Stefan Germany Entwicklung der Onlineberatung HeLv - Helpdesk für Lehrer/innen verhaltensauffälliger Schüler/innen

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1 Universität Klagenfurt, Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung (IUS) FORUM Umweltbildung Universitätslehrgang Bildung für Nachhaltige Entwicklung Innovationen in der Lehrer/innenbildung (BINE) Stefan Germany Entwicklung der Onlineberatung HeLv - Helpdesk für Lehrer/innen verhaltensauffälliger Schüler/innen Eine Kooperation der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich mit dem Landesschulrat für Niederösterreich und der Schulpsychologie/Bildungsberatung Niederösterreich Themensteller: Ao. Univ.Prof. Dr. Franz Rauch Klagenfurt,

2 Inhaltsverzeichnis Abstract... 4 Vorwort Einleitung Hypothesen und Fragestellungen Forschungsmethoden Erhebung mittels Fragebogen Vergleichende Internetrecherche Beratung Was ist Beratung? Resumée Onlineberatung Kann Beratung online stattfinden? Formen der Onlineberatung Chat Newsgroups/Foren/Mailinglisten Mailinglisten Webbasierte -Form Grenzen der Onlineberatung Resumée Vergleichende Internetrecheche Telefonseelsorge.de Angebotsbeschreibung Mail und Chat Reflexion des Selbstversuchs Beratung-Caritas.de Beratung für Eltern, Kinder und Jugendliche Reflexion des Selbstversuchs Vergleich der besuchten Onlineberatungsangebote Rückschlüsse für die Erstellung der Onlineberatung HeLv Helpdesk für Lehrer/innen verhaltens-auffälliger Schüler/innen Resumée Fragebogenerhebung Ergebnisse der Fragebogenerhebung Unterricht Elternarbeit Interpretation der Daten Interpretation der Daten zum Bereich Unterricht Interpretation der Daten zum Bereich Elternarbeit Rückschlüsse für die Erstellung der Onlineberatung HeLv -Helpdesk für Lehrer/innen verhaltensauffälliger Schüler/innen Resumée

3 6 Onlineberatung HeLv - Helpdesk für Lehrer/innen verhaltensauffälliger Schüler/innen Entwicklung der Homepage der Onlineberatung HeLv - Helpdesk für Lehrer/innen verhaltensauffälliger Schüler/innen Aufbau und Struktur der Onlineberatung HeLv - Helpdesk für Lehrer/innen verhaltensauffälliger Schüler/innen Direkter Kontakt/Kontakt Formular FAQ Fragen, Antworten, Quintessenzen Hilfe/Unterstützung/Institutionen Literatur Resumée Fragen der Nachhaltigkeit als Teil der Onlineberatung HeLv - Helpdesk für Lehrer/innen verhaltensauffälliger Schüler/innen Grundlegende Aspekte des Modells KOM-BINE (Kompetenzen für Bildung für Nachhaltige Entwicklung) Kompetenzen für Bildung für Nachhaltige Entwicklung Resumée Rückschau und Ausblick Literaturverzeichnis Anhang Anhang 1 Fragebogen Anhang 2 - Präsentation ARGE SES St. Pölten (PPT Folien) Anhang 3 - Links zu unterschiedlichen Onlineberatungseinrichtungen Anhang 4 Handbuch für Benutzer/innen Anhang 5 Smiley Übersicht

4 Abstract Die vorliegende Arbeit erforscht die Entstehungs- und Planungsphase der Onlineberatung HeLv Helpdesk für Lehrer/innen verhaltensauffälliger Schüler/innen, die als Kooperation der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich mit dem Landesschulrat für Niederösterreich und der Schulpsychologie/Bildungsberatung Niederösterreich betrieben werden wird. Neben den Grundlagen von Beratung und den Möglichkeiten, Formen und Chancen von Onlineberatung wurden in vergleichender Internetrecherche und der Auswertung einer qualitativen Fragebogenerhebung Strukturen für den Aufbau und Betrieb einer Onlineberatung erarbeitet und dokumentiert. HeLv Helpdesk für Lehrer/innen verhaltensauffälliger Schüler/innen bietet neben dem Beratungsservice für Lehrer/innen noch Informationen über einen ständig wachsenden FAQ-Fragen, Antworten, Quintessenzen-Bereich und eine regionale Auflistung von Hilfe und Unterstützung und Institutionen in Niederösterreich als direkte Vernetzungsmöglichkeit an. 4

