5.NORDDEUTSCHE PASSIVHAUSKONFERENZ

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1 5.NORDDEUTSCHE PASSIVHAUSKONFERENZ 10. SEPT HAMBURG mit Fachexkursionen zu den IBA-Passivhausprojekten T A G U N G S B A N D Eine Idee der ZEBAU GmbH zebau.de

2 Impressum Herausgeber, Redaktion und Layout ZEBAU - Zentrum für Energie, Bauen, Architektur und Umwelt GmbH Große Elbstraße 146, Hamburg fon: fax: fotos / infos Wir danken den Referenten für die freundliche Bereitstellung der Informationen, Texte und Fotos. Für die Inhalte übernimmt der Herausgeber keine Gewähr. Veröffentlichung Die Broschüre erscheint zur 5. Norddeutschen Passivhauskonferenz im September Auflage 250 Stück, Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Herausgebers gestattet.

3 5. Norddeutsche Passivhauskonferenz Sehr geehrte Damen und Herren, die Verabschiedung der neuen Energieeinsparverordnung gestaltete sich in den vergangenen Monaten als schwierig. Dabei ist das Ziel von der Europäischen Union vorgegeben: Ab dem Jahr 2021 sollen alle Neubauten die Kriterien der sogenannten nearly zeroenergy buildings (Niedrigstenergiehäuser) erfüllen. Seitens der Mitgliedstaaten existieren jedoch Schwierigkeiten bei der Umsetzung in nationales Recht. Neben dem Zickzack-Kurs in Deutschland, zeigt dies auch die Klage der europäischen Kommission gegen Portugal. Dabei zeigt der Passivhausstandard bereits seit über 20 Jahren, dass sich eine Reduktion des Heizwärmebedarfs bei gleichzeitiger Steigerung des Wohnkomforts durch eine sorgfältige Planung wirtschaftlich umsetzen lässt. Die zentralen Komponenten des Passivhauses - eine dichte Gebäudehülle mit hochdämmenden Fenstern und einer hochwirksamen Wärmedämmung in Außenwänden, Dach und Bodenplatte und die Vermeidung von Kältebrücken sind Voraussetzungen, die auch bei anderen Gebäudestandards von KfW-Effizienzhäusern bis zum Effizienzhaus Plus längst berücksichtigt werden. Die 5. Norddeutsche Passivhauskonferenz widmet sich aus diesem Grund dem Passivhausstandard auf unterschiedlichen Ebenen: als Element der energieeffizienten Stadtentwicklung z.b. im Rahmen der IBA Hamburg 2013 oder der Klimaschutzsiedlungen in NRW, vorbildliche Passivhauskonzepte für Bildungseinrichtungen und Verwaltungsgebäude sowie für Wohngebäude bei Neubau und Sanierung, technische Grundlagen der Passivhausbauweise und rechtliche Rahmenbedingungen. Aber auch der Umgang unserer Nachbarländer mit den neuen Anforderungen an Gebäude wird thematisiert, so z.b. die Schweizer Energie- und Nachhaltigkeitsstandards, die statt des Heizwärmebedarfs, eine ganzheitliche energetische Betrachtung in den Fokus rückt. Zur Erreichung unserer Klimaschutzziele brauchen wir ein breites Zusammenwirken aller Akteure des Bauens. Nehmen Sie die Angebotsvielfalt in Theorie und Praxis wahr und nutzen Sie die Gelegenheit, sich mit anderen Experten über das Gehörte auszutauschen. Ihr INHALT Grußwort Seite 1 Konferenzprogramm Seite 2 Ausstellungsplan und -verzeichnis Seite 4 Beiträge Plenum Seite 6 Beiträge Forum A1 Seite 10 Beiträge Forum A2 Seite 13 Beiträge Forum B1 Seite 16 Beiträge Forum B2 Seite 19 Beiträge Forum C1 Seite 22 Beiträge Forum C2 Seite 25 Beiträge Forum D1 Seite 28 Dipl.-Ing. Arch. Peter-M. Friemert Geschäftsführer ZEBAU GmbH Beiträge Forum D2 Seite 30 IBA Hamburg 2013 Seite NORDDEUTSCHE PASSIVHAUSKONFERENZ 1

4 Konferenzprogramm Programm Vormittag Plenum EINLAss und Besuch der Ausstellung BEGrüssUNG Dipl.-Ing. Arch. Peter-M. Friemert, ZEBAU GmbH GruSSworTE Staatsrat Holger Lange, Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt Hamburg INTErNATIoNALE BAUAUssTELLUNG als Instrument der energieeffizienten stadtentwicklung - EIN erstes ResümEE Uli Hellweg, IBA Hamburg GmbH; Univ. Prof. Dr.- Ing. M. Norbert Fisch, TU Braunschweig SoZIALEs BAUEN - Die erste KlimascHUTZsiedLUNG in NRW Dipl.-Ing. Arch. Helmut Mohr, Mohr Architekten Plenum PAUse bis und Besuch der Ausstellung Blick über den TELLErrANd: Die WEITEr- ENTWIckLUNG der ENErGIE- und NacHHAL- TIGkEITssTANdards in der ScHWEIZ Dipl. Arch. ETH SIA Manfred Huber, aardeplan ag ZWIscHEN PassivHAUs und EFFIZIENZHAUs PLUs - gemeinsame WEGE führen zum ZIEL Dipl.-Ing. Arch. Peter-M. Friemert, ZEBAU GmbH; Dr. Winfried Dittmann, Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig- Holstein GmbH (EKSH) mittagspause bis und Besuch der Ausstellung Programm Nachmittag Forum A1 - D1 Die Foren A1 bis D1 laufen parallel von Uhr bis Uhr (Block 1) A1: Bildungseinrichtungen HAUPTschule LANGENZErsdorf - BeisPIEL eines erfolgreichen SanierUNGskoNZEPTEs für ein öffentliches BesTANdsGEBäude Dipl.-Ing. Arch. Johannes Kislinger, AH3 Architekten ZT GmbH Challenging the PossIBILITIEs - BlaakILde BoardING School Arch. ETH-MAA Olav Langenkamp, langenkamp.dk architects PassivHAUs-kINdergärTEN in und um HamBUrg Dipl.-Ing. Arch. Nisse Gerster, Architekturbüro Gerster B1: InnovATIv Wohnen BIQ: Die Bio-adAPTIve Fassade Dott. Ing. Nicoló Guariento, Arup Deutschland GmbH WoodcUBE: Ein CO 2 -NEUTrALEs Smart material House Matthias Korff, DeepGreen Development GEFörderTEr WoHNUNGsBAU im Passiv- HAUssTANdard - ArcHITEktoNIscHE FrEIHEITEN durch gezielten EinsATZ INNovATIver Technik Dipl.-Ing. Arch. Jens Heitmann, HeitmannMontúfarArchitekten Pause bis15.45 und Besuch der Ausstellung Programm Nachmittag Forum A2 - D2 Die Foren A2 bis D2 laufen parallel von Uhr bis Uhr (Block 2) A2: Passivhaus & Technik PassivHAUs und Smart Home - (WIE) passt das zusammen? Prof. Dr. Michael Krödel, Hochschule Rosenheim ENErGIEEFFIZIENZ vs. WoHLFühlen oder die GrENZEN der ENErGIEEFFIZIENZBErecHNUNG Prof. Peter Andres; M.A. Arne Hülsmann, Peter Andres - Beratende Ingenieure für Lichtplanung IBA: Smart MaterIAL House smart IST GrüN - konzeption und UmsETZUNG Dipl.-Ing. Arch. Jan Bernd Leffers, Behrendt Wohnungsbau KG (GmbH & Co.); Dipl.-Ing. Christian Joost, Pinck Ingenieure Consulting GmbH B2: Nichtwohngebäude PassivHAUsschule BildungsZENTrum Tor zur WELT in HamBUrg Dipl.-Ing. Arch. Patrick Ostrop, bof architekten GbR Hamburgs erstes BüroGEBäude im PassivHAUssTANdard Dipl.-Ing. Arch. BDA Holger Gestering, Planungsgruppe Gestering Knipping de Vries ENTWIckLUNG eines PassivHAUssTANdards für einen Verbrauchermarkt Dipl.-Ing. Arch. Manfred Hofmann, meravis Wohnungsbau- und Immobilien GmbH; Dipl.-Ing. Christian Brand, REWE Markt GmbH 2 5. NORDDEUTSCHE PASSIVHAUSKONFERENZ

