1 Einführung ins Networking

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1 1 Einführung ins Networking In diesem Kapitel erhält der Leser einen Überblick über wesentliche technische Voraussetzungen für Aufbau und Betrieb von Computernetzen. Am Ende des Kapitels sollte er in der Lage sein, verschiedene Funktionen von Servern und Workstations zu identifizieren und zu beschreiben. Weiter werden die gängigsten Netzwerk-Betriebssysteme und deren Clients genannt. Ein weiteres Ziel ist, dass der Leser die Funktionen einiger Netzwerkprotokolle vergleichen und beschreiben kann. Die Begriffe LAN (Local Area Network) und WAN (Wide Area Network) müssen klar umrissen werden. Welche Übertragungsmedien braucht man in welcher Situation, was sind deren jeweilige Vor- und Nachteile? Neben dem Kompetenz-Erwerb für solche Fragen, sollte es nach dem Durcharbeiten dieses Kapitels möglich sein, Netzwerkarchitekturen zu identifizieren und grundlegende Netzwerktopologien und Übertragungssysteme zu beschreiben. Weiter werden die wichtigsten Geräte vorgestellt, die an den Verkehrsknotenpunkten eines Netzwerks installiert sein müssen. Einige davon gehen über ihre rein physische Funktion als Verbindungselement kaum oder gar nicht hinaus, andere wiederum kann man schon als kleine Computer bezeichnen, auf denen ein Betriebssystem läuft, die man bedienen kann und die speziell dafür eingerichtet sind, spezifische Netzwerk- Vermittlungsaufgaben durchzuführen. Gerade das Wissen über solche Geräte befähigt, die technischen Abläufe eines Computer-Netzwerks tiefer zu verstehen, bei Planungen und Problemlösungen mitzuwirken und letztendlich die Gesamtkosten einzuschätzen. Überblick, wie Computernetzwerke funktionieren Vermittlung von Fachbegriffen Festigung von Grundlagenwissen Praxis-Ansätze 1.1 Grundbegriffe und grundlegende Zusammenhänge Telekommunikationsnetzwerke Grundlagen der Datenkommunikation sind zunächst in der elektronischen Sprachübertragung zu finden. Noch weiter zurückgedacht gab es digitalisierte elektronische Übertragung von Schriftzeichen bereits vor der Sprachübertragung, nämlich durch den Telegraphen. Eines der ältesten noch existierenden Netzwerke ist somit das PSTN (Public Switched Telephone Network). Sprachübertragungen, die einst über PSTN transportiert wurden, werden in Deutschland seit der Einführung von ISDN in den 70er Jahren in digitaler Form realisiert. Datenpakete benutzen dabei unter anderem das Internet Protokoll (IP) anstatt der vermittelten Leitungen des PSTN. 1

2 PSTN ist immer noch ein wichtiger Bestandteil der Internet Infrastruktur, weil viele Langstreckenverbindungen darauf basieren Mainframes Mainframe lieferte die erste praktische Lösung für Computer-Netzwerke. Mit ihr waren die Benutzer erstmals in der Lage, Informationen von einem Zentral-Computer abzurufen. Hierfür wurden, wie in Abb. 1.1 gezeigt, festplattenlose Computersysteme verwendet, sogenannte dumme Terminals. Diese wurden speziell für den Datenaustausch mit dem Großrechner programmiert. Ein entscheidender Nachteil der Mainframes ist der Bedarf an hoher Bandbreite des Netzwerks. Ständige Datenbankaktualisierungen und Befehle zur Steuerung der jeweiligen Applikation sind der Grund dafür. Obgleich eine allgemeine Tendenz zum Client-Server-Modell zu beobachten ist, weiß man in manchen Arbeitsumgebungen die Vorzüge des Mainframe- Modells zu schätzen. Diese Vorteile liegen im geringeren Administrationsaufwand und in der einfacher zu organisierenden Datensicherung. Daher und auch wegen jahrzehntelanger Investitionen von Universitäten, Unternehmen und anderen Institutionen wird das Mainframe-Modell nicht so schnell verschwinden. Moderne Software- Produkte simulieren sogar Mainframe virtuell innerhalb einer Client-Server-Umgebung. Abb. 1.1: Mainframe Networking Modell 2