5 Vorwort Im Frühjahr 2008 entwarf die ARGE Verhaltensauffälligenpädagogik gemeinsam mit der ARGE BeratungslehrerInnen in Zusammenarbeit mit dem NÖ Landesschulinspektor für Sonderschulen einen Fragebogen (siehe Anhang 1), der nach einer Präsentation für die Bezirksschulinspektoren des Landes Niederösterreich an alle Schulen des Landes versandt wurde. In diesem, sehr offen gestalteten Fragebogen bekamen die Lehrer/innen die Möglichkeit, zu den Bereichen Unterricht (Arbeit mit dem Kind), Elternarbeit, rechtliche Fragen, medizinische Fragen, Krisen und Notfälle, Fortbildungswünsche, Sonstiges (Fragebogen der ARGE Verhaltensauffälligen-pädagogik und ARGE BeratungslehrerInnen 2008) in entsprechenden Textfeldern eigene Anliegen und Fragen zu formulieren. Bereits während der Entstehung des Fragebogens nahm die Direktorin der Dr. Erwin Schmuttermeier Schule und Leiterin der ARGE Verhaltensauffälligenpädagogik mit dem Autor der vorliegenden Studie Kontakt auf, da ersichtlich war, dass die Auswertung des Fragebogens einerseits und die Stellung bzw. der Betrieb eines NÖ-Online-Handbuches im Umgang mit verhaltensauffälligen SchülerInnen (Titel des Fragebogens - siehe Anhang 1) komplexe Aufgabenstellungen darstellen, die von den ARGEs allein nicht gelöst hätten werden können. Der Einbezug der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich sollte fachliche Kompetenz und Ressourcen zur Verfügung stellen. Im Juli 2008 fanden erste Gespräche zwischen Rektor Rauscher, Direktor Kanitzer und dem Autor der Studie statt, um eine mögliche Kooperation und Mitarbeit der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich anzudenken. Ein Teil der Fragebogen wurde noch im Spätsommer bzw. dem Herbst 2008 ausgewertet, ein Screening dieser Auswertung aufgearbeitet, den ARGEs und dem Landesschulinspektor für Sonderschulen vorgestellt und zur Verfügung gestellt (siehe Anhang 2). Die Aussagekraft der damals gewonnenen Daten führte zu weiteren Maßnahmen der Verantwortlichen im Landesschulrat für Niederösterreich und Gesprächen auf unterschiedlichen Ebenen mit dem Ziel der Einrichtung einer Onlineplattform es. Zeitgleich fanden Gespräche zwischen dem Rektor und dem Präsidenten des Landesschulrates für Niederösterreich statt. Ziel war die Etablierung einer Homepage als Portal einer Onlineberatung, für Lehrer und Lehrerinnen des Landes Niederösterreich 5

6 als niederschwelliges Beratungsmedium für den Themenbereich Arbeit mit verhaltensauffälligen Schülern und Schülerinnen. Es war bereits zu diesem Zeitpunkt in Abänderung des ursprünglichen Plans nach einer Idee von Rektor Rauscher vorgesehen, eine Onlineberatung für niederösterreichische Lehrer und Lehrerinnen anzubieten und die dort gewonnenen Daten anonymisiert in einem FAQ-System (Fragen, Antworten, Quintessenzen) zu sammeln, welches dem ursprünglich geplanten NÖ-Online-Handbuch entsprechen sollte. In einem entsprechenden Projektpapier wurde von Rektor Rauscher der Umsetzungsplan dem Landesschulrat vorgestellt und ein Planungsbeginn im Frühjahr 2009 vereinbart. Der Start des Projekts wurde in einem ersten Planungsschritt für Anfang Oktober 2009 vorgesehen. Dankenswerterweise ist es mir möglich, als Abschlussarbeit des Universitätslehrgangs Bildung für nachhaltige Entwicklung in einer Studie die Planungsphase bis hin zur Implementierung der Onlineberatung HeLv Helpdesk für Lehrer/innen verhaltensauffälliger Schüler/innen zu bearbeiten und die einzelnen Schritte dieser Phase zu überprüfen und zu untersuchen. Ich möchte mich an dieser Stelle für die unkomplizierte und unterstützende Betreuung dieser Studie durch Ao. Univ.-Prof. Dr. Franz Rauch herzlich bedanken. Ebenso danke ich Univ.-Prof. HR MMag. DDr. Erwin Rauscher für sein unermüdliches Bemühen und seinen Einsatz rund um dieses Projekt und meine nunmehr auch berufliche Betreuung mit dieser Onlineberatung, die nach ausführlichen Recherchen im deutschsprachigen Raum in dieser Form erstmalig angeboten wird. Weiters danke ich dem amtsführenden Präsidenten des Landesschulrates für Niederösterreich Hermann Helm für seine Unterstützung und sein großes Interesse an der Entwicklung innovativer Strukturen im niederösterreichischen Schulwesen und den Kooperationspartnerinnen im Landesschulrat für Niederösterreich HR DDr. Andrea Richter, Leiterin der Schulpsychologie/Bildungsberatung und Landesschulinspektorin Maria Handl-Stelzhammer, M.A. für ihre große Hilfe und vielen Anregungen und Mag. Gerald Stachl, dem technischen Entwickler der Homepage für seine kompetente, immerwährende und rasche Unterstützung. 6

