Entwicklung einer effektiven Autorenumgebung zur Unterstützung mobiler Endgeräte

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1 Entwicklung einer effektiven Autorenumgebung zur Unterstützung mobiler Endgeräte Zusammenfassung Der Lehre an deutschen Hochschulen stehen, neben einer angespannten Finanzlage, nun auch die Herausforderungen gegenüber, die sich unmittelbar aus dem doppelten Abitur-Jahrgang ergeben (KMK, 2012; BMBF, 2013). Um den hieraus resultierenden Anforderungen besser zu entsprechen, liegt es nahe, sich intensiv mit digital gestützten Lehr-/Lernkonzepten zu befassen. Hierzu zählen z.b. auch digitale Lehrmaterialien, die, unter besonderer Berücksichtigung mobiler Endgeräte (Bitkom, 2012), in Form von interaktiven Lernmodulen distribuiert werden. Im Rahmen der estudy-aktivitäten des Fachbereichs Medien der FH Düsseldorf wurde eine Autorenumgebung konzipiert, die eine hocheffiziente Entwicklung von HTML5-basierten Lernmodulen mit interessanten Zusatzfunktionen erlaubt, die in vielfältigen Lehr-/Lernszenarien zum Einsatz kommen können. 1 Konzeption der Autorenumgebung Aufgrund der schwierigen aktuellen Situation an deutschen Hochschulen, die u.a. durch eine angespannte Finanzlage und den doppelten Abitur-Jahrgang entsteht, sind neue Konzepte in der Studienorganisation als auch in der Lehre erforderlich (NMC, 2013). Im Rahmen von Blended-Learning-Szenarien finden innovative mediendidaktische Konzepte Anwendung, die in Selbstlerneinheiten auf digitalen Content zurückgreifen. Hierzu zählen beispielsweise Lernmodule und E-Lectures, die mit mobilen Endgeräten bedienbar und technisch nutzbar sein sollen. Seit 2004 werden im Fachbereich Medien der FH Düsseldorf Lernmodule für verschiedene Lehr-/Lernszenarien erstellt. Um den Autorenprozess bei der Erstellung eines estudy-lernmoduls möglichst komfortabel zu gestalten, wird im Rahmen von verschiedenen Projekt- und Abschlussarbeiten eine Autorenumgebung auf Basis der Autorensoftware Lectora 1 von Trivantis entwickelt und kontinuierlich erweitert

2 Der Autorenprozess wird in der vollständig selbst entwickelten Autorenumgebung durch hilfreiche Seitenvorlagen und neue Funktionen unterstützt. Die Lern module können anschließend auf allen gängigen mobilen Endgeräten wiedergegeben werden, die über einen HTML5-Browser verfügen. Als Basis der Autorenumgebung kommt die Autorensoftware Lectora zum Einsatz, da diese Autorensoftware bereits sehr viele Basisfunktionen bereitstellt und zusätzlich es erlaubt, über Variablen, Aktionen und Skripte Autoren nicht nur grafische, sondern auch funktionale Templates zur Verfügung zu stellen. So können individuelle Skripte u.a mit ASP 2 oder JavaScript pro Seite, pro Kapitel oder für das gesamte Lernmodul in den Templates von Lectora implementiert werden, die beispielsweise Zwischenspeicherungen in Datenbanken oder im Browser-Cache ermöglichen (siehe Kapitel 2). Die bestehenden Funktionen aus Lectora sowie die neuen, per Skript realisierten Funktionen werden als vollständige neue Autorenumgebung für den Autorenprozess bereitgestellt und im Folgenden weiter beschrieben. 2 Funktionsumfang In der folgenden Übersicht werden die Funktionen eines estudy-lernmoduls vorgestellt, die entweder direkt mit Funktionen der Autorensoftware Lectora umgesetzt oder durch eigene Skripte realisiert sind. Funktionen Lectora Eigenes Skript Inhaltsverzeichnis Autorennotiz Persönliche Notizen Persönliche Lesezeichen Druckfunktion Volltextsuche Cloud Speicher Glossar Literaturverzeichnis Mediathek 2 ASP: Active Server Pages 346