5 Konferenzprogramm Programm Nachmittag Forum A1 - D1 Die Foren A1 bis D1 laufen parallel von Uhr bis Uhr (Block 1) C1: Recht & Gesetz KosTEN energiesparender MaSSnahmEN BEI der ALTBAUmoderNIsIErUNG Dipl.-Ing. Eberhard Hinz, Institut Wohnen und Umwelt (IWU) GmbH THEorIE und Praxis von Passivhäusern - übung macht den MeisTEr Dipl.-Ing. Arch. Robert Heinicke, Architekturbüro Heinicke StrEITFALL Wdvs - HAFTUNGsrisikEN bei PLANUNG und AusführUNG Elke Schmitz, Rechtsanwältin Kanzlei Kohls und Schmitz D1: InnovATIonsforum DIN-koNForme AusführUNG beim PassivHAUssTANdard am BEIsPIEL ErdBErührENder BAUTEILE Peter Schröder, ISOQUICK GmbH & Co. KG BALkoNE und AuskrAGUNGEN auf PassivHAUsNIvEAU planen Dipl.-Ing. Torsten Fölster, Schöck Bauteile GmbH EnerGIEEFFIZIENZ und TrINkWAsserhyGIENE durch dezentrale WarmWAsserversorGUNG mit elektronischen DurchlauferHITZErn Jürgen Unseld, CLAGE GmbH Pause bis15.45 und Besuch der Ausstellung Programm Nachmittag Forum A2 - D2 Die Foren A2 bis D2 laufen parallel von Uhr bis Uhr (Block 2) C2: Modernisierung & Anbau Vom 70er-JAHre BUNGALow zum Mehr- GENErATIoNEN-PassivHAUs - mehr EFFIZIENZ und WoHNFLäche im BesTANd Dipl.-Ing. Axel Petzold, engineering&consulting, Ingenieurbüro für Gebäudetechnik EnerGETIsche sanierung: HamburGEr KaffeemüHLE WIrd EFFIZIENZHAUs 40 mit PassivHAUsANBAU Dr. Volker Henkel, Bauherr eines DENA- Modellprojektes; Dipl.-Ing. Thomas Reinke, Ökologischer Holzbau Sellstedt GmbH LEBEN im PassivHAUs als Mieter Ingo Worm, Stiftung Wir helfen uns selbst ; Dipl.-Ing. Arch. Joachim Reinig, Plan-R-Architektenbüro D2: InnovATIonsforum NATUrerBE ZENTrum Prora - OptimIErte Lüftung in öffentlichen Passivhäusern Dr.-Ing. Robert Möckel, Menerga GmbH Das KoNZEPT SoNNENEnerGIEHaus - IdEALE EnerGIE-UNd WärmeversorGUNG Für Passivhäuser Gerd Schallenmüller, ReSys AG / Paradigma Deutschland GmbH EFFIZIENTE PassivHAUsFENster mit zertifiziertem SoNNENscHUTZ Dipl.-Ing. Dirk Wiegand, Wiegand Fensterbau 5. NORDDEUTSCHE PASSIVHAUSKONFERENZ 3

6 Ausstellungsplan Bühne Infotisch 7 6 Kleiner Saal Großer Saal 5 8 Catering Bistro-Zelt 9 12 WC Catering 13 Eingang Catering WC Raum 1.12 /1.13 im 1.OG Raum 0.12 / NORDDEUTSCHE PASSIVHAUSKONFERENZ

7 AUSSTELLERVERZEICHNIS 1 Busch-Jaeger Elektro GmbH Freisenbergstraße 2, Lüdenscheid 11 Tremco illbruck GmbH & Co. KG Von-der-Wettern-Straße 27, Köln 2 Wiegand Fensterbau Feldstraße 10, Hatzfeld-Holzhausen/Eder 12 Eternit AG Im Breitspiel 20, Heidelberg 3 Heinemann GmbH Von-Eichendorff-Straße 59A, Dießen 13 Porta Bauelemente & mehr GmbH & Co. KG Linther Straße 1, Linthe 4 LIGNOTREND Produktions GmbH Landstraße 25, Weilheim-Bannholz 14 Paradigma Deutschland GmbH Ettlinger Straße 30, Karlsbad 5 Roto Dach und Solartechnologie GmbH Zur Aumundwiese 16a, Bremen 15 IsoQUICK GmbH & Co.KG Am Hellenberg 26, Niederzissen 6 CLAGE GmbH Pirolweg 1-5, Lüneburg 16 Schöck Bauteile GmbH Vimbucher Straße 2, Baden-Baden 7 Hamburgische Investitions- und Förderbank (IFB Hamburg) Besenbinderhof 31, Hamburg weitere Herstellerinformationen durch Ampack Bautechnik GmbH Wallbrunnstrasse 24, Lörrach 8 AEREX HaustechnikSysteme GmbH Niederlassung Nord Königsweg 3, Eisdorf, BASF Wall Systems GmbH & Co KG Thölauer Straße Marktredwitz 9 10 Menerga Nord GmbH Papenreye 61, Hamburg REHAU AG + Co Verkaufsbüro Hamburg Tempowerkring 1c, Hamburg BlowerDoor GmbH Zum Energie- und Umweltzentrum 1, Springe-Eldagsen Busch-Jaeger Elektro GmbH Freisenbergstraße 2, Lüdenscheid 5. NORDDEUTSCHE PASSIVHAUSKONFERENZ 5