7 1 Einleitung Verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche stellen in besonderer Weise eine Herausforderung an die pädagogischen und persönlichen Kompetenzen von Lehrern/Lehrerinnen und Institutionen dar. Die laufenden Grenzüberschreitungen durch die Schüler/innen, die täglich in unterschiedlicher Intensität und unterschiedlichen Schweregraden innerhalb und außerhalb des Unterrichtes stattfinden, stellen für Lehrer/innen, Mitschüler/innen, Kollegium und Eltern, eine teilweise hochgradige psychische und physische Belastung dar, die häufig in Überforderung mündet. Mehrere Faktoren scheinen diese Grenzüberschreitungen für Lehrer/innen in ganz besonderer Weise belastend zu machen. Burnout ist bei Lehrern und Lehrerinnen vergleichsweise häufig anzutreffen, auch kennt man aus Untersuchungen hohe Alkoholund Medikamentenmissbrauchsraten in diesem Berufsstand (vgl. tresselt.de/burnout.htm; Burnout-Mehr-alsein-Viertel-aller-Lehrer-betroffen?sap=2&_pid= ; schule/lehrerzimmer/schulpraxis/lehrer-burn-out_aid_ html). Hilfestellung und Beratung werden daher immer notwendiger und ein Anliegen für das Gesamtsystem Schule. Es ist allerdings zu beobachten, dass sich Lehrer/innen schwer tun, Probleme im Unterricht gegebenenfalls im Kollegen-/Kolleginnenkreis im Sinne einer intervisionären/ kollegialen Reflexion zu bearbeiten. Intervision/kollegiale Reflexion sind nicht fester Bestandteil des Arbeitsalltages von Lehrern/Lehrerinnen. Der Weg in Beratung und Supervision ist nach wie vor nicht standardisierte Form psychohygienischer Bearbeitung, wird auch, anders als in anderen psychosozialen Arbeitsfeldern (z. B. Sozialpädagogik, Sozialarbeit), nicht als fester Bestandteil der Arbeitszeit gesehen und wird von den Schulbehörden nicht explizit unterstützt. Es findet sich auch im Landeslehrerdienstgesetz LDG 1984 außer den Verpflichtungen zur Vor- und Nachbereitung, in die man auch psychohygienische Arbeit subsumieren könnte, kein entsprechender Hinweis (http://www.bmukk.gv.at/schulen/lehrdr/gesetze_verordnungen/l dg_01. xml# ). In vielen Bereichen von Sozialarbeit und Sozialpädagogik sind regelmäßige Teambesprechungen, Einzel- oder Gruppensupervision gängige und teilweise verpflichtende Praxis mit Verankerung in Dienstverträgen und werden als wesentliche Instrumentarien der Qualitätsentwicklung angesehen, weswegen ihnen große Bedeutung im Arbeitsalltag zugemessen wird. Die Bearbeitung der Arbeitssitua- 7

8 tion aus individueller und systemischer Sicht ist damit fester Teil der Arbeitszeit, was im Bereich der Schule in den unterrichtsfreien und damit nicht explizit geregelten Teil der Gesamtarbeitszeit der Lehrer/innen fällt. Die Auseinandersetzung mit Konflikten mit schwierigen Kindern, Eltern, komplexen Klassensituationen oder Problemen im Kollegium erfolgt daher schon strukturell bedingt, zumeist auf oberflächlicher Ebene und dort sehr häufig in abwertender oder abwehrender Form, wie in vielen Konferenzzimmergesprächen zu beobachten ist. Wie nicht zuletzt durch die durchgeführte Fragebogenerhebung (vgl. Kapitel 5) erhoben werden konnte, besteht bei vielen Lehrern/Lehrerinnen hohe Beratungsindikation und ein starkes Bedürfnis nach Austausch und Unterstützung zu den unterschiedlichsten Bereichen des Lehrerarbeitsfeldes, das aufgrund der Verschiedenartigkeit der Aufgaben von Lehrern/Lehrerinnen über einen hohen Komplexitätsgrad verfügt. Die allgemein vorherrschende Öffentlichkeitsmeinung die Tätigkeit des Lehrers/der Lehrerin würde sich auf simples Herunterbeten und frontales Vortragen von Inhalten beschränken, trifft in keiner Weise die tatsächliche Arbeitssituation von Lehrern/Lehrerinnen, wird aber medial polemisiert und belastet dadurch das divergierende Fremd-/Selbstbild der Lehrer und Lehrerinnen zusätzlich stark. Es erscheint grundsätzlich sinnvoll, Beratung und Unterstützung für Lehrer/innen anzubieten! Beratung als psychohygienisches und fachorientiertes Instrumentarium für Lehrer/innen muss aus obigen Gründen daher individualisiert, möglichst schnell verfügbar, kostengünstig und möglichst niederschwellig zur Verfügung stehen. Insbesondere die Niederschwelligkeit des Beratungsangebots ist ein wesentliches Kriterium: Dies bedeutet, dass Beratung leicht zur Verfügung steht und man sich für Beratung und Hilfe nicht umständlich anmelden, sich an irgendeiner Stelle beratungsindiziert outen oder evtl. im Vorfeld seine Probleme z.b. beim Arbeitgeber melden muss. Beratung und Hilfe stehen in niederschwelligen Einrichtungen anonym, kostengünstig (zumeist gratis) und ohne weitere Verpflichtungen seitens des Klienten/der Klientin zur Verfügung. Niederschwelligkeit macht den Zutritt zu Beratung und Hilfe leicht, lädt ein, ohne sich aufzudrängen. Der/Die Ratsuchende verfügt über die Kontrolle der Kontaktnahme, erfährt Wertschätzung und Respekt und erlebt sich von Verpflichtungen frei. Im konkreten Fall sind sowohl die psychohygienisch präventiv wie aktuell wirksamen Aspekte von Beratung relevant, die kurzfristig Hilfe und Entlastung bieten können. 8