3 Entwicklung einer effektiven Autorenumgebung zur Unterstützung mobiler Endgeräte Autorennotizen Während des Autorenprozesses können weiterführende Informationen oder zusätzliche Anmerkungen zu jeder Seite eines Lernmoduls durch den/die Autor/-in verfasst werden. Diese entsprechen Fußnoten in einem Buch. Persönliche Notizen Zu jeder Seite des Lernmoduls besteht für den Rezipienten die Möglichkeit, persönliche Notizen von individuellem Umfang zu verfassen, die als Gedankenstütze genutzt werden können. Persönliche Lesezeichen Die Funktion der persönlichen Lesezeichen kann pro Seite in einem Lernmodul genutzt werden, um interessante Seiten schneller wiederfinden zu können. Die Übersicht der persönlichen Lesezeichen kann, neben der inhalts- und seitenbasierten Navigation, als eine weitere Navigationsart genutzt werden. Druckfunktion Mit dieser Funktion können die aktuelle Seite, bestimmte Seiten, ganze Kapitel oder das vollständige Lernmodul, optional mit den persönlichen Notizen gedruckt werden. Die Druckfunktion kann beispielsweise im Rahmen von Blended-Learning-Szenarios genutzt werden, um Lernmodulseiten mit persönlichen Notizen aus der Selbstlernphase für die Präsenzeinheit mitzunehmen. Hierfür können die Seiten auf Papier oder als Datei gedruckt werden. Gleichzeitig kann der Druck als Datei als persönliches Backup genutzt werden. Volltextsuche Mit der Volltextsuche können einzelne Wörter oder kurze Wortreihen im vollständigen Lernmodul oder auch nur im Glossar gesucht werden. Hierzu wird das Lernmodul per Skript vollständig durchsucht und im Browser- Cache zwischengespeichert. Als Suchergebnis wird eine Liste aller gefundenen Einträge mit jeweiliger Verknüpfung zur entsprechenden Seite dargestellt. Die Sucherergebnisse bleiben bestehen und können für die weitere Navigation zusätzlich verwenden werden. Cloud Speicher Die Rezipienten haben die Möglichkeit, persönliche Notizen und Lesezeichen in der Cloud zu speichern, um sie zu sichern oder anderen Teilnehmern zur Verfügung zu stellen. 347

4 3 Technische Umsetzung Die Autorenumgebung hat bisher drei wesentliche Entwicklungsschleifen durchlaufen. Nachdem die erste Version dem klassischen SCORM-Standard folgte und alle zusätzlichen Funktionen wie Suche und persönliche Notizen datenbankgestützt umgesetzt waren, sollte die zweite Generation von Lernmodulen bereits von SCORM und von Learning-Management-Systemen unabhängig sein. So konnten Lernmodule auch als HTML-Kurs veröffentlicht werden, die offline in einem iframe eines angepassten tinylms aufrufbar waren (Rudolph, 2011 und Bäder, 2011). Für die aktuelle Autorenumgebung gibt es drei wesentliche Anforderungen, wie die Verwendung eines adaptiven Designs, einer HTML5-Unterstützung sowie offline nutzbarer Zusatzfunktionen (Cieslik, 2012). Die Autorensoftware, als Basis der Autorenumgebung, wurde bei jeder Entwick lungsschleife auf den Prüfstand gestellt. Als Alternative zu Lectora wurde zuletzt u.a. Course Builder 3 oder ibooks Author 4 näher betrachtet. Durch die Möglichkeit der individuellen und technischen Erweiterbarkeit von Autorentemplates (siehe Kapitel 2) bildet Lectora weiterhin die Basis der Autoren umgebung. Für das aktuelle estudy-lernmodul wurden zunächst drei Bereiche definiert, die den Inhalt, die Zusatzfunktionen und die Navigation bereitstellen (vgl. Abb. 1). Zu den Zusatzfunktionen zählen die Such-, Druck-, Lesezeichen- und Notiz funktion. Diese können über die Navigation aufgerufen werden, die darüber hinaus Zugriff auf das Glossar, Quellenverzeichnis, Inhaltsverzeichnis, die Mediathek sowie das Wechseln zwischen einzelnen Seiten ermöglicht. Die Autorennotizen werden im unteren rechten Bereich des Inhaltsbereichs angezeigt. 3 Course Builder von Lumesse: lumesse-coursebuilder 4 ibooks Author von Apple: 348