8 PLENUM Internationale Bauausstellung als Instrument der energieeffizienten Stadtentwicklung - Ein erstes Resümee EIN ProJEkt der Luftbild Energieberg IBA Hamburg bloomimages Bis 2050 soll die Elbinsel Wilhelmsburg CO 2 -neutral sein, so das Ziel der Internationalen Bauausstellung (IBA) Hamburg. Dieser lange Zeitraum macht Prognosen schwierig. Bis 2015 dokumentiert und evaluiert das Forschungsprojekt EnEff:Stadt IBA Hamburg, wie effizient die realisierten Gebäudetechnologien einzelner Projekte auf der Elbinsel in Wilhelmsburg sind und wie weit die Kombination von Altbausanierungen und Neubauten diesem Ziel gerecht werden können. Im Rahmen des 2011 beschlossen Energiekonzeptes der BRD sollen in Deutschland bis 2050 nur noch nahezu klimaneutrale Gebäude und Quartiere existieren. Dies soll in einem zeitlich gestaffelten Plan mit Teilzielen durch umfangreiche Gebäudesanierungen, Steigerung der Energieeffizienz in allen Bereichen und die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energiequellen umgesetzt werden. Die Kommunen müssen diese Zielsetzung in ihr Tagesgeschäft integrieren und gemeinsam mit den Bürgern umsetzen. Dies erfordert neben der Energiewende eine mehrheitlich getragene und gelebte Kulturwende in Deutschland. Mit dem Forschungsvorhaben EnEff:Stadt IBA Hamburg besteht die Möglichkeit diesen Prozess an realen Gebäuden zu untersuchen und aus dem Testgebiet zu lernen. Das Forscherteam des Instituts für Gebäude- und Solartechnik (IGS) TU Braunschweig, der IBA GmbH, der HafenCity Universität Hamburg (HCU) und des Energieforschungszentrums Niedersachsen (EFZN) untersucht, wie energieeffizient die neuen Gebäudetechnologien sind und welche Optimierungspotenziale im Betrieb vorhanden sind. Darüber hinaus sollen Befragungen und Interviews ermitteln, welche Erfahrungen Planer, Investoren und Bewohner mit Planung, Umsetzung und der Nutzung der Gebäude in der Praxis gemacht haben. Nahezu alle IBA-Projekte insgesamt 60 an der Zahl sind in einem Low-Level-Monitoring erfasst, Zehn Projekte werden detailliert messtechnisch verfolgt. Auf Basis 15-minütlicher Messungen lassen sich Tagesprofile und Energiebilanzen erstellen, in denen die Energieerzeuger und Energieverbraucher, wie z.b. Heizung und Lüftung in den Gebäuden, einzeln analysiert werden können. Der Vergleich zwischen gesamten Energieverbrauch und Erzeugung aus erneuerbaren Energiequellen ergibt dann, ob die Energiebilanz CO 2 -neutral ist. Die Energieerzeuger auf Netzebene Energiebun-ker, Energieberg und Energieverbund Wilhelmsburg Mitte werden intensiv untersucht. Ein wesentlicher Teil des Projektes sind die sanierten Bestandsgebäude des Quartiers: Monatlich oder jährlich werden hier die Energieverbräuche der Gebäude erfasst. Die Nutzer haben erheblichen Einfluss auf den Erfolg des Projektes. Besonders im lange vernachlässigten Stadtteil Wilhelmsburg war Energiesparen bislang nur ein Randthema. Die Psychologen und Soziologen der HafenCity Universität Hamburg (HCU) untersuchen die Entwicklung des Energieverbrauchs im Quartier und überprüfen, wie die Sanierungsprojekte einschließlich geringer Miet-Preissteigerungen angenommen werden. Spätestens mit Abschluss des Projektes wird feststehen, ob die IBA mit ihren innovativen Energiesystemen richtig lag und welche Prognosen sich für künftige Bauvorhaben ergeben. Univ. Prof. Dr.- Ing. M. Norbert Fisch, igs, TU Braunschweig Mühlenpfordtstraße Braunschweig Tel.: 0531 / Web: NORDDEUTSCHE PASSIVHAUSKONFERENZ

9 PLENUM Soziales Bauen - Die erste Klimaschutzsiedlung in NRW Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt Bauherren bei der Umsetzung von zukunftsweisenden Wohnungsbauprojekten. Im Rahmen der 100 Klimaschutzsiedlungen in NRW werden Projekte mit öffentlichen Mitteln des Landes NRW gefördert. Sie müssen nach dem Konzept der Landesregierung im Neubaubereich den 3-Liter- oder Passivhausstandard mit weiteren Maßnahmen zur CO 2 -Reduzierung kombinieren. Dadurch sollen die Emissionen % unter den Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) liegen. Im Gelsenkirchener Wohnpark Rheinelbestraße entstanden in der 1. Klimaschutzsiedlung Nordrhein-Westfalens 56 Wohneinheiten im sozialen Wohnungsbau mit Flächen von m² in vier viergeschossigen Mehrfamilienhäusern. Durch die Lage direkt neben dem Wissenschaftspark, unweit des Stadtzentrums, gab es sehr hohe Anforderungen seitens der Stadt Gelsenkirchen und der Grundstückseigentümerin NRW.URBAN an die Architektur der neuen Siedlung. Die Planung sah deshalb eine bewusste Versetzung der vier Gebäude vor, um eine optimale Lichteinstrahlung zugunsten der Energiebilanz zu erzielen sowie ein lockeres Gegenüber zu der stringenten Linie des bestehenden Gebäudes im Wissenschaftspark zu bilden. Sämtliche Wohnungen verfügen entweder über einen Parkblick oder eine exponierte Südlage. Die erdgeschossigen Wohneinheiten haben Gärten und einen direkten Zugang zum Wissenschaftspark. Die 8-10 m² großen Balkone bieten durch eine umliegende Einrahmung Schutz vor Wind und Blicken und somit viel Privatsphäre. Unterstrichen wird die hochwertige Architektur der Gebäude durch bodentiefe Fenster, eine barrierefreie Bauweise und nicht zuletzt durch die farblich individuell gestalteten Fassaden. Die im Jahr 2012 fertig gestellte Siedlung in Gelsenkirchen wird zeigen, wie die Anforderungen mit einer Kombination aus Solarenergie, hohen Dämmstandards und moderner Heiztechnik erfüllt werden können. Der geforderte CO 2 -Grenzwert von maximal 9 kg/(m²a) bzw. der Energieverbrauch von 15 kwh/(m²a) wird unterschritten. Bei einer 82 m² großen 3-Zi.-Wohnung bedeutet dies Heizkosten von ca. 150 im Jahr. Eine effiziente Wärmedämmung und Wohnraumlüftungsanlagen ermöglichen diese Werte. Als Primärenergien kommen Erdgas und Solarenergie zum Einsatz. Wärmetauscher und Wärmerückgewinnung steigern die Ausbeute. Sämtliche Gebäude werden energietechnisch über die in Haus 33 befindliche Heizzentrale versorgt. Mit dieser Siedlung wird aufgezeigt, dass anspruchsvolle Architektur, energiesparendes Bauen und sozialer Wohnungsbau keine Gegensätze sind. Dipl.-Ing. Arch. Helmut Mohr, Mohr Architekten Falgerstraße Münster Tel.: 0251 / NORDDEUTSCHE PASSIVHAUSKONFERENZ 7