9 Die nachhaltigen Wirkungen von Beratung können als zusätzlicher Teil von Qualitätsverbesserung und damit als professionsspezifisches Element angesehen werden. Im vorgestellten Projekt ist die nachhaltige Wirkung der Qualitätsentwicklung und -förderung ein Aspekt, der als Resultat der Reflexion der Problemsituationen entsteht und in dieser Phase der Implementierung der Onlineberatung nicht untersucht wird. Diese Arbeit wird als zukünftiges Forschungsprojekt geplant (siehe Kapitel 8). Angenommen wird ein Zirkel, der im Wahrnehmen der Problemsituation seinen Ausgang nimmt, das Formulieren und sprachliche Klären des eigentlichen Problems als wichtige Abstraktion bezeichnet, das dazu führt, dass ein unbekannter Berater/eine unbekannte Beraterin sich unvoreingenommen dem Problemfeld widmet, um in einem Beratungsprozess eine Lösung zu erarbeiten, die den individuellen Ressourcen und Möglichkeiten des/der Anfragenden entspricht und Hilfe und Unterstützung zur selbstständigen Erleichterung/Beseitigung des Problems führen soll. Es steht im Interesse des LSR für NÖ, Unterstützungsinstrumentarien für Lehrer/innen zu entwickeln, die durch die besondere Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen physisch und psychisch belastet sind. Ein entsprechendes Unterstützungsmaßnahmenpaket soll dabei nicht nur die betroffenen Lehrer/innen entlasten, sondern in gleicher Weise ein besonderes Qualitätssicherungsinstrument darstellen, das leicht und niederschwellig zur Verfügung stehen kann. Als Konsequenz des eingangs dargestellten Prozesses soll ab Jänner/Februar 2010 das Onlineberatungssystem HeLv - Helpdesk für Lehrer/innen verhaltensauffälliger Schüler/innen den niederösterreichischen Lehrern und Lehrerinnen zur Verfügung stehen, das durch die Pädagogische Hochschule Niederösterreich technisch entwickelt, vom Autor der vorliegenden Studie logistisch aufgebaut und koordiniert wird und in Kooperation mit dem LSR für NÖ und der Schulpsychologie Niederösterreich und allfälligen Partnerorganisationen betrieben werden soll. Anfragenden Lehrern und Lehrerinnen wird durch Medienwahl (Homepage im Internet) vor Augen geführt, dass sie einerseits nicht alleine sind und ihnen zusätzlich jemand zur Seite steht, sich ihren Fragen und Problemen zuwendet und ihre(!) Schwierigkeiten ernst nimmt, hilft, Antworten zu finden und zu unterstützen und gleichzeitig deutlich macht, dass jede Situation individuell zu lösen ist, es keine Patentrezepte gibt, die ein Wissender/eine Wissende aus dem Ärmel schütteln kann. 9

10 1.1 Hypothesen und Fragestellungen Die Implementierung der Onlineberatung HeLv - Helpdesk für Lehrer/innen verhaltensauffälliger Schüler/innen basiert auf einigen grundlegenden Hypothesen, die durch Literaturrecherche und Bezugnahme/Interpretation auf Daten der vorliegenden Fragebogenerhebung und eine vergleichende Internetrecherche bearbeitet werden: Beratung von Lehrer/innen verbessert die Arbeitssituation von Lehrern/Lehrerinnen! Beratung kann Online erfolgen und dabei durch die Niederschwelligkeit des Mediums den Zugang zu Beratung erleichtern! Aus den obigen Hypothesen werden nachfolgende Forschungsfragen entwickelt, die in der vorliegenden Studie bearbeitet werden: Mit welchen verhaltensauffälligenpädagogischen Herausforderungen ist die n.ö. Lehrerschaft in besonderer Weise konfrontiert? Welche Problemsituationen belasten Lehrer/innen in Niederösterreich und welche Fragen ergeben sich aus diesen Erkenntnissen für die Konzeption eines Onlineberatungssystems? Werden zusätzlich zu den Abteilungen des Landesschulrates, die zur Unterstützung von Lehrern und Lehrerinnen eingerichtet sind, weitere öffentlich-rechtliche und private Institutionen benötigt, um Fragen von Lehrern und Lehrerinnen zu Schwierigkeiten mit verhaltensauffälligen Schüler/innen zu beantworten? Welches Design und welche technischen und grafischen Strukturen braucht eine Homepage um die Grundanliegen von Beratung erfüllen zu können? Welche Aspekte von Nachhaltigkeit können in der Onlineberatung HeLv - Helpdesk für Lehrer/innen verhaltensauffälliger Schüler/innen implementiert werden, um die Nachhaltigkeit des Beratungs-Tools sicherzustellen? 10

11 1.2 Forschungsmethoden Auf der Grundlage einer ausführlichen Literaturrecherche (z. B. Hintenberger, Kühne 2009; Knatz 2003; Mayer 2008; Sickendiek u.a 2008; Rauch u.a. 2008; ) wurden weitere Forschungsmethoden (Fragebogenerhebung, vergleichende Internetrecherche, Selbstversuch bei Onlineberatungsangeboten) angewendet, um eine empirische Überprüfung durchführen zu können Erhebung mittels Fragebogen Zentrale Schritte zum Aufbau des HeLv Helpdesk für Lehrer/innen verhaltensauffälliger Schüler/innen wurden durch das Vorliegen eines qualitativen Fragebogens vorgegeben, der durch die ARGE Verhaltensauffälligenpädagogik und die ARGE BeratungslehrerInnen in Zusammenarbeit mit dem damaligen Landesschulinspektor für Sonderschulen erstellt, in Umlauf gebracht und eingesammelt worden war und konnten seitens des Autors nicht beeinflusst werden, was aus Sicht des Autors sicherlich zu einer Optimierung der Datenerhebung hätte führen können. Die qualitativen Daten lagen im Juli 2008 als Textdokumente digital vor. Das damals gewählte Prozedere macht eine exakte Bestimmung der verarbeiteten Fragebogenzahl schwierig. Nach einer Zählung kann davon ausgegangen werden, dass als Papierdokumente 368 Fragebogen vorliegen. Weiters wurden an die verwaltende und mit initiierende Direktorin der Dr. Erwin Schmuttermeier-Schule und Vertreterin der ARGE Verhaltensauffälligenpädagogik 169 Fragebogen via geschickt, die damit bereits als digitale Textdokumente zur Verfügung stehen. Es steht insgesamt eine Fragebogengesamtzahl von n = 537 als Datenausgangsmaterial zur Verfügung. Die Auswertung der qualitativen Daten erfolgt mithilfe von MAXQDA, einer Software zur Analyse qualitativer Daten Vergleichende Internetrecherche Das zu entwickelnde Onlineberatungssystem orientiert sich an den Grundprinzipien, die einerseits in der Literatur beschrieben (z. B. Hintenberger, Kühne 2009; Knatz 2003; Mayer 2008; Sickendiek u.a 2008; ) als auch in der aktuellen Entwicklung von Internetplattformen berücksichtigt werden. Vergleichende Internetrecherche ist gerade im Prozess der Entstehung der Onlineberatungsplattform von großer Bedeutung, um durch die Internetauftritte diverser Beratungsinstitutionen Hinweise über den Aufbau 11

