spontaner arbeiten, sagt Anke Niemeyer, Lehrerin für Sozialpädagogik. Bei einem Vortrag zum Thema Hörstörungen konnten etwa Klangdemonstrationen direkt aus dem Netz angespielt werden, nennt sie ein Beispiel. Die Eigeninitiative wird ebenfalls stark gefördert, hat Pfarrer Johannes Ditthardt, der am Comenius Berufskolleg Religion unterrichtet, beobachtet. Viele Schüler finden das sehr anziehend und begleiten den Unterricht mit eigenen Anregungen, sagt der Theologe und gibt als Motto aus: Machen Sie das Handy der Schüler zu Ihrem Freund. Auch das NRW- Schulministerium hat die Bedeutung erkannt und wirbt für die sinnvolle Einbindung vorhandener privater Geräte ins Unterrichtsgeschehen: Bring Your Own Device lautet der Ansatz, der aus der Unternehmenskultur stammt. Medienkompetenz heißt, einen bewussten Umgang mit den digitalen Möglichkeiten zu praktizieren, betont Uwe Gronert. Dazu gehört ihre sinnvolle Nutzung aber auch der Verzicht. Während des Unterrichtsgesprächs bleibt das Smartphone deshalb tabu. Und für private Zwecke dürfen die Schüler es nur in der Pause nutzen. Das wird problemlos akzeptiert, sagt der Schulleiter. Das Ansehen des Pflegeberufes stärken Staatssekretärin Ingrid Fischbach diskutierte mit Auszubildenden im Fachseminar für Altenpflege Staatssekretärin Ingrid Fischbach (r.) stellt sich auf dem Podium mit Schulleiterin Marion Hohmann den Fragen der Auszubildenden Das erste Pflegestärkungsgesetz kann nur der Anfang der Pflegereform sein, waren sich Ingrid Fischbach, Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, und die Auszubildenden im Fachseminar für Altenpflege einig. Mit dem Besuch in der Altenpflegeschule in Witten löste die CDU-Politikerin im Oktober 2014 ein Versprechen ein, das sie Ende August bei einer Diskussionsveranstaltung mit Mitarbeitenden der Diakonie Ruhr in Bochum gegeben hatte. Themen waren unter anderem Überlegungen für eine Reform der Pflegeausbildung, das Ansehen des Pflegeberufes und Ideen zur Entbürokratisierung der Dokumentation. Die Staatssekretärin geht davon aus, dass das Thema Pflege auch nach der nächsten Bundestagswahl ganz oben auf der politischen Agenda stehen wird. Einen weiteren Besuch im Fachseminar für Altenpflege stellte sie ebenfalls in Aussicht.

14 14 imblick 1/2015 Mehr Anerkennung für die Pflege Bundestagsabgeordneter Ralf Kapschack diskutierte mit Krankenpflegeschülern Kurz und knapp Statt Geschenken hatte sich Brunhilde Bunk zu ihrem 80. Geburtstag am 4. Oktober 2014 von ihren Gästen eine Spende zugunsten der Palliativstation im Ev. Krankenhaus Witten gewünscht: 850 Euro kamen zusammen. Das Geld übergab die Wengeranerin, die sich seit 13 Jahren als Grüne Dame engagiert, an den Förderverein. Vorsitzender Dieter Pfarre, Dr. Christoph Hackmann, Chefarzt der Klinik für Hämatologie und Onkologie, und das Team der Palliativstation bedankten sich herzlich. Die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie im Ev. Krankenhaus Witten ist seit Herbst 2014 als Endoprothetikzentrum zertifitziert. Der Ersatz der großen Körpergelenke gehört seit vielen Jahren ihren Schwerpunkten. Die Konzerttradition am Ev. Krankenhaus Witten geht weiter: Beim Gastspiel