3 1.1.3 Client-Server-Modell Auch das Client-Server Modell ist von einer Zentralisierung auf einen größeren, leistungsfähigeren Computer hin, geprägt, jedoch kommt hier gleichzeitig zu einer Verteilung der Prozesslast zwischen Client und Server ins Spiel. (s. Abb. 1.2) Gemäß seiner Bezeichnung ist der Server hier als Dienstleister zu verstehen, der für die ihn umgebenden Computer verschiedene Dienste zur Verfügung stellt. Diese dienstleistenden Programme werden in bestimmte Prozesse eingebunden, die ihrerseits auf bestimmte Ports zugreifen. Ports sind hierbei als virtuelle Software-Schnittstellen zu verstehen. Es handelt sich bei den Clients nun nicht mehr nur um dumme Terminals sondern um vollwertige Computersysteme, die dem Server einen großen Teil seiner Arbeit abnehmen können. Die Applikationen werden dabei direkt auf dem Client ausgeführt und der Server wird in vielen Fällen nur noch als zentraler Datenbank-Speicher verwendet. Dadurch wird sowohl der Netzwerkverkehr entlastet als auch die Prozessorkapazität des Servers. Abb. 1.2: Client-Server-Model Ein weiterer Vorteil des Client-Server-Modells besteht darin, dass es als modulares System erweitert werden kann. In diesem Fall sind mehrere Server an einem Arbeitsprozess beteiligt, wobei jeder einzelne eine spezifische Dienstleistung durchführt. Man spricht dann von Two-Tier, von Three-Tier oder von n-tier, je nachdem wie viele Systeme beteiligt sind (s. Abb. 1.3 und 1.4). So kann beispielsweise ein Webserver seinerseits mit einem Datenbankserver verbunden sein, aus dessen Datenbank-Tabellen er bestimmte Suchergebnisse abfragt und diese in eine Webseite einfügt, bevor sie zum Benutzer am Client-Computer gesendet wird. Letzterer hat nur noch die Aufgabe der Darstellung auf dem Bildschirm. In diesem Fall würde man vom Three-Tier-Computing sprechen. Sinn dieser Vorgehensweise ist es, die Aufgaben auf die beteiligten Client- und Server-Systeme zu verteilen, so dass die Prozesslast nicht auf einem einzelnen System liegt. Auf diese Weise ist es möglich, in einem großen produktiven Netzwerk sogenannte Thin Clients zu installieren. Dies sind abgespeckte Personalcomputer, die relativ geringe Hardware-Ressourcen auf- 3

4 weisen, aber dennoch auch unabhängig vom Server funktionieren können. Sie sind also nicht zu verwechseln mit den dummen Terminals aus der Mainframe-Zeit. Abb. 1.3: Three-Tier-Computing Architektur Abb. 1.4: N-Tier-Computing Architektur 4

5 1.1.4 Netzwerk-Kategorien und Network Operation Center Netzwerk-Kategorien: Generell muss zwischen zwei Netzwerkkategorien unterschieden werden den Peer-to-Peer-Netzwerken und den Server-basierten Netzwerken. In einem Peer-to-Peer-Netzwerk herrscht eine dezentralisierte Verwaltung. Alle Peers 2 sind darin gleichgestellt (s. Abb. 1.8), keiner hat die Rolle eines übergeordneten Servers. In Bezug auf die Benutzerkonten, gibt es lediglich eine lokale Zugriffskontrolle, kein Anmelden über einen zentralen Server ist möglich. Die Rechner können gleichzeitig Client und Server sein. Jeder kann der Server des anderen sein. Jeder Benutzer kann beispielsweise Verzeichnisse oder Drucker für andere Benutzer im Netzwerk freigeben. Freigabe bedeutet hier, dass man es anderen erlaubt auf einen Ordner des eigenen Systems zuzugreifen. Dieser Zugriff kann entweder nur lesend oder auch schreibend sein, d. h. Dateien können entweder nur heruntergeladen oder auch heraufgeladen werden. Möchte beispielsweise ein Windows XP-Benutzer einen Ordner seiner Festplatte freigeben, muss er zunächst mit der rechten Maustaste auf den Ordner klicken. Es erscheint dann ein Kontextmenü wie in Abbildung 1.5 wiedergegeben. Abb. 1.5: Kontextmenü nach einem Klick mit der rechten Maustaste auf einen Ordner im Windows Explorer 2 Als Peer wird hier ein mit anderen Computern gleichgestellter Computer bezeichnet. 5

6 Im nächsten Schritt muss der Benutzer auf den letzten Eintrag, mit der Bezeichnung Eigenschaften klicken, um das in Abbildung 1.6 zu sehende Dialogfeld zu erhalten. Abbildung 1.6: Eigenschaften eines Ordners Folgende Konfigurationsmöglichkeiten hat der Benutzer hier: Er kann festlegen, ob der Ordner freigegeben ist oder nicht. Er kann einen Freigabenamen eingeben. Dies ist der Name, unter dem der Ordner im Netzwerk sichtbar ist. Es kann ein anderer Name sein, als der tatsächliche Name des Ordners. Er kann festlegen, ob die auf den Ordner zugreifenden Benutzer, die dort befindlichen Dateien nur lesen, oder auch verändern können. Soll immer wieder auf den gleichen freigegebenen Ordner eines anderen Computers zugegriffen werden, bietet sich die Möglichkeit, ihn als virtuelles Laufwerk auszuweisen. Bei jedem erneuten Hochfahren des Computers wird dann automatisch die Verbindung zum freigegebenen Ordner hergestellt. Man spricht hier auch von Mapping. Es wird im Windows XP Explorer eingerichtet per Mausklicks auf Extras -> Netzlaufwerk verbinden. Man erhält dann ein Dialogfeld, wie in Abbildung 1.7. Dort trägt man unter Ordner den Pfad zum freigegebenen Ordner des entfernten Computers ein. Unter Laufwerk weist man diesem Ordner einen Laufwerksbuchstaben zu, wie er im eigenen System dargestellt werden soll. 6

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