12 und Möglichkeiten von Beratungshomepages zu erhalten und erweiterte Grundlagen für die Planung der eigenen Onlineberatung HeLv Helpdesk für Lehrer/innen verhaltensauffälliger Schüler/innen zu haben. Näher untersucht und im Rahmen eines Selbstversuchs auch praktisch erprobt wurden die beiden großen Onlineberatungsportale Telefonseelsorge.de und Beratung-Caritas.de. 12

13 2 Beratung 2.1 Was ist Beratung? Der umgangssprachlich häufig verwendete und damit alltägliche Begriff `Beratung braucht in seiner professionellen Form ein klares Setting, das sich vom alltäglichen `einen Rat holen oder `einen Ratschlag erhalten deutlich unterscheidet. Die Feststellung Ratsuchende wenden sich oft erst dann an formelle Beratungsinstanzen, wenn die Mitglieder ihres persönlichen Umfeldes nicht, nicht mehr oder nicht angemessen helfen können. (Sickendiek, Engel, Nestmann 2008, S. 22) lässt darauf schließen, dass zunächst das Umfeld der Ratsuchenden mit der individuellen Problematik befasst wird, sofern der/die Ratsuchende das Vertrauen in sich und die anderen setzt, dass mit der vorliegenden Thematik wertschätzend und vertrauensvoll umgegangen wird. In diesem Kontext ist die umgangssprachliche Bezeichnung `einen Rat holen Ausgangspunkt der freundschaftlichen Gespräche. Der Beratungsbedarf wird von Subjekten, (...), erlebt und zwar als Diskrepanz zwischen einem Ist-Zustand und einen Soll- (evtl. auch Will-) Zustand. (Krause 2003, S. 28) Der Klient/die Klientin kann in seiner/ihrer Wahrnehmung den gestellten Anforderungen nicht in der gewünschten Form gerecht werden, Ressourcenverluste werden befürchtet oder sind tatsächlich anzufinden und Handlungssicherheit wird verloren. Wie bereits in der Einleitung skizziert, scheinen Lehrer/innen erst zu einem relativ späten Zeitpunkt Hilfe aufzusuchen, wodurch es zum Anstau belastender Gefühle kommt. Erst wenn der Leidensdruck des/der Ratsuchenden so groß ist, dass der angemessene Umgang der Mitglieder des persönlichen Umfeldes nicht zur Lösung/Linderung des leidensverursachenden Problems beitragen kann, erfolgt der Weg zu formeller/professioneller Beratung. Es ist davon auszugehen, dass dieser Prozess mitunter lange dauern kann und die entsprechenden Abwehrmechanismen wie z.b. Verdrängung oder Abwertung, Verneinung, u.a. in ihrer ganzen Vielfalt häufig dazu beitragen können, dass effektive Beratung nie aufgesucht wird. Menschen werden in dieser Phase für physische und psychische Probleme anfällig und verletzlich. Die Situation wird belastend erlebt. Beratung richtet ihr Handeln nun an der möglichen Ressourcenerweiterung, der gezielten Ressourcennutzung und dem Einsatz von Ressourcen zum Ressourcengewinn 13

14 aus. Sie dient hier in diesem Ansatz als Unterstützung und Förderung der kognitiven, emotionalen und handlungsorientierten Risiko-, Konflikt- und Problembewältigungsanstrengungen des Klienten. Hilfe zur Selbsthilfe wird demzufolge geleistet, weil durch die Förderung einer Ressource neue oder bereits vorhandene Ressourcen (wieder) aktiviert werden. (Mayer 2008, S. 15) In der professionellen Beratung steht nicht im Mittelpunkt, Wissensdefizite auf Seiten des Klienten/der Klientin aufzuzeigen, den Berater/die Beraterin in die Position des/der Wissenden zu manövrieren und damit ein Wissensgefälle zu erzeugen oder zu bearbeiten, sondern grundlegend vorhandene Fähigkeiten und Fertigkeiten des Klienten/der Klientin zu aktivieren, Blockaden zu lösen und ein umfassendes und freies Handeln gemäß den individuellen Möglichkeiten des/der Anfragenden zu gewährleisten. Dazu muss der Klient/die Klientin seine/ihre Lebenswirklichkeit erfassen, allfällige Probleme und Störungen festmachen, Ziele formulieren und Handlungswege entwickeln. Das allfällige Problem wird in dieser Phase, die als `Vorphase der Beratung angesehen werden kann, als Problem dem Klienten/der Klientin klar und bewusst. Zumeist wird an dieser Stelle der Leidensdruck durch die spezifischen Gegebenheiten so groß, dass die Situation für den Klienten/die Klientin Unerträglichkeit erreicht. Dieser schon zuvor angesprochene Leidensdruck erreicht ein Niveau, das dem Ratsuchenden/der Ratsuchenden aufzeigt, dass eine Fortsetzung der bisherigen Problemlösungsversuche ineffektiv ist und nur zu weiterer Eskalation oder Verfestigung der problematischen Situation beiträgt. Es sei an dieser Stelle auf die wunderbare Publikation Watzlawicks verwiesen, der aufzeigt, was unter Umständen getan werden kann, um die Problemlage noch zu verschärfen (vgl. Watzlawick 2002). Beratung ist eine weit verbreitete und vielfältige Hilfeform, eine der zentralen professionellen Handlungsorientierungen und eine der wichtigsten Methoden sozialer, sozialpädagogischer und psychosozialer Arbeit. (Sickendiek, Engel, Nestmann 2008, S. 13) Bedeutsames Kennzeichen von Beratung ist die Interaktion zumindest zweier Beteiligter, wobei eine/r Rat sucht und der/die Berater/in in Bezug auf eine spezifische Frage oder Problematik bei der Suche nach Lösung bzw. der Orientierung Hilfe und Unterstützung anbietet. In der Beratung geht es nicht um Anweisungen und Rezepte sondern das Einholen weiterer Sichtweisen, um Unsicherheiten, Unentschiedenheit oder Ambivalenzen (Hinrichs 2003, S. 30) zu beseitigen. 14