des Staatlichen Sinfonieorchesters Kaliningrad / Königsberg unter der Leitung von Arkadij Feldman war die Kapelle wieder bis auf den letzten Platz besetzt. Damit die Krankenhäuser ihren hohen Qualitätsansprüchen in der Versorgung der Patienten auch in Zukunft gerecht werden können, benötigt das Gesundheitssystem mehr Geld. Darin waren sich die Krankenpflege-Azubis und der Wittener Bundestagsabgeordnete Ralf Kapschack einig. Der SPD-Politiker besuchte die Gesundheits- und Krankenpflegeschule am Ev. Krankenhaus Witten, um mit den Auszubildenden über die Themen Ausbildung und Pflege zu diskutieren. Um die Einnahmen der Kranken- und Pflegekassen zu erhöhen, spricht sich Ralf Kapschack für das SPD-Konzept der Bürgerversicherung aus, in die auch Beamte, Selbständige und Besserverdienende einzahlen. Außerdem würde er die Steuern auf große Einkommen erhöhen. Dafür gibt es aber zurzeit keine Mehrheit. Die Gesundheits- und Krankenpflegeschüler wünschen sich mehr Anerkennung ihrer Tätigkeit im gesellschaftlichen Bewusstsein. Ich werde häufig gefragt, warum ich denn so viel lernen muss, erzählt Jasmin Schneider. Viele denken, wir machen das, was der Arzt sagt, und trinken die übrige Zeit Kaffee. Auch Marc Beckers sieht hier die Notwendigkeit für ein Umdenken. In Fernsehserien wird immer der Arzt als Held dargestellt, kritisiert der Auszubildende. Die Pflege spielt nur eine Nebenrolle als Helfer. Bunter Schal wärmt Diakonissenfiguren Der Bundestagsabgeordnete Ralf Kapschack beim Besuch in der Gesundheitsund Krankenpflegeschule Die Gesellschaft muss sich fragen, was ihr die Pflege wert ist, erklärt Ralf Kapschack. Dazu gehören Aspekte wie Ausbildung, Entlohnung und Arbeitsbedingungen. Ob eine generalistische Pflegeausbildung, in der die bisherigen Ausbildungsberufe Krankenpflege, Altenpflege und Kinderkrankenpflege zusammengefasst werden, eine Lösung sein kann, möchten die Auszubildenden wissen. Für dieses Modell haben sich zuletzt die Gesundheitsminister von Bund und Ländern ausgesprochen. Dazu habe ich noch keine abschließende Meinung, gibt der Abgeordnete offen zu. Zu dem Thema fehlten noch verlässliche Fakten, ebenso wie zum Nutzen einer akademischen Pflegeausbildung an einer Hochschule. Überlegungen, das Abitur zur Zugangsvoraussetzung für eine Pflegeausbildung zu machen, erteilt Ralf Kapschack eine Absage: Wir können nicht sagen, dass wir zu wenig Pflegefachkräfte haben und gleichzeitig die Anforderungen erhöhen. Verbindend, schön bunt und warm ist der über 25 Meter lange, aus vielen Einzelstücken zusammengesetzte Schal, der seit dem Basar am 22. November 2014 die Diakonissenfiguren vor dem Ev. Krankenhaus Witten vor dem Frieren bewahrt. Besucherinnen und Besucher, Teilnehmerinnen der Weiterbildung zur nebenamtlichen GemeindeSchwester und weitere Mitglieder der Diakoniegemeinschaft gestalteten ihn gemeinsam unter dem Motto GemeindeSchwestern eine bestrickende Idee. Der traditionelle Basar der Wittener Diakoniegemeinschaft hatte wieder unzählige Besucher ins Ev. Krankenhaus gelockt. Der Erlös ist für Projekte in den diakonischen Ausbildungsbereichen bestimmt, insbesondere für die Weiterbildung neuer Gemeinde- Schwestern.