10 PLENUM Blick über den Tellerrand: Die Weiterentwicklung der Energie- und Nachhaltigkeitsstandards in der Schweiz kWh/m 2 a Zielwert SIA MB kwh/m 2 a Objektwert 86.5 kwh/m 2 a Alltagsmobilität (Flotte 2050) Hilfsbetriebe i b Lift Betriebseinrichtungen Wohnen Beleuchtung Wohnen Lüftung / Klimatisierung Wohnen Hilfsenergie H+WW Wohnen Warmwasser Wohnen Heizwärme Wohnen Graue Energie Strom auf Parzelle Primärenergie nicht erneuerbar MFH Kirchrainweg bei Nacht. MINERGIE-A-ECO, 2000-Watt-Gesellschaft. aardeplan In der Schweiz wurden in den vergangenen zwei Jahren mehrere Standards lanciert die weit mehr als den gewichteten Endenergiebedarf für Heizung und Warmwasser berücksichtigen. Stichworte hierzu sind die gesamte Betriebsenergie, die Graue Energie, die Energie für die Mobilität sowie die gesamte Nachhaltigkeit. Ein Blick zurück und der ECO Zusatz 1998 wurde in der Schweiz der Verein MINERGIE gegründet und das dazugehörige Label lanciert. MINERGIE wird vom Bund, den Kantonen sowie Privaten getragen. Drei Jahre später kam das mit dem Passivhausstandard vergleichbare MINERGIE-P Label dazu. MINERGIE konzentrierte sich von Beginn an mit dem Slogan hoher Wohnkomfort bei geringem Energieverbrauch auf die Thematik Wärmeerzeugung und Lufterneuerung. Der Wunsch, ein Label zu schaffen, dass auch die Bereiche Gesundheit und Bauökologie abdeckt, führte 2006 zur Schaffung des Zusatzes ECO. MFH Kirchrainweg Kriens. MINERGIE-A-ECO, 2000-Watt-Gesellschaft. Der Anteil der Wärme an einem energieeffizienten Gebäude ist gegenüber dem Primärenergieverbrauch für Apparate und Beleuchtung, Erstellung und Mobilität gering. aardeplan wählbar. Obwohl die Anforderung des SIA-Effizienzpfades Energie nicht direkt mit dem Passivhausstandard vergleichbar ist, ist die Anforderung an die Gesamtenergiebilanz deutlich schärfer. Nachhaltigkeit (SNBS) und Zukunft Im Juni 2013 wurde der Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) lanciert. Träger des Standards sind der Bund sowie weitere namhafte öffentliche und privaten Bauherrschaften. Der Standard berücksichtigt unter anderem auch die Ziele des SIA-Effizienzpfades Energie sowie von MINERGIE-ECO. Zusätzlich sind in der Schweiz aufgrund der nearly Zero-Energy Buildings (nzeb) - Diskussionen weitere gesetzliche Verschärfungen im Energiebereich ab dem Jahre 2014 geplant. MINERGIE ist im Zuge dessen dabei, sich neu zu positionieren. Schwerpunkte des Labels werden in Zukunft die Qualitätssicherung, das Monitoring und vor allem die Gebäudeerneuerung sein. MINERGIE-A und der SIA-Effizienzpfad Energie Die Fokussierung auf Massnahmen im Bereich der Gebäudehülle reichte für eine ganzheitliche energetische Betrachtung nicht mehr aus. Daraus entstand vom Verein MINERGIE das Label MINERGIE-A und der Berufsverband der Schweizer Ingenieure und Architekten (SIA) lancierte den SIA Effizienzpfad Energie. MINERGIE-A ist gegenüber MINERGIE-P ein zielorientiertes Label. Die Energiekennzahl für Wärme, Lüftung und Hilfsbetriebe muss 0 kwh/(m 2 a) betragen. Zusätzlich stellt MINERGIE-A auch Anforderungen an die Graue Energie sowie erhöhte Anforderungen an Beleuchtung und Haushaltsgeräte. Der SIA Effizienzpfad Energie berücksichtigt die gesamte Primärenergie die für den Betrieb, die Erstellung und die durch das Gebäude induzierte Mobilität benötigt wird. Der SIA-Effizienzpfad Energie schreibt nur das Ziel des gesamten Primärenergieverbrauchs von maximal 122 kwh/ (m 2 a) respektive 16,5 kg CO 2 /(m 2 a) vor. Der Weg dazu ist frei Dipl. Arch. ETH SIA Manfred Huber, aardeplan ag Mühlegasse 18e 6340 Baar, Schweiz Tel.: +41 / 41 / Web: NORDDEUTSCHE PASSIVHAUSKONFERENZ

11 PLENUM Zwischen Passivhaus und Effizienzhaus Plus - gemeinsame Wege führen zum Ziel Projektpartner in Europas größter Null-Emissionssiedlung, dem zero:e Park: Thorsten Hiete (Geschäftsführer NLG), Umwelt- und Wirtschaftsdezernent Hans Mönninghoff, Matthias Herter (Geschäftsführer meravis) und Stadtbaurat Uwe Bodemann Im Zuge der Internationalen Bauausstellung Hamburg 2013 ist eine Reihe vorbildhafter Passivhausprojekte fertig gestellt worden. Mit dem Open House am Vogelhüttendeich entstanden 31 geförderte Mietwohnungen, 8 Stadthäuser und 5 Lofts. Die SAGA/GWG errichtete im Gert-Schwämmle-Weg das öffentlich geförderte Mietwohnungsprojekt mit 24 WE. Das Softhouse der Bostoner Architekten Kennedy & Violich Architecture wurde im März 2013 eröffnet. Hamburgs erstes Bürogebäude im Passivhausstandard wurde im Mai 2013 mit m 2 BGF durch die Hamburg Port Authority AöR (HPA) fertiggestellt. Ein besonderes Highlight ist sicherlich das BIQ, das mit seiner Bioreaktorfassade Mikroalgen für Biomasse erzeugt (15 WE, m² BGF). Gleich gegenüber wurden die WaterHouses als IBA-Projekt im Passivhausstandard bis April 2013 nach dem Entwurf von Schenk + Waiblinger Architekten, Hamburg realisiert. Das benachbarte Woodcube zeigt die Potentiale der CO 2 -Neutralität auf, die im Holzbau stecken. Konversionsprojekte wie die Neubebauung des Güterbahnhofs Hamburg-Barmbek unter dem Titel Am Stadtpark Zuhause mit 99 WE (95 im Passivhausstandard) zeigen, wie innerstädtisches Bauen mit hochwertigen Anforderungen überzeugend umgesetzt werden kann. Auch die Passivhausplanung Erlengrund in Hamburg-Neugraben (B-Plan-Gebiet Hausbruch 35) bestätigt die Marktfähigkeit vom Reihenhausbau im Passivhausstandard im niedrigeren Preissegment mit hoher Ausführungsqualität. Die unerwartet große Nachfrage bestätigt den Mut an dem Konzept festzuhalten. Im zero:e-park Hannover hat seit Juni 2013 der 3. Bauabschnitt große Nachfrage ausgelöst, so dass sich die Erfolgsgeschichte des Hannoveraner PH-Vorzeigeprojektes offensichtlich fortsetzt. Mit der Eröffnung des ersten Verbrauchermarktes im Passivhausstandard im ersten Bauabschnitt (Dezember 2012) wird deutlich, dass sich auch Handelsbauten unter harten Marktanforderungen wirtschaftlich durchsetzen können. Das SHeff-Z in Neumünster bietet als Passivhaus-Klassenzimmer jungen Energie-Checkern ab 9. Jahrgangsstufe Lernhilfen zum effizienten Energieeinsatz an. Nicht nur durch das seit Juni 2013 wieder eröffnete Schaufensterprojekt der Bundesregierung das Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität in Berlin sind Effizienzhäuser Plus in Deutschland auf dem Vormarsch. Die jahrelangen Erfahrungen mit Passivhauskomponenten fanden Einzug in das Hauskonzept. In ganz Norddeutschland entwickelt sich eine Hausgeneration von Effizienzhäusern Plus, die nun den gebotenen Trend zu minimalen Energiebedarfen und Verzicht auf fossile Brennstoffe in der Bau- und Immobilienwirtschaft noch breiter trägt. Aufgrund der komplexen Energiekonzeption aus Bedarfsreduzierung und intelligenter Versorgung mit erneuerbarer Energie werden auch hier hohe Kenntnisse in Planung und Baupraxis verlangt. Erste Nutzererfahrungen belegen den erfolgreichen Weg. Dr. Winfried Dittmann, Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein GmbH (eksh) Tel.: 0431 / Web: Dipl.-Ing. Arch. Peter-M. Friemert, Zebau - Zentrum für Energie, Bauen, Architektur und Umwelt GmbH Tel.: 040 / Web: 5. NORDDEUTSCHE PASSIVHAUSKONFERENZ 9