15 Der/Die Ratsuchende setzt sich mithilfe des Beraters/der Beraterin mit dem Eigenen auseinander und gewinnt in diesem reflexiven Prozess Unabhängigkeit. Beratung erhält damit präventive, kurative und rehabilitative Bedeutung in Bezug auf die Handlungsfähigkeit und psychosoziale Befindlichkeit des Klienten/der Klientin (vgl. Mayer 2008, S. 14ff). Das Ziel von Beratung ist zumeist, die Ressourcen des Klienten/der Klientin zu entdecken, zu aktivieren oder weiterzuentwickeln und dabei den Fokus auf das soziale Umfeld und die persönlichen Ressourcen des Klienten zu legen. Beratung hat die Förderung und (Wieder-) Herstellung der Bewältigungskompetenz der KlientInnen selbst und ihrer sozialen Umwelt, ohne ihnen die eigentliche Problemlösung abnehmen zu wollen (Sickendiek, Engel, Nestmann 2008, S. 14) im Auge. Das `Endziel jeder Form von Beratung ist es, nicht mehr notwendig zu sein, den Klienten/die Klientin mit Hilfe zur Selbsthilfe soweit zu begleiten, dass eigenständige Lösung der problematischen Situation möglich ist und ein entsprechendes Handlungsrepertoire auch in zukünftigen Problemlagen adäquates Handeln ermöglicht. Nach Sickendieck u.a. ist Beratung bei folgenden Problemlagen indiziert: Orientierung in Anforderungssituationen und Problemlagen Entscheidung über anzustrebende Ziele und Wege Planung von Handlungsschritten zur Erreichung der Ziele Umsetzung und Realisierung der Planung Reflexion ausgeführte Handlungsschritte und Vorgehensweisen (Sickendiek, Engel, Nestmann 2008, S ) Aus der Sicht der Professionalität von Pädagogen/Pädagoginnen ist eine laufende begleitende psychohygienische Versorgung dringend zu fordern, da viele Unklarheiten hintangehalten werden könnten, was als wesentlicher Teil psychosozialer Gesundheitsversorgung und z.b. Burn-Out-Prophylaxe aber auch als Qualitätsentwicklung und -sicherung angesehen werden kann und aus dem Gesichtpunkt der Nachhaltigkeit von großer Bedeutung ist! Beratung bedient sich dazu unterschiedlicher Methoden und Konzepte und es werden verschiedene Formen von Beratung angeboten. Je nach Fall und Beratungsrichtung erscheinen unterschiedliche Verfahren und Methoden hilfreich und passend. 15

16 Formelle/Professionelle Beratung braucht eine klar beschriebene Qualifikation, die die Berater/innen in ihrem Fachgebiet im Rahmen einer spezifischen Ausbildung erwerben. Daneben verfügen sie zumeist über Zusatzqualifikationen und spezielle Kenntnisse, um den umfassenden Beratungserfordernissen gerecht werden zu können. Dies betrifft vor allem den psychosozialen Beratungsbereich, der durch das Berufsbild des Lebens- und Sozialberaters/der Lebens- und Sozialberaterin gesetzlich geregelt ist (BGBl. II Nr. 140/2003, ausgegeben am 14. Februar 2003 / 140. Verordnung: Lebens- und Sozialberatungs-Verordnung - Die Regelungen zur Psychotherapie sind im Psychotherapiegesetz 1990 gesetzlich klar geregelt. (http://www.psychotherapie.at). Beratungsmethoden werden auch von Psychotherapeuten/Psychotherapeutinnen verwendet, insbesondere in der Explorationsphase bzw. in Phasen der Umsetzung dessen, was in der Therapie bearbeitet wurde. Beratung wird sowohl von Institutionen als auch von selbstständigen Beratern/Beraterinnen auf privatwirtschaftlicher Basis angeboten. Berater/innen befinden sich häufig in multidisziplinären Teams oder aber in kollegialem Austausch/Supervision, der/die ein zentrales Element der Qualitätssicherung darstellt. Darüber hinaus stehen professionelle Beratungseinrichtungen häufig in Kontakt mit anderen Beratungsinstitutionen, um die spezifischen Bedürfnisse der Klienten/Klientinnen einerseits in den unterschiedlichen Beratungseinrichtungen bestmöglich treffen zu können (gegenseitige Zuweisung) oder aber auch im Fall von Überlastung der eigenen Beratungskapazität dem Klienten/der Klientin Beratungsalternativen anbieten zu können (vgl. Mayer 2008, S. 12). Beratung findet fast ausschließlich in direktem Kontakt des/der Ratsuchenden mit dem/der Berater/in statt. Dabei geht zumeist der/die Ratsuchende in eine Beratungsstelle (Komm-Struktur). Diese Form von Beratung ist hochschwellig! Der/Die Ratsuchende muss sich identifizieren, sich um einen Termin bemühen, in die Beratungsstelle gehen, dort möglicherweise im Wartezimmer warten, u.ä.. In der aufsuchenden Sozialarbeit kennt man auch die Form der Geh-Struktur, in der Beratung am Aufenthaltsort der potentiellen Klienten/Klientinnen angeboten wird. Dies findet beispielsweise in der mobilen Jugendarbeit (vgl. aber auch in der Vor-Ort-Unterstützung von Familien durch Sozialarbeiter/innen statt. Aus dem schulischen Bereich ist diese Form der Beratung z.b. durch die Beratungslehrer/innen bekannt. 16