15 1/2015 imblick 15 Heute bleibt die Küche warm Kochclub 60plus wendet sich an Senioren, die gerne in Gemeinschaft neue und alte Rezepte ausprobieren Gemeinsam Leckeres zubereiten, sich dabei austauschen und hinterher zusammen essen das sind die Ziele des neuen Kochclubs 60plus. Schon das erste Treffen im Wichernhaus machte Fremde zu Bekannten und inspirierte die Bochumerinnen und Bochumer über 60 zu neuen Gerichten. Mit Kartoffelauflauf und Obstsalat waren die Speisen für das erste Treffen noch vorgegeben, künftig entscheiden die Teilnehmenden natürlich selbst, was in die Pfanne oder den Ofen kommt. Alle sollen mitbestimmen, wir wollen nichts vorgeben, sagt Doris Brandt von der Offenen Altenarbeit der Inneren Mission, die den Kreis gemeinsam mit Almut Meschenat vom Sozialdienst des Wichernhauses und Sylvia Pratzler als Ehrenamtliche ins Leben gerufen hat. Die Aufgaben verteilten die neun Frauen und zwei Männer unkompliziert untereinander: Möhren raspeln, Kartoffeln schälen, abspülen. Unterhaltungen überlagerten das Brutzeln des Öls in der Pfanne, dessen Duft sich schnell mit dem von Zwiebeln mischte. Für mich alleine koche ich nur unregelmäßig, erzählt Hildegard Bremer aus Bochum- Alle helfen mit. Gerthe beim Obstschneiden. Sylvia Pratzler unterstützt den Kochclub ehrenamtlich. Die 64-Jährige erfuhr aus der Zeitung von dem neuen Club und schloss sich sogleich voller Neugier an. Hier möchte sie in Gemeinschaft die Freude am Kochen wieder ausleben. Wir haben einen großen Bedarf gesehen, sagt Almut Meschenat. Außerdem ist es eine gute Möglichkeit, Menschen zusammenzubringen. Noch bevor der goldgelbe Auflauf aus dem Ofen auf den Tisch kam, diskutierte die Runde das Essen für den nächsten Monat. Schnell stand jahreszeitlich passend der Wirsing fest, nur das genaue Rezept verlangte einen längeren Erfahrungsaustausch. Denn auch den Einkauf regeln die Teilnehmer selbst, bekommen auf Wunsch aber motorisierte Unterstützung. Der Kochclub entwickelte sich so rasant, dass auch eine zweite Gruppe schon voll ist. Eventuell freie Plätze nennt Doris Brandt unter 0234/ Elsa-Brändström-Haus sammelt für Beerdigung in Sri Lanka Welle der Solidarität für die Familie von plötzlich verstorbener Mitarbeiterin Nach dem Tod von Mitarbeiterin Sunethra Laskawi hat das Elsa-Brändström-Haus in kürzester Zeit Geld für eine Beerdigung in ihrer Heimat Sri Lanka gesammelt. Die stellvertretende Küchenleitung der Eppendorfer Alteneinrichtung war im November plötzlich verstorben. Auf den Schock über den Verlust der beliebten Kollegin folgte gleich ein zweiter: Ihre Familie hatte nicht die finanziellen Mittel, um die Überführung nach Asien und die traditionelle Bestattung zu bezahlen. Die Mitarbeitenden haben sofort angefangen zu sammeln, sagt Einrichtungsleiter Martin Bradtke. In sieben Tagen kamen 1600 Euro zusammen. Der Zusammenhalt, die Selbstverständlichkeit, mit der alles geschah, waren sehr beeindruckend, betont Bradtke. Die Familie war dankbar, das Geld reichte, um Sunethra Laskawi in Sri Lanka die letzte Ehre zu erweisen. Die Köchin arbeitete seit 2007 bei der Diakonie Ruhr, zunächst im Katharina-von-Bora-Haus, ab 2009 als stellvertretende Küchenleitung im Elsa-Brändström-Haus.