5 Entwicklung einer effektiven Autorenumgebung zur Unterstützung mobiler Endgeräte Abb. 1: Entwurf des Lernmodul-Layouts einer Auflösung in unterschiedlicher Orientierung (Wurbs, 2013) Diese Aufteilung in einzelne Frames ermöglicht die Anpassung der Größe und Position je nach Endgerät, wobei sich nur die Frame-Breiten der Zusatzfunktionen und Navigation ändern und der Inhaltbereich unverändert bleibt (adaptives Design). Für die Tablet-Unterstützung ist das in einer Auflösung von 1280x768 Pixel angelegte Lectora-Template mit mehreren Skripten erweitert worden, um das ipad und ipad mini mit einer Auflösung von 1024 x 768 Pixel zu unterstützen. D.h. bei allen Endgeräte mit einer Auflösung, die kleiner als 1280 x 768 Pixel ist, wird das Lernmodul in der Auflösung von 1024 x 768 Pixel angezeigt. Hierbei bleibt der Content-Frame konstant groß und es verändert sich nur der rechte (Landscape-View) bzw. untere Frame (Portrait-View) in der Größe. 349

6 Landscape-View Portrait-View Abb. 2: Beispielseite aus dem Lernmodul Community of Practice mit einem ipad3, Auflösung 1024x768 Pixel Voraussetzung für die Nutzung aller Funktionen innerhalb eines Lernmoduls ist die Verwendung eines HTML5-Browsers, der auf jedem mobilen Gerät vor handen ist. Zu den Funktionen, die einen HTML5-Browser voraussetzen, gehören die persönlichen Notizen und Lesezeichen, die zunächst im HTML5- Browsercache liegen und auf Wunsch durch den Rezipienten in die eigene Dropbox 5 oder den Microsoft SkyDrive 6 exportiert bzw. importiert werden können. 4 Ausblick Auch in Zukunft werden neue Anforderungen analysiert und in der Autorenumgebung implementiert. Bei der anstehenden Umstellung von Lectora X auf Lectora 11 wird der Ausbau von Seitenvorlagen hinsichtlich E-Assessments unter Berücksichtigung von Tin Can einen Schwerpunkt bilden. 5 https://www.dropbox.com/developers

7 Entwicklung einer effektiven Autorenumgebung zur Unterstützung mobiler Endgeräte Literatur Bäder, J. (2011). Konzeption und Realisierung eines E-Learning Moduls Grundlagen der Elektrotechnik. Bachelorarbeit Fachhochschule Düsseldorf: Online: Bitkom (2012). Tablet Computer im Dauerboom. Bitkom. Online: %281%29.pdf. BMBF (2013). Hochschulpakt 2020 für zusätzliche Studienplätze. Online: bmbf.de/de/6142.php. Cieslik, M. (2012). Entwicklung einer Autorenumgebung zur Erstellung von E-Learning-Kursen unter besonderer Berücksichtigung Tablet-basierter Systeme. Diplomarbeit Fachhochschule Düsseldorf. Online:http://www.medien.fh-duesseldorf.de/marmann. KMK (2012). Vorausberechnung der Studienanfängerzahlen Online: be rech nung.pdf. NMC (2013). NMC Horizon Report 2013 Higher Education Edition. Online: Rudolph, B. (2011). Konzeption einer webbasierten, phasenorientierten Projektmanagement-Plattform mit integrierter E-Learning Unterstützung. Bachelorarbeit Fachhochschule Düsseldorf. Online: Wurbs, H. (2013). Eine Autorenumgebung zur Entwicklung von Lernmodulen mit inno vativen Zusatzfunktionen unter besonderer Berücksichtigung mobiler Endgeräte. Bachelorarbeit Fachhochschule Düsseldorf. Online: fh-duesseldorf.de/marmann. 351

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