12 FORUM A1 Hauptschule Langenzersdorf - Beispiel eines erfolgreichen Sanierungskonzeptes für ein öffentliches Bestandsgebäude Kislinger Kislinger Alleine in Niederösterreich stehen etwa 500 Pflichtschulgebäude zur Sanierung an. Einerseits haben sich die pädagogischen Anforderungen an ein Schulgebäude im 21. Jahrhundert radikal geändert, anderseits belasten gestiegene Energiekosten und exorbitante Heizkostenabrechnungen die kommunalen Budgets. Der durchschnittliche Heizwärmebedarf solcher Schulen liegt in Österreich bei kwh/(m 2 a). Die vorbildliche Sanierung eines Schulgebäudes kann gleichzeitig mehrere Probleme lösen: Durch eine attraktivere Gestaltung des Gebäudes steigen die Schülerzahlen in Konkurrenz zu anderen Schulen und Schultypen. Die Entlastung durch reduzierte Energierechnungen führt zum Freiwerden von Finanzmitteln, die anderweitig eingesetzt werden können. Der reduzierte CO 2 -Ausstoß durch die Sanierung schafft eine Vorbildwirkung von Bildungseinrichtungen. Die Erfahrungen von im Passivhausstandard sanierten und zertifizierten Pflichtschulgebäuden der Projekte von ah3 architekten zeigen exemplarisch die Möglichkeiten von Schulsanierungen und diskutieren Problemfelder politischer Entscheidungen, öffentlicher Beschaffung und technischer Machbarkeit. Die HS Langenzersdorf Städtebau und Architektur Mit der thermischen Sanierung und Erweiterung wurde die Baugeschichte der Hauptschule Langenzersdorf aus 1876 architektonisch durch die Klammer aus neuem Turnsaal und Eingangsbereich geordnet und völlig neu interpretiert. Der wertvolle Standort blieb erhalten, alte Strukturen wurden aufgelöst. Anstelle der ursprünglich erwarteten Bauzeit von 26 Monaten wurde der gesamte Gebäudekomplex in nur 16 Monaten bei laufendem Schulbetrieb zum Passivhaus umgebaut. Planungsprozess (Einbindung der Nutzer) Das technisch und energetisch bestmögliche zu erreichen wurde zum gemeinsamen Ziel von Bauherrschaft und Planer. Ein Lehrerausschuss wurde eingerichtet, deren Sprecher Direktor Fürst war, um die Bedürfnisse der Nutzer zu kanalisieren. Während der Umbauphase wurden die Lehrer direkt eingebunden, bewiesen immer wieder Geduld und Spontanität und ermöglichten so einen zügigen Umbau während des laufenden Schulbetriebs. Nach nur 16 Monaten war das Ziel erreicht. Ökologie, Heizsystem, Materialien Eine Solar- und eine Photovoltaikanlage werden für die Warmwasserbereitung und Energiegewinnung eingesetzt. Das Lüftungssystem nach neuestem Stand der Technik gewährleistet die kontinuierliche Frischluftversorgung aller Klassenräume, die Heizungsanlage wird ab 2013 mit erneuerbarer Energie (Hackschnitzelheizung) betrieben. Der Bestand wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem saniert, der Neubau wurde als hochwärmegedämmter Holzbau ausgeführt. Auszeichnungen: Neben nationalen Auszeichnungen wurde das Projekt im Mai 2011 mit dem Green Building Award der Europäischen Union ausgezeichnet. Dipl.-Ing. Arch. Johannes Kislinger, AH3 Architekten ZT GmbH / Vorsitzender IG Passivhaus Österreich Hauptplatz Horn, Österreich Tel.: +43 / 2982 / Web: NORDDEUTSCHE PASSIVHAUSKONFERENZ

13 FORUM A1 Challenging the Possibilities - Blaakhilde Boarding School Ist es möglich, die Anforderungen des Passivhausstandards mit einem Nicht-Wohngebäude mit verschattenden, benachbarten Gebäuden in östlicher und südlicher Richtung sowie lediglich nordwärts gerichteten Fenstern - und beinahe ohne Gewinnung von Sonnenenergie - zu erfüllen? Im Oktober 2012 haben langenkamp.dk architects das Projekt eines Verwaltungsgebäudes für die Blaakilde Boarding School in Dänemark fertiggestellt. Das Ziel war, den Energieverbrauch so nah wie möglich an den Passivhausstandard zu bringen. Dies erwies sich als äußerst schwierig, zumal das Gebäude nach Norden ausgerichtet und durch östlich und südlich gelegene Gebäude beschattet ist. Es wurde daraufhin beschlossen, die verschiedenen Ansatzmöglichkeiten zu untersuchen, um herauszufinden, welche Maßnahmen getroffen werden müssen, um den Anforderungen eines Passivhauses gerecht zu werden. Eine Kalkulation bzgl. der Energie, des optimierten Wärmeverlusts und anderer technischer Komponenten öffneten den Weg zu einem besseren Energiekonzept. Eine leichte Holzrahmenkonstruktion wird verwendet - mit Holzfaserplatten für die Isolierung der Außenwände und Zellulose für die Isolierung des Daches. Dies ergab folgende Werte: 0,120 W/m 2 K für den Fußboden, 0,123 W/m 2 K für die Außenwände und 0,089 W/m 2 K für das Dach. Es wurden 3-fach-verglaste, nach außen zu öffnende, dänische Fenster der Firma Ecliptica verwendet. Die eingebaute Ventilationseinheit ist eine Genvex GE Energy 3 mit einer effektiven Wärmegewinnung von η HR,eff = 76 %. Eine energetische Kalkulation hat gezeigt, dass folgende Verbesserungsmaßnahmen notwendig sind, um den Passivhausanforderungen zu entsprechen. Die Fenster wurden durch Passivhauszertifizierte ENERsign Fenster ersetzt, dies verringert den Transmissionsverlust um 9 %. Mit einer Passivhauszertifizierten Paul Novus 450 Ventilationseinheit wurde der Ventilationswärmeverlust um 45 % verringert. Um den Passivhausstandard zu erreichen, war es ebenfalls notwendig, eine Dämmung mit einer geringeren Wärmeleitung zu benutzen und die Boden- und Dachdämmung zu erhöhen. Im Hinblick auf Energieeinsparpotential, Kosten und minimaler Einschränkung des architektonischen Ausdrucks mussten Verbesserungsmaßnahmen ergriffen werden. Die Cost-Benefit- Analyse hat gezeigt, dass durch das Ersetzen der Ventilationseinheit ein Gewinn erzielt wurde. Unter Berücksichtigung all dieser Aspekte waren langenkamp.dk architects nun in der Lage, eine neue Energiestrategie für das Verwaltungsgebäude der Blaakilde Boarding School zu erstellen. Arch. ETH-Maa Olav Langenkamp, langenkamp.dk architects Tigervej Ebeltoft, Dänemark Tel.: +45 / 40 / Web: 5. NORDDEUTSCHE PASSIVHAUSKONFERENZ 11