16 Facebook f Logo CMYK /.eps Facebook f Logo CMYK /.eps Ruhr facebook.com/diakonieruhr Impressum Herausgeber Diakonie Ruhr gemeinnützige GmbH Ein Unternehmen im Ev. Verbund Ruhr gemeinnützige GmbH Geschäftsführer Werner Neveling Westring Bochum Telefon 0234 / Texte Felix Ehlert Jens-Martin Gorny Fotos Sabrina Berkel Felix Ehlert fotolia.com Jens-Martin Gorny Dieter Mohaupt Hanjo Schumacher Björn Taubitz Andreas Vincke Redaktion und Gestaltung Felix Ehlert Jens-Martin Gorny diakonie-ruhr.de Die Grenzen des Ehrenamts Zwischen Altruismus und Ausbeutung: Die Diakonie Ruhr diskutiert Wohlfahrtsverbände lieben sie, weil sie zusätzliche Kreativität in die Einrichtungen tragen, mancher Politiker würde ihnen am liebsten noch mehr Verantwortung bei der Seniorenbetreuung geben: die Ehrenamtlichen. Sind sie altruistische Helfer, Wirtschaftsfaktor oder sogar eine ausgebeutete Spezies? Beim Buß- und Bettagsempfang der Diakonie Ruhr wurde jedenfalls klar, dass der Staat sich nicht zu sehr auf freiwillige statt hauptamtlicher Helfer stützen sollte. Auf dem Podium diskutierten Jens Dirksen (Leiter des WAZ-Kulturressorts), die Journalistin und Buchautorin Claudia Pinl sowie Gerrit Heetderks (Leiter des Ev. Erwachsenenbildungswerks Nordrhein). Es moderierte Katja Leistenschneider von Radio Bochum. Jens Dirksen zeigte sich rückblickend dankbar dafür, dass der Staat ihn durch den Zivildienst sozial in die Pflicht genommen hatte. Nach einem Interview mit dem Philosophen Richard David Precht konnte er sogar dessen Idee von einem Pflichtjahr für Rentner etwas abgewinnen. Den Vorschlag fand ich erst unverschämt, allerdings glaube ich, dass etwas Druck richtig ist, sagte der Redakteur. Claudia Pinl kritisierte, dass das Ehrenamt zunehmend das Hauptamt ersetzen muss: Migrantenkindern am Nachmittag Deutsch beizubringen, ist eine lobenswerte Initiative. Eigentlich ist es aber die Aufgabe von Lehrern. Wenn ein städtisches Schwimmbad schließen muss und sich Leute finden, die es weiterbetreiben, darf das auch keine Dauerlösung sein. Besonders schwierig ist die Situation in der Altenpflege. Diakonie-Geschäftsführer Werner Neveling beklagte, dass das politische Konzept des Quartiersmanagements sich schlei- Diskutierten am Buß- und Bettag (v.l.): Diakonie-Ruhr-Geschäftsführer Werner Neveling, Moderatorin Katja Leistenschneider, Gerrit Heetderks, Jens Dirksen, Kabarettistin Ulrike Böhmer und Claudia Pinl Ehrenamtliche wie Jan Dubbeldam in den Wittener Feierabendhäusern sind eine Bereicherung. chend vom pflegenden Angehörigen zum pflegenden Nachbarn ausweite. Es scheint, als ginge es hier nur um kostengünstige statt professioneller Pflege. Ähnlich sah es Bochums Bürgermeisterin Gaby Schäfer. Das eine darf das andere nicht ersetzen. Es geht nur Hand in Hand, betonte sie. Dass dort, wo viele Ehrenamtliche tätig sind, auch immer feste Stellen zur Koordinierung entstünden, warf Gerrit Heetderks ein. Auch selbst ehrenamtlich Tätige mischten sich in die Diskussion ein, verwiesen auf die Freude, die ihnen ihre Aufgabe bringt. Um eine dauerhafte Finanzierung staatlicher Aufgaben wie Bildung oder soziale und Gesundheitsversorgung sicherzustellen, sei eine stärke Besteuerung von hohen Einkommen die beste Lösung darin waren sich Claudia Pinl und Jens Dirksen einig. Ein politischer Abschluss des Abends im Atrium der Stadtwerke Bochum. Endgültig beschloss ihn die Kirchenkabarettistin Ulrike Böhmer alias Erna Schabiewsky.

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