17 Onlineberatung führt hier einen Musterwechsel ein, der die Wahrnehmung von Beratung grundlegend verändert und erweitert. Als Besonderheit pädagogischer Beratung kann gesehen werden, dass es um spezifisch pädagogische Anliegen oder Fragestellungen erzieherischer Handlungskompetenz oder die Formung von Lernprozessen geht. Sickendiek u.a. betonen, dass pädagogische Beratung kritische Aufklärung sein kann da es in der Beratung möglich wird das Besprochene objektivierend zu betrachten,... ein rationales Verhalten zu sich selbst und zu den Bedingungen der eigenen Existenz (Sickendiek, Engel, Nestmann 2008, S. 18) zu finden. Im Kontext der Situation von Lehrern/Lehrerinnen erscheint es notwendig, auch die spezifischen Aufgaben psychosozialer Beratung näher zu betrachten. Ganz sicher ist im Schulalltag die psychische und soziale Verfassung von Schülern/Schülerinnen und Lehrern/Lehrerinnen ein bestimmendes Merkmal des Lehr- und Lernprozesses. In der psychosozialen Beratung, betont Hinrichs, dass der/die Ratsuchende psychosoziale Reflexivität (Hinrichs 2003, S. 35) gewinnt. Darüber hinaus werden die Ressourcen als Fähigkeiten und Kompetenzen des/der Ratsuchenden gesehen, die zur Problembewältigung herangezogen werden, anstatt die Defizite der KlientInnen herauszuarbeiten. (Hinrichs 2003, S. 35f) Kritisch sei hier die Differenzierung in pädagogische und psychosoziale Beratung betrachtet, da die Einbeziehung von Reflexion der individuellen psychosozialen Situation als Eingebundenheit in eine soziale Lebens- und Umweltbedingung einen Teil professioneller Beratung darstellt. Die Onlineberatung Helv Helpdesk für Lehrer/innen verhaltensauffälliger Schüler/ innen versteht sich als Beratung in Sach- und Fachfragen (die nicht als Bestandteil psychosozialer Beratung angesehen werden), als Beratung in Bezug auf methodischdidaktische Fragestellungen, aber auch als psychosoziale Beratung. Sie stellt ein besonderes, persönliches Vertrauensverhältnis gegenüber den Ratsuchenden in den Mittelpunkt ihrer Konzeption als Beratungsinstitution. Dies ist insofern von großer Bedeutung, als in der Behandlung der Daten des/der Ratsuchenden im Rahmen psychosozialer Beratung durch die beiden angeführten Gesetze (Lebens- und Sozialberater/in und Psychotherapeut/in) besonders strenge Vorgaben vorliegen [ 15. Psychotherapiegesetz: Der Psychotherapeut sowie seine Hilfspersonen sind zur Verschwiegenheit über alle ihnen in Ausübung ihres Berufes anvertrauten oder bekannt gewordenen Ge- 17

18 heimnisse verpflichtet. (http://www.psychotherapie.at/paragraph14und15 und16)], die in der digitalen Bearbeitung von Anfrage und Antwort besondere technische Lösungen verlangen, die Datensicherheit gewährleisten. Darüber hinaus hat diese besondere Sichtweise von Beratung Auswirkungen auf die Anzeigepflicht von übermittelten Sachverhalten nach 78 Abs.1 StPO, der Beamte/Beamtinnen grundsätzlich unterliegen (vgl. 78 Abs.2 Z1 StPO). 2.2 Resumée Aus den Ausführungen zur Beratung wurde deutlich, dass in ihr Unklarheiten, Spannungen, Problemsituationen und Belastungen ganz grundsätzlich bearbeitet werden können und aus dieser Beratungssituation der Klient/die Klientin besseren Zugang zu ihren eigenen Kompetenzen und Möglichkeiten der Lösung von Problemfeldern hat. Beratung kann aber auch fachliche Fragen bearbeiten und dabei berufsspezifische Belange in den Mittelpunkt stellen. Der Fokus von Beratung sind die Kompetenzen des/der Ratsuchenden und es lässt sich klar erkennen, das Rückschlüsse auf die Arbeitssituation von Lehrern und Lehrerinnen zulässig sind. Es kann also auf Basis von Literaturrecherche angenommen werden, dass die eingangs formulierte Hypothese Beratung von Lehrer/innen verbessert die Arbeitssituation von Lehrern/Lehrerinnen! bestätigt angesehen wird. Die Implementierung von laufender Beratung im Arbeitsfeld von Lehrern/Lehrerinnen sollte zu einer Verbesserung ihrer Arbeitssituation beitragen und es lässt sich die Frage stellen, wie diese ermöglicht werden kann. Im nachfolgenden Kapitel soll daher überprüft werden, ob Onlineberatung als mögliches Beratungsinstrumentarium für Lehrer/innen zur Verfügung stehen kann und inwieweit die Implementierung eines solchen Systems möglich und sinnvoll ist und oben dargestellte Forderung nach Verbesserung der Arbeitsstítuation von Lehrern/ Lehrerinnen erfüllen kann. 18