14 FORUM A1 Passivhaus-Kindergärten in und um Hamburg Der Vortrag stellt den Passivhaus-Kindergarten in Rissen sowie die Planung des neuen Kindergartens im Haus der Generationen in Lauenburg / Elbe vor. Das Haus der Generationen besteht aus einem Kindergarten mit vier Gruppen, davon einer Krippengruppe und einer Integrationsgruppe, einem Werkraum, einem großen Mehrzweckraum und einer Familienbildungsstätte mit zwei Räumen. Das Foyer wird als zentraler Eingangsbereich genutzt, der gleichzeitig den Eingang für das bestehende Gemeindehaus darstellt. Auf diesem Weg werden alle Generationen im Laufe des Tages aufeinandertreffen und ins Gespräch kommen können, von den Eltern mit ihren Kleinstkindern, über Jugendliche aus den Konfirmanden-, Koch- und Kirchengruppen bis hin zu den Erwachsenen und Senioren in den Musikgruppen und wöchentlichen Treffpunkten. Das Haus der Generationen befindet sich zum Zeitpunkt der 5. Norddeutschen Passivhauskonferenz noch im Bau, wobei Rohbau und Einbau der Fenster sowie voraussichtlich auch die Fassaden fertiggestellt sind. Es wird ein kurzer Überblick mit Fotos über die Aufstellzeit gegeben. Zudem wird über den Einbau eines Aufzuges im Passivhaus, über die sinnvolle Anordnung von Rettungswegen und deren Konsequenzen berichtet. Außerdem wird über die Planung der Sanierung des vorhandenen Gemeindehauses zum Passivhaus im Bestand berichtet, die im Jahr 2014 ausgeführt werden soll, damit das Gesamtkonzept abgeschlossen wird. Als zusätzlicher Planungsbestand wird die Sanierungsplanung des bestehenden Gemeindehauses vorgestellt. Das Bestandsgebäude aus den 60er Jahren mit kleiner Küche, Gruppenräumen und Gemeindesaal soll nach der Fertigstellung des Neubaus zum EnerPHit-Gebäude saniert werden. Als weiteres Projekt wird der Passivhaus-Kindergarten in Hamburg-Rissen vorgestellt. Dieser wurde im Jahr 2011 eröffnet und es wird über den Umgang mit kleinen Problemen mit dem Gebäude nach Inbetriebnahme sowie über die Erfahrungen der Nutzer nach den ersten beiden Winterperioden berichtet. Dipl.-Ing. Arch. Nisse Gerster, Architekturbüro Gerster Holsteiner Chaussee Hamburg Tel.: 040 / Web: NORDDEUTSCHE PASSIVHAUSKONFERENZ

15 FORUM A2 Passivhaus und Smart Home - (wie) passt das zusammen? Mit Gebäudeautomation lässt sich der Energiebedarf deutlich reduzieren oft um 20 % oder mehr. Das wird dadurch erreicht, dass die Anlagentechnik bedarfsgerecht betrieben wird anstatt auf Basis starrer Zeitprogramme. So kann z. B. für die Raumtemperaturregelung die tatsächliche Anwesenheit berücksichtigt werden oder bei der Beleuchtung der Tageslichteinfall. Auch ist allgemein anerkannt, dass bereits die Visualisierung des Energiebedarfs sehr aufschlussreich ist; d.h. alleine schon diese Erkenntnis zu einem effizienteren Umgang mit Verbrauchern führt. Nun ist aber der absolute (thermische) Energiebedarf im Passivhaus bereits ausgesprochen gering. Macht in diesem Umfeld die Einführung von Automation Sinn? Lohnt und amortisiert sich eine Investition in z. B. ein Smart Home System? Ganz parallel dazu ermöglichen Smart Home Systeme das häusliche Wohnen komfortabler und sicherer zu gestalten. Eventuell befinden sich im Wohnzimmer mehrere Leuchten und es wäre angenehm, wenn man auf Knopfdruck die eine oder andere Lichtszene aufrufen könnte. So müsste man nicht jede Leuchte einzeln schalten bzw. dimmen. Eventuell wären auch Fensterkontakte hilfreich. Bei Abwesenheit könnte ein Einbrecher dadurch verschreckt werden, dass im Haus das Licht eingeschaltet wird. Last but not least: Wie wäre es mit einem Alles-Aus-Taster im Eingangsbereich? Beim Verlassen des Hauses könnte man zentral das Licht, Verbraucher und Stand-By-Geräte ausschalten. Auch auf diese Möglichkeiten wird im Vortrag eingegangen und es wird eine einfache Vorgehensweise vorgestellt, mit der jeder seinen individuellen Einsatzbereich ermitteln kann. Mehre akademische Untersuchungen an der Hochschule Rosenheim haben sich diesem Thema gewidmet und zeigen, dass diese Fragen differenziert beantwortet werden müssen. Beim winterlichen Heizbetrieb ist das Einsparpotenzial tatsächlich sehr gering. Ein ganz anderes Bild zeigt sich beim sommerlichen Wärmeschutz. Gerade durch die gute Gebäudedämmung in Kombination mit den großen Glasflächen besteht das Risiko einer Überhitzung. Das eröffnet sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten für eine bedarfsgerechte Verschattung bzw. Klimatisierung, auf die im Vortrag näher eingegangen wird. Zum anderen wird beim PHPP-Nachweis das tatsächliche Verhalten der elektrischen Verbraucher ungenügend berücksichtigt sei es für den Betrieb oder für den Stand- By-Modus. Insbesondere hier kann die Gebäudeautomation helfen, den ineffizienten Betrieb zu visualisieren oder gleich zu vermeiden. Prof. Dr. Michael Krödel, Hochschule Rosenheim Hochschulstraße Rosenheim Tel.: / Web: 5. NORDDEUTSCHE PASSIVHAUSKONFERENZ 13

16 FORUM A2 Energieeffizienz vs. Wohlfühlen oder die Grenzen der Energieeffizienzberechnung Die Tageslichtversorgung von Innenräumen wird in der Regel mittels des Tageslicht(TL)-Quotienten beschrieben. Dieser Wert beschreibt ein Verhältnis von Innenhelligkeit zu den außen vorhandenen Beleuchtungsstärken. Im Außenbereich sind, auch in Hamburg, im Sommer Werte von über lx zu erreichen. In den Wintermonaten werden teilweise nur Werte von lx oder weniger erreicht. Die Anforderungen im deutschen Baurecht sind mit einem minimalen TL-Quotienten recht gering formuliert. Es wird ein TL-Quotient von ca. 2 % empfohlen. Ein mittlerer Wert von 0,9 % wird als unbedingt notwendig gefordert. Die DIN und das deutsche Baurecht unterscheiden nicht bei den TL-Anforderungen von Gebäuden bei Räumen < 50 m 2. Auch wenn die Nutzungsprofile unterschiedlicher Nutzer zu Grunde gelegt werden, wird man bei einem Wohnhaus eine ganztägige Nutzung nicht vorfinden. Ganz anders verhält es sich in Nutzungen, die eine Platzbindung erfordern (z. B. Bürooder Schulnutzung). Es ist nicht mehr zu bestreiten, dass (Tages-)Licht in bestimmter Dosierung und zu bestimmten Zeiten eine Auswirkung auf den Organismus hat. Verschiedene stoffwechselphysiologische Prozesse reagieren auf unterschiedliche Lichtmengen und Wellenlängen. Braucht man zum Lesen und Schreiben eine Lichtmenge von 500 lx, so beginnen die biologischen Prozesse erst ab einer Lichtmenge von ca lx lx, die bei ausreichender TL-Belichtung erreicht werden. Um zu beurteilen, ob ein TL-Quotient von 0,9 % als ausreichend anzusehen ist oder nicht, muss man sich zunächst einmal die in der Region anfallenden Lichtmengen ansehen. Um die regionalen Unterschiede hervorzuheben, werden drei europäische Regionen miteinander verglichen. Diese sind für die TL-Quotienten 1 % - 5 % nach bestimmten Schwellwerten der Innenbeleuchtungsstärke unterteilt worden. Die Beleuchtungsstärken von 0 lx 500 lx (zu wenig TL), 500 lx lx (ausreichend zum arbeiten), lx lx (biologische Wirksamkeit möglich) und über lx werden unterschieden. Ein TL-Quotient von 1 % ist nicht ausreichend. Eine ausreichende Tagesbelichtung ist erst bei einem TL-Quotienten von 2 % bis 3 % in Raummitte gegeben. Bei dem vorgestellten LichtAktivHaus sind TL-Quotienten von bis zu 15 % erreicht worden, die über eine gebäudeintegrierte TL-Regelanlage gesteuert werden. Um eine Überhitzung des Gebäudes zu vermeiden, können Teile der Dachfenster zugefahren werden. Es kommt bei den Nutzungen von Gebäuden jedoch vor, dass Tageslicht nicht mehr in ausreichenden Mengen vorhanden ist. Hierfür ist eine Beleuchtungsanlage zu installieren, die auf die Anforderungen der Nutzer zugeschnitten ist. Die Betriebszeiten der Beleuchtungsanlage und die Art der Nutzung bestimmen die Wahl des Leuchtmittels und somit die Qualität des Lichtes. Der Vortrag stellt zum Schluss auch die Projekte Landtag NRW und Bücherhallen Hamburg vom Entwurf bis zur Ausführung vor. (TL = Tageslicht) Prof. Peter Andres & M.A. Arne Hülsmann, Peter Andres - Beratende Ingenieure für Lichtplanung Tarpen 40, Volvo Park Hamburg Tel.: 040 / Web: NORDDEUTSCHE PASSIVHAUSKONFERENZ

17 FORUM A2 IBA: Smart Material House smart IST GrüN - Konzeption und Umsetzung EIN ProJEkt der Das Effizienzhaus Plus von Behrendt Wohnungsbau wurde zusammen mit dem Büro zillerplus Architekten entwickelt. Es ist eines der Smart Material Houses auf der Internationalen Bauausstellung Hamburg 2013 und wurde neben bundesweit zwanzig Neubauten für das dena-modellvorhaben Auf dem Weg zum Effizienzhaus Plus ausgewählt. Das Gebäude ist als Passivhaus gem. PHPP projektiert. Die hochgedämmte Gebäudehülle mit Drei-Scheiben-Verglasung und bis zu 30cm Wärmedämmung schützt die 14 Eigentumswohnungen vor Kälte. Entsprechend den klimatischen Bedingungen und den Gegebenheiten des Ortes öffnet sich das Gebäude nach Süden. Durch den großen Glasanteil in der Südfassade erwärmt die flachstehende Sonne im Winter die Innenräume. Im Sommer bieten Kletterhortensien am Balkon einen natürlichen Sonnenschutz. Wohn- und Schlafräume werden im Osten und Westen über verglaste Loggien, die zusätzlich als Lärmpuffer wirken, aufgewertet. Neben der hochdämmenden Gebäudehülle und den grün berankten Geschossgärten erzeugen innovative Technologien Energie, die direkt im Haus verbraucht oder dem Verbundnetz zugeführt wird. Die gestalterische Integration der neuen Techniken und Materialien war dabei das Ziel des Entwurfes. Zur Gewinnung von Strom aus Sonnenenergie sind Dünnschicht-Photovoltaik-Module in die Brüstungselemente der Südfassade integriert. Vakuum-Röhrenkollektoren im Attikaund Dachbereich versorgen das Haus mit Heizwärme und warmem Trinkwasser und decken einen Großteil des jährlichen Warmwasserbedarfs. Im Sommer wird nahezu der gesamte Bedarf an Warmwasser über die Anlage bereitgestellt. Darüber hinaus verfügt das Haus über ein komplexes System zur Wärmespeicherung. Neben drei konventionellen Warmwasserspeichern ist ein Latentwärmespeicher mit Salzhydrat als Speichermaterial (PCM) das innovative Herzstück des Systems. Die Einspeisung von Wärme in den Nahwärmeverbund Wilhelmsburg komplettiert das System. Während des Entwicklungsprozesses des Projektes erwiesen sich einige selbstgesteckte Ziele als nicht erreichbar. Für die komplette Versorgung aller 14 Wohneinheiten mit Wärmeenergie und Anlagenstrom stehen trotz optimaler Positionierung des Gebäudes zu wenig Flächen zur Verfügung. Wirtschaftlich sinnvoll lassen sich dafür nur die Dachfläche und die Südfassade nutzen. In anderen Bereichen mussten Korrekturen vorgenommen werden. So war z. B. die Anordnung von Solarthermie in den Brüstungen der Balkone nicht umsetzbar. Auch durchgefärbte grüne PV-Module waren zwar am Markt erhältlich, jedoch nur mit deutlich verringerter Ertragsstärke. Insbesondere mit dem Einsatz von PCM zur Speicherung von Energie im Wohnungsbau wurde Neuland betreten. Hier gab es am Markt keine Lösung von der Stange. Dabei galt es nicht nur ein Salzhydrat mit einem idealen Schmelzpunkt zu finden. Auch ein geeignetes Behältnis für das hochkorrosive Material war zu finden. Dipl.-Ing. Arch. Jan Bernd Leffers, Behrendt Wohnungsbau KG (GmbH & Co.) Tel.: 040 / Web: Dipl.-Ing. Christian Joost, Pinck Ingenieure Consulting GmbH Tel.: Web: 5. NORDDEUTSCHE PASSIVHAUSKONFERENZ 15

18 FORUM B1 BIQ: Die bio-adaptive Fassade EIN ProJEkt der Mehr als 8 % des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland werden aus Bioenergie gedeckt. Bei der Stromerzeugung ist Biomasse nach der Windkraft die zweitgrößte erneuerbare Energiequelle. Einer ihrer wesentlichen Vorteile ist, dass sie sowohl in fester (z. B. Holzpellets) als auch in flüssiger Form (z. B. Biodiesel) oder als Biogas vorliegt und sich so auf vielfältige Weise zur Strom- und Wärmeerzeugung nutzen lässt. Anders als Photovoltaik- oder Windstrom ist Biomasse eine Form der Solarenergie, die sich praktisch verlustfrei speichern lässt und ohne die Verwendung kostenträchtiger Speichertechnologien wie Batterien auskommt. Die Umwandlung von Biomasse in Energie ist grundsätzlich CO 2 - neutral, denn die Menge des bei der Verbrennung ausgestoßenen Kohlendioxids entspricht der Menge, die während des Pflanzenwachstums durch Photosynthese aus der Atmosphäre aufgenommen wird. Im Gegensatz zum Anbau von Energiepflanzen wie Mais erfordert die Zucht von Mikroalgen keine zusätzliche Landnahme, die in Konkurrenz zur Kultivierung von Nahrungspflanzen stehen würde. Außerdem besteht keine Abhängigkeit von Witterungseinflüssen und intensiver Bewirtschaftung. Mikroalgen können in Photobioreaktoren (PBR) kultiviert werden. PBR sind geschlossene, lichtdurchlässige und mit einem Kulturmedium gefüllte Hohlkörper, die auch dort installiert werden können, wo es sonst zu trocken oder karg ist also auch mitten in der Großstadt. Diese Vorteile der Mikroalgen führten zur Entwicklung von Deutschlands erster Photobioreaktor-Fassade, die auf dieser Art von Mikroorganismen basiert. Sie wurde Anfang 2013 als Prototyp in einem im Rahmen der IBA 2013 in Hamburg- Wilhelmsburg entstandenen Mehrfamilienhaus installiert. Mikroalgen zählen heute zu den vielversprechenden Bausteinen alternativer Energieszenarien, da sie Sonnenlicht besonders effektiv in Biomasse umwandeln. Wie andere Pflanzen nutzen Mikroalgen das Sonnenlicht für den photosynthetischen Prozess, bei dem CO 2 abgebaut wird. Dieser läuft in gleicher Weise bei höheren Pflanzenarten ab. Allerdings sind Mikroalgen wesentlich effizienter in der Umwandlung von Lichtenergie in Biomasse als höhere Pflanzen, weil sie einzellig sind und jede Zelle Photosynthese betreibt. Dott. Ing. Nicoló Guariento, Arup Deutschland GmbH Joachimstalerstraße Berlin Tel.: 030 / Web: NORDDEUTSCHE PASSIVHAUSKONFERENZ

19 FORUM B1 WoodcUBE: Ein CO 2 -neutrales Smart Material House EIN ProJEkt der Wandquerschnitt WOODCUBE Ein 5-geschossiges, massives Vollholzgebäude, frei von Bauchemie und Schadstoffen Ein Passivhaus, welches nicht aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird, ist ein Widerspruch in sich lautet das Motto von Matthias Korff, Gründer und Initiator des bundesweit tätigen Beratungs- und Vermittlungsgesellschaft für ökologisch unbedenkliche Bauweisen und Baustoffe: Deep- Green Development. DeepGreen Development, hat mit dem Bau des Woodcube auf der IBA Hamburg, den Beweis erbracht, dass auch ein fünfgeschossiges Mehrfamilienhaus im Bauträgermodus errichtet werden kann, ohne sonst übliche, vielstoffliche Aufbauten und gesundheitsgefährdende und umweltschädliche Baustoffe zu verwenden. Als Basis Rohstoff wurde ein bewährtes Holzbausystem aus Österreich verwendet und für den Geschosswohnungsbau weiterentwickelt. Es werden natürlich getrocknete Brettlagen in verschiedenen Faserrichtungen, zu 32 cm starken Elementen übereinander gelegt. Statt diese zu verleimen, werden lediglich Holzdübel als Verbindungsmittel verwendet. Auf diese Weise entstehen kraftschlüssige Wand- und Deckenelemente, ohne Verklebungen, Holzschutzmittel, Folien oder sonstige unnatürliche Stoffe einzusetzen. In dieser Dimensionierung kann Holz seine vollen synergistischen Vorteile ausspielen: Die Wände sind statisch tragend, Wärmedämmung und Brandschutz in einem. Die Elemente sind diffusionsoffen, weshalb Schimmel und Kondensatbildung ausgeschlossen ist. Aufgrund der Massivität sind keine zusätzlichen Brandschutzmaßnahmen erforderlich. Eine Ökobilanz der Uni Darmstadt belegt, dass der Woodcube Maßstäbe im ökologischen Hausbau setzt. Während die Förderprogramme der KfW lediglich den CO 2 -Ausstoß bzw. Energieverbrauch in der Betriebsphase begünstigt, ist der Woodcube bereits in der Erstellung CO 2 -neutral. Zudem hinterlässt das Gebäude nach der Nutzung keine umweltbelastenden Altlasten. Die CO 2 -Einsparung gegenüber konventionellen Gebäuden, welche nach EnEV2009-Standard gebaut werden, beträgt ca Tonnen. Im Vergleich zu einem konventionell gebauten Passivhaus sogar Tonnen. Die ersten Bewohner des Woodcube erfreuen sich über ein hervorragendes Raumklima. Dies liegt auch an den natürlichen Baustoffen im Inneren, welche keine gesundheitsgefährdenden Ausdünstungen erzeugen. Die Bauzeit des Gebäudes betrug nur ca. 4 Wochen. Auf die Wand und Deckenkonstruktion, gibt der Hersteller über 50 Jahre Garantie. DeepGreen ist daher überzeugt, dass der Baustoff Holz zurecht in die Stadt zurück kehrt und für Bauwillige eine hervorragende Alternative zu kritisch zu betrachtenden, vielstofflichen Wärmedämmverbundsystemen darstellt. Matthias Korff, DeepGreen Development Alter Teichweg Hamburg Tel.: 040 / Web: 5. NORDDEUTSCHE PASSIVHAUSKONFERENZ 17

20 FORUM B1 Geförderter Wohnungsbau im Passivhausstandard - Architektonische Freiheiten durch gezielten Einsatz innovativer Technik HeitmannMontúfarArchitekten HeitmannMontúfarArchitekten Im Baugebiet Othmarscher Höfe wird seit August 2012 eines der aktuell größten zusammenhängenden Wohnungsbauprojekte Hamburgs umgesetzt. Über 920 Wohnungen entstehen auf etwa 5,6 ha Grundstücksfläche. Der zugrunde liegende Bebauungsplan Othmarschen 40 gehört zu den neueren Hamburger B-Plänen, die im zugehörigen städtebaulichen Vertrag den Anteil geförderten Wohnungsbaus festschreiben. Durch die Kombination aus städtebaulichem Wettbewerb und den daraus resultierenden Baukörpern und Außenanlagen sowie dem engen Rahmen der Vorgaben der Hamburgischen Wohnungsbaukreditanstalt (WK), entstand ein effizienter Gebäudekomplex in anspruchsvoller architektonischer Qualität. Der Bau dieses Gebäudes im Rahmen des 1. Förderweges der Hamburgischen Wohnungsbaukreditanstalt bedeutet nicht, dass die Qualität der Materialien und der Ausführung gegenüber dem frei finanzierten Wohnungsbau reduziert werden muss. Auch die Hüllfläche muss nicht zwingend vereinfacht und architektonisch reduziert werden. Jede in Anspruch genommene architektonische Freiheit muss jedoch konstruktiv oder haustechnisch kompensiert werden. In diesem Projekt wurde angestrebt, den notwendigen Technikanteil auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Auf diese Weise sollen die umlagefähigen Wartungs- und Betriebskosten minimiert werden, da Mieter einer Wohnung im 1. Förderweg diese zusätzliche finanzielle Belastung oft nur mit Mühe schultern können. Gleichzeitig soll die Haustechnik derart aufgebaut werden, dass die Verbräuche eindeutig zuzuordnen sind. Innovation bedeutet in diesem Fall nicht Erhöhung des Technikanteils, sondern vor allem die situationsbezogene Verwendung der richtigen Baustoffe an den richtigen Stellen zur Energieoptimierung eines Gebäudes und Anpassung der notwendigen Haustechnik an die zu erwartende Nutzerstruktur. Gleichzeitig sollte das Gebäude für den Zeitraum nach dem Auslaufen der Förderung und Bindung konzeptionell derart gestaltet werden, dass es zu den umliegend entstehenden frei vermietbaren Wohnungen und Eigentumswohnungen konkurrenzfähig am Markt bestehen kann. Die finanzielle Kombination der WK-Mittel mit den KfW-Fördermitteln ermöglicht in diesem Fall eine architektonische Konzeption, die sich an der Qualität des gehobenen, freien Wohnungsmarktes und Eigentumswohnungsbaus orientiert und gleichzeitig schon in der WK-Bindungsphase eine für Privatinvestoren wirtschaftlich interessante Rendite ermöglicht. Anhand des Bauvorhabens Jürgen-Töpfer-Straße 3-19 mit 99 Wohnungen, Kita und Tiefgarage in Hamburg Othmarschen werden im Vortrag die Umsetzung des Passivhausstandards im geförderten Wohnungsbau unter den oben beschriebenen Randbedingungen sowie die zugrunde liegenden Planungskriterien erläutert. Speziell die aus der Umsetzung des Passivhausstandards entstehenden Synergieeffekte in Bezug auf andere Planungskriterien, wie innerer und äußerer Schallschutz, wohnungsinterner Schallschutz, Einbruchhemmung, Nachnutzung und Finanzierung, werden herausgestellt. Rahmendaten: Grundstück mit m 2 Gesamtfläche 99 Wohnungen mit m 2 Wohnfläche gemäß WK-Bewilligung Kindertagesstätte mit 80 Plätzen auf 700 m 2 Mietfläche 102 Stellplätze in der Tiefgarage Bauzeit 09/ /2014 Dipl.-Ing. Arch. Jens Heitmann, HeitmannMontúfarArchitekten Bernhard-Nocht-Straße Hamburg Tel.: 040 / Web: NORDDEUTSCHE PASSIVHAUSKONFERENZ

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