19 3 Onlineberatung 3.1 Kann Beratung online stattfinden? Hintenberger und Kühne beschließen ihren Aufsatz mit dem Fazit: Onlineberatung wird in absehbarer Zeit integraler Bestandteil der medialen Lebenswelten von Klienten und Beraterinnen sein - ganz selbstverständlich. (Hintenberger, Kühne 2009, S. 24) Onlineberatung benützt das Internet, das seinerseits aus dem heutigen Alltags- und Berufsleben nicht mehr wegzudenken ist, als Summe der vernetzten Computersysteme, die seit den 1960er Jahren zu dem entwickelt wurden, was wir heute als WorldWide- Web (www) im Rahmen des Internet kennen. Die Spezifika des Internet machen es möglich, dass es auch als Medium für Beratung erfolgreich genutzt werden kann, was sich in unterschiedlichen Formen manifestiert. Der Begriff Onlineberatung (auch: Internetberatung oder online-beratung) bezeichnet eine computergestützte Beratung, die über das Internet medial vermittelt interaktiv stattfindet. (http://de.wikipedia.org/wiki/onlineberatung) Unbestritten ist, dass das Internet zu einer medialen Hauptreferenz geworden ist, die auch den Benutzern psychosozialer Beratung eine Orientierungs- und Landkartenfunktion bietet. Hintenberger und Kühne verweisen auf Chur, der in der Onlineberatung Unterstützung für Menschen verortet, um Schlüsselkompetenzen für ein gelingendes Alltagshandeln (Chur 2002, S. 104 In: Hintenberger, Kühne 2009, S. 15) zu erlangen. Dabei zeigt sich, dass die mittlerweile einfache, kostengünstige und niederschwellige Verfügbarkeit des Internet eine besondere Qualität dieser Beratungsform darstellt. Öffnungszeiten und Örtlichkeiten spielen keine Rolle mehr, Beratung kann damit umfassend angeboten werden und ermöglicht sehr vielen Menschen Zugang. Dem muss aber ergänzend zugefügt werden, dass in unserem Lebens- und Kulturraum Computer und Internet zwar einer sehr großen Bevölkerungsgruppe zur Verfügung steht, der digital gap, also die Trennlinie, die Menschen, die digital versorgt sind und jene, die keinen Zugang zu Computer und Internet haben, nicht nur ein regionales, sondern auch ein soziales Phänomen ist. Dies bedeutet, dass bei uns Bevölkerungsteile 19

20 von der Teilnahme an der digitalen Gesellschaft ausgeschlossen sind, da sie sich die notwendigen technischen Mittel nicht leisten kann. Ist Online-Kommunikation überhaupt Kommunikation? Es wird immer wieder kritisch eingewandt, dass via Internet Kommunikation nicht stattfinden könne, vielmehr würde die Distanz und die nicht direkte Konfrontation von Berater/in und Klient/in eine massive Einschränkung der Kommunikation bedeuten. Dem sei entgegengehalten, dass die Neuen Medien eine je spezifische Form der Interaktion mit sich bringen, die spezifische Qualitäten ermöglicht. Die mediale Lebenswelt wird zu einer subjektiven Medienwelt (Hintenberger, Kühne 2009, S. 15), die zwar mit jeder neuen Entwicklung neu erlernt werden muss, Kommunikation aber in jedem Fall als reale stattfinden lässt. (Niemand würde heute dem Telefongespräch absprechen, ein `Gespräch als Form `realer Kommunikation zu sein.) Befinden sich Kommunikationspartner beispielsweise in -Kontakt oder Chat kommunizieren sie ebenfalls real und nicht virtuell und es sind alle Begleiterscheinungen von Kommunikation anzufinden. In der Zwischenzeit wäre technisch eine bild- und tonsynchrone Kommunikation problemlos möglich (z.b. Skype). Diese Interaktionsform wird in der Beratung aber noch vergleichsweise selten gewählt und findet in der gängigen Literatur der Onlineberatung keine Bearbeitung. Die nonverbalen Hintergrundinformationen (Alter, Aussehen, Hautfarbe, Status, usw.), die in einer Face-to-Face-Beratung sofort sichtbar sind und ein wesentliches Element der Face-to-Face-Kommunikation darstellen, bleiben in einer Onlineberatung verborgen. Die medial bedingte Anonymität scheint es jedoch Ratsuchenden zu erleichtern, persönlich schwierige Themen anzusprechen. Der fehlende Blickkontakt und das solitäre Verfassen von Botschaften begünstigen zusätzlich eine schonungslose Selbstoffenbarung mit reduzierter Bewertungsangst. (Döring 2000, S. 157). Es wird von Beratern/Beraterinnen explizit darauf verwiesen, dass Klienten/Klientinnen in der Onlineberatung häufig wesentlich rascher Probleme ansprechen als in der Face-to-Face- Beratung. Die Klienten/Klientinnen fühlen sich den Berater/innen offensichtlich gleichwertig, was eine Nivellierung der Machtverhältnisse und einen Ausgleich sozialer Benachteiligungen mit sich bringt. Unsicherheiten werden leichter überwunden, Deutungen, die aufgrund der äußeren Erscheinung von Klient/in oder Berater/in mögli